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Moderne Erziehung und Werteverfall
27.03.2014, 11:30
Beitrag: #41
RE: Moderne Erziehung und Werteverfall
(27.03.2014 11:02)Renegat schrieb:  Ob das heute mit Pubertierenden und der jungen Generation insgesamt so anders ist als vor 1 -2 Generationen, ist für mich schwer zu sagen. Dieses Thema hat sich ja aus einer Diskussion über die 68-er Generation ergeben. Der mangelte es in den 70ern aus Sicht der Älteren auch an Respekt, als sie die Nazisdiskussion an den Familienesstisch trugen.

Ich weiß nicht, ob ich das so vergleichen würde. Die jüngere Generation wollte sich mit einem Thema auseianndersetzen, mit dem sich die ältere Generation eben nicht auseinandersetzen wollte. Kinde rund Jugendliche mögen nicht gerne belogen werden, und das ist generell so, vermutlich seit Jahrtausenden. Sie haben damals vor allem den Umgang mit dem Thema abgelehnt. Deswegen haben sie sich dennoch vom Vater und vom Großvater zeigen lassen, wie man ein Fahrrad repariert und von der Mutter, wie man einen Apfelkuchen backt. (Und in einem Anfall von rebellion aren natürlich die ersteren die Mädchen und die zweiteren die Jungen.)
Die Jugendlichen von heute haben aber kein Thema mehr, das sie in die notwendige Auseinandersetzung mit ihren Eltern führen könnte. Welche Werte und welches Verhalten sollen sie denn in Frage stellen? Sie haben auf der anderen Seite aber auch kein Interesse mehr daran, von ihren Eltern irgendetwas zu lernen.

(27.03.2014 11:02)Renegat schrieb:  Die Älteren von damals waren auch mal jung, so cirka in den 30ern. Ob die wiederum respektvoll mit Eltern und Lehrern umgingen, wenn sie mit der Nazipropaganda in den Köpfen von der HJ heimkamen, möchte ich bezweifeln.

Ich glaube, hier ist dir nicht so ganz klar, was du scheibst. Genau darum geht es doch. Es geht um Propaganda, die in den Köpfen der Jugendlichen ein Überlegenheitsgefühl erzeugt, daß sie eben von außen fremdgesteuert werden und sich nicht mehr von ihrem engen Lebensumfeld beeinflussen lassen. Das war in den 30 ern die Nazipropaganda- und wir wissen alle, wohin das geführt hat.
Heute ist es die Werbung- und manchmal frage ich mich schon, wohin das noch führen wird, wenn sich die Jugendlichen eben nicht mehr an den Auffassungen ihrer Eltern reiben, sondern sie von vorneherein als wertlos abtun. Solange die Jugendlichen noch darüber streiten wollen, besteht Hoffnung...

(27.03.2014 11:02)Renegat schrieb:  Ich würde mir ein Smartphoneproblem gern von einem Jugendlichen erklären und lösen lassen und ihn hinterher ordentlich dafür loben. Es ist doch eine gute Erfahrung für´s jugendliche Selbstbewußtsein, auch mal etwas besser zu wissen oder zu können. Vielleicht hört er dann eher auf meinen Rat zum Umgang mit der Werbung und wem diese in Wahrheit nutzt.

Genau das ist es, was in jedem Erziehungsratgeber steht, und wie die meisten engagierten Eltern mit ihren Kindern auch umgehen wollen. Anerkennen, daß das Kind Fähigkeiten hat, die man selbst nicht hat, es dafür loben. Im Idealfall sollte das dazu führen, daß Kinder und Jugendlche den Ratschlag ihrer Eltern eher annehmen udnd daß ein gegenseitiges Verhältnis des Respekts entsteht.
Das ist die Theorie- und sie klappt wohl auch ganz gut, solange es den Eltern gelungen ist, ihre Kinder weit genug von der Werbung fernzuhalten.

Aber in den meisten Fällen sieht die Realität anders aus. Angestachelt durch verborgenen Werbebotschaften neigen Jugendliche heute dazu, ihre Fähigkeiten als die einzigen wahren Fähigkeiten einzuschätzen und das Wissen ihrer Eltern als bedeutungslos abzutun. Schau dir einfach mal die Werbesendungen, aber auch viele Sendungen für Kinder an. Während die "Pfefferkörner" am Ende immer den Punkt erreichen, wo sie dann doch die Eltern oder die Polizei um Hilfe bitten, sind es in den von der Werbeindustrie entwicklten Sendungen immer die Kinder und Jugendlichen, die völlig inkompetente, überforderte und Hilflose Lehrer und Eltern retten müssen...

Auf den rest deines Posts gehe ich später noch mal ein, ich muss jetzt noch ein bißchen was arbeiten...

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27.03.2014, 14:04
Beitrag: #42
RE: Moderne Erziehung und Werteverfall
(27.03.2014 11:02)Renegat schrieb:  Da hast du absolut recht und dieser Punkt macht mir schwer zu schaffen. Was denkst du, woher kommt dieses "komische" Ideal.
Könnte das ein Schichtenabgrenzungsphänomen sein? Die heutigen Eltern/teilweise schon die Großeltern gehören ja zur Bildungsgeneration. Setzen sich wortgewandte Menschen anders auseinander und propagieren damit ein Ideal der leise plätschernden Worte, die sie andererseits emotional verkrüppeln läßt?
Gibt es die breite Einschätzung "Emotionen zeigen, heißt Schwäche zeigen" und wer wütend rumschreit, flucht, zeigt seine Unterlegenheit und hat schon verloren im verbalen Schlagabtausch?

Mag sein, daß es damit zu tun hat. Es kann auch durchaus sein, daß es eine Protesthaltung gegen die 68 er Bewegung ist, die ein bißchen zu emotional war und deren Auswirkungen man fürchtete und deswegen ins Gegenteil verkehrte. Ich würde grob geschätzt die Ursachen der Angst vor Aggressionen in der Ausuferung der Protestbewegung damals sehen. Aber das ist nicht wissenschaftlich, nur einfach mal geraten...

Auf der anderen Seite hat sich hier im laufe der letzten 20, 30 Jahre eine "Mehr Schein als Sein"- Mentalität durchgesetzt, die wenig Spielraum für Eomtionen oder Inidivdualität läßt (was sich nicht so ohne weiteres trennen läß). Wer eine offene und ehrliche Bewerbung schreibt, hat schon verloren. Heute ist es in, Trainings zu machen wie "Wie verhalte ich mich bei Bewerbungen?". Beim Arbeitsamt bekommt man gesagt, was man tun muss, um einen Job zu bekommen, was selten genug mit der Qualifikation zu tun hat.

Und auf privater Ebene muss man einfach auch immer wieder feststellen, daß es wenig gewünscht ist, wenn Menschen zeigen, was sie fühlen. Ich bin nach meinen Erfahrungen der letzten drei jahren einfach so weit, daß ich davon überzeugt bin, daß die meisten Menschen um ihren Status Quo fürchten, wenn sie ihren Gefühlen folgen. Die Fassade läßt sich oft nur aufrecht erhalten, wenn man den Schein wahrt.

Was uns auch gleich zu deinem nächsten Punkt führt:


(27.03.2014 11:02)Renegat schrieb:  
(25.03.2014 21:41)Bunbury schrieb:  Ein offen ausgetragener Streit ist auf alle Fälle besser als ein nie ausgetragener Konflikt- der macht die Beteiligten krank. Vielleicht liegt es nicht zuletzt an diesem merkwürdigen gesellschaftlichen ideal, daß die Anzahl psychischer Erkrankungen steigt...

Ein wichtiger Punkt, es wird weitere geben. So ganz oberflächlich war bisher meine Theorie, dass sich Überarbeitung heute nicht mehr in körperlichen Beschwerden, wie Staublunge, Bandscheibenvorfall usw äußern kann, weil es körperlich überfordernde Arbeiten kaum noch gibt. Und die, die es gibt, sind gesetzlich durch den Arbeitsschutz hervorragend geregelt. Heute wird nur der Kopf und die Psyche überfordert. Mensch ist aber keine Denkmaschine und nicht mit einem stumpfen, emotionslosen Computer vergleichbar.

