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Spektakuläre Fluchten und Fluchtversuche:
09.06.2013, 20:30
Beitrag: #1
Spektakuläre Fluchten und Fluchtversuche:
Immer wieder liest man, wenn man sich mit Kriegshandlungen früherer Zeiten beschäftigt von spektakulären Fluchten und Fluchtversuchen von Heerführern. Deshalb habe ich diesen Tread eröffnet, er soll meinen Mitusern, wie auch mir die Möglichkeit geben hier über solche spektakuläre Fluchten zu schreiben.

Würde mich freuen, wenn uns hier eine interessante Sammlung gelingt.
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09.06.2013, 21:38
Beitrag: #2
Franz von Werra "Einer kam durch"
Franz von Werra, deutscher Jagdflieger schweizerischer Herkunft, entkam aus britischer Gefangenschaft.
Verfilmt mit Hardy Krüger als Franz von Werra mit dem deutschen Titel
"Einer kam durch"

aus wiki:
Zitat:Am 10. Januar 1941 verlegten die Briten ihre Gefangenen mit der Duchess of York nach Kanada. Während eines Bahntransports in Kanada unternahm von Werra seinen dritten, erfolgreichen Fluchtversuch in der Nähe der kanadischen Stadt Smiths Falls. Er konnte sich über den gefrorenen St.-Lorenz-Strom in die damals noch neutralen Vereinigten Staaten retten und gelangte von dort über Südamerika, Afrika, Spanien und Italien zurück nach Deutschland, das er im April 1941 erreichte. Anlässlich des Medienrummels um seine Person in Amerika ließ er sich „Baron Franz von Werra“ nennen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_von_Werra

Franz von Werra verlebte seine Kindheit übrigens in Beuron im Tal der "Oberen Donau"
das Haus seiner Adoptiveltern steht heute noch, vielfach umgebaut
"Haus Maria Trost"

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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09.06.2013, 22:03
Beitrag: #3
RE: Franz von Werra "Einer kam durch"
(09.06.2013 21:38)Suebe schrieb:  Franz von Werra, deutscher Jagdflieger schweizerischer Herkunft, entkam aus britischer Gefangenschaft.
Verfilmt mit Hardy Krüger als Franz von Werra mit dem deutschen Titel
"Einer kam durch"

......

Danke für den Beitrag, eine kleine Beifügung noch: Mit Fluchtversuch meinte ich übrigens nicht unbedingt nur aus der Gefangenschaft sondern auch die Flucht von einem Schlachtfeld weg nach einer verlorenen Schlacht, oder um sich eben vor dem Feind zu retten.
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09.06.2013, 22:07
Beitrag: #4
Soweit die Füsse tragen
Diese "Flucht" ist, wie man heute weiß "Roman" es ist wohl keiner jemals aus Sibirien erfolgreich geflohen.

[Bild: 220px-BauerJMSoweitdieFuessetragen.jpg]

die Szenen des Films von 1959 müssen sehr realistisch gewesen sein.
Wir hatten damals bereits ein TV,
es kamen die ganzen Bekannten den Film in Fortsetzung Sonntagabends bei uns anschauen, da haben gestandene Männer Tränen in den Augen gehabt.
Damals, 1959 eigentlich "unmöglich", Männer weinen doch nicht.

Vermutlich deshalb ist mir der Film noch recht gut in Erinnerung. Ich habe ihn, glaube ich zumindest, nie wieder gesehen.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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09.06.2013, 22:12
Beitrag: #5
RE: Franz von Werra "Einer kam durch"
(09.06.2013 22:03)WDPG schrieb:  
(09.06.2013 21:38)Suebe schrieb:  Franz von Werra, deutscher Jagdflieger schweizerischer Herkunft, entkam aus britischer Gefangenschaft.
Verfilmt mit Hardy Krüger als Franz von Werra mit dem deutschen Titel
"Einer kam durch"

......

Danke für den Beitrag, eine kleine Beifügung noch: Mit Fluchtversuch meinte ich übrigens nicht unbedingt nur aus der Gefangenschaft sondern auch die Flucht von einem Schlachtfeld weg nach einer verlorenen Schlacht, oder um sich eben vor dem Feind zu retten.

das habe ich mir soweit schon gedacht.

