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Nachdenken über die "Unterschicht"
26.10.2012, 20:33
Beitrag: #81
RE: Nachdenken über die "Unterschicht"
(26.10.2012 15:09)Bunbury schrieb:  
(26.10.2012 14:48)Suebe schrieb:  Dann eben hier meinen Beitrag zur nicht vorhandenen Unterschicht:

Selbstzitat:
Ich habe eh mit dem Begriff "Unterschicht" Probleme, gibt es die, gab es die jemals?
Mag ja sein, dass dies eine schwäbisch/württembergische Besonderheit ist, aber bei uns war der "Weg nach oben" über die jedem zugängliche Bildung (Landexamen) schon zu Zeiten der Herzöge frei und offen. Er war nicht einfach zu beschreiten, aber ist er das heute?

Weiter oben war vom Ex-Kanzler Schröder und seinem Halbbruder die Rede, ich kenne zufällig die Familie eines anderen ehemaligen Bundeskanzlers recht gut, auch da ist ein Halb?bruder "vergraten" wie wir im Schwäbischen sagen, bezog Sozialhilfe.

Wir haben versucht, "Unterschicht" über das Einkommen zu definieren, aber das haute nicht hin, weil da noch irgendwie die Bildung dazu kam. Dann haben wir versucht, "Unterschicht" über die Bildung zu definieren, das haute genauso wenig hin, weil nicht jeder, der ungebildet ist, arm ist.

Und so kamen wir doch ohnehin schon an den Punkt, daß es es wahrscheinlich weder eine Mittel- noch eine Unterschicht gibt.

Lettzendlich gibt es nur zwei Gruppen von Menschen:
1. Die, die die wichtigen Entscheidungen treffen.
2. Die, die die Konsequenzen dieser Entscheidungne zu tragen haben.

Die erste Gruppe ist sehr klein. Und solange die zweite Gruppe vor allem damit beschäftigt ist, sich aufgrund irgendwelche Gründe (Bildungen, Einkommen, Besitz) von dem Rest der zweiten Gruppe abzugrenzen, wird das auch so bleiben...


Sooo, das hört sich doch ganz anders an, wie die filosofierereien über die Motorisierung der Unterschicht.....Angel

Die Gruppe der Entscheidungsträger ist sehr klein, Zustimmung.
Wird immer so sein.

Ich möchte aber hier die These aufstellen, dass seit der Aufhebung der Adelsvorrechte, seit der Einführung von BAFÖG oder zuvor Honnef, die Chancengleichheit weitgehend verwirklicht ist.
Es gibt Menschen die Menge, die sind mit dem erreichten zufrieden (natürlich sollte es noch etwas mehr sein Wink) aber grundsätzlich sind sie mit ihrem Schicksal zufrieden, 37.5 Stunden, anschließend geht man in den Schachklub, an den See - Angeln, usw. usf.
Es will beileibe nicht jeder Entscheidungsträger sein.

Ich kenne einen, stammt aus dem gutbürgerlichen Milieu, hatte eine Spedition, parr Dutzend LKWs, ging pleite.
Fremd gegangen, Scheidung, Haus auch noch kaputt.

Säuft sich heute durch die Lande. Die Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern hält er ein, kein Tropfen! Hat ständig ein paar Gelegenheitsjobs, ansonsten Harz4, könnte man als Unterschicht ansprechen, ich glaube aber nicht, dass der mit seinem Schicksal unzufrieden ist.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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26.10.2012, 21:13
Beitrag: #82
RE: Nachdenken über die "Unterschicht"
(26.10.2012 20:33)Suebe schrieb:  Sooo, das hört sich doch ganz anders an, wie die filosofierereien über die Motorisierung der Unterschicht.....Angel

Nicht wirklich. Ich habe das nämlich schon mal geschrieben. (Und nein, ich werde den Gedankengang mit dem Auto auch nicht mehr neu anstoßen. Ich sehe noch immer klar vor mir, was ich gemeint habe... Hat mit meinem letzten Satz zu tun)


(26.10.2012 20:33)Suebe schrieb:  Ich möchte aber hier die These aufstellen, dass seit der Aufhebung der Adelsvorrechte, seit der Einführung von BAFÖG oder zuvor Honnef, die Chancengleichheit weitgehend verwirklicht ist.

