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Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
19.07.2012, 23:55
Beitrag: #41
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
José Gaspar Rodríguez de Francia
(Doktor Francia)

José Gaspar Rodríguez de Francia (y Velasco) – oft nur "Doktor Francia" genannt - (* 6. Januar 1766 in Yaguarón oder Asunción; † 20. September 1840 in Asunción) war ein Führer der lateinamerikanischen Unabhängigkeitsbewegung(en) und von 1814 bis 1840 Diktator von Paraguay.

Leben

Der Sohn des aus São Paulo stammenden, kreolischen Kolonialbeamten und Grundbesitzers Garcia Rodriguez Francia studierte von 1781 bis 1785 – unter anderen an der Nationalen Universität von Córdoba im heutigen Argentinien – Theologie, Philosophie und Recht und betätigte sich nach seiner Habilitation in Theologie als Rechtsanwalt in Asunción. 1808 wurde er zum 1. Alcalde (Bürgermeister) von Asuncion gewählt, als deren Vertreter er zum Beginn der Unabhängigkeitsbewegung im Jahre 1810 in die Provisorische Regierung und 1811 in die Oberste Regierungsjunta der Republik Paraguay aufgenommen wurde. Der rasch an Einfluss und Macht gewinnende, ehemalige Bürgermeister von Asunción wurde 1813 zu einen der beiden Konsuln von Paraguay gewählt und 1814 zum „Dictador Supremo de la República“ (Oberster Diktator der Republik) ernannt.

Er errichtete – initiiert von der Politik seines Vorbildes Maximilian de Robespierre - ein revolutionäres Regime in Paraguay, das die Entmachtung und Enteignung der Europaspanier (1820), der katholischen Kirche (1824) und der kreolischen Großgrundbesitzer, einschließlich seiner eigenen Familie (1826) vollzog. Der auf äußerste Sparsamkeit bedachte „El Supremo“ kannte keine materiellen Vergnügungen, pflegte keine kulturellen Interessen und beschäftigte nur drei Sekretäre als staatliche Verwalter. Als unumschränkter Alleinherrscher schätzte er vor allem Eigenschaften wie Patriotismus, Arbeitseifer und Unbestechlichkeit. Er lebte spartanisch und gestattete sich zum persönlichen Verbrauch nur 2 Peso pro Tag aus der Staatskasse.

Vom französischen Aufklärer Jean-Jacques Rousseau beeinflusst, förderte Rodríguez de Francia die Gründung staatlicher Güter. Er setzte die strikte staatliche Lenkung von Manufakturen, Verkehr, Handel und Preispolitik durch und führte sein Land in eine radikale wirtschaftliche Autarkie. So blieben Kontakte zum Ausland auf ein Minimum beschränkt, es wurde nichts importiert und nur Mate wurde exportiert. Ausländer durften Paraguay nicht mehr betreten, taten sie es doch, wurden sie hart bestraft. So blieb der Botaniker Aimé Bonpland, der zwischen 1799 und 1804 gemeinsam mit Alexander von Humboldt Spanien und Südamerika bereiste, zwischen 1821 und 1829 in Paraguay trotz internationaler Proteste inhaftiert.

Rodríguez de Francias Sonderweg, der dem in Lateinamerika praktizierten Marktliberalismus Großbritanniens entgegenstand, erhöhte beträchtlich den Lebensstandard der überwiegend indigenen, bäuerischen Bevölkerung, es gab in Paraguay keine Armut, aber auch keinen Reichtum. Die Isolation Paraguays lag aber auch in den Expansionsabsichten der Nachbarstaaten Brasilien und Argentinien begründet. Ein deshalb erfolgtes Angebot Simon Bolívars, einer südamerikanischen Konföderation beizutreten, lehnte der paraguayische Diktator im August 1825 ab. Stattdessen rüstete er sein Heer auf, wobei es ihm gelang, seine Gegner über die tatsächliche Stärke seiner Armee zu täuschen. Außenpolitischen Spannungen führten 1829 zum offenen Bruch mit Brasilien. Eigene Eroberungen vollzog der Verehrer Napoleons allerdings nicht, erst seine militaristischen Nachfolger versuchten zu expandieren.

Der Diktator, der einer der wenigen Menschen mit nennenswerter Bildung in Paraguay war - er sprach neben seiner Muttersprache Spanisch auch Französisch, Englisch, Latein und Guarani - kümmerte sich persönlich um die Volksbildung und ordnete die Schulpflicht für alle Männer an. Die Sprache der Guarani wurde neben dem Spanischen als gleichberechtigte Amtssprache in Paraguay zugelassen und 1836 wurde die erste öffentliche Bibliothek in Asunción eröffnet.

Um eine harte, nach seinem Ethos lebende paraguayische Nation zu schaffen, ordnete Rodríguez de Francia für die kreolische Oberschicht Mischehen mit Indios (Guaranis) an. Widersetzten sich deren Angehörige dieser Anordnung, wurden hohe Geldstrafen erhoben oder Eigentumskonfiszierungen vollzogen, die zum Ruin beider Familien führten. Weil seine Schwester einen Mann ihrer Wahl heiratete, wurden sowohl ihr Gatte als auch der die Trauung vollziehende Priester auf Befehl Doktor Francias standrechtlich erschossen. Über das weitere Schicksal seiner Schwester gibt es keine Überlieferungen. Der hartherzige Diktator blieb selbst unverheiratet, aber er soll eine beträchtliche Anzahl unehelicher Kinder gezeugt haben. Bekannt wurde seine Tochter Ubalde García de Cañete, die zeitweise ihren Lebensunterhalt mit Prostitution bestreiten musste, da ihr Vater mit seinem Einkommen von 2 Peso pro Tag für sie nicht sorgen konnte und/oder wollte.

Die letzten Regierungsjahre des am 20. September 1840 verstorbenen Diktators waren vom Terror seiner Geheimpolizei und seiner unberechenbaren Willkür gekennzeichnet. Er hinterließ keinen existierenden staatlichen Verwaltungsapparat. Damit stellte sein Regime einen Präzedenzfall für zukünftige persönliche Diktaturen starker Militärherrscher in Paraguay dar.

José Gaspar Rodríguez de Francia verdankt seinen schlechten Ruf vor allem Charles Darwins Berichten, der 1843 Paraguay bereiste. Heute wird der Diktator unterschiedlich bewertet, einerseits wird er als Bewahrer der Unabhängigkeit Paraguays und Beschützer der Guarani verehrt, andererseits wird sein blutiges Terrorregime zu recht als unmenschlich verabscheut. Basierend auf die Diktatur Doktor Francias schrieb der paraguayische Schriftsteller Augusto Roa Bastos den Roman „Yo, el Supremo“ (Ich, der Oberste).

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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20.07.2012, 00:07
Beitrag: #42
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Hallo Luki

hier ist noch eine von mir erstellte Biografie.

* John of Gaunt, 1. Duke of Lancaster

Könntest Du sie mit in den Thread der geordneten Biografien aufnehmen.

Vielen Dank Sansavoir

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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21.07.2012, 13:44
Beitrag: #43
Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
(20.07.2012 00:07)Sansavoir schrieb:  Hallo Luki

hier ist noch eine von mir erstellte Biografie.

* John of Gaunt, 1. Duke of Lancaster

Könntest Du sie mit in den Thread der geordneten Biografien aufnehmen.

Vielen Dank Sansavoir

Servus Sansavoir .

Habe ich leider übersehen , ist nachgetragen .

http://www.forum-geschichte.at/Forum/sho...555#pid555

Ich versuche zwar Alle zu verlinken ,
aber ab und zu übersehe , oder bemerke ich Einen nicht .

Daher bitte ich Euch , macht mich auf die Person aufmerksam .

G.v.luki.

Und übrigens , Morgen ist auch noch ein Tag Cool
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22.07.2012, 16:40
Beitrag: #44
RE: Maximilian I. König von Baiern
(19.07.2012 21:09)Luki schrieb:  Geschrieben und Verfasst von : Harald

Maximilian I. Maria Michael Johann
Baptist Franz de Paula Joseph Kaspar Ignatius Nepomuk 1.
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_b...C3.BCrsten
Herzog von Bayern, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Jülich und Berg
Genannt : „König Max“

Geb. 27,05,1756 in Schwetzingen
1778 Graf von Rappoltstein
1795 Herzog von Pfalz-Zeibrückem (als Nachfokger seines Bruders, das Land war von der franz. Revolutionsarmee besetzt)
1799 Kurfüst von Baiern und der Pfalz als nächster Verwandter
von Karl Theodor .
1803 Erwerb der geistlichen Fürstentümer in Bayern
1805/06 Erwerb weltlicher Gebiete
01.01.1806 König von Baiern (zusammen mit Sachsen und Württemberg)
1813 Seitenwechsel und Kampf gegen Frankreich
1816 Erwerb der linksrheinischen Pfalz
gest. 13.10.1825 in München

Dieser König Max ist euch und mir allgegenwärtig.
Denn wie man aus dem zitierten Beitrag entnehmen kann, war er Pfalzgraf bei Rhein.

Zu seinem dortigen Herrschaftsgebiet zählte auch ein kleiner Holzhof.
Er stand an der Stelle, wo ein Floßbach, auf dem Holz nach Bad Dürkheim, einer nahen Stadt, geflößert (ich hoffe, das konjugiert man so) wurde,
eine Straße von besagtem Bad Dürkheim zum Rhein hin kreuzte.
Erbaut worden war dieser Holzhof zwischen 1736 und 1750. So genau weiß man das nicht.

Dieser Holzhof gehörte zur Gemeinde Lambsheim.
Auf dem umliegenden Gebiet siedelten ab 1816 einige Familie aus diesem Ort.
Schon nach drei Jahren war diese Ansiedlung auf 227 Einwohner angewachsen.

Es gehörte sich, dass daraus bald etwas geregeltes wurde,
denn ein Weiler war das Gebiet lange nicht mehr.
Also erhielt es die Unabhängigkeit.
Am 6. Mai 1819 wurde daraus ein eigener Ort, benannt nach dem Landesherrn,
besagtem König Maximilian Joseph von Bayern, dem König Max,
mit dem schönen Namen "Maxdorf".

Leider verlor der Ort 1865 seine Unabhängigkeit und wurde zu Lambsheim gesteckt.
Viele Male versuchten die Bewohner, sie wiederzugewinnen.
Es gelang erst 1952.
Und sechzig Jahre später machte ein Jugendlicher aus diesem Ort,
der sich mit diesem ein bisschen identifizierte und sich Nutzerbild und -Name entlieh,
das Internet, besonders das Forum-Geschichte.at unsicher.

Die Vergangenheit als Holzhof lebt im Ortswappen fort, wo ihr einen Baumstamm findet.
Genau wie der gute alte König Max, dessen blau-weißes Landesmuster auch ins Wappen fand.

P. S.:
Die Oberpfalz hat ihren Namen aus dieser Zeit, als sie den selben Herren hatte wie die Pfalz.

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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22.07.2012, 22:04
Beitrag: #45
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Wer wohl dieser Jugendliche aus Maxdorf ist? Big GrinBig GrinBig Grin

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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23.07.2012, 09:21
Beitrag: #46
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
(22.07.2012 22:04)Sansavoir schrieb:  Wer wohl dieser Jugendliche aus Maxdorf ist? Big GrinBig GrinBig Grin

Das ist bestimmt der Annatar... Big GrinWinkAngel

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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25.07.2012, 01:48
Beitrag: #47
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Álvaro Obregón Salido
(Álvaro Obregón)

Álvaro Obregón Salido (* 19. Februar 1880 auf der „Hacienda de Siquisiva“ bei Navojoa nahe Alamos, Bundesstaat Sonora, Mexiko; † 17. Juli 1928 in San Angel – heute zu Mexiko-Stadt gehörend) war ein General und Politiker, der von 1920 bis 1924 als Präsident Mexikos amtierte.

