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Analphabetismus heute bei uns
13.09.2014, 16:33
Beitrag: #9
RE: Analphabetismus heute bei uns
(13.09.2014 11:03)Suebe schrieb:  Das Gymnasium, das mich ab 1963 beherbergte, trug (trägt) einen Schriftzug in Goldbuchstaben "Realschule 1899" im Jahr darauf, 1900, wurde die Lateinschule und die Realschule zum "Realgymnasium" zusammengefasst. Die Lateinschule lässt sich vor Ort bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen.
Es war, wie wir heute sagen würden, ein Progymnasium, Abitur konnte man erst seit den 20erJahren ablegen, aber das vielgenannte "Einjährige".

Halt, momentmal- ich habe nie behauptet, daß es vor 1900 keine Schulen gab. Die Frage geht nicht darum, ob es Schulen gab, sondern wer worin unterrichtet wurde. Wenn ich mir irre, lasse ich mich gerne eines besseren belehren, aber an ein flächendeckendes Proabi glaube ich nicht...
1592 gab es erstmals in dem herzogtum Pflaz- Zweibrücken die allgemeine Schulpflicht für Mädchen und Jungen. Württemberg hat eine allgemeine Schulfplicht schon recht früh eingeführt, um 1649, in Preußen dagegen gab es bis 1918 nur eine Unterrichts-, aber keine Schulpflicht. (Vielleicht mit ein Grund, warumd as Abi aus Baden- Würtemberg bis heute mehr gilt als eines aus dem Norden...Wink) Eine einheitliche flächendeckende Schulpflicht in Deutschland gab es aber erst mit der Weimarer Verfassung 1910.



(13.09.2014 11:03)Suebe schrieb:  Ich habe vorhin ein "Generalreskript" = Lehrplan für die württ. Elementarschulen = Volksschulen aus dem Jahr 1810 in Händen gehabt. "Lesen, Schönschreiben, Rechnen, Deutscher Sprachunterricht, Verstandesübungen, Religions- und Sittenlehre, Singen, Zeichnen, Erdbeschreibung, Naturgeschichte, Geschichte und einzelne Kenntnisse aus der Naturlehre" sollten da vermittelt werden. Und ich wage die Behauptung dass dies auch vermittelt wurde.

Wobei man natürlich berücksichtigen muss, daß sich das heute nach sehr viel mehr anhört als damals gewesen sein dürfte, insbesondere was Naturgeschichte und Naturlehre anbetraf. Viele wichtige Entdeckungen waren zu jener Zeit noch nicht gemacht bzw noch nicht allgemein anerkannt.

Die von dir beschriebene Schule war aber dann wohl die Ausnahme- die Volksschulen des 19 Jahrhunderts waren schlecht ausgerüstet. Ein durchschnittlicher Wochenplan sah 12 Stunden Lesen und Schreiben, 6 Stunden Religion, 5 Stunden rechnen und 3 Stunden Singen von Kirchenliedern. Schule war im 19 Jahrhundert noch Häufig eine kirchliche Aufgabe...

Ich wage dann doch mal zu behaupten, daß es das damals kein Bildiungsparadies war. Die Klassen waren groß, altersgemischt- und ganz sicher gab es niemanden, der versuchte, jemanden, der es nicht konnte, bei der Stange zu halten...

(13.09.2014 11:03)Suebe schrieb:  Schon 1810 wurde eine "Industrieschule" eröffnet, speziell für Mädchen, Unterricht war 2mal Nachmittags 2-Stunden nach der Schule Unterricht in Handarbeit und Hausarbeit.
Ab 1868 gab es eine weibliche Fortbildungsschule auf freiwilliger Basis, Unterricht in gewerblichem Aufsatz, Buchführung und Rechnen, Zeichnen und Französisch. Wegen starkem Zulauf ab 1878 2-Klassig..

Bei den Jungs rede ich nicht dagegen, mit deren Bildungsystem habe ich mich nicht näher beschäftigt.
Da ich mitten im Umbau stecke und eigentlich noch ein bißchen spachteln muss, habe ich jetzt auch nicht wirklich Zeit, mich in die entsprechende Literatur zu vertiefen.