Es gab eine Zeitspanne, in der es die Chancengleichheit gab, das ist richtig. Und zwar ungefähr zu der Zeit, als ich zur Schule ging und in den darauffolgenden Jahren. Da konnte sich, wer wollte, von unten nach oben hocharbeiten.

Das ist heute aber nicht mehr so. Heute gibt es gewissermaßen einen neuen Adel, der die Entscheidungsträger stellt. Sie besuchen die "richtigen" Schulen, an denen schon die ersten wichtigen Verbindungen geknüpft werden, haben die "richtigen" Verbindungen. Vor 25 Jahren konnte man vielleicht mit harter Arbeit und viel Ehrgeiz von unten ganz nach oben in die Riege der Entscheidungsträger aufsteigen, aber heute geht das nicht mehr. Wenn du dich mal mit den Vorständen der großen Unternehmen beschäftigst, stellst du schnell fest, daß die weitestgehend für sich sind und der ehrgeizige, arbeitssame Aufsteiger doch recht selten ist. (Quelle: U. Herrmann: "Hurra, wir dürfen zahlen.)

(26.10.2012 20:33)Suebe schrieb:  Es gibt Menschen die Menge, die sind mit dem erreichten zufrieden (natürlich sollte es noch etwas mehr sein Wink) aber grundsätzlich sind sie mit ihrem Schicksal zufrieden, 37.5 Stunden, anschließend geht man in den Schachklub, an den See - Angeln, usw. usf.
Es will beileibe nicht jeder Entscheidungsträger sein.

Nein, warhscheinlich nicht. Aber ich zumindest will auch nicht, daß man über meinen Kopf hinweg entscheidet- und ich muss dann die Zeche zahlen.

(26.10.2012 20:33)Suebe schrieb:  Ich kenne einen, stammt aus dem gutbürgerlichen Milieu, hatte eine Spedition, parr Dutzend LKWs, ging pleite.
Fremd gegangen, Scheidung, Haus auch noch kaputt.

Säuft sich heute durch die Lande. Die Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern hält er ein, kein Tropfen! Hat ständig ein paar Gelegenheitsjobs, ansonsten Harz4, könnte man als Unterschicht ansprechen, ich glaube aber nicht, dass der mit seinem Schicksal unzufrieden ist.

Mag sein, daß nicht unzufrieden ist- aber ehrlich gesagt- er hatte ja auch die Wahl, oder?
Das ist es vermutlich, was den großen Unterschied ausmacht. Es gibt Leute, die haben die Wahl. Und es gibt Menschen, die haben keine Wahl.
Ist heute leider so.

Schau dir die Kinder an, wie sie aufwachsen. Das Kind der alleinerziehenden Mutter, die keinen Unterhalt bekommt, und das Kind der Berufsmutter, deren Mann viel Geld verdient.. Und dann sag mir, daß beide die gleichen Chancen haben.
Nein, sorry, haben sie nicht. Nur eines der beiden Kinder wird G8 schaffen. Das andere nicht....

Auf dem Grabstein dess Kapitalismus wird stehen: "Zuviel war nicht genug"
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24.12.2013, 12:04
Beitrag: #83
RE: Nachdenken über die "Unterschicht"
Hallo,


ich denke das Wort bzw. die Bevölkerungsgruppe "Unterschicht" sollte erst definiert werde, was sind die Maßstäbe, das Geld, die Bildung ... denn es gibt jene die wenig Geld verdienen, es gibt diejenigen die ungebildet sind, es gibt diejenigen die einfach nur dumm sind und eine Mischung aus den Möglichkeiten. Wenn alles zusammentrifft, dann hat man das typische Klischee, auf das die Medien sich gerne stürzen.
Aber es gibt auch Ausnahmen, die Geißens z.B. mehr Geld als ihnen gut tut, dennoch Prolls und dumm bis zum abwinken, ich persönlich würde sie zur (geistigen) Unterschicht zählen.

Ebenso gibt es aber auch sehr kluge und gebildete Menschen, die sehr wenig Geld verdienen, weil sich sich dafür entschieden haben. Ich habe z.B. einen guten Freund, der hat einen Dr.-Titel, arbeitet halbtags als Aushilfe und hat dafür Zeit zum leben. Vom Geld her fällt er in die Unterschicht, ist aber glücklich.