1880 bis 1911

Der als jüngstes von achtzehn Kindern einer irisch-mexikanischen Viehzüchterfamilie geborene und als Halbwaise unter schwierigen materiellen Verhältnissen aufgewachsene Obregón bekam nur eine unzureichende Schulausbildung. Er arbeitete in seiner Jugend in verschiedenen Berufen, in denen er sich umfangreiche, vorwiegend technische Fähigkeiten aneignete, die er vor allem in seinen Tätigkeiten als Verwalter einer kleinen Getreidemühle, als Angestellter in einer Zuckerfabrik oder als Handelsvertreter für Schuhe anwandte. Um selbstständiger Landwirt zu werden, ließ er sich schließlich um 1900 in Huatabampo, im fruchtbaren Mayogebiet, nieder, wo er seinen neu aufgebauten Landwirtschaftsbetrieb bis zum Ausbruch der Mexikanischen Revolution auf mehrere hundert Hektar ausdehnen konnte.

Er heiratete 1903 Redugia Urrea und nachdem er bereits 1907 verwitwet war, vermählte er sich 1916 ein zweites Mal mit Maria Tapia.

1910 nahm der zu einen der im Bundesstaat Sonora wirtschaftlich erfolgreichsten Rancheros aufgestiegene Obregón gegenüber der beginnenden Revolution eine abwartende und unentschlossene Haltung ein, er folgte noch nicht der revolutionären Bewegung Francisco Maderos (1873–1913), die zum Sturz des Diktator Porfirio Diaz (1830–1915) führte.

1911 bis 1914

Mit seiner Wahl zum Gemeindepräsidenten (Bürgermeister) der Stadt Huatabampo begann im September 1911 Obregóns politische Karriere. Infolge der radikalen Auswechslung der Führungselite in Sonora stiegen Maderos Anhänger in die höchsten politischen Ämter auf. Aber auch bisher nicht in Erscheinung getretene Nutznießer des gestürzten Regimes konnten den Personalwechsel für ihre Karrieren nutzen. Bedeutend für die mexikanische Geschichte waren die beginnenden politischen Karrieren von Adolfo de la Huerta (1881–1955) als Abgeordneter im Parlament des Bundesstaates Sonora oder die von Plutarco Elías Calles (1877–1945), der als Polizeichef der bedeutenden Grenzstadt Agua Prieta amtierte.

Obregóns steiler Aufstieg war vor allem mit der in seinem Amt als Gemeindepräsident liegenden Verantwortlichkeit für die lokale militärische Selbstverteidigung begründet. Die mit Entschiedenheit betriebene Mobilisierung von der Bundesarmee unabhängiger Truppen entsprach der Politik der maderistischen Staatsregierung in Sonora. Außerdem war es dem sonorensischen Gouverneur José Maria Maytorena (1867–1948) gelungen, die Zustimmung der Zentralregierung zur Bildung und Finanzierung staatlicher Armeeverbände zu erhalten. Dadurch erlangte die Staatsregierung eine größere Unabhängigkeit gegenüber den in Sonora stationierten Bundestruppen, deren Befehlshaber noch dem gestürzten Präsidenten Diaz verpflichtet waren.

Der Gouverneur von Sonora unterstützte 1912 Präsident Madero gegen den Aufstand des dem alten Regime verbundenen Generals Pascual Orozco (1882–1915). Eines der stärksten Kontingente war das von Obregón ausgehobene und von ihm als Oberstleutnant kommandierte neu gebildete „ 4. Irreguläre Bataillon von Sonora“. Seine militärischen Erfolge bei der Abwehr der Orozco-Rebellen verschafften den Gemeindepräsidenten von Huatabampo eine hohe, des Amtes bei Weitem übertreffende Reputation. Nach dem Sturz und der Ermordung Maderos durch die Gegenrevolutionäre um General Victoriano Huerta (1850–1916), General Felix Diaz (1868–1945), dem Neffen des gestürzten Diktators Porfirio Diaz und Henry Lane Wilson (1857–1932), dem US-amerikanischen Botschafter in Mexiko, schloss sich Álvaro Obregón der revolutionären Bewegung unter Venustiano Carranza (1859–1920) an, die im Sommer 1914 die Huerta-Präsidentschaft blutig beendeten.

1914 bis 1919

Um über die Zukunft Mexikos zu entscheiden, war Carranza im Herbst 1914 bereit, sich mit allen Militärgouverneuren und Generälen in Aguascalientes zu treffen. Neben den Anhängern des neuen Präsidenten trafen dort auch Abordnungen von Emiliano Zapata (1879–1919) und Pancho Villa (1878–1923) ein. Die stärkste Gruppe bildeten jedoch die unabhängigen Armeeführer der Nordwestarmee unter Álvaro Obregón, der einerseits bereit war, eine Koalition mit dem bürgerlich-konservativen Präsidenten einzugehen, andererseits nicht abgeneigt war, Bündnisse mit den progressiv-radikalen Zapatisten und Villisten zu führen. Es erfolgte jedoch keine Einigung, stattdessen drohte Pancho Villa Álvaro Obregón zu erschießen und im November 1914 wurde der Bürgerkrieg fortgesetzt, in dem Obregón weiter an der Seite Carranzas kämpfte. Am 19. November 1914 evakuierte er seine Truppen aus Mexiko-Stadt, um die Hauptstadt den überlegenen Armeen Zapatas und Villas zu überlassen und um die Stadt Veracruz zu besetzen, dessen Hafen erst von den US-Amerikanern geräumt wurde.

Der keine militärische Ausbildung erhaltene, inzwischen zum Oberst beförderte, Obregón erwies sich als genialer Autodidakt in der militärischen Führung der Armee des Präsidenten. Aufgrund seines eingehenden Studiums des Geschehens auf den europäischen Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges modernisierte Obregón die Feldartillerie, so setzte er verstärkt das Maschinengewehr zur Bekämpfung des Gegners ein. Zwischen dem 6. April und dem 10. Juli 1915 schlugen seine Truppen in vier großen Schlachten in der Nähe der Städte Celaya, León und Aguascalientes die Rebellenarmee Pancho Villas, der einerseits für die Erfüllung der sozialen Forderungen der Bauern weiter kämpfte, andererseits aber auch eigene Machtambitionen verfolgte. Während der Schlacht von Celayo verlor Obregón seinen rechten Arm, ein deswegen erfolgter Suizidversuch konnte von seinen Mitkämpfern in letzter Minute verhindert werden. Schließlich amtierte Obregón 1917 für einige Monate als Kriegsminister.

1919 bis 1920

Nach der 1919 erfolgten Ermordung des Rebellen Emiliano Zapata versuchte Carranza die aus den konstitutionalistischen Revolutionstruppen gebildete neue Armee an sich zu binden. Die Befehlshaber dieser Armee bestanden jedoch darauf, ihre Autonomie in den von ihnen kontrollierten Gebieten zu behalten und entzogen sich zunehmend der zivilen Kontrolle. Versuche der Carranza-Regierung, die Generäle durch wirtschaftliche Zugeständnisse zu neutralisieren, blieben im Wesentlichen erfolglos.

Als einer der prominentesten Revolutionsgeneräle war Obregón in der Armee fest verankert. Er strebte bereits seit Anfang 1919 die Nachfolge des Präsidenten an, verkündete am 1. Juni 1919 ein sehr vages, gegen Carranza gerichtetes Programm und riskierte damit das Ende der Partnerschaft ziviler und militärischer Revolutionsführer. Als Carranza begann, seinen eigenen Kandidaten, den bisherigen Botschaften in Washington, Ignacio Bonillas (1858–1944), als Nachfolger aufzubauen, begann Obregón Geheimverhandlungen mit einigen Gouverneuren und Armeekommandanten, aber auch mit dem Casa del Obrero Mundial (CROM / Gewerkschaft), der Partido Laborista Mexicano (PLM / Mexikanische Arbeiterpartei) und der damals wichtigsten Partei im Parlament, der Partido Liberal Constitucionalista (PLC) zu führen, die ihm alle ihre Hilfe zusagten.

Nachdem Präsident Carranza am 11. April 1920 den Gouverneur von Sonora – Adolfo de la Huerta – absetzen ließ, flüchtete der seine eigene Verhaftung befürchtende Obregón aus Mexiko-Stadt, um sich am 23. April gemeinsam mit de la Huerta und den Generälen Plutarco Elías Calles, Salvador Alvarado (1879–1924) und Benjamin Hill (1874–1920) gegen die Regierung zu erheben. Dieser von ihm organisierte und mit dem so genannten „Plan von Agua Prieta“ programmatisch begründete Militärputsch führte am 8. Mai 1920 zum Sturz des Präsidenten, wobei die Putschisten auch von den verbliebenen Anhängern des im Juli 1919 ermordeten Revolutionärs Emiliano Zapata unterstützt wurden. Der nach Veracruz flüchtende Carranza wurde am 21. Mai 1920 gefangen gesetzt und erschossen. Mit dem Sturz des Präsidenten Venustiano Carranza war die erste Phase der mexikanischen Revolution abgeschlossen, fast alle Führer der ersten Stunde hatten bereits die politische Bühne verlassen.

Obwohl der Konflikt zwischen Carranza und Obregón vordergründig als ein Ringen zwischen zivilen und militärischen Führern erschien, scheiterte Carranza vor allem an seiner Konzeptlosigkeit zur Stabilisierung der Revolution. Sein Konkurrent dagegen hatte erkannt, dass neben der politischen Domestizierung der ehemaligen Revolutionstruppen das Regime eine Massenbasis brauchte, was die Entwicklung neuer Wege zur Massenmobilisierung – bei gleichzeitiger Massenkontrolle – voraussetzte. Des Weiteren plädierte Álvaro Obregón für eine flexiblere Haltung in der Außenpolitik, er war ebenso zu bestimmten Konzessionen gegenüber dem Auslandskapital bereit. Als Exponent der Grundbesitzer Sonoras verzichtete er jedoch auf eine deutliche öffentliche Aussage zur Agrarpolitik, er lehnte einerseits die Aufteilung des Großgrundbesitzes ab, andererseits signalisierte er seine Bereitschaft, kleinere Landwirtschaftsbetriebe staatlich zu fördern.

Für das Interim vom 1. Juni bis 30. November 1920 fungierte Adolfo de la Huerta als Präsident Mexikos, nach dem Vollzug der Wahlen im September übernahm Álvaro Obregón am 1. Dezember 1920 offiziell die Präsidentschaft, der zurück getretene Interimspräsident diente ihm dann bis 1923 als Finanzminister. Da 60 % der Machtelite aus dem Norden, allein 35 %, einschließlich vier der sechs Präsidenten aus dem Staat Sonora kamen, wird die von 1920 bis 1935 herrschende Regierungsform als sonorensisches Regime bezeichnet.

1920 bis 1924

Die Folgen eines zehnjährigen Bürgerkrieges, die Wanderungsbewegungen der Bevölkerung und ihre gleichzeitige Politisierung erforderten eine neue Politik. Wichtige Ziele des sonorensischen Regimes waren die Schaffung einer nationalen Identität und die Stärkung der Zentralmacht gegenüber den zahlreichen regionalen „Caudillos“ und den lokalen „Kaziken“.

Während der Präsidentschaft von Álvaro Obregón stabilisierte sich die politische Lage, militärische Putschversuche in den Jahren 1921 und 1922 blieben als isolierte Verschwörungen einzelner Generäle ohne Erfolg. Obregón leitete erste gesellschaftliche Reformen ein, die vor allem das Bildungswesen und im geringem Maße die Agrarreform betrafen. Der Erziehungsminister José Vasconcelos (1882–1959) nutzte das ihm gewährte höhere Budget zur stärkeren Förderung des ländlichen Elementarunterrichts. Ihm gelang es, Freiwillige zu mobilisieren, die mit viel Engagement in den entlegenen Gebieten Mexikos unterrichteten und die Alphabetisierung breiter Bevölkerungsschichten durchführten. Ebenso leitete Vasconcelos Reformen zur Integration der Indios in die mexikanische Gesellschaft ein.

Dagegen fanden Obregóns Landreformen nur in den zentralmexikanischen Staaten des ehemaligen zapatistischen Bauernaufstandes statt, deren Befriedung der Präsident damit erreichte. In den anderen Staaten hielt sich die Regierung mit der Umverteilung des Landes zurück.

Der Präsident und sein Innenminister Calles begannen durch taktisch geschickte Manöver, wie z. B. der Bildung von Koalitionen kleinerer Parteien und die Förderung schwächerer Parteien, die im Parlament dominierende Liberal-konstitutionalistische Partei (PLC) zu isolieren und zu verdrängen. Des Weiteren förderte Obregón regimeloyale Bauernorganisationen, die revisionistische Arbeiterpartei (PLM) und die Gewerkschaft (CROM), die sich im Gegenzug nicht scheute, Gegner des Präsidenten gewaltsam einzuschüchtern.

