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Revolution, der finanzielle Faktor - Diskussion zum G/Geschichteheft 7/2014:
24.07.2014, 20:52
Beitrag: #1
Revolution, der finanzielle Faktor - Diskussion zum G/Geschichteheft 7/2014:
Ich möchte mal die finanzielle Seite der Französischen Revolution zum Anlass für eine Diskussion nehmen. Hier ein paar Fragen dazu:

-Oft wird bei den finanziellen Problemen die Frankreich vor der Revolution hatte die aufwändige Hofhaltung als eine Ursache erwähnt? Machte diese wirklich so viel aus?
-Wie hat Napoleon diese finanziellen Probleme eigentlich später beseitigen können? Hat er überhaupt?
-Welche Reiche fallen euch noch ein bei denen es Revolution oder zumindest eine Absetzung des Herrschers infolge großer Finanzprobleme gab (hier wäre eine kurze Geschichte dazu interessant).

Gebe zu bin relativ spät dran, finde den Aspekt aber interessant, er wird auch im aktuellen G/Geschichteheft behandelt.

Freue mich auf eine interessante Diskussion.
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24.07.2014, 23:54
Beitrag: #2
RE: Revolution, der finanzielle Faktor - Diskussion zum G/Geschichteheft 7/2014:
Nun, dazu die allgemeine Bemerkung, dass meistens eigentlich nicht Finanzen das Problem sind, sondern vorgelagerte Probleme, die zur Knappheit der Finanzmittel führen.

Ein aufgeblähter Staatsapparat, wie Du ihn andeutest (also nicht nur der Operettenadel in Versailles, aber dann der ganze Verwaltungsapparat auf dem Lande) kann schon belastend wirken und die Steuerlast soll wirklich hoch gewesen sein - dazu das Gefühl, dass der dritte Stand eigentlich "alles" erwirtschaftet für Kirche, Adel, Verwaltung und Heer - das war wohl der Ausgangspunkt der Revolution. Ein Verteilungskampf. Die wirtschaftlich starken, aber sich unterbezahlt fühlenden, probten den Aufstand.

Obs dann im Endeffekt besser herauskam, sprich ob Napoleon den Bürgern bessere finanzielle Bedingungen bot, wage ich zu bezweifeln. Die Kriege konnten nicht weniger gekostet haben als der vorherige Verwaltungsapparat. Es sei denn man machte Beute. Möglicherweise war aber da die Akzeptanz eine andere, zwischendurch hatten die Jakobiner gewütet.

Aber dafür fehlen mir die Kenntnisse dieser Epoche. Aber eine interessante Fragestellung.
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25.07.2014, 10:03
Beitrag: #3
RE: Revolution, der finanzielle Faktor - Diskussion zum G/Geschichteheft 7/2014:
(24.07.2014 23:54)Marek1964 schrieb:  Die Kriege konnten nicht weniger gekostet haben als der vorherige Verwaltungsapparat. Es sei denn man machte Beute.

Oder man lässt sich die Kriegskosten vom (besiegten) Gegner bezahlen. Und nachdem Napoleon ja jahrelang gesiegt hat am laufenden Band, war das eine ergiebige Finanzquelle, resp., da Entschädigungen in erster Linie über die Abtretung von Territorien liefen, eine Möglichkeit, die Kriegskosten über die Steuern der neu gewonnenen Gebiete zu decken. Siehe Napoleons Vorgehen nach dem Ende des ersten Koalitionskrieges: die neu gegründeten französischen Satellitenstaaten wurden ausgeplündert und so die Finanzen Frankreichs im Nu saniert. Den zweiten Koalitionskrieg konnte F dann mit vollem Geldbeutel angehen.

Außerdem verstärkten die besiegten Staaten (auf eigene Kosten) Napoleons Armee, auch hier konnte sich Napoleon also so einiges an Ausgaben sparen.

VG
Christian
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25.07.2014, 18:37
Beitrag: #4
RE: Revolution, der finanzielle Faktor - Diskussion zum G/Geschichteheft 7/2014:
(24.07.2014 20:52)WDPG schrieb:  -Oft wird bei den finanziellen Problemen die Frankreich vor der Revolution hatte die aufwändige Hofhaltung als eine Ursache erwähnt? Machte diese wirklich so viel aus?

Sicher war die Hofhaltung sehr aufwändig, aber wie Du schon richtig schreibst, sie war nur eine Ursache für die Revolution. Wobei es sicher interessant ist, die Kosten der Hofhaltung unter Ludwig XIV., Ludwig XV. und Ludwig XVI. zu vergleichen. Ich würde deshalb eher sagen, dass das Aufwand-Nutzen-Verhältnis nicht mehr stimmte bzw. es so empfunden wurde und dass das dann zur Ablehnung des Hofes in Versailles führte. Die Kritik einiger Aufklärer an die aufwändige Hofhaltung war letztlich nur eine verdeckte Kritik am ganzen System.