Gruß
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24.12.2013, 14:48
Beitrag: #84
RE: Nachdenken über die "Unterschicht"
Laß mal diesen Glückspilz außen vor, der wahrscheinlich keine Familie zu versorgen hat. Der mag wenig verdienen, zur Unterschicht gehört er nicht- denn wenn er wollte könnte er sich jederzeit um mehr bemühen.

Genau das ist das Grundproblem mit der heutigen Gesellschaft.
"Unterschicht" ist eben nicht mehr auf die Dummen, die Faulen beschränkt.
Bildung garantiert keinen Wohlstand mehr, auch wer gebildet ist, kann heutzutage ganz schnell abrutschen in Arbeitslosigkeit und Hartz IV. Strengen
nommen sind "Unterschicht" heute vor allem die, die keine Möglichkeiten haben in die Mittelschicht aufzusteigen. Die Gründe dafür sind in diesem Ladn vielfältig und liegen nicht mehr darin begründet, daß jemand dumm und oder faul ist.
Das macht ja das geschwätz von der "Leistungsgesellschaft" so unerträglich. Jemand der Vollzeit arbeitet und dann doch noch zu Hartz VI aufstocken muss...Jemand, der Kinder oder kranke Familienangehörige betreut und dann doch nur zu hören bekommt, daß er leider für den Arbeitsmarkt nicht flexibel genug sei...

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24.12.2013, 22:41
Beitrag: #85
RE: Nachdenken über die "Unterschicht"
(24.12.2013 14:48)Bunbury schrieb:  [...] Jemand der Vollzeit arbeitet und dann doch noch zu Hartz VI aufstocken muss...[....]

In der Tat ein Systemfehler, der extrem marktverzerrend wirkt und die Genese eines neuen Prekariats fördert.

MfG, Titus Feuerfuchs
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04.01.2014, 01:04
Beitrag: #86
RE: Nachdenken über die "Unterschicht"
(24.12.2013 14:48)Bunbury schrieb:  Genau das ist das Grundproblem mit der heutigen Gesellschaft.
"Unterschicht" ist eben nicht mehr auf die Dummen, die Faulen beschränkt.
Bildung garantiert keinen Wohlstand mehr, auch wer gebildet ist, kann heutzutage ganz schnell abrutschen in Arbeitslosigkeit und Hartz IV.
Wobei natürlich gut gebildete Menschen dann auch eine höhere Chance haben wieder ins Berufsleben einzusteigen, als Menschen mit schlechter Bildung.
(24.12.2013 14:48)Bunbury schrieb:  Strengen
nommen sind "Unterschicht" heute vor allem die, die keine Möglichkeiten haben in die Mittelschicht aufzusteigen. Die Gründe dafür sind in diesem Ladn vielfältig und liegen nicht mehr darin begründet, daß jemand dumm und oder faul ist.
Das stimmt allerdings, nur wird gerne das Bild von der dummen, faulen Unterschicht propagiert, um dem Rest der Gesellschaft die Illusion zu geben, ihnen könnte da snicht passieren.
(24.12.2013 14:48)Bunbury schrieb:  Das macht ja das geschwätz von der "Leistungsgesellschaft" so unerträglich. Jemand der Vollzeit arbeitet und dann doch noch zu Hartz VI aufstocken muss...Jemand, der Kinder oder kranke Familienangehörige betreut und dann doch nur zu hören bekommt, daß er leider für den Arbeitsmarkt nicht flexibel genug sei...
Das ist auch mit das Perverseste daran.

"Auflehnung ist das heiligste aller Rechte und die notwendigste aller Pflichten."
Marquis de La Fayette
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04.01.2014, 12:35
Beitrag: #87
RE: Nachdenken über die "Unterschicht"
(04.01.2014 01:04)Annatar schrieb:  Wobei natürlich gut gebildete Menschen dann auch eine höhere Chance haben wieder ins Berufsleben einzusteigen, als Menschen mit schlechter Bildung.