Ebenso bemühte sich die Regierung, die Beziehungen zur USA zu verbessern. Die USA nahm den gewaltsamen Regierungswechsel von 1920 zum Anlass, die diplomatische Anerkennung Mexikos in Abhängigkeit zur Erfüllung ihrer Forderungen zu stellen. Obregón und sein Finanzminister de la Huerta signalisierten bereits 1920 ihre Bereitschaft zur Anerkennung der mexikanischen Schulden in Höhe von 1 Mrd. Pesos und zur Entschädigung der während der Revolution erfolgten Eigentumsverluste. Allerdings konnten sie sich aus innenpolitischen Gründen nicht auf eine formelle Anerkennung der amerikanischen Forderungen durch einen internationalen Vertrag einlassen. Deshalb verweigerte die USA diplomatische Beziehungen, erst nach der 1922 erfolgten Anerkennung der mexikanischen Schulden durch den Finanzminister (De la Huerta-Lamont-Abkommen) begannen sich die Beziehungen zu normalisieren. Die diplomatische Anerkennung Mexikos durch die USA erfolgte mit dem Bucareli-Abkommen im Mai 1923. Ein besonders wichtiger Punkt dieses Abkommens war der Verzicht auf den Artikel 27 der Verfassung von 1917, der die Enteignung ausländischer Konzerne regelte. Daraufhin folgten fast alle europäischen Staaten – mit Ausnahme Großbritanniens – in der diplomatischen Anerkennung Mexikos. Zu Sowjetrussland bzw. zur UdSSR bestanden schon seit 1920 normale diplomatische Beziehungen.

Nach dem Ende der Bucareli-Konferenz im August 1923 begann Präsident Obregón die Nachfolge seines Innenministers Plutarco Elías Calles in das Präsidentenamt zu regeln. Daraufhin spalteten sich seine politischen Anhänger, die zum Teil den im Juli 1923 infolge der Bucareli-Verträge zurückgetretenen Finanzminister Adolfo de la Huerta favorisierten und vor allem Calles die Verantwortung für die ebenfalls im Juli 1923 erfolgten Ermordung Pancho Villas anlasteten. De la Huerta ließ sich von der Partido Nacional Cooperista (PNC) als Präsidentschaftskandidat aufstellen. Ebenso kündigten Teile der Generalität und der Erziehungsminister José Vasconcelos ihren Widerstand gegen Obregóns Pläne, Calles ins Präsidentenamt zu hieven.

Ende November erhoben sich erste Armeeverbände. Um dem Aufstand einen politischen Anstrich zu geben, verkündete de la Huerta am 7. Dezember 1923 den Plan von Veracruz, in dem er versprach, das Frauenwahlrecht in Mexiko einzuführen und die Agrar- und Bildungsreform voranzutreiben. Seine Anhängerschaft war sehr heterogen, ihm folgte einerseits der General Salvador Alvarado, der in Yucatan Reformen zugunsten der indigenen Bevölkerung umgesetzt hatte, andererseits nahmen an der de la Huerta-Rebellion Militärs teil, die als Exponenten einer reaktionären Agrarpolitik galten und die Führung de la Huertas nicht anerkannten. Nachdem die Rebellen im Februar und März 1924 wichtige Schlachten verloren hatten, brach ihr Aufstand, der insgesamt 7.000 Tote forderte, im Mai 1924 zusammen. Ausschlaggebend für den Sieg Obregóns im Machtkampf gegen de la Huerta waren die Waffenlieferungen (darunter Flugzeuge) der USA, die ihm nach der Ratifizierung der Bucareli-Verträge im Dezember 1923 und Januar 1924 enorm unterstützten.

Während die de la Huerta-Rebellion zusammenbrach, gewann Obregóns Kandidat Plutarco Elías Calles die inszenierte Präsidentschaftswahl mit 1,34 Mio. Stimmen gegenüber seinen Gegenkandidaten General Angel Flores (1883–1924), der nur 250.000 Stimmen bekam.

1924 bis 1928

Plutarco Elías Calles übernahm am 1. Dezember 1924 als Nachfolger Obregóns das Präsidentenamt. Als Vertreter des linken Flügels des sonorensischen Regimes setzte er die Agrarreform fort, stimmte aber infolge der zunehmenden Staatsverschuldung verstärkt den Privatisierungen, z.B. der Eisenbahn zu. Er fügte sich dem Druck der USA und annullierte zwei Paragraphen des Erdölgesetztes, die die Verstaatlichung der Erdölkonzerne regelten.

Die bereits während der Präsidentschaft Álvaro Obregóns vollzogene rigorose Trennung von Staat und Kirche belastete die ganzen 1920-er Jahre die Politik. Es kam zum Konflikt mit dem Vatikan und zu Spannungen mit der einheimischen Kirche, die sich zu pro-katholischen Aufständen ausweiteten. Höhepunkt war der 1926 ausgebrochene Aufstand der „Cristeros“, der vom Calles-Regime rücksichtslos und gewaltsam bekämpft wurde.

Bereits 1925 scheiterte ein erster Versuch des Präsidenten eine Wiederwahl Obregóns zum Präsidenten zu ermöglichen. Einflussreiche Gruppen der Regierung, des Militärs und des Parlaments leisteten Widerstand gegenüber der geplanten Änderung der Verfassung. Obregón gelang es, sich nach der Niederwerfung des pro-katholischen Aufstandes der „Cristreos“ als Vermittler zwischen Staat und Kirche zu empfehlen. Daraufhin wuchs seine Stellung im Staat so, dass man in Mexiko von einer „Diarchie“ sprechen musste. Ende 1926 setzte er ohne Widerstand die Verfassungsänderung durch.

Obregón ließ daraufhin mögliche politische Konkurrenten beseitigen. Ein Putschversuch der Generäle Arnulfo Gomez und Francisco Serrano, beide Teilnehmer der de la Huerta-Rebellion scheiterte in der Nacht vom 3. zum 4. Oktober 1927. Serrano wurde sofort standrechtlich erschossen, Gomez einen Monat später ermordet. Infolge des gescheiterten Putsches wurden bis zum 7. Oktober 1927 auf Befehl des Präsidenten 25 Generäle und 150 Personen hingerichtet. Des Weiteren wurden 23 Abgeordnete, die gegen die Verfassungsänderung gestimmt haben, im Oktober 1927 aus dem Parlament ausgeschlossen.

Obregón entkam im November 1927 nur knapp zwei Attentatsversuchen. Er gewann am 1. Juli 1928 unangefochten eine zweite Amtszeit als Präsident. Nach seinem Sieg kehrte er nach Mexiko-Stadt zurück, um dort seinen Sieg zu feiern. Während eines Banketts in dem Restaurant „La Bombilla“ im Dorf San Angel (heute Mexiko-Stadt) wurde Àlvaro Obregón am 17. Juli 1928 von dem als Karikaturist getarnten römisch-katholischen Priesteramtskandidaten José de León Toral (1900–1929) erschossen. Der junge, fanatische Katholik sah in Álvaro Obregón einen Exponenten der antikirchlichen Politik der Regierung. Er wollte außerdem mit seiner Tat die beiden katholischen Brüder Pro rächen, die 1927 aufgrund ihrer Teilnahme an einem missglückten Attentat auf Obregón angeklagt und nach einem fragwürdigen Verfahren hingerichtet wurden.

Bis heute ist nicht geklärt, ob die Ermordung Obregóns die Tat eines Einzelnen oder ein Komplott einer Gruppe war. Unter den Verdächtigen befand sich auch Präsident Calles, dessen Position im Sommer 1928 besonders schwach und isoliert war. Er verzichtete zwar auf eine Wiederwahl zum Präsidenten, setzte jedoch mit dem ehemaligen Gouverneur von Tamaulipas, Emilio Portes Gil (1890–1978), einen damals noch fügsamen Kandidaten für seine Nachfolge durch. 1929 gründete Calles die Partido Nacional Revolucinario (PNR), die bis zum Jahr 2000 unter verschiedenen Namen – seit 1946 Partido Revolucionario Institucional (PRI) - immer den Präsidenten Mexikos und bis 1989 alle Gouverneure der Bundesstaaten stellte. Als Parteichef (Jefe Maximo) war er bis 1935 der starke Mann Mexikos, den erst Präsident Lázaro Cárdenas (1895–1970) entmachtete und ins Exil zwang. Die Regierung Cárdenas leitete weitere, soziale Umwälzungen ein, sie schloss die Mexikanische Revolution ab.

Ehren

Zu Álvaro Obregóns Ehren erhielt der 16. Stadtbezirk in Mexiko-Stadt den Namen „Álvaro Obregón“. Am Ort des Attentats befindet sich ein Denkmal. Ebenso sind die Benennungen der Stadt Ciudad Obregón im Bundesstaat Sonora, des Dorfes Colonia Álvaro Obregón im Bundesstaat Chihuahua, der Gemeinde Cañadas de Obregón in Jalisco und die Álvaro-Obregón-Talsperre ihm zum Gedenken gewidmet. Begraben ist er in Huatabampo im Bundesstaat Sonora.

Literatur

* Hans Werner Tobler; Die mexikanische Revolution – Gesellschaftlicher Wandel und politischer Umbruch, 1876 – 1940; Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, 1. Auflage 1984; ISBN 3-518-04588-1

* Dieter Nohlen; Mexiko in „Unser Jahrhundert in Wort, Bild und Ton – Die 20er Jahre“; Bertelsmann Lexikothek Verlag; 1997; ISBN 3-570-07947-3

* Biografien zur Weltgeschichte; VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1989

* Álvaro Obregón Salido (Wikipedia)

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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26.07.2012, 00:38
Beitrag: #48
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Ismail Enver Pascha
(Ismail Enver, Enver Pascha)

Enver Pascha, eigentlich Ismail Enver (* 22. November 1881 in Istanbul; † 4. August 1922 bei Baldschuan, nahe Duschanbe in Tadschikistan) war ein General, Politiker und Kriegsminister des Osmanischen Reiches. Er war ein führender Vertreter der Jungtürken und einer der Hauptverantwortlichen des Völkermordes an den Armeniern in den Jahren 1915/16.

1881 bis 1912

Der Sohn eines türkischen Eisenbahnarbeiters wuchs in nicht wohlhabenden, aber auf Bildung orientierten Verhältnissen auf. Während seiner Schul- und Studienzeit kam der strebsame Ismail mit bürgerlich-revolutionären Ideen in Berührung, bereits 1897 nahm er als Mitglied der jungtürkischen Bewegung an Studentenrevolten gegen das Regime Abdülhamids II. (* 1842, Sultan 1876–1909, † 1918) teil. Die Jungtürken bildeten 1889 eine Geheimorganisation, aus der 1894 das offiziell zugelassene „Komitee für Einheit und Fortschritt“ hervorging, welches die Modernisierung des Osmanischen Reiches durch eine gut ausgebildete, positivistische Elite verwirklichen wollte. Unter den Jungtürken vereinten sich vor allem Intellektuelle, Beamte und Offiziere, die aber unterschiedliche politische Strömungen, wie den Panturanismus (Vereinigung aller Turkvölker), den Panislamismus (Vereinigung aller islamischen Länder) oder die Ideen der (um 1900 resignierten) Jungosmanen vertraten, die seit den 1860-er Jahren die Umwandlung des Osmanischen Reiches in einen Staatenbund unter der konstitutionellen Herrschaft des osmanischen Sultan-Kalifen propagierten.

Die Jungtürken gewannen um 1900 zunehmend Einfluss auf die jüngere Generation türkischer Offiziere, so auch auf Ismail Enver, der nach dem Besuch der Militärakademie seit 1903 als Kavalleriehauptmann im 3. Armeekorps in Mazedonien diente. Envers politischer Aufstieg begann mit der vom 3. bis 24. Juli 1908 erfolgten jungtürkischen Revolution, die die Wiedereinsetzung der liberalen Verfassung von 1876 erreichte und den Sultan zwang, seine reaktionären Minister zu entlassen. Die am 5. Oktober 1908 vollzogene bulgarische Unabhängigkeitserklärung, die am 7. Oktober 1908 erfolgte Annektierung Bosnien-Herzegowinas durch Österreich-Ungarn und die am 12. Oktober 1908 stattgefundene Vereinigung Kretas mit Griechenland erschwerte die politische Lage der Jungtürken enorm. Sie verloren eine beträchtliche Anzahl Steuerzahler, die innenpolitische Lage zerrüttete zunehmend, einerseits durch Machtkämpfe innerhalb der Jungtürken, andererseits durch Aufstände regionaler Nationalisten, so z.B. in Mazedonien. Enver, aber auch Mustafa Kemal, der spätere Atatürk (1881–1938), kämpften Ende 1908 als Freiwillige in den Bergen Mazedoniens gegen griechische Nationalisten.