Auch dafür hat übrigens die Großdeutsche Geschichte ein schlagendes Beispiel:

Ferdinand Schörner
[Bild: 220px-Bundesarchiv_Bild_183-L29176%2C_Fe...B6rner.jpg]

der hat es tatsächlich fertig gebracht am Ende des Krieges stiften zu gehen.
aus Wiki, Originalton Goebbels:
Zitat:Ich berichte dem Führer von den radikalen Methoden, die Schörner zur Erreichung dieses Zieles anwendet. Deserteure finden bei ihm keine Gnade. Sie werden am nächsten Baum aufgeknüpft, und ihnen wird ein Schild um den Hals gehängt mit der Aufschrift: ‚Ich bin ein Deserteur. Ich habe mich geweigert, deutsche Frauen und Kinder zu beschützen und bin deshalb aufgehängt worden.‘ Solche Methoden wirken natürlich. Jedenfalls weiß der Soldat im Kampfraum Schörners, dass er vorne sterben kann und hinten sterben muss

wieder wiki

Zitat:Hitler bestimmte Schörner am 30. April 1945 in seinem politischen Testament zum Oberbefehlshaber des Heeres. Am 8. Mai 1945 überbrachten amerikanische Truppen unter Oberstleutnant Robert Pratt Schörner in seinem Hauptquartier in Bad Welchow die deutsche Kapitulationsurkunde. Am nächsten Tag versuchte Schörner in Zivilkleidung unterzutauchen – er wurde jedoch bald darauf in Österreich von amerikanischen Truppen gefangen genommen und gelangte zunächst am 15. Mai 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft.[1] Wenige Tage später wurde er an die Sowjetunion ausgeliefert.

per "Storch" soll er in Lederhosen abgehauen sein.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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09.06.2013, 22:42
Beitrag: #6
RE: Spektakuläre Fluchten und Fluchtversuche:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Canaris
Der kurz vor Kriegsende 1945 hingerichtete Abwehrchef floh 1915 aus chilenischer Internierung und gelangt über Argentinien und Holland zurück. Ab 1916 diente er dann als U-Boot-Kommandant.

Noch abenteuerlicher war diese Odyssee.
http://de.wikipedia.org/wiki/Hellmuth_von_M%C3%BCcke
Er floh aus aus der Südsee über Sumatra und Arabien in das verbündete Osmanenreich und dann in die Heimat. Sein Buch "Emden-Aysha" ist wirklich köstlich zu lesen.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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09.06.2013, 22:45
Beitrag: #7
RE: Spektakuläre Fluchten und Fluchtversuche:
Ein spektakuläre Flucht war auch Casanovas Flucht aus den Bleikammern von Venedig im Jahr 1756. Er war der Einzige, der dies schaffte und aufgrund dieser Flucht wurde er bekannt.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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29.10.2013, 23:24
Beitrag: #8
Mit dem Pferd durch den Indus:
Einer der sich durch eine spektakuläre Flucht von einem Schlachtfeld rettete war Dschalal ad-Din. Als das Reich seines Vaters, das Choresm-Reich unter dem Ansturm der Mongolen Dschingis Khans zerfiel versuchte er das Erbe seines Vaters zu Retten. Es gelang ihm eine große Armee aufzustellen und gegen die Mongolen auch eine Schlacht zu gewinnen (konkret gegen einen Adoptivsohn Dschingis Khans), was Dschingis Khan zu einem persönlichen Eingreifen veranlasste. Als die beiden Heere aufeinander trafen war das von Dschalal ad-Din bereits geschwächt, schließlich verlor er diese Entscheidungsschlacht und er wäre fast auch von den Mongolen gefangen genommen worden. Doch es gelang Dschalal ad-Din eine spektakuläre Flucht.
Mit seinem Pferd durchschwamm er die Fluten des Indus und konnte sich so vor den Mongolen Retten. Er konnte nach Indien entkommen und sich auch einige Zeit dort eine Machtbasis schaffen, später kehrte er zu seinem Kampf gegen die Mongolen zurück.
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02.11.2013, 09:17
Beitrag: #9
RE: Spektakuläre Fluchten und Fluchtversuche:
Ich erinnere mich gerade an eine Geschichte, die ich einmal gelesen habe, aber ich weiß nicht mehr, mit welcher Person sie in Verbindung zu bringen ist.

