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Monotheismus - Moses und Echnaton
29.08.2012, 12:53
Beitrag: #1
Monotheismus - Moses und Echnaton
Wie bereits in http://www.forum-geschichte.at/Forum/sho...57#pid8457 berichtet, lese ich gerade Haarmann "Lexikon der untergegangenen Völker" und bin bei den Ägyptern über folgendes gestolpert:
Zitat:Der Atonkult wurde von dem Ägypter Mose, einem Mitglied der Königsfamilie, der nach einer gescheiterten Palastrevolte das Land verließ, zum Gottesmonopol der Hebräer, zum Jahweismus transformiert. Von diesem Modell des einzigen Gottes führt der Weg zum Christentum und zum Islam.

Dieser Zusammenhang wird hin und wieder spekulativ hergestellt, er hat wohl auch eine längere Geschichte, die evtl. bei Sigmund Freud beginnt. http://de.wikipedia.org/wiki/Mose#Geburt..._Errettung

Hat jemand dieses Buch von Assmann gelesen? http://www.amazon.de/Moses-%C3%84gypter-...d_sxp_f_pt

Und vor allem, was haltet ihr von dieser Herleitung des Monotheismus direkt vom Atonkult?
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29.08.2012, 17:19
Beitrag: #2
RE: Monotheismus - Moses und Echnaton
nun ja, sicherlich kann man mit jeden Buch sein Geld verdienen.
Wer sein historisches Wissen aus amerikanischen Filmen bezieht (die 10 Gebote mit Charles Heston ) der glaubt an die Geschichte mit dem Korb im Nil und die Aufnahme ins Köningshaus.
Zu schön und zu süss.

Moses ist ein alter, sehr häufiger ägyptischer Name.
Der Ausszug vieler Sklaven aus Ägypten, Ursache ist kein Erretter a la Charlton Heston sondern eine Hungersnot, fand in der Zeit der Ramesiden statt, angenommen wird Ramses II.

Der Gedanke des Monotheismus kam ca. 1.500 - 1800 v. Chr. aus Persien (Stichwort Zarathustra) und fällt somit in die Anfänge der 18. Dynastie Ägyptens.
Es ist anzunehmen, dass die Pharaonen als Inkarnation eines oder mehrerer Götter sich mit diesem Thema auseinander gesetzt haben

Das Resultat war dann Amenhotep III und später Amenhotep IV/Echnaton.

Die Wiedereinfühtrung des Amon-Kultes beendete den ATON Kult = also die Sonnenscheibe (nicht als einzigen !!!) Gott.

Selbst die Griechen und Römer, 800 bis 1000 Jahre später waren keine Monotheisten.
Die Juden waren Monotheisten, aus der Befruchtung durch den persischen Gedanken Zarathustras , da sehe ich eine Verbindung, nicht jedoch zum Aton-Kult. Ich denke auch nicht, dass der Monothesismus der Juden, also der Glaube eines Sklavenvolkes eine Einfluss auf den Aton-Kult hatte .
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15.07.2013, 16:07
Beitrag: #3
RE: Monotheismus - Moses und Echnaton
Eine direkte Herleitung ist wohl wirklich unrealistisch. Möglich ist natürlich, dass die im Ägypten der Amarnazeit kurzzeitig verwirklichten Gedanken Einfluss hatten auf die Gedankenwelt einzelner Menschen oder Völker. Genauso gut kann das aber auch bei Zarathrustras Lehre der Fall sein.

Eine wirklich direkte Beeinflussung halte ich jedoch für unwahrscheinlich.

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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10.12.2020, 19:07
Beitrag: #4
RE: Monotheismus - Moses und Echnaton
Ach, da gibt es ja tatsächlich einen Thread darüber...
über die These von Sigmund Freud zum Ursprung des Antisemitismus bin ich kürzlich auf Arte gestolpert. Ich habe leider nur 5 Minuten reingeschaut, aber da ich mich mit dem Thema, besser gesagt mit den Bruchstücken schon immer mal beschäftigt habe, klingt das durchaus interessant.

Ganz kurz:
Der ägyptische Pharao Echnaton war der Begründer der ersten monotheistischen Religion der Weltgeschichte- zumindest, soweit wir es wissen. Verehrt wurde in Echnatons Zeit der Sonnengott Aton, die Verehrung aller übriger Götter wurde verboten- und zwar mit Hilfe von massiver Gewalt- Echnaton errichtete ein religiöses Terrorregime, das in Ägypten tiefe Spuren hinterlassen hat. Nach Echnatons Tod kehrten die Ägypter nicht nur zum Polytheismus zurück, sondern versuchten auch, die Erinnerung an Echnaton zu tilgen. Soweit ist die Geschichte wohl jedem bekannt.
Freud vermutete, dass die Angst vor der Schreckensherrschaft in der ägyptischen Gesellschaft erhalten blieb, von Generation zu Generation übertragen wurde- und somit gewissermaßen den Ursprung des Antisemitismus bildete- Angst vor Gewalt im Zusammenhang mit Monotheismus.

Zumindest das finde ich als These sehr plausibel- ich habe mich in den letzten Jahren sehr mit dem Thema mehrgenerationalen Übertragung beschäftigt (die im übrigen auf Carl Gustav Jung, Freuds einstigen Weggefährten zurückgeht). Der Umbruch eines Glaubenssystems, der mit massiver Gewalt einhergeht, hinterläßt auf jeden Fall Spuren in der Gesellschaft (wir hatten ja kürzlich an anderer Stelle den amerikanischen Bürgerkrieg, der auch bis heute nachwirkt.) Von daher.... ja, diese Ablehnung scheint durchaus plausibel.