Die mittelalterliche und frühneuzeitliche Geschichte Frankreich war geprägt von den Auseinandersetzungen des Königtums mit dem Adel bzw. dem Hochadel. Schrittweise, zum Teil auch mit Rückschritten, konnte das Königtum Steuererhebung, Gerichtsbarkeit, Münzprägung und Truppenaufstellung an sich bringen. Der Aufstand der „Fronde“ von 1648 bis 1653 war die letzte Erhebung des Hochadels gegen das Königtum, danach war der Adel politisch entmachtet. Als Regierungsform setzte sich der Absolutismus durch und der Hochadel wurde, um besser kontrolliert zu werden, an den Hof geholt. Unter Ludwig XIV. setzte sich eine strenge Hierarchie durch, jede Zeremonie, jedes Ereignis um den König war auf die Minute geplant und fand in der Öffentlichkeit des Hofes dar. Der Sonnenkönig verhielt sich tatsächlich so, als sei er die Sonne und alle Personen um ihn herum, sind Gestirne, die um ihn kreisen. D.h. das System funktionierte, weil der König einerseits selbstbewusst genug war, andererseits auch diszipliniert genug war, seine Rolle zu spielen. Man denke nur daran, dass Ludwig XIV. regelmäßig Invaliden seine Hand auflegte, um diese zu heilen.

Natürlich funktionierte das System auch, weil mit dem von Colbert initiierten Merkantilismus ein auf den Hof zugeschnittener Wirtschaftskreislauf bestand.

Des Weiteren war während der Herrschaft Ludwigs XIV. der Hof nicht nur politischer, sondern auch kultureller Mittelpunkt (Molière, Racine, Lully). Der Hof verbrauchte nicht nur Gelder für die Hofhaltung, er investierte zum Beispiel auch in den Festungsbau (Vauban) und der Bau von Schlössern wie Versailles sicherte über Jahre die Einkommen vieler Handwerker. Finanziert wurde das sicher nicht nur von den Steuern und Abgaben der Untertanen, sondern auch von der Beute aus den siegreichen Kriegen Ludwigs XIV., d.h. aber auch, dass der Untergang des Ançien Regime bereits in den letzten Herrschaftsjahren Ludwigs XIV. eingeleitet wurde. Die Zeitgenossen empfanden dies zwar infolge der vielen Todesfälle in Ludwigs Familie, tatsächlich führte aber der Spanische Erbfolgekrieg zum finanziellen Ruin Frankreichs und dem Verlust seiner zentralen Stellung in Europa, von dem sich das Ançien Regime nicht richtig erholte.

Im Gegensatz zu Ludwig XIV., der verehrt oder respektiert, aber vor allem gefürchtet war, war sein Urenkel und Nachfolger Ludwig XV. die ersten dreißig Jahre seiner Herrschaft durchaus beliebt gewesen. Das lag sicher daran, dass für ihn die Regenten Orleans, Bourbon und Fleury die Arbeit machten und so in der Kritik standen, der König dagegen zuerst als Kind, später als junger Familienvater große Sympathien im Volk genoss. Dass diese Sympathie sich in Verachtung wandelte, hatte viele Gründe. Zum einen machte sich die Knappheit von finanziellen Mitteln bemerkbar, die die französische Wirtschaft benötigte. Hier machte sich das Scheitern von John Law bemerkbar, aber auch das Fehlen einer Zentralbank. Ebenso wurde nicht unterschieden, ob Ludwig XV. Ausgaben als Staatsmann oder als private Person bestritt. Der Merkantilismus hatte sich überlebt, der Hof war auch nicht mehr das wirtschaftliche Zentrum, das vielen Handwerkern Einnahmen garantierte. Aus ehemaligen Hofhandwerkern, Hofköchen oder Hofschneidern entwickelten sich schrittweise private Unternehmer, die sich ihre Waren und Leistungen nach Angebot und Nachfrage bezahlen ließen und nicht einem vom Finanzminister festgelegten Lohn oder Preis akzeptierten.

Zweitens trug die militärische Niederlage im Siebenjährigen Krieg, sowohl in Europa als auch in Nordamerika, dazu bei, dass Ansehen des Königtums zu verschlechtern. Ludwig XV. und seine Minister waren nicht in der Lage, notwendige Reformen im Heer und in der Flotte umzusetzen. In der Erschließung neuer Gebiete war man oft nur noch nach den Engländern zweiter Sieger. Ebenso wurde die außenpolitische Allianz mit den Habsburgern nicht von der französischen Öffentlichkeit akzeptiert.

Drittens trug der persönliche Lebenswandel Ludwigs dazu bei, das Königtum zu diskreditieren. Das waren nicht nur seine (noch zeitgemäße) öffentlichen Mätressen, sondern seine oft sehr junge Gespielinnen, die natürlich Aufklärern wie Voltaire oder Rousseau genügen Stoff lieferten, um gegen den König zu polemisieren. So unterstellten sie ihm u.a. auch Inzest mit seinen eigenen Töchtern. Der König litt an Depressionen, war wankelmütig in seinen Entscheidungen und ließ sich oft von Emotionen leiten. Wo Härte angebracht war, verhielt er sich nachgiebig, wo Milde sinnvoll wäre, erwies er sich als brutal, wie z.B. 1758 bei der Hinrichtung eines Attentäters, den er vierteilen ließ. Ludwig XV. erwies sich als unfähig, die Rolle des Königs nach den Vorgaben des Systems auszufüllen. Während Ludwig XIV. durch Strenge und Härte die Loyalität des Hofadels erzwang, erreichte Ludwig XV. dies nur durch Bestechung und Gewähren von Privilegien. Er korrumpierte damit die Hofgesellschaft.

