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Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
27.09.2012, 14:44
Beitrag: #61
Balduin II -Der letzte Kaiser des Lateinischen Kasierreichs:
Das Lateinische Kasierreich wurde im Jahr 1204 gegründet, als die Kreuzritter Konstantinopel eroberten und einen Kaiser aus ihren Reihen (der erste war Balduin I) auf den Thron brachten.

Als Balduin II ca. 24 Jahre später auf den Thron kam, war von dem einst gar nicht mal so kleinen Reich nicht mehr viel übrig, eigentlich nur Trümmer. Trümmer gab es in Konstantinopel wohl genügend, denn die Stadt hatte bei 4. Kreuzzug eine extreme Plünderung, Stadtbrände usw. erleidet. Ein Schaden, den die Lateiner nie wieder beheben konnten. Es fehlte einfach das Geld. Außerdem ging vieles von dem bedeutenden Handelsplatz Konstantionpel an die neue Seemacht Venedig verloren. Der Kaiser des Lateinischen Kaiserreichs war in seiner Macht in der Regel stark eingeschränkt.

Außerdem erlebten die Nachbarstaaten des neuen Kreuzritterkaisertums einen raschen Aufstieg. Bulgarien schlug etwa schon 1205 das Heer der Lateiner vernichtend bei Adrianopel, das Kaiserreich von Nikea bedrohte das Reich vom Osten her und entriss diesem einige Gebiete. Einen kurzzeitigen Aufstieg erlebte auch das Kaiserreich von Trapezunt und das Despotat von Epirus.

Mit diesem möchte ich nun auch die Lebensgeschichte von Balduin II beginnen: Der Vater von Balduin II war Peter von Courtenay. Dieser sollte eigentlich Kaiser in Konstantinopel werden, wurde auch in Rom zum Kaiser des Lateinischen Kaiserreichs gekrönt, kam aber nie an, da er beim Zug nach Konstantinopel in die Gefangenschaft des Despoten von Epirus kam und in dieser verstarb. Seine Witwe (Jolante von Flandern, die Schwester von Balduin I) führte nun die Regentschaft in Konstantinopel und das sogar halbwegs erfolgreich, etwas was man von der Regierung von Kaiser Robert I (den zweitältesten Sohn von Peter von Courtenay) nicht behaupten kann. Auf ihn, der ein von allen Seiten bedrohtes Reich hinterlies (wofür man ihn alleine bestimmt nicht verantwortlich machen kann), folgte nun sein minderjähriger Bruder Balduin II.

Den Latainern war klar das es einen starken Mann an der Spitze brauche um nicht unterzugehen. Vor allem Epiros, das mittlerweile auch Thessalonike eingenommen hatte wurde immer mehr zur Existenzbedrohung. Aus diesem Grund ging man in die Richtung sich mit Iwan Asen II zu verbünden, er hatte gute Chancen das Reich als Vormund verwalten zu können und es mit etwas geschickter Politik zum Herrscher von Konstantinopel zu bringen. Doch Epirus machte den Fehler Bulgarien anzugreifen, es unterlag und schied als Gegner des Lateinischen Kaiserreichs aus.
Bulgarien war nun (neben dem Aufstrebenden Nikea) die große Bedrohung, der man sicher nicht einfach die Macht schenken würde. Eine andere Lösung wurde gefunden. Johann von Brienne, ehemaliger König von Jerusalem und Kreuzritter wurde neben dem minderjährigen Balduin II Kaiser. Johann von Brienne stellte sich so gut es ging, gegen den Niedergang des Lateinischen Kaiserreichs, konnte sogar die Bedrohung durch eine Allianz aus Bulgarien und Nikea abwenden (neben den Mauern Konstantinopels und der Uneinigkeit der Feinde, war es wohl auch seine geschickte Politik, die das kleine Kaiserreich das nur noch auf Konstantinopel und Umgebung zusammengeschrumpft war, am Leben erhielt).

Balduin II, mittlerweile 18 wurde in dieser Zeit nach Westen entsandt, um in Europa Hilfe zu finden. Das Bereisen von Europas Höfen war auch nach dem Ableben von Johannes Brienne im Jahr 1237, als Balduin II endgültig zum Herrscher wurde, eine wichtige Taktik um sich noch irgendwie über Wasser halten zu können. Eigene Mittel hatte das Kleinreich kaum noch, auf die eigene (großteils griechische) Bevölkerung war kaum verlass und Kreuzritter kamen kaum noch. Eine schwere Situation, in der man eben nur über Verbündete (und das auch nur schwer) zu Geld und Soldaten kommen konnte. Beides brauchte das Bedrängte Kaiserreich dringend. Innenpoltische Wirren und vor allem auch ein Mongoleneifall waren dafür Verantwortlich, dass mit Bulgarien eine Bedrohung wegfiel.

Einen großen Nutzen konnte der lateinische Kaiser nicht daraus ziehen, denn Balduin II hatte mit Nikea einen weiteren mittlerweile extrem mächtigen Feind und kaum Chancen auf Rettung. Die Suche nach dieser führte Balduin II auch zu Ludwig dem Heiligen der gerade mit dem 6. Kreuzzug beschäftigt war und führte zu echten Verzweiflungstaten. Um an Geld zu kommen verpfändete Balduin II seinen eigenen Sohn, es zeigt wie dramatisch die Lage mittlerweile geworden war.

Es ist erstaunlich das sich Balduin II unter diesen Umständen doch eine beträchtliche Zeit halten konnte, zwischen 1228 und 1237 als Kaiser unter Vormundschaft, zwischen 1237 und 1261 als Herrscher. Eines der wenigen Reiche die dem Lateinischen Kaiserreich halfen, war Venedig, was zumindest zur See einen gewissen Schutz bot. Um diesen zu durchbrechen verbündete sich die Kaiser von Nikea Michael Palaiologos schließlich mit Genua. So klar war es gar nicht das es an der Zeit war Konstantinopel nun zu erobern, denn die Stadt fiel eher zufällig, als das ohnehin nicht gerade große Heer anderwärtig beschäftigt war, an die Truppen des Kaisers von Nikea.

Balduin II blieb nichts anderes übrig als zu fliehen. Hilfe dabei bot ihm Venedig, schließlich kam er zu Karl von Anjou. Dieser hatte das damals strategisch enorm wichtige Süditalien und Sizilien erhalten und war einer der mächtigsten Herrscher des damaligen Europa. Zusammen mit diesem Verbündeten stellte Balduin II, eine enorme Bedrohung für das Wiederhergestellte Byzanz dar. Byzanz wehrte sich mit Großmachtspolitik und Diplomatie. Schließlich konnte Byzanz die Gefahr abwenden indem es sich mit Aragon und der aufständischen Bevölkerung in Sizilien gegen Karl von Anjou verbündete. Karl von Anjou hatte, um seine Politik finanzieren zu können enorme Steuern von Siziliens Bevölkerung verlangt und sich zusätzlich unbeliebt gemacht, weil er Neapel (und damit eine Stadt vom Festland) zu seiner Hauptstadt machte. Byzanz belieferte den Aufstand mit Geld.
Karl von Anjou hatte das Duell verloren, doch auch Byzanz war nur ein kurzzeitiger Gewinner. Es musste viel von seinen Ressourcen hergeben um die Gefahr die von Balduin II und Karl von Anjou ausging abzuwenden, was einen Niedergang zur Folge hatte.

Balduin II lebte auf Kosten von Karl von Anjou. Im Jahr 1273 kam zwischen den Courtenay und den Anjou eine Dynastische Verbindung zu Stande, Karls Tochter Beatrix heiratete Philipp, den Sohn den Balduin II einst verpfändete. Kurz danach verstarb Balduin II, sein Sohn und dessen Nachfolger als Titularkaiser von Konstantinopel wurden nie wieder eine solche Bedrohung für den Kaiser in Byzanz geschweige denn wieder Kaiser von Konstantinopel, es dauerte aber noch einige Zeit bis dass, das Titularkaisertum komplett an Bedeutung verlor, für Byzanz stellten diese aber immer eine gewisse Bedrohung dar.
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29.09.2012, 13:55
Beitrag: #62
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Margarete von Wrangell

Margarete von Wrangell wurde am 7. Januar 1877 in Moskau geboren. Sie entstammte einem deutsch-baltischen Adelsgeschlecht, das schon ziemlich lange in der Gegend ansässig war. Sie wuchs in Moskau, Ufa und schließlich Reval (dem heutigen Tallinn) auf, wo sie eine deutschsprachige Mädchenschule besuchte. Nach der Schulausbildung machte sie eine Ausbildung zur Lehrerin und schloss diese 1894 mit Auszeichnung ab. In den nächsten Jahren gab sie ein bisschen Privatunterricht, vornehmlich in Naturwissenschaften, und wurde künstlerisch tätig. Einerseits malte sie einige Bilder und andererseits verfasste sie kurze Geschichten.
Schließlich entschloss sie sich, nach Greifswald zu gehen und dort einen Botanikkurs zu besuchen. Das war im Jahr 1903, als sie 26 Jahre alt war. Von da an begann sie, sich immer mehr für naturwissenschaftliche Themen zu interessieren. „Damenhafte Beschäftigungen“ und anderer standesgemäßer Krempel waren ihr nicht mehr genug, sie wollte immer sicherer eine wissenschaftliche Laufbahn durchlaufen. Also ging sie endgültig nach Deutschland und schrieb sich an der Universität Leipzig im Fach Naturwissenschaften ein. Später wechselte sie nach Tübingen, wo sie 1909 auch promovierte. Ihre Arbeit „Isomerie – Erscheinungen beim Formylglutaconsäureester und seinen Bromderivaten“ im Fachgebiet der Organischen Chemie machte sie mit Bestnote zur Doktorin. Sie war somit eine der ersten Studentinnen des Königreiches Württemberg. Ihre Mutter unterstützte sie bei all dem eifrig und zog sogar mit ihr nach Tübingen.
In den folgenden Jahren durchlebte Wrangell das, was man gerne als „Lehr- und Wanderjahre“ bezeichnet. 1909 ging sie als wissenschaftliche Assistentin an eine landwirtschaftliche Versuchsstation in Dorpat, im folgenden Jahr ging sie nach London zu William Ramsay und assistierte diesem bei seinen Forschungen zur Radioaktivität. 1911 wurde sie Assistentin am „Institut für anorganische und physikalische Chemie“ in Straßburg, von wo sie 1912 für neun Monate der Forscherin Marie Curie in Paris anempfohlen wurde. Dann kehrte sie in ihre Heimat zurück, nach Estland.
In Reval wurde sie Ende des Jahres 1912 die Leiterin der Versuchsstation des „Estländischen Landwirtschaftlichen Vereins“. Diese Versuchsstation hatte zur Aufgabe, verschiedene Experimente zur Erleichterung der Landwirtschaft durchzuführen, des Weiteren aber auch Saatgut, Futter und Düngemittel genau zu untersuchen und permanent zu kontrollieren. Ein wichtiges Forschungsprojekt von Wrangell persönlich war die Untersuchung des Phosphorbedarfes von Nutzpflanzen. Sie fand heraus, dass Pflanzen weniger Phosphor brauchen, als angenommen, was die immer an Geldnot leidende estnische Landwirtschaft enorm entlastete. Sie trieb nebenbei viel Sport, zum Beispiel Tennis, sie schwamm, fuhr Fahrrad und ritt gerne.
Doch dann kam die Katastrophe, im Jahr 1917: Die Kommunisten stürzten die zaristische Regierung, und im Laufe dieser, „Oktoberrevolution“ genannter Ereignisse wurden viele Relikte der alten Zeit verdammt. So wurde auch Wrangells Institut geschlossen und fast alle Mitarbeiter verhaftet. Ihr selber hätte wohl ein schlimmes Ende gedroht, doch besonders glückliche Umstände gestatteten ihr im Folgejahr, zu fliehen. Sie entkam nach Deutschland. Im Sommer 1918 wurde sie durch die Landwirtschaftliche Versuchsstation Hohenheim angestellt, auch dort stieg sie schnell auf. Schon zwei Jahre später wurde ihr eine eigene Abteilung zugeteilt. Ihre Aufgabenbereiche waren dort grob gesagt die gleichen wie schon in Reval. Als erstes Projekt untersuchte sie mit ihren Mitarbeitern, wie sich Phosphorsäure im Boden verhält.

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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30.09.2012, 17:46
Beitrag: #63
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Schließlich habilitierte sie sich auch in Hohenheim, an der dortigen Landwirtschaftlichen Hochschule. In ihre Arbeit hatte sie die Versuche von der Versuchsstation einfließen lassen, es ging nämlich um „Phosphorsäureaufnahme und Bodenreaktion“ und ihre Gesetzmäßigkeiten. Sie hatte bemerkt, dass bestimmte Pflanzenarten das schwer lösbare Bodenphosphat in sehr leicht nutzbare Verbindungen umwandeln können. Aus dieser Entdeckung entwickelte Friedrich Aereboe das Aereboe – Wrangell – Düngungssystem. Bislang hatte Deutschland diese nutzbaren Rohphosphate teuer importieren müssen, die neue Methode sollte es davon unabhängig machen. Obwohl es einige Diskussionen unter den Wissenschaftlern gab, machte diese Entdeckung Margarete von Wrangell nicht nur bei ihren Fachkollegen bekannt.
1922 wurde Fritz Haber auf sie aufmerksam. Er hatte einige Jahre zuvor am physikalisch-chemischen Institut der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft in Berlin herausgefunden, wie man aus dem in der Luft massig enthaltenen Stickstoff in großem Maßstab Ammoniak gewinnen kann. Nun bat er sie, eine Festanstellung an seinem Institut anzunehmen. Tatsächlich ging Wrangell nach Berlin, doch nach einem Jahr schon kehrte sie zurück nach Hohenheim. Bald nach ihrer Ankunft 1923 wurde ihr eine Professur für „Pflanzenernährungslehre“ an der Hohenheimer Landwirtschaftlichen Hochschule angetragen. Der Widerstand einiger dort lehrender Professoren konnte das nicht verhindern. Damit war sie die erste ordentliche Professorin in ganz Deutschland (außerordentliche Professorinnen hatte es schon vorher hin und wieder gegeben).
In den folgenden Jahren konnte sie ihr eigenes Institut für Pflanzenernährung gründen. Dank der finanziellen Unterstützung durch die Reichsregierung konnte sie dieses mit modernen Laboratorien und einem großen Versuchsfeld ausstatten. Den ganzen Rest ihres Lebens sollte sie dieses Institut leiten. Persönlich war sie in verschiedenen Gebieten tätig, doch ihr Hauptinteresse war weiterhin die Phosphatdüngung. Sie untersuchte sehr genau, wie viel nutzbares Phosphat Pflanzen brauchen und wie viel andere produzieren können. Neben diesen Forschungen nahm sie auch die üblichen universitären Aufgaben wahr. 16 Doktoranden promovierten bei ihr, sie schrieb Texte, Artikel, Aufsätze. Darunter befanden sich einige eigenständige Schriften, einige Artikel für fachwissenschaftliche Lexika und Handbücher und nicht zuletzt verschiedene Aufsätze in Fachzeitschriften. Des Weiteren gab sie das Buch des sowjetischen Agrarwissenschaftlers D. Nikolajewitsch Prjanischnikow „Die Düngelehre“ in der deutschen Übersetzung heraus, was ein verdienstvoller Schritt in ihrem Fachgebiet war. Über das normale Engagement hinaus erstreckte sich indes ihre Tätigkeit im Bund der deutschen Akademikerinnen.
Der Preis für diesen Erfolg waren zahlreiche Intrigen und der weitgehende Verzicht auf Privatleben. War sie früher sehr sportlich gewesen, blieb ihr nun dazu keine Zeit mehr. Lange fand sie keinen Mann, der ihr den Rücken freihielt und ihr berufliches Engagement akzeptierte oder gar unterstützte. 1928 schließlich heiratete sie einen alten Jugendfreund, den Fürsten Wladimir Andronikow. Er konnte ihr dies alles bieten. Sie hieß nun Margarete Fürstin Andronikow, geborene Baronesse von Wrangell. Viel hatte sie erreicht, sowohl beruflich als auch wissenschaftlich und privat. Doch nur kurz konnte sie sich dieses Glückes erfreuen. Schon fünf Jahre später, am 21. März 1932 starb die Forscherin an einem Nierenleiden. Sie war nur 55 Jahre alt geworden.
Zwei Jahre später wurde ihr ein Gedenkstein auf dem Gelände ihres ehemaligen Institutes in Hohenheim errichtet. Er gibt ein Zitat Wrangells (bzw. Andronikows) wieder: „Ich leb[t]e mit den Pflanzen. Ich leg[t]e das Ohr an den Boden und es scheint (schien) mir, als seien die Pflanzen froh, etwas über die Geheimnisse des Wachstums erzählen zu können.“ 1935 gab ihr Mann eine Biographie über sie hinaus: „Margarethe von Wrangell. Das Leben einer Frau 1876-1932. Aus Tagebüchern, Briefen und Erinnerungen dargestellt von Fürst Wladimir Andronikow“. Obwohl heute nicht mehr sicher ist, ob ihre Theorie zutrifft, ist sie immer noch eine der Pionierinnen ihres Fachs. Die Frauenrechtler(innen) haben sich oft mit ihr befasst, und das Land Baden-Württemberg rief ein „Margarete von Wrangell – Habilitationsprogramm für Frauen“ ins Leben.

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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02.10.2012, 08:35
Beitrag: #64
Eadgyth von Wessex .
.
Eadgyth von Wessex - Edith .

Englische Königstochter .

Sie war eine Enkelin von König Alfred dem Großen und
Die Tochter von Edward the Elder Edward dem Älteren , König von Wessex .

Geboren und getauft wurde sie im Jahre 910. als Eadgyth ( Edgitha ) .
Ead ( reich / gesegnet ) und Gyth ( Kampf / Krieg )

Im Jahre 929. schickte der ostfränkische König Heinrich I. eine Delegation
zum König von Wessex um für seinen Sohn Otto , der da schon Mitkönig war ,
eine der Königstöchter als Frau zu erbitten .

Da beide Königreiche Probleme mit den Däneneinfällen hatten ,
war eine beiderseitige familiäre Verbindung sehr erwünscht .

Edward schickte daraufhin zu Otto die beiden Schwestern
Edgiva und Eadgytha an den ostfränkischen Hof .

Otto entschied sich für Edgitha .
Sie erhielt als Brautgeschenk die Einkünfte des Bistum Magdeburg .
Wo sich das Paar auch gerne aufhielt .

Sie gebar zwei Kinder , Liudolf ( geb. ca. 930. ) den späteren Herzog
von Schwaben und ( geb. ca. 931. ) Liutgard verheiratet mit Konrad dem Roten ,
Herzog von Lothringen ..

Als ihr Schwiegervater Heinrich I. 936. starb wurde ihr Gemahl als König gesalbt .

Ob auch sie gekrönt wurde ist nicht überliefert .
Aber gesalbt wurde sie .

