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Normale Version: Zur Entstehung der Pest - Presseschau
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Halb Europa wurde im Spätmittelalter entvölkert.
Wie wurde aus einem recht harmlosen Darmbakterieum der Auslöser dieser Pandemien

Spiegel online
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur...41415.html

aus dem Link
Zitat:Bis heute ist die Pest nicht abschließend besiegt. Nun haben Forscher genauer untersucht, wie der tödliche Erreger entstanden ist. Wyndham Lathem und seine Kollegen von der Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago haben die Fähigkeiten verschiedener Erregerstämme verglichen, die Krankheit auszulösen.

Ausgangspunkt war das Darmbakterium Yersinia pseudotuberculosis, das Krankheiten im Verdauungstrakt verursachen kann, ohne einem Säugetier oder dem Menschen wirklich gefährlich zu werden. Aus ihm hat sich das Bakterium Yersinia pestis entwickelt - der Auslöser der lebensgefährlichen Pest.
Man soll eben nicht mit Nagern spielen. In der Mongolei ist die Pest bis heute unter Murmeltieren endemisch.
Ein Vogelberinger wie ich ist vermutlich eine Fundgrube für jeden Virologen...
(01.07.2015 23:01)Arkona schrieb: [ -> ]Ein Vogelberinger wie ich ist vermutlich eine Fundgrube für jeden Virologen...

Abwehrstrategie?
Primasprit?
Im Grunde ist Yersinia pestis bis heute ein Darmbakterium: Es braucht den Darm eines Menschen- oder eines Pestflohs (oder verschiedener anderer, meist blutsaugender Insekten, wie Kopf- und Kleiderläusen, Wanzen, Fliegen, Mücken, Spinnen, Ameisen, Zecken, Kakerlaken) als Verbreitungsweg. Die Vermehrung findet allerdings im Blut des Wirts statt.
Da hat wohl ein Darmbakterium einen Weg gefunden, wie es seine Vermehrung steigern kann - Evolution par excellance.
Da Nager offenbar teilweise resistent werden gegen die Pest, sind sie die idealen Wirte. Aber auch die vielberüchtigten Ratten sterben offenbar massenweise an der Pest. Nur gibt es von ihnen derart viele, dass für den Pesterreger immer noch genügend Tiere übrig bleiben, um sich (u.a.) via Floh weiter fortpflanzen zu können. Der Mensch, der recht schnell und vor allem recht umfangreich an der Pest stirbt (womit der Verbreitungsweg beendet ist), ist da wohl eher ein "Irrweg" für Yersinia pestis.

VG
Christian
(05.07.2015 16:58)913Chris schrieb: [ -> ]Der Mensch, der recht schnell und vor allem recht umfangreich an der Pest stirbt (womit der Verbreitungsweg beendet ist), ist da wohl eher ein "Irrweg" für Yersinia pestis.

Bei der "Beulenpest" meinetwegen, nicht aber bei der "Lungenpest". Die verbreitet sich von Mensch zu Mensch, und zwar schnell über große Entfernungen ohne Einbeziehung von Nagetieren. Deshalb konnte es auch abgelegene ländliche Gebiete wie Island und Norwegen treffen, wo es nun keine Rattenplagen gab.
Die "Lungenpest" wird von Mensch zu Mensch übertragen und stellt quasi die "Ausbauform" der "normalen" Beulenpest dar. Die Lungenpest tritt dann auf, wenn der Erreger es geschaft hat, bis in die letzten Verästelungen des Blutsystems vorzudringen - die Bronchien - und von da aus den Weg in die Atemluft findet. Sie kann also erst dann bei einem Individuum auftreten, wenn dieses Individuum der Beulenpest lange genug und erfolgreich Widerstand entgegensetzt, bei den widerstandsfähigeren Opfern also.
Ergo: So überwindet das Bakterium auch widerstandsfähigere Immunsysteme.
Der Mensch stellt einen Sonderfall dar, weil er mobiler ist als die normalen Opfer der Pest, die Nagetiere. Nur deshalb bietet die Lungenpest dem Pesterreger die Möglichkeit, sehr schnell sehr große Entfernungen zu überwinden und auf den Vektor Nagetier zu verzichten. Unter natürlichen Umständen wäre die Gruppe Nagetiere, der das Opfer angehört, noch schneller ausgelöscht wie durch die Beulenpest und das Bakterium müsste eine "Dürrezeit" überdauern, ist darauf aber auch vorbereitet. Pesterreger können Monate und sogar Jahre überdauern und auf einen neuen Wirt warten.

Im evolutionären Sinn ist die Lungenpest also eine Möglichkeit, kurz bevor die ganze Gruppe sowieso ausgelöscht ist und als Überträger ausfällt, noch einmal sehr viele Bakterien zu produzieren und zu verbreiten, bevor eine Zeit eintritt, in der die Bakterien sich nicht mehr fortpflanzen können.
(08.07.2015 07:44)913Chris schrieb: [ -> ]Die "Lungenpest" wird von Mensch zu Mensch übertragen und stellt quasi die "Ausbauform" der "normalen" Beulenpest dar.

Die Lungenpest finde ich sehr interessant. Zumal es im letzten Jahr einen Fall in China gab, wo sie durch ein Murmeltier übertragen wurde: http://www.handelsblatt.com/technik/medi...40518.html
Ja, das war der klassische Übertragungsweg der Pest vom Nagetier - dem eigentlichen Wirt der Pestbakterien - auf den Menschen, wobei da die Pest schon länger unter den Nagern umgegangen sein muss. Offenbar sind die Infos unter den Chinesen nicht so verbreitet, dass eine große Zahl toter Nager immer zur Vorsicht mahnen sollte...
Ich finde es auf der einen Seite wissenschaftlich gesehen fasziniertend, warum die Pest einfach ncith ausgerottet werden kann, auf der anderen Seite ist es auch beängstigend, dass eigentlich zu jedem erdenklichen Zeitpunkt wieder so eine Pandemie ausbrechen kann.

Ich habe diesen Bericht gefunden, wonach nicht nur Nager für die Übertragung verantwortlich sind, sondern auch Mücken.
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