Viertens bestimmten verschiedene, miteinander rivalisierende Adelscliquen die Politik. Dies förderte eine Günstlingspolitik, die alle mögliche Glücksritter an den französischen Hof brachte, die wiederum den Staat ausplünderten oder zumindest auf der Tasche lagen, was wiederum die Finanzlage verschärfte. Karrieren wie die von Cagliostro, Casanova oder der Gräfin Dubarry sind die Spitze, aber keine Einzelfälle dieser Entwicklung.

Ludwig XV. erkannte dies zwar und bemühte sich seit 1770 um eine Korrektur seiner bisherigen Politik. Aber da war es wohl schon zu spät. Nach seinem Tod im Jahr 1774 wurden viele Reformen von Ludwig XVI. zurück genommen.

Ludwig XVI. hatte überhaupt nicht mehr das Format, die Rolle eines absolutistischen König zu spielen. Zwischenmenschliche Probleme mit seiner Ehefrau Marie Antoinette machten ihn wohl auch zu einer Witzfigur. Sein wohl gut gemeintes Engagement für die US-Amerikaner bzw. gegen die Engländer verschlechterte die Finanzen, viel schlimmer war wohl, dass auch das Gedankengut der amerikanischen Revolutionäre nach Frankreich gelangte. Die Halsbandaffäre und Missernten führten schließlich zur Eskalation, der Ludwig XVI. nicht gewachsen war. Ludwig XVI. und Marie-Antoinette sind wohl in jedes Fettnäpfchen getreten, das ihnen gestellt wurde, am Ende hätten sie machen können, was sie wollten, ihr Ruf war so ruiniert, dass er durch nichts mehr aufgebessert werden konnte. Der Hof wurde als nutzlos, ohne Funktion und Aufgabe empfunden und da war man nicht mehr bereit, dies zu finanzieren. Ludwig XVI. wurde meines Erachtens nicht erst am 10. August 1792 (Tuilerien-Sturm) entmachtet, sondern bereits am 6. Oktober 1789, als er Versailles verlassen musste, um in den Tuilerien (als quasi Gefangener der Revolutionäre) zu residieren.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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25.07.2014, 19:17
Beitrag: #5
RE: Revolution, der finanzielle Faktor - Diskussion zum G/Geschichteheft 7/2014:
(25.07.2014 10:03)913Chris schrieb:  
(24.07.2014 23:54)Marek1964 schrieb:  Die Kriege konnten nicht weniger gekostet haben als der vorherige Verwaltungsapparat. Es sei denn man machte Beute.

Oder man lässt sich die Kriegskosten vom (besiegten) Gegner bezahlen. Und nachdem Napoleon ja jahrelang gesiegt hat am laufenden Band, war das eine ergiebige Finanzquelle, resp., da Entschädigungen in erster Linie über die Abtretung von Territorien liefen, eine Möglichkeit, die Kriegskosten über die Steuern der neu gewonnenen Gebiete zu decken. Siehe Napoleons Vorgehen nach dem Ende des ersten Koalitionskrieges: die neu gegründeten französischen Satellitenstaaten wurden ausgeplündert und so die Finanzen Frankreichs im Nu saniert. Den zweiten Koalitionskrieg konnte F dann mit vollem Geldbeutel angehen.

Außerdem verstärkten die besiegten Staaten (auf eigene Kosten) Napoleons Armee, auch hier konnte sich Napoleon also so einiges an Ausgaben sparen.

VG
Christian


Zustimmung.
Philippe-Paul de Ségur schreibt in seinem Werk über den Russlandfeldzug Napoleons sinngemäß:

die Zustimmung zu Napoleon und seiner Politik wäre in den "Ostprovinzen" viel größer gewesen als im ständig unruhigen und aufrührerischen Westen Frankreichs.
Denn, "durch die Ostprovinzen strömte der ganze Reichtum Europas nach Frankreich"
der Südwestdeutsche bekommt da ein bißchen eine Gänsehaut, denn woher kam dieser "nach Frankreich strömende Reichtum".

So sind die franz. Teile der "Grande Armee" im Vorfrühling 1812 durch jubelnde städte und Dörfer in Ostfrankreich marschiert.

des weiteren "Reichtumgs" harrend

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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25.07.2014, 20:24
Beitrag: #6
RE: Revolution, der finanzielle Faktor - Diskussion zum G/Geschichteheft 7/2014:
Im ersten Pariser Friede 1814 wurde insbesondere auf Intervention des Zaren die Zahlung von Kriegsentschädigungen von Staat zu Staat quer durch ausgeschlossen.
Lediglich private Kriegsentschädigungen wurden anerkannt. Preußen zB erhielt 53,5 Millionen Francs, ein Drittel der angemeldeten und für rechtens erklärten Ansprüche.