Aus Wikipedia . Urheber : Chris 73

[Bild: 250px-HerscherpaarMagdeburgCathedral.jpg]

Gotische Statuen von „ Edgitha “ und „ Otto “ im Magdeburger Dom

Sie begleitete ihren Gemahl Otto , der später der Große genannt wurde ,
auf vielen Reisen und kümmerte sich um die klösterlichen Eingaben
an den Hof .

Die Beiden sollen sich sehr gemocht haben obwohl ihre Verbindung
eigentlich eine Vernunftehe war .

Als um 939. im Reich große Kämpfe ausbrachen verbrachte
der König Otto seine Gemahlin im Kloster Lorch unter .

Von Liutprand von Cremona ist folgende Begebenheit überliefert .

Als ein Graf für seine Gefolgschaft als Unterkunft das Kloster Lorsch
verlangte , wo sich sich 939. die Königin aufhielt .

Da soll Der König Otto das Ansinnen mit einem Spruch
aus der Bibel abgeschmettert haben . ( Matäus 7,6 )

Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben und
eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen .


Was die große Wertschätzung seiner Gattin ausdrückt .

Als Edgitha am 26. 1. 946. plötzlich verstarb soll ihr Gatte sehr
um sie getrauert haben .
Sie wurde im magdeburger Mauritiuskloster beigesetzt und 1510.
in den Magdeburger Dom umgebettet werden .
Auf einem nur 70 cm langen Bleisarg steht die Inschrift :

DIE GEBORGENEN RESTE DER KÖNIGIN EDITH
SIND IN DIESEM SARKOPHAG,
NACHDEM 151O. SCHON DIE ZWEITE ERNEUERUNG DIESES
MONUMENTSGEMACHT WORDEN IST IM LAUFE DER JAHRE SEIT
DER FLEISCHWERDUNG DES WORTES.
ZUM RUHME CHRISTI,
DES KÖNIGS ALLER ZEITEN


Verschieden Schreibweisen des Vornamens Eadgyth :
dänisch: Ditte
deutsch: Editha , Edda ( Namenstag : 29. März), Edgitha , Edit
englisch:Edie , Edi , Edytha , Edythe , Dedit
französisch: Édith
polnisch: Edyta
portugiesisch: Edite
tschechisch, slowenisch, kroatisch: Edyta , Dita
ungarisch: Edit

Servus Editha , jetzt kannst Du auch
im Netz nachlesen von wo Dein Vorname herstammt .

Luki

Und übrigens , Morgen ist auch noch ein Tag Cool
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29.10.2012, 11:01
Beitrag: #65
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Fjodor I. Iwanowitsch

Fjodor I. Iwanowitsch lebte von 1557 bis 1598 und war von 1584 bis 1598 russischer Zar.
Er wurde am 31. Mai 1557 als dritter Sohn der ersten Ehe Iwans IV. des Schrecklichen von Russland, dem Zaren, mit Anastassija Romanowna geboren. Seine Jugend verlief unter der Herrschaft seines „schrecklichen“ Vaters nicht besonders glücklich, wahrscheinlich hat er nie genau begrif¬fen was mit ihm geschieht. Nach dem Tod seiner Mutter drei Jahre nach seiner Geburt war er körperlich und geistig schwach. 1580 heiratete Fjo¬dor die Schwester des späteren Regenten und Zaren Boris Godunow, Irina.
1581 wurde er, obwohl er als schwachsinnig galt, nach dem Tod seines einzigen Bruders (der von Iwan IV umgebracht wurde, weil seine schwangere Frau ein Mal nackt in der Sonne lag) aus dynastischem Zwang Thronfolger, dennoch war er kaum zu eigener Willensentscheidung fähig. Es gab keine Alternative zu Fjodor.
Am 18. März 1584 starb Iwan IV. Darauf bestieg er am 19. März 1584 mit 27 Jahren – das ist für russische Verhältnisse spät – den Zarenthron. Am 31. Mai diesen Jahres erfolgte die Krönung. Aber er regierte nicht. Fjodor war körperlich schwach, krankheitsanfällig und auch geistig verwirrt. Da er also quasi regierungsunfähig war, hatte sein Vater nie etwas für seine Vorbereitung auf das Zarenamt getan. Deswegen übernahm nun ein von seinem Vater wenige Jahre zuvor bestimmter Regentschaftsrat die Regierung.
In seiner Regierungszeit war Fjodor eigentlich nur damit beschäftigt, sich um sein Seelenheil zu sorgen. Er beschenkte Klöster, läutete tagelang Glocken, betete und besuchte Gottesdienste, die Bedrohungen des Reiches interessierten ihn sozusagen gar nicht. Darum kümmerte sich der Regentschaftsrat, geführt von seinem Onkel Nikita Romanowitsch Jurjew-Sacharin-Romanow. Boris Godunow, einer der ehemaligen engsten Vertrauten Iwans IV. war anfänglich nicht in dieses Gremium berufen worden, gesellte sich aber (offiziell als Schwager Fjodors, dessen Frau seine Schwester war) von alleine hinzu. Schon bald beherrschte er das ganze Gremium, ab 1588 war er Alleinregent. Man weiß von keiner öffentlichen Stellungnahme Fjodors zu auch nur irgendeinem Thema, und brisante Themen gab es viele, wie zum Beispiel die Geburt eines Halbbruders als potentiellen Thronanwärter an seiner statt oder, dass er ein Kandidat für den polnischen Königsthron war. Sein Halbbruder und dessen Mutter, eine Witwe Iwans, wurden verbannt. Fjodors Teilnahmslosigkeit an der Politik kann jedoch voll und ganz mit seiner geistigen Verwirrung entschuldigt werden.
Godunow strebte offensichtlich die Alleinherrschaft an. Seine Sorge, Fjodor könnte Nachkommen zeugen, blieb unbegründet. Anfang Januar 1598 starb Fjodor. Die Nachfolgeregelung hatte ihn nie interessiert. Somit war Platz für den machthungrigen Boris Godunow, der nun die Herrschaft antrat. Die Dynastie der Rjurikiden war nach Jahrhunderten der Herrschaft im Kiewer Rus, dem Großfürstentum Moskau und dem Zarentum Russland ausgestorben, auch wenn sich später viele Dynastien auf die Rjurikiden berufen.

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20.12.2012, 18:09
Beitrag: #66
Etwas Besinnliches über Josef Mohr und Franz Xaver Gruber
.
Stille Nacht , heilige Nacht .


Ein Wintermärchen , oder wie ein einfaches Lied hinaus in die Welt ging .

[Bild: 1816.jpg]

Größer :

http://www.stillenacht.at/de/text_und_musik.asp

Das Original des Joseph Mohr von 1816 .
Text mit Notenzeilen für Gitarrenbegleitung .

Aus dem Stille Nacht-Museum Salzburg .
Dieses Autograph wurde erst 1995 entdeckt und bezeugt , daß Joseph Mohr
nicht nur der Texter sondern auch der Komponist war .


1.Stille Nacht! Heilige Nacht!
Alles schläft; einsam wacht
Nur das traute heilige Paar.
Holder Knab im lockigten Haar,
Schlafe in himmlischer Ruh!
Schlafe in himmlischer Ruh! 2.Stille Nacht! Heilige Nacht!
Gottes Sohn! O wie lacht
Lieb´ aus deinem göttlichen Mund,
Da schlägt uns die rettende Stund´.
Jesus in deiner Geburt!
Jesus in deiner Geburt!


3. Stille Nacht! Heilige Nacht! Die der Welt Heil gebracht,
Aus des Himmels goldenen Höhn
Uns der Gnaden Fülle läßt seh´n
Jesum in Menschengestalt,
Jesum in Menschengestalt

4. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Wo sich heut alle Macht
Väterlicher Liebe ergoß
Und als Bruder huldvoll umschloß
Jesus die Völker der Welt,
Jesus die Völker der Welt.

5. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Lange schon uns bedacht,
Als der Herr vom Grimme befreit,
In der Väter urgrauer Zeit
Aller Welt Schonung verhieß,
Aller Welt Schonung verhieß. 6. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Hirten erst kundgemacht
Durch der Engel Alleluja,
Tönt es laut bei Ferne und Nah:
Jesus der Retter ist da!
Jesus der Retter ist da!


Text: Joseph Mohr, 1816
Melodie (Komposition): Franz Xaver Gruber, 1818 . ????

[Bild: joseph-mohr.jpg]

Der Texter : Joseph Franciscus Mohr .

Er wurde am 11. Dezember 1792 als Sohn der Halleinerin Anna Schoiberin ,
Strickerin und des Mariapfarrers ( Dorf ) , Franz Mohr , Musketier ,
in Salzburg geboren .
Er hatte noch 3 . Geschwister , Alle von einem anderen Vater .
Das war in jener ärmlichen Zeit keine Seltenheit ,
denn Zum Heiraten fehlte das Geld .
Die Napoleonischen Kriege waren gerade erst vorbei .

Mohr`s Taufpate war der Scharfrichter Joseph Wohlmuth ,
der sich bei der Taufe aber vertreten ließ .

Der Salzburger Domchorvikar Johann Nepomuk Hiernle unterstützte Mohr .
Sodaß er zwar mittellos , aber dennoch das Akademische Gymnasium
besuchen konnte .
Dafür war er Sänger und Violonist bei den Chören der Universität
und des Stiftes St. Peter .
Von 1808 bis 1810 studierte er Philosophie in Kremsmünster .
Anschließend bis 1811 im Lyzeum in Salzburg .
1811 tritt er ins Priesterseminar ein .
Am 21. August 1815 feierte er die Priesterweihe .

Es waren damals unchristliche Zeiten .
Da er ein „ Bankert „ ein uneheliches Kind war
mußte ihm beim Eintritt ins Priesterseminar die Ordinariats-Dispensation
gewährt werden .

Er war Aushilfe in verschiedenen Pfarrämtern .
Ab August 1817 half er in der Pfarre Oberndorf aus .

Da trafen sich Mohr und Gruber .
Mohr hatte den Text schon 1816 geschrieben
und als zur Christmette 1818 die Orgel ausfiel bat er den Organisten
und Lehrer Franz Xaver Gruber ein Lied für einen Chor daraus zu machen .

1827 kam er nach Hintersee wo er anschließend Vicar wurde .
1837 bekam er die Pfarre Wagrein wo er sich auch sehr
um die Altenpflege kümmerte .
Auf seine Initiative ging auch der Bau der Schule 1838 zurück .

Am 4.Dezember 1848 verstarb er .
Er ging so arm ab , wie er auf die Welt gekommen ist .

Aber sein Text ist unsterblich .


[Bild: 220px-Franz_Xaver_Gruber_%281787-1863%29.jpg]

Der Komponist , ( Arrangeur ) : Franz Xaver Gruber

Er wurd am 25 . November 1787 in Hochburg ( Unterweizburg 9 ) Innviertel geboren . Getauft wurde er als „ Conrad Xavier „ .
Er änderte später seine Vornamen auf „ Franz Xaver „ .

Er war das 5. von 6. Kindern und sollte den Beruf der Eltern Josef und Maria Gruber ,
die Leinenweberei , erlernen .
Er war sehr musikalisch .
Das erkannte sein Schullehrer Andreas Peterlechner .
Er unterrichtete und förderte ihn .
Bis zum 18. Lebensjahr arbeitete er als Leinweber , erst dann erlaubte ihm
sein Vater den Beruf des Lehrers zu erlernen .
1806. legte er in Ried im Innkreis die nötigen Prüfungen zum Volksschullehrer ab .

1807. bekam er in Ansdorf eine Stelle als Lehrer .
Um seine Aufstiegschanzen zu verbessern übernahm er von 1816. bis 1829. auch
den Organistendienst in der Kirche in Oberndorf .
Und so lernten sich Mohr und Gruber kennen .
Zum Weihnachtsfest 1818. fiel die Kirchenorgel aus und der Rest ist Geschichte .

Das Weihnachtslied verbreitete sich im Umfeld von Mohr und Gruber .
Dann fand es 1819 den Weg ins Zillertal ( Tirol ) und durch die musikalischen Familien
Rainer und Strasser 1832 nach Leibzig und 1839 nach New York .

Von da ab war der weltweite Siegeszug ihres Weihnachtsliedes
nicht mehr aufzuhalten .
Es wurde in über 300. Sprachen und Dialekte übersetzt .

http://www.stillenacht.at/de/verbreitung_welt.asp

http://www.mein-oesterreich.info/musik/stille-nacht.htm

http://www.salzburg.com/wiki/images/7/70...9_2010.pdf

Und für die die es interessiert , eine Livecam Übertragung von der
Sille Nacht Kapelle in Oberndorf :

http://www.stillenacht.info/de/webcam/stille-nacht.asp
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03.02.2013, 15:54
Beitrag: #67
Grover Cleveland
.
Stephen Grover Clevland
wurde am 18. 3.1837. in Caldwell ( New Jersey ) geboren .
Er kam als fünftes von 9. Kindern der Eltern
Ann Neal und Richard Falley Cleveland zur Welt .

Sein Vater war ein sehr korrekter prespyterianischer Pastor
( Calvinist ) .
Die Familie zog im Staate New York mehrmals um .
Als Grover 16. Jahre alt war starb sein Vater .
Daher mußte er sein schon angetretenes Studium zugunsten
der Unterstützung seiner Familie zurückstellen .

Er arbeitete mit einem älteren Bruder bei der New Yorker
Sonderpädagogie die ihm auch später noch ein großes Anliegen blieb .
Später arbeitete er in Buffalo als Angestellter
und nebenbei studierte Er Jura .
Das er 1858. mit der Anwaltsprüfung abschloss und er bekam
eine Anstellung , ab 1859 als Reverendar ,
in der Anwaltskanzlei Rogers, Bowen und Rogers .
Ab 1863. eröffnete er in Buffalo eine eigene Kanzlei .

[Bild: 170px-PCLEV001-009.jpg]

Da er sehr bescheiden lebte genügte ihm voresrst als Wohnsitz
ein kleines Pensionszimmer .
Anschließend zog er zu seiner Mutter und den Schwestern
deren Unterstützunger übernahm .

Politisch wandte er sich der Demokratischen Partei zu .
1865. kandierte er fürs Amt des Distrikt – Staatsanwaltes .
Dabei verlor er knapp gegen seine repuplikanischen Freund .
Politisch hielt er sich anschließend bis 1870 zurück .
als er das gewählte Amt des Sheriffs von Erie County übernahm .

Im Jahre 1873. eröffnete er mit zwei Freunden eine Kanzleigemeinschaft .
Obwohl noch im selben Jahr Lyman K. Bas , Einer der beiden Kollegen ,
In den Senat gewählt wurde , hielten sie die Kanzleigemeinschaft aufrecht .
Er war zwar zu jener Zeit geachtet und regional bekannt , aber Niemand
konnte damals erahnen welche politischer Aufstieg noch vor ihm lag .

Zu jener Zeit waren die meisten Politiker korrupt .
( Ähnlichkeiten mit Heute sind vermutlich zufällig )

Als am 2. 1882. in Buffalo ( Staat New York ) das Amt des Bürgermeisters
vakant war erinnerte man sich bei den Demokraten an Grover
als rechtschaffenen und unbestechlichen Mannes ,
man überedete Ihn und stellte in als Kandidaten auf .
Die Wahl gewann er mit ca. 60 % der Wählerstimmen .

Als Bürgermeister verweigerte er einigen Verträgen die Gültigkeit .
Diese waren noch unter seinem repuplikanischen Vorgänger
zuungunsten der Stadt abgeschlossen worden .
Rückwirkend bekamen die Bestbieter die Aufträge der Stadt .

Ddurch diese Auseinandersetzungen wurde er als ehrlich und korrekt
im ganzen Staat New York bekannt und da er an die 125.Kg wog
nannte man ihn daher Big Steve .
Im selben Jahr noch wurde er zum demokratischen Kandidat
zur New Yorker Gouverneurwahl gewählt.
Auch diese Wahl gewann er mit großem Stimmenvorsprung .
Und sein neuer Nikname wurde Onkel Jumbo .

In seiner Zeit als Gouverneur begann 1884.
die Vorwahlzeit zur US. Präsidentenwahl .

Und da die Demokraten schon Jahrzehnte keinen Präsidenten stellte
trat Grover an .
Nachträglich gesehen war er der einzige gewählte demokratische Präsident
im Zeitraum von 52. Jahren .

Nach gewonnener Wahl zog er am 4.3. 1885. zur 22. Präsidentschaft
ins weiße Haus ein .
Seine Hauptanliegen betrafen die Wirtschaft und die Sozialgesetzgebung .

Da er Junggeselle war nahm in den ersten Jahren eine
seiner Schwestern den Platz der First Lady ein .

Als sein Freund Folsom verstarb versprach er Jenem sich
um dessen Tochter Frances Folsom zu kümmern .
Als Diese während seiner Präsidentschaft 21. Jahre alt wurde
heirateten beide und halten dabei noch drei Rekorde .
Er ist der einzige Präsident der im Amte heiratete .
Sie ist die jüngste First Lady .
Und da er schon 49. Jahre alt war und sie erst 21. Lenze zählte ,
sind sie bis Heute das Präsidentenehepaar mit dem größten Altersunterschied .

Insgesammt hatten die Beiden 5. Kinder .

[Bild: 220px-President_cleveland_wedding.png]

Und größer :
http://en.wikipedia.org/wiki/File:Presid...edding.png

Aber politisch schadete ihm diese Hochzeit und er verlor seine Wiederwahl .
Zum 23. Präsident wurde der repuplikaner Benjamin Harrison gewählt .
Aber da es eine nicht sehr glückliche Amtszeit war
erinnerte man sich gerne an Grover .
Und als er wieder zur Kandidatur antrat wurde er 1893.
wieder zum Präsidenten gewählt .

[Bild: 300px-ElectoralCollege1892.svg.png]

Blau : Grover Cleveland .
Rot . B. Harrison .
Grün : Weaver .

[Bild: 220px-StephenGroverCleveland.png]

Er war ein vertragstreuer , konservativer , sozial eingestellter Präsident .
Er verurteilte die Annexion von Hawaii unter Harrison , machte sie aber nicht rückgängig.
Er ließ auch den Pullmannstreik niederschlagen .

Unter ihm wurde aber die Sozialgesetzgebung ausgebaut .
Als man ihn bedrängte die Steuern für die Wohlhabenderen zu senken
lehnte er entrüstet ab .

Bekannt ist ein Ausspruch von ihm der seine Art der Verhandlungen
etwas erhellt .

Als ein Senator Glovers Gesetzesvorlage vor dem Senat
mit den Worten ablehnte :
Diese Entscheidung verletze den Geist des Gesetzes .

Antwortete ihm der Präsident Stephen Glover Clevland gelassen :

Man hat noch nie einen Mann dafür gehenkt ,
daß er den Geist des Gesetzes verletzt hat .


Er war Prediger , Anwalt , Sheriff , Bürgermeister ,
Gouverneur vom Staate New York .
Und nicht zu vergessen zwei mal ( der 22. und der 24. ) ,
von 1885 – 1889. und von 1893. -1897. Präsident
der vereinigten Staaten von Amerika .

