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Ruine Königstein in Freinberg (OÖ)
12.02.2020, 14:38
Beitrag: #1
Ruine Königstein in Freinberg (OÖ)
Liebes Geschichte-Forum, hat zufällig jemand von euch Informationen zur Ruine Königstein in Freinberg - Oberösterreich, mehr, als sich durch grobe Internetrecherche eben so finden lässt? Jeder noch so kleine Infoschnipsel wäre hilfreich. Ich wohne in der Nähe und bin grad ganz fasziniert von der kurzen Geschichte der ehemaligen Burg und würde gerne mehr darüber wissen. So gerne hätte ich gewusst, wie sie ausgesehen hat, ob und wer darin gewohnt hat. Der Name Achaz Ramung taucht dabei auf. Wer war das? Ich danke euch sehr für eure Hilfe - euer Wissen! Mit lieben Gruß von Eva
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12.02.2020, 22:14
Beitrag: #2
RE: Ruine Königstein in Freinberg (OÖ)
In welchen Kontext taucht ein Achaz Raming auf?

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Nur die Geschichtenschreiber erzählen uns, was die Leute dachten.
Wissenschaftliche Forscher halten sich streng an das, was sie taten.

Josephine Tey, Alibi für einen König
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13.02.2020, 14:01
Beitrag: #3
RE: Ruine Königstein in Freinberg (OÖ)
Hallo Teresa,
in dieser Dissertation

https://epub.uni-regensburg.de/10414/1/D...ge-205.pdf

und auch anderen Quellen wird Achaz Ramung als Burgpfleger von Königstein erwähnt.
Herzog Ludwig der Gebartete war damals alles andere als angetan darüber, dass Herzog Heinrich XVI. von Bayern-Landshut mit dem Passauer Bischof ein "Bündnis" einging. So hat er begonnen, die Untertanen des Hochstifts und Domkapitels Passau im Schärdinger Landgericht mit ungebührlichen Scharwerken, Gülten und anderen Leistungen zu belasten. Er belegte Waren, die über den Inn nach Passau mussten, mit hohen Mautabgabe, ließ das nach Passau abzuliefernde Dienst- und Zehntgetreide aufhalten, ließ Bauholz schlägern, das zum Passauer Innbruckamt gehörte, und ließ gar Salzschiffe wegnehmen und am Innufer zerschlagen (Quelle: Schardenberger Heimatbuch - Schardenberg im Wandel der Zeit). Als rechte Hand diente Ludwig dem Gebarteten dabei der "Raubritter" Achaz Ramung.
Die Streitereien führte schließlich dazu, dass Königstein unter dem Passauer Bischof und einem angeheuertem Söldnerheer innerhalb einer Woche dem Erboden gleich gemacht wurde. Die Burg existierte also lediglich von 1410 bis 1436. Ich würde nun gerne mehr über diesen Vernichtungsschlag erfahren, mehr über das ehemalige Aussehen der Burg, mehr über Achaz Ramung, mehr über das Leben in dieser Gegend um diese Zeit. Wieso stand genau dort eine Burg? Haben dort im Umkreis viele Menschen gewohnt? Warum sagt man auch Ecker G´schlössl dazu? Auch ein Caspar Nusperger wird als Pfleger der Burg erwähnt.
Man geht 20 Minuten von der Donau den Kösslbach entlang, bis man zu dem Platz kommt, der wirklich nur mehr mit viel Fantasie die Burg erahnen lässt (die Bilder im Internet zeigen mehr, als man heute sieht; alles wieder verwachsen, ich war erst unlängst dort). Weder kann man von hier aus zur Donau sehen, noch nach Passau. Einen wichtigen Hinweis könnte höchstens eine alte Landkarte (Vischer Georg Matthäus (1667)) liefern: Es ging dort ein wichtiger Weg Richtung Passau vorbei?

https://www.doris.at/viewer/(S(ekn22vtl3...ist_karten

Grüße von Eva
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14.02.2020, 11:49
Beitrag: #4
RE: Ruine Königstein in Freinberg (OÖ)
Wirklich interessantes Thema, bin öfter in dieser Gegend und wohne auch nicht so weit weg (Linz). Muss aber sagen die Ruine sagt mir nicht viel.