Beim 2. Pariser Friede war dann aber Schluss mit lustig, Frankreich wurde zur Zahlung hoher Kriegsentschädigungen an Staaten verpflichtet.
Russland fordert 700 Millionen, England und Preußen jeweils 1.200 Millionen. Man einigt sich schließlich auf 800 Millionen.

Ein Fakt, der in den Geschichtsbücher gewöhnlich übergangen wird.
Dass Napoleons 100 Tage nicht nur ein Streifchen Land im Saarland kostete, sondern Frankreich nur deshlab ein paar Milliarden Franc Kriegsentschädigung aufbringen musste.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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26.07.2014, 02:01
Beitrag: #7
RE: Revolution, der finanzielle Faktor - Diskussion zum G/Geschichteheft 7/2014:
Eine der Ursachen der Französischen Revolution war das ungerechte Steuersystem, deshalb möchte ich am Anfang einige Passagen aus meiner Ausarbeitung im Forum von G/Geschichte
stellen:

“Eine Ursache der französischen Revolution war das ungerechte Steuersystem. Während Adel und Klerus von fast allen Steuern befreit war, trug der 3. Stand, insbesondere die Bauern, die Steuerlast. Zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Revolution betrug der Anteil der Direktsteuern zwischen 10 und 15 % des Bruttoeinkommens der Bauern. Allein seit 1774 (also unter Ludwig XVI. und Marie Antoinette) haben sich diese Steuern um ein Viertel erhöht. Eine Ursache dafür sind die Militärausgaben zur Unterstützung der jungen USA im Unabhängigkeitskrieg gegen Großbritannien.

Als wichtigste direkte Steuern des Ancien regime gelten die Taille, die Kopfsteuer (capitutation) und der Zwanzigste (vingtieme). In Nordfrankreich wurde die Taille mach dem Gesamteinkommen errichtet (taille personnelle), in Südfrankreich nach den Erträgen aus dem Immobilienbesitz errechnet (taille réele). Adel und Geistliche waren von der "taile personnelle" bzw. adlige und Kirchengüter von der "taille réelle" befreit.

Die Kopfsteuer wurde ursprünglich von allen Staatsangehörigen errichtet. 1710 befreite sich die Geistlichkeit nach einer Zahlung von 24 Millionen Livres "ein für allemal" von der Errichtung der Kopfsteuer. Daraufhin verweigerte der Adel ebenfalls die Zahlung, so dass Mitte des 18. Jahrhundert die Kopfsteuer in eine Einkommensteuer umgewandelt und der Taille zugeschlagen wurde.

1749 wurde der so genannte "Zwanzigste" eingeführt. Ursprünglich als Abgabe aus Erträgen von Hausbesitz oder Handel und als Abgabe auf Renten, Feudalrechte u. ä. erlangte der Staat unter Ludwig XVI. nur Einkünfte aus Abgaben aus dem Grundbesitz. Diese Abgaben wurden inzwischen willkürlich, zum Teil auf ein Zehntel und mehr, erhöht und de facto nur von den Städten errichtet.

Weitere Einnahmen des Staates waren die indirekten Steuern, deren wichtigste die Salzsteuer (gabelle) war. Deren Erbringung war recht ungerecht festgelegt. 40 % des Landes mussten nur 5 % der gesamten Salzsteuer erbringen. Dagegen musste ein Drittel des Landes, die so genannten "pays de grande gabelle" zwei Drittel der gesamten Salzsteuer leisten. Weitere indirekte Steuern waren die Verbrauchssteuern auf Getränke, Fisch, Fleisch, Tuch, Holz usw., die lokal unterschiedlich angewandt worden und die ebenfalls willkürlich festgelegt waren. Adel und Klerus waren von dieser Verbrauchssteuer weitgehend befreit bzw. wurden begünstigt. Eine weitere indirekte Steuer war die Tabaksteuer, die dem König persönlich zustand. Wirtschaftlich hinderlich waren Binnenzölle, so die Maut (octroi), die an den Toren der Städte und Orte zu errichten war.“

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26.07.2014, 02:20
Beitrag: #8
RE: Revolution, der finanzielle Faktor - Diskussion zum G/Geschichteheft 7/2014:
Ergänzend möchte ich noch einige Sätze zum Adel und Klerus des Ançien Regime schreiben, ehe ich zu den Finanzen während der Revolution komme.