Er verstarb am 24. Juni 1908. an einem Herzinfarktes mit 71. Jahren .

http://en.wikipedia.org/wiki/Grover_Cleveland

http://www.biography.com/people/grover-c...nd-9251050

luki

Und übrigens , Morgen ist auch noch ein Tag Cool
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21.03.2013, 00:48
Beitrag: #68
Lucia von Syracrus
.
Lucia von Syracus

[Bild: Saint_Lucy2.jpg]

Der Name leitet sich von dem lateinischen Wort LUX ( das Licht ) ab .
Er bedeutet , die Lichtvolle , die Lichtbringende .
Die Leuchtende ( Strahlende ) .

Vermutlich wurde sie um 238. als Tochter einer vermögenden
Syracuser Familie geboren .
Gestorben ist sie im Jahre 303 /4 in Syracus .

Es gab um 400 eine Grabinschrift in der Katakombe San Giovanni .
Und um das Jahr 600 in Rom und Syracus je ein Luciakloster .

Ihre Mutter Eutychia suchte für sie einen Bräutigam aus ,
da ihr Vater schon früher verstorben war .
Aber Lucia war sehr gläubig und hatte ihre Jungfräulichkeit
um Christus Willen gelobt.
Als ihre Mutter Eutychia nach einem Besuch am Grabe
der heiligen Agathe in Catania von ihrer Krankheit geheilt wurde
stimmte sie der Auflösung der Verlobung zu .

Ihr zurückgewiesener Bräutigam klagte sie aber als Christin an .
Und da zu der Zeit Diokletian römischer Herrscher war und dieser
einen großen Wert auf alte römische Tugenden und die Anbetung
der alten Götter verfolgte , ließ er die Christen
verfolgen und töten .

Aufgrund der Anzeige ihres Exverlobten wurde sie vor
den Richter Paschasius vorgeführt .
Über ihre Strafen gibt es verschiedene Überlieferungen .
Eine besagt daß sie da sie nicht dem Christenglauben abgeschworen hatte
zur Strafe als Sklavin in einem Bordell verurteilt wurde .

Aber ein Ochsengespann und viele Männer konnten sie nicht
vom Tribunal fortbringen .
Daraufhin soll sie von siedendem Öl übergossen worden sein .
Wiederum Andere berichten daß sie gemartert wurde , aber nicht starb .
Erst durch einen Stich in den Hals solle sie verstorben sein .

[Bild: 120px-Santa_Lucia_-_Quirizio_da_Murano.jpg]

Und Größer :

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:S...uselang=de

Ihre Reliquie kam über Konstantinopel nach Venedig .
Wo sie heute in der Kirche Sante Geremia Santa Lucia ,
neben dem Bahnhof Santa Lucia ruhen .

Ihr Gedenktag ist der 13 Dezember .
Der Vorallem in Schweden groß gefeiert wird .
Das berühmte Luciafest.

[Bild: 400px-lucia_procession.jpg?w=490]

Auf die Idee zu diesem Artikel bin ich durch eine sehr sympathische ,
nette ( pekné ) junge Dame namens Lucia gekommen ,
die als sie selbst noch ins Gymnasium ging ,
sicherlich perfekt ins obere Foto gepaßt hätte .

[Bild: 180px-A_heidige_Namansfettarin_vo_da_heilign_Lucia.JPG]
Und grösser :

http://bar.wikipedia.org/wiki/Datei:A_he..._Lucia.JPG

Die Lucia von Syrakus soll ja auch eine hübsche , intelligente , peknė , junge Frau gewesen sein . Und vielleicht sah sie ja so ähnlich aus . Mit schwarzen Haaren und einem hübschen Gesicht .

Servus vom Luki

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07.04.2013, 21:07
Beitrag: #69
Naimanenprinz Kütschlüg:
In dieser Biographie möchte ich nicht nur auf Kütschlüg eingehen, sondern auch auf die politischen Umstände seiner Zeit. Kütschlüg war der Sohn des letzten König der Naimanen. Die Naimanen waren eines jener Völker die zur Zeit vor Dschingis Khan in der Steppe um die Vorherrschaft kämpfte. Das Volk war zivilisatorisch dem Volk der Mongolen überlegen, weshalb man für sie eher Verachtung zeigte, auch noch als Dschingis Khan drauf und dran war die Steppe zu vereinen. Damals hatte Dschingis Khan mächtige Gegenspieler wie etwa die Kere it von diesem schon besiegt.
Die Naimanen nahmen Gegner von Dschingis Khan bei sich auf, etwa Dschamucha, der seinen Machthöhepunkt bereits hinter sich hatte. Alles lief auf einen Krieg zwischen Dschingis Khan und den Naimanen hinaus. Die Naimanen hatten eine zahlenmäßig überlegen Armee aber Dschingis Khan gelang es sie mit Hilfe von zahlreichen Tricks besiegen.

Hier beginnt die Geschichte von Kütschlüg. Über das Vorleben des Naimanenprinzen ist mir wenig bekannt. Nach der Niederlage seines Vaters floh Kütschlüg vor den Mongolen nach Westen zu den Kara Kitai. Deren Vorfahren kamen aus der Mandschurei und eroberten zuerst die Steppe dann Nordchina (Liao-Dynastie). Im Jahr 1125 wurden sie jedoch von einem anderen Volk aus der Gegend der Mandschurei besiegt und vertrieben – den Dschurdschen, die nun als Jin-Dynastie über Nordchina herrschten. Ein Teil der Kitan gründete weiter im Westen ein neues Reich, das der Kara Kitai. Dieses in Zentralasien befindliche Reich wurde bald sehr mächtig. Es besiegte etwa das Groß-Seldschukenreich in Persien. Das Choresm-Reich übernahm große Gebiete von diesem und war ein Vasall der Kara Kitai.

Die Kara Kitai dürften Kütschlüg gut behandelt haben, doch dieser zeigte sich wenig dankbar darüber. Er verbündete sich mit dem Choresm-Reich. Gemeinsam gelang es Kütschlüg (der scheinbar ein Armeekomando inne hatte) und dem Choresm-Schah, den Herrscher der Kara Kitai zu entmachten. Wie dieses Bündnis genau aussah darüber habe ich verschiedene Angaben gefunden. Das die Kara-Kitai beim Kampf gegen den Choresm-Schah durch eine innere Revolte von Kütschlüg geschwächt waren ist eine Version, eine andere ist das diese erst ausbrach als sie schon besiegt waren.
Auf jedem Fall fügte der Choresm-Shah den Kara Kitai eine Niederlage zu, Kütschlüg nutzte dieses um die Kara-Kitai zu entmachten und übernahm selbst die Macht. Der Choresm-Shah war nun aus der Vasallenpflicht befreit, sein Staat stieg zur regionalen Großmacht auf.

Schon die Kara Kitai hatten immer wieder mit religiösen und kulturellen Spannungen zu Kämpfen, denn ihre Untertanen waren islamische Araber, die Kara Kitai eher Richtung Steppe und China ausgerichtet. Dieser Gegensatz verstärkte sich nun noch stärker, da Kütschlüg hier wesentlich intoleranter war als die Kara-Kitai. Kütschlüg begann außerdem das Volk seines Vaters zu sammeln. Ein erneutes Naimanenreich konnte Dschingis Khan nicht gelegen kommen, war eine Bedrohung für ihn. Aus diesem Grund entsendete er Dschebe einen seiner besten Feldherrn mit einem Heer gegen Kütschlüg. Kütschlüg wurde schließlich besiegt. Die religiösen Spannungen im Reich dürften den Mongolen dabei zugute gekommen sein, da Dschingis Khan sich weit toleranter verhielt als Kütschlüg.

Kütschlüg hatte nicht nur 7-8 Jahre über sein Reich geherrscht, dieses wurde nun ins Mongolenreich eingegliedert, was das Mongolenreich zum Nachbarn des Choresm-Shahs machte. Kütschlüg versuchte zu fliehen, wurde jedoch auf der Flucht ermordet.
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12.05.2013, 03:46
Beitrag: #70
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
James Douglas, 4. Earl of Morton, (geb. 1525, gest. 2. Juni 1581) war ein Angehöriger des in Schottland einflussreichen und weitverzweigten Douglas-Clan. Seine Eltern waren Sir George Douglas of Pittendriech und Elisabeth Douglas. Spätestens seit 1543 war James Douglas mit Elisabeth Douglas, der Tochter von James Douglas, 3. Earl of Morton, verheiratet, dem er 1553 als 4. Earl of Morton folgte.

Im Frühjahr 1558 schloss sich Morton den protestatischen „Lords of the Congregation“ an. Er beteiligte sich 1559/60 am Aufstand der Lords gegen die Regentin Maria de Guise. Seit 1561 war Morton Mitglied des Staatsrates und 1562 wurde er zum Lordkanzler ernannt. Im August und September 1565 unterstützte er die Maria Stuart bei der Niederschlagung des Aufstandes ihres Halbbruders James Stewart, Earl of Moray. („Chaseabout Raid“)

Die Ermordung des Sekretärs Rizzio

Seit Oktober 1565 stand der italienische Musiker David Rizzio (Riccio) in Maria Stuarts Gunst und erlangte durch sein Amt als Sekretär der Königin erheblichen Einfluss auf die schottische Politik. Maria Stuart betraute Rizzio mit der Führung ihrer Korrespondenz mit dem Papst und mit Frankreich. Die schottischen Lords befürchteten persönliche Machteinbußen und Maria Stuarts Rückkehr zur profranzösischen und prokatholischen Politik.

Morton fühlte sich von Rizzio entmachtet und wandte sich deshalb von Maria ab. Der schon eifersüchtige Lord Darnley konnte schnell überzeugt werden, dass Rizzio nicht nur der Sekretär, sondern auch der Liebhaber der Königin wäre. Maitland, Moray und Darnley unterzeichneten am 2. März 1566 in Newcastle einen Vertrag. Sie gewährten den Verbannten um Moray die Rückkehr nach Schottland, sie bestätigten Darnley das Mitkönigtum und sie beschlossen die Aufrechterhaltung der protestantischen Religion in Schottland. Der Vertragsinhalt wurde der englischen Königin Elisabeth mitgeteilt. Die Ermordung Rizzios wurde nicht schriftlich festgelegt. Die späteren Mörder Rizzios wie Morton, sein Halbbruder George Douglas the Postulate sowie Lord Ruthven und Lord Lindsay, deren Frauen aus dem Douglas-Clan stammten, nahmen alle bei den Vertragsverhandlungen teil. So ist es sehr wahrscheinlich, dass die Ermordung Rizzios in Newcastle beschlossen wurde.

Am 9. März 1566 veranstaltete Maria Stuart im Schloss Holyrood ein kleines Abendessen im privaten Kreis enger Verwandter und Freunde. In den späten Abendstunden drangen unter Führung Mortons; Lindsay, Ruthven und George Douglas mit ihren bewaffneten Gefolge in die privaten Gemächer der Königin ein. Die Eindringlinge stürzten sich auf Rizzio und verschleppten ihn in das Nachbarzimmer. Maria Stuart versuchte Rizzio zu retten, aber Morton überwältigte sie. Morton zwang die (im 6. Monat schwangere) Königin das Abschlachten ihres Günstlings anzuschauen. Jeder der beteiligten Mörder stach mit Darnleys Messer auf das Opfer ein. Maria Stuart wurde die Gefangene Mortons, aber sie konnte Darnley zu einen Seitenwechsel überreden. Mit Hilfe Darnleys und einiger Bediensteter konnte sich Maria Stuart in der Nacht vom 11. zum 12. März 1566 aus der Gefangenschaft befreien und flüchten. Wenige Stunden später wurde mit der Verfolgung der Verschwörer begonnen. Morton flüchtete und gelangte am 17. März 1566 in das sichere England.

Die Ermordung Darnleys

Seit November 1566 planten Morton und seine Kumpane im englischen Exil die Ermordung des Verräters Darnley. Am 24. Dezember 1566 begnadigte Maria Stuart Morton, kurze Zeit später kehrte er nach Schottland zurück. Über die Vorbereitungen der Ermordung Darnleys gibt es unterschiedliche Aussagen der Beteiligten. Die Hauptakteure Bothwell und Morton beschuldigten sich später gegenseitig, die Ermordung Darnleys geplant und ausgeführt zu haben. Morton beichtete vor seiner Hinrichtung, der Earl of Bothwell habe ihm vorgeschlagen, Darnley zu ermorden. Morton soll dies abgelehnt haben, da er nicht nach seiner Begnadigung wieder in Ungnade fallen wollte. Vorsichtshalber entsandte er seinen Verwandten Archibald Douglas nach Edinburgh, um Maria Stuart zu informieren. Diese soll entsetzt geantwortet haben: „Sagen Sie dem Earl of Morton, dass die Königin nicht über diese Frage zu sprechen wünscht.“ Spätestens seit dem 7. Februar 1567 war Morton über die laufenden Vorbereitungen zum geplanten Attentat auf Darnley informiert. Dieser wurde am 10. Februar 1567 auf Schloss Kirk o`Field getötet. Bothwell wurde kurz danach als Attentäter verdächtigt und vor Gericht gestellt. Am 12. April 1567 fand das Gerichtsverfahren statt, an dem Morton nicht teilnahm. Bothwell wurde freigesprochen. Ende April 1567 verpflichtete sich Morton, Bothwell als Gatten der Königin zu empfehlen. Aber schon Anfang Mai 1567 bildeten Morton, Atholl und Argyll ein Bündnis, welches sich gegen eine Rangerhöhung Bothwells wandte.

Die Entmachtung Maria Stuarts

Am 15. Juni 1567 zogen die Aufständischen unter Führung Mortons aus Edinburgh in Richtung Musselburgh. Wenige Stunden später bezogen die königlichen Truppen unter dem Befehl Bothwells ihre Stellung bei Carberry Hill, etwa 8 Meilen östlich von Edinburgh. Bothwell forderte Morton zum persönlichen Zweikampf heraus. Morton verweigerte dies und beauftragte Lord Lindsay mit Bothwell zu verhandeln. Aufgrund seiner geringeren Truppenstärke vermied Bothwell eine offene Schlacht, er unterwarf sich Morton und ließ sich freies Geleit gewähren. Morton nahm die Königin gefangen und brachte sie auf Schloss Loch Leven. Am 17. Juni 1567 gelang es Morton einen Gefolgsmann Bothwells abzufangen. Dieser verriet unter Folter das Versteck der Kassettenbriefe, seit dem 20. Juni 1567 verwahrte Morton die Kassettenbriefe. Am 24. Juli 1567 wurde Maria Stuart als Königin abgesetzt, die Regentschaft für ihren minderjährigen Sohn Jakob VI. wurde James Stewart, Earl of Moray übertragen. Im Mai 1568 konnte Maria Stuart sich aus ihrer Gefangenschaft befreien und ihre Anhängerschaft um sich sammeln. Moray, Kirkcaldy und Morton führten sofort ihre Truppen gegen Maria und besiegten ihre Anhänger in der Schlacht von Langside am 13. Mai 1568.

Maria flüchtete nach England und geriet in die Gefangenschaft Elisabeths. Seit Oktober 1568 fand in York, später in Westminster ein Schauprozeß statt, indem Maria Stuart die Mitschuld an der Ermordung Darnleys nachgewiesen werden sollte. Morton legte dort als Beweis ihrer Mitschuld die Kassettenbriefe der englischen Öffentlichkeit vor.

Regentschaft und Tod

Nach der Ermordung des Regenten Moray am 23. Januar 1570 brach in Schottland ein Krieg zwischen der Partei des Königs (Jakob VI.) und der Königin (Maria Stuart) aus. Seit August 1571 fungierte John Erskine, Earl of Mar, als Regent für den minderjährigen König. Tatsächlich regierte jedoch Morton. Nach dem Tod des Earls of Mar am 28. Oktober 1572 erhielt Morton offiziell die Regentschaft. Er bezwang mit Hilfe einer englischen Streitmacht die Anhänger Maria Stuarts, welche verzweifelt das Edinburgh Castle verteidigten. Im Mai 1573 kapitulierten Maria Stuarts Parteigänger, ihre Führer Maitland und Kirkcaldy ließ Morton im August 1573 hinrichten.

Morton erwies sich als fähiger, aber brutaler Regent. Unter seiner Regentschaft wurde die politische und kirchliche Verwaltung in Schottland neu organisiert. Morton sicherte als Regent, die von Elisabeth gewünschte proenglische protestantische Herrschaft. Poltische und persönliche Gegner sowie deren Familien wurden rücksichtslos enteignet, verfolgt, eingesperrt oder gehängt.

Antonia Fraser beschreibt Morton in ihrer Maria-Stuart-Biografie:

“Der Regent Morton war ein Mann von gröbstem Kaliber. Hinter seinen kleinen, listigen Au-gen in dem geröteten Gesicht verbarg sich ein grausamer Geist; seine plumpen Hände griffen sein Leben lang gierig nach jedem Gewinn, der sich bot; seine langsame Redeweise täuschte über die unliebsame Fähigkeit hinweg, sich sehr rasch an denjenigen zu rächen, die ihn beleidigt hatten. In der Zeit seiner Regentschaft ließ er Frauen hängen, die noch ihre Babys im Arm hielten, ließ Gefangene wie Schafe zum Galgen treiben.“

Morton musste 1578 als Regent zurücktreten. Der zwölfjährige Jakob VI. wurde in aller Form zum König erklärt. 1579 kam aus Frankreich Esmé Stuart, Sieur d`Aubigny, seit 1580 Earl of Lennox, der mit Unterstützung des Hauptmanns James Stewart (von 1580 bis 1585 Earl of Arran) die Kontrolle über König und Königreich gewann. Morton wurde 1580 verhaftet, aufgrund seiner Beteiligung an der Ermordung Darnleys zum Tode verurteilt und am 2. Juni 1581, trotz englischer Proteste, hingerichtet.

Die Erben

John Maxwell (1553–1593), ein Enkel des 3. Earls of Morton erbte Titel und Besitz Mortons. 1585 wurde diese Erbfolge widerrufen und Archibald Douglas, 8. Earl of Angus (1555–1588) wurde 5. Earl of Morton. William Douglas of Lochleven (1539–1606), Sohn von Robert Douglas of Lochleven und Margaret Erskine (gest. 1572), wurde 6. Earl of Morton.

Quellen

Antonia Fraser; Maria Stuart – Königin der Schotten; Lizenzausgabe 1989 für Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbh, Herrsching; ISBN 3-88199-636-2

Jenny Wormald; Maria Stuart; Verlag Ploetz-Freyburg; 1992; ISBN 3-87640-500-9

Geoffrey R. Elton; England unter den Tudors; Callwey Verlag München, 1983; ISBN 3-7667-0683-7

Leopold von Ranke; Englische Geschichte; herausgegeben von Prof. Dr. Willi Andreas; Emil Vollmer Verlag; ISBN 3-88851-170-4

Hinweis
Ich habe den Wikipedia-Artikel zu James Douglas, 4. Earl of Morton erstellt. Deswegen können Ähnlichkeiten bestehen.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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07.08.2013, 12:50
Beitrag: #71
Mohammed Scheibani:
Habe lange überlegt wie ich die Biografie von Mohammed Scheibani am besten schreibe ohne und gleichzeitig Machtfaktoren, andere Feldherren usw. zu vernachlässigen, habe mich deshalb für ein etwas außergewöhnlicheres entschieden: Alles was schwarz ist betrifft die Biografie Mohammed Scheibanis, alles in blau sind Erklärungen zu Mächten mit denen er es zu tun hatte.