Ich habe vor kurzem zwei Bücher zum Thema Burnout gelesen, die davon ausgehen, daß Burnout nicht vom Stress alleine kommt. Die beiden Psychologinnen kommen- unabhängig voneinander- zu dem Schluss, daß es nicht die Arbeitsbelastung ist, die die Menschen ausbrennen läßt, sondern die Tatsache, daß sie sich und ihre Bedürfnisse selbst verleugnen. Wer aber seine bedürfnisse selbst verleugnet, schneidet sich den Weg zur eigenen Motivation ab.
Also eintönige, wenig abwechslungsreiche Tätigkeiten, die einem nicht einmal erlauben, an etwas anderes zu denken. Oder Tätigkeiten, die einem völlig wesensfremde Handlungsweisen abverlangen. Anforderungen, denen man sich nicht entziehen kann, die aber sämtliche Reserven auffressen...

Auch von daher wäre es vielleicht dringend angeraten, sich einmal mit unserem Leistungsgedanken auseinanderzusetzen...

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27.03.2014, 15:16
Beitrag: #43
RE: Moderne Erziehung und Werteverfall
(27.03.2014 14:04)Bunbury schrieb:  Ich habe vor kurzem zwei Bücher zum Thema Burnout gelesen, die davon ausgehen, daß Burnout nicht vom Stress alleine kommt. Die beiden Psychologinnen kommen- unabhängig voneinander- zu dem Schluss, daß es nicht die Arbeitsbelastung ist, die die Menschen ausbrennen läßt, sondern die Tatsache, daß sie sich und ihre Bedürfnisse selbst verleugnen. Wer aber seine bedürfnisse selbst verleugnet, schneidet sich den Weg zur eigenen Motivation ab.
Also eintönige, wenig abwechslungsreiche Tätigkeiten, die einem nicht einmal erlauben, an etwas anderes zu denken. Oder Tätigkeiten, die einem völlig wesensfremde Handlungsweisen abverlangen. Anforderungen, denen man sich nicht entziehen kann, die aber sämtliche Reserven auffressen......

Eine interessante These zu einem interessanten Thema. Von dem ich aber nicht weiß ob sich nicht sogar mal ein Extratread lohnen würde. Denn man muss schon sagen die Zahl von Burn-Outs usw. explodiert. Habe in den letzten Jahren in meinem Bekanntenkreis etliche Burn-Outs erlebt, sehr oft bei Leute bei denen man nicht gedacht hat das, dass einmal kommt.

Aber wie gesagt wäre ein interessantes Gesellschaftsthema, von dem ich aber finde geht zu weit weg vom Thema "Moderne Erziehung und Werteverfall".
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27.03.2014, 15:43
Beitrag: #44
RE: Moderne Erziehung und Werteverfall
(27.03.2014 15:16)WDPG schrieb:  Eine interessante These zu einem interessanten Thema. Von dem ich aber nicht weiß ob sich nicht sogar mal ein Extratread lohnen würde. Denn man muss schon sagen die Zahl von Burn-Outs usw. explodiert. Habe in den letzten Jahren in meinem Bekanntenkreis etliche Burn-Outs erlebt, sehr oft bei Leute bei denen man nicht gedacht hat das, dass einmal kommt.

Aber wie gesagt wäre ein interessantes Gesellschaftsthema, von dem ich aber finde geht zu weit weg vom Thema "Moderne Erziehung und Werteverfall".

Tja, das ist die spannende Frage, ob das vom Thema wegführt oder nicht. Hängt ganz davon ab, om man den "Werteverfall" als Ergebnis der "Modernen Erziehung" betrachtet, wie das bei den meisten der Fall ist.
Ich dagegen sehe den "Werteverfall" und ""Moderne Erziehung" als Folgen des gleichen Ursachensystems an, und dieses Ursachensystem mache ich auch für Burnout verantwortlich. Für mich gehört es also durchaus zusammen...

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27.03.2014, 16:06
Beitrag: #45
RE: Moderne Erziehung und Werteverfall
(27.03.2014 15:43)Bunbury schrieb:  Tja, das ist die spannende Frage, ob das vom Thema wegführt oder nicht. Hängt ganz davon ab, om man den "Werteverfall" als Ergebnis der "Modernen Erziehung" betrachtet, wie das bei den meisten der Fall ist.
Ich dagegen sehe den "Werteverfall" und ""Moderne Erziehung" als Folgen des gleichen Ursachensystems an, und dieses Ursachensystem mache ich auch für Burnout verantwortlich. Für mich gehört es also durchaus zusammen...

Kann alles sein, was ich aber eher meinte: Das Thema rund ums Burn Out ist so groß das es sich lohnen würde einen eigenen Tread zu machen, zumal dieses Thema hier ja auch etlich Facetten hat (wie wir hier ja sehen).
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28.03.2014, 11:45
Beitrag: #46
RE: Moderne Erziehung und Werteverfall
(27.03.2014 11:02)Renegat schrieb:  Ob das heute mit Pubertierenden und der jungen Generation insgesamt so anders ist als vor 1 -2 Generationen, ist für mich schwer zu sagen. Dieses Thema hat sich ja aus einer Diskussion über die 68-er Generation ergeben. Der mangelte es in den 70ern aus Sicht der Älteren auch an Respekt, als sie die Nazisdiskussion an den Familienesstisch trugen.

(27.03.2014 11:30)Bunbury schrieb:  Ich weiß nicht, ob ich das so vergleichen würde. Die jüngere Generation wollte sich mit einem Thema auseianndersetzen, mit dem sich die ältere Generation eben nicht auseinandersetzen wollte. Kinde rund Jugendliche mögen nicht gerne belogen werden, und das ist generell so, vermutlich seit Jahrtausenden. Sie haben damals vor allem den Umgang mit dem Thema abgelehnt. Deswegen haben sie sich dennoch vom Vater und vom Großvater zeigen lassen, wie man ein Fahrrad repariert und von der Mutter, wie man einen Apfelkuchen backt. (Und in einem Anfall von rebellion aren natürlich die ersteren die Mädchen und die zweiteren die Jungen.)
Die Jugendlichen von heute haben aber kein Thema mehr, das sie in die notwendige Auseinandersetzung mit ihren Eltern führen könnte. Welche Werte und welches Verhalten sollen sie denn in Frage stellen? Sie haben auf der anderen Seite aber auch kein Interesse mehr daran, von ihren Eltern irgendetwas zu lernen.

Mmh, es ist schon eine gewagte These, dass die Jugendlichen von heute kein Thema mehr haben für die notwendige Auseinandersetzung mit den Eltern. Das würde ja bedeuten, dass die Eltern und Lehrer alles richtig gemacht hätten?

Bei der Sache mit dem Lernen würde ich unterscheiden, Jugendliche sind irgendwann "elternmüde". Gerade in den heutigen Kleinstfamilien sollte sich das bemerkbar machen, wo alternative Bezugspersonen nicht mehr in der weiteren Familie zu finden sind.
Wenn dann auch noch die Lehrer ähnlich gestrickt sind wie die Eltern, suchen sie evtl. ganz woanders nach alternativen Handlungsmustern.
Sie sind ja nicht blind und taub und könnten empfinden, dass es neben dem bildungsbürgerlichen Mittelschichtsmodell zunehmend andere Schichten mit "robusterer" Sprache und Verhalten gibt.

(27.03.2014 11:02)Renegat schrieb:  Die Älteren von damals waren auch mal jung, so cirka in den 30ern. Ob die wiederum respektvoll mit Eltern und Lehrern umgingen, wenn sie mit der Nazipropaganda in den Köpfen von der HJ heimkamen, möchte ich bezweifeln.

(27.03.2014 11:30)Bunbury schrieb:  Ich glaube, hier ist dir nicht so ganz klar, was du scheibst. Genau darum geht es doch.
Ja, was meinst du denn, warum ich es geschrieben habe? Devil

(27.03.2014 11:30)Bunbury schrieb:  Es geht um Propaganda, die in den Köpfen der Jugendlichen ein Überlegenheitsgefühl erzeugt, daß sie eben von außen fremdgesteuert werden und sich nicht mehr von ihrem engen Lebensumfeld beeinflussen lassen. Das war in den 30 ern die Nazipropaganda- und wir wissen alle, wohin das geführt hat.
Heute ist es die Werbung- und manchmal frage ich mich schon, wohin das noch führen wird, wenn sich die Jugendlichen eben nicht mehr an den Auffassungen ihrer Eltern reiben, sondern sie von vorneherein als wertlos abtun. Solange die Jugendlichen noch darüber streiten wollen, besteht Hoffnung...
Ui ui ...gewagter aber sehr aussagekräftiger Vergleich. Die Propaganda der NS-Zeit mit der Gehirnwäschewerbung der globalen Großkonzerne...so deutlich wollte ich nicht werden.