Aufgrund dieser politischen Konstellation erstarkte der Einfluss des entmachteten Sultans wieder. Aufständische Koranschüler, Handwerker und Arbeiter forderten bald darauf in Istanbul die Wiedereinsetzung Abdülhamids II. als unumschränkten Herrscher. Schließlich scheiterte am 15. April 1909 ein dreitägiger Aufstand, der das Ziel verfolgte, die Regierung der Jungtürken zu stürzen. Die gegenrevolutionären Kräfte wurden blutig niedergeschlagen, der amtierende Sultan wurde durch dessen Halbbruder Mehmed V. (* 1844) ersetzt, der sich bis zu seinem Tod am 3. Juli 1918 als willenloses Werkzeug der Jungtürken erwies.

Ismail Enver diente dem neuen Regime von 1909 bis 1911 als Militärattaché an der Türkischen Botschaft in Berlin. In dieser Funktion gelang es dem rührigen Jungtürken Kontakte zur preußisch bzw. deutschen Generalität aufzubauen. Dabei gelang es ihm, das deutsch-türkische Militärbündnis zu festigen. Ebenso ist es seinem Engagement zu verdanken, dass deutsche Generäle und Offiziere verstärkt Führungspositionen in der Osmanischen Armee besetzten und diese dann modernisierten. Des Weiteren prägte sich in diesen Jahren Envers antibritische und antifranzösische Haltung heraus. Mit Hilfe des Deutschen Reiches beabsichtigte er den Einfluss bzw. die De-facto-Herrschaft der Briten und Franzosen in noch nominellen Teilen des Osmanischen Reiches zurück zu drängen. Deswegen befürwortete er auch den Bau der Bagdad-Bahn. Da Enver Pascha in Klein Glienicke wohnte, wurde ihm zu Ehren die 1901 erbaute und im 2. Weltkrieg zerstörte Brücke über den Teltowkanal, die Klein Glienicke mit dem Potsdamer Stadtteil Neubabelsberg verband, erst vom Volksmund, dann offiziell Enver-Pascha-Brücke genannt.

Im September 1911 übernahm Enver anlässlich des italienischen-türkischen Krieges das Oberkommando über die osmanischen Truppen und die arabischen Senussi-Kämpfer in Tripolitanien, dagegen kommandierte sein politischer Rivale Mustafa Kemal die Einheiten in der Cyrenaika. Enver und Kemal konnten die Eroberung des heutigen Libyen nicht verhindern, im Frühjahr 1912 gaben sich ihre Truppen der italienischen Armee geschlagen. Auf die daraufhin ausbrechenden Proteste in Istanbul reagierten die Jungtürken mit der Verfolgung der Opposition und mit brutalen Gewaltakten gegenüber der nichttürkischen Bevölkerung. Diese restriktive Politik führte dazu, dass im Juli 1912 die jungtürkische Regierung gestürzt wurde und durch die pro-britische Liberalen der Partei „Freiheit und Einheit“ ersetzt wurde, die ihr politisches Kapital bereits in dem im Oktober 1912 beginnenden 1. Balkankrieg verspielten.

1913 bis 1914

Aufgrund des katastrophalen Verlaufs des 1. Balkankrieges und der immensen Gebietsverluste des Osmanischen Reiches putschten die Jungtürken am 23. Januar 1913 gegen die Regierung, wobei im Beisein Envers der Kriegsminister Nazim Pascha erschossen wurde. Zum Großwesir wurde Mahmud Sevket (* 1856) ernannt, der bereits im Juni 1913 einen Attentat der Liberalen zum Opfer fiel. Als tatsächliche Machthaber profilierten sich jedoch Mehmed Talât (1872–1921), der offiziell als Innenminister amtierte, Ahmed Cemal (1872–1922), der sich als brutaler Istanbuler Militär- und Polizeichef erwies und Ismail Enver, dem das Amt des Generalstabschefs der Osmanischen Armee zufiel. Die neue Regierung musste allerdings im Frühjahr dem Londoner Frieden einschließlich des Verlusts immenser europäischer Gebiete zustimmen. Da sich die Siegermächte wenig später um die Aufteilung der Beute stritten, Bulgarien sich beim Ausbruch des 2. Balkankriegs einer gegnerischen Allianz aus Serbien, Rumänien und Griechenland stellen musste, entschloss sich Enver zum Angriff auf Bulgarien, um einen Teil der verloren gegangenen Gebiete zurück zu erobern. Es gelang ihm, Bulgarien Teile Thrakiens und vor allem die erst im März 1913 eroberte Stadt Edirne zu entreißen. Diese Eroberungen brachten Enver in der türkischen Öffentlichkeit den Ruf eines Kriegshelden ein, dagegen wurden die von ihm veranlassten grausamen Vertreibungen der bulgarischen Bevölkerung nicht thematisiert. Schließlich sicherte ihm seine Popularität als Kriegsheld Anfang 1914 das Amt des Kriegsministers, die Ernennung zum Vizegeneralissimus und das Führen des Titels „Pascha“, der jedem Offizier vom Generalsrang aufwärts zustand. Ismail Envers gesellschaftlicher Aufstieg verdeutlicht auch die Eheschließung mit einer Nichte des Sultans, Prinzessin Emine Naciye (* 1899). Aus dieser Ehe gingen die 1917 geborenen Töchter Türkân Mayatepek und Mahpeyker Ürgüp sowie der 1920 geborene Sohn Ali Enver Akoğlu hervor.

Der Großwesir Said Halim Pascha, ein ägyptischer Prinz - der eigentliche Leiter der türkischen Politik Talât Pascha, ein ehemaliger Post- und Telegraphenbeamter und der im In- und Ausland populäre Kriegsminister Enver Pascha festigten zum Beginn des Ersten Weltkrieges das Bündnis des Osmanischen mit dem Deutschen Reich. Der am 2. August 1914 von Said Halim (1864–1921) und Enver unterzeichnete und vorerst geheim gehaltene Vertrag garantierte gegenseitige Waffenhilfe im Falle eines russischen Angriffs, der de facto zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung schon stattgefunden hat. Trotzdem versuchte die türkische Regierung separat mit Nikolaus II. (1868–1918) zu verhandeln, nach ein paar Tagen scheiterten jedoch die Verhandlungen an den nicht akzeptablen russischen Forderungen.

Des Weiteren vollzog Enver einen Personalaustausch im Offizierkorps der Osmanischen Armee, er pensionierte regierungskritische Generäle und Offiziere und ersetzte diese vorwiegend durch deutsche Generäle und Offiziere. Wichtige Kommandos wurden deutschen Generälen übertragen, die bekanntesten davon waren Colmar von der Goltz (1843–1916), Otto Liman von Sanders (1855–1929) und Erich von Falkenhayn (1861–1922). Allerdings gestaltete sich Envers Beziehungen zur deutschen Generalität schwierig, so kommunizierten Liman von Sanders und Enver nach Kompetenzstreitereien wochenlang nicht miteinander, obwohl die Ereignisse an den Fronten dies erforderten. Schließlich wurde Enver nach dem verloren gegangenen Ersten Weltkrieg des Verrats am Osmanischen Reich bezichtigt, da er um die 800 deutsche Offiziere und einige tausend deutsche Soldaten im Heer beschäftigte. Die Vorwürfe sind jedoch nicht gerechtfertigt, Enver hatte nie das Oberkommando über die türkischen Streitkräfte an einen Deutschen abgegeben.

Seine Einstellung zum deutschen Verbündeten werden mit nachfolgenden Äußerungen gegenüber dem US-amerikanischen Botschafter Henry Morgenthau (1856–1946) belegt: “Die Türken und Deutschen nehmen keine Rücksicht aufeinander. Wir gehen mit ihnen, weil es in unserem Interesse liegt, sie gehen mit uns aus ihrem Interesse. Deutschland wird die Türkei unterstützen, solange dies Deutschland hilft, die Türkei wird Deutschland unterstützen, solange es der Türkei hilft.“ Seine Bündnistreue zum Deutschen Reich begründete sich einerseits auf seine Überzeugung, dass die Aufteilung des Osmanischen Reiches auch bei strikter Neutralität nicht verhindert werden kann; andererseits auf seinen unerschütterten Glauben an die Überlegenheit des deutschen Militärs und der deutschen Technik.

1914 bis 1917

Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit Russland überlisteten die pantürkischen Großmachtpolitiker Enver und Cemal die zaudernde Regierung zum Kriegseintritt. Sie veranlassten den deutschen Admiral Souchon (1864–1946), am 29. Oktober 1914 die russische Schwarzmeerküste zu überfallen und die Städte Sewastopol und Odessa zu bombardieren. Eine unter dem persönlichen Kommando Envers am 30. Oktober 1914 beginnende türkische Großoffensive gegen die russische Kaukasusarmee endete im Debakel, die für einen Winterfeldzug unzureichend ausgerüsteten osmanischen Truppen scheiterten im Dezember 1914 unter großen Menschenverlusten in der Schlacht bei Sarikamis. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Osmanische Reich schon in einem Zweifrontenkrieg, Großbritannien hatte bereits Zypern annektiert und Ägypten und Kuwait zu britischen Protektoraten erklärt.

Im Januar 1915 organisierte Enver Pascha den Rückzug der verbleibenden 12.000 (von ursprünglich 90.000) Soldaten der Kaukasusfront. Seit Februar 1915 wehrte das Osmanische Reich die Belagerung der Halbinsel Gallipoli durch britische Truppen ab. Aufgrund der von den Briten - für den 25. April 1915 - geplanten Invasion der Dardanellen und dem gleichzeitigen Vorrücken siegreicher russischen Truppen im Osten des Reiches ordnete die Istanbuler Regierung am 24. April 1915 die Massendeportation der in Anatolien lebenden Armenier an, die alle der Kollaboration mit dem russischen Kriegsgegner verdächtigt wurden. Den menschenverachtenden Gräuel dieser Zwangsumsiedlung fielen 1915/16 über 1 Million Armenier zu Opfer, der vom jungtürkischen Triumvirat Talât, Cemal und Enver zu verantwortender Völkermord vergiftet bis heute die armenisch-türkischen Beziehungen. Weitere von der Regierung initiierte nationalistische Gewaltakte gegen Griechen, Kurden, Aramäer, Juden und Araber zerrütteten den inneren Zusammenhalt des Vielvölkerstaates.

Die Briten mussten nach verlustreichen Kämpfen im Januar 1916 Gallipoli räumen, die Dardanellen blieben in türkischer Hand. Auch der russische Vormarsch konnte im August 1916 gestoppt werden, infolge der Februarrevolution 1917 schied der russische Kriegsgegner aus. Aber mit dem im Juni 1916 beginnenden Aufstand der Araber unter Führung von Hussain ibn Ali, Scherif von Mekka (1853–1931), und Thomas E. Lawrence (1888–1935) - bekannt als Lawrence von Arabien - entstand den Jungtürken auf der arabischen Halbinsel ein neuer Kriegsschauplatz, auf dem Cemal Pascha sofort mit unerbittlicher Härte durchgriff.

Der Anfang 1917 zum Großwesir ernannte Talât Pascha und sein Stellvertreter Enver Pascha entschieden sich in dieser Situation, ihre pantürkischen Großmachtträume zu verwirklichen. Sie stifteten die von Russland unterworfenen zentralasiatischen Turkvölker zu Aufständen an, weshalb es zu starken Differenzen mit dem deutschen Verbündeten kam, die eigene Interessen im Kaukasus und am Kaspischen Meer verfolgten. Um seinen türkischen Verbündeten wieder auf Vordermann zu bringen, reiste auch der deutsche Kaiser Wilhelm II. (1859–1941) persönlich nach Istanbul.