Abul-Fath Mohammed Scheibani wurde im Jahr 1451 geboren, er leitetet seine Herkunft von Shibani Khan, einem Enkel des Dschingis Khan aus der Linie Jochis (Dschingis Khans ältester Sohn) ab.
Dem Großvater von Mohammed Scheibani Abul-Chair Khan gelang es große Teile Usbeken zu vereinigen, doch Kasachen und das Khanat Tschagatai zerstörten das neu entstandene Reich bald wieder und so musste Mohammed Scheibani fast bei Null anfangen.

Über die „Karriereanfänge“ von Mohammed Scheibani habe ich mehrere Angaben gelesen, er dürfte als Freibeuter durchs Land gezogen sein und auch für einen Timuridenfürsten als Söldnerführer gearbeitet haben (denke die Grenze war hier manchmal nicht so ganz klar), schließlich trat er in den Dienst des Tschagatai-Khan Mahmund b Yunus (manchmal auch nur Yunus Khan genannt) ein.

-Tschagatai Khanat-Timurriden: Tschagatai war der zweitälteste Sohn von Dschingis Khan, nach dessen Ableben erbte Tschagatai ein Gebiet in Zentralasien, auf Ögetai-Khan hatte Tschagatai einen großen Einfluss. Nach Tschagatai mischten sich immer wieder die Großkhane in die Nachfolgefrage ein – jeder Großkhan setzte einen ihm genehmen Khan im Tschagataikhanat ein, später änderte sich die Lage und die Tschagatai-Khane versuchten (meist im Bündnis mit anderen) ihre jeweiligen Kandidaten zum Großkhan zu machen. Dieser Kampf verlor schließlich an Bedeutung, wie auch der Zusammenhalt des Mongolenreichs im Allgemeinen zunehmend an Bedeutung verlor. Schon bald hatte das Tschagatai-Khanat mit einigen Probleme zu kämpfen, etwa der Frage welche Kultur das man eher annehmen sollte (Normadisch-Mongolisch oder eher die Islamisch-Persische), Kämpfe innerhalb der Dynastie oder auch äußere Feinde wie die Oriaten. Zur Zeit als Mohammed Scheibani als Söldnerführer auftrat hatte man mit Yunus Khan einen sehr fähigen Herrscher. Ursprünglich musste Yunus Khan vor seinem Bruder Esen-Bugha zu den Timurriden flüchten die ihn danach unterstützte, nachdem sein Bruder verstorben war konnte Yunus Khan den Thron Mohammed Scheibanis übernehmen. Yunus war bekannt für diverse Talente, Diplomatie dürfte dazu gehört haben, so hatte Yunus hohen Einfluss auf seine ehemaligen Gönner, den Timurriden, weil er immer wieder zwischen ihnen vermitteln konnte.

Die Dynastie der Timurriden, stammte von Timur Lenk ab. Dieser war ein extrem erfolgreicher Feldherr, hinterlies aber ein gigantisches Gebiet und kaum Strukturen um dieses zu verwalten. Das und einige andere Faktoren wie Kämpfe unter den Nachfolgern, Bedrohungen von Außen und zahlreiche Abspaltungen waren Gründe für den Machtverfall der Timurriden. Hussein Baiqara der in Herat regierte war in der Zeit von Muhammad Scheibani der mächtigste Timurridenherrscher, außer ihm gab es jedoch noch zahlreiche kleinere Fürstentümer.


-Von Yunus Khan wurde Mohammed Scheibani zum Statthalter von Turkistan gemacht, er versuchte wie sein Großvater die Usbeken unter sich zu vereinigen, mit Erfolg. Zwischen Yunus Nachfolgern und Mohammed Scheibani kam es zum Krieg. Die Gründe dafür weiß ich nicht, logisch wäre das er ihnen zu eignständig oder zu mächtig wurde, es könnte aber sein das Mohammed Scheibani mit dem Kampfhandlungen selbst begann. Was dafür spricht ist das es zuerst zu Kämpfen mit Mahmud begann, dieser war im Gegensatz zu seinem Bruder Ahmad als eher wenig kriegerisch, ja passiv bekannt. Ahmad hatte im Feld bis dahin große Erfolge gefeiert, unter anderem gegen die Oriaten, nun kam er seinem Bruder im Kampf gegen Usbeken. Im Jahr 1503 gelang es Mohammed Scheibani die Brüder zu besiegen und gefangen zu nehmen.
Auch gegen die Timurriden war der Usbekenführer erfolgreich, er riss zahlreiche Timurridenfürstentümer an sich. Ein Kampf blieb Mohammed Scheibani erspart, der gegen Hussein Baiqara. Der mächtigste Timurridenfürst kam seiner Familie nicht zu Hilfe und vermied eine Auseinandersetzung mit Mohammed Scheibani so lange bis er 1506 verstarb. Das es zu dieser schließlich kam war wohl nur eine Frage der Zeit. Nun war der Gegner aber nicht mehr Hussein Baiqara sondern seine beiden (anscheinend) unfähigen und unerfahrenen Söhne. Diese hatten kaum eine Chance gegen die Usbeken, die schließlich Herat einnehmen.

Schon zuvor traf Mohammad Schibani auf einen weiteren berühmten Feldherren aus der Dynasite der Timuriden, auf Babur. Babur gelang es Mohammed Scheibani etliche Gebiete streitig zu machen, doch schließlich konnte in der Schlacht bei Sari I Pul besiegen und zum Rückzug zwingen. Babur wollte scheinbar auch den Timurriden in Herat zu Hilfe kommen zog das Hilfsangebot aber wieder zurück, weil er die unfähigkeit der dortigen Herrscher und wohl auch die Aussichtslosigkeit der Lage erkannte.

-Timurriden und Tschagatai nach den Niederlagen: Die Timurriden verloren mit der Niederlage ihre Macht in Persien komplett, nur noch in Herat konnte man sich halten. Ein Timurride der weiterhin Erfolge verbuchte war Babur. Er führte noch einige Zeit lang Feldzüge in der Region durch unter anderem gegen Mohammad Schibanis Vetter Jani Beg, wurde dabei auch von den Safawiden unterstützt, dann begab er sich nach Indien und gründete dort das Moghulreich.
Die beiden Tschagatai-Khane wurden schon bald wieder freigelassen, sie verloren aber erheblich an Macht. Diese konnte von fähigen Herrscher wie Said Khan zu einem Teil wiederhergestellt werden, aber um Mitte des 16. Jahrhunderts herum verloren sie aus mehreren Gründen darunter Streitigkeiten ihre Macht zusehend, bis sie im 17. Jahrhundert endgültig verloren ging.


Mohammad Scheibani war er nicht nur eine guter Feldherr, er galt auch als kulturinteressiert und Gebildet. Sein Reich war nicht das einzige in der Gegend das einen großen Aufstieg erlebte, weiter im Westen gelang es Ismail I dem Begründer der Safawidendynastie in Persien ein großes Reich zu errichten. 1501 also ungefähr zeitgleich mit den Erfolgen Mohammad Scheibanis, eroberte er die bedeutende Stadt Täbriz, danach noch weitere Gebiete Persiens. Es war wohl nur noch eine Frage der Zeit bis es zu einem Kampf der beiden aufstrebenden Mächte kam. Diese wurde für die Usbeken auch dadurch erschwert, das mit den neuerstarkten Kasachen ein zusätzlicher Gegner auftauchte. Im Jahr 1510 kam es bei Merw schließlich zum Kampf zwischen den Heeren Ismails I und Mohammad Scheibanis Truppen. Diese Schlacht endete mit einer Niederlage der Usbeken, Mohammad Scheibani fiel im Kampf.

-Safawiden: Das Ismails I Armee nach der Schlacht bei Merw und den Erfolgen davor als unbesiegbar galt ist nicht verwunderlich. Doch unbesiegbar war die Armee keineswegs, schon im Jahr 1514 kam es zum Duell mit einer weiteren großen Macht, den Osmanen, der Schlacht bei Tschaldiran. Diese wurde von den aufstrebenden Osmanen (unter Selim I) durch den Einsatz von Kanonen entschieden. Das bis dahin als unbesiegbar geltende Heer Ismails I war geschlagen worden. Ismail I herrschte weiterhin, die Safawiden blieben die Herrscher über Persien. Die Osmanen konnten weiter expandieren, eroberten kurz darauf auch das Mamlukenreich in Ägypten.

Mit Mohammad Scheibani endete keineswegs die Eigenstaatlichkeit des Usbeken Khanats, es blieb weiterhin ein Machtfaktor in der Region.


Hoffe ich konnte eine halbwegs interessante und auch halbwegs übersichtliche Biografie zustanden bringen.
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08.02.2014, 12:57
Beitrag: #72
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Richtig, der Gesuchte war Joseph Jenkins Roberts, der von 1848 bis 1856 als erster Präsident der Republik Liberia amtierte und dieses Amt erneut von 1872 bis 1876 ausführte. Er amtierte bereits von 1838 bis 1840 als Vizegouverneur und seit 1840 als erster nichtweißer Gouverneur der amerikanischen Kolonie Liberia.

Joseph Jenkins Roberts und ein kurzer Abriss der Geschichte der Republik Liberia

Joseph Jenkins Roberts wurde am 15. März 1809 in Norfolk, Virginia als erster Sohn von insgesamt sieben Kindern seiner Eltern geboren. Seine Eltern waren ehemalige Sklaven, die bereits ihre Freiheit erlangt hatten. Roberts war demnach ein Afroamerikaner, der nie in seinem Leben Sklave irgendeines Herren war. Dass es in den USA bereits vor 1863 frei geborene Afroamerikaner gab, wird zzt. mit dem Film „12 Years in Slaves“ einer breiten Öffentlichkeit wieder bewusst gemacht. Ca. 10 % der afroamerikanischen Bevölkerung konnten sich schon vor der Befreiung der Sklaven als frei betrachten.

Der junge Roberts musste schon nach dem frühen Tod seines Vaters als ältester Sohn für den Unterhalt seiner Mutter und seiner Geschwister als Binnenschiffer arbeiten. Um den harten und wohl auch ungerechten Arbeitsbedingungen zu entfliehen, sah er in dem Projekt der „Amerikanischen Kolonialgesellschaft“, die einen Küstenstreifen, die so genannte Pfefferküste, in Westafrika erworben hatte, eine Chance für sein weiteres Leben.

Die „Amerikanische Kolonialgesellschaft“ wurde bereits 1816 gegründet. Ihre Mitgliedschaft bestand einerseits aus Philanthropen aus dem Norden, andererseits aus Sklavenhaltern aus dem Süden der USA. Die Philanthropen, in der Mehrheit Angehörige der Methodisten-Kirche, vertraten die Ansicht, dass die in der weißen Gesellschaft größtenteils nicht integrierten Afroamerikaner wieder nach Afrika umgesiedelt werden sollten. Obwohl diese Philanthropen die Sklaverei ablehnten und Empathie für die Afroamerikaner empfanden, sahen sie nur in deren Rückführung nach Afrika ein Mittel gegen den offenen oder latenten Rassismus vieler weißer Amerikaner. Dass viele Afroamerikaner bedeutende Leistungen vollbrachten, wie z.B. Jean Baptiste Point du Sable, der als Sohn eines Quebecers Kaufmanns und dessen schwarzer Sklavin um 1770 eine Ortschaft gründete, aus der später Chicago hervorging, wurde vom Großteil der weißen angelsächsischen protestantischen Bevölkerung (WASP) nicht wahr genommen und nicht anerkannt.

Die Sklavenhalter dagegen sahen in freien Afroamerikanern eine ständige Gefährdung der öffentlichen Ordnung und vor allem eine Gefahr für den Bestand ihres Wirtschaftssystems.

Die etwa gleich starken Fraktionen waren sich nur in dem einen Punkt einig, dass die Umsiedlung nach Afrika die Lösung des Problems wäre und dass die umgesiedelten Afroamerikaner finanzielle und wirtschaftliche Hilfe brauchten. 1820 startete der erste Versuch, Afroamerikaner an der Küste des heutigen Liberias anzusiedeln. Dieser Versuch und eine zweite Ansiedlung im Jahr 1821 scheiterten, einerseits aufgrund der Feindschaft der ansässigen Afrikaner, andererseits an der notdürftigen Ausrüstung und der Unerfahrenheit der Neusiedler. Vorbild dieser amerikanischen Rückführungsprojekte waren die seit 1787 stattfindenden, aber ebenfalls zum Teil als Desaster endenden Versuche von Ansiedlungen britischer freier Schwarzer in Sierra Leone.

Die Amerikanische Kolonialgesellschaft gelang es jedoch Präsident James Monroe zu überzeugen, den Küstenstreifen militärisch abzusichern. In der Folgezeit wurden Einheiten der US-Navy, aber auch der britischen Royal Navy zur Sicherung des Küstenstreifens bereitgestellt. Eine bereits 1823 gegründete Ortschaft wurde 1824 zu Ehren des US-Präsidenten in Monrovia umbenannt, aus dieser Ortschaft ist die heutige Millionenstadt Monrovia entstanden. Ebenfalls um diese Zeit setzte sich der Vorschlag durch, den von der Amerikanischen Kolonialgesellschaft erworbenen Küstenstreifen „Liberia“ – Land der Freiheit - zu nennen. Neben dem Projekt der Amerikanischen Kolonialgesellschaft existierten seit den 1820er weitere Konkurrenzprojekte zur afroamerikanischen Besiedlung des heutigen Liberias, z.B. die Kolonien New Georgia, Mississippi und Maryland, die alle den Zusatz „in Afrika“ führten und die sich zwischen 1835 und 1857 mit der Kolonie bzw. der Republik Liberia vereinigten.

Im Jahr 1829 startete die Amerikanische Kolonialgesellschaft einen erneuten Versuch, ihr Projekt in Liberia erfolgreich zu verwirklichen. Unter den Neusiedlern waren Joseph Jenkins Roberts und seine Geschwister, aber auch James Spriggs Payne (1819–1882) dabei, der später ebenfalls als Präsident von Liberia (1868–1870 und 1876–1878) amtierte. Bereits kurze Zeit nach ihrer Ankunft begannen Roberts und seine Brüder in den lukrativen Elfenbeinhandel einzusteigen, ebenfalls erfolgreich entwickelte sich ihr Handel mit Palmenprodukten, so dass die Brüder bald eine die Märkte dominierende Position erlangten. Sie erwarben sich eine kleine Handelsflotte, mit der sie ihre Produkte in die USA, nach Sierra Leone, aber auch nach Europa vertrieben. Die Gewinne ermöglichten einen der Brüder (Henry) ein Medizin-Studium, einen anderen (John) ein Theologie- und Rechtstudium in Massachusetts zu absolvieren. Beide kehrten nach ihren Studien nach Monrovia zurück, John Roberts - der Theologe wurde später erster Bischof der Methodisten-Kirche der Republik Liberia.

Bereits 1833 wurde Joseph Jenkins Roberts zum High Sheriff der Kolonie ernannt. Neben seinen polizeilichen Aufgaben musste er die Steuereintreibung durchsetzen und die militärische Verteidigung der Kolonie gegen feindliche, indigene Stämme gewährleisten. 1838 stieg Roberts zum Vizegouverneur auf, ehe ihm als ersten Nichtweißen 1840 das Amt des Gouverneurs der Kolonie Liberia übertragen wurde. 1847 erklärte sich der Erste Liberianische Kongress für unabhängig und am 3. Januar 1848 wurde der bisherige Gouverneur der Kolonie einstimmig zum ersten Präsidenten der Republik Liberia gewählt. Der neue Staat wurde von Großbritannien und Frankreich sofort anerkannt, bis Ende 1849 folgten die staatlichen Anerkennungen durch Portugal, Brasilien, Sardinien-Piemont, Österreich, Dänemark, Schweden, Haiti und durch die drei Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck.

Roberts gelang es das bisherige Territorium Liberias auf über 600 Meilen Küstenlänge auszudehnen. Er wurde noch zweimal als Präsident wieder gewählt, ehe er in der Wahl von 1855 seinem Konkurrenten Stephen Allen Benson (1816–1865) unterlag, der am 3. Januar 1856 seine Präsidentschaft begann. Benson setzte in vielen Punkten die Politik seines Vorgängers fort, so bemühte er sich um einen Ausgleich mit der afrikanischen Urbevölkerung. Allerdings musste er mehrmals Aufstände der einheimischen Afrikaner bekämpfen. Sein größter außenpolitischer Erfolg war 1862 die staatliche Anerkennung der Republik Liberia durch den US-Präsidenten Abraham Lincoln. Diese späte Anerkennung der liberianischen Unabhängigkeit lag am Veto der bisherigen US-Präsidenten, die sich dem Druck der Sklaven haltenden Südstaaten beugten. Der junge Staat hatte bereits in seinem Gründungsjahr eine positive Wirtschaftsbilanz, die sich einerseits auf den erfolgreichen Handel mit Naturprodukten, andererseits aufgrund der Subventionen aus den USA begründete. So erhielt die junge Republik in den 1850-er Jahren 100 Dollar für jeden erwachsenen Auswanderer und 50 Dollar für Auswanderer bis 16 Jahre pro Jahr. Diese Subventionen benötigte die Republik Liberia für die Bewältigung der relativ hohen Arbeitslosigkeit in den Reihen der Einwanderer, die mit deren schlechten Ausbildung begründet wird.

Nach seiner Abwahl diente Joseph J. Roberts fünfzehn Jahre als Generalmajor in der Armee, bevor er als Gesandter nach London, später nach Paris wechselte. Infolge einer seit 1870 schwelenden Staatskrise wählte ihn am 3. Januar 1872 das Parlament für zwei Jahre erneut zum Präsidenten, 1874 folgte die Wiederwahl, so dass seine letzte Präsidentschaft am 2. Januar 1876 endete. Wenig später, am 24. Februar 1876, verstarb der erste Präsident Liberias in Monrovia.

Bereits während der 1840er Jahre, als Roberts als Gouverneur die Kolonie regierte, setzte der Prozess ein, der zur dominierenden Stellung der aus den USA stammenden Afroamerikaner führte. Dieser Prozess fand spätestens während der Regierung des zweiten Präsidenten Benson seinen Abschluss. Die aus den USA stammenden Afroamerikaner stiegen zur wichtigsten (oder neben den „Kreolen“ der britischen Kronkolonie Sierra Leona zu einer der beiden wichtigsten) nichteuropäischen Macht in Westafrika auf. Begünstigt wurde dies vor allem durch ihre verlässliche Zusammenarbeit mit den USA und den Kolonialmächten Großbritannien und Frankreich. Bis 1884 stammten alle Präsidenten Liberias aus den USA, der erste in Liberia geborene Präsident war Hilary Johnson (1837–1901), dessen Eltern jedoch ebenfalls in den USA geboren wurden. Für die Nachkommen der Afroamerikaner bürgerte sich die Bezeichnung Ameriko-Liberianer ein. Zu den „Kreolen“ Sierra Leones – aus der Karibik stammende, meist jedoch in Großbritannien geborene Dunkelhäutige und deren Nachfahren – pflegten diese Ameriko-Liberianer ein zwischen Partnerschaft und Rivalität schwankendes Verhältnis. Allerdings verloren die Kreolen 1898 ihre dominierende Stellung in der britischen Kronkolonie Sierra Leona, nachdem die Briten begannen auch das Hinterland zu kolonisieren.