Natürlich kann man sich jetzt fragen, ob es ein Zufall ist, dass Moses dann gerade wieder in Ägypten wirkte (ich glaube, die These hierzu war, dass der verbotene Atonkult jahrundertelang im Untergrund weiter ausgeübt wurde und Moses ein Priester dieses verbotenen Atonkults war, der wieder an die Öffentlichkeit trat). Ist eine hübsche Theorie, gegen die sich nicht allzu viel sagen läßt... belegen läßt sie sich aber auch nicht...

Interessant famd ich vor allem immer den Gedanken, dass viele Gelehrte ja der meinung waren, dass der Monotheismus ein Fortschritt in der Menschheitsgeschichte gewesen ist... Da der Monotheismus häufig mit Gewaltausübung verbunden war, könnte man zumindest darüber diskutieren...

Auf dem Grabstein dess Kapitalismus wird stehen: "Zuviel war nicht genug"
Volker Pispers
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12.12.2020, 12:48
Beitrag: #5
RE: Monotheismus - Moses und Echnaton
Ein Problem ist halt, dass wir nicht wirklich viel über diese Zeiten wissen, das Meiste ist doch die Interpretation von Funden und Inschriften, die nicht vollständig sind und die auch nach Vorstellung der Archäologinnen und Archäologen, Historikerinnen und Historiker, Theologinnen und Theologen etc. gedeutet oder fehl gedeutet wurden.

Die Beziehung des israelitisch-jüdischen Volkes zu Ägypten, die zumindest im Alten Testament eine prominente Rolle bekommen, der Umstand, dass in Ägypten mit dem Aton-Kult unter Pharao Echnaton die bisher einzige monotheistische Religion bis dahin belegt ist, von wir bisher wissen und der Name Moses, der als Verweis auf die Dynastie, zu welcher Echnaton gezählt wird, interpretiert werden könnte, sind zumindest Indizien dafür, dass hier ein Zusammenhang bestanden haben kann.

Wir sollten vielleicht auch nicht übersehen, dass wir keineswegs bisher mit Sicherheit wissen, warum Amenophis IV. / Echnaton plötzlich die Idee hatte, das damalige Religionssystem zu verändern. Wir wissen bisher nicht, ob er Vorläufer hatte, bei denen es gelungen ist, die Erinnerung im Unterschied zu ihm vollständig zu tilgen oder die Religionsentwicklung bereits vorher gar nicht zu polytheistisch war, wie sich nach den vielen Göttern die überliefert sind, annehmen lässt. (Das alte Ägypten war ein Großreich, da ist durchaus vorstellbar, dass der Polytheismus vielleicht strukturelle Gründe hatte - vielleicht war er ursprünglich nur der gelungene Versuch, die in den einzelnen Gebieten verehrte Lokalgottheit als Teil einer "Götterfamilie" sozusagen zu einer "reichsübergreifenden" Struktur zusammenzufassen.

Der Monotheismus des Judentums dürfte vielleicht nicht nur religiöse Gefühle gehabt haben, sondern auch jenes Merkmal gewesen sein, durch welches sich dies Gruppe von ihren Nachbarn abheben und so als Volk eine Identität bewahren konnte, die selbst Erfahrungen, wie die babylonische Gefangenschaft überdauerte. Ob die Juden wirklich das Sklavenvolk waren, wie die Bibel vermittelt, wäre ebenfalls kritisch zu hinterfragen. Wäre es vielleicht nicht auch möglich, dass die Juden ursprünglich ebenfalls Ägypter waren, die sich diesen abspalteten (vielleicht war die Religion die Ursache dafür) und deswegen das Reich der Ägypter verließen, um ihren eigenes "Reich" zu gründen. Die Geschichte um Abraham, Isaak und Jakob und die vorübergehende Ansiedlung in Ägypten könnte auch eine Legende sein, die später erfunden wurde, als die Juden / Israeliten ein eigenes Reich gegründet hatten und sich auch eine Geschichte gaben, die darauf abzielte, ihre ursprüngliche Herkunft aus Ägypten zu "vertuschen".

Bei der Frage, ob der Monotheismus wirklich ein Fortschrift war, wäre, wie üblich, zunächst zu diskutieren, was unter Fortschritt zu verstehen ist und was tatsächlich das Fortschrittliche an einer solchen Religionsform gewesen sein könnte. Schließlich haben die polytheistischen Religionen auch durchaus Vorteile.

Auffällig ist jedenfalls, dass Religion in der Geschichte relativ häufig bei der Schaffung von Herrschaftseinheiten auftaucht.

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Nur die Geschichtenschreiber erzählen uns, was die Leute dachten.
Wissenschaftliche Forscher halten sich streng an das, was sie taten.

Josephine Tey, Alibi für einen König
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14.12.2020, 18:08
Beitrag: #6
RE: Monotheismus - Moses und Echnaton
Ich habe vor einigen Wochen gelesen, dass monotheistische Religionen Staats- und Regierungsformen wie die Monarchie, Despotie oder Tyrannis festigen und polytheistische Religionen die Durchsetzung dieser Regierungsformen erschwert. Wenn man den Bogen ins 20. und 21 Jahrhundert spannen würde, könnte dies auch für die totalitären Diktaturen gelten. Oder umgekehrt: Religionsvielfalt und religiöse Toleranz in Verbindung mit Demokratie setzen. Polytheismus bedeutet ja auch das Nebeneinander verschiedener Gottheiten und zum Teil verschiedener Kulte und Priestergemeinschaften.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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14.12.2020, 19:15
Beitrag: #7
RE: Monotheismus - Moses und Echnaton
Ohne hier von Kenntnissen beleckt zu sein....
Wage ich auch die These, dass Religion und Herrschaft sehr eng zusammenhängen.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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