(27.03.2014 11:02)Renegat schrieb:  Ich würde mir ein Smartphoneproblem gern von einem Jugendlichen erklären und lösen lassen und ihn hinterher ordentlich dafür loben. Es ist doch eine gute Erfahrung für´s jugendliche Selbstbewußtsein, auch mal etwas besser zu wissen oder zu können. Vielleicht hört er dann eher auf meinen Rat zum Umgang mit der Werbung und wem diese in Wahrheit nutzt.

(27.03.2014 11:30)Bunbury schrieb:  Genau das ist es, was in jedem Erziehungsratgeber steht, und wie die meisten engagierten Eltern mit ihren Kindern auch umgehen wollen. Anerkennen, daß das Kind Fähigkeiten hat, die man selbst nicht hat, es dafür loben. Im Idealfall sollte das dazu führen, daß Kinder und Jugendlche den Ratschlag ihrer Eltern eher annehmen udnd daß ein gegenseitiges Verhältnis des Respekts entsteht.
Das ist die Theorie- und sie klappt wohl auch ganz gut, solange es den Eltern gelungen ist, ihre Kinder weit genug von der Werbung fernzuhalten.

Aber in den meisten Fällen sieht die Realität anders aus. Angestachelt durch verborgenen Werbebotschaften neigen Jugendliche heute dazu, ihre Fähigkeiten als die einzigen wahren Fähigkeiten einzuschätzen und das Wissen ihrer Eltern als bedeutungslos abzutun. Schau dir einfach mal die Werbesendungen, aber auch viele Sendungen für Kinder an. Während die "Pfefferkörner" am Ende immer den Punkt erreichen, wo sie dann doch die Eltern oder die Polizei um Hilfe bitten, sind es in den von der Werbeindustrie entwicklten Sendungen immer die Kinder und Jugendlichen, die völlig inkompetente, überforderte und Hilflose Lehrer und Eltern retten müssen...

Eins muß ich zugeben, ich gucke und lese keine Werbung, weiß nicht, welche Spots z.Zt. laufen usw und das schon seit vielen Jahren. Wenn ich etwas neues brauche, formuliere ich meine Bedürfnisse und bin dann schon etwas verwundert, wenn ich an den Markt herantrete und in den Genuß von Verkäufersprache komme.
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28.03.2014, 12:34
Beitrag: #47
RE: Moderne Erziehung und Werteverfall
(27.03.2014 11:02)Renegat schrieb:  Da hast du absolut recht und dieser Punkt macht mir schwer zu schaffen. Was denkst du, woher kommt dieses "komische" Ideal.
Könnte das ein Schichtenabgrenzungsphänomen sein? Die heutigen Eltern/teilweise schon die Großeltern gehören ja zur Bildungsgeneration. Setzen sich wortgewandte Menschen anders auseinander und propagieren damit ein Ideal der leise plätschernden Worte, die sie andererseits emotional verkrüppeln läßt?
Gibt es die breite Einschätzung "Emotionen zeigen, heißt Schwäche zeigen" und wer wütend rumschreit, flucht, zeigt seine Unterlegenheit und hat schon verloren im verbalen Schlagabtausch?

(27.03.2014 14:04)Bunbury schrieb:  Mag sein, daß es damit zu tun hat. Es kann auch durchaus sein, daß es eine Protesthaltung gegen die 68 er Bewegung ist, die ein bißchen zu emotional war und deren Auswirkungen man fürchtete und deswegen ins Gegenteil verkehrte. Ich würde grob geschätzt die Ursachen der Angst vor Aggressionen in der Ausuferung der Protestbewegung damals sehen. Aber das ist nicht wissenschaftlich, nur einfach mal geraten...
Die 68-er emotional? Darauf wäre ich nie gekommen. Angst vor Ausufern der Protestbewegung hatte höchstens die konservative Politik aber doch nicht die Mehrheit der nach 68 lebenden Bevölkerung.

Man kann ja 68 für vieles verantwortlich machen aber an der Emotionslosigkeit nur über viele Umwege.
Ein Punkt wäre vielleicht die demokratische Stuhlkreiskultur mit Redestab und Ausredenlassen. Das kann bei allem Verständnis schon eine innere Aggression auslösen, wenn da so ein Dauerschwätzer ohne Ende seiert und nicht auf den Punkt kommt und es als extrem unhöflich gilt, ihm ins Wort zu fallen oder ihn sonstwie zu unterbrechen, obwohl ihm längst keiner mehr zuhört. Ihr kennt diese Situation bestimmt von vielen Teamsitzungen.
Womit wir auch wieder ein weiteres Ausgangsthema streifen, nämlich das "Nicht mehr zuhören"

(27.03.2014 14:04)Bunbury schrieb:  Auf der anderen Seite hat sich hier im laufe der letzten 20, 30 Jahre eine "Mehr Schein als Sein"- Mentalität durchgesetzt, die wenig Spielraum für Eomtionen oder Inidivdualität läßt (was sich nicht so ohne weiteres trennen läß). Wer eine offene und ehrliche Bewerbung schreibt, hat schon verloren. Heute ist es in, Trainings zu machen wie "Wie verhalte ich mich bei Bewerbungen?". Beim Arbeitsamt bekommt man gesagt, was man tun muss, um einen Job zu bekommen, was selten genug mit der Qualifikation zu tun hat.

Und auf privater Ebene muss man einfach auch immer wieder feststellen, daß es wenig gewünscht ist, wenn Menschen zeigen, was sie fühlen. Ich bin nach meinen Erfahrungen der letzten drei jahren einfach so weit, daß ich davon überzeugt bin, daß die meisten Menschen um ihren Status Quo fürchten, wenn sie ihren Gefühlen folgen. Die Fassade läßt sich oft nur aufrecht erhalten, wenn man den Schein wahrt.

Ja, das ist ein wichtiger Punkt, Fassade aufrecht zu erhalten, kostet viel Kraft und Energie. Offene Ehrlichkeit entlastet, ein uraltes Phänomen, dass die Kirchen immer noch als Beichte anbieten.



(27.03.2014 11:02)Renegat schrieb:  Ein wichtiger Punkt, es wird weitere geben. So ganz oberflächlich war bisher meine Theorie, dass sich Überarbeitung heute nicht mehr in körperlichen Beschwerden, wie Staublunge, Bandscheibenvorfall usw äußern kann, weil es körperlich überfordernde Arbeiten kaum noch gibt. Und die, die es gibt, sind gesetzlich durch den Arbeitsschutz hervorragend geregelt. Heute wird nur der Kopf und die Psyche überfordert. Mensch ist aber keine Denkmaschine und nicht mit einem stumpfen, emotionslosen Computer vergleichbar.

(27.03.2014 14:04)Bunbury schrieb:  Ich habe vor kurzem zwei Bücher zum Thema Burnout gelesen, die davon ausgehen, daß Burnout nicht vom Stress alleine kommt. Die beiden Psychologinnen kommen- unabhängig voneinander- zu dem Schluss, daß es nicht die Arbeitsbelastung ist, die die Menschen ausbrennen läßt, sondern die Tatsache, daß sie sich und ihre Bedürfnisse selbst verleugnen. Wer aber seine bedürfnisse selbst verleugnet, schneidet sich den Weg zur eigenen Motivation ab.
Also eintönige, wenig abwechslungsreiche Tätigkeiten, die einem nicht einmal erlauben, an etwas anderes zu denken. Oder Tätigkeiten, die einem völlig wesensfremde Handlungsweisen abverlangen. Anforderungen, denen man sich nicht entziehen kann, die aber sämtliche Reserven auffressen...

Auch von daher wäre es vielleicht dringend angeraten, sich einmal mit unserem Leistungsgedanken auseinanderzusetzen...
Ich bin auch unsicher, ob das nicht besser zusammen diskutiert werden sollte. Obwohl WDPG auch recht hat, wenn er das Thema Werte schon für zu groß hält.
Im Moment haben wir uns vom Titel schon ziemlich entfernt, Werteverfall ist zu Werteveränderung geworden. Moderne Erziehung kommt kaum noch vor, was aber klar war, da es keine durchgehende Erziehung gab und gibt.
Vielleicht sollte der Titel geändert werden.
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28.03.2014, 13:23
Beitrag: #48
RE: Moderne Erziehung und Werteverfall
(28.03.2014 11:45)Renegat schrieb:  Mmh, es ist schon eine gewagte These, dass die Jugendlichen von heute kein Thema mehr haben für die notwendige Auseinandersetzung mit den Eltern. Das würde ja bedeuten, dass die Eltern und Lehrer alles richtig gemacht hätten?