Den Arabern gegenüber verfolgten die Jungtürken eine zunehmend terroristische Politik. Enver Pascha entfernte alle arabische Abgeordnete aus dem Parlament, er entließ arabische Beamte aus ihren Funktionen und verbot arabische Zeitungen und Kundgebungen. Seine rigorose antiarabische Politik und Cemals rücksichtslose Kriegsführung erleichterten den Briten die Mobilisierung der arabischen Bevölkerung, die letztlich zum Ende der osmanischen Herrschaft auf der arabischen Halbinsel führte. Um den Briten Bagdad zu entreißen, rückte Enver 1917 mit seiner so genannten Blitzarmee, deren Kern das deutsche Asienkorps bildete, in Mesopotamien ein. Auch diese Aktion scheiterte kläglich, 30000 Soldaten desertierten und die osmanische Armee musste sich schließlich den britischen und indischen Truppen geschlagen geben

1918 bis 1922

Der am 3. März 1918 abgeschlossene Friedensvertrag von Brest-Litowsk mit Sowjet-Russland sicherte den Jungtürken die Rückgewinnung einiger 1878 abgetretener Gebiete, wie Batumi. Im Juni 1918 ließ Enver Pascha eine „Islamische Armee“ aufstellen, mit dem Ziel, Aserbaidschan einschließlich der Ölmetropole Baku zu erobern. Diese Politik führte zu erneuten Spannungen mit dem verbündeten Deutschen Reich, vor allem nach dem dort die Massaker an den in Baku lebenden Armenier bekannt wurden. Aber kurz nach der Eroberung Bakus brach die osmanische Front in Palästina zusammen und Ende September 1918 kapitulierte das verbündete Bulgarien. Damit war das Osmanische Reich von der deutschen Nachschubversorgung abgeschnitten.

Bereits im Juli 1918 begann die schrittweise Entmachtung Envers. Oppositionelle Kräfte, die angesichts der absehbaren Niederlage des Osmanischen Niederlage einen Ausgleich mit den Siegermächten England, Frankreich und USA anstrebten, erzwangen nach dem Tod Sultans Mehmed V. und der Thronbesteigung von dessen Bruder Mehmed VI. (* 1861, Sultan 1918–1922, † 1926) die Absetzung Envers als Vizegeneralissimus. Seine gravierenden Fehlentscheidungen in der militärischen Führung, seine abenteuerliche, pantürkische Großmachtpolitik, aber auch die unmenschliche Verfolgung der Armenier, die er gemeinsam mit dem Großwesir und Innenminister Talât Pascha zu verantworten hatte, die jedoch von Teilen des Offizierkorps abgelehnt wurde, führten am 4. Oktober 1918 zur Entlassung Envers als Kriegsminister. Wenige Tage später, am 14. Oktober 1918, trat die komplette Regierung des Großwesirs Talât Pascha zurück.

Die Hohe Pforte richtete noch in der Nacht vom 14. zum 15. Oktober 1918 ein Waffenstillstandsgesuch an den US-amerikanischen Präsidenten Thomas Woodrow Wilson (1856–1924). Der für das Osmanische Reich verheerende Waffenstillstand von Mudros wurde am 30. Oktober 1918 unterzeichnet und trat am 1. November 1918 in Kraft. Die Siegermächte teilten das Osmanische Reich auf und die von den Jungtürken verfolgten pro-britischen Liberalen bildeten die neue Regierung. Talât, Enver und Cemal gingen in der Nacht vom 3. zum 4. November 1918 an Bord eines deutschen U-Bootes, welches sie nach Odessa brachte. Von dort aus wurden die ehemaligen Machthaber des Osmanischen Reiches nach Berlin gebracht, wo sich ihre Wege bald für immer trennten. Wegen ihrer Verantwortung für den Völkermord an den Armeniern wurde nach einem Prozess das abwesende jungtürkischen Triumvirat 1919 in Istanbul als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt.

Enver Pascha nutzte 1919 nach einem kurzen Aufenthalt in Potsdam die Kontakte des deutschen Militärs zur sowjetrussischen Führung. Ein von ihm favorisiertes Vorgehen der Roten und Islamischen Armee gegen die Briten in Mittelasien kam jedoch nicht zustande, da Lenin (1870–1924) keine Ambitionen hegte, die Ölfelder um Baku den türkischen bzw. islamischen Kräften Envers zu überlassen. Daraufhin schlug sich Enver nach Buchara durch, wo er seine seit 1916 bestehenden Kontakte zu den antirussischen Führern mittelasiatischer Aufständischer, den so genannten Basmatschi, erneuerte. Des Weiteren bemühte er sich dort, Anhänger für seine pantürkische Idee und für die Erneuerung des Kalifats zu gewinnen. Im September 1920 nahm er als Abgeordneter der Basmatschi an der Baku-Konferenz teil, wo die erneuten Bündnisverhandlungen mit Sowjetrussland an den unüberbrückbaren Interessengegensätzen Lenins und Envers scheiterten.

Enver Pascha beabsichtigte zu diesem Zeitpunkt die islamischen, turkstämmigen Völker Mittelasiens in einem eigenen Staat – dem Kalifat von Samarkand– zu vereinen. Er dachte dabei nicht nur an die der Zarenherrschaft entronnenen Turkmenen, Aserbaidschaner, Tadschiken und Usbeken, sondern er rechnete vor allem mit der Unterstützung turkstämmiger Bevölkerungsgruppen in Persien und Afghanistan sowie der Uiguren in Nordwestchina. Seine weitreichenden politischen Ziele wurden von der reichen Oberschicht und der Geistlichkeit Bucharas, Ferghanas und des ehemaligen Khanats von Chiwa getragen, die ihm vor allem als Kämpfer gegen die immer stärker vordringende Bolschewiki benötigten und schätzten. Doch schon am 4. August 1922 fiel Enver Pascha als Oberbefehlshaber der Truppen des letzten Emirs von Buchara, Said Alim Khan (1880–1944), bzw. als Kommandeur der Basmatschi in einem erbittert geführten Reitergefecht mit der überlegenen Roten Armee bei Badschuan, nahe der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe. Die tödlichen Schüsse auf Enver feuerte wahrscheinlich der in der Roten Armee dienenden Armenier Hagop Melkumov ab.

Bereits seit 1920 plante die armenische Geheimorganisation „Nemesis“ die Ermordung führender Jungtürken als Vergeltung für den an den Armeniern ausgeführten Genozid. So wurden z.B. 1921/22 der geistige Urheber des Genozids Talât Pascha in Berlin, der ehemalige Großwesir Said Halim Pascha in Rom und der brutale Militärgouverneur Cemal Pascha in Tiflis erschossen.

Am 4. August 1996 wurden die sterblichen Überreste Ismail Envers nach Istanbul überführt und am Denkmal der jungtürkischen Revolution von 1908 beigesetzt.

Literatur

* Dietrich Gronau; Mustafa Kemal Atatürk oder Die Geburt der Republik; Fischer Taschenbuch Verlag GmbH; Frankfurt/Main, April 1994; ISBN 3-596-11062-9

* Alan Palmer; Verfall und Untergang des Osmanischen Reiches; Paul List Verlag in der Südwest Verlag GmbH & Co. KG; München 1994; ISBN 3-471-78427-6

* Gudrun Krämer; Osmanisches Reich (Türkei) in „Unser Jahrhundert in Wort, Bild und Ton – Das 2. Jahrzehnt“; Bertelsmann Lexikothek Verlag; 1997; ISBN 3-570-07948-1

* Biografien zur Weltgeschichte; VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1989

* Enver Pascha (Wikipedia)

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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13.08.2012, 23:26
Beitrag: #49
Kamehamea I. der erste König von Hawaii .
.
Servus .

Eine sehr interessante Person ist der erste König von Hawaii ist

Kamehamea I.

1758. ? bis 1809. König von 1795. bis 1819.

[Bild: 220px-Kamehamehaportrait.jpg]

Da eine Legende besagte daß ein großer König kommen und
der würde alle Inseln einen .
Und das dessen Geburt mit einer außergewöhnlichen Erscheinung
angekündigt würde .
Desshalb nimmt man an , sein Geburtsjahr sei 1758.
denn da erschien wieder der Halleysche Komet
der auch von Hawaii aus zu sehen war .

Sein Onkel war Kalani`opu`u , der Häuptling Hawaiis bekannt durch
die Tötung James Cook ( 14. 2. 1779. ) .
Nach dessen Tod folgte ihm sein Sohn Kiwalao .

Kamehamea übte das sehr angesehene Amt des Wächters ( Oberpriester )
des Kriegsgottes Kukailimoku .

[Bild: 445px-tammeamea_roi_des_iles_sandwich_de...;amp;h=300]

Er bekämpfte seinen Vetter ohne daß Einer die Überhand bekam .

Aber auf den anderen Inseln gab es selbstständige Häuptlinge .
Der König von Maui , Kahekili konnte 1786 . eroberte sogar die Inseln O`ahu ,
Lana`i und Koloka`i .
Und da sich sein Bruder ihm auch unterstellte auch
die Inseln Ni`ihau und Kaua`i .

Er konnte 1790. erstmals Kahekili schlagen aber noch keine
Landgewinne eringen .

Kamehameha hatte sich ausländische Militärberater geholt
und diese brachten vermutlich auch Gewehre mit .

Und so eroberte er eine Insel nach der Anderen .
1810. ergab sich als Letzter der Häuptling von Kaua`i .
Und damit war erstmals die ganze Inselgruppe geint .

[Bild: 300px-Hawaiianislandchain_USGS.png]

Und größer :
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/co...n_USGS.png

Mit Hilfe der Berater hatte er eine Flotte zusammengestellt .
1819. betrug diese um die 30. Schoner und viele Kriegskanus ,
Die teilweise mit Kanonen bestückt waren .

Früher waren die Inseln Anlaufstellen für die Walfänger oder
als Zwischenstation der amerikanischen Chinahändler .

Als der Fellhandel mit China einbrach ( Raubbau ) suchten die Amerikaner
dafür Ersatz .

So kamen sie Auf das Sandelholz aus Hawaii.
Da es zwischenzeitlich Versuche von Russland ; Frankreich , England
und den USA gab die Inseln zu übernehmen hatte Kamehameha die Idee
alles Sandelholz der Inseln als das Eigentum des Königs zu beschlagnehmen .

Drei amerikanische Kaufleute sicherten sich beim König einen Exklusivvertrag .
Der dem König eine 25% Gewinnbeteiligung sicherte .
Der Vertrag wurde 1812. durch den amerikanisch – britischen Krieg verhindert .
Es sprangen andere Kaufleute ein .

Die Häuptlinge waren für die Sandelholzernte zuständig und wurden
vom König dafür entschädigt .

Um den Schwarzhandel und dem Raubbau zu verhindern belegte er
das Fällen der jungen Bäume mit einem religiösen Tabu .
In Ozeanien funktionierte das .

Aber so konnte er den Handel beherrschen und ausländische Begierden ,
auf die Inselgruppe abwehren .
Er errichtete auch die ersten Schulen .
Und einer seiner Nachkommen Kamehameha III. gab 1840. Hawaii
die erste Verfassung und führte im selben Jahr
die allgemeine Schulpflicht ein .

Die Hawaii-Inseln liegen in einem sehr weitläufiges Gebiet
von ca. 2000. Km. Länge .
Ihre Gesammtoberfläche beträgt aber nur ca. 16 625. km² .

Eine kuriose Notitz am Rande .

Ein sehr bekannter Klub in Frankfurt trägt seinen Namen .
Der King Kameha Club .

http://www.king-kamehameha.de/

luki.

Und übrigens , Morgen ist auch noch ein Tag Cool
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04.09.2012, 19:30
Beitrag: #50
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Manche werden sich erinnern – ich hatte vor mehreren Monaten Blush Shy
einen römischen Feldherrn zum Raten im Forum-Quiz gestellt.
Hier nun endlich die Biographie zu Gnaeus Domitius Corbulo (7-67 n. Chr.).
Heute mal mit etwas mehr Erläuterungen. Ist sonst so trocken Smile

Corbulo wurde im Jahr 7 n. Chr. in die Oberschicht des römischen Reiches hinein geboren.
Seine Familie lebte in Italien und entstammte den Senatorenkreisen. Zur Veranschaulichung:
Zur Zeit des Augustus brauchte man, um in Senator zu werden, eine Million Sesterzen.
Während dessen war für einen Normalbürger ein einziger Sesterz richtig viel.
Corbulos gleichnamiger Vater gehörte also wirklich zur Elite.