Ich glaube aber, es handelt sich um eine (Herrscher-)person des Heiligen Römischen Reiches. Diese hat in einer Schlacht (die, wenn ich mich recht erinnere, in Italien stattgefunden hat) eine Niederlage erlitten und konnte sich nur durch Flucht vom Schlachtfeld retten. Dabei soll ihr auf irgendeiner Weise ein Jude geholfen, wenn nicht sogar das Leben gerettet haben.

Zuerst habe ich vermutet, dass es sich um Kaiser Friedrich I. oder Friedrich II. handelt, konnte aber durch Google und Wikipedia diesbezüglich nichts herausfinden. Weiß einer von euch, auf wen sich diese Episode bezog?

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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14.12.2013, 22:11
Beitrag: #10
RE: Spektakuläre Fluchten und Fluchtversuche:
(02.11.2013 09:17)Maxdorfer schrieb:  Ich erinnere mich gerade an eine Geschichte, die ich einmal gelesen habe, aber ich weiß nicht mehr, mit welcher Person sie in Verbindung zu bringen ist.

Ich glaube aber, es handelt sich um eine (Herrscher-)person des Heiligen Römischen Reiches. Diese hat in einer Schlacht (die, wenn ich mich recht erinnere, in Italien stattgefunden hat) eine Niederlage erlitten und konnte sich nur durch Flucht vom Schlachtfeld retten. Dabei soll ihr auf irgendeiner Weise ein Jude geholfen, wenn nicht sogar das Leben gerettet haben.

Zuerst habe ich vermutet, dass es sich um Kaiser Friedrich I. oder Friedrich II. handelt, konnte aber durch Google und Wikipedia diesbezüglich nichts herausfinden. Weiß einer von euch, auf wen sich diese Episode bezog?

Ich glaube du meinst Otto II. Die ganze Geschichte geschah im Zuge des Machtkampfes um Süditalien den sich die Sarazenen, Byzanz und das Heilige Römische Reich lieferte. Ein sehr interessantes Kapitel das ich gerne auch bei unserem aktuellen Lebendigen Forum mal thematisieren möchte.

Die Schlacht die du meinst ist die am Kap Colonna. Das Heer Ottos II war zunächst höchst erfolgreich gegen seine sarazenischen Gegner, wurde aber dann geschlagen. Otto II entging nur knapp der Gefangenschaft indem er sich auf ein byzantinisches Schiff rettete. Doch Byzanz war eigentlich ein Gegner, die Besatzung wollte Otto II Gefangen nehmen, dem entkam er aber durch einen Sprung vom Schiff. Er schwamm ans Ufer und konnte dort seinen Gegenern eben durch die von dir erwähnte Hilfe durch einen Mainzer Juden entkommen, der ihm ein Pferd zur Flucht überließ.
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01.01.2014, 20:38
Beitrag: #11
Sigismunds Flucht/Umweg nach der Niederlage von Nikopolis 1396:
Eine interessante Flucht erlebte der spätere Kaiser und damalige König von Ungarn Sigismund nach der Niederlage bei Nikopolis im Jahr 1396 gegen die Osmanen. So weit weg liegt Nikopolis nicht von Ungarn, dennoch nahm man einen gigantischen Umweg. Man wollte nicht riskieren in der Walachei gefangen genommen und eventuell an den Osmanischen Sultan (Bayezit I) ausgeliefert zu werden. Aus diesem Grund nahm man den Wasserweg. Sigismund und Hermann II von Cilli (Großmeister der Johanniter) flohen über die Donau ins Schwarzer Meer um dann über den Bosporus ins Mittelmeer zu gelangen. Und erst dann über die Ägäis, das Mittelmeer und die Adria gelangte man zurück nach Ungarn. Woher die Schiffe für diesen Umweg kamen weiß ich nicht (entweder hatten die Johanniter diese oder sie kamen aus Venedig). Möglich war die Flucht auf diesem Weg wohl auch deshalb weil die Osmanen damals Flottentechnisch noch sehr schwach waren.
Ein interessanter Umweg der auch am bedrohten Konstantinopel vorbeiführte (Kaiser war damals Manuel I).
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01.01.2014, 23:31
Beitrag: #12
RE: Spektakuläre Fluchten und Fluchtversuche:
Das stimmt. Sigismund befürchtete aber nicht die Gefangennahme und Auslieferung an die Osmanen. Er wollte schlicht Zeit schinden. Nachdem seine Gattin Maria im Jahr 1395 an den Folgen eines Reitunfalls verstarb, war Sigismunds Stellung in Ungarn bei Teilen des Adels umstritten, denn sein Anspruch auf die Stephanskrone begründete sich nur auf die Ehe mit Maria, der älteren Tochter Ludwigs des Großen (Lajos Kiraly, Ludwig von Anjou). Nach der Niederlage gegen die Osmanen entsandte Sigismund seinen neu ernannten Palatin Bebek Detre nach Buda, um die Loyalität des Adels zu testen. Sigismund versprach dem ungarischen Adel 100.000 Goldgulden für die Freilassung ihrer Angehörigen zu überlassen. Das Problem war aber, dass einerseits Sigismund das Geld noch nicht hatte, andererseits dieses Geld auch nicht ausreichend war, alle Gefangenen auszulösen. Für prominente Gefangene, wie dem ehemaligen Palatin Istvan Lakfi, aber auch dem burgundischen Thronfolger Johann Ohnefurcht wurden immense Summen verlangt, die schließlich nach recht abenteuerlichen Transaktionen an den Sultan übergeben worden sind.