Die ameriko-liberianische Oberschicht finanzierte sich zum Teil aus fragwürdigen Quellen, wie z.B. das Gewähren einer Billigflagge für Öltanker. Sie praktizierte einen (eher gemäßigten) „schwarzen Apartheid“ gegenüber der indigenen Bevölkerung, der erst 1980 mit dem erfolgreichen Putsch von Samuel Doe gegen Präsident William Tolbert (1913–1980) überwunden wurde. Damit endete die seit 1840 de facto 140 Jahre bestehende Vorherrschaft der Ameriko-Liberianer. Der aus der Volksgruppe der Krah stammende Doe (1951–1990) errichtete jedoch eine grausame Militärdiktatur, die wiederum 1990 durch den Sieg verschiedener Rebellengruppen, zu denen die von der Elfenbeinküste aus operierende Rebellenarmee Charles Taylors (* 1948) gehörte, ihr unrühmliches Ende fand. Der 1990 gewählte Präsident Amos Sawyer und dessen 1996 gewählte Nachfolgerin blieben aufgrund der Machtambitionen diverser Rebellenführer und deswegen nicht endenden Bürgerkrieges schwache und in ihrem politischen Handeln eingeschränkte Politiker.

1997 konnte sich der stärkste Rebellenführer Charles Taylor, ein ehemaliger Baptistenprediger, in der Wahl zum Präsidenten durchsetzen. Seitens seines Vaters stammte Taylor von den Ameriko-Liberianern ab, seine Mutter war jedoch eine Einheimische aus dem Stamm Goa. Seine Präsidentschaft war vor allem durch die stetige Verletzung von Menschenrechten, durch den Terror gegenüber persönliche und politische Rivalen und die seit 1999 erfolgte Fortsetzung des liberianischen Bürgerkriegs geprägt. Ebenso beteiligte sich Taylor am Bürgerkrieg in Sierra Leone (1991–2002), wo er den Rebellenführer Foday Sankay (1937–2003) unterstützte. Beide, Sanday und Taylor, sowie der heute wieder in der liberianischen Politik aktive, ehemalige Warlord Price Yormie Johnson (* 1959) zählen zu den Hauptverantwortlichen für die instabile Lage in Westafrika infolge der Bürgerkriege in Liberia und Sierra Leone.

Mit dem Sturz Taylors im Sommer 2003 endete schließlich der seit 1989 dauernde Bürgerkrieg in Liberia. Für seine Verbrechen, für die Kindersoldaten, Blutdiamanten und abgehackte Gliedmaßen nur stellvertretend stehen können, musste sich Taylor seit 2006 vor einem internationalen Tribunal in Den Haag verantworten. Er wurde 2012 vom Sondergerichtshof für schuldig gesprochen und für 50 Jahre Gefängnis verurteilt. 2013 wurde dieses Urteil von einem Sondertribunal in Sierra Leona bestätigt. Der Bürgerkrieg in Liberia kostete 250.000 Menschen das Leben, in Sierra Leona vermutet man 70.000 bis 200.000 Tote. Millionen Menschen wurden aus ihrer Heimat vertrieben. Ebenso müssen die vielen arbeitsunfähigen Kriegsinvaliden (in Sierra Leone etwa 20.000 verstümmelte Menschen) und die traumatisierten Kindersoldaten zu den Opfern der Bürgerkriege zählen. Eine weitere Folge der Bürgerkriege sind die hohen Raten der Kinder- und Müttersterblichkeit in Sierra Leone und in Liberia.

Die einst durchaus prosperierende Volkswirtschaft in Liberia muss neu aufgebaut werden. Man bedenke, dass unter der von 1944 bis 1971 währenden Präsidentschaft von William Tubman (1895–1971), Liberia die größte Handelsflotte und die meisten Kautschukplantagen der Welt besaß. Des Weiteren war Liberia zwischen 1945 und 1980 der drittgrößte Eisenerzexporteur der Welt bzw. Afrikas größter Exporteur von Eisenerz. In den 1950er Jahren wurde für Liberia das zweitgrößte Wirtschaftswachstum (nach Japan) registriert. Besonders Schweden und Deutschland förderten durch enorme Investitionen das Wirtschaftswachstum Liberias, von dem sie wiederum auch enorm profitierten. All dies wurde infolge der politischen Entwicklung seit 1980 bzw. 1989 zerstört. Die seit 2005 amtierende Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf (* 1938) steht vor der Herkulesaufgabe die noch schwelenden Konflikte zwischen indigenen Volksgruppen und Ameriko-Liberianern, aber auch die Differenzen innerhalb der ameriko-liberianischen Elite und die Auseinandersetzungen der verschiedenen Volksgruppen mit friedlichen Mitteln zu lösen. 2011 erhielt sie für ihre Politik den Friedensnobelpreis, in der Hoffnung, dass sie ihre bis zum damaligen Zeitpunkt erfolgten Maßnahmen und Bemühungen fortsetzen werde.

Taylors Sohn Charles junior (* 1977) wurde 2009 für seine Verbrechen, die er zwischen 1999 und 2003 als Leiter einer so genannten Anti-Terror-Einheit ausführen ließ bzw. selber ausführte von einem Bundesgericht in Miami zu einer 97 Jahre dauernden Gefängnisstrafe verurteilt. Taylors First Lady, seine inzwischen von ihm geschiedene dritte Ehefrau Jewel (* 1963) ist bis heute in der liberianischen Politik aktiv. Radikale, fundamentalistische Christen in den USA wie Pat Robertson (* 1937) kritisieren den Sturz des ehemaligen Baptistenpredigers Charles Taylor. Sie begründen dies damit, dass Taylor im Jahr 2002 Jesus Christus als wahren Herrscher über Liberia ausrief und damit ein theokratisches christliches Bollwerk gegen den sich in Afrika ausbreitenden Islam geschaffen habe. Auch wenn Robertson außerhalb der USA wenig Gehör findet, Fakt ist jedoch, dass sich in Sierra Leone der Anteil von Muslimen von 1960 von 35 % bis heute auf 70 % der Bevölkerung verdoppelte.

Abschließend noch einige Worte zu den ersten afroamerikanischen Siedlern in Liberia und zu deren Pendant, den Kreolen in Sierra Leone. Ihre Leistungen sind durchaus vergleichbar mit den Leistungen europäischer Pioniere auf den amerikanischen Doppelkontinent, in Südafrika oder im 20. Jahrhundert in Israel. Wie hart die (klimatischen) Bedingungen in Westafrika waren, belegt eine britische Anordnung, in der festgelegt wurde, dass straffällige Weiße nur noch nach Australien deportiert werden, weil sie nicht den westafrikanischen Lebens- und Umweltbedingungen gewachsen wären.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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15.01.2016, 20:49
Beitrag: #73
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Es schneit, es ist kalt.
Und da kommt mir doch heute dieses Gedicht unter:

Zitat:Winterlied eines schwäbischen Bauerjungen

Mädel, ’s ist Winter, der wollichte Schnee,
Weiß wie dein Busen, deckt Thäler und Höh'.
Horch, wie der Nordwind um's Häuslein her pfeift!
Hecken und Bäume sind lieblich bereift.

Mädel, 's ist Winter, die Bäche sind Eis;
Dächer der ländlichen Hütten sind weiß.
Grau und ehrwürdig, im silbernen Flor,
Streckt sich der stattliche Kirchthurm empor.

Mädel, es ist Winter. Mach's Stüblein fein warm;
Setz dich zum Ofen, und nimm mich in Arm!
Lieblich und kosend, wie rosigten Mai,
Führt uns die Liebe den Winter vorbei.

Drehst du mit Fingern, so reinlich wie Wachs,
Seidene Fäden vom silbernen Flachs,
Schüttle ich die Acheln dir schäkernd vom Schurz,
Mache die Nächte mit Mährlein dir kurz.

Mädel, 's ist Winter. O wärst du schon mein!
Schlüpft' ich ins blähende Bettlein hinein;
Nähm' dich, mein herziges Liebchen! in Arm,
Trotzte dem Winter – denn Liebe macht warm
aus gutenberg.de

es ist von Christian Friedrich Daniel Schubart
was für ein Schwerenöter unter dem Herrn Thumbs_up

sein Name steht wie kein anderer für Fürstenwillkür im deutschen Duodez des 18. Jahrhunderts.
10 Jahre hat ihn Carl Eugen, Herzog von Württemberg, auf dem Asperg eingesperrt. Eine sehr persönliche Rache, denn bei der "Anlieferung" auf dem Asperg war Carl Eugen und seine morganatische Gattin Franziska persönlich zugegen. Und es ist keine besonders gewagte These, dass insbesondere seine Spottverse über Franziska ihn dorthin gebracht haben.

Schubart war eigentlich ein Universalgenie, Lyriker, Publizist, Musiker. (Weinkenner, Frauenkenner....Blush)
Sein "Kaplied" ist ein literarisches Zeugnis des damaligen soldatenhandels allererster Güte.
Nach verbüsster "Besserungshaft" hat ihn Carl Eugen dann zu großzügigen Konditionen angestellt. Und er hats angenommen. Von da an haben ihm die guten schwäischen Viertele leider nicht mehr den Genius befeuert.
Aber, 10 Jahre hätten und haben schon manchem geknickt.

Ich will hier nicht seine Biografie nacherzählen, das kann der Interessierte an anderen Orten besser nachlesen. Nur ein wenig auf diesen Feuergeist aufmerksam machen.

Und schließen will ich mit einem anderen Schubart Wort:
"Was sind wir Schwaben doch für tolle Männer"

Wobei Schubert in bester Manier "Schwabe duch Beitrittserklärung wurde"
geboren ist er in Franken.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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16.01.2016, 16:32
Beitrag: #74
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Irgendwie kommt mir der Schubart aber doch zu kurz.

Deshlab hier noch sein Kaplied:

Zitat:Kaplied

Auf, auf! ihr Brüder und seyd stark,
Der Abschiedstag ist da!
Schwer liegt er auf der Seele, schwer!
Wir sollen über Land und Meer

Ins heiße Afrika.

Ein dichter Kreis von Lieben steht,
Ihr Brüder, um uns her;
Uns knüpft so manches theure Band
An unser deutsches Vaterland,
Drum fällt der Abschied schwer.

Dem bieten graue Eltern noch
Zum letztenmal die Hand;
Den kosen Bruder, Schwester, Freund;
Und alles schweigt, und alles weint,
Todtblaß von uns gewandt.

Und wie ein Geist schlingt um den Hals
Das Liebchen sich herum:
Willst mich verlassen, liebes Herz,
Auf ewig? – und der bittre Schmerz
Macht’s arme Liebchen stumm.

Ist hart – drum wirble du, Tambour,
Den Generalmarsch drein.
Der Abschied macht uns sonst zu weich,
Wir weinten kleinen Kindern gleich –

Es muß geschieden seyn.
Lebt wohl, ihr Freunde! Sehn wir uns
Vielleicht zum letztenmal;
So denkt, nicht für die kurze Zeit,
Freundschaft ist für die Ewigkeit,
Und Gott ist überall.

An Deutschlands Grenze füllen wir
Mit Erde unsre Hand
Und küssen sie – das sey der Dank
Für deine Pflege, Spels’ und Trank,
Du liebes Vaterland!

Wenn dann die Meereswoge sich
An unsern Schiffen bricht,
So segeln wir gelassen fort;
Denn Gott ist hier und Gott ist dort,
Und der verläßt uns nicht!

Und ha, wenn sich der Tafelberg
Aus blauen Düften hebt;
So strecken wir empor die Hand,
Und jauchzen: Land! ihr Brüder, Land!
Daß unser Schiff erbebt.

Und wenn Soldat und Offizier
Gesund ans Ufer springt,
Dann jubeln wir , ihr Brüder, ha!
Nun sind wir ja in Afrika.
Und alles dankt und singt.

Wir leben drauf in fernem Land
Als Deutsche brav und gut.
Und sagen soll man weit und breit,
Die Deutschen sind doch brave Leut’,
Sie haben Geist und Muth.

Und trinken auf dem Hoffnungskap
Wir seinen Götterwein;
So denken wir von Sehnsucht weich,
Ihr fernen Freunde, dann an Euch;
Und Thränen fließen drein.
aus Gutenberg.de

Background: Carl Eugen von Württemberg hatte dieses Regiment an die holländischen Generalstaaten "verliehen" und sich nicht mehr darum gekümmert! Das Regiment ist später in Ceylon und Indonesien restlos untergegangen, noch württ. Zeitungen der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts (mir teilweise vorliegend) enthalten Suchanzeigen zB in Nachlass-Sachen.
Die Heimat, oder Europa haben nur eine Buchstäblich! Handvoll wiedergesen, insofern ist die Geschichte noch viel schaurig-trauriger als Schubarts im Voraus publiziertes Gedicht.

Um den Beitrag nicht zu traurig abzuschließen noch das Gedicht an Tilla:

Zitat:Hier ist, o liebes Weibchen!
Ein kleiner Wunsch für dich.
Ich wünsche dir, mein Täubchen,
Ein kugelrundes Leibchen,
Und ach! – zum Autor – mich!

das war schon ein echter Schwerenöter,
der Schubart.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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16.01.2016, 16:34
Beitrag: #75
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Irgendwie kommt mir der Schubart aber doch zu kurz.

Deshlab hier noch sein Kaplied:

Zitat:Kaplied

Auf, auf! ihr Brüder und seyd stark,
Der Abschiedstag ist da!
Schwer liegt er auf der Seele, schwer!
Wir sollen über Land und Meer

Ins heiße Afrika.

Ein dichter Kreis von Lieben steht,
Ihr Brüder, um uns her;
Uns knüpft so manches theure Band
An unser deutsches Vaterland,
Drum fällt der Abschied schwer.

Dem bieten graue Eltern noch
Zum letztenmal die Hand;
Den kosen Bruder, Schwester, Freund;
Und alles schweigt, und alles weint,
Todtblaß von uns gewandt.

Und wie ein Geist schlingt um den Hals
Das Liebchen sich herum:
Willst mich verlassen, liebes Herz,
Auf ewig? – und der bittre Schmerz
Macht’s arme Liebchen stumm.

Ist hart – drum wirble du, Tambour,
Den Generalmarsch drein.
Der Abschied macht uns sonst zu weich,
Wir weinten kleinen Kindern gleich –
Es muß geschieden sein.

Lebt wohl, ihr Freunde! Sehn wir uns
Vielleicht zum letztenmal;
So denkt, nicht für die kurze Zeit,
Freundschaft ist für die Ewigkeit,
Und Gott ist überall.

An Deutschlands Grenze füllen wir
Mit Erde unsre Hand
Und küssen sie – das sei der Dank
Für deine Pflege, Spels’ und Trank,
Du liebes Vaterland!

Wenn dann die Meereswoge sich
An unsern Schiffen bricht,
So segeln wir gelassen fort;
Denn Gott ist hier und Gott ist dort,
Und der verläßt uns nicht!

Und ha, wenn sich der Tafelberg
Aus blauen Düften hebt;
So strecken wir empor die Hand,
Und jauchzen: Land! ihr Brüder, Land!
Daß unser Schiff erbebt.

Und wenn Soldat und Offizier
Gesund ans Ufer springt,
Dann jubeln wir, ihr Brüder, ha!
Nun sind wir ja in Afrika.
Und alles dankt und singt.

Wir leben drauf in fernem Land
Als Deutsche brav und gut.
Und sagen soll man weit und breit,
Die Deutschen sind doch brave Leut’,
Sie haben Geist und Muth.

Und trinken auf dem Hoffnungskap
Wir seinen Götterwein;
So denken wir von Sehnsucht weich,
Ihr fernen Freunde, dann an Euch;
Und Thränen fließen drein.
aus Gutenberg.de

Background: Carl Eugen von Württemberg hatte dieses Regiment an die holländischen Generalstaaten "verliehen" und sich nicht mehr darum gekümmert! Das Regiment ist später in Ceylon und Indonesien restlos untergegangen, noch württ. Zeitungen der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts (mir teilweise vorliegend) enthalten Suchanzeigen zB in Nachlass-Sachen.
Die Heimat, oder Europa haben nur eine Buchstäblich! Handvoll wiedergesen, insofern ist die Geschichte noch viel schaurig-trauriger als Schubarts im Voraus publiziertes Gedicht.

Um den Beitrag nicht zu traurig abzuschließen noch das Gedicht an Tilla:

Zitat:Hier ist, o liebes Weibchen!
Ein kleiner Wunsch für dich.
Ich wünsche dir, mein Täubchen,
Ein kugelrundes Leibchen,
Und ach! – zum Autor – mich!

das war schon ein echter Schwerenöter,
der Schubart.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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17.01.2016, 14:38
Beitrag: #76
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
IWAN; DER SCHRECKLICHE

Russischer Zar

[Bild: IwanderSchreckliche.jpg]

(1530 - 1584)

Iwan wurde am 25.August 1530 in Kolomenskoje bei Moskau geboren. Sein Vater war Wassilij III. und seine Mutter war Helena Glinskaja. Er war der Enkel von Iwan III., der unter dem Beinamen der Große bekannt ist. Iwan war beim Tod seines Vaters drei Jahre alt. Helena nahm in Vertretung ihres Sohnes die Regentschaft auf sich, doch sie starb bereits 1538 (möglicherweise an Gift). Danach entwickelte sich unter den Bojaren augenblicklich ein Machtkampf um die Beherrschung der Thrones.

Im Jahre 1547 setzte der Metropolit von Russland die kaiserliche Krone Iwan IV. auf, einem 17-jahrigen Jüngling, der bereits angefangen hatte, sich jenen Namen zu verdienen, unter dem er in der Geschichte bekannt ist: Iwan, der Schreckliche war klug und weitsichtig und war der Heiligen Schrift kundig. Obwohl er ein frommer Mensch war, war er recht launenhaft, welches am Wahnsinn grenzte. Vom Thron aus hatte er ständig den Namen Gottes auf den Lippen und befahl für Tausende Menschen den Martertod, was ihm Vergnügen bereitete. Besonders ergötzte er sich an den Foltermethoden, die er ersann. Den Todeskampf der Opfer schaute er auch gern zu. Die Leichen schickte er in Klöster, damit für ihre Seelen gebetet werde.
Nach einem unangenehmen Zwischenfall wenige Monate nach seiner Thronbesteigung schreckte Iwan nicht davor zurück, Abgeordnete der Stadt Pskow mit kochendem Wein übergießen zu lassen und ihre Bärte zu versengen.
Hatte er gerade ein Blutbad unter seinen Untertanen angerichtet, brachte er es fertig, auf die Vorhaltungen des Metropoliten mit einem von Selbstmitleid erfüllten Seufzer zu antworten, auf den Kirchenmann zu weisen, der außer sich war vor Empörung, und zu sagen: "Sieh wie meine Freunde und Nachbarn sich gegen mich empören und Böses gegen mich im Schilde führen".
Ohne Zweifel galt er als ein fähiger Mann, der Russland mit eiserner Hand regierte.
Er war der Herr über Leben und Tod.