Einmal war er sogar Suffektkonsul gewesen.
Dieser Begriff braucht vielleicht wieder eine Erklärung:
In der römischen Republik wurden jedes Jahr 2 Konsuln gewählt,
die die Spitze des Staates darstellten. Das dürfte soweit bekannt sein.
In der Kaiserzeit ging die Macht auf die Kaiser über,
die nun die Konsuln bestimmten und dieses Amt selber hin und wieder bekleideten.

Aber „Konsul“ war immer noch ein gefragter Titel.
Doch irgendwann kam es dazu, das der Kaiser mehr Anhänger im Senat brauchte
und mehr treue Kandidaten für wichtige Ämter.
Dies versuchte er dadurch zu erreichen, dass er mehr Konsuln ernannte.
Die Amtszeit wurde einfach beschränkt und es gab in jedem Jahr mehrere Konsul-Paare.
Die ersten Konsuln hießen „consules ordinarii“,
das zweite Paar „consules suffecti“ (das bedeutet so viel wie Ersatzkonsuln).

Dadurch gab es mehr dem Kaiser treu verbundene Politiker.
Zum Beispiel Corbulo den Älteren, den Vater des Gesuchten.
Seine Frau entstammte der Familie der „Vistilia“.
Wie viele Kinder die beiden hatten, ist nicht bekannt.
Doch eine Halbschwester des Gesuchten wurde später mit Kaiser Caligula verheiratet.

Über Corbulos erste Jahre ist nichts bekannt, vermutlich machte er die normale Laufbahn
(cursus honorum) eines jungen römischen Adeligen durch.
Er durchlief wohl solche Ämter wie das des Prätors, des Quästors oder des Ädilen.
Vielleicht hatte er auch irgendein Priesteramt inne.
Im Jahr 39, unter der Regierung des Caligula, war er Suffektkonsul wie ehemals sein Vater.
Vielleicht hatte da seine Halbschwester ein bisschen Einfluss genommen…

Fortsetzung folgt.

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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05.09.2012, 19:55
Beitrag: #51
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Teil 2 meiner Biographie von Corbulo

Aber als Caligula umgebracht wurde, hörte Corbulos Karriere vorerst auf.
Er bekleidete in den nächsten Jahren keine weiteren Ämter.
Vermutlich diente er irgendwo im Heer als General.
Erst im Jahr 47 n. Chr. wurde er vom Nachfolger Caligulas,
dem Kaiser Claudius, zum Verwalter der kaiserlichen Provinz Germania inferior gemacht.

Damals gab es senatorische und kaiserliche Provinzen.
Die senatorischen Provinzen wurden von Statthaltern verwaltet, die der Senat ernannte.
Die kaiserlichen Provinzen waren diejenigen, in denen Legionen stationiert werden mussten.
Sie wurden dann auch von einem Militärbefehlshaber, einem Legaten verwaltet,
der allein dem Kaiser und keiner anderen Instanz unterstellt war.
Solch ein legatus augusti war nun auch Corbulo, der in der Provinzhauptstadt Köln residierte
– damals hatte sie noch den einfachen Namen „Colonia Claudia Ara Agrippinensis“
(das heutige Wort Köln ist eine Verkürzung von „Colonia“, also nur von dem Titel der Stadt).
Aber er hatte keine leichte Aufgabe übernommen.

Die beiden germanischen Provinzen waren echte Unruheherde.
Es gab immer wieder Rebellionen der unterworfenen Bevölkerung,
die aus germanischen und keltischen Stämmen bestand.
Auch germanische Stämme jenseits des Rheins starteten immer wieder Aufstände,
so zum Beispiel die Chauken und auch die Cherusker.
All diese Aufgaben meisterte Corbulo leichter Hand.

Er wollte angeblich sogar seine Provinz noch weiter ausdehnen,
doch der Kaiser in Rom verbat dies und Corbulo musste einlenken.
Aber was die zivilen Aufgaben angeht, war er sehr erfolgreich.
Er befahl den Bau eines Kanals zwischen dem Rhein und der Maas,
den man schon bald „Fossa Corbulonis“ (Kanal des Corbulo nannte.
Es gibt ihn noch heute, er verläuft in Südholland zwischen Voorburg und Leiden
und ist als „Vliet“ bekannt.

Nach Ablauf seiner Amtszeit kehrte Corbulo wieder nach Rom zurück.
Aber schon 52 n. Chr. wurde er wieder in eine Provinz geschickt
– er wurde Statthalter von Asia (in der heutigen Türkei).
Obwohl dies eine senatorische Provinz war, wurde der Verwalter vom Kaiser ernannt.
Dass Corbulo von Claudius grade zum Statthalter von Asia,
einer sehr bedeutenden Provinz, ernannt wurde, zeigt, in welcher Gunst er bei ihm stand.
Von besonderen Maßnahmen in seiner Amtszeit ist nichts bekannt,
nur, dass sie im Allgemeinen ziemlich glücklich verlief.
Doch schon 54, als Claudius starb, endete sie wieder.

Zu dieser Zeit hatte er wohl schon ein Buch geschrieben
über seine Erfahrungen als Statthalter.
Es ist im Laufe der folgenden Jahrhunderte verloren gegangen.

Morgen geht es um den Höhepunkt von Corbulos Laufbahn.

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06.09.2012, 20:20
Beitrag: #52
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Der neue Kaiser Nero schickte ihn an die Ostgrenze des Reiches.
Dort gab es seit mehreren Jahren ein Problem:
Der Grenzverlauf war eine wichtige Streitfrage mit dem parthischen Reich.
Konkret ging es um die Herrschaft über Armenien.

Nachdem er sich vorbereitet hatte, ging Corbulo zum Angriff gegen die Feinde über.
Friedliche Lösungen waren nicht so sein Ding,
und militärisch war er sowieso begabter als diplomatisch.
Schnell konnte er in die wichtigen Städte Parthiens vorstoßen,
nach Artaxata und Tigranocerta.
Der armenische König Trdat (in der griechisch-lateinischen Sprechweise Tiridates) I.,
der dem parthischen Geschlecht der Arsakiden entstammte, wurde abgesetzt
und Tigranes VI., ein armenischer Fürstensohn eingesetzt.
Dieser war in Rom erzogen worden und hatte sich zu einem Römerfreund entwickelt.

Nun, als er an der Macht war, unterstütze er die Römer, wo es nur ging.
61 griff er die parthische Region Adiabene an, wo der Partherkönig Vologaeses I. regierte.
Eine Weile ging es hin und her, und es sah so aus,
als käme es zu einem römisch-parthischen Krieg.
Aber Vologaeses schlug eine friedliche Lösung vor.
Es starteten Friedensverhandlungen zwischen ihm und Tigranes.

Dieser war in einer schlechten Position. Er musste folgenden Punkten zustimmen:
- seine Absetzung als König
- die Wiedereinsetzung Tradt’s
- die totale Entmilitarisierung Armeniens
Doch der Senat in Rom hatte auch noch ein Wörtchen mitzureden und lehnte das ganze ab.

Er beschloss den Angriff auf Armenien.
Doch dieser wurde nicht Corbulo übertragen, sondern Lucius Caescennius Paetus,
der in dieser Zeit Statthalter in Kappadokien war.
Was die Armee anging, war er als unfähiger Befehlshaber bekannt.
Warum das ganze? Corbulo war nämlich in Syrien,
das in großer Gefahr und ihm anvertraut worden war.

Doch es kam wie es kommen musste:
Paetus erlitt 62 n. Chr. eine schwere Niederlage gegen die Parther.
Er wurde von ihren Truppen eingekesselt und zur Kapitulation gezwungen.
Armenien musste geräumt werden.

Darauf hin wurde Corbulo zum Kommandeur der Ostgrenze ernannt.
63 überschritt er den Euphrat und zog in das Königreich Armenien ein.
Doch Trdat verweigerte die Schlacht, also musste Corbulo mit ihm Frieden schließen.

In Zukunft sollten die armenischen Könige weiterhin von den Parthern bestimmt werden.
Dem musste er zustimmen.
Doch um sein Gesicht zu wahren, setzte er durch, dass die Einsetzung dieser Könige
ab sofort durch die Römer zu geschehen hatte. Sieger gab es bei der ganzen Geschichte keine.
Aber was hätte Corbulo machen sollen, wenn es nicht zur Schlacht kam?

Trdat hielt alle Bestimmungen ein:
Er nahm seine Krone in Rhandea ab und legte sie einer Statue des Kaisers zu Füßen.
Er gelobte, sie einzig und allein aus der Hand Neros anzunehmen, was er dann auch tat.


Zwischendurch noch ein paar Sätze zu Corbulos Familie:
Corbulo war verheiratet, seine Frau Cassia Longina.
Genaueres zu der Ehe habe ich nicht herausfinden können.
Doch ihr entwuchs unter anderem mit Domitia Longina eine Frau,
die wie Caligulas Halbschwester die Frau eines Kaisers wurde:
Sie heiratete den späteren Kaiser Domitian.

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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07.09.2012, 20:08
Beitrag: #53
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Teil 4.

Nun kommt der tragische Teil von Corbulos Leben:
66/67 war in Judäa ein Aufstand losgebrochen, der sich gewaschen hatte.
Die Juden waren unzufrieden über die Unterdrückung durch die Statthalter
und die Verachtung, die man ihrer Religion entgegenbrachte.

Der Großteil des Senats war dafür, auch diese Krise Corbulo zu überlassen.
Er war, wie es sich gezeigt hatte, ein sehr, sehr fähiger und beliebter Feldherr.
Doch gerade das wurde im zum Verhängnis:
Denn so stieg für die Gefahr, dass die Soldaten ihn zum Kaiser ausriefen.

Besonders Nero, der bekanntlich sehr machtbesessen war,
war oft in panischer Angst vor Rebellionen.
Er wollte nicht noch einen Erfolg Corbulos in Kauf nehmen,
selbst wenn dieser die größten Chancen hatte, den Aufstand niederzuschlagen.
So übergab er den Auftrag dem bis dahin wenig bekannten Vespasian
– der übrigens nach so manchem Erfolg gegen die Aufständischen
tatsächlich zum Kaiser ausgerufen wurde.

Was Corbulo anbelangt, so wurde er nach Griechenland geschickt.
67 v. Chr. kam er in Kenchreae, dem zu Korinth gehörigen Hafenörtchen, an.
Doch direkt nach seiner Ankunft tauchten Boten des Kaisers auf
und überbrachten ihm den Befehl, Selbstmord zu begehen.

Die offizielle Begründung war, dass er an einer Verschwörung gegen Nero
beteiligt gewesen sei. Doch ich halte das für unwahrscheinlich.
Tatsächlich tötete sich Corbulo seiner Familie zuliebe,
der sonst das Vermögen entzogen worden wäre.
Wie das genau ablief, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.
Zu diesem Zeitpunkt war er 60 Jahre alt.

Mit ihm starb ein sehr fähiger Feldherr des römischen Reiches,
vielleicht sogar der fähigste seiner Zeit.
Ihm ist es vor allem zu verdanken, dass das erste Jahrhundert nach Christi Geburt
in den Augen der Nachwelt so ein friedliches ist.

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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10.09.2012, 13:32
Beitrag: #54
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Hallo Luki,
hier sind noch zwei Biografien:

Marcello Caetano von Viriathus in der Version von Maxdorfer

António de Oliveira Salazar von meiner Wenigkeit. Smile

Könntest Du bitte beide Biografien in das Biografienverzeichnis einordnen.

Salazar bitte unter "S", da er unter diesem Namen bekannt ist.

Alvaro Obregon Salidas bitte unter "O", da allgemein nur Obregon genannt.

Vielen Dank, Sansavoir

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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16.09.2012, 13:36
Beitrag: #55
Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
(10.09.2012 13:32)Sansavoir schrieb:  Hallo Luki,
hier sind noch zwei Biografien:

Marcello Caetano von Viriathus in der Version von Maxdorfer

António de Oliveira Salazar von meiner Wenigkeit. Smile

Könntest Du bitte beide Biografien in das Biografienverzeichnis einordnen.

Salazar bitte unter "S", da er unter diesem Namen bekannt ist.

Alvaro Obregon Salidas bitte unter "O", da allgemein nur Obregon genannt.