Der Adel umfasste ca. 350.000 Personen, das entsprach 1,5 % der Gesamtbevölkerung, die 1789 etwa 25 Millionen Menschen umfasste. Dieser prozentuale Anteil ist sehr gering, im europäischen Durchschnitt waren etwa 3 bis 6 % der Bevölkerung adlig, in Ungarn oder Polen bestanden weit über 10 % der Bewohner auf ihre adligen Privilegien. In Frankreich genoss der Adel Ehrenrechte, wie das Tragen des Degens, im Falle einer Hinrichtung nur mit dem Schwert gerichtet zu werden oder die Befreiung von Steuern (siehe letzter Artikel). Des Weiteren war der Adel von Einquartierungen befreit, er besaß das Jagdrecht und es wurde nur Angehörigen des Adels der Zugang zu höheren Offiziersrängen, Ämtern in Justiz und Verwaltung oder Kirchenwürden gewährt. Viele Adlige besaßen mindestens ein Lehngut (fief), von dem sie die Feudalabgaben der Bauern kassierten. Aber es gab bereits Nichtadlige, die diese Lehngüter besaßen und es gab Adlige, die keine Güter mehr besaßen. Im 18. Jahrhundert bestand kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Adel und dem Feudalsystem. Im Norden und Westen gab es häufig noch adligen Grundbesitz, in manchen Regionen um die 80 %. Dagegen lag im Süden und Osten nur durchschnittlich 20 % des Grundbesitzes in adligen Händen, wobei auch hier erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen bestanden.

Die oben genannten Privilegien kennzeichnen den Adel, der allerdings in Frankreich recht heterogen war und dessen verschiedenen Schichten sich zum Teil auch bekämpften. Eine personell sehr kleine Schicht des Adels war der ungefähr 4000 Personen umfassende Hofadel, die in der direkten Umgebung des Königs auf meist großen Fuß lebten. Zum Hofadel zählten alle Bourbonen, einschließlich der Nebenlinien Condé, Conti und Orléans sowie ein Teil der Nachkommen des Hochadels. Ihre hohen Lebenshaltungskosten finanzierten die Hofadligen durch ihre Einnahmen aus ihren Hofämtern und von vom König gewährten Pensionen und Schenkungen. Eine Sonderform des Hofadligen war der weltliche Abbé, der vom König ernannt wurde und über ein Drittel der Einkünfte einer Abtei verfügte. Trotz der beträchtlichen Einkünfte bewegte sich ein Teil des Hofadels am Rande des Ruins. Das lag vor allem daran, dass man sich standesgemäß behaupten wollte bzw. musste und so immense Ausgaben für Empfänge, Feste, Dienerschaft, Glücksspiel, Luxusgüter und Mätressen verbuchte. In den 1770/80er Jahren näherte sich dieser Hofadel der großbürgerlichen Hochfinanz, einerseits um ihre Finanzen mit Hilfe von Eheschließung mit großbürgerlichen Töchtern zu sanieren, andererseits gab es gemeinsame wirtschaftliche Interessen, die sich aufgrund von Aktienbesitz herausbildeten. Dieses Interessenbündnis von liberalen Hofadligen und großbürgerliche Hochfinanz führte zur Bildung einer politischen Fraktion, die im 19. Jahrhundert Orléanisten genannt wurden und während des Bürgerkönigtums Louis-Philippes I. faktisch herrschte. Ihre wichtigsten Vertreter während der französischen Revolution waren trotz großer Unterschiede und persönlicher Animositäten Mirabeau, Lafayette und Philipp Egalité.

Dem weitaus zahlreicheren Landadel ging es schlechter, sie lebten oft inmitten ihrer Bauern und unterschieden sich in ihrem Lebensstandard nur unwesentlich von ihnen. Da ein bürgerlicher Beruf oder Handwerk den Entzug des Adelstitels zur Folge hätte, lebten diese Adligen nur von den Feudalabgaben der Landbevölkerung, oft nur noch in halb zerfallenen Herrenhäusern. Die Feudalabgaben beruhten auf einen meist vor Jahrhunderten festgesetzten Geldwert und brachten im 18. Jahrhundert nicht mehr viel ein, das lag daran, dass die Kaufkraft der Livre stetig sank, dagegen die Lebenshaltungskosten anstiegen und der Realwert der Livre deswegen herabgedrückt wurde. Je weniger diese Abgaben wert wurden, desto rabiater entwickelten sich die Methoden des Landadels, diese Abgaben einzubringen. Der Volksmund nannte die Adligen „hobereau“ – Baumfalken, sehr treffend nach dem kleinsten Raubvogel. Der Hofadel und der Robenadel, aber auch das Bürgertum verachteten diesen Landadel als „Adelsplebs“. Möglicherweise sind die Gewaltexzesse während der französischen Revolution gegen Adlige mit dem Hass der Bauern und der Verachtung des Bürgertums und Robenadels zu erklären. Dieser Landadel war strikt konservativ, er verweigerte sich einer Verschmelzung mit dem Robenadel und pochte auf den Erhalt ihrer mittelalterlichen Privilegien. 1781 schaffte es der Landadel, dass ein Anwärter auf ein Offizierspatent über vier Generationen adlige Vorfahren nachweisen muss. Dies war ein Affront gegen den Robenadel, der im Gegensatz zum Landadel die Auseinandersetzung mit dem König nicht scheute. Ebenso wurde den Adligen 1781 ein Anteil am dörflichen Gemeindeland zugestanden. Hof- und Landadel werden zusammen oft noch als Schwertadel bezeichnet, das liegt daran, dass die meisten Familien von einem Vorfahren aus dem frühen Mittelalter abstammten und dieser eben Kriegsdienste leisten mussten.