Werde mal eine nähere Betrachtung in Erwägung ziehen, wenn ich wieder mal in dieser Gegend unterwegs bin. Mit Informstionen kann ich dir im Moment leider nicht Dienen, werde aber mal bei Gelegenheit nachschauen ob in einem der Bücher die ich zuhause habe was zu finden ist.

Ansonsten würde mir höchstens einfallen das du in Oberösterreichischen Landesaechiv mal nachfragst ob sie was darüber haben.
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14.02.2020, 14:39
Beitrag: #5
RE: Ruine Königstein in Freinberg (OÖ)
Danke für den Tipp!
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14.02.2020, 17:21
Beitrag: #6
RE: Ruine Königstein in Freinberg (OÖ)
Was den historischen Hintergrund betrifft, könntest Du bei über die Reichsfürsten, die in diesem Gebiet damals herrschten, einiges eruieren. Der Teil des heutigen Oberösterreichs gelangte im Wesentlichen erst durch den Landshuter Erbfolgekrieg Anfang des 16. Jahrhunderts unter die Herrschaft der Habsburger. Zuvor gab es hier mehrere Herrschaftsträger, hauptsächlich die Wittelsbacher, aber auch der Bischof von Passau, der wiederum ein "Untergebener" des Erzbischofs von Salzburg war. Die Habsburger mischten ebenfalls bereits mit, immerhin stand das östliche Oberösterreich damals bereits weitgehend unter ihrer Herrschaft. Weiter kam zum Tragen, dass die Wittelsbacher in mehrere Linien aufgespaltet waren (zu diesem Zeitpunkt vier) und die sich die Habsburger seit 1410 ebenfalls in zwei Hauptlinien aufgespaltet hatten, die politisch zumeist in latenter Gegnerschaft standen. (Mein Eindruck, die herkömmliche Forschung dürfte die tatsächliche Tragweite der Geschehnisse im Jahr 1410 und ihre Auswirkungen in den Folgejahren bisher nicht erkannt haben).

Fakt ist jedenfalls, dass die Burg Königstein in einem Gebiet erbaut wurde, dass politisch keine einheitliche Herrschaft aufwies, auch wenn es offiziell zum Herzogtum Bayern (beziehungsweise zum Teilherzogtum Bayern-Ingolstadt) gehörte. Das 15. Jahrhundert war zudem eine Umbruchszeit und eine Zeit des Wandels, außerdem eine Zeit, wo Gewalt, Recht und Herrschaftsbehauptung nebeneinander bestanden haben.

Das Donautal wiederum war damals eine wichtige Verkehrs- und Handelsroute, und dies umso mehr, als wegen der Hussitenkriege die Alternativwege über das heutige Tschechien weitgehend nicht ohne Risiko genutzt werden konnten.

Ein Bündnis zwischen Heinrich XVI. (den Reichen) und dem Bischof von Passau bedeutete für Ludwig VII. (den Gebarteten) eine schwere Bedrohung seiner Herrschaft im Donautal.

Hinzu kam noch das Netzwerk im Hintergrund. Heinrich der Reiche war der Schwager von Herzog Albrecht (V.) von Österreich und beide dürften jedenfalls keine Gegner gewesen sein. Mit dem Bischof von Passau arbeitete Albrecht, nachdem er zunächst vergebens versucht hatte, dessen Wahl zu verhindern, danach einheitlich zusammen. Albrecht wurde Anfang der 1420er-Jahre Schwiegersohn von König Sigismund und allmählich dessen enger Verbündeter (Hussitenkriege), auch Heinrich hatte stets es geschafft, mit Sigismund im guten Einvernehmen zu sein, während Ludwig zu jenen Fürsten zählte, die letztlich der Gegenseite angehörten und wohl auch zu den "Parias" des Reiches.

Daraus ergibt sich folgender Hintergrund: Da Ludwigs Herrschaft durch das Bündnis bedroht war, kam es zum gewaltsamen Konflikt, der letztlich zur Zerstörung der Burg führte.

Was Achaz Raming und Caspar Nusberger betrifft - beide waren Angehörige des niederen Adels, die im Dienst eines Landesherren standen, für den sie Burgen verwalteten.

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Josephine Tey, Alibi für einen König
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19.02.2020, 12:43
Beitrag: #7
RE: Ruine Königstein in Freinberg (OÖ)
Liebe Teresa, tausend Dank für die umfangreiche Antwort bzw. dein Bemühen!!! Sehr, sehr nett von dir!
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