Vielen Dank, Sansavoir


Servus Sansavoir .

Ich hoffe jetzt paßts .

Luki

Und übrigens , Morgen ist auch noch ein Tag Cool
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19.09.2012, 19:19
Beitrag: #56
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Dann folgt jetzt meine Kurzbiographie zu George Armstrong Custer.

Um ihn zum Anfang noch einmal in Erinnerung zu rufen: Er lebte von 1839 bis 1876 und war Oberstleutnant und Generalmajor der USA, erst im Amerikanischen Bürgerkrieg, dann in den Indianerkriegen. In der Schlacht am Little Bighorn erlitt er eine schwere Niederlage, die er nicht überlebte.
Aber ganz von vorne: Geboren wurde Custer am 5. Dezember des Jahres 1839 in New Rumley, im Staat Ohio gelegen. Er stammte von Deutschen ab, genauer vom hessischen Offizier Paulus Küster und seiner Frau Gertrude Küster aus der Niederrhein-Region, die schon 150 Jahre vorher als eine der ersten deutschen Familien in die englischen Kolonien Nordamerikas auswanderten. Die Familie siedelte sich also im späteren Ohio an, wo sein Vater Emanuel Henry Custer, seines Zeichens außer Landwirt auch Schmied des Ortes, in der örtlichen Miliz tätig war. Die Mutter war Maria Custer, geborene Maria Ward. George hatte sechs Geschwister, zwei ältere und vier jüngere.
Durch die Tätigkeit seines Vaters als Hüter von Recht und Ordnung lernte der Sohn schon in jungen Jahren die Strenge des Soldatenlebens kennen. Aber er wuchs nicht nur bei seinen Eltern auf, lange Zeit wohnte er auch in Michigan bei seiner Halbschwester. Allgemein kann man sagen: Er hatte eine unbeschwerte Kindheit, die er ziemlich normal verlebte: Sehr fröhlich und lebhaft im Umgang mit seinen Freunden und Geschwistern, aber in der Schule leider bei weitem weniger aktiv.
Trotzdem schaffte er es gerade noch nach West Point, in die dortige Militärakademie der Vereinigten Staaten. Aber schon bald fiel er unangenehm auf und da es ihm an Disziplin mangelte, wurde er in seinem Jahrgang der schlechteste unter den 34 Auszubildenden. Mehrmals war er kurz davor, die Akademie verlassen zu müssen, so sammelte er in jedem der vier Lehrjahre durchschnittlich 90 Verweise, gerade noch genug, um nicht ausgeschlossen zu werden. Ein richtiger frecher Schlingel wie aus dem Bilderbuch: unpünktlich, frech, und nicht selten mit Schneeballwerfen oder Raufereien beschäftigt.
Aber er schaffte seinen Abschluss gerade so und konnte in die Armee eintreten. Er wurde Leutnant im zweiten Kavallerieregiment der Vereinigten Staaten. Drei Monate – von Dezember 1861 bis Februar 1862 – musste er kurzzeitig aus der Armee austreten, weil ihn eine nicht näher bekannte Krankheit heimgesucht hatte. Wieder zurück, wurde er in das fünfte Kavallerieregiment versetzt. In der Armee war er wohl etwas ordentlicher als in den Jahren zuvor und wurde am 5. Juni 1862 zum Hauptmann der Freiwilligen und zum Adjutant im Stab des Oberbefehlshabers George McClellan. Kleine Bemerkung am Rande: Auch dieser hatte wenige Jahre vor Custer die Militärakademie in West Point besucht, den Besucht aber als einer der besten abgeschlossen.
Aber auch wenn er nun mit seiner Karriere beschäftigt war: Besonders abgehoben war George immer noch nicht. Eine Anekdote berichtet davon, wie der Verwaltungsstab McClellans am Ufer eines Flusses stand und überlegte, wie tief das Wasser wohl sei. Custer sei geradewegs mit seinem Pferd in die Mitte des Flusses geritten und habe gerufen: „So tief ist es, General!“. Einmal verbrannte er sich auch die Hände, als er eine in Flammen stehende Brücke zu löschen versuchte.
George war verheiratet mit einer gewissen Elisabeth. Das Verhältnis der beiden war wohl von tiefer Liebe und Zuneigung geprägt. In den Ehejahren schrieben sich die beiden immer viele Briefe und Elisabeth nahm stets tiefe Anteilnahme an den Schicksalsschlägen ihres Mannes. Sie hielt ihn für einen strahlenden Helden und verteidigte und half ihm, so gut sie konnte. Manchmal kam sie sogar mit auf die Feldzüge.

Fortsetzung folgt.

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21.09.2012, 19:01
Beitrag: #57
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Zu dieser Zeit tobte in den USA der Sezessionskrieg, auch Amerikanischer Bürgerkrieg genannt: Da die nördlichen Staaten von Einwanderern überflutet und somit von der Sklaverei unabhängig waren, lehnten sie diese ab und gingen gesetzlich dagegen vor. Die Südstaaten (Konföderierte Staaten von Amerika), die jedoch landwirtschaftlich geprägt und wirtschaftlich von der Sklavenhaltung abhängig waren, erklärten deshalb ihre Unabhängigkeit von den Nordstaaten. Es kam zum Krieg, und Custer machte auf Seiten der Nordstaaten mit.
Es scheint, als sei er an fast jeder militärischen Auseinandersetzung größeren Ausmaßes dabei gewesen. Dabei legte er jede Menge Einsatz an den Tag und kämpfte ohne Rücksicht auf Verluste, sowohl bei sich selber, als auch bei seinen Mitkämpfern. Diese Einstellung war damals dringend nötig, denn die Kavallerie der Armee der Konföderierten Staaten konnte gefährlich viele Erfolge aufweisen. Mit dem Stab des Generalmajors Pleasonton nahm Custer am größten Reitergefecht des gesamten Krieges teil, in Brandy Station (Virginia).
Auch in dieser Schlacht scheint er wieder alles gegeben zu haben, denn in der Folge wurde er am 29. Juni 1863 zum Brigadegeneral der Freiwilligen befördert. In den nächsten Monaten wurde er Kommandeur einer Kavalleriebrigade des Staates Michigan, und als solcher nahm er auch an der berühmten Schlacht von Gettysburg teil, bei der die Konföderierten entschieden zurückgedrängt wurden. Schließlich wurde er am 30. September 1864 zum Kommandeur der dritten Kavalleriedivision ernannt. Auch an den folgenden größeren Schlachten nahm er teil, und einmal gelang des der konföderierten Armee, sein persönliches Gepäck zu klauen und mitzunehmen.
Am 15. April 1865 wurde er aufgrund verschiedener Erfolge im Shenandoah- und im Appomattox – Feldzug zum Generalmajor der Freiwilligen befördert. Er war gerade 25 Jahre alt und hatte damit einen Rekord gebrochen: Kein anderer hatte in so jungen Jahren diesen Posten erlangt. Später erlangte er den Titularrang (d. h. Titel ohne Arbeit und Bezahlung) des Generalmajors der Regulären und wurde Hauptmann im fünften Kavallerieregiment. Er hatte in seinen 4 Dienstjahren (genau die vier Jahre des Bürgerkrieges) eine so schnelle Laufbahn hingelegt wie vor ihm keiner. Er wurde nun im ganzen Land (oder zumindest in den Nordstaaten) bestaunt und geehrt. Nur die Ehrenmedaille, die Medal of Honor, die höchste Auszeichnung der Armee der Vereinigten Staaten, bekam er nicht zugesprochen.
Wieder eine Ironie: Dafür bekam der ihm unterstellte Bruder Thomas Custer sie als erster gleich zweimal.
Am 1. Februar des Jahres 1866 trat Generalmajor George Armstrong Custer aus der Armee der Freiwilligen aus. Sofort erreichte ihn ein Angebot aus Mexiko vom dortigen aufständischen Präsidenten Benito Juárez, der ihm anbot, die Oberkommandantur über die mexikanische Kavallerie zu übernehmen und im Zuge von dessen umfangreichen Reformen die Reiterregimenter neu zu organisieren und in der Revolution gegen den Kaiser von Mexiko zum Sieg führen sollte. Aber das erlaubte die amerikanische Regierung nicht, da sie den Kaiser und seinen Verbündeten Frankreich nicht verärgern wollte.
Quasi als Entschädigung wurde Custer am 28. Juli 1866 zum Oberstleutnant befördert. Im Folgejahr machte er sich dann daran, einige Kompanien des siebten Kavallerieregiments unter Generalmajor Winfield Scott Hancocks eine Operation durchzuführen: Eine Expedition in das Indianerland der Sioux und Cheyennes. Aber dabei lief nicht alles glatt: Nicht nur, dass keine ausreichenden Ergebnisse gebracht wurden, Custer befahl dabei sogar, auf Deserteure zu schießen und den Überlebenden keine Hilfe zukommen zu lassen. Daher wurde er nach Fort Leavenworth gerufen, wohin er aber erst ziemlich verspätet kam: Er hatte vorher noch seine Frau Elisabeth in Fort Riley aufgesucht, da dort die Cholera ausgebrochen war.
Schließlich kam er in Arrest, mit der Begründung „fortgesetzte Disziplinlosigkeit“. Am Ende entschied ein Militärgericht im Herbst 1867, ihn für ein Jahr aus der Armee auszuschließen. Zum Glück hatte Custer Beziehungen und sein alter Freund Generalmajor Sheridan sorgte dafür, dass er wieder zurückkehren konnte. 1868 fand ein Winterfeldzug statt, bei dem er seinen einzigen Sieg Custers gegen indianische Stämme errang. Er zerstörte ein Dorf der südlichen Cheyenne so gut wie völlig. Viele Indianer konnten in die Wälder fliehen, aber die Pferde wurden allesamt getötet. Doch auch dieser Angriff ist nicht ganz unumstritten: Einerseits befahl er, Frauen und Kinder am Leben zu lassen, andererseits wurden jede Menge Zivilisten getötet. Da die Pferde umgebracht worden waren, fehlte den Bewohnern nun die Möglichkeit zur Büffeljagd und somit die Existenzgrundlage.
Auch bei seinen eigenen Leuten wurde Custer beschuldigt: Eine Gruppe Soldaten unter Major Elliot hatte indianische Krieger verfolgt, die fliehen wollten, und war von dieser Mission nicht zurückgekehrt. Auch dass Elliot widerrechtlich gehandelt und Custer einen Suchtrupp losgeschickt hatte, konnte die Beschuldigungen nicht verhindern.
Der strahlende Held, als der er am Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges dagestanden hatte, war er jedenfalls nicht mehr.

Fortsetzung folgt.