Sigismund reiste über die Donau in Schwarze Meer nach Konstantinopel, wo er sich auch mit Manuel II. traf. Danach reiste er nach Rhodos und von dort aus mit einem venezianischen Schiff nach Ragusa (Dubrovnik), das er am 21. Dezember 1396, also fast 3 Monate nach der Schlacht erreichte. Ich vermute, dass Sigismund bis Rhodos mit einem Schiff der Johanniter gereist ist. Begleitet wurde er u.a. von Hermann II. von Cilli, Miklos Garai, dem Primas von Kaniszai und Johann von Zollern. Alle drei entstammten Familien, die von Sigismund gefördert wurden und ihm ihren (späteren) Aufstieg verdankten.

Auch nach seiner Ankunft in Ragusa, das damals zum Königreich Ungarn gehörte, "bummelte" Sigismund. Er wurde erst im April 1397 in Buda anlässlich eines einberufenen Hoftages erwartet. Zwischen dem 21. Dezember 1396 und seiner Ankunft in Buda weilte Sigismund in Split, Knim und Fünfkirchen, wo er Gerichtstage abhielt, bei denen er den inzwischen freigekauften ehemaligen Palatin als Verantwortlichen für die Niederlage zum Tode verurteilen ließ und dieses Urteil auch vollstrecken ließ, was wiederum einen Teil des ungarischen Adels gegen ihn aufbrachte.

Der gegnerische Adel wandte sich deswegen an die jüngere Tochter, Hedwig, die seit 1386 mit Wladyslaw II. Jagiello, dem Begründer des polnisch-litauischen Reiches der Jagiellonen, verheiratet war. Hedwig, die im Übrigen vor wenigen Jahren von Johannes Paul II. heilig gesprochen wurde, nahm die Titulatur "Erbin des Königreiches Ungarn" an. Aber Sigismund hatte bereits (vorsorglich) im Jahre 1395 eine in Zips geschlossene Vereinbarung zwischen dem polnischen König Wladyslaw II. und dem böhmischen (und deutschen) König Wenzel IV. (Sigismunds Halbbruder) unterschrieben, in der sich die drei Könige gegenseitige Unterstützung zusicherten. Deshalb war Wladyslaw II. auch bereit, sich im Juli 1397 mit Sigismund zu treffen. Was sie genau alles besprachen, ist nicht bekannt. Nachweislich wurde ein Friede mit einer Laufzeit von 16 Jahren vereinbart. Wladyslaw und Hedwig verzichteten auf ihre Nachfolgeansprüche in Ungarn, sie bekamen dafür das sogenannte Rotreussen. Ebenso versprach Sigismund, seinen bisherigen Verbündeten Wladyslaw von Oppeln nicht mehr zu unterstützen, Kujawien und Dobrzyn an den Deutschen Orden zu verkaufen. Weitere Streitigkeiten zwischen Polen, Litauen und dem Deutschen Orden konnte Sigismund nicht beilegen, da Sigismunds Schiedsspruch sowohl vom litauischen Großfürsten Witold als auch vom Hochmeister Konrad von Jungingen zurück gewiesen wurde.