1550 berief er zum ersten Mal den "Semski Sobor" ein, eine Landesversammlung, in der Klerus, Erbadel, Dienstadel und sogar Kaufleute vertreten waren. Es war aber kein Parlament, da die Mitglieder nicht gewählt wurden, sondern nur ernannt worden waren. Sie dienten hierzu dass die nur die Vorschläge des Zaren gut zu heißen hatten. Iwan soll sich sogar auch Beschwerden der Bevölkerung angehört haben und unternahm manchmal sogar den Versuch, deren Ursachen zu beseitigen. In diese Zeit fielen auch die Neufassung und Liberalisierung des Gesetzbuches (genannt "Sudjebnik"), welches die Korruption in der Rechtsprechung eindämmen sollte. Es war eine umfassende Reform der Provinzialverwaltung und des Steuerrechts sowie die Neuregelung der Rechte der Kirche. Die Kirchenreform (1551) wurde in dem Dokument "Stoglaw" (100 Kapitel) festgelegt. Im Stoglaw wurde ausdrücklich auf die bei Geistlichen erwünschten Tugenden hingewiesen und die Notwendigkeit der Ausbildung junger Geistlicher betont, die bis dahin oft nicht einmal lesen und schreiben konnten.
Ein weiteres wichtiges Dokument aus dieser Zeit, das der Erziehung der Bevölkerung dienen sollte, war der "Domostroj" ( dom = Haus, stroj = Aufbau, Ordnung). Dieses Werk war für die damalige Zeit fortschrittlich, obwohl Furcht und Strafe die Voraussetzungen für Ungehorsam waren und für Jahrhunderte die Grundlage jeder russischen Hausordnung bildeten.

Die "dunklen" Jahre des Zaren war der Livländische Krieg, der sich so dahin zog. Hinzu kam noch die Spannungen im Erlesenen Rat. Die Mitglieder wollten die Herrschsucht Iwans nicht länger hinnehmen. Der junge Zar führte mit seiner Frau Anastasia und dem kleinen Thronfolger Dmitrij Iwanowitsch (? Oktober 1552) ein glückliches Privatleben, doch fühlte er sich durch die belehrenden Sprüche seines Beichtvaters Silvester nur noch belästigt. Auch sein Freund Alexeij Adaschew, dem er immer vertraut hatte, enttäuschte ihn durch respektlose Äußerungen über die einfache Herkunft seiner geliebten Anastasia. Im März 1553 erkrankte Iwan schwer, so dass mit seinem Tod gerechnet wurde. Demzufolge ließ Iwan alle Mitglieder des Erlesenen Rats dem kleinen Zarewitsch und seiner Mutter die Treue schwören und zur Bekräftigung das Kreuz küssen. Diese Zeremonie war notwendig, da es in Russland kein eindeutiges Erbfolgerecht gab. Am Krankenbett soll Iwan in einem wachen Moment gesagt haben: "Wenn ihr nicht das Kreuz küsst in Treue zu meinem Sohn, dann habt ihr schon einen anderen Herrscher im Sinn… Wer jetzt dem kleinen Herrscher nicht dienen will, der will auch dem großen, also mir selbst nicht dienen".

Als er dem Tod schon sehr nahe war, trug Iwan keine Krone oder noch sonst einen fürstlichen Schmuck. Einen Teil seines Vermögens stellte er Klöstern zur Verfügung, den anderen Teil suchte er regelmäßig in seiner Schatzkammer auf.
Iwan, der Schreckliche starb am 18. März 1584. In seinen letzten Tagen wanderte er angeblich heulend durch seinen Palast und suchte Trost bei Hexen und Zauberern.

Einem Haus eine Bibliothek hinzuzufügen heißt, dem Haus eine Seele zu geben.

Marcus Tullius Cicero
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22.07.2016, 20:49
Beitrag: #77
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Caspar von Schönberg (1540-1599)

Caspar von Schönberg (1540-1599) entstammte dem meißnischen Uradel. Einige Vertreter dieser Familie wurden im 15. Jahrhundert Bischof von Meißen oder Bischof von Naumburg. Caspars Vater Wolf von Schönberg (1518-1584) diente Moritz von Sachsen als Feldherr in den Schlachten bei Mühlberg (1547) und Sievershausen (1553). 1566/67 unterstützte er Kurfürst August von Sachsen bei der Reichexekution gegen Johann Friedrich den Mittleren und Wilhelm von Grumbach (Grumbach'sche Händel).

Während der Friedenszeiten nahm er verschiedene zivile Ämter war, er war z.B. Amtshauptmann von Rochlitz und seit 1558 bis zu seinem Tod Oberberghauptmann von Freiberg. Dieses Amt kam erstmalig 1542 an einen Familienangehörigen der Schönbergs und es blieb bis 1761 fast durchgehend im Familienbesitz. Der Oberberghauptmann von Freiberg war faktisch der kurfürstliche Chefkontrolleur des Bergbau, des wichtigsten Wirtschaftszweiges Sachsens. Außerdem nahm er de facto Grundherrenrechte im Erzgebirgskreis wahr, d.h. das wirtschaftliche und politische Geschick des Erzgebirges wurde ca. 200 Jahre von den Schönbergs bestimmt.

Wolf von Schönberg hatte vier Söhne, von denen drei politisch und/oder militärisch aktiv wurden. Über den Sohn Moritz ist praktisch nichts bekannt, außer dass er als Grundherr in Kriebstein, Knauthain und Sorge tätig war. Heute sind all diese Orte mit dem Auto in wenigen Stunden erreichbar, im 16. Jahrhundert war es sicher nicht einfach diese Entfernungen zu überwinden und vor allem alle drei Güter zu bewirtschaften. Das Leben seiner politisch aktiven Brüder ist aber gut dokumentiert.

Es handelt sich um Hans-Wolf (1539-1603), Caspar (1540-1599) und Georg (1543-1578). Alle drei Brüder dienten während der Hugenottenkriege in Frankreich. Der Ältere Hans-Wolf wurde 1571 Obrist im königlichen Heer, der jedoch vom Kurfürsten August zurückgerufen wurde. Er wurde zuerst Amtshauptmann von Pulsnitz in der Oberlausitz – ein Ort, der heute durch seine Lebkuchen bekannt ist. Unter Christian I. (1586-1591) war er Hofmarschall, aber unter dem Staatskanzler Krell zog er sich vom politischen Geschäft zurück. Hans-Wolf von Schönberg hatte zwei Söhne Hans-Wolf und Caspar (1570-1629), der ein kursächsischer Politiker war und der um 1620 maßgeblich am Zustandekommen des Bündnisses zwischen Kaiser und Kurfürsten von Sachsen beteiligt war und so Kursachsen etwa zehn Jahre aus dem Dreißigjährigen Krieg halten konnte. Im Rätsel ging es aber um seinen gleichnamigen Onkel.

Dieser Caspar diente bereits seit 1560 in Frankreich. Er kämpfte zuerst an der Seite seines Verwandten Diez von Schönberg für die Hugenotten, später kämpfte er aber auch gegen die Protestanten der Niederlande. 1570 wurde Caspar naturalisiert, er nannte sich seitdem Gaspard de Schomberg. Wann er zum Katholizismus übertrat ist nicht bekannt. Während der Bartholomäusnacht von 1572 weilte er in Deutschland u.a. auch in Dresden, wo Kurfürst August ernsthaft daran dachte, Caspar wegen Hochverrat, d.h. wegen seinem Religionswechsel, köpfen zu lassen. Dass es dazu nicht kam, lag wohl an Caspars Vernetzung an deutschen Höfen und in Frankreich und seiner Tätigkeit als Mittler in deutsch-französischen Angelegenheiten. Noch im Jahr 1572 heiratete er die französische Adlige Jeanne de Chastainger.

Beide hatten vier Töchter und einen Sohn – Henri de Schomberg (1575-1632), der zwischen 1618 und 1621 Generalintendant der Finanzen war und 1626/28 die Hugenotten vor La Rochelle belagerte. Seine Amtsführung als Generalintendant der Finanzen war so gewissenhaft, dass diese Ehrlichkeit von seinen französischen Zeitgenossen stets hervorgehoben wurde. Er starb am 17. November 1632 in Bordeaux, zufälligerweise am gleichen Tag, an dem Wallensteins Feldmarschall Pappenheim in Leipzig verstarb. Henris Schwestern heirateten in den französischen Hochadel ein.

1573 warb Caspar von Schönberg in der Pfalz und in Hessen darum, Henri d’Anjou zu König von Polen zu wählen. Nach dessen Rückkehr bzw. nach dessen Flucht im Jahr 1574 wurde Caspar Mitglied des Staatsrates. 1575/76 kam auch Caspars Bruder Georg nach Frankreich. Er starb am 27. April 1578 im berüchtigten Duell der Mignons. Als Mignons - „Lieblinge“ - wurden Günstlinge des Königs genannt. Die politische Bedeutung der Mignons ist umstritten. Fakt ist, dass diese jungen, meist aus niederem Adel stammenden Männer sehr unbeliebt waren. Das lag wohl an ihren, vom Hochadel als weiblich empfundene, und verachtete Gebaren. Sie schminkten sich und zeigten offen ihre Vorliebe für teuren Schmuck, Parfüm und teure Stoffe. Andererseits waren sie loyale Gefolgsleute des Königs, die besonders brutal gegen die Gegner des Königs vorgingen. Kurz gesagt: Die Mignons waren eine schlagkräftige Leibwache, die Henri III. gegen seine innenpolitischen Gegner einsetzen konnte. Eine ähnliche Truppe wie die Mignons scharrten sich auch um Henris jüngeren Bruder François d’Anjou (1557-1584). Diese Truppe bestand zum Teil aus ehemaligen, in Ungnade gefallenen Mignons. Anjou galt zwischen 1574 und 1584 als Thronfolger, um ihn scharrten sich die politisch Unzufriedenen.

Die beiden Favoritengruppen hassten sich, es kam regelmäßig zu Duellen und Scharmützeln, die schließlich vom König verboten wurde. Trotz dieses Verbots kam es 1578 zum „Duell der Mignons“, dass mit besondere Brutalität geführt. Anlass des Duells war eine Bemerkung eines Mignons über die angebliche unkeusche Favoritin Balzacs, weshalb dieser den Mignon zu Duell aufforderte. Beide Duellanten brachten zwei Sekundanten mit, Georg von Schönberg war ein Sekundant von Charles Balzac. Am Ende des Duells blieben zwei Tote auf dem Platz, darunter Georg, ein Sekundant starb einen Tag später, der sich spöttisch äußernde Mignon starb nach einem Monat. Ein weiterer Mignon blieb lebenslang entstellt. Nur der Anstifter des Duells, Charles Balzac, Baron d’Entragues blieb unversehrt, er wurde jedoch nicht vom König zur Rechenschaft gezogen. Seine erst 1579 geborene Nichte Catherine Balzac, Baronin d’Entragues wurde 1599 die Geliebte des französischen Königs Henri IV. … aber in diesem Jahr starb Charles Balzac. Der Romanschriftsteller Honoré de Balzac (1799-1850) behauptete zwar ein Nachkomme der adligen Familie Balzac zu sein, aber dies lässt sich nicht beweisen.

Ebenfalls 1599 starb Caspar von Schönberg. Er wurde 1578 zum Grafen de Nanteuil-le-Haudouin ernannt. 1588/89 versuchte er den sächsischen Kurfürsten und andere protestantische Fürsten zu bewegen, Henri III. und Henri de Navarra gegen die katholische Liga der Guisen zu unterstützen. Dies scheiterte nur, weil der sächsische Staatskanzler Nikolaus Krell der Person Schönbergs und dessen Religionswechsel misstraute und ihm Schönbergs Vorschläge zu riskant erschienen. Schließlich konnte Schönberg privat 700 sächsische Reiter anwerben, mit denen er sich Henri IV. unterstellte. 1594 zog er mit dem König in Paris ein und 1598 beteiligte sich Schönberg an der Erarbeitung des Edikts von Nantes, in dem den Hugenotten Religionsfreiheit gewährt wurde.

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07.08.2016, 12:10
Beitrag: #78
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Klaus Barbie

1913 bis 1939

Klaus Barbie wurde am 25. Oktober 1913 in Godesberg bei Bonn als Sohn eines damals noch nicht verheirateten Lehrerpaares geboren. Er ging bis 1923 in Godesberg zur Schule und danach in Trier, wo er mit seinem Bruder zuerst in einem Internat lebte, bis schließlich 1925 seine Eltern ebenfalls nach Trier zogen, um dort zu arbeiten. Der alkoholkranke Vater Nikolaus Barbie tyrannisierte die Familie und litt an einer Kriegsverletzung, an deren Folgen er 1933 verstarb. Im gleichen Jahr starb auch der Bruder. Wegen dieser Familientragödie schaffte Barbie nach eigenen Angaben das Abitur erst 1934 nach mehreren Versuchen. Obwohl Barbie in einem katholischen Jugend- und Sportverband engagiert war und ursprünglich Theologie studieren wollte, trat er 1933 der HJ bei. 1934 leistete er, um seiner Arbeitslosigkeit zu entgehen, freiwillig einen halbjährigen Dienst beim Reichsarbeitsdienst in einem Lager in Schleswig. Dort wurde er ein eifriger und überzeugter Anhänger der nationalsozialistischen Ideologie. Seit September 1935 war er Mitglied der SS und des SD, also des Sicherheitsdienstes der SS. Er wurde nach Berlin versetzt, wo er Juden und Homosexuelle zu überwachen hatte. 1936 wurde er nach Düsseldorf, etwas später nach Dortmund versetzt, wo er den kommunistischen und sozialdemokratischen Widerstand zu unterwandern hatte. Am 1. Mai 1937 trat Klaus Barbie in die NSDAP ein.

1939 bis 1945

Am 20. April 1940 wurde Barbie zum SS-Untersturmführer befördert. Er war nun SS-Offizier. Fünf Tage später heiratete er Regine Willms (1917–1981). Im Mai 1940 wurde er zur Zentralstelle für jüdische Auswanderung nach Amsterdam versetzt, die dem Chef der Sicherheitspolizei und des SD für die Niederlande unterstellt war. Barbie, seit November 1940 SS-Obersturmführer, organisierte in den Niederlande die Verfolgung von Juden und Freimaurern.

Nachdem die Wehrmacht 1942 auch den Süden Frankreich, das sogenannte Vichy-Frankreich, besetzte, übernahm Barbie die Leitung der berüchtigten Abteilung IV der Gestapo in Lyon. Dort war er direkt dem Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD bzw. dessen Stellvertreter unterstellt, d.h. er war der formal drittmächtigste SS-Mann in Lyon. Barbie hatte die Verfolgung von Juden und politischen Gegnern umzusetzen. Er blieb kein Schreibtischtäter, er folterte selbst mit unmenschlicher Grausamkeit oder er schaute zu, wenn seine Büttel folterten und vergewaltigten, sodass er als „Schlächter von Lyon“ in die Geschichte einging. Mit diesem Beinamen, auf Französisch "Le Mitrailleur de Lyon", wurde ganz bewusst eine geschichtliche Parallele zum Wirken des Jakobiners (und späteren napoleonischen Polizeiministers) Joseph Fouché (1759–1820) gezogen, dessen Terrorherrschaft in Lyon zwischen November 1793 und Mai 1794 1600 Menschen das Leben kostete.

Barbies prominentestes Opfer war der aus der kommunistischen Bewegung kommende Resistance-Chef Jean Moulin (1899–1943), den Barbie persönlich folterte und der an Folgen der Folterungen verstarb. Barbie scheute sich auch nicht, Frauen, Kinder oder Priester zu foltern. Im April 1944 leitete er den Überfall auf das jüdische Kinderheim von Izieu, dessen 3- bis 13-jährige Insassen er direkt nach Auschwitz deportieren ließ, wo sie nach ihrer Ankunft vergast wurden. Im August 1944, kurz vor dem Abzug der deutschen Wehrmacht aus Frankreich, vernichtete Barbie ihm belastendes Beweismaterial. Ebenso soll er französische Gestapo-Mitarbeiter und seine Geliebte ermordet haben bzw. den Befehl zu ihrer Ermordung erteilt haben. Barbies 21-monatige Schreckensherrschaft in Lyon führte zu 14.311 Verhaftungen, die wiederum zu 7.591 Deportationen und 4.342 Hinrichtungen führte. Im November 1944 wurde er in den Rang eines SS-Hauptsturmführers befördert und nach Dortmund versetzt. Ende 1944 tauchte er unter.

1945 bis 1964

Klaus Barbie genoss von 1945 bis 1951 den Schutz britischer und US-amerikanischer Geheimdienste, die ihn als Agenten einsetzten. In Frankreich wurde er wegen seiner Verbrechen in Lyon am 16. Mai 1947 in Abwesenheit zum Tode verurteilt. 1952 und 1954 folgten zwei weitere Prozesse gegen Barbie, in denen er ebenfalls zum Tode verurteilt wurde. Im Prozess von 1952 ging es um die Verurteilung der von Barbie im Jura begangenen Verbrechen. Für das am 20. August 1944 in Saint-Genis-Laval stattgefundene Massaker wurde er im Prozess von 1954 verurteilt. Bis 1955 hatte Frankreich mehrere Auslieferungsanträge an die Bundesrepublik Deutschland gestellt, die unbeachtet blieben. Nachweislich hielt sich Barbie von 1946 bis 1951 im Westen Deutschlands auf, wo er weiterhin Kontakte zu rechtsextremen Kreisen, wie z.B. den 1951 verbotenen Bund Deutscher Jugend pflegte. Seine Auslieferung nach Frankreich verhinderte vor allem der US-amerikanische Hochkommissar John McCloy, obwohl er spätestens seit 1949 von den Verbrechen Barbies wusste. 1951 entschieden sich schließlich US-amerikanische und bundesdeutsche Behörden dazu, Barbie über die sogenannte Rattenlinie nach Bolivien zu schleusen. Barbie wählte den Decknamen Klaus Altmann, möglicherweise in Anlehnung an den von 1920 bis 1938 in Trier wirkenden und 1944 in Auschwitz ermordeten Oberrabbiner Adolf Altmann!

1952 liefen in der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg erste deutsche Ermittlungen gegen Barbie alias Altmann an. Der war seit 1957 bolivianischer Staatsbürger und verdiente sich sein Geld als Vorarbeiter eines Sägewerks im Dschungel um Coroico. Seine Frau Regine führte eine Gastwirtschaft, in der die Sägewerksarbeiter versorgt wurden. Bis 1964 blieben die Barbies in der entlegenen Gegend.

