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Friedrich der Große und Übersee
28.08.2020, 14:37
Beitrag: #1
Friedrich der Große und Übersee
"Sprechen die Minister von Politik, sind sie geschickte Leute, doch reden sie vom Kriege, so ist es, als wenn ein Irokese von der Astronomie spricht." FR.II 1740

Ich frage mich, inwieweit beschäftigten sich europäische Monarchen vor dem 19. Jahrhundert mit dem, was außerhalb ihrer Reichweite lag.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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28.08.2020, 15:20
Beitrag: #2
RE: Friedrich der Große und Übersee
(28.08.2020 14:37)Arkona schrieb:  "Sprechen die Minister von Politik, sind sie geschickte Leute, doch reden sie vom Kriege, so ist es, als wenn ein Irokese von der Astronomie spricht." FR.II 1740

Ich frage mich, inwieweit beschäftigten sich europäische Monarchen vor dem 19. Jahrhundert mit dem, was außerhalb ihrer Reichweite lag.

Das wird auch wieder auf den Einzelfall ankommen.
Sieht man zB Heinrich den Seefahrer im 15. Jahrhundert, dessen Interessen reichten ja durchaus über den Horizont hinaus.
Die Kreuz"ritter" gingen "kriegen" ans andere Ende der bekannten Welt.

In einer Burgruine der Grafen von Gammertingen, zerstört ca. 1100 fand man 2 kpl. Schachspiele, eines aus Walroßzahn.
Schachspiele auf der Schwäbischen Alb, aus Walroßzahn, vor 1100 .....
ohne die definitiven Funde glaubt das kein Mensch,
geltende Lehrmeinung, das Schachspiel kam durch die Kreuzfahrer nach Europa und Walrößer leben jenseits des Polarkreises.......

maW die wollten auch schon wissen "was hinter den Bergen dort haust"

Allerdings: Wütend wölzt sich einst im Bette, Kurfüst Friedrich von der Pfalz,
wie kam gestern ich ins Nest, bin scheints wieder voll gewest.
Thumbs_down
Aber vermutlich hat sich Bildung und Suff auch damals schon durchaus vertragen.
Angel

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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28.08.2020, 19:47
Beitrag: #3
RE: Friedrich der Große und Übersee
Walrosszahn war damals sogar leichter zugänglich als echtes Elfenbein, es lieferten die Wikinger und Walrösser waren damals auch noch wesentlich weiter südlich verbreitet. Vermutlich ist sogar Caesar ihnen bei seinem Ritt über den Kanal begegnet.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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31.08.2020, 19:40
Beitrag: #4
RE: Friedrich der Große und Übersee
(28.08.2020 19:47)Arkona schrieb:  Walrosszahn war damals sogar leichter zugänglich als echtes Elfenbein, es lieferten die Wikinger und Walrösser waren damals auch noch wesentlich weiter südlich verbreitet. Vermutlich ist sogar Caesar ihnen bei seinem Ritt über den Kanal begegnet.

Ich denke schon, dass du da richtig liegst.
Es wird seit diesem Fund, natürlich nicht unwidersprochen, eine zweite Übertragungslinie des Schachspiels vom Orient über Russland (Rus=Wikinger) nach Nordeuropa angenommen.

War auch nur als Hinweis gemeint, dass "was hinter den Bergen dort haust" schon im Mittelalter interessiert hat.
Das zweite dort gefundene Spiel ist übrigens aus Knochen einheimischer Nutztiere. Eine vor Ort angefertigte Kopie des "Walross-Spiels"

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31.08.2020, 20:25
Beitrag: #5
RE: Friedrich der Große und Übersee
Vor kurzem las ich von einer recht bekannten Lokalhistorikerin, die sich speziell mit der Südwestdeutschen Dorfgeschichte befasste,
die Einschätzung dass es vermutlich Monate dauerte, bis die Dorfbevölkerung "jwd" beispielsweise von Napoleons Niederlage in Russland erfuhr!

Und dem möchte ich entschieden widersprechen.
Ich besitze die Chronik eines Handwerkers aus meinem Lebensmittelpunkt der Jahre 1770 bis 1825.
Es ist überaus erstaunlich was der alles wusste, auch die politischen Streitereien im Städtchen jener Jahre beschreibt er ziemlich ausführlich.
Es gab nicht wenige Napoleon-Anhänger vor Ort, die sich am Stammtischen usw. mit ausführlichste Rededuelle lieferten.
Die Kämpfe mit denTirolern und Vorarlbergern 1809 im Allgäu bei Wangen pp schildert er sehr zeitnah. "Wie unser Thronprinz Bregenz im Sturm nehmen wollte" die sich aber vorher ergaben
Auch die Verhandlungen in Wien (Kongress) begleitet er mit saftigen Kommentaren.

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31.08.2020, 21:02
Beitrag: #6
RE: Friedrich der Große und Übersee
Zu Preußenkönig Friedrich II.:
Vielleicht ist nicht uninteressant, dass Friedrich II. immerhin einen Stoff aus der europäisch-amerikanischen Geschichte als Subjet für eine Auftragsoper verwendet, wobei er für diese Oper "Montezuma" selbst das Libretto verfasst hat, das dann ein Komponist mit Namen Graun vertonte. Dieses Libretto wird gewöhnlich als Propaganda gedeutet, mit der Friedrich seine Eroberungspolitik zu bemänteln versucht - Eroberungskriege werden zu notwendigen Defensivkriegen umfunktioniert, mit denen als einziges Mittel im Voraus verhindert werden kann, dass einem der angegriffene Gegner mit einem Eroberungskrieg das eigene Land wegnimmt, wie es in der Oper dem Titelhelden ergeht.

