Forum für Geschichte
Unglückliche Ehen im Mittelalter oder vielleicht doch nur eine Fiktion? - Druckversion

+- Forum für Geschichte (http://www.forum-geschichte.at/Forum)
+-- Forum: Mittelalter (/forumdisplay.php?fid=4)
+--- Forum: Hoch- und Spätmittelalter (/forumdisplay.php?fid=18)
+--- Thema: Unglückliche Ehen im Mittelalter oder vielleicht doch nur eine Fiktion? (/showthread.php?tid=7190)

Seiten: 1 2


RE: Unglückliche Ehen im Mittelalter oder vielleicht doch nur eine Fiktion? - Teresa C. - 25.08.2016 22:08

(24.08.2016 19:44)Suebe schrieb:  
(23.08.2016 21:14)Teresa C. schrieb:  Es wäre aber auch zu überlegen, ob nicht Fremdgehen des Ehemannes für manche Ehefrau keine so schlechte Lösung war, solange die eigenen Position bzw. das Ansehen dadurch nicht ernsthaft gefährdet war. Das war für sie vielleicht sogar angenehmer, als wenn er "brav" ist und sie daher ständig zur Verfügung zu stehen hat.


Geht man davon aus, dass die hormonelle Steuerung im grundsätzlichen männlic-weiblich ähnlich ist, entwickelt sich für die Frau aber ein echtes Problem.
Denn, hat nicht ein wittelsbacher Herzog rein auf den Verdacht hin gleich den Henker kommen lassen. Hinterher wurde er fromm und hat bitter bereut.
Was aber halt auch niemanden mehr lebendig macht.

Du meinst wohl Maria von Brabant (1226-1256) und Ludwig II. den Strengen (Herzog von Bayern und Pfalzgraf bei Rhein), wobei anzumerken ist, dass Ludwig II. nicht nur die Ehefrau hinrichten ließ, sondern auch gleich zwei Hofdamen. Allerdings sind die Hintergründe für diese Tötungen nicht eindeutig geklärt. (Neben einem Mord im Affekt, gibt es auch Hinweise dafür, dass Herzog Ludwig II. seine Frau gezielt loswerden wollte, weil er aus politischen Gründen ein neues Eheprojekt in Aussicht hatte.

---------------------------

Bei den Maitressen wäre auch zu berücksichtigen, die verschiedenen Zeitepochen und den in einer Herrscherfamilie üblichen Umgang mit Maitressen.

Ludwig XIV. machte die Maitresse dann zur Einrichtung seines Hofes: Maitresse en titre, ein Hofamt. Sein Nachfolger setzte diese "Einrichtung" fort und sorgte immerhin für zwei Skandale, als er diese Position nicht mit Damen des Adels besetzte, sondern mit zwei "Aufsteigerinnen", von denen die eine zudem eine Vergangenheit als "Prostituierte" hatte.

Andere Fürsten sind dem Vorbild des französischen Hofes gefolgt, und so gibt es auch einige Fälle, wo sich Fürsten Maitressen hielten, obwohl sie mit ihren Ehefrauen glücklich verheiratet gewesen sein dürften (z. B. der englische König George II. und einige dänische Herrscher.)

Immerhin hatte es Frauen, die mehr oder weniger als Maitressen in Erscheinung traten, am französischen Hof schon vor Ludwig XIV. gegeben (und dabei den Königinnen Konkurrenz bedeuteten): Agnes Sorel, Anne d'Etampes, Diane de Poitiers, um nur einige Beispiele zu nehmen.

Anders sieht es z. B. bei den Habsburgern aus. Auch hier gab es bereits vor dem 19. Jahrhundert (aus dem immerhin Frauen wie z. B. Katharina Schratt, Mizzi Caspar oder Mary Vetsera bekannt sind) manche außereheliche Beziehung, aber diese Beziehungen hatten, anders als in Frankreich, gewöhnlich nicht irgendeinen offiziellen "Charakter". Auch in der Barockzeit finden wir keine "Maitresse en titre" am Habsburgerhof.

Eine relativ bekannte "Habsburger-Maitresse" dürfte vermutlich Barbara Blomberg aus Regensburg sein. Aber bekannt wurde sie eben nicht als Maitresse. Über ihre Beziehung zu Kaiser Karl V. sind keine wirklichen Details überliefert, wir wissen nur den Ort und die ungefähre Zeit. Barbara wurde eben nicht als Maitresse bekannt, sondern als Mutter eines unehelichen Kaisersohnes: Juan d'Austria (oder Johann von Österreich), der zu seiner Zeit offensichtlich sehr populär war und als der "Sieger von Lepanto" in die Geschichte eingegangen ist.

Außerdem hinterließ sie "Spuren", weil sie angeblich für "Skandale" sorgte. Allerdings könnte es sich dabei auch um "nationale" Vorurteile handeln, die Missverständnisse zur Folge hatten. In den Niederlanden, wo Barbara später lebte, scheint eine verheiratete oder verwitwete Frau wesentlich mehr Freiheiten gehabt zu haben, als in Spanien. Dafür, dass diese Barbara keineswegs ein "liederliches" Frauenzimmer war, spricht der Umstand, dass sie ihren Lebensabend als erfolgreiche Grundbesitzerin verbrachte.

Was Kaiser Karl V. betrifft, wäre übrigens noch anzumerken, dass er zwar mehrere außereheliche Verhältnisse gehabt hat (eine weitere bekannte natürliche Tochter von ihm war Margarete von Parma, die als Generalstatthalterin der Niederlande bekannt wurde, "schlag nach bei Goethe"), aber offensichtlich alle diese Beziehungen zu einem Zeitpunkt seines Lebens, als er noch nicht verheiratet oder bereits verwitwet war. Seiner Ehefrau Isabella von Portugal, die allerdings relativ früh starb, scheint er ein treuer Ehemann gewesen zu sein, zumindest ist für die Zeit seiner Ehe bisher keine außereheliche Beziehung nachgewiesen.
----------------------

Einem anderen Ehemann (der lebte allerdings wesentlich später) und war offensichtlich wirklich treu, wird nachgesagt, dass seine Ehefrau Sophie Dorothea von Hannover (1687-1757) es lieber gewesen wäre, wenn er außereheliche Beziehungen gehabt und sie dafür wenigstens in Ruhe gelassen hätte. Dabei wird dem "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) König in Preußen, Kurfürst und Markgraf von Brandenburg, nachgesagt, dass er, völlig untypisch für seine Zeit, größten Wert auf Sauberkeit und Hygiene legte ...


RE: Unglückliche Ehen im Mittelalter oder vielleicht doch nur eine Fiktion? - Suebe - 26.08.2016 14:54

.... das ist der Teufel, und er peinigt mich gar sehr....

frei nach Boccaccio, Il Decamerone