Hm. Jemand ohne Bildung kommt eher für einen "Aufstocker-Job" in Frage, bekommt daher eher kurzfristig einen Job. Und dann den nächsten und den nächsten, halt immer mit Aufstockung, aber er hat immerhin einen Job (sofern man das einen Job nennen kann...)

Jemand mit höherer Qualifikation wird sich zuerst mal einen Job suchen, der seiner Qualifikation entspricht, er hat sich ja vielleicht auch schon auf ein höheres Einkommen eingerichtet und will seinen Lebensstandard nicht so extrem runterschrauben, hat ein Haus abzubezahlen usw. Wenns aber nu mal keinen Job für seine Qualifikation gibt, steht der aber im Zweifelsfall eher länger auf der Arbeitslosenliste als der mit geringerer Qualifikation...

VG
Christian
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04.01.2014, 16:12
Beitrag: #88
RE: Nachdenken über die "Unterschicht"
Das hängt wohl schon ein Stück weit von der Region ab, denke ich. Im Rhein-Main- Gebiet ist es für gut ausgebildete Menschen nicht so schwer, einen Job zu finden- allerdings müssen sie dann oft doch große finanzielle Abstriche machen. Das ist ja oft das fatale daran- man verliert einen gut bezahlten Job, der einem einen gewissen Lebensstandard ermöglicht und findet erst mal keinen gleichwertigen Job.
Nach einiger Zeit ist man dann gezwungen, einen geringer entlohnten Job anzunehmen (nicht unbedingt einen mit geringerer Qualifikation), weil es ja genug Studenten gibt, die auf den Arbeitsmarkt strömen und die für weniger Geld bereit sind zu arbeiten. Wenn man dann auch noch Familie hat und nicht unbegrenzt für Überstunden zur Verfügung steht (wie in Zeiten vor der Familiengründung), dann kommt man einfach nicht mehr höher.
Es gibt auch knallharte Firmen, die einen Familienvater für bestimmte Jobs gar nicht mehr einstellen, weil sie ja nicht seine ungeteilte Aufmerksamkeit erwarten können.

Also sollte man auch nicht zu hoch qualifiziert sein- das ist eher auch ein Hindernis...

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04.01.2014, 23:59
Beitrag: #89
RE: Nachdenken über die "Unterschicht"
(04.01.2014 12:35)913Chris schrieb:  
(04.01.2014 01:04)Annatar schrieb:  Wobei natürlich gut gebildete Menschen dann auch eine höhere Chance haben wieder ins Berufsleben einzusteigen, als Menschen mit schlechter Bildung.

Hm. Jemand ohne Bildung kommt eher für einen "Aufstocker-Job" in Frage, bekommt daher eher kurzfristig einen Job. Und dann den nächsten und den nächsten, halt immer mit Aufstockung, aber er hat immerhin einen Job (sofern man das einen Job nennen kann...)

Jemand mit höherer Qualifikation wird sich zuerst mal einen Job suchen, der seiner Qualifikation entspricht, er hat sich ja vielleicht auch schon auf ein höheres Einkommen eingerichtet und will seinen Lebensstandard nicht so extrem runterschrauben, hat ein Haus abzubezahlen usw. Wenns aber nu mal keinen Job für seine Qualifikation gibt, steht der aber im Zweifelsfall eher länger auf der Arbeitslosenliste als der mit geringerer Qualifikation...

VG
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Stimmt, wobei ich das für ein nicht allzu häufiges Problem halte.
Natürlich kann man auch zu qualifiziert sein, aber ich halte das Risiko unterqualifiziert zu sein für höher.

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05.01.2014, 00:37
Beitrag: #90
RE: Nachdenken über die "Unterschicht"
Kommt darauf an, worauf du "Risiko" beziehst. Das reine Arbeitslosigkeitsrisiko ist sicherlich in unqualifizierten Berufen größer.
Das Risiko, sozial abzusteigen, natürlich nicht.
Menschen, die aus einer mittleren Schicht in die untere Schicht absteigen, haben mehr zu verlieren als diejenigen, die immer Unterschicht waren. Sie verlieren nämlich in der Regel ihr komplettes soziales Umfeld. Und das ist oftmals der Grund, warum sich hier überdurchschnittlich viele von diesem Abstieg nicht mehr erholen...