Ein Grund dafür ist die politische Lage in Bolivien. Nach dem 2. Weltkrieg fanden in Bolivien massive Umwälzungen statt. Die bisherige herrschende Schicht, die vom Ausland unterstützten Zinnbarone Patiño, Hochschild und Aramayo wurden entmachtet und das Land versank in Gewalt. 1946 wurde ein Präsident ermordet und links- und rechtsgerichtete Regierungen wechselten einander ab, bevor sich 1951 das Militär an die Macht putschte, das aber bereits 1952 Wahlen für eine Regierung ermöglichen musste. Es gewann die zentralistische Bewegung MNR (Moviemento Nacionalista Revolucionaro). Präsident bzw. Vizepräsident der neuen Regierung wurden Victor Paz Estenssoro (1907–2001) und Dr. Hernan Siles Zuazo (1914–1996), der 1983 als Präsident Boliviens die Auslieferung Barbies an Frankreich durchsetzte. Beide setzten die Entmachtung der Zinnbarone fort, sie wurden enteignet und große Latifundien wurden unter landlosen Bauern verteilt. 1956 und 1960 gewann die MNR erneut die Wahlen, Siles Zuazo wurde 1956 Präsident, Paz Estenssorro erneut 1960. Nach 1960 geriet Bolivien in eine Wirtschaftskrise, die mit dem vom IWF erarbeiteten Eder-Plan überwunden werden sollte. Dies geschah nicht, die bolivianische Wirtschaftssituation verschlechterte sich und die beiden Gründer der MNR Paz Estenssorro und Siles Zuazo überwarfen sich, ersterer stand für den rechten Flügel, letzterer für den linken Flügel der MNR.

1964 bis 1983

In dieser Situation putschte am 4. November 1964 das bolivianische Militär, das bis zum 10. Oktober 1982 die Macht behielt. Die Militärdiktatur war politisch instabil, es gab in den 18 Jahren vierzehn oder fünfzehn Putsche und Gegenputsche rechts- und linksgerichteter Generäle, ab 1980 putschten auch mit der Kokainmafia verbundene Generäle. Barbie zog noch im Jahr 1964 in die bolivianische Hauptstadt La Paz, um Kontakt zu den Militärs aufzunehmen. Um den Patriotismus der Bolivianer anzustacheln, gründete die Militärregierung des Binnenlandes Bolivien eine Schiffsbaugesellschaft „Transmaritima“, die von Spenden der Bevölkerung finanziert wurde. Geschäftsführer wurde Barbie alias Altmann, der einen bolivianischen Diplomatenpass erhielt und deswegen überall hinreisen konnte. Deshalb konnte Barbie 1966 auch vom BND angeworben werden, für den er nachweislich bis 1967 arbeitete, wahrscheinlich aber bis Ende der 1970er Jahre. Des Weiteren arbeitete Barbie auch für die CIA, der er Informationen über einzelne Generäle lieferte. Ebenso soll Barbie 1967 die Jagd auf Ernesto Che Guevara (1928–1967), Tamara Bunke (1937–1967) und ca. 60 Guerillas in Bolivien unterstützt haben und alle Aktionen koordiniert haben. Zeitgleich beriet er Präsident René Barrientos (1919–1969) in dessen Kampf gegen streikende Bergarbeiter, dessen Führer „Willy“ Simon Cuba ebenfalls wie Che Guevara am 9. Oktober 1967 ermordet wurde.

Von 1971 bis 1978 diente Barbie den Diktator Hugo Banzer (1926–2002) im Range eines Oberstleutnants als Militärberater. Barbie soll die gegen innere Gegner eingesetzte Terrorgruppe „Die Verlobten des Todes“ aufgebaut und kommandiert haben. Banzers katastrophale Herrschaft endete durch rasch aufeinanderfolgende Putsche diverser Militärs, deren letzter Vertreter, der Luftwaffengeneral Walter Natusch Busch (1932–1994) nach einem Generalstreik im November 1979 zurücktrat und die Macht an die zivile Präsidentin Luise Gueiler Tejada (1921–2011) übergab, deren Regierung seit Anfang 1980 durch einen Wahlerfolg legitimiert war. Nachdem sich am 17. Juli 1980 General Luis Garcia Meza Tejada (* 1929) an die Macht putschte, stieg Barbie zu einem der mächtigsten Männer Boliviens auf, der vom Innenministerium aus den Terror und den Kokainhandel koordiniert haben soll. General Garcia Meza Tejada wurde von den argentinischen Militärs unterstützt und war eine wichtige Figur im Drogenhandel. Die schlechte wirtschaftliche Situation, der Zerfall staatlicher Institutionen und Machtkämpfe der Militärs untereinander führten schließlich zum Sturz des Generals am 4. August 1981. Barbie soll an diesem Tag die Verteidigung des am Ende gestürzten Präsidenten organisiert haben. Im Juli 1982 kam General Guido Vildosa Calderon (* 1937) schließlich an die Macht. Er war bereits unter Banzer Minister für Gesundheit und Sozialfürsorge und mit Barbie befreundet, dessen Stellung er unangetastet ließ. Trotzdem leitete er die Rückkehr zu einer zivilen Regierung ein. Er beauftragte das 1980 gewählte, aber bis dato machtlose Parlament einen Präsidenten zu benennen. Das Parlament bestimmte dann den bereits von 1956 bis 1960 amtierenden Präsident Hernan Siles Zuazo zum neuen Präsidenten, dessen 2. Amtszeit am 10. Oktober 1982 begann. Damit endete in Bolivien die Militärherrschaft

Verhaftung, Auslieferung, Prozess und Tod - 1983 bis 1991

Dass Klaus Barbie doch noch von einem Gericht verurteilt werden konnte, ist vor allem der deutschen Journalistin Beate Klarsfeld (* 1937), dem französischen Philosophen Jules Regis Debray (* 1940), dem bolivianischen Journalisten und Politiker Gustavo Sanchez Salazar (* 1928) und dem bolivianischen Präsidenten Hernan Siles Zuazo geschuldet. 1971 erhielt Klarsfeld von Sanchez eine Fotografie eines Deutschen, dessen Identität geklärt werden sollte. Die Journalistin stellte dann fest, dass nicht nur Altmann und Barbie die gleichen Vornamen hatten, sondern auch deren Ehefrauen, Söhne und Töchter, bei denen auch noch Übereinstimmungen beim Geburtstag gab. Sie schlussfolgerte daraus, dass dies kein Zufall ist und dass der in La Paz lebende Klaus Altmann niemand anderes war als Klaus Barbie, der ehemalige Gestapo-Chef von Lyon. Weiteren Recherchen von Beate und Serge Klarsfeld ist es zu verdanken, dass Barbies Verbrechen einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurden. Das Wirken der Klarsfelds beunruhigte Barbie, er setzte sich von La Paz nach Lima ab, wo er eine Immobilie besaß und wo er sich schließlich mit Beate Klarsfeld traf! Letztendlich scheiterten Klarsfelds Bemühungen, Barbie nach Frankreich ausliefern zu lassen. Nachdem sie von Peru nach Bolivien zurückkehrte, weigerte sich der französische Botschafter in La Paz, sie zu empfangen. Schließlich wurde sie aus Bolivien ausgewiesen. Aber aufgrund der persönlichen Begegnung in Lima war Beate Klarsfeld nun felsenfest davon überzeugt, dass sich hinter der Fassade des Geschäftsmanns Klaus Altmann der Schlächter von Lyon verbarg. In den folgenden Jahren gelang es Beate Klarsfeld ehemalige Opfer zu überzeugen, sie nach Bolivien zu begleiten, damit die Identität von Altmann/Barbie eindeutig nachgewiesen werden kann. 1972 beantragten die Republik Frankreich und die Bundesrepublik Deutschland gemeinsam die Auslieferung Barbies nach Frankreich. Dies scheiterte letztlich nur daran, dass der damalige französische Präsident Georges Pompidou nicht bereits war, einen vierstelligen Geldbetrag – etwa 5.000 US-Dollar auf ein Privatkonto des Präsidenten Hugo Banzer zu überweisen.

Beate Klarsfelds Arbeit in Bolivien wurde seit 1972 von dem französischen Linken Jules Regis Debray unterstützt, der sowohl Kontakte zu deutschen Linksradikalen wie Gudrun Ensslin oder Andreas Baader gehabt haben sollte, als auch Che Guevara nahestand, dessen Kampf er 1967 in Bolivien unterstützte. Er wurde an die CIA ausgeliefert, als deren Gefangener er wohl auf den Berater der Militärs Klaus Altmann aufmerksam wurde. Wegen seiner Aktionen wurde Regis Debray zu 30 Jahren Haft verurteilt, aber bereits im Dezember 1970 aufgrund eines Gesuchs von Gusavo Sanchez begnadigt und frei gelassen. Er siedelte nach Chile über, wo seit September 1970 die Unidad Popular unter Präsident Salvador Allende regierte. Gemeinsam mit seiner deutsch-bolivianischen Freundin Monika Ertl (1937–1973) versuchte er 1972 Barbie zu kidnappen, um ihn dann an Frankreich auszuliefern. Der Versuch scheiterte und Monika Ertl wurde ein Jahr später vom bolivianischen Geheimdienst ermordet. Als Drahtzieher der Ermordung Ertls vermutet Regis Debray Barbie, aber es gibt hierzu keine Beweise. Das Tragische an der Geschichte der Monika Ertl ist aber, dass ihr Vater Hans Ertl (1908–2000), ein Bergsteiger, der während der Naziherrschaft als Kameramann für Leni Riefenstahl, später für Erwin Rommel arbeitete und deswegen nach dem Krieg in Deutschland keine Arbeit fand, nach Bolivien auswanderte und dort eine Farm aufbaute, auf der auch ein Sägewerk betrieben wurde. Hier fand Barbie nach seiner Flucht seine erste Anstellung in Bolivien, wobei Hans Ertl behauptete, nur gewusst zu haben, dass Altmann-Barbie ein ehemaliger SS-Angehöriger war.

Monika Ertls Gefährte Jules Regis Debray wurde im Jahr 1981 Berater des französischen Staatspräsidenten François Mitterrand. In dieser Funktion erneuerte er den Kontakt zu seinem langjährigen Bekannten Gustavo Sanchez, der aus dem kubanischen Exil nach Bolivien zurückgekehrt war und den neuen Präsidenten Hernan Siles Zuazo beriet. Der französische Staatspräsident Mitterrand legte den Fall Barbie beim neuen Bundeskanzler Kohl vor, der ihn wissen ließ, dass seitens seiner Regierung keine Behinderungen erfolgen werden. Am 4. Februar 1983 wurde Gustavo Sanchez zum Vize-Innenminister von Bolivien ernannt. Noch am gleichen Tag ließ er den bereits am 19. Januar 1983 verhafteten Klaus Barbie an die französischen Behörden in Französisch-Guyana ausliefern. Seitdem wird spekuliert, welche Gründe Klaus Barbie bewogen hatten, die Zeit nach dem 10. Oktober 1982 nicht zu nutzen, um aus Bolivien zu verschwinden: Ein Grund ist sicher, dass Barbie wusste, dass er nicht mehr unerkannt irgendwo auftauchen konnte. Dies wäre dann ein Erfolg von Beate Klarsfelds Öffentlichkeitsarbeit gewesen. Ein weiterer Grund ist sicher auch, dass Barbie 1981 sowohl seine Frau infolge einer tödlch endenden Krebserkrankung als auch seinen Sohn durch einen tödlichen Sportunfall verloren hatte und deswegen nicht mehr aus Bolivien fortwollte.

Am 11. Mai 1987 begann der Prozess gegen Barbie. Verteidigt wurde er von Jacques Vergès (1925–2013), einen in Thailand geborenen und auf der Insel Reunion aufgewachsener französischen Rechtsanwalt mit kommunistischer Weltanschauung. Dieser Vergés darf nicht mit seinem Zwillingsbruder Paul (* 1925) verwechselt werden, der für das französische Überseedepartement Reunion als Kommunist in das französische und europäische Parlament gewählt wurde. Der Anwalt Jacques Vergès hatte sich in den 1950er Jahren aktiv in den antikolonialen Bewegungen in Südostasien und Algerien beteiligt. Zwischen 1970 und 1978 zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück, er hatte seine Ehefrau und seine Kinder verlassen und hielt sich an nicht bekannten Orten auf, so dass seitdem spekuliert wird, ob er die Roten Khmer von Pol Pot unterstützt hatte. Da Vergès sich auf die Verteidigung von Kriegsverbrechern und ehemalige Diktatoren spezialisierte, wurde er der „Anwalt des Teufels“ genannt. Nach dem Prozess gegen Barbie sollte Verges noch den venezolanischen Terroristen Carlos, den jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic oder den ehemaligen Präsidenten der Roten Khmer Khieu Samphan verteidigen. Finanziert wurde Vergès bzw. die Verteidigung Barbies durch den Schweizer Bankier François Genoud, einen berüchtigten Holocaust-Leugner, der bereits einige Prozesse von Vergès finanzierte. Genoud finanzierte bereits die Verteidigung Eichmanns, nach Barbie finanzierte er u.a die Verteidigung des Terroristen Carlos durch Verges. In den 1950er Jahr erwarb Genoud die Urheberrechte auf die Goebbels-Tagebücher und die Bormann-Diktate, deren Echtheit umstritten ist.

Klaus Barbie erhielt am 4. Juli 1987 eine lebenslange Freiheitsstrafe. Verurteilt wurde er für die Deportation von über 800 Menschen, darunter 44 Kinder aus Izieu, nach Auschwitz. Barbie selbst bekannte nicht seine Schuld. Er sah sich als Soldat, der nur seine Pflicht im Krieg tat. Der Prozess löste heftige Emotionen und öffentliche Diskussionen zu den Themen Kollaboration, Vichy und Resistance in Frankreich aus. Klaus Barbie starb am 25. September 1991 an Krebs im Gefängnis von Lyon. Für seine Verbrechen in Bolivien wurde er nie zur Verantwortung gezogen worden.

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09.08.2016, 20:03
Beitrag: #79
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Phoolan Devi (1963 - 2001)

Ein Stück Gegenwartsgeschichte, das in Europa kaum wahrgenommen wurde. Der Beitrag ist weitgehend ein Zitat.

Vier Söhne und eine Tochter brauche es für eine glückliche Familie, hiess es in Gorha Ka Purwa, dem nordindischen Dorf, in dem Phoolan Devi am 10. August 1963 als zweites Kind eines Bauernpaars, das das grosse Unglück hatte, vier Töchter und einen Sohn zur Welt zu bringen, geboren wurde. Töchter waren nur gegen Geld zu verheiraten. Vier Töchter, das hätte selbst einer reicheren Familie als den Devis das Genick gebrochen. Phoolans Mutter klagte oft über ihr Schicksal: Womit habe ich sie verdient, rief sie, all diese Mädchen ?

Das zweite grosse Unglück der Devis war ein Grundstücksstreit. Den kleinen Acker, der den Lebensunterhalt der Familie sicherte, hatte nach dem Tod der Grosseltern Phoolans Onkel an sich gerissen. Seinem Bruder, Phoolans Vater, verweigerte er das Erbe. Beide Brüder gehörten zur Kaste der Mallahs, einer der niedrigsten in der indischen Sozialhierarchie. Doch während Phoolans Familie nach dem Verlust des Grundstücks in Armut lebte, verbrüderte sich der Onkel mit den reicheren Schichten des Dorfs. Alle Versuche, ihn gerichtlich zur Teilung des Grundstücks zu zwingen, wehrte er mithilfe einflussreicher Freunde ab. Phoolans Vater, ein stiller, gottergebener Mann, fügte sich in sein Schicksal. Seine Tochter, die das jähzornige Temperament der Mutter geerbt hatte, schwor sich als Kind, eines Tages Gott zur Rede zu stellen: "Ich wollte ihn fragen, warum das ganze Dorf uns quälen durfte, warum wir weniger wert waren als die Flöhe eines Hundes."

Sie war elf, als die Familie sie an einen dreimal älteren Mann verheiratete. Weil er bereits verwitwet war, fiel die Aussteuer niedrig aus, die Devis zahlten eine Kuh, eine Ziege und 500 Rupien, damit der Mann ihnen die Tochter abnahm. Er versprach, seine Braut vorerst nur für Hausarbeiten einzusetzen, bis sie ins rechte Alter käme. Das Versprechen hielt wenige Tage, dann begann er, die Elfjährige zu vergewaltigen. Phoolan begriff nicht einmal, was der Mann mit ihr tat, sie begriff nur, dass die Schmerzen so unerträglich waren wie das Gefühl der Erniedrigung. Sie riss aus, wandte sich an Nachbarn, flehte um Hilfe. Die Nachbarn schleiften sie an den Haaren zurück zu ihrem Mann.

Als ihr erneut die Flucht gelang, schlug sie sich alleine ins Dorf ihrer Eltern durch. Der erboste Ehemann verfolgte sie, er drohte Phoolans Eltern, die verzweifelt versuchten, ihre Tochter zur Rückkehr zu bewegen – sie wussten, welche Schande es für sie bedeuten würde, als entlaufene Ehefrau im Dorf zu leben. Phoolan weigerte sich. Sie riss sich den Schmuck von den Armen, den sie seit der Hochzeit trug. Am Ende steckte ihr Mann die Armreifen ein und zog grollend ab.

Im Dorf beschimpfte sie danach jeder, dem sie über den Weg lief. Phoolan, immer noch ein Kind, wurde wie eine Verbrecherin behandelt, weil sie einem Vergewaltiger davongelaufen war. Wieder formulierte sie im Kopf Fragen an Gott: Warum ? Warum bin ich nichts wert ?

Unterdessen war der Streit um das Familiengrundstück neu entbrannt. Phoolan drängte ihren Vater, vor Gericht zu gehen. Als der Onkel davon erfuhr, hetzte er die Polizei gegen seine Nichte auf. Unter fingierten Vorwürfen wurde Phoolan, gerade 14 Jahre alt, in Untersuchungshaft genommen. Sie konnte die Polizisten, die sie in der Zelle vergewaltigten, nicht zählen.

Als sie freikam, hatte sich auch jenseits des Dorfs herumgesprochen, dass in Gorha Ka Purwa ein Mädchen lebte, das jede Ehre verwirkt hatte. Regelmässig tauchten Angehörige höherer Kasten auf, die Phoolan am Flussufer auflauerten oder sie kurzerhand in ihrem Haus vergewaltigten, vor den Augen der Eltern, die nur ohnmächtig zusehen konnten.

Als Phoolan Devi zum ersten Mal zurückschlug, war sie 16 Jahre alt. Der Mann, den es traf, hatte ein graues, von Falten zerfurchtes Gesicht, er sprach Phoolan bei der Feldarbeit an, in der Mittagshitze von Uttar Pradesh, im Norden Indiens. "Weisst du, wo ich Phoolan Devi finden kann ?", fragte er.

"Was willst du von ihr ?", fragte Phoolan, die die Antwort erriet, bevor der alte Mann vielsagend lächelte. Was er von ihr wollte, war das, was alle Männer von ihr wollten, seit sie ihrem Ehemann davongelaufen war und in Unehre lebte, ein gefallenes Mädchen von niederer Herkunft, zu gebrauchen nur noch für schmutzige Arbeiten und schmutzige Gelüste. Für höhere Kasten wie die Thakur, zu denen der alte Mann gehörte, seine weisse Tracht verriet es, war sie sexuelles Freiwild. "Ich habe von Phoolan gehört", sagte er, "und ich muss sie haben."