Die dritte Gruppe, zahlenmäßig weit unter dem Landadel stehend, war der Dienst- oder Robenadel, der aus Angehörigen des Justiz- und Verwaltungsapparates des 16. und 17. Jahrhundert hervorging und zum Teil dem Bürgertum entspross. Der Robenadel kontrollierte Justiz und Verwaltung, ihr Machtinstrument waren die Parlamente, eher Gerichte als Parlamente im heutigen Sinn des Begriffs. Oft verwalteten Angehörige des Robenadels das Eigentum von Hofadligen oder des Königs. Der Robenadel versuchte in die alten landadligen Familien einzuheiraten, was ihm im 18. Jahrhundert noch nicht gelang. Im Gegensatz zum Landadel war der Robenadel auch im Handel eingebunden, einige Angehörige wurden Kolonialherren von Zucker-, Tabak- oder Pfefferplantagen auf Haïti, Martinique oder Französisch Guyana. Robenadlige nahmen eine Zwischenstellung zwischen alten Schweradel und Großbürgertum ein. Ihre Angehörigen gelangten während der frühen Phase der Revolution bis 1792 zu Einfluss.

Der Klerus umfasste etwa 120.000 Personen, das entspräche rund 0,5 % der Bevölkerung. Seine ökonomische Macht basierte auf Grundbesitz und dem Kirchenzehnt. Der Landbesitz war oft in Pachthöfe aufgeteilt, etwa 10 % des französischen Boden war von der Kirche gepachtetes Land. Voltaire bezifferte die jährlichen Einnahmen auf 90 Millionen Livre, der Finanzminister Ludwigs XVI. Necker rechnete mit 130 Millionen Livre Pachteinnahmen pro Jahr. Dem Zehnt waren alle Böden, auch die des Königs und des Adels unterworfen. Unter Ludwig XVI. kassierte die Kirche nicht mehr den zehnten Teil der Erträge ein, sondern nur noch den dreizehnten Teil. Trotzdem beliefen sich die jährlichen Einnahmen zwischen 100 und 120 Millionen Livre. Da der Klerus einen Teil des Zehnts in Naturalien wie z.B. Weizen erhielt, sorgte der Klerus auch für die Knappheit von Lebensmitteln, so dass die Preise stiegen und daraus ebenfalls Gewinne erzielt wurden.

Der Klerus verfügte über eine eigene Verwaltung und Gerichtsbarkeit. Aller fünf Jahre trat eine Generalversammlung zusammen, die beschloss, welche staatliche Abgaben in welcher Höhe erfüllt oder nicht erfüllt werden. Unter Ludwig XVI. waren das schließlich 3,5 Millionen Livre pro Jahr.

Der Klerus war verantwortlich für das Führen der Zivilstandsregister, über Taufen, Eheschließungen und Begräbnisse sowie des Fürsorge- und Unterrichtswesens.

Etwa die Hälfte der Angehörigen des Klerus war in Orden organisiert, es gab zu Zeiten Ludwigs XVI. ca. 25.000 Mönche und 40.000 Nonnen. Der Ruf der Mönche und Nonnen war katastrophal, 1766 wurde deswegen eine Ordenskommission gegründet, um diesbezüglich Reformen einzuleiten, die meist jedoch nicht fruchteten. 1789 zählte man über tausend entvölkerte Klöster, die Pfründe dafür bekamen entweder die vom König ernannten weltlichen Abbés oder eben Mönche und Nonnen anderer Abteien.

Neben den Angehörigen der Orden gab es ca. 50.000 Landgeistliche, die dem niederen Klerus zugeordnet wurden. Diese übernahmen oft die eigentlichen Aufgaben des Klerus. Sie kämpften oft mit den gleichen Existenzängsten wie die Bauern und prangerten oft die sozialen Missstände in ihren Predigten an. Aus den Angehörigen des niederen Klerus bildeten sich während der Revolution zum Teil sehr radikale Revolutionäre heraus.

Der Rest des Klerus umfasst die Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe. Dieser hohe Klerus stand dem Hofadel am nächsten, aus dessen Familien sie ursprünglich entstammten. Einigen Familien gelang es bestimmte Diözesen im Familienbesitz über viele Jahre zu halten, wie z.B. die Rohan im Erzbistum Strasbourg. Kardinal Herzog Rohan hatte zum Beispiel 400.000 Livre jährliches Einkommen, darunter auch seine Einkünfte als deutscher Reichsfürst.

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26.07.2014, 16:03
Beitrag: #9
RE: Revolution, der finanzielle Faktor - Diskussion zum G/Geschichteheft 7/2014:
Nun zum Thema: Wie wurde die Finanzlage Frankreichs während der Revolution verändert?