Nein, es bedeutet im Gegenteil, daß sie nicht viel richtig gemacht haben. Viel mehr wird heutige Erziehung seitens der Eltern zu sehr von dem Gedanken bestimmt, daß die Kinder sie vielleicht nicht richtig liebhaben, wenn sie ihre Wünsche nicht erfüllen. Bestätigung, die sie von außen nicht mehr bekommen,versuchen sich viele Eltern von ihren Kindern zu holen. Viele Eltern halten es einfach nicht aus, von ihren Kindern abgelehnt zu werden. Das erlebe ich in meinem Umfeld ständig. Es gibt nur wenige Eltern, die im Stande sind, es auszuhalten, wenn ihre Kinder mit ihnen nicht einverstanden sind.
Hier haben sich dann oft die Abhängigkeitsstrukturen verändert- und das ist ziemlich bedenklich.

Auch bei Lehrern, insbesondere bei Grundschullehrern findet sich das Verhalten häufig, hier kommt dann noch hinzu, daß Eltern Lehrer massiv unter Druck zu setzen versuchen, wenn diese ihre Kinder nicht so bewerten, wie die Kinder das wollen. Das führt auch dort zu Nachgeben.
Und wie bitte sollen sich Jugendliche an Menschen reiben, die immer nachgegeben haben? Ohne reibung aber keine Entwicklung...

(28.03.2014 11:45)Renegat schrieb:  Bei der Sache mit dem Lernen würde ich unterscheiden, Jugendliche sind irgendwann "elternmüde". Gerade in den heutigen Kleinstfamilien sollte sich das bemerkbar machen, wo alternative Bezugspersonen nicht mehr in der weiteren Familie zu finden sind.[quote='Renegat' pid='34572' dateline='1395999947']

Ich denke, solange Kinder und Jugendliche noch das Gefühl haben, daß ihre Eltern ihnen noch etwas beibringen können, werden sie ihre Eltern als Lehrer auch akzeptieren. Aber was sehr leicht fällt, solange die Kinder noch sehr klein sind, fällt bei zunehmender Entfremdung kindlicher und erwachsener Lebenswelten doch schwerer.

[quote='Renegat' pid='34572' dateline='1395999947']
Wenn dann auch noch die Lehrer ähnlich gestrickt sind wie die Eltern, suchen sie evtl. ganz woanders nach alternativen Handlungsmustern.
Sie sind ja nicht blind und taub und könnten empfinden, dass es neben dem bildungsbürgerlichen Mittelschichtsmodell zunehmend andere Schichten mit "robusterer" Sprache und Verhalten gibt.

Hier verlasse ich mich einfach auf das, was ich von Menschen erfahre, die viel Umgang mit jungen Menschen haben. Sie berichten übereinstimmend davon, daß die Jugendlichen von heute sich immer weniger beibringen lassen und das das proportional zu ihren Fähigkeiten mit dem Umgang mit Massenmedien steht. Eine derartige Einstellung ließ sich auch wunderbar am letzten Azubi feststellen, mit dem ich zu tun hatte. Absolut fit mit dem PC, bildete er sich unglaublich etwas darauf ein, daß er die neuesten Kniffe kannte- und sah es einfach nicht ein, daß er für den Beruf dann doch noch ein bißchen Fachwissen brauchte. Eine völlige Schieflage im Einschätzen der eigenen Fähigkeiten. Und wie gesagt, diese Tendenz wird mir von anderen leuten, die Umgang mit Jugendlichen haben, bestätigt.
Das kann man nicht nur den lehrern anlasten...

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Volker Pispers
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29.03.2014, 21:46
Beitrag: #49
RE: Moderne Erziehung und Werteverfall
Der evidente Werteverfall, der z.T. nicht nur durch globale Entwicklungen, die hier schon angeschnitten wurden, mitverursacht wird, wird politisch nicht nur hingenommen sondern auch noch perpetuiert.

Das wird, wenn man sich Meldungen wie diese hier

Zitat:
Weniger schlechte Noten - Lehrer beklagen "Gleichmacherei"


Essen. Die Hürden für schlechte Noten werden an Schulen in NRW immer höher, klagen Lehrer. Grund sei das Ziel der Landesregierung, möglichst keinen Schüler mehr sitzen zu lassen. „Wir schleppen jetzt Leute durch, die es früher nicht geschafft hätten“, sagt eine Lehrerin aus dem Kreis Kleve
. [...]

http://www.derwesten.de/region/weniger-s...26310.html


zu Gemüte führt, sehr greifbar.
In Ö geht's in dieselbe Richtung.


Das Resultat dieser neomarxistischen Pädagogik ist dann u.a. das hier:

Zitat:Studenten können keine Rechtschreibung mehr

„Vorrausetzung“, „wiederrum“, „Kommulitionen“ - eine genervte Politik-Dozentin berichtet über den abenteuerlichen Umgang mit der deutschen Sprache in Seminararbeiten.[...]

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/...62242.html





Meldungen wie diese hier sind hingegen schon normaler Bestandteil der Nachrichten und regen kaum mehr wen auf.

Zitat:Attacke in Wittenau
Jugendclique prügelt Mann (20) in Klinik

Auf dem U-Bahnhof Wittenau attackierten zehn Kinder und Jugendliche einen Mann, weil er 'falsch geguckt' habe - Krankenhaus[...]


http://www.bz-berlin.de/tatorte/jugendcl...22019.html


Zitat:S-Bahnhof Schöneberg

Zwölfjährige prügelt Polizisten ins Krankenhaus


Eine Zwölfjährige hat auf dem S-Bahnhof Schöneberg eine 42-Jährige zusammengeschlagen. Bei der Festnahme trat das Mädchen einen Polizisten so fest in den Unterleib, dass auch der Beamte ins Krankenhaus musste.

Anlass des Gewaltexzesses war eine qualmende Zigarette. Die 12-Jährige stand laut Bundespolizei gegen 16.20 Uhr mit mehreren Begleiterinnen in einer S-Bahn der Ringbahnlinie und rauchte. Eine 42-Jährige wies die Mädchen auf das Rauchverbot hin. Daraufhin kam es zum Streit, der auf dem Bahnsteig des S-Bahnhofs Schöneberg eskalierte. Eine 15-Jährige packte die 42-Jährige von hinten und hielt sie fest, während ihr die Zwölfjährige mindestens zwei Mal fest ins Gesicht schlug. Die 42-Jährige erlitt laut Bundespolizei eine stark blutende Platzwunde im Gesicht.[...]


http://www.tagesspiegel.de/berlin/polize...86008.html

MfG, Titus Feuerfuchs
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30.03.2014, 09:08
Beitrag: #50
RE: Moderne Erziehung und Werteverfall
Von diesen Vorfällen in Berlin auf das allgemeine Befinden der deutschen bzw. österreichischen Jugendlichen zu schließen, geht aber m.E. zu weit.

Derart aggressiv sind nicht viele Jugendliche.

Andererseits hört man öfter von Polizisten, Türstehern, Pädagogen, dass in den letzten beiden Jahrzehnten die Hemmschwelle bei den Jugendlichen, die aggressiv sind, bedenklich niedrig geworden ist: Wo früher mit dem Schlagen aufgehört wurde, als der Gegner am Boden lag, wird heute weiter gestiefelt. Vor einiger Zeit führte das in München zu einem Todesfall, und auch aus Berlin und anderen Städten sind solche Fälle bekannt. Scheint ein Großstadtphänomen zu sein...

Was mich wieder zum Thema führt: Wird etwa in Großstädten anders erzogen als "auf dem Land"? Gelten dort andere Werte? Und führt dieser Unterschied zu all den Diskussionen um einen allgemeinen Wandel in Erziehung und Werten?