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02.01.2014, 01:05
Beitrag: #13
RE: Spektakuläre Fluchten und Fluchtversuche:
(09.06.2013 22:45)Sansavoir schrieb:  Eine spektakuläre Flucht war auch Casanovas Flucht aus den Bleikammern von Venedig im Jahr 1756. Er war der Einzige, der dies schaffte und aufgrund dieser Flucht wurde er bekannt.

Giacomo Casanova saß als Staatsgefangener vom 26. Juli 1755 bis zum 31. Oktober 1756 in den berüchtigten Bleikammern in Venedig. Die Bleikammern galten als eines der sichersten Gefängnisse der Welt. Allerdings fürchteten die Venezianer selbst, Gefangene im berüchtigten "Pozzi" zu werden. Das "Pozzi" befand sich in den Kellerräumen des Dogenpalastes und war gefürchtet wegen der dort üblichen Folter und den regelmäßigen Überschwemmungen, denen viele Gefangene zu Opfer fielen. Die Bleikammern waren etwa 7 bis 10 enge Räume auf dem Dachboden des Dogenpalastes. Im 18. Jh. hatten viele Häuser Dächer aus Blei, direkt unter den Bleidächern war es im Sommer stickig heiß und im Winter bitterkalt.

Casanova besaß eine robuste Gesundheit, er war zum Zeitpunkt seiner Haft 30 bzw. 31 Jahre alt. Es gelang ihm, die Wärter über seinen tatsächlichen Gesundheitszustand zu täuschen, so dass es ihm ermöglicht wurde, relativ oft einen befreundeten Arzt zu empfangen, der den angeblich Kranken zu heilen hatte, ihm aber mit Werkzeug usw. versorgte. Die Schwierigkeit einer Flucht bestand darin, dass sich die Bleikammern genau über den Tagungsraum des Großen Rates befand. Das heißt, eine Flucht war nur nachts möglich und Casanova musste darauf achten, dass seine Grabungsarbeiten weder vom Wärter noch vom Großen Rat bemerkt wurden. Da er oft einen Mitgefangenen hatte, verzögerten sich seine Fluchtvorbereitungen ständig. Außerdem musste er den Aushub aus seiner Zelle entfernen, dies gelang ihm bei dem ihm morgendlich gewährten Spaziergang.

Seinen ersten Ausbruch plante Casanova für den 28. August 1756. Aber gerade an diesem Tag fanden Zellverlegungen statt, so dass Casanova in einer scheinbar "besseren" Gefängniszelle gelangte. An diesem Tag oder etwas später wird in Casanova die Idee gereift sein, statt sich durch die Decke in den Saal des Großen Rates sich abzuseilen, sich dort zu verstecken und dann nach der Eröffnung der Tagung des Rates die Menschenansammlung zu nutzen, um den Dogenpalast zu verlassen, die Flucht über die Dächer zu wagen.

Des Weiteren lernte er den wegen Sexualdelikten inhaftierten Pater Balbi kennen, der ebenfalls seine Flucht schon vorbereitet hatte. Irgendwie gelang es den beiden Männern, ihre Aktionen abzustimmen. Casanova legte schließlich als Termin für die Flucht den 31. Oktober fest, einen günstigen Tag für die Flucht, da ihm zwei Feiertage folgten, an denen der Rat nicht tagte und arbeitete.

Am 31. Oktober 1756 gelangten Casanova und Balbi auf das Dach des Dogenpalastes, von wo aus sie sich abseilten und nach einigen Schwierigkeiten im Gebäudeinneren nach unten gelangten. Als früh um sechs, der Hausmeister das Tor des Palasts aufschloss, hielt er die beiden Gefangenen für zwei vorzeitig eingeschlafene und deshalb eingeschlossene Gäste einer Feier, was damals nicht selten vorgekommen sein sollte.

Casanova und Balbi sprangen in die nächste Gondel und ließen sich bis nach Mestre fahren. Dort trennte sich Casanova von seinem Gefährten, der schon im ersten Wirtshaus auffiel, weil er die Bedienung recht eindeutig anbaggerte. Casanova fand dann Unterschlupf im Haus des Sbirrenführers, der ihn suchte. Er redete dessen Ehefrau ein, er wäre ein guter Freund ihres Mannes. Trotz seiner deutlichen Blessuren wurde die Polizistenfrau nicht misstrauisch, dass es bei Casanova um einen der gesuchten Häftlinge handeln könnte. Casanova wurde jedenfalls von der Frau und der inoch im Hause wohnenden Mutter des Sbirren gesund gepflegt. Als er nach drei Tagen den heimkehrenden Sbirren erblickte, suchte er schleunigst das Weite.