Aber sofern du auf die schnelle mal bereit bist, bei tante Wiki unter dem Stichwort " Frauenbildung" nachzuschlagen, wirst du dort die Aussage finden, das das Schulsystem, das im 18. und 19. JHDt im Zuge der Institutionalsierung der (höheren) Bildung entstand, auschließlich für Jungen bestimmt war.
Der Unterricht für Mädchen war "Familiensache" und wurde allenfalls noch in evangelischen Gemeinden durch die Pastorsfrau ergänzt. Die unterrichtete allerdings ausschließlich Handarbeit und brachte den Mädchen bei, Buchstaben und Zahlen auf Tücher zu sticken. Aber das hatte nicht wirklich was mit "lesen" und "schreiben" zu tun.

Frauenbildung erfolgte auch im 19 Jahrhundert auschließlich unter dem Aspekt, die Mädchen auf ihre Aufgabe als Ehefrauen und Mütter vorzubereiten, auch in den Höheren Töchterschulen, deren Bildung ausschließlich Mädchen aus priviligierten Kreisen zukam.
Auch als die Bildungspläne später erweitert wurde, gescah das aussschließlich aus dem Gedanken heraus, daß die nun mehr wohl etwas gebildeteren jungen Männer sich nicht durch die geistlosigkeit ihrer Gattinen langweilten sollen.

Von da aus ist dann plötzlich nicht mehr ganz so weit zu den Aussagen, an die ich mich noch zu gut erinnern kann...

(13.09.2014 11:03)Suebe schrieb:  Das auch unter heutigem Stand gesehen recht hohe Bildungsniveau der Bevölkerung im 19. Jahrhundert ist zig-fach nachgewiesen und überliefert.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, was ich noch schreiben soll....

Is ja schon gut, du brauchst nicht mehr zu schreiben.Ich glaube dir gerne, daß es flächendeckende Bildungsangebote gab.

Ich sage dir aber auch, woran ich nicht glaube:
Daß die Kinder nach Ende des Unterrichts nach Hause gegangen sind, Hausaufgaben gemacht und dann gelesen haben...
Ich denke, man hat die Schule mitgemacht, auch weil man mußte, hat das genutzt, was man unmittelbar zum Leben brauchte und den rest dann wieder vergessen. (Ganz so, wie es ja auch heute der Fall ist.)

Aber wenn es dich beruhigt- ich glaube jetzt also durchaus, daß die breite Masse der bevölkerung lesen und schreiben konnte. Ich bezweifle aber dennoch, daß die breite Masse der Bevölkerung im Stande war, ein komplettes Buch am Stück zu lesen...
Ansonsten wäre das, was danach geschah, nicht so einfach zu erklären...
laß mir ein paar Tage Zeit, dann beschäftige ich mich noch ein wenig mit dem Bildungsniveau der Zeit...

(13.09.2014 11:03)Suebe schrieb:  Könnte es sein, dass du aus einem streng katholischen Umfeld stammst?

nicht dass ich hier in ein Wespennest stechen will, aber die Bildungsfeindlichkeit von Teilen der kath. Geistlichkeit im 19. Jahrhundert ist ja bekannt.

Nein, völlig daneben. Ich bin die erste in der Familie, sowohl väterlicher- wie auch mütterlicherseits, die nicht protestantisch getauft wurde. (Ich wurde gar nicht getauft). Katholiken gab es da nicht- bis mein Cousin eine solche heiratete deswegen von seinem Vater um ein Haar enterbt wurde...
Besagter Vater versagte seinem Sohn einen höheren Bildungsweg allerdings mit der Begründung "Was für mich gut genug war, muss für meinen Sohn auch gut genug sein"...

Selbst denken ist nicht selbstsüchtig. Wer nicht selbst denkt, denkt überhaupt nicht
Oscar Wilde
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RE: Analphabetismus heute bei uns - Bunbury - 13.09.2014 16:33

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