VG
Christian
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30.03.2014, 16:24
Beitrag: #51
RE: Moderne Erziehung und Werteverfall
(30.03.2014 09:08)913Chris schrieb:  Was mich wieder zum Thema führt: Wird etwa in Großstädten anders erzogen als "auf dem Land"? Gelten dort andere Werte? Und führt dieser Unterschied zu all den Diskussionen um einen allgemeinen Wandel in Erziehung und Werten?

natürlich gibt es einen Unterschied in der Erziehung zwischen land und Stadt. Aber das liegt nicht unbedingt daran, daß Eltern auf dem land anders erziehen als Menschen in der Stadt.
Was mich bei der Diskussion um Erziehungsstile immer so ein bißchen nervt, ist, daß junge Menschen immer nur als "Endergebnis der Erziehung ihrer Eltern" angesehen werden- und die gesamtgesellschaftlichen Einflüsse komplett geleugnet werden.
Jeder, der selbst Kinder erzieht, muss die Erfahrung machen, daß in dem Augenblick, in dem man sein Kind mit anderen Kindern zusammenkommen läßt, das Kind auch gleichzeitig mit anderen Wertvorstellungen als den eigenen konfrontiert wird.
Ich habe mir z.B. fest vorgenommen, meine Kinder pazifistisch zu erziehen, ihnen natürlich keine Waffen in die Hand zu drücken und ihnen überhaupt keinen Anlass zu bieten, sich aggressiv zu verhalten... Das klappte auch ganz hervorragend. Bis zu dem Tag, an dem sie in den Kindergarten kamen. Dort kamen sie nämlich mit Kindern zusammen, deren Eltern ganz andere Vorstellungen hatten. Tja, und da hatte es sich mit pazifistischen Erziehung...
Mittlerweile sehe ich das natürlich sehr viel entspannter, aber ich sehe, was die Kindererziehung anbetrifft, auch eine gesellschaftliche Mitverantwortung. Wie können sich zum beispiel Leute, die sich im Straßenverkehr an keine Regeln halten (und man achte mal darauf, wie viele das nicht tun) erdreisten, von Kindern jederzeit gutes Verhalten zu erwarten? Wie viele meinen, eine Kasserin von oben herab behandeln zu können und beschweren sich gleichzeitig darüber, daß Kinder heute keine Manieren mehr haben?
Wenn es einen Wertewandel gegeben hat, dann vor allem den, daß einfach niemand mehr bereit ist, die Verantwortung für das zu übernehmen, was er selbst tut.
Erziehung ist eben keine Sache der Eltern allein. Von daher überrascht mich die zunehmende Aggressivität junger Menschen in den Städten nicht. Das leben in den Städten selbst ist aggessiver- und die Kinder werden damit tagtäglich konfrontiert....

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31.03.2014, 00:33
Beitrag: #52
RE: Moderne Erziehung und Werteverfall
(30.03.2014 16:24)Bunbury schrieb:  Wenn es einen Wertewandel gegeben hat, dann vor allem den, daß einfach niemand mehr bereit ist, die Verantwortung für das zu übernehmen, was er selbst tut.
Erziehung ist eben keine Sache der Eltern allein. Von daher überrascht mich die zunehmende Aggressivität junger Menschen in den Städten nicht. Das leben in den Städten selbst ist aggessiver- und die Kinder werden damit tagtäglich konfrontiert....

Irgendwie genau das, was ich zum Ausgang der Debatte lancieren wollte. Auf die Gefahr, dass wir uns im Kreis drehen (wobei wir da dann vielleicht nur die ganze Problematik kopieren): Da ist wieder die Erziehung angesprochen (ob antiautoritär, modern oder einfach vernachlässigt lasse ich mal dahingestellt), aber eben auch die Konsumgesellschaft, mit ihrem ganzen Werbeberiesele.

Eine Werbeeinschaltung, die vor ein paar Jahren hier in Tschechien lief und von Škofin (VW Bank/Leasing) propagiert wurde: Ich kanns mir leisten! Mich brachte das auf den Keks, weil ich mir sagte: ja, das suggeriert gerade denjenigen, die es sich nicht leisten können, sich zu übernehmen, wegen einer Scheisskarre.

Warum sage ich das: Die Werbung suggeriert uns, wir können uns alles leisten. Nur um bessere Monatszahlen der verkaufenden Unternehmen zu erzeugen... Verantwortung wo? Inkassounternehmen kommen später.

Der Kapitalismus, ist, zumindest zu gutem Teil, vom Calvinismus enstanden, der hiess: Weniger verbrauchen, als man verdient. Also sparen, damit man investieren kann. Wobei ich glaube, die Juden, die hatten das auch immer drauf.

Und woher kommt jetzt aber die Aggressivität? Naja, ich bin unter Druck, ich kann mir nicht den Konsum leisten, der mir andauernd suggeriert wird, schlage ich zu, gerade wenn ich ein paar Brutalo Videos oder Spiele zu viel gesehen habe. Wo der schwächere nidergetrampelt wird. Wenn ich die Gelegenheit habe, mache ich es. Und die Kuscheljustiz sanktioniert das nicht einmal... oder doch?

War das jetzt zu-einfach-populistisch oder ist vielleicht doch was dran?
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31.03.2014, 02:40
Beitrag: #53
RE: Moderne Erziehung und Werteverfall
(31.03.2014 00:33)Marek1964 schrieb:  [...]

Eine Werbeeinschaltung, die vor ein paar Jahren hier in Tschechien lief und von Škofin (VW Bank/Leasing) propagiert wurde: Ich kanns mir leisten! Mich brachte das auf den Keks, weil ich mir sagte: ja, das suggeriert gerade denjenigen, die es sich nicht leisten können, sich zu übernehmen, wegen einer Scheisskarre.

Warum sage ich das: Die Werbung suggeriert uns, wir können uns alles leisten. Nur um bessere Monatszahlen der verkaufenden Unternehmen zu erzeugen... Verantwortung wo? Inkassounternehmen kommen später.

Konsum auf Pump ist ein Aspekt des Spätkapitalimus. Einerseits eine Reaktion auf gesättigte Märkte, andererseits ein Möglichkeit, trotz niedriger bzw sinkender oder stagnierender Einkommen und schrumpfender Bevölkerungszahlen ein Absatzplus zu generieren.

Imho bleibt die Verantwortung aber bei jedem Einzelnen, da keiner gezwungen wird auf Pump irgendeinen Schrott zu kaufen, den er gar nicht braucht. Die meisten sind allerdings gierig und tun es trotzdem. Oft wird NUR nach dem Preis gekauft, wurscht, ob man das Teil braucht oder nicht und das keineswegs nur von Geringverdienern, wie ich aus eigener Erfahrung weiß - für mich pers. völlig unverständlich, aber jedem Tierchen sein Pläsierchen.

Bei Kindern und Jugendlichen ist's freilich etwas anders, von ihnen kann man nicht dasselbe Maß an Eigenverantwortung erwarten wie von einem Erwachsenen, sie müssen daher besser geschützt werden.





(31.03.2014 00:33)Marek1964 schrieb:  Der Kapitalismus, ist, zumindest zu gutem Teil, vom Calvinismus enstanden, der hiess: Weniger verbrauchen, als man verdient. Also sparen, damit man investieren kann. Wobei ich glaube, die Juden, die hatten das auch immer drauf.

Unser Geld- und damit auch unser Wirtschaftssystem funktioniert aber genau anders herum.
Es basiert auf Schulden. Ohne Schulden keine Geldschöpfung und kein Wirtschaftswachstum.

Kein Unternehmen kann sich eine Eigenkapitalquote von 100% erlauben und nur mit dem zu expandieren,was es angespart hat. Das wäre auch betriebswirtschaftlich kontraproduktiv, da geborgtes Geld mitunter mehr einbringt, als es kostet. (Leverage-Effekt)

Auch in der VWL können Schulden Sinn machen, wenn das daraus generierte Geld für nachhaltige Investitionen (z.B. Bildung oder Infrastruktur) verwendet wird.
Wird es hingegen verjausnet (Was meistens der Fall ist), endet das in griechischen Verhältnissen.






(31.03.2014 00:33)Marek1964 schrieb:  Und woher kommt jetzt aber die Aggressivität?

Es gibt mannigfaltige Gründe, in Berlin geht es u.a. auf das bei vielen jungen Muslimen vorherrschende Weltbild und Wertegefüge, das mit dem abendländischen kaum Parallelen aufweist, zurück.

