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Stadtbrände - Diskussion zum G/Geschichteheft 6/2014:
22.11.2012, 21:12
Beitrag: #7
RE: Stadtbrände
DER GROSSE BRAND VON ROM

Einer der berühmtesten Stadtbrände aller Zeiten war der Brand Roms vom 19. bis zum 26. Juli 64 n. Chr., die größte Feuersbrunst, die die „Ewige Stadt“ in der Antike je heimsuchte. Sie ist vor allem dadurch bis heute berühmt, dass sie angeblich durch Kaiser Nero hervorgerufen worden sein soll. Was ist dran an dem Gerücht? Viel wurde dazu geschrieben, wenig Unwidersprochenes herausgefunden. Doch fangen wir erst einmal mit den Fakten an:
Es geschah in den heißen Sommermonaten des zehnten Regierungsjahres des Kaisers Nero, dass in einer der hölzernen kleinen Verkaufsstände in der Nähe des Circus Maximus ein kleiner Funke dort auftauchte, wo er nicht sein sollte. Viel mehr bedurfte es gar nicht, um einen gewaltigen Stadtbrand zu erzeugen: Nicht nur die Buden, sondern auch ein Großteil der Gebäude in den ärmeren Bezirken Roms bestanden aus viel Holz und waren dazu noch recht baufällig. Außerdem lagerten dort, wo der Brand ausbrach, viele brennbare Objekte, die an dieser Stelle verkauft wurden. Also griff der kleine Funke schnell auf die ganze Bude, schließlich auf den ganzen Platz über. Zu allem Unglück wehte auch noch ein frischer Wind, der das Feuer mit enormer Geschwindigkeit in Richtung Nordwesten blies. Die Täler flammten zuerst auf, dann waren auch die Hügel Roms an der Reihe. Die Menschen schreckten langsam auf, eilten vermutlich zu Wassereimern, aber viel ausrichten konnte man damals noch nicht gegen derlei Katastrophen – wenn sie auch keine Naturkatastrophen waren, ist es nicht falsch zu sagen, dass sie wie solche wirkten: Völlig chancenlos standen die Leute den Flammen gegenüber und mussten auf Fortuna, ihre Glücksgöttin, auf Vulcanus, den Gott des Feuers und auf Aeolus, den Gott der Winde, beten.
Kaiser Nero hielt sich zu dieser Zeit gerade in Antium, 60 Kilometer von der Hauptstadt seines Reiches entfernt, auf. Noch in der Nacht, in der der Brand ausbrach, derjenigen vom 18. auf den 19. Juli, ritten deshalb der Konsul M. Licinius Crassus und der Prätorianertribun Subrius Flavus von Rom in die Hafenstadt. Als er die Unglücksnachricht erhielt, eilte der Herrscher sofort nach Rom und überwachte von nun an die Löscharbeiten. Diese gingen nur recht langsam voran, trotzdem man in Linien quer durch die Stadtviertel Roms Schneisen in die Häuser schlug und an bestimmten Stellen Feuer setzte, die in Schach gehalten werden konnten und so das unkontrollierte Feuer bremsten. Die 7000 Männer der Feuerwehrkohorte reichten nicht aus, trotz tatkräftiger Unterstützung durch die Bevölkerung. Erst nach sechs Tagen, also am 24. Juli, gelang es, am Esquilin eine Brandschneise zu errichten, die das Feuer zurückdrängte. Kurze Zeit später brach wieder ein Feuer aus, und zwar auf dem Besitz des reichen Tigellinus. Auch dieses richtete noch verheerende Schäden an, bevor es endgültig gestoppt werden konnte. Nero gab als erste Reaktion das Marsfeld, einen riesigen Freizeitpark in der Stadt, frei, um die obdachlos gewordenen Menschen vorerst unterzubringen, bis der Wiederaufbau beginnen konnten. Auch ein eigener kaiserlicher Park und einige öffentliche Bauten wurden zu Übergangslagern. Nero senkte den Getreidepreis auf 3 Sesterzen und ließ zusätzliche Lebensmittel in die Stadt schaffen.
Anschließend wurden die verfügbaren Arbeitskräfte organisiert und eingeteilt: Die einen brachten den Schutt, die verfallenen Reste, auf Schuttlager innerhalb und außerhalb der Stadt, die anderen begannen bereits wieder den Wiederaufbau der Gebäude. Immerhin hatte man aus den Geschehnissen nach der Zerstörung der Stadt durch die Gallier (390/387 v. Chr.) und den vielen kleineren Stadtbränden, die es seit damals gegeben hatte, gelernt und baute nicht mehr so planlos. Man schuf breite, gerade Straßen mit Arkaden, reduzierte die Höhe der Häuser und schrieb freie Höfe in den Wohnblöcken vor. Die Untergeschosse mussten aus Stein errichtet werden, um die Möglichkeiten für einen weiteren Brand zu reduzieren. Jedes Gebäude brauchte eigene Umfassungen. Auch die Wasserleitungen wurden unter besonderer Aufsicht wieder hergestellt: Die Hausbesitzer waren verpflichtet, Löschmittel jederzeit verfügbar zu haben. Allgemein ging die Arbeit schnell voran, denn es wurden Prämien für diejenigen ausgesetzt, die ihr Haus innerhalb einer bestimmten Zeit wieder aufgebaut hatten. Es folgten Gottesdienste zur Besänftigung der Götter und eine Befragung der sibyllinischen Bücher, der Prophezeiungen zur Geschichte Roms. Langsam kehrte wieder Normalität in Rom ein.
Der Schaden des Brandes war unermesslich: Die ältesten Bauwerke Roms wurden zerstört, genauso wie Schätze, Kunstwerke, ganze Bibliotheken und Heiligtümer. Ein Großteil der Bevölkerung hatte die Heimat, das gesamte Ersparte und den Arbeitsplatz verloren, oft sogar noch einige Verwandte. 4000 Miets- und 132 Stadthäuser waren zerstört. Von den vierzehn Stadtteilen waren drei dem Erdboden gleich, sieben von Trümmern übersäht und nur vier unversehrt. Um das zu ersetzen, wurden die Steuern enorm erhöht und Tempelschätze in den Provinzen geplündert.

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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Stadtbrände - Maxdorfer - 30.10.2012, 21:02
RE: Stadtbrände - Maxdorfer - 30.10.2012, 21:05
RE: Stadtbrände - Suebe - 30.10.2012, 21:27
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