Nach einem Antrag des ehemaligen Bischofs und späteren napoleonischen Außenministers Talleyrand zog die Konstituante am 2. November 1789 alle Kirchengüter zugunsten der Nation ein, deshalb wurden diese Güter als Nationalgüter bezeichnet. Das eingezogene Kirchengut umfasste etwa 8 % (+/- 2 %) der Gesamtfläche Frankreichs. Am 19. Dezember 1789 wurde der Verkauf beschlossen, nachdem der Gesamtwert des ehemaligen Kirchenguts auf 2 Milliarden Livre taxiert wurde. Die Regierung erwartete durch den Verkauf der Nationalgüter eine Besserung der Finanzlage und vor allem die Möglichkeit, die staatliche Schuldenlast zu verringern. Im Vorgriff auf den Verkauf wurden Assignaten ausgegeben, die bald darauf auch als Papiergeld fungierten.

Am 14. Mai 1790 beschloss die Konstituante ein Gesetz, in dem die Gemeindebehörden angewiesen wurden, die Nationalgüter in den Hauptorten ihres Distrikts verkauft oder versteigert werden. Die ehemaligen Kirchengüter wurden parzelliert, konnten aber auch im Ganzen verkauft werden. Käufer waren vor allem Bürgerliche, denen das Ançien Regime den Kauf von Grundstücken verweigerten. Aber auch viele Bauer erwarben Land, oft legten die Bauern eines Dorfes ihr Erspartes zusammen, um gemeinsam Land zu erwerben. Der Verkauf der Nationalgüter ging jedoch nicht immer reibungslos über die Bühne, konservative Bauern im Westen Frankreichs versuchten den Verkauf bzw. die Versteigerung der ehemaligen Kirchengüter zu verhindern.

Insgesamt war die Veräußerung der Nationalgüter für die Revolutionäre ein Erfolg. Begünstigt wurde dies auch durch die großzügigen Modalitäten, die sie potentiellen Käufern gewährten. Zuerst musste man nur 12 % der Kaufsumme hinterlegen, die Restschuld musste mit zwölf Jahresraten beglichen werden, wobei eine Verzinsung von 5 % pro Jahr festgelegt wurde. Ende 1790 erschwerten sich die Bedingungen, man musste seitdem 20 % der Kaufsumme hinterlegen und die Restschuld innerhalb von 4,5 Jahren begleichen. Ebenso wurde das ehemalige Kirchengut nicht mehr parzelliert, man musste es als Ganzes kaufen. Diese Maßnahme richtete sich ganz bewusst gegen Klein- und Mittelbauern und lag im Interesse des Großbürgertums.

Nachdem das Kirchengut größtenteils verkauft war, beschloss der neue Gesetzgeber, die Legislative, im Februar 1792 die Güter der Emigranten zu konfiszieren. Die konfiszierten Güter nannte man Nationalgüter zweiten Ursprungs, die zuerst auch in kleineren Parzellen verkauft wurden, so dass dörfliche Gemeinschaften wieder Land erwerben konnten, ehe der Konvent am 24. April 1793 Kollektivkäufe gesetzlich verbot. Nach dem Sturz der liberal-großbürgerlichen Girondisten ordnete die neue jakobinische Regierung die Versteigerung der Emigrantengüter in kleinen Losen an. Dies führte dazu, dass die Klein- und Mittelbauer erneut Grundstücke kaufen konnten, oft waren diese jedoch nur 2. Wahl, die „Filetstücke“ fielen nach wie vor dem Großbürgertum zu. Seit Februar 1794 gestatteten die Jakobiner auch die Nutzung der Nationalgüter gegen Errichtung einer Pacht.

Während des Direktoriums fanden die Versteigerungen in den Hauptstädten der Departements statt. Im Gegensatz zu den Versteigerungen von 1790 bis 1795 mussten die Käufer ihren Erwerb mit Hartgeld bezahlen, da Assignaten und Territorialmandate nicht mehr als Zahlungsmittel gültig waren.

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26.07.2014, 18:47
Beitrag: #10
RE: Revolution, der finanzielle Faktor - Diskussion zum G/Geschichteheft 7/2014:
Kehren wir ins Jahr 1789 zurück. Bereits in Dezember 1789 wurde die erste Teilmenge der Nationalgüter im Wert von 400 Millionen Livre zum Verkauf gestellt. Im Vorgriff auf den Verkauf gab die Regierung Assignaten heraus. Assignaten sind Zins tragende Schuldverschreibungen. Die Regierung erhoffte mit deren Hilfe die Finanzkrise zu überwinden und beabsichtigte ursprünglich die Assignaten zu vernichten, wenn der Wert der Nationalgüter in die Staatskasse geflossen war, also der Betrag inkl. Zinsen bezahlt war.

Zuerst legte die Regierung einen Zwangskurs fest, später erhöhte sie die Geldsumme auf 1200 Millionen Livre. Die Assignaten verloren das in sie gesetzte Vertrauen, behaupteten sich aber als Zahlungsmittel. Das Silbergeld verschwand aus dem Geldkreislauf, bereits im Dezember 1791 hatten die Assignaten 25 % ihres ursprünglichen Wertes verloren. Die Legislative erhöhte daraufhin die Papiermenge auf 1600 Millionen Livre und sie gab zusätzlich Papiergeld zu 50, 25, 15 und 10 Sous heraus. All das nutzte nicht viel. Im April 1792 betrug die Kaufkraft der Assignaten nur noch 60 % ihres ursprünglichen Wertes, die Legislative erhöhte daraufhin die Geldmenge erst auf 1700, dann auf 1800 und schließlich im Juli 1792 auf 2000 Millionen Livre. Diese Inflation brachte vorübergehend Gewerbe und Handel voran, führte jedoch auch zu einer Verteuerung der Lebensmittel. Da die Löhne und Gehälter nicht synchron mit den Preisen stiegen und sich die Bauern weigerten, ihr Getreide gegen Assignaten zu verkaufen, kam es zu Hungerunruhen.