Ein weiterer Grund ist in den Medien zu suchen. Wenn ich z.B. die Serien die heute gesendet werden mit denen meiner Kindheit und Jugend vergleiche, muss ich sehen, dass die Werte, die ich für wichtig halte, nicht mehr ausreichend vermittelt werden.

Einen, imho einen der wichtigsten, Gründe, nennst du hier:

(31.03.2014 00:33)Marek1964 schrieb:  Naja, ich bin unter Druck, ich kann mir nicht den Konsum leisten, der mir andauernd suggeriert wird, schlage ich zu, gerade wenn ich ein paar Brutalo Videos oder Spiele zu viel gesehen habe. Wo der schwächere nidergetrampelt wird. Wenn ich die Gelegenheit habe, mache ich es. Und die Kuscheljustiz sanktioniert das nicht einmal... oder doch?

Toleranz bzw Akzeptanz von gewalttätigem, kriminellen und destruktiven Verhalten.

Man merkt man kommt damit durch und es erfolgt eine positive Konditionierung.

Und diese Akzeptanz wird von einer politschen Einstellung gestützt, die ihrem Ursprung bei den 68ern hat, aber das habe ich ja schon zu Beginn dieses Threads ausgeführt.






(31.03.2014 00:33)Marek1964 schrieb:  War das jetzt zu-einfach-populistisch oder ist vielleicht doch was dran?

Das hast du schon halbwegs getroffen, aber ich gelte hier ja selber als "böser Rechtspopulist". Cool


Exkurs:
Imho sollte man sich kurz fragen, was unter Populismus, der ja gern als Totschlagergument missbraucht wird, zu verstehen ist.
Es existieren auch dazu mehrere Ansätze.

Populismus, wenn er die Meinung des Volkes artikuliert, ist etwas grundsätzlich Positives, da ureigenste Aufgabe eines Volksvertreters.

Destruktiver Populismus besteht darin, Menschen etwas zu versprechen, was realpolitisch nicht machbar ist , bzw. ihnen langfristig schadet.

MfG, Titus Feuerfuchs
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31.03.2014, 09:51
Beitrag: #54
RE: Moderne Erziehung und Werteverfall
(31.03.2014 00:33)Marek1964 schrieb:  Und woher kommt jetzt aber die Aggressivität? Naja, ich bin unter Druck, ich kann mir nicht den Konsum leisten, der mir andauernd suggeriert wird, schlage ich zu, gerade wenn ich ein paar Brutalo Videos oder Spiele zu viel gesehen habe. Wo der schwächere nidergetrampelt wird. Wenn ich die Gelegenheit habe, mache ich es. Und die Kuscheljustiz sanktioniert das nicht einmal... oder doch?

Das ist jetzt dann doch ein bißchen zu vereinfachend. Die zunehmende Aggressivität hat mehrere Ursachen, die aber durchaus irgendwie alle auf unseren modernen Lebenswandel zurückzuführen sind.

Angefangen hat die Diskussion ja in einem ganz anderen Thread- als eine Ursache für die zunehmende Aggressivität kann auf jeden Fall die peramente Reizüberflutung gelten. Man hat ja kaum noch die Möglichkeit, einen Moment der Stille zu genießen, in dem man einfach mal tief durchatmen kann. Man wird ständig irgendwelchen Reizen ausgesetzt, denen man sich auch nicht unbedingt entziehen kann.
Als Kind bin ich noch damit aufgewachsen, daß zwischen 13.00 und 15.00 Ruhe zu halten war, daß der Sonntag als Ruhetag galt. War vielleicht super,superaltmodisch- aber diese Ruheräume sind verschwunden.
Eine weitere Ursache für zunehmende Aggressivität dürfte darüber hinaus die abnehmende Bewegung sein. Der Mensch ist entwicklungsgeschichtlich ein Wanderer. Nun, wieviele Schritte legen moderne Menschen am Tag noch zurück?
Reizüberflutung und Bewegungsmangel- beides zusammen erhöht die Aggressivtiät in besonderem Maße.
Beides wird durch den modernen Lebensstil extrem gefördert...

Auf dem Grabstein dess Kapitalismus wird stehen: "Zuviel war nicht genug"
Volker Pispers
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31.03.2014, 10:06
Beitrag: #55
RE: Moderne Erziehung und Werteverfall
Auf alles kann ich jetzt nicht eingehen, bei mir kommt eine merkwürdige Logikkette an.
Die 68-er sind schuld an Aggression und Gewalt und ausuferndem Kapitalismus, bes der Schuldenkrise. Aber auch an der Privatüberschuldung durch manipulierende Werbung.
Irgendwas paßt da ganz und gar nicht zusammen.
Könnt ihr mal eure diffusen Herleitungen zeitlich und generationenbezogen folgerichtig aufbauen, Marek und Titus?
Weder die 68-er selbst, noch ihr Nachhall aus den 70ern können heute, rein rechnerisch, Kinder erziehen.
Wessen Kinder sind dann so böse, konsumgeil und falsch erzogen und vor allem warum?
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01.04.2014, 00:58
Beitrag: #56
RE: Moderne Erziehung und Werteverfall
(31.03.2014 10:06)Renegat schrieb:  Auf alles kann ich jetzt nicht eingehen, bei mir kommt eine merkwürdige Logikkette an.
Die 68-er sind schuld an Aggression und Gewalt und ausuferndem Kapitalismus, bes der Schuldenkrise. Aber auch an der Privatüberschuldung durch manipulierende Werbung. Irgendwas paßt da ganz und gar nicht zusammen.

Du hast leider zum wiederholten Mal nichts verstanden. Und ich habe ehrlich gesagt zz auch nicht die Lust, noch x weitere Posts zu verfassen, bis es bei dir ankommt, nichts für ungut.


(31.03.2014 10:06)Renegat schrieb:  Könnt ihr mal eure diffusen Herleitungen zeitlich und generationenbezogen folgerichtig aufbauen, Marek und Titus?

Ich baue meine Beiträge so auf, wie ich es für richtig halte, sorry.

(31.03.2014 10:06)Renegat schrieb:  Weder die 68-er selbst, noch ihr Nachhall aus den 70ern können heute, rein rechnerisch, Kinder erziehen.

Aber ihre Kinder können es.

Außerdem hast du nicht verstanden, dass das Problem tiefer liegt, weil der Neomarxismus das Denken breiter Gesellschaftsschichten (und zwar der oberen) und Handeln staatlicher Institutionen nachhaltig beeinflusst.


(31.03.2014 10:06)Renegat schrieb:  Wessen Kinder sind dann so böse, konsumgeil und falsch erzogen und vor allem warum?

Z.B. weil bürgerliche Werte nicht mehr so viel zählen. In Großstädten kommen noch die "Werte" einer muslimischen "Machismokultur" zum Tragen, die das ihrige zur unbefriedigenden Gesamtsituation beiträgt.

MfG, Titus Feuerfuchs
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01.04.2014, 07:03
Beitrag: #57
RE: Moderne Erziehung und Werteverfall
(30.03.2014 09:08)913Chris schrieb:  Was mich wieder zum Thema führt: Wird etwa in Großstädten anders erzogen als "auf dem Land"? Gelten dort andere Werte? Und führt dieser Unterschied zu all den Diskussionen um einen allgemeinen Wandel in Erziehung und Werten?

VG
Christian

Nein. Die Erziehung in Großstädten ist im Allgemeinen nicht anders als auf dem Land. Aber Großstadtkinder werden mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus und Szenen konfrontiert. Während auf dem Lande und in Kleinstädten Kinder und Jugendliche neben der Erziehung durch ihre Eltern sich nur den Einflüssen von Schule, Vereinen, Kirche, Nachbarn usw. stellen müssen, müssen sich Großstadtkindern zusätzlich mit unterschiedlichen sozialen und kulturellen Milieus auseinandersetzen. Vor allem in solchen Stadtvierteln, die als soziale Brennpunkte gelten. Die dort lebenden Kinder erleben auch häufiger den Widerspruch, um nicht zu sagen: die Verlogenheit, zwischen den ihnen vermittelten Werten und ihrem eigenen Umfeld. Wer dort lebt, muss „Biss“ haben und wenn sich dieses Verhalten gegen die Gesellschaft richtet, wird es halt als aggressiv wahrgenommen. Verhält sich der Jugendliche konform und kämpft sich aus diesem Milieu heraus, wird er gelobt für seine Stärke und sein Durchsetzungsvermögen. Wenn ich z.B. Nachhilfeunterricht gebe, habe ich weniger um die frechen oder „bösen“ Kinder Angst, sondern eher um die „lieben“, leicht lenkbaren und gut gläubigen Kinder und Jugendlichen.

