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Skara Brae und The Heart of Neolithic Orkney
14.02.2013, 23:44
Beitrag: #8
Die " Standing Stones of Stenness"
Die „ Standing Stones of Stenness“

Fest verknüpft mit der Siedlung Barnhouse Village sind die „Standing Stones of Stenness.“, am südöstlichen Ende des Loch of Stenness gelegen.
Der Steinkreis von Stenness wurde um 3100 v. Chr. erbaut (eine andere Datierung spricht von 3000 v.Chr.) und ist damit der älteste bisher gefundene Steinkreis Großbritanniens, rund 500 Jahre älter als Stonehenge. Im Laufe seiner rund 1000-jährigen Nutzung wurde er mehrfach umgebaut, vermutlich weil sich die Zeremonien im Laufe der Zeit änderten.

Ursprünglich angelegt als Steinellipse aus 12 großen, über 6 m hohen Steinen und einem Durchmesser von 33, sind heute nur noch vier der Steine vorhanden. Allerdings scheint es, als wären niemals alle 12 eingeplanten Steine aufgerichtet worden. Ausgrabungen zeigen, daß der 12. Sockel unbesetzt geblieben ist. Warum das so war, ist rätselhaft.

Neuere Vermutungen gehen in die Richtung, daß jeder Stein für eine Dorfgemeinschaft stand und die zwölfte Dorfgemeinschaft sich nicht mehr an den Bauarbeiten beteiligen wollte oder konnte- aber das ist reine Spekulation.

Geologische Untersuchungen haben erwiesen, daß es sich bei den verwendeten Steinen um fünf verschiedene Gesteinsarten handelt, was die Vermutung nahe legt, daß die Steine von verschiedenen, wahrscheinlich signifikanten Orten von Orkney stammen, die Analysen dauern noch an.
Der Steinkreis von Stenness war von einem Graben umgeben, der 4 m breit und zwei Meter tief war. Der Durchmesser des Grabens betrug 44 m, und er wurde aus dem Grundgestein geschnitten. An den Graben schloss sich ein Sanddamm an. Lediglich im Norden, zur Siedlung Barnhouse Village hin, befand sich ein Durchgang. Bei den Ausgrabungen stellte sich heraus, daß sich der Graben mit Wasser füllte, so daß man heute davon ausgeht, daß die Anlage von einem Wasserring umgeben war.
Im Inneren des Grabens wurden Tonscherben gefunden, außerdem die Knochen von Rindern, Schafen und Hunden oder sogar Wölfen. Auch zwei verbrannte menschliche Handknochen wurden in der Nähe des Eingangs gefunden.

Heute befindet sich in der Mitte des einstigen Steinkreises ein „Herd“ aus vier großen Steinen, ähnlich den Feuerstellen der Häuser von Skara Brae oder Barnhouse Village. Auch dieser war wohl nicht der ursprüngliche. Die ursprüngliche Feuerstelle stammte aus Barnhouse Village und war gewissermaßen aus der Siedlung in den Steinkreis hinein verpflanzt worden. Allerdings scheint auch sie nicht der ursprüngliche Mittelpunkt der Anlage gewesen zu sein- im Zentrum der Anlage und inmitten des Herdes stießen Archäologen auf die Überreste eines aufgerichteten Pfostens, der das allererste Zentrum gebildet hatte.
Überreste von Knochen, Kohle und Töpferwaren im Innern des Herdes geben Anlaß zu der Vermutung, daß in der Anlage Feste gefeiert wurden.

Im Norden der Feuerstelle, parallel zum Durchgang, fanden sich die Löcher zweier Steine, die dort einmal standen und durch einen Pfad mit dem Mittelpunkt der Anlage verbunden waren. Irgendwann wurden die Steine entfernt und die Löcher wieder aufgefüllt. Wann das war und warum es geschah, ist derzeit nicht zu ermitteln.

Nördlich anschließend an diese beiden Steine fanden sich die Überreste einer kleinen Holzkonstruktion, die um 2150 v. Chr. noch in Benutzung war.. Die östlichen und westlichen Seiten dieser Konstruktion lagen in einer Reihe mit den Doppelmegalithen, so daß die Steine eine Art Eingang geformt haben müssen. Vielleicht wurden die Doppelmegalithen eingerissen, als die Holzkonstruktion entfernt wurde.

Auch zwei eckige Steine nahe des Ausgangs dürften vermutlich nicht Bestandteil der ersten Anlage gewesen sein. Gemeinsam mit einem weiteren, heute liegenden Stein, könnten diese Steine einen Altar gebildet haben, eine Deutung, die unter heutigen Historikern allerdings umstritten ist. Steinaltäre sind aus anderen schottischen Henges bekannt, insbesondere aus der Gegend um Aberdeen, aber diese sind deutlich jünger als die Stones of Stenness.
Die Steine scheinen Bestandteil einer Steinkonstruktion gewesen zu sein, die parallel zu der Holzkonstruktion errichtet war. Die ursprüngliche Form läßt sich nicht mehr ermitteln, da die Steinhöhlen, in denen die Steine standen, bei einer einer äußert fragwürdigen Rekonstruktion im Jahre 1907 zerstört wurden.

Der Steinkreis war also in sich durchaus strukturiert und in mehrere „Abteilungen“ gegliedert, was für die Art der Rituale dort durchaus von Bedeutung gewesen sein dürfte. Offensichtlich wurden im Steinkreis der Stehenden Steine von Stenness Festmähler abgehalten und Feste gefeiert.

Der Hauptausgräber von Stonehenge, Mike Parker Pearson, vertrat die Ansicht, daß der Steinkreis von Stenness ein Ort der Lebenden war, wo die Lebenden Fest feiern. Der nahegelegene Ring of Brodgar wäre dann der Ort der Toten gewesen. Damit wäre eine zeitliche Parallele zu Stonehenge hergestellt- das ältere hölzerne Heiligtum bei Stonehenge, erbaut um 3100 v. Chr., wäre der Ort der Lebenden gewesen, das um 2600 v Chr. Erbaute steinerne Stonehenge der Ort der Toten. Auch der Ring of Brodgar wurde um diese Zeit erbaut. (Quelle dieser Annahme: Ausgrabung am Ness of Brodgar- Ausgelegte Veröffentlichung in einer Zeitschrift...)

Orkadianische Archäologen haben nun die kühne Theorie aufgestellt, daß die Errichtung von Steinkreisen in Großbritannien von den Stehenden Steinen von Stenness ausging. Zeitgleiche Heiligtümer in Britannien waren imposante Holzbauten- ein Rohstoff, der auf den baumarmen Orkneyinseln nicht im nötigen Ausmaß zur Verfügung stand. So ersetzten die Menschen auf Orkney die hölzernen Zentren durch den Rohstoff, der ihnen in ausreichender Menge zur Verfügung stand- Stein.
War der aus der Not geborene Steinkreis von Stenness Vorreiter für eine ganze Reihe von Steinkreisen?
Eine kühne These, über die in den nächsten Jahren sicher noch gestritten werden wird, und für die doch so manches Indiz spricht...

Auf dem Grabstein dess Kapitalismus wird stehen: "Zuviel war nicht genug"
Volker Pispers
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