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22.09.2012, 14:22
Beitrag: #58
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Ein paar Jahre hatte Custer friedliche Zeiten, in denen er seine Einheiten beaufsichtigte. Aber 1873 wurde er in die Plains geschickt, um gegen die Indianer, genauer, gegen die Sioux, zu kämpfen. Gleich im ersten Jahr fanden einige Scharmützel statt, jedoch ohne größere Bedeutung. Das Jahr darauf wurde eine Expedition aus 1.200 Soldaten in die Black Hills geschickt, die heiligen Berge der dort ansässigen Stämme. Als in French Creek Gold gefunden wurde, entbrannte ein wahrer Goldrausch in diesen Gebieten. Keinen Weißen kümmerte es, dass sechs Jahre zuvor die USA den Indianern diese Berge für alle Zeiten zugesprochen hatte. Custer jedenfalls kehrte wohlbehalten zurück.
1876, so behaupten einige, habe sich Custer für das Amt des amerikanischen Präsidenten zur Wahl gestellt, als Demokrat. Aber andere Historiker wiederum halten dies für eine totale Fehlinformation. Was nun los war, weiß man nicht.
Jedenfalls sollte er weiter gegen Sioux und Cheyenne kämpfen, zusammen mit einigen anderen Verbänden unter George Crook und John Gibbon. Aber wenige Wochen, bevor der Feldzug startete, zerstritt sich Custer mit dem Präsidenten in Washington, Ulysses S. Grant, und wurde als Strafe durch General Alfred Terry ersetzt. Doch dieser wusste, dass er Custer brauchte, und brachte Grant dazu, Custer doch noch an den militärischen Aktionen teilhaben zu lassen, wenn auch nicht als Oberbefehlshaber (das blieb weiterhin Terry), sondern als zweithöchster Teilnehmer.
Es folgte der letzte und dramatischste Akt in Custers nicht allzu langem Leben. Welchen Rang er dabei genau innehatte, ist sehr umstritten und wird in der Forschung schon länger diskutiert. Terry plante, die Indianer mit zwei Heeresabteilungen in die Zange zu nehmen und dann vollständig aufzureiben. Custer sollte zusammen mit dem siebten Kavallerieregiment die Indianer aufspüren und angreifen, um sie zur Flucht zu bringen. Währenddessen bewegte sich sein Vorgesetzter mit dem Rest der Streitkräfte um die Kämpfenden herum, um den Fluchtweg zu blockieren und die unvorbereiteten Indianer dem Erdboden gleichzumachen.
Doch Custer schaffte es diesmal nicht, einen kühlen Kopf zu bewahren. Sein ganzes Denken war beherrscht vor der Angst, die Indianer konnten vorzeitig fliehen. Deshalb hetzte er die Armee voran, alle Warnungen von Spähern ignorierend und auf ausführliche Aufklärung verzichtend. Schließlich erreichte er einen kleinen Fluss namens Little Bighorn. Dort lagerten die Indianer (2000 Menschen) mit ihren Häupflingen Sitting Bull, Two Moon, Gall, Crazy Horse und Spottet Elk (Big Foot). Am 25. Juni 1876 griff Custer an.
Die nun folgende Schlacht am Little Bighorn sollte in die Geschichte eingehen. Denn die Amerikaner waren weit weniger und hatten konnten auch durch Waffen die Minderzahl nicht ausgleichen, denn die indianischen Stämme waren deutlich zweckmäßiger bewaffnet. Custers Plan sah vor, das Regiment in drei Teile aufzuteilen und gleichzeitig von verschiedenen Seiten anzugreifen.
Doch so weit sollte es gar nicht kommen. Bevor die drei Gruppen ihre Positionen beziehen konnten, stürmte brüllend eine übermächtige Streitmacht aus Indianern herbei. Es blieb den Männern gar nichts anderes als die Flucht. Als sie auf einem Hügel ankamen, holten die Indianer auf. Es kam zum Gemetzel. Die Weißen wurden ausnahmslos umgebracht, auch Custer. Seine Brüder Tom und Boston kamen ebenfalls in der Schlacht ums Leben.
Die beiden anderen Gruppen, die schon auf dem Weg waren, wurden nun auch angegriffen, konnten sich aber vorerst halten. Als dann der Versorgungstrupp ankam, war es trotzdem zu spät, um die Indianer in die Flucht zu treiben. Es blieb nichts anderes übrig, als die Leichen zu bergen. George Armstrong Custer wurde schnell und unauffällig begraben. Ein Jahr später, am 10. Oktober 1877, wurde er mit allen Ehren in der Militärakademie in West Point beigesetzt, die ihm nie viel bedeutet hatte.
Seine Frau Elisabeth gab später (1897 und 1913) zwei Bücher über ihn hinaus, in denen sie das harte Leben ihres Mannes bei den Indianern schildert und ihn eifrig gegen alle Anschuldigungen verteidigt. Ihr Mann sei als einziger unschuldig an den Niederlagen der Amerikaner gewesen. Sie heiratete nie wieder. George selber schrieb eine Autobiographie, die 1872 erschien, in der es um das Leben der Soldaten und die Indianer geht. Doch wahrscheinlich ist nicht allzu viel dran an den Schilderungen Custers, der sich sehr gut mit Öffentlichkeitsarbeit auskannte. Stets waren Reporter in seinen Lagern, denen er die Erfolge berichtete.
Bis ins 20. Jahrhundert hinein genoss Custer einen ungetrübten Ruf, den der amerikanische Staat mit Propagandafilmen (zum Beispiel „They Died With Their Boots On“, 1941, auf Deutsch „Sein letztes Kommando“, 1950) kräftig weiter am Leben hielt. Wahre Lobeshymnen wurden geschrieben, die, antiken Heldenepen gleich, fast einen Halbgott ohne Makel aus Custer machen. Seit jedoch in den 1960er Jahren mehr über die Behandlung der Indianer kritisch nachgedacht wird, hat sich dieses Bild gewandelt und hin und wieder wird Custer sogar als „blutrünstiger Kriegshetzer“ (Wikipedia, „George Armstrong Custer“) geschildert.
Eines ist klar: Beide extremen Darstellungen ist falsch. Aber eine genaue Charakterisierung des geheimnisvollen Generals ist nicht möglich.

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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22.09.2012, 19:48
Beitrag: #59
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Jaroslaw Dąbrowski

Jaroslaw Dąbrowski (ausgesprochen und teilweise auch so geschrieben: Dombrowski) wurde am 12. November 1836 in Shitomir (heute Shytomir / Ukraine) als Sohn eines verarmten polnischen Kleinadligen, der als Angestellter in der lokalen Verwaltung arbeitete, geboren. Bereits im Alter von 9 Jahren trat Dabrowski in das Kadettenkorps von Brest-Litowsk bei, dem 1853 sein Eintritt in das Sankt Petersburger Adelsregiment folgte.

Dąbrowski kämpfte nicht im Krim-Krieg, er diente jedoch einige Jahre als Offizier im Kaukasus, wo er lokale Aufstände gegen den Zaren bekämpfte. 1859 begann er ein Studium an der Petersburger Generalstabsakademie. Er lernte dort demokratisch gesinnte Offiziere kennen, denen er sich bald in deren geheimen Offizierszirkeln anschloss. Im Dezember 1861 wurde Dąbrowski als Stabsoffizier der russischen Armee nach Warschau versetzt, wo er sich bald darauf den dort tätigen nationalen polnischen Komitee (den so genannten „Roten“) anschloss, um gegen das zaristische System zu kämpfen.

Am 14. August 1862 wurde er infolge Verrats verhaftet, er blieb knapp zwei Jahre ohne Urteil inhaftiert, ehe er nach der Niederschlagung des polnischen Januaraufstandes von 1863/64 zu 15 Jahren Verbannung nach Sibirien verurteilt wurde. Allerdings gelang ihm 1865 die Flucht aus dem Gefangenentransport mit Hilfe bei Moskau agierenden russischen Revolutionären.

Seit Juni 1865 lebte Dąbrowski im französischen Exil, wo er sich bemühte, das Handeln der politisch unterschiedlichen polnischen Emigranten zu koordinieren. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich als Zeichner.

Dąbrowski empfahl zu Beginn des Aufstandes der Pariser Kommune im März 1871 einen unverzüglichen Angriff auf Versailles, der jedoch nicht zustande kam. Er bewährte sich im April 1871 als Truppführer bei der Verteidigung von Neuilly und wurde deshalb am 28. April 1871 zum Kommandanten aller Streitkräfte des rechten Seineufers ernannt. Anfang Mai erhielt er schließlich den Oberbefehl über alle militärischen Verbände der Kommune.

Während der Barrikadenkämpfe in der Rue Myrrha am Montmartre wurde Jaroslaw Dąbrowski, der in Paris auch unter seinen Pseudonym „Lokietek“ bekannt war, am 23. Mai 1871 schwer verwundet. Noch am gleichen Tag verstarb er an den Folgen der erlittenen Verletzungen im Krankenhaus Lariboisiere, sein Grab befindet sich auf den Friedhof „Pére Lachâise“ in Paris.

Im spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 bildeten polnische Freiwillige das Jarosław-Dąbrowski-Bataillon, das wiederum Teil der XI. Internationalen Brigaden war.

Literatur:
* Biografien zur Weltgeschichte. Lexikon, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1989, ISBN 3-326-00218-1

* Jaroslaw Dabrowski

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23.09.2012, 00:09
Beitrag: #60
RE: Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
Alexander von Battenberg / Fürst Alexander I. von Bulgarien

Alexander von Battenberg (* 5. April 1857 in Verona; † 17. November 1893 in Graz) – eigentlich Alexander Joseph von Battenberg – war von 1879 bis 1886 als Alexander I. gewählter Fürst von Bulgarien. Er war der zweite Sohn des Prinzen Alexander von Hessen-Darmstadt (eines Bruders des Großherzogs Ludwig III. von Hessen-Darmstadt) und der polnischen Gräfin Julia von Hauke, deren Vater aus Wetzlar stammte und im Kongress-Polen zum Vize-Kriegsminister und Grafen aufstieg. Die Ehe der Eltern war morganatisch, der hessische Großherzog Ludwig III. gewährte jedoch seiner Schwägerin den Titel einer Gräfin von Battenberg.

Alexander besuchte das Ludwig-Georgs-Gymnasium in Darmstadt und diente danach als Offizier im Großherzoglich Hessischen Dragonerregiment Nr. 24, ehe er 1877/78 im russischen Hauptquartier am Russisch-Türkischen Krieg teilnahm. Infolge des Berliner Kongresses von 1878 entstand das Fürstentum Bulgarien. Da Alexander von Battenberg wegen seiner Teilnahme am Russisch-Türkischen Krieg in Bulgarien bekannt und außerdem ein angeheirateter Neffe des russischen Zaren Alexander II. war, wählte ihm die bulgarische Nationalversammlung am 29. April 1879 einstimmig zum Fürsten von Bulgarien.

Battenberg wählte Sofia als Residenz und führte 1881 einen Staatsstreich aus, in dessen Folge die liberale Regierung gestürzt und die Verfassung für ungültig erklärt wurde. Er setzte jedoch 1883 die Verfassung wieder in Kraft. Damit verlor der Fürst von Bulgarien die politische Unterstützung des russischen Zaren Alexander III., der sein Cousin war. 1885 gelang es Alexander I. in Absprache mit Großbritannien und Österreich-Ungarn Ost-Rumelien mit dem Fürstentum Bulgarien zu vereinen. Dies war sein größter politischer Erfolg.

Bald darauf führten die bulgarischen Gebietsansprüche auf Makedonien zur „Bulgarischen Krise“. Am 2. November 1885 erklärte der von Russland unterstützte serbische Fürst Milan Obrenovic Bulgarien den Krieg. Da die bulgarischen Truppen an der türkischen Grenze gebunden waren und das von Alexander zur Verteidigung Bulgariens aufgerufene Volk den einrückenden Serben keinen Widerstand leisten konnte, musste Bulgarien am 3. März 1886 den Bedingungen des von Russland diktierten Frieden von Bukarest zustimmen. Damit endete der Serbisch-Bulgarische Krieg.

Der Vertrag forderte auch die Abdankung Alexanders. Deswegen putschten am 9. August 1886 pro-russische Offiziere gegen ihren Fürsten. Alexander wurde nach Russland gebracht, kehrte jedoch nach einem Gegenputsch des Ministerpräsidenten Stefan Stambulow nach Bulgarien zurück, ehe er am 7. September 1886 endgültig abdankte. Zu seinem Nachfolger wurde unter schwierigen Verhandlungen Ferdinand I. (von Sachsen-Coburg-Kohary) gewählt.

Alexander von Battenberg musste 1888 auf Drängen des deutschen Kaisers (bzw. Bismarcks) seine seit 1883 bestehende Verlobung mit Prinzessin Viktoria von Preußen auflösen. Er heiratete 1889 die Opernsängerin Johanna Loisinger, die zur österreichischen Gräfin von Hartenau erhoben wurde und mit der er bis zu seinem frühen und unerwarteten Tod (1893) in Graz zurückgezogen lebte. Aus der glücklichen Ehe gingen zwei Kinder hervor.

Alexanders ältester Bruder war Ludwig von Battenberg, der in Großbritannien zum Admiral aufstieg. Seit dem 1. Weltkrieg nannte er sich Louis of Mountbatten. Sein jüngster Sohn Louis of Mountbatten war der letzte Vizekönig von Indien. Er bereitete 1947 mit Nehru die Unabhängigkeit Indiens vor. 1979 wurde er gemeinsam mit seinem minderjährigen Enkel Opfer eines Attentats der IRA. Seine Schwester Alice ist die Mutter des Prinzgemahls Philipp, Herzog von Edinburgh und somit Schwiegermutter von Elisabeth II.

Alexanders jüngerer Bruder Heinrich von Battenberg war der Vater von Ena (Eugenia), die den spanischen König Alfons XIII. heiratete und die Großmutter des heutigen spanischen Königs Juan Carlos ist.

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