(30.03.2014 16:24)Bunbury schrieb:  Wie können sich zum beispiel Leute, die sich im Straßenverkehr an keine Regeln halten (und man achte mal darauf, wie viele das nicht tun) erdreisten, von Kindern jederzeit gutes Verhalten zu erwarten? Wie viele meinen, eine Kasserin von oben herab behandeln zu können und beschweren sich gleichzeitig darüber, daß Kinder heute keine Manieren mehr haben?
Wenn es einen Wertewandel gegeben hat, dann vor allem den, daß einfach niemand mehr bereit ist, die Verantwortung für das zu übernehmen, was er selbst tut.

Das ist richtig. Gerade im Straßenverkehr merkt man, dass es falsch ist, Aggressivität nur mit der so genannten „Unterschicht“ zu verbinden. Fahrer bestimmter bayrischer Marken haben nicht umsonst ihren schlechten Ruf weg.

Es ist nicht nur, dass die Kassiererin von oben herab behandelt wird, es sind ja auch die Arbeitsverhältnisse, -verträge und –zeiten. Wer Samstag spät abends shoppen gehen möchte, braucht sich auch nicht über die fehlende Ruhe zur Mittagszeit aufregen. Wer heute als Ungelernter oder Angelernter, als Praktikant oder in einen „Beruf mit niedriger Qualifikation“ arbeitet, sollte schon einiges wegstecken können. Wie sollen dann diese Leute, die in ihrem Arbeitsleben wenig Achtung und Respekt gegenüber ihrer Person, ihren Kindern Werte vermitteln. Wieso sollen sie zum Beispiel ihren Kindern Achtung gegenüber Unternehmer beibringen, wenn ihr Arbeitgeber den Lohn statt am 1. erst am 15. auszahlt oder Facharbeiter gegen kostengünstige Leiharbeiter ersetzt. Der Werteverfall in der Gesellschaft hat nämlich auch damit zu tun, dass der Einzelne keine Wertschätzung für sein Tun erhält.

(31.03.2014 00:33)Marek1964 schrieb:  Naja, ich bin unter Druck, ich kann mir nicht den Konsum leisten, der mir andauernd suggeriert wird, schlage ich zu, gerade wenn ich ein paar Brutalo Videos oder Spiele zu viel gesehen habe. Wo der schwächere nidergetrampelt wird. Wenn ich die Gelegenheit habe, mache ich es. Und die Kuscheljustiz sanktioniert das nicht einmal... oder doch?

Aggressives Verhalten ist nicht nur bei den Menschen zu beobachten, die sich vieles nicht leisten können. Richtig ist, dass durch brutale Filme, Videos und Spiele die Hemmschwelle sinkt, nicht Gewalt anzuwenden. Gewalt ist aber nicht nur der Gebrauch von Fäusten und Waffen, Gewalt fängt schon mit verbalen Attacken an. Leider wird es in der Öffentlichkeit auch vorgelebt, dass man seinen Kontrahenten nicht aussprechen lässt, ihn diffamiert oder beschimpft. Und uns wird z.B. ein Mann als Vorbild hingestellt, der für ein Sieg in einem Rennen trickst und schummelt, es riskiert seinen Bruder übern Haufen zu fahren und der wegen zu zahlender Steuern seinen Wohnsitz in die Schweiz verlegt hat. Da braucht man sich dann nicht zu wundern, was am Freitag oder Sonnabend abends auf den Straßen los ist.

Kuscheljustiz hin oder her. Gewalttätige Jugendliche in den Knast zu schicken, bringt in vielen Fällen nicht. Es kann nicht im gesellschaftlichen Interesse sein, dass ein achtzehnjähriger Schläger (oder Schwarzfahrer) im Knast eine Welt kennen lernen, die von gewalttätigen Schwerverbrechern bestimmt wird und wo der junge Mensch nur lernt, sich diesem auf Gewalt basierenden System unterzuordnen. Richtiger wäre es, diese Jugendlichen mit den Folgen ihrer Taten zu konfrontieren und sie zu sozialen Leistungen (Krankenhäuser, Altenheime, THW, Freiwillige Feuerwehr, DRK usw.) zu verpflichten. Dazu benötigt man natürlich mehr geschultes Personal.

(31.03.2014 10:06)Renegat schrieb:  Wessen Kinder sind dann so böse, konsumgeil und falsch erzogen und vor allem warum?

Richtig böse Kinder gibt es ja zum Glück kaum, ein Teil der Kinder ist schwierig und damit müssen wir klar kommen. Dasselbe könnte man auch über die ältere oder Elterngeneration sagen, in meinen Fall wären das die über 70-/75-jährigen.

Dass viele Kinder konsumgeil sind, ist doch gewollt. Ganze Industriezweige leben doch davon. Dabei ist es egal, ob es Markenklamotten, elektronisches Spielzeug, Harry Potter oder sonst was ist.

Falsch erziehen? Uns gefallen oft der Ton und der Sprachschatz der Jugendlichen nicht oder ihre Manieren. Sie zeigen wenig Respekt dem Älteren gegenüber, sie bleiben in den öffentlichen Verkehrsmitteln sitzen, während die Sechzigjährigen für die Achtzigjährigen aufstehen. Ist jetzt etwas überspitzt, aber zeigen Jugendliche nur das, was praktisch gesellschaftlich vorgelebt wird. Über 50-jährige haben es schwer auf dem Arbeitsmarkt, Rentner werden nur als volkswirtschaftlicher Kostenfaktor dargestellt. Welche Altersgruppe ist denn relevant bei Arbeit, TV, Mode usw.? Warum erwartet man als älterer Mitarbeiter von einem jungen Fachmann Respekt und vom Chef nicht? Der Vorgesetzte kann sich jede verbale Entgleisung erlauben, bei einem jungen Kollegen ist man pikiert, wenn er nicht „Guten Morgen“ sagt.

Vor noch nicht allzu langer Zeit blieb das Fachwissen relativ konstant, der Ältere war aufgrund seiner Erfahrung geschätzt. Heute leben wir in einer Zeit, in der in vielen Fachgebieten permanent Revolutionen stattfinden. Fachwissen wird vielleicht für zehn oder zwanzig Jahren gebraucht, irgendwann nutzen die gesammelten Erfahrungen nicht mehr. Der Ältere hat Wissen, das er nicht weitergeben kann. Der Jüngere kann vom Älteren keine Unterstützung erwarten. Es gibt deshalb wenige Möglichkeiten, gegenseitigen Respekt zu erlangen. Im Büro ist z.B. der Experte für die neusten Computerprogramme mehr gefragt als ein ausgebildeter Lohn- und Gehaltsbuchhalter.

Ebenso sollte man bedenken, dass immer gehorsame Kinder zwar pflegeleicht sind und wenig Stress bereiten, aber sie sind dann nicht auf das Leben vorbereitet und werden sich später im schlimmsten Fall nicht in Konkurrenzsituationen behaupten können.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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23.04.2014, 22:49
Beitrag: #58
RE: Moderne Erziehung und Werteverfall
Es mag zwar "immer gehorsame" Kinder geben, aber das wäre eine krasse Seltenheit. Das man die Eltern respektiert und dann auch die Lehrer, ist sicherlich weit verbreitet. Gegenüber Fremden ist man deshalb in der Regel nicht gehorsam und hat deshalb genügend Übung für Konflicktsituationen.
Ich bin auch der Auffassung, das es einen Unterschied in der Sozialisation auf dem Land und in der Stadt gibt. Tendentiell empfinde ich die Sozialisation auf dem Land als sozialer und wertegebundener.

viele Grüße

Paul

aus dem hessischen Tal der Loganaha (Lahn)
in der Nähe von Wetflaria (Wetzlar) und der ehemaligen Dünsbergstadt
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24.04.2014, 09:22
Beitrag: #59
RE: Moderne Erziehung und Werteverfall
(23.04.2014 22:49)Paul schrieb:  Es mag zwar "immer gehorsame" Kinder geben, aber das wäre eine krasse Seltenheit.