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05.01.2014, 00:47
Beitrag: #91
RE: Nachdenken über die "Unterschicht"
(05.01.2014 00:37)Bunbury schrieb:  Kommt darauf an, worauf du "Risiko" beziehst. Das reine Arbeitslosigkeitsrisiko ist sicherlich in unqualifizierten Berufen größer.
Das Risiko, sozial abzusteigen, natürlich nicht.
Menschen, die aus einer mittleren Schicht in die untere Schicht absteigen, haben mehr zu verlieren als diejenigen, die immer Unterschicht waren. Sie verlieren nämlich in der Regel ihr komplettes soziales Umfeld. Und das ist oftmals der Grund, warum sich hier überdurchschnittlich viele von diesem Abstieg nicht mehr erholen...

So ist es. Und im Alter ab 45 bis 50 kann das heute jeden passieren.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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05.01.2014, 13:39
Beitrag: #92
RE: Nachdenken über die "Unterschicht"
... in dem auch der Schwung und der Elan oftmals fehlen, sich wieder nach oben zu wursteln- ganz abgesehen davon, daß ab 40 nun mal gewisse körperliche Probleme auftreten, die den Einsatz fast unmöglich machen, der nötig wäre, um sich doch wieder hochzukämpfen...
Bei demjenigen, bei dem die Mittel knapp sind, fehlt es dann auch an der Möglichkeit, in eine Verbesserung des gesundheitliche Zustands zu "investieren". Krankengymnastik über das, was der Arzt verordnet, hinaus, gesundheitliche Hilfsmittel (Gleitsichtbrille), Zahnersatz und dergleichen mehr, was dazu beiträgt, die körperliche Fitness zu erhöhen, kann sich nun mal nicht jeder leisten. Fehlende Fitness und Leistungsfähigkeit trägt dann weiter dazu bei, daß die Spirale abwärts geht...

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05.01.2014, 15:30
Beitrag: #93
RE: Nachdenken über die "Unterschicht"
(05.01.2014 13:39)Bunbury schrieb:  ... in dem auch der Schwung und der Elan oftmals fehlen, sich wieder nach oben zu wursteln- ganz abgesehen davon, daß ab 40 nun mal gewisse körperliche Probleme auftreten, die den Einsatz fast unmöglich machen, der nötig wäre, um sich doch wieder hochzukämpfen...
Bei demjenigen, bei dem die Mittel knapp sind, fehlt es dann auch an der Möglichkeit, in eine Verbesserung des gesundheitliche Zustands zu "investieren". Krankengymnastik über das, was der Arzt verordnet, hinaus, gesundheitliche Hilfsmittel (Gleitsichtbrille), Zahnersatz und dergleichen mehr, was dazu beiträgt, die körperliche Fitness zu erhöhen, kann sich nun mal nicht jeder leisten. Fehlende Fitness und Leistungsfähigkeit trägt dann weiter dazu bei, daß die Spirale abwärts geht...

...nach oben zu wursteln. Was bedeutet dieses "oben" eigentlich? In erster Linie doch einen gewissen, großzügig ausgelegten finanziellen Spielraum, der ein bestimmtes materielles Lebensniveau ermöglicht.
Du hattest oben das soziale Umfeld angesprochen, das oftmals den Bach runter geht, wenn sich dieser soziale Abstieg vollzieht.
Verständlich, wenn man es auf den Kreis der Kollegen bezieht, aber nicht unbedingt nachvollziehbar, wenn es sich auf den Freundes- u. sonstigen Bekanntenkreis bezieht. Wenn das zu großen Teilen dennoch geschieht, was ich nicht in Abrede stellen möchte, dann war dieser Freundes- u. Bekanntenkreis nicht viel wert. Man hat sich in bestimmte gesellschaftliche Kreise einfach eingekauft. Versnobt, verlogen, heuchlerisch fallen mir da als naheliegende Beschreibungen ein.

Bei der Betrachtung der gesundheitlichen Aspekte hast du z.T. natürlich recht, wobei ich es aber auch nicht ganz so krass sehen würde.
Wer z.B. sein Leben lang einigermaßen auf seine Beisserchen geachtet hat, dem fallen nicht von einem Tag zum anderen die Zähne aus. Für eine zahnmedizinische Grundversorgung ist auf alle Fälle gesorgt. Auf Implantate muss der Betreffende allerdings verzichten, was aber sicher nicht die Welt zusammenbrechen läßt. Gleiches gilt für überteuerte Gleitsichtbrillen, deren Zweckmäßigkeit ohnehin nicht ganz unumstritten ist.