Er flüchtete nach Bozen, wo er einen für ihn bereitgestellten Geldbetrag in Empfang nahm. Von Bozen reiste er nach München, von München nach Strasbourg, von wo aus er sich nach Paris begab. Dort kam er am 5. Januar 1757 an.

Nach seiner spektakulären Flucht wurde Casanova sehr bekannt. Erst 1774 begnadigte Venedig Casanova. Seit 1776 arbeitete er als Spion für die venezianische Staatsinquisition. Von 1785 bis zu seinem Tod im Jahr 1798 arbeitete er als Bibliothekar des Grafen Waldstein. In dieser Zeit verfasste er seine Memoiren, in denen er u. a. seine Frauenabenteuer vor und nach seiner Inhaftierung ausführlich schilderte. 1821 veröffentlichte der Brockhaus-Verlag erstmals diese Memoiren, seitdem wird der Name "Casanova" als Synonym für einen Frauenhelden verwenden.

Casanova selbst musste sich zum Ende seines Lebens begnügen, der ältere Bruder zweier damals erfolgreicher Hofmaler in Wien und Dresden zu sein. In Dresden wird z.B. heute Giovanni Casanova zuerst als jüngerer Bruder des bekannten Herzensbrechers Giacomo Casanova den aufmerksamen Museumsbesucher vorgestellt, ehe man erfährt, dass er der Schüler und künstlerische Nachfolger des bekannten Hofmalers und Porträtisten Louis de Silvestre war und neben den beiden Canalettos zu den bedeutendsten Dresdner Malern des 18. Jahrhunderts zählt. Seinem in Wien wirkenden Bruder Francisco wird es wohl ähnlich ergangen sein.

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02.01.2014, 03:47
Beitrag: #14
RE: Spektakuläre Fluchten und Fluchtversuche:
Winston Churchills Flucht aus der burischen Gefangenschaft im Jahr 1899

Winston Churchill war ein Angehöriger des englischen Hochadels. Der Nachfahre des Herzogs von Marlborough plante nach seiner militärischen Kariere, die 1898 mit dem Sieg der Kitchener-Truppen über den Mahdi in Sudan enden sollte, ein Leben als Politiker und historischer Schriftsteller. Dies nachmilitärische Karriere begann hoffnungslos, Churchills Erstling "The River War" (Der Flusskrieg), der den Kolonialkrieg im Sudan beschrieb und General Kitchener hart kritisierte, wurde ein Bestseller und 1902 erneut verlegt. Churchills politischer Karriere kam die Konservative Partei entgegen, indem sie den Mittzwanziger den Wahlkreis eines Verstorbenen überließ. Dieser Wahlkreis Oldham lag im Herzen der Industriegebiete von Lancashire, die Wählerschaft setzte sich hauptsächlich aus Textilarbeitern zusammen. Es gelang Churchill nicht, als Abgeordneter dieses Wahlkreises in das Unterhaus gewählt zu werden. Deshalb entschloss sich Churchill für das Fortsetzen seiner militärischen Karriere.

Bereits im Oktober 1899 begann der Burenkrieg. Churchill eilte nach seiner Wahlniederlage nach Südafrika, aber nicht als Offizier der britischen Armee, sondern als Sonderberichterstatter der Tageszeitung "Morning Star". Nach der Ankunft in Südafrika verhielt sich Churchill recht unvernünftig. Obwohl er sich nur als Zivilperson in Südafrika aufhielt, nahm er an Kampfhandlungen gegen die Buren teil. Dabei begab er sich aus Übermut und Leichtsinn oft in besonders gefahrvolle Situationen. So blieb es nur eine Frage der Zeit, dass er in Kriegsgefangenschaft der Buren geriet.

Diese Kriegsgefangenschaft war für Churchill äußerst prekär. Die Buren akzeptierten ihm nicht als Kriegsberichterstatter, sondern sahen in ihm (zu Recht) eine Zivilperson, die an militärischen Aktionen teilgenommen hatte. Nach Kriegsrecht müsste deshalb Churchill vor ein Militärgericht gestellt werden, das ihm nach einigen Minuten zum Tod durch Erschießen verurteilt hätte. Aber die Buren wagten nicht, einen schon damals bekannten Angehörigen des britischen Hochadels zu erschießen. Sie hielten es für besser, ihm als möglichen Austauschgefangenen nach Pretoria zu bringen, wo Churchill unter recht laxen Bedingungen in einer früheren Schule inhaftiert wurde.