Phoolan bat den Mann zu warten. Von einem nahen Baum schnitt sie einen dicken Ast ab, er lag gut in der Hand. Als sie zurückkehrte, schlug sie so lange auf den Alten ein, bis er blutend das Weite suchte. "Du wolltest Phoolan", schrie sie ihm hinterher, "hier hast du Phoolan !"

Wie viele Demütigungen es brauchte, bis sie endlich zurückschlug, das konnte nicht einmal Phoolan Devi selbst sagen, als sie 15 Jahre später damit begann, ihre Lebensgeschichte aufzuzeichnen. Die "Banditenkönigin", die "Rachegöttin", wie man sie nannte, hatte das Zählen nie gelernt, so wenig wie das Lesen und das Schreiben. Ihre Erinnerungen vertraute sie einem Kassettenrekorder an, das Ergebnis tippten zwei Journalisten ab, die Autobiografie erschien 1996. Sie berichtet von Demütigungen ohne Zahl. Bis zu jenem Tag, an dem Phoolan zurückschlug.

Danach wartete sie lange auf die Rache des alten Mannes. Sie war sicher, dass seine Verwandten auftauchen und sie umbringen würden, sie hatte schon den Plan gefasst, die Eltern in Sicherheit zu bringen, das Haus in Brand zu setzen und ihre Verfolger mit in den Tod zu reissen. Doch niemand kam. Wochen vergingen, Phoolan lebte weiter. Fragen tauchten in ihrem Kopf auf: Hatte der Mann, den sie geschlagen hatte, womöglich Angst vor ihr ? War Gewalt die Sprache, die ihre Peiniger verstanden ?

Nach und nach begann Phoolan, sich gegen ihre Verfolger im Dorf zur Wehr zu setzen: Sie drohte ihnen mit Mord, behauptete, sie besitze ein Gewehr. "Es gab keine Erniedrigung mehr, die sie mir androhen konnten", formuliert sie in ihrer Autobiografie. "Stattdessen bedrohte ich nun sie." Es funktionierte. Die Demütigungen wurden seltener. In den Augen der Dorfbewohner stand keine Verachtung mehr, sondern Furcht.
Es war der Wendepunkt in Phoolan Devis Leben.

Wenig später, sie war 17, tauchte nachts eine Gruppe bewaffneter Banditen im Dorf auf, sogenannte „Dacoits“, die sich in den Wäldern und Bergen der Region versteckten. Sie entführten Phoolan – wie sie später erfuhr, hatte ihr Onkel die Männer angeheuert, um seine Nichte endgültig loszuwerden. Phoolan wurde in den Urwald verschleppt, der Bandenchef machte keinen Hehl daraus, dass der Tod auf sie wartete. Doch bevor er seine Drohung wahrmachen konnte, wurde er von einem seiner Männer erschossen, einem Dacoit namens Vikram Mallah. Der Mann hatte sich in Phoolan verliebt. Das Unwahrscheinliche geschah: Die beiden wurden ein Paar. Phoolan Devi schloss sich den Banditen an.

Dass eine Frau mit einer bewaffneten Räubertruppe durch die Berge zog, war ungewöhnlich genug. Wenig später aber sollte Phoolans Schicksal eine noch ungewöhnlichere Wendung nehmen. Eines Nachts geriet ihre Bande in einen Hinterhalt. Ihr Geliebter wurde von einem rivalisierenden Bandenchef erschossen. Der Mann liess Phoolan gefangen nehmen und in sein Heimatdorf bringen, wo er sie nackt von Haus zu Haus zerrte. Die Massenvergewaltigung dauerte drei Wochen lang, bis Phoolan die Flucht gelang. Danach scharte sie in den Wäldern ihre verbliebenen Männer um sich – und führte von nun an selbst eine Dacoit-Truppe.

In ganz Uttar Pradesh und halb Indien kannte man bald den Namen Phoolan Devis, der Banditenkönigin, von der gemunkelt wurde, sie halte sich für eine Wiedergeburt der Zerstörungsgöttin Durga. Es hiess, bei ihren spektakulären Raubzügen bereichere sie sich nicht selbst, stattdessen verteile sie ihre Beute unter den Ärmsten der Armen. Es hiess, sie mache Jagd auf Vergewaltiger, jede Frau in der Region stehe unter ihrem Schutz, es hiess, sie räche sich grausam an ihren Peinigern, die sie vor aller Augen entmanne.

Vieles von dem, was in den folgenden Jahren über Phoolan Devi geschrieben wurde, ist heute kaum noch zu verifizieren, so legendenumrankt ist die Zeit ihrer Bandenführerschaft. Gesichert aber ist das Massaker von Behmai. Das Dorf, in dem Phoolan nach dem Tod ihres Geliebten wochenlang vergewaltigt worden war, wurde 1981 Schauplatz eines brutalen Rachefeldzugs, bei dem Phoolans Bande 22 Männer hinrichtete. Weil alle Opfer Angehörige einer höhergestellten Kaste waren, die Täter aber wie Phoolan aus niederen Schichten stammten, befürchteten lokale Politiker Kastenausschreitungen. Ein Kopfgeld von 10'000 Dollar wurde auf Phoolan ausgesetzt, Premierministerin Indira Gandhi forderte persönlich ihre Ergreifung. Zeitweise machten mehr als 1'000 Polizisten Jagd auf Phoolans Bande, ein ganzes Dorf wurde ausgelöscht, als Militärhubschrauber tagelang das mutmassliche Versteck der Banditen bombardierten.

Am Ende stellte sich Phoolan Devi selbst der Polizei. In geheimen Verhandlungen hatte man ihr eine achtjährige Haftstrafe zugesichert. Im Februar 1983 legten sie und ihre Männer ihre Waffen nieder, vor mehreren tausend Zuschauern und – auf Phoolans Wunsch – einem grossformatigen Porträt der Göttin Durga.

Entgegen der Abmachung verbrachte sie nicht acht, sondern elf Jahre hinter Gittern, ohne dass ihr je ein Prozess gemacht wurde. Als sie während ihrer Inhaftierung mit Unterleibsblutungen ins Krankenhaus eingeliefert wurde, operierte man ihr ohne ihr Einverständnis die Gebärmutter heraus. Die Journalistin Mala Sen, die später den behandelnden Arzt konfrontierte, bekam die Antwort: "Wir wollten nicht, dass sie noch mehr Phoolan Devis in die Welt setzt."

Ihre Freilassung verdankte sie 1994 dem neu gewählten Premierminister von Uttar Pradesh, der wie Phoolan aus einer niedrigen Kaste stammte, er versprach sich von ihrer Begnadigung politischen Beifall. Die Rechnung ging auf, denn Phoolan war, nach zahlreichen Büchern und Filmen über ihr Leben, zu einer Art Volksheldin in Indien geworden. Nach ihrer Freilassung ging sie sogar selbst in die Politik: Für die Partei Samajwadi, ein Linksbündnis niederer Kasten, gewann sie zweimal, 1996 und 1999, einen Sitz im indischen Parlament.

Ihre Erfolge als Politikerin sind umstritten. Manche sehen in ihr eine Anwältin der Armen, die sich insbesondere um Frauenrechte verdient gemacht hat. Andere beschreiben sie als Opfer männlicher Machtinteressen, die sie nie ganz durchschaute. Über ihren letzten Ehemann, einen Politiker, heisst es, er habe sie in erster Linie aus beruflichem Ehrgeiz geheiratet, die Beziehung sei keine glückliche gewesen.

Phoolan Devi stirbt am 25. Juli 2001. Die 37-Jährige verblutet auf dem Bürgersteig vor ihrem Wohnhaus in Neu-Delhi, drei Kugeln haben sie in den Bauch getroffen, zwei in den Kopf. Geschossen hat vermutlich ein Mann, der Vergeltung für das Massaker von Behmai suchte, doch ganz aufgeklärt wird der Mord nie.

1994 erschien der Spielfilm "Bandit Queen" von Shekhar Kapur über Devis Leben. Obwohl nicht unbedingt ein Bollywood-Produkt ist der Film umstritten.
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20.08.2016, 15:17
Beitrag: #80
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Henry Schmidt – der Eichmann von Dresden

1912 bis 1945

Henry Schmidt wurde am 2. Oktober 1912 in Chemnitz als Sohn eines Tapezierers und einer Strumpfnäherin. Nach dem Schulbesuch von 1919 bis 1929 begann er eine kaufmännische Lehre in einem Baubetrieb, die er 1932 erfolgreich abschloss. Auf das nach dem Abschluss der Lehre geplante Architekturstudium musste Schmidt aufgrund der wirtschaftlichen Situation seiner Eltern verzichten. Schmidt gehörte zu den ersten 30 Mitgliedern der HJ in Chemnitz, 1930 trat er in den SA-Sturm 104 ein. Chef dieses SA-Sturms war der spätere SS-Standartenführer Friedrich Schlegel, von dem er nach 1933 gefördert wurde. Henry Schmidt wurde bereits 1930 Mitglied der NSDAP und 1933 erfolgte die Aufnahme in die SS sowie die Anwerbung für den Dienst in der Gestapo. Er wurde noch 1933 zum SS-Scharführer befördert und im Wach- und Meldedienst der Gestapo in Dresden eingesetzt. 1936 wurde Schmidt zum SS-Untersturmführer befördert, d.h. Schmidt war nun SS-Offizier und vom Mai bis Juni 1937 besuchte er die Führerschule der Sicherheitspolizei in Berlin-Charlottenburg. Im Oktober 1937 heiratete er die Kanzleiangestellte Gertrud Richter. 1940 wurde er zum SS-Sturmführer ernannt.

1940/41 besuchte Schmidt einen Kriminalassistenten-Anwärterlehrgang und einen Kriminalkommissarslehrgang an der Führerschule der Sicherheitspolizei. Beide Lehrgänge waren mit KZ-Besuchen in Sachsenhausen und Ravensbrück verbunden. Nach seiner Ausbildung wurde Schmidt von der Gestapo in Österreich und in Polen eingesetzt, ehe er auf eigenem Wunsch im Frühjahr 1942 zur Gestapo nach Dresden versetzt wurde. Dort übernahm er die Leitung des Referats IV B, d.h. er war in der Gestapoleitstelle Dresden für die „Endlösung der Judenfrage“ zuständig, deren Umsetzung er in direkter Absprache mit Adolf Eichmann umzusetzen hatte. In dieser Funktion war er nicht nur Schreibtischtäter, er schlug seine Gefangenen und er setzte sie psychischen Torturen aus.

Viktor Klemperer beschrieb in seinen Tagebüchern als einen Menschen, dessen Grausamkeiten man nicht vergessen darf. 1943 wurde Schmidt zum SS-Obersturmführer befördert. Er hat während seiner knapp dreijährigen Dresdner Zeit den Transport von 375 Menschen, darunter auch Kinder, nach Auschwitz organisiert. Von diesen 375 Verschleppten überlebten nur 27, von weiteren 39 ist nicht gesichert, ob sie überlebten oder sterben mussten, alle anderen Menschen sind in Auschwitz umgekommen.

1945

Nach der Befreiung der Auschwitzer Häftlinge am 27. Januar 1945 kamen die Transporte in die Vernichtungslager ins Stocken. Das lag auch daran, dass die ungarischen Pfeilkreuzler in Budapest übereifrig gegen die jüdische Bevölkerung wüteten. Eichmann entschied sich deswegen, statt von Wien aus, die Transporte vor Ort in Budapest zu organisieren. Schmidt hatte währenddessen ca. 100 bis 110 Menschen – die letzten Juden Dresdens - verhaftet, die am 16. Februar 1945 in ein Vernichtungslager deportiert werden sollten. Viktor Klemperer war einer von ihnen. Infolge der Zerstörung Dresdens durch englische und US-amerikanische Bomber in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 kam es nicht mehr zu der Deportation der Verhafteten in ein Vernichtungslager. Die genaue Anzahl ist bis heute nicht nachgewiesen, ebenso wie viele der ca. 100 bis 110 Gefangenen überlebt haben oder Opfer der Bomben wurden. Dass man die Opfer des Bombenkriegs in Dresden nur schätzen kann, liegt vor allem daran, dass aus der „Festung Breslau“ und Umgebung viele Menschen geflüchtet waren, die bis zum 13. Februar 1945 noch nicht in Dresden registriert worden. Andererseits wurden in der Bombennacht auch viele Amtsgebäude zerstört und somit viele Dokumente vernichtet. Nicht vergessen darf man, dass in den chaotischen Tagen nach dem Inferno SS und Gestapo belastendes Material in Größenordnungen vernichteten. Henry Schmidt soll jedenfalls am 14. Februar 1945 Akten, die seine Verantwortung und Schuld belegen könnten, vernichtet haben. Außerdem ließ er Pässe und Dokumente verschwinden, aus deren Inhalt er sich nach dem Krieg eine neue Identität zusammenstellte.

Von Februar bis Mai 1945 trieb Schmidt sein Unwesen als Anführer sogenannter „Werwölfe“ zuerst in der Dresdner Umgebung, dann in Altenberg im Erzgebirge. Hier setzte er sich wenige Tage vor Kriegsende in die Tschechoslowakei ab, wo er in Teplice seine Frau wieder traf. Beiden gelang es den unerfahrenen tschechischen Behörden weiszumachen, dass sie Sudetendeutsche sind, die neue Papiere für ihre Ausreise nach Deutschland brauchten. Diese Papiere wurden am 8. Mai 1945 ausgestellt und die Schmidts kehrten noch am gleichen Tag nach Chemnitz zurück, wo ihm eine alte Bekannte, die als Krankenschwester arbeitete, die SS-Tätowierung wegätzte. Gelebt haben die Schmidts im Haus einer Schwägerin. Nachdem Schmidt mitbekam, dass man sich nach ihm erkundigt hatte, wechselte er seinen Wohnsitz nach Oelsnitz (Erzgebirge), wo er vorerst bei anderen Verwandten seiner Ehefrau unterkam. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich in Baubetrieben, denen er seine tatsächlichen Abschlüsse als Maurer und Baukaufmann vorlegte, denen er aber auch einen Lebenslauf vorlegte, in dem er sich als Zivilangestellter der Organisation Todt auswies, der hauptsächlich in den nach 1945 polnisch gewordenen Gebieten arbeitete. Die angebliche Mitarbeit in der Organisation Todt reichte auch als Erklärung dafür aus, dass Schmidt während des Krieges nicht als Soldat diente.

Schmidts Leben in der DDR

Schmidt bewährte sich als fähiger Organisator, so dass ihn zuerst private, später volkseigene Betriebe mit dem Management der Arbeitsabläufe in Sand- und Kiesgruben beauftragten. Wegen dieser beruflichen Tätigkeit zog er dann nach Altenburg, wo er auch Mitglied einer Arbeiterwohnungsgenossenschaft (AWG) wurde und am 1. April 1963 deren Vorsitzender. Von einem nebenberuflich wirkenden AWG-Vorsitzenden wurde vor allem verlangt, Material zu beschaffen, Handwerker zu beauftragen, Aufbaustunden der Mitglieder zu organisieren usw., d.h. auch er musste ein gutes Gedächtnishaben und gut koordinieren können. Für seine Arbeit wurde Schmidt mehrmals ausgezeichnet, so wurde er auch Aktivist der sozialistischen Arbeit. Außerdem arbeitete er ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr und dem Deutschen Roten Kreuz. 1977 geriet Schmidt das erste Mal mit DDR-Behörden aneinander. Er wollte, dass seine Dienstjahre bei der Organisation Todt als versicherungspflichtige Arbeitszeit anerkannt werden. Der Beschwerde wurde nachgegeben und Schmidt erhielt pro Monat zusätzlich 81,50 Mark Rente
Seine beiden Kinder erzog er linientreu nach den Vorgaben der SED. Beide wussten bis zur Verhaftung ihres Vaters nichts von seiner wahren Vergangenheit bei der Dresdner Gestapo. Die angeblich besseren Entwicklungsmöglichkeiten seiner beiden Kinder in der DDR, gab Schmidt während seiner späteren Befragung an, wäre der Grund gewesen, dass er nicht in die Bundesrepublik übersiedeln wollte.

Verhaftung und Prozess 1986/87 und Tod 1996

Schließlich wurde Henry Schmidt am 9. April 1986 verhaftet. Möglich wurde die Verhaftung durch die Zusammenarbeit zwischen dem Generalstaatsanwalt der DDR, dem Senat von Berlin (West), polnischen Behörden und jüdischen Gemeinden. Bei der Auswertung von Akten des Volksgerichtshofs stieß man auf die Unterschrift eines Kriminalassistenten Schmidt, der 1941 in Oppeln (heute Opole) einen Lehrgang besuchte. Polnische Behörden fanden dann heraus, dass dieser Schmidt mit Vornamen Henry hieß, am 2. Oktober 1912 in Chemnitz geboren wurde und als SS-Obersturmführer am 1. September 1943 das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse verliehen bekam. Vergleiche mit Unterschriften auf Dokumenten des Dresdner Finanzamtes ergaben dann, dass der Kriminalassistent Schmidt identisch mit dem Dresdner Gestapo-Schmidt war. Diese neuen Erkenntnisse führten dazu, dass Schmidt in Altenburg enttarnt und verhaftet wurde.

Die Anklage gegen Schmidt wurde am 27. Juli 1987 verlesen, der Prozess fand zwischen dem 15. und 28. September 1987 statt. Da im Juli 1987 in Lyon der Prozess gegen Klaus Barbie – den „Schlächter von Lyon“ - stattfand, hatte auch dieser 2. Prozess des Jahres 1987 gegenüber einen ehemaligen Leiter einer Gestapo-Dienststelle – den „Eichmann von Dresden“ - eine breite internationale Öffentlichkeit. Die DDR-Juristen legten viel Wert auf einen korrekten Verlauf des Prozesses und verzichteten auf ideologische Phrasen. Dies hatte zur Folge, dass der Prozess nach 1990 weiterhin als rechtsmäßig galt. Henry Schmidt wurde durch das Bezirksgericht Dresden zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und der Aberkennung der bürgerlichen Grundrechte verurteilt. Dies war die von der Staatsanwaltschaft geforderte Höchststrafe, da die Todesstrafe mit Wirkung vom 17. Juli 1987 abgeschafft wurde. Die Berufung gegen das Urteil wurde am 22. Dezember 1987 vom Obersten Gericht der DDR als unbegründet zurückgewiesen. Schmidts Anwälte begründeten ihre Berufung gegen das Urteil, dass er seine persönliche Schuld an den Verbrechen der Nazis eingestand. Das Oberste Gericht wies daraufhin, dass bei der Schwere seiner Schuld es keine Rolle spielt, ob der Angeklagte seine Schuld eingestand oder nicht. Henry Schmidt starb am 15. Mai 1996 in einem Pflegeheim in Schmölln (bei Altenburg), nachdem er am 21. März 1996 wegen der erforderlichen Behandlung einer Krebserkrankung für neun Monate aus der Haft entlassen wurde.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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