Zu Napoleon und Moskau:
Ich halte die Ansicht der Lokalhistorikerin nicht für völlig unglaubwürdig. So kann ich mir schon vorstellen, dass solche Nachrichten abgelegene Gegenden nicht sofort erreicht haben, besonders wenn diese nicht unmittelbar selbst in die Napoleonischen Kriege verwickelt waren. Wenn der Ort abgelegen war, sodass kaum jemand dort durchreiste oder keine eigenen Kirche hatte und die nächste Kirche zu weit weg war, um sie jeden Sonntag aufzusuchen, die Menschen nicht unbedingt so viel Kontakt mit großen Städten hatten, die Bewohnerschaft vielleicht nicht besonders politisch interessiert war ..., ich kann mir daher gut vorstellen, dass es Orte gab, die nicht sofort immer auf dem neuesten Stand war, zudem es damals kein Internet, kein Handy, kein Radio etc. gab. Selbst die Telegraphenmasten dürften damals wohl kaum schon in jedem Ort gewesen sein.

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Nur die Geschichtenschreiber erzählen uns, was die Leute dachten.
Wissenschaftliche Forscher halten sich streng an das, was sie taten.

Josephine Tey, Alibi für einen König
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01.09.2020, 10:22
Beitrag: #7
RE: Friedrich der Große und Übersee
(31.08.2020 21:02)Teresa C. schrieb:  Zu Napoleon und Moskau:
Ich halte die Ansicht der Lokalhistorikerin nicht für völlig unglaubwürdig. So kann ich mir schon vorstellen, dass solche Nachrichten abgelegene Gegenden nicht sofort erreicht haben, besonders wenn diese nicht unmittelbar selbst in die Napoleonischen Kriege verwickelt waren. Wenn der Ort abgelegen war, sodass kaum jemand dort durchreiste oder keine eigenen Kirche hatte und die nächste Kirche zu weit weg war, um sie jeden Sonntag aufzusuchen, die Menschen nicht unbedingt so viel Kontakt mit großen Städten hatten, die Bewohnerschaft vielleicht nicht besonders politisch interessiert war ..., ich kann mir daher gut vorstellen, dass es Orte gab, die nicht sofort immer auf dem neuesten Stand war, zudem es damals kein Internet, kein Handy, kein Radio etc. gab. Selbst die Telegraphenmasten dürften damals wohl kaum schon in jedem Ort gewesen sein.

Telegrafie setzte sich erst ab 1850 (Morse) durch und auch dann nicht flächendeckend, sondern im engen Verbund mit der Eisenbahn. Zu Napoleons Zeiten gab es allerdings, zumindest in Frankreich, ein System optischer Telegrafen.

Trotzdem funktionierte auch damals schon der sogenannte Buschfunk. Was in Russland 1812 passierte, erfuhr die Welt im https://de.wikipedia.org/wiki/29._Bullet...Arm%C3%A9e , wo Napoleon in dürren Worten dem russischen Winter die ganze Schuld in die Schuhe schob, was bis heute noch allgemein geglaubt wird. Und auch in den ländlichen Gegenden (z.B. Mecklenburg) wusste man Bescheid, war doch oft genug der eigene Sohn eingezogen worden (und kam nie zurück).. Überrascht war man jedenfalls nicht, als im bitterkalten Winter Anfang 1813 auf einmal die Kosaken vor der Haustür standen.

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01.09.2020, 11:32
Beitrag: #8
RE: Friedrich der Große und Übersee
Zitat Arkona:
Zitat:Und auch in den ländlichen Gegenden (z.B. Mecklenburg) wusste man Bescheid, war doch oft genug der eigene Sohn eingezogen worden (und kam nie zurück).

Das ist der Punkt Arkona, der persönliche Bezug.
Es gab und gibt keine einzige württ. Familie die nicht einen Angehörigen im Russ. Feldzug verloren hat.
Bei zwei meiner Vorfahren steht im Kirchenbuch: "Gefallen im russischen Feldzug" wenn man dies noch auf die Brüder usw. ausweitet....
16.000 Mann sind ausmarschiert, 300 haben sich am Sammelpunkt in Westpreußen eingefunden.
ca. 700 sind im Laufe der Zeit noch aus der Gefangenschaft usw. zurückgekommen.
Bei der seltsamen Hofjagd am 9. Nov. 1812 sind schon die ersten Gerüchte durchs Land gegangen, was sich zdZ in Russland abspielte

Als 1813 der Napoleon verlangte, dass neue Regimenter aufgestellt wurden, hat der König Friedrich nur noch mit Mühe 12.000 Mann zusammenbekommen.

Da braucht es kein politisches Interesse, wenn der König mit dem eisernen Rechen durch die Dörfer fährt, und alles was eine Flinte tragen kann zur Fahne ruft.

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01.09.2020, 12:20
Beitrag: #9
RE: Friedrich der Große und Übersee
Zitat:und die nächste Kirche zu weit weg war, um sie jeden Sonntag aufzusuchen

hmm
bei den Evangelen?
da hat sich 1812 keiner getraut Sonntags nicht in die Kirche zu gehen
den hätte am Montag der Büttel geholt und eine Woche ins "Loch" gesperrt. Bat

OT: über den berühmten Pfarrer Flattich hat sich eine Gemeinde beklagt, dass er jeden Sonntag dieselbe Predigt halten würde.
Der Herzog Carl-Eugen als oberster Kirchenchef hat sich darauf am nächsten Sonntag anonym in die Kirche gesetzt.
Und hatte nichts an der Predigt auszusetzen.
Nun hat Flattich jede Predigt mit der selben Floskel begonnen,
Ergo: der Rest kam im Kirchenschlaf gar nicht mehr an.

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