Das was die Betreffenden tatsächlich fertig macht und sie z.T. wirklich zu Boden drückt und zu ernsthaften psychologischen Problemen führen kann, ist der permanente Gedanke, dass man nicht mehr dazugehört, dass man gewissermaßen ein Verlierer ist. Egal ob das Ganze nun selbst verschuldet ist oder nicht - ein Teil der Betroffenen versucht diesen Zustand in Alkohol zu ertränken und/oder diese Gedanken medikamentös zu vertreiben - sich mental und körperlich gehen lässt.
Es kommt immer auf die betreffende Persönlichkeit selbst an, wie mit solch einer Situation umgegangen wird, und ob man sich tatsächlich nach ganz unten manövriert.

Auch mit wenig Geld kann man sich durchaus gesund ernähren und die körperliche Fitness erhalten. Man sollte zwar auch ein bestimmtes Wissen mitbringen, um das sinnvoll umsetzen zu können, wichtig ist aber vor allem das Wollen, eine positive und optimistische Grundeinstellung dem Leben gegenüber - und die ist nicht mit Geld zu erkaufen.
Von daher ist solch ein finanzieller, materieller Einbruch und in Folge der soziale Abstieg, nicht das Ende der Welt.
Vielleicht gewinnt man sogar, was ein neues soziales Umfeld betrifft. Es stellt sich mitunter auch die Frage, ob es überhaupt so erstrebenswert ist, dieser weitgefassten Mittelschicht anzugehören ...


Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte.
Süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon, wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's! Dich hab ich vernommen!

Eduard F. Mörike (1804-1875)
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05.01.2014, 22:26
Beitrag: #94
RE: Nachdenken über die "Unterschicht"
(05.01.2014 15:30)Avicenna schrieb:  ...nach oben zu wursteln. Was bedeutet dieses "oben" eigentlich? In erster Linie doch einen gewissen, großzügig ausgelegten finanziellen Spielraum, der ein bestimmtes materielles Lebensniveau ermöglicht.
Du hattest oben das soziale Umfeld angesprochen, das oftmals den Bach runter geht, wenn sich dieser soziale Abstieg vollzieht.
Verständlich, wenn man es auf den Kreis der Kollegen bezieht, aber nicht unbedingt nachvollziehbar, wenn es sich auf den Freundes- u. sonstigen Bekanntenkreis bezieht. Wenn das zu großen Teilen dennoch geschieht, was ich nicht in Abrede stellen möchte, dann war dieser Freundes- u. Bekanntenkreis nicht viel wert. Man hat sich in bestimmte gesellschaftliche Kreise einfach eingekauft. Versnobt, verlogen, heuchlerisch fallen mir da als naheliegende Beschreibungen ein.

Das Urteil ist zu hart und greift daneben. Es gibt sicher Opportunisten, die es nicht wert sind- das sind die, die sich zuerst verabschieden und um die es auch nicht schade ist.
Aber auch, wenn es um wirkliche Freunde geht, dann bleiben sie einem nur noch eine Zeitlang danach erhalten, weil sich einfach Gräben auftun, die sich einfach durch die geänderten Lebensumstände ergeben. Da ist man jahrelang miteinander in die Sauna gegangen, das kann sich der Arbeitslose nicht mehr leisten. Man hatte das Familientheaterabo, auch das kann sich der Arbeitslose nicht mehr leisten. Es fallen Gesprächstehmen weg, die man früher noch ganz selbstverständlich hatte. Die Freunde sprechen noch immer über ihren Job- und was sagt der Arbeitslose dann? Nein, je länger dieser Zustand andauert, um so mehr Gräben werden sich auftun. Freunde können irgendwann gewisse Dinge einfach nicht mehr nachvollziehen. Man verändert sich einfach und bekommt einen anderen Blickwinkel auf vieles, wenn man eben nicht mehr auf der Sonnenseite des Lebens steht. Und irgendwann stellt man eben fest, daß man sich einfach nichts mehr zu sagen hat... Das ist keine böse Absicht, nicht verheuchelt und verlogen- es ist einfach so.
Es ist auch nicht nur so, daß die Freunde sich vom Arbeitslosen abwenden- er selbst tritt irgendwie den Rückzug an, weil er einfach nur noch nebendran sitzt und nicht mehr mithalten kann.