Soweit stimme ich dir zu. Mein Älterer hatte eine Klassenlehrerin, die in Bezug auf die Note 1 im Sozialverhalten gesagt hat, ein Kind, das diese (vorgegebenen) Anforderungen erfüllen würde, würde sie zum Psychiater schicken.

(23.04.2014 22:49)Paul schrieb:  Das man die Eltern respektiert und dann auch die Lehrer, ist sicherlich weit verbreitet. Gegenüber Fremden ist man deshalb in der Regel nicht gehorsam und hat deshalb genügend Übung für Konflicktsituationen.

Das geht weit an der Realität vorbei. Tatsächlich verhalten sich Kinder niemandem gegenüber so schlecht wie ihren Eltern (es sei denn sie müssen Gewalt fürchten). Das ist auch völlig normal, denn die Kinder wissen ja schließlich, daß ihre Eltern sie lieben.
Der zunehmend mangelnde Respekt hat aber sicherlich auch etwas damit zu tun, dass Eltern immer mehr an Authentizität verlieren. Kinder respektieren ihre Eltern dann, wenn sie sie als ehrlich empfinden- und das ist leider immer seltener der Fall, weil immer mehr Menschen ein Leben leben, das sie eigentlich gar nicht leben wollen.
(Ich würde lieber auf dem land leben, aber da gibt es keine Jobs. Ich würde lieber 20 Stunden arbeiten, aber mein Chef will nur, daß ich 15 oder 25 Stunden arbeite.Ich würde gerne arbeiten, aber ich weiß nicht, wie ich das mit den Kindern schaffen soll. ich würde gerne weniger arbeiten, aber dann werde ich nicht befördert.) Kinder haben ein großartiges Gespür dafür,wenn ihre Eltern Meinungen vertreten, die dem, was sie eigentlich wollen, gar nicht entsprechen.

Die meisten Kinder verhalten sich Fremden gegenüber wesentlich besser als ihren Eltern und Lehrern gegenüber. Lediglich, wenn sie von diesen Fremden "Angemacht" werden, ist die Hemmeschwelle geringer. Wenn so ein alter Knotterkopf am Spielplatz vorbei geht und die Kinder dort anschnauzt, gefälligst nicht so rumzuschreien, muss er sich über Schimpfworte nicht wundern.


(23.04.2014 22:49)Paul schrieb:  Ich bin auch der Auffassung, das es einen Unterschied in der Sozialisation auf dem Land und in der Stadt gibt. Tendentiell empfinde ich die Sozialisation auf dem Land als sozialer und wertegebundener.
Wenn man ein mensch ist, der bereit zur Anpassung ist, kann man das sicherlich so sehen. Das Normenkorsett ist auf dem Land sicherlich enger, man ist dadurch, daß jeder jeder kennt, an die Gesetze des Landlebens gebunden, wenn man nicht zum Außenseiter werden will. Solange man der Norm entspricht, ist das Leben auf dem Land sicherlich sozialer.
Freie Entfaltung ist da aber sicher nicht möglich. Das it der preis, den man auf dem Land nun mal bezahlt. Man kann nicht immer tun, was man selbst für richtig hält, sondern muss tun, was allgemein für richtig gehalten wird.

Auf dem Grabstein dess Kapitalismus wird stehen: "Zuviel war nicht genug"
Volker Pispers
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24.04.2014, 11:01
Beitrag: #60
RE: Moderne Erziehung und Werteverfall
(24.04.2014 09:22)Bunbury schrieb:  Das it der preis, den man auf dem Land nun mal bezahlt. Man kann nicht immer tun, was man selbst für richtig hält, sondern muss tun, was allgemein für richtig gehalten wird.

So krass würde ich es nun auch wieder nicht ausdrücken. Denn: Wo ist man denn heute schon noch "auf dem Land"? Die meisten Dörfer außer in der hinteren Walachei sind heute mow "verstädtert". Die meisten Einwohner sind Pendler in irgendwelche größeren Städte oder sind aus Städten zugezogen, was zur Folge hat, dass sie ihre Lebensweisen anpassen bzw. mitbringen.

In manchen Dörfern gibt es daher zwei Gesellschaften: Die wenigen "Alteingesessenen", bei denen die Männer zum Frühschoppen gehen und die Frauen zum Frauenbund und die darauf achten, dass keiner "aus der Reihe tanzt", indem sie sich etwa das Maul zerreißen, wenn´s z.B. wo offensichtliche Eheprobleme gibt oder die Kinder "einfach unglaublich" sind. Und die vielen "Zugezogenen", die ihrerseits wieder über"die Alten" lästern und ihren städtischen Lebensstil pflegen, zum Teil wenig Kontakt zu Nachbarn haben, zum Teil aber auch Kinderaufsicht teilen, miteinander Ausflüge machen und Grillwettbewerbe veranstalten. In Sportvereinen überschneiden sich oft beide Gesellschaften.

Die Kinder kriegen das natürlich mit, etwa wenn der Spielkamerad aus einer "alteingesessenen" Familie stammt und man selber nicht. Die Unterschiede fallen schnell auf, wenn´s etwa darum geht, wer wann und wie lange zum Spielen kommen darf oder wie und wann was gegessen wird. Sie vergleichen dann und picken sich das raus, was ihnen gefallen würde. Die Eltern müssen dann ihren Standpunkt durchsetzen. Oder sie tun es nicht, lassen den Kindern ihren Willen bzw. richten sich etwa bei Essens- und Bettgehzeiten nach den Wünschen der Kinder. Wenn (!) sie dann z.B. auch feste Hausaufgabenzeiten durchsetzen wollen, stehen sie vor einem Problem. Was wiederum Auswirkungen auf die schulischen Leistungen hat. Die "Alteingesessenen" neigen oft dazu, ihre Regeln den Kindern gegenüber durchzusetzen, die "Zugezogenen" neigen öfter dazu, eine freiere Erziehung auszuüben.

Werden die Kinder dann jugendlich, geht´s weiter. Gibt´s einen starken Sportverein, treffen sich die Jungs (v.a. der Alteingesessenen) beim Fußballverein und ihre Freundinnen ebenso. Die "Zugezogenen" machen teilweise mit, verbringen ihre Freizeit aber auch im Einkaufszentrum in der Stadt (wo die "Alteingesessenen" allerdings auch mitmachen, v.a. die Mädchen gehen so oder so "shoppen"). Abends am WE treffen sich wieder alle in der Disko. Aber bei den "Alteingesessenen" ist die Tendenz, relativ früh zu heiraten, ein Häuschen zu bauen und in der Nähe des Dorfes zu bleiben, im Allgemeinen höher als bei den "Zugezogenen", abhängig natürlich auch davon, ob man auf eine weiterführende Schule (in der Stadt) geht und studiert etc. Dann gründet man genauso spät wie die "Zugezogenen" eine Familie.
Inwieweit die Eltern da dreinfunken können, etwa indem sie ein bestimmtes Freizeitverhalten fördern oder nicht, indem sie das Alkoholverhalten tolerieren oder nicht oder indem sie eine bestimmte schulische Laufbahn fördern oder nicht, das hängt viel davon ab, wie weit sie ihre Sprößlinge schon im Kindesalter beeinflusst haben oder nicht.

Das alles ist jetzt kein soziokultureller Schmu aus einem schlauen Buch, sondern basiert auf Beobachtungen in meinem zentralbayerischen Umfeld (aufgewachsen und nach 15 Jahren "Herumtreiben" in größeren Städten wieder wohnhaft in einem Pendlerdorf mit noch einer Handvoll Bauernhöfe, in die Schule gegangen in die nächstgrößere Stadt, etwa 10km entfernt, beruflich die letzten 25 Jahre in drei Städten mit 300.000, 100.000 und 30.000 Einwohnern tätig gewesen).
Nach meinen Erfahrungen, teilweise durch eigene Anschauung gewonnen, teilweise durch Erzählungen von Studienfreunden und Arbeitskollegen aus ganz Deutschland (Esslingen, Hamm/Westfalen, Hamburg, Berlin, Köln, Wolfsburg), ist es kein großer Unterschied, ob man auf so einem Pendlerdorf in Bayern oder in BaWü oder in Niedersachsen oder im Berliner Umland lebt. Das Zusammenspiel zwischen Alteingesessenen und Zuwanderern bzw. dezidiert ländlich oder städtisch Lebenden ist überall ungefähr gleich. Und damit auch die Erziehungs"probleme" bzw. -entwicklungen.

VG
Christian
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