In einem Augenblick, in dem die Wachen unmerksam waren, gelang es Churchill die Mauern des Geländes zu überwinden und unerkannt zu entkommen. Churchill wusste, dass von Pretoria eine Eisenbahnlinie zur portugiesischen Hafenstadt Lourenco Marquez im heutigen Angola führte. Ihm gelang es, auf einen vorbeifahrenden Zug aufzuspringen und sich unter den leeren Kohlensäcken zu verstecken. Am darauf folgenden Morgen verließ er wieder den Zug, da er befürchtete, beim Beladen der Kohlesäcke entdeckt zu werden. Diese Befürchtungen bestanden zu Recht, die Buren hatten eine Kopfprämie von 25 Pfund Sterling auf ihn ausgesetzt. Am nächsten Tag gelang es Churchill nicht, sich den Bahngleisen zu nähern. Doch er hatte Glück, er geriet in die Obhut eines der wenigen Engländer, die zwangsweise für die Buren die Kohlebergwerke in Betrieb hielten. Dieser bis heute nicht namentlich bekannte Engländer versteckte Churchill so lange, bis die Buren ihre Suchtrupps auflösten. Nachdem sich die Situation beruhigt hatte, versteckte man Churchill in einen Kohlenwagen, der nach Lourenco Marquez fuhr, wo Churchill schließlich am 19. Dezember 1899 ankam. Von dort aus begab er sich nach Durban in Südafrika, wo er von den Briten begeistert empfangen wurde. Diese Flucht verschaffte Churchill eine enorme Popularität in Großbritannien.

Weitere bekannte Briten, deren Flucht erfolgreich war, waren die Offiziere, denen es während des 2. Weltkrieges gelang, von Colditz aus der deutschen Gefangenschaft zu fliehen oder Ronald Biggs, der im letzten Jahr verstorbene Posträuber von 1963.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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02.01.2014, 21:44
Beitrag: #15
RE: Spektakuläre Fluchten und Fluchtversuche:
(14.12.2013 22:11)WDPG schrieb:  
(02.11.2013 09:17)Maxdorfer schrieb:  Ich erinnere mich gerade an eine Geschichte, die ich einmal gelesen habe, aber ich weiß nicht mehr, mit welcher Person sie in Verbindung zu bringen ist. Ich glaube aber, es handelt sich um eine (Herrscher-)person des Heiligen Römischen Reiches. Diese hat in einer Schlacht (die, wenn ich mich recht erinnere, in Italien stattgefunden hat) eine Niederlage erlitten und konnte sich nur durch Flucht vom Schlachtfeld retten. Dabei soll ihr auf irgendeiner Weise ein Jude geholfen, wenn nicht sogar das Leben gerettet haben. Zuerst habe ich vermutet, dass es sich um Kaiser Friedrich I. oder Friedrich II. handelt, konnte aber durch Google und Wikipedia diesbezüglich nichts herausfinden. Weiß einer von euch, auf wen sich diese Episode bezog?

Ich glaube du meinst Otto II. Die ganze Geschichte geschah im Zuge des Machtkampfes um Süditalien den sich die Sarazenen, Byzanz und das Heilige Römische Reich lieferte. Ein sehr interessantes Kapitel das ich gerne auch bei unserem aktuellen Lebendigen Forum mal thematisieren möchte.

Die Schlacht die du meinst ist die am Kap Colonna. Das Heer Ottos II war zunächst höchst erfolgreich gegen seine sarazenischen Gegner, wurde aber dann geschlagen. Otto II entging nur knapp der Gefangenschaft indem er sich auf ein byzantinisches Schiff rettete. Doch Byzanz war eigentlich ein Gegner, die Besatzung wollte Otto II Gefangen nehmen, dem entkam er aber durch einen Sprung vom Schiff. Er schwamm ans Ufer und konnte dort seinen Gegenern eben durch die von dir erwähnte Hilfe durch einen Mainzer Juden entkommen, der ihm ein Pferd zur Flucht überließ.

Wenn auch etwas verspätet: Danke, genau das hatte ich gemeint.

VG
Der Maxdorfer

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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