(05.01.2014 15:30)Avicenna schrieb:  Bei der Betrachtung der gesundheitlichen Aspekte hast du z.T. natürlich recht, wobei ich es aber auch nicht ganz so krass sehen würde.
Wer z.B. sein Leben lang einigermaßen auf seine Beisserchen geachtet hat, dem fallen nicht von einem Tag zum anderen die Zähne aus. Für eine zahnmedizinische Grundversorgung ist auf alle Fälle gesorgt. Auf Implantate muss der Betreffende allerdings verzichten, was aber sicher nicht die Welt zusammenbrechen läßt. Gleiches gilt für überteuerte Gleitsichtbrillen, deren Zweckmäßigkeit ohnehin nicht ganz unumstritten ist.

... was auf gut deutsch bedeutet, daß du nicht das pech hattest, in der Jugend an einen unfähigen Zahnarzt zu geraten- und daß du nicht mit Ende vierzig festgestellt hast, daß du ohne Brille nichts mehr lesen kannst, aber mit Brille alles andere nicht richtig erkennen kannst...Wink

(05.01.2014 15:30)Avicenna schrieb:  Das was die Betreffenden tatsächlich fertig macht und sie z.T. wirklich zu Boden drückt und zu ernsthaften psychologischen Problemen führen kann, ist der permanente Gedanke, dass man nicht mehr dazugehört, dass man gewissermaßen ein Verlierer ist. Egal ob das Ganze nun selbst verschuldet ist oder nicht - ein Teil der Betroffenen versucht diesen Zustand in Alkohol zu ertränken und/oder diese Gedanken medikamentös zu vertreiben - sich mental und körperlich gehen lässt.
Es kommt immer auf die betreffende Persönlichkeit selbst an, wie mit solch einer Situation umgegangen wird, und ob man sich tatsächlich nach ganz unten manövriert.

Ich gehe davon aus, daß du nicht zu der betroffenen Altergruppe gehörst. Ansonsten wüßtest du sicherlich, daß es in diesem Alter nicht mehr unbedingt eine Sache des Willens ist, sondern auch eine Sache der Kraft. Früher fiel es mir z.B. noch sehr leicht, abends noch zwei, drei Stunden Buchhaltung zu machen, wenn die Kinder im Bett waren. Heute geht es einfach nicht mehr.
Und wer darüber hinaus sich nicht nur um sich selbst, sondern auch um eine Familie zu kümmern hat, überfordert sich leicht bei dem Versuch, der Familie das nötige zu geben. Ganz besonders dann, wenn das "nötige" eben kein Geld ist. Das gäbe sich viel leichter...

(05.01.2014 15:30)Avicenna schrieb:  Auch mit wenig Geld kann man sich durchaus gesund ernähren und die körperliche Fitness erhalten. Man sollte zwar auch ein bestimmtes Wissen mitbringen, um das sinnvoll umsetzen zu können, wichtig ist aber vor allem das Wollen, eine positive und optimistische Grundeinstellung dem Leben gegenüber - und die ist nicht mit Geld zu erkaufen.

Und wenn schon Vorschäden da sind? Jahrelange Berufstätigkeit- egal in welchem Berufszweig- führt zu Verschleißerscheinungen. Da kann ich soviele Karotten essen wie ich will, wenn ich nichts mehr lesen kann, was kleiner gedruckt ist als die Schlagzeile einer Tageszeitung, nutzt das auch nichts.

(05.01.2014 15:30)Avicenna schrieb:  Von daher ist solch ein finanzieller, materieller Einbruch und in Folge der soziale Abstieg, nicht das Ende der Welt.
Vielleicht gewinnt man sogar, was ein neues soziales Umfeld betrifft. Es stellt sich mitunter auch die Frage, ob es überhaupt so erstrebenswert ist, dieser weitgefassten Mittelschicht anzugehören ...

