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Eberhard im Bart als Produkt einer Übermutter?
17.03.2021, 22:00
Beitrag: #21
RE: Eberhard im Bart als Produkt einer Übermutter?
(17.03.2021 21:02)Teresa C. schrieb:  Was König Sigismund (damals war er noch nicht gekrönter Kaiser) betrifft, wäre zu überlegen, ob diese Geschichte nicht eine Erfindung ist, um Sigismund je nach Absicht des Chronisten (oder seiner Auftraggeber) als unmoralischen oder lebenslustig-leutseligen Herrn zu zeigen, also gar nicht historisch, auch wenn sie im Zusammenhang mit einem historischen belegten Aufenthalt spielt. Eine Rolle mag außerdem gespielt haben, dass Sigismunds Besuch solo erfolgte, das heißt, ohne Ehefrau. Die Ehefrau wurde also nicht vor Ort durch diesen Bordellbesuch gedemütigt.

Sigismund war zweimal verheiratet. Seine erste Ehe schloss er als Siebzehnjähriger im Jahr 1385. Seine Ehefrau Maria von Ungarn starb 1395, Sigismund war also mit 27 Jahren Witwer. Seine zweite Ehe mit Barbara von Cilli schloss er im Jahr 1405, seit 1401 war er mit ihr verlobt. Da Barbara um 1390 geboren wurde, war sie zum Zeitpunkt ihrer Eheschließung etwa 15 Jahre alt. Ihre Tochter Elisabeth von Luxemburg wurde Anfang 1409 geboren.

Zumindest zwischen 1395 und 1405 hatte Sigismund keine Ehefrau, auf die er Rücksicht nehmen musste.

Interessant sind auch Gerüchte, die besagen, dass Sigismund der leibliche Vater von Johann Hunyadi sein sollte. Die Angaben zu dessen Geburtsjahr differenzieren stark. Es gibt die Angaben 1387 oder 1407, 1408 und 1409. Das können natürlich auch gezielt gestreute Gerüchte sein, um dieser Familie einen Anspruch auf die ungarische krone zu geben.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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29.03.2021, 12:43
Beitrag: #22
RE: Eberhard im Bart als Produkt einer Übermutter?
Hier ein Bericht im Schwabo Ausgabe Horb zu der Autorin
https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhal...cbdf9.html

die scheint doch das eine oder andere "drauf" gehabt zu haben

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30.03.2021, 20:03
Beitrag: #23
RE: Eberhard im Bart als Produkt einer Übermutter?
Vielen Dank, Suebe. Ich habe selbst versucht, mehr über die Autorin herauszufinden, war aber nicht wirklich bisher erfolgreich. Dass die Dame Hofmann heißt, macht die Sache natürlich nicht einfacher, weil Hofmann ein häufiger Name ist. Dass sie Lehrerin war, überrascht mich allerdings nicht, ihr "Pfalzgraf Hugo von Tübingen" entstand als Jugendbuch. Hat mir übrigens wie auch "Das Erbe der Helfensteiner" wesentlich besser gefallen, als "Der reichste Fürst". Der ist zwar auch nicht schlecht (wesentlich besser als die meisten heutigen "preiswürdigen" historischen Romane, aber der langweilige "brave" Eberhard und sein "Mutterjuwel" Mechthild waren eindeutig nicht mein Fall.

In dem Artikel ist übrigens ganz lustig, dass die den "Reichsten Fürsten" nicht gelesen haben. Woran habe ich das gemerkt? Der Erzherzog Albrecht (Stiefvater von Eberhard), den sie da als Protagonisten neben Eberhard bezeichnen, ist dort nur eine Nebenfigur, die insgesamt zwei Auftritte hat und dann nur noch ein paar Mal genannt wird. Offensichtlich haben die ihre Informationen nicht aus dem Roman, sondern aus folgender Datenbank: https://www.uibk.ac.at/germanistik/histr...ster.html, die allerdings längst nicht mehr aktuell gehalten wird. Dort ist der Roman nämlich angeführt mit Verlinkung auf Eberhard und Albrecht.

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Nur die Geschichtenschreiber erzählen uns, was die Leute dachten.
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09.04.2021, 12:46
Beitrag: #24
RE: Eberhard im Bart als Produkt einer Übermutter?
Hier nochmals Hintergründiges aus der aktuellen Forschung zu Eberhard und Mechthild.

file:///C:/Users/)/AppData/Local/Temp/Werner_von_Zimmern_und_Mechthild_von_Rot.pdf

https://www.academia.edu/37339952/Werner...ng-history

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09.04.2021, 13:05
Beitrag: #25
RE: Eberhard im Bart als Produkt einer Übermutter?
(17.03.2021 16:54)Suebe schrieb:  Tja, die Liebe ist eine Himmelsmacht!