Im Februar 1793 gab der Konvent erneut für 800 Millionen Livre Assignaten heraus und im April 1793 setzten sich die Jakobiner gegen die Girondisten durch, indem sie einen Zwangskurs für das Papiergeld festlegten. Mit dem Zwangskurs beherrschten die Jakobiner noch nicht die Inflation, die Kaufkraft der Assignaten sank weiter, im August 1793 erreichten sie den bisherigen Tiefstwert von 22 % ihres Nominalbetrages. Trotz massiver staatlicher Eingriffe wie Mindestlöhne oder Maximalpreise für Nahrungsmittel und Waren des täglichen Bedarfs und Terror gegen angebliche Wucherer, Halsabschneider usw. bekam Robespierre die Inflation nicht wirklich im Griff. Das so genannte Maximun orientierte sich an den Preisen, Löhnen, Transportkosten usw. von 1790, die mit unterschiedlichen Faktoren umgerechnet wurden und dieser Wert durfte nicht über- oder unterschritten werden. Lebensmittel durften demnach nominal 33 % teurer sein als 1790, die Löhne sollten 50 % über die Nominallöhne von 1790 liegen. Zwar stieg die Kaufkraft der Livre bis Dezember 1793 wieder auf 48 %, danach sank sie jedoch wieder, so dass beim Sturz der Jakobiner der Livre nur 36 % seiner ursprünglichen Kaufkraft hatte. Das heißt, zum Ende der Jakobinerherrschaft hatte der Livre dieselbe Kaufkraft wie zum Zeitpunkt des Sturzes der Girondisten. Insgesamt befanden sich 7500 Millionen Livre im Umlauf. Nach dem Sturz der Jakobiner sank die Kaufkraft der Assignaten rasant, im Dezember 1794 betrug ihr Wert nur noch 20 % des ursprünglichen Wertes. Maßnahmen der Thermidorianer, wie die Aufhebung des Maximums führten schließlich dazu, dass die Kaufkraft der Assignaten nochmals rasant und enorm sank. Im Juli 1795 betrug sie nur noch 3 %. Begleitet war diese Inflation mit sozialen Unruhen, wie den Aufstand vom Germinal (1. April 1795) und Prairial (Mai/Juni 1795).

Zu Beginn des Direktoriums waren 20 000 Millionen oder 20 Milliarden Assignaten im Umlauf, im Januar 1796 hatte sich die Menge bereits verdoppelt, so dass 40 Milliarden Assignaten im Umlauf waren. Ein Assignat mit dem Nominalwert 100 Livre war nur noch 15 Sous wert. Das Direktorium zog die Notbremse und beendete am 19. Februar 1796 die Herausgabe der Assignaten. Druckplatten und Notenpressen wurden zerstört. Die Assignaten wurden bald darauf durch Territorialmandate ersetzt.

Die Territorialmandate ersetzte die Assignaten als neues Papiergeld. Am 19. Februar 1796 wurden 2,4 Milliarden Livre herausgegeben, deren Wert durch die noch nicht veräußerten Nationalgüter gedeckt wurde. Assignaten konnten in Territorialmandate umgetauscht werden. Der Wechselkurs war aber zu niedrig angesetzt, er betrug 1:30, deshalb konnten Besitzer größerer Mengen von Assignaten für einen Spottpreis Nationalgüter kaufen. Die Territorialmandate erwiesen sich ganz schnell als Flop, bereits nach zwei Monaten hatten sie neun Zehntel ihrer Kaufkraft eingebüßt. Mit dem Gesetz vom 4. Februar 1797 wurden die Territorialmandate abgeschafft, für 100 Livre erhielt man 20 Sous (1 Livre) in Hartgeld.

Kommen wir wieder zurück zum Verkauf der Nationalgüter. Bis 1796 kam es zu 974000 Käufen, die mit Assignaten oder Territorialmandate getätigt wurden. Von 1797 bis 1802 wurden nochmals 227000 Nationalgüter verkauft, diesmal musste mit Hartgeld bezahlt werden. Danach wurden noch 40000 Nationalgüter verkauft, 1814 galt der Verkauf von Nationalgütern als abgeschlossen. Seit 1802 ermöglichte Napoleon zurückgekehrten Adligen den Rückkauf ihrer ehemaligen Güter unter günstigeren Bedingungen als für andere Käufer. Gewinner dieser Transaktion von Gütern war die bäuerliche Oberschicht, regionale Machthaber und Teile des Großbürgertums.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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