Jetzt redest du aber Unfug. Klar, viele Mittelständler sind absolut oberflächlich und definieren sich über ihre Markenkleidung, autos und dergleichen mehr (und glaub mir, ich kenne viele davon), aber mach dir nichts vor- die Perlen der Unterschicht sind Klischees, die in der Realität nur sehr selten vorkommen. Möchte ich gerne mal sehen, wie du mit einem unausgebildeten Lagerarbeiter über den Untergang Roms diskutierst...
In der Unterschicht wird jemand mit einem gewissen Bildungsniveau keine Freunde finden. Das ist eine Illusion...

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05.01.2014, 22:31
Beitrag: #95
RE: Nachdenken über die "Unterschicht"
(05.01.2014 00:37)Bunbury schrieb:  Kommt darauf an, worauf du "Risiko" beziehst. Das reine Arbeitslosigkeitsrisiko ist sicherlich in unqualifizierten Berufen größer.
Das Risiko, sozial abzusteigen, natürlich nicht.
Menschen, die aus einer mittleren Schicht in die untere Schicht absteigen, haben mehr zu verlieren als diejenigen, die immer Unterschicht waren. Sie verlieren nämlich in der Regel ihr komplettes soziales Umfeld. Und das ist oftmals der Grund, warum sich hier überdurchschnittlich viele von diesem Abstieg nicht mehr erholen...
Okay, das stimmt auch wieder.

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05.01.2014, 22:32
Beitrag: #96
RE: Nachdenken über die "Unterschicht"
(05.01.2014 13:39)Bunbury schrieb:  ... in dem auch der Schwung und der Elan oftmals fehlen, sich wieder nach oben zu wursteln- ganz abgesehen davon, daß ab 40 nun mal gewisse körperliche Probleme auftreten, die den Einsatz fast unmöglich machen, der nötig wäre, um sich doch wieder hochzukämpfen...
Bei demjenigen, bei dem die Mittel knapp sind, fehlt es dann auch an der Möglichkeit, in eine Verbesserung des gesundheitliche Zustands zu "investieren". Krankengymnastik über das, was der Arzt verordnet, hinaus, gesundheitliche Hilfsmittel (Gleitsichtbrille), Zahnersatz und dergleichen mehr, was dazu beiträgt, die körperliche Fitness zu erhöhen, kann sich nun mal nicht jeder leisten. Fehlende Fitness und Leistungsfähigkeit trägt dann weiter dazu bei, daß die Spirale abwärts geht...
Stimmt. Außerdem gelten Menschen ab 40 oder 50 Arbeitgebern öfters als zu alt, um sie noch einzustellen.
Die wollen lieber junge, flexible Arbeitskräfte.

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05.01.2014, 23:36
Beitrag: #97
RE: Nachdenken über die "Unterschicht"
Jein. Ich glaube, hier ist der Arbeitsmarkt im Wandel begriffen- nur mit jungen Leuten wird sich dem Fachkräftemangel nicht beikommen lassen.
Aber wenn jemand über 40 eingestellt wird, dann in der Regel auf einem geringeren Qualifikationsniveau... (was dann auch zum Arbeitsfrust beiträgt. Wenn die 28 jährige Vollzeitkraft mit kaufmännischer Ausbildung meint, dem hernn Diplomkaufmann an Wissen überlegen zu sein, weil er die höher ausgeschriebene Stelle inne hat...)

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22.01.2014, 22:38
Beitrag: #98
RE: Nachdenken über die "Unterschicht"
(05.01.2014 23:36)Bunbury schrieb:  Jein. Ich glaube, hier ist der Arbeitsmarkt im Wandel begriffen- nur mit jungen Leuten wird sich dem Fachkräftemangel nicht beikommen lassen.
Aber wenn jemand über 40 eingestellt wird, dann in der Regel auf einem geringeren Qualifikationsniveau... (was dann auch zum Arbeitsfrust beiträgt. Wenn die 28 jährige Vollzeitkraft mit kaufmännischer Ausbildung meint, dem hernn Diplomkaufmann an Wissen überlegen zu sein, weil er die höher ausgeschriebene Stelle inne hat...)
Okay, dass stimmt auch wieder. Smile

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