Nachdem Mechthild aber zwei dieser "Spuriuse" persönlich erzogen hat, kann man wohl unterstellen, dass sie Verständnis hatte.

NS: Hat nicht Kaiser Sigismund in einer Rede in Zürich die dortigen käuflichen Damen überaus gelobt?

Das war in Bern, nicht in Zürich (Juni 1414).
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09.04.2021, 13:31
Beitrag: #26
RE: Eberhard im Bart als Produkt einer Übermutter?
(17.03.2021 21:02)Teresa C. schrieb:  Was König Sigismund (damals war er noch nicht gekrönter Kaiser) betrifft, wäre zu überlegen, ob diese Geschichte nicht eine Erfindung ist, um Sigismund je nach Absicht des Chronisten (oder seiner Auftraggeber) als unmoralischen oder lebenslustig-leutseligen Herrn zu zeigen, also gar nicht historisch, auch wenn sie im Zusammenhang mit einem historischen belegten Aufenthalt spielt. Eine Rolle mag außerdem gespielt haben, dass Sigismunds Besuch solo erfolgte, das heißt, ohne Ehefrau. Die Ehefrau wurde also nicht vor Ort durch diesen Bordellbesuch gedemütigt.

Wieso sollte sie eine Erfindung sein ? Im Spätmittelter gehörte der fereierliche Einzug in das städtischen Freudenhaus beim Besuch des Königs/Kaisers oftmals zum Protokoll - und zwar mit Gefolge. Das ist nicht nur aus Bern sondern beispielsweise auch aus Ulm und einigen weiteren Städten (und nicht nur im HRR) überliefert. Und nicht nur für Sigismund. Und es sind auch nicht immer dieselben Chronisten und Zeitgenossen, die darüber bereichten. Es gibt sogar einige städtische Abrechnungen, die erhalten geblieben sind.

Die Ehefrau wurde durch den offiziellen Bordellbesuch des Herrschers bestimmt nicht gedemütigt - die mittelalterliche und besonders die spätmittelalterliche Mentalität entspricht weder victorianischen noch heutigen Vorstellungen. Die mittelalterliche Kirche dachte natürlich ganz anders darüber - aber auch sie dachte in diesem Zusammenhang bestimmt nicht an eine Demütigung der Ehefrau.

Wenn Sigismund die "gelütstigen" Frauen des städtischen Brodells lobte, so liess er dies öffentlich (manchmal sogar persönlich) verkünden. Es gehörte dies zum allgemeinen Städtelob, zur diplomatischen Würdigung seiner Gastgeber, wenn der König seine Reichsstädte besuchte und hatte überhaupt nichts schlüpfriges oder entehrendes. Jede geschichtliche Epoche hatt andere Wertvorstellungen, insbesonders die mittelalterliche. Natürlich darf man - wenn man will - mittelalterliche Wertvorstellungen nach unseren Moralverstellungen beurteilen und sogar kritisieren, aber man darf sie nicht der mittelalter. Gesellschaft unterstellen, denn das gibt ganz sicher eine falsches Bild der Epoche.
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09.04.2021, 14:59
Beitrag: #27
RE: Eberhard im Bart als Produkt einer Übermutter?
Zitat Aguyar:
"Die mittelalterliche Kirche dachte natürlich ganz anders darüber - aber auch sie dachte in diesem Zusammenhang bestimmt nicht an eine Demütigung der Ehefrau."

mW hat die Mittelalterliche Kirche die Ehe lediglich akzeptiert, da so der "Unzucht", gegen die man leider leider nicht ankam, gewisse Regeln und Einschränkungen vorgeschoben wurden.

Die Ehe als Sakrament ist eine viel jüngere "Einrichtung",
die im 19. Jahrhundert peu a peu eingeführte Zivilehe ist lediglich die Wiederherstellung eines vorigen Zustandes,
keine Neuerung.

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09.04.2021, 18:20
Beitrag: #28
RE: Eberhard im Bart als Produkt einer Übermutter?
Da unsere letzten Beiträge nichts mehr mit Eberhard und seiner Mutter zu tun haben, habe ich mir erlaubt, für die Antwort einen neuen Thread zu eröffnen, siehe http://www.forum-geschichte.at/Forum/sho...?tid=13121

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12.04.2021, 16:02
Beitrag: #29
RE: Eberhard im Bart als Produkt einer Übermutter?
(09.04.2021 12:46)Suebe schrieb:  Hier nochmals Hintergründiges aus der aktuellen Forschung zu Eberhard und Mechthild.

file:///C:/Users/)/AppData/Local/Temp/Werner_von_Zimmern_und_Mechthild_von_Rot.pdf

https://www.academia.edu/37339952/Werner...ng-history

Den Link habe ich hier nochmals "hintenvor" geholt.
Er bringt einiges wissenswerte insbesondere zur Mutter

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