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Zum Opfer gefallen:
07.12.2014, 21:35
Beitrag: #1
Zum Opfer gefallen:
Ok, er ist nicht gerade ein antikes Bauwerk, auch keines aus dem Mittelalter, aber doch ein beeindruckender Kirchenbau. Sieht man ihn auf Bildern an, würde ich schon sagen ein sehr schönes und durchaus erhaltungswürdiges Baudenkmal.
Aber nein er muss weg, weiß nicht mal ob er nicht schon weg ist dieser beeindruckende Kirchenbau. Er passt einfach nicht in das System das im Land in dem er steht vorherrscht, was anderes ist wichtiger und so muss er weg.

So nein ich spreche hier nicht von einem fernen Arabischen Land und auch nicht von China oder so. Das System von dem ich hier spreche ist der Kapitalismus und dessen Ressourcenverbrauch und das Land von dem ich spreche ist Deutschland.

Muss sagen ich kannte die Geschichte vom „Dom“ (so wird die Kirche im Volksmund genannt, ein richtiger Dom ist sie nicht) von Immerath (eigentlich Pfarrkirche von St. Lambertus), der abgerissen wird oder wurde (bin darüber leider nicht informiert ob das schon geschehen ist) bisher noch nicht. In einer Dokumentation über die Gegend kam sie mir neulich unter und ich bin schockiert. Sehe ich das übertrieben oder sind wir wirklich nun schon so weit das wir für unseren Energiehunger beeindruckende Bauten weg reißen müssen?

Hoffe es fühlt sich keine angegriffen weil ich da Deutschland mit dem nahen Osten usw. vergleichen habe, aber so was regt mich auf.

Deshalb möchte ich in diesem Tread noch weitergehen: Kennt ihr noch weitere Beispiele von historischen Gebäuden die für ähnliches weichen mussten? Ihr könnt ruhig auch wertvolle Naherholungsgebiete usw. nennen, die weichen mussten oder weichen sollen? Und ich freue mich auch über Beispiele wo dem erfolgreich mit Widerstand entgegengetreten wurde.

Freue mich auf eine interessante Diskussion, zu diesem emotionalen Thema.
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07.12.2014, 21:44
Beitrag: #2
RE: Zum Opfer gefallen:
Ach ja was ich fast vergessen hätte zu schreiben: In diesem Fall ist es der Braunkohleabbau dem die Kirche zum Opfer fällt, auch der Ort wurde abgesiedelt.

Erwünscht sind natürlich nicht nur Beiträge aus Deutschland sondern auch aus anderen nahen und fernen Winkeln der Welt. Schön wäre es wenn eine Returkutsche an Österreich nicht möglich wäre, da es bei uns keine solchen Fälle gibt, aber ehrlich gesagt glaube ich das nicht. Bin mir sicher das es sie gibt, da ich z.B. im Bereich der Naherholungsgebiete das eine oder andere weiß das mich mindestens genauso ärgert. Aber dazu später.
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07.12.2014, 22:05
Beitrag: #3
RE: Zum Opfer gefallen:
Für alle die so wie ich vor kurzem noch, noch nie was von dem Ganze gehört haben, hier ein Link zu einem Zeitungsartikel:

http://www.zeit.de/2013/31/nrw-braunkohletagebau-dom
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07.12.2014, 22:53
Beitrag: #4
RE: Zum Opfer gefallen:
Nun,das ist nichts Neues: In den Stauseen Europas sind etliche Ortschaften mit allem drum und dran verschwunden und dem Tagebau wurde ebenfalls etliches geopfert.Wir haben da in Deutschland eine relativ seltsame Gesetzes- und Enteignungslage, die dem Tagebau Vorrang einräumt.
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07.12.2014, 22:59
Beitrag: #5
RE: Zum Opfer gefallen:
OK das mit dem Umsiedeln alleine geht ja (gerade) noch. Muss zwar hart sein wenn die ehemalige Heimat nur noch eine Kohlegrube ist, alles weg ist. Aber Umsiedelungen gab es wohl zu allen Zeiten und man muss auch sagen so was kann sogar die Lebensqualität steigern. Weiß noch als 2 Extrem große Hochhäuser in der Gegend von Linz abgerissen (besser gesagt gesprengt wurden) und die Leute umgesiedelt wurden. Die heutige Siedlung bietet sicherlich wesentlich mehr Lebensqualität.

Wie gesagt irgendwie auch arg, aber geht gerade noch. Aber das man selbst vor alten Baudenkmälern nicht halt macht schreckt mich schon etwas. Genauso wie die Größe dieser Kohleabbauanlage.
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07.12.2014, 23:35
Beitrag: #6
RE: Zum Opfer gefallen:
Ach da gibt es Unzähliges. Das schöne Neandertal kennen wir auch nur noch von Beschreibungen oder von Bildern.

In Mitteldeutschland oder in der Lausitz wird der Abriss von ganzen Dörfern seit ca. 100 Jahren praktiziert. Kirchen, Schlösser oder Gutshäuser wurden da genauso abgerissen, wie Mühlen oder Bauernhäuser. Wertvolles Inventar der Kirchen kam in die umliegenden Museen, einmal (so vor ca. 20 Jahren) wurde sogar eine Kirche an einem anderen Ort (nach Borna) verlegt. Lokale Proteste hatten vorerst nichts gebracht, aber aus diesen Protestbewegungen hat sich dann auch ein Teil des Widerstandes gegen die DDR gebildet.

Seit ca. 30 Jahren werden die ehemaligen Braunkohletagebaugebiete um Leipzig renaturalisiert, im Süden von Leipzig prägt sich langsam der von der Tourismusindustrie geprägte Begriff "Leipziger Neuseenland" ein. Ein Attraktion des Störmtaler Sees ist die künstliche Insel Vineta mit einer neuen Kirche, die genau am ehemaligen Standort der Kirche Magdeborn steht. Die Orte Magdeborn und Eythra hatten symbolische Bedeutung, trotz schlechter ökonomischer Prognosen und starken Protesten mussten diese Orte dem Braunkohletagebau weichen. Ein Großteil der Menschen dieser beiden Orte wurde nach Leipzig-Grünau (einem seit dem 70er Jahren entstandenen Neubaugebiet) umgesiedelt. Obwohl die Umgesiedelten nur wenige Kilometer wegziehen mussten, haben sehr viele von ihnen wegen den Verlust ihrer Heimat gelitten.

Joseph Roth hatte bereits in den 1920er Jahren als Journalist z.B. auch eine Geschichte über das Verschwinden des Dorfes Rundstedt geschrieben. Auf diesem Gelände stehen heute noch die Leunawerke, damals breiteten sie sich aus und die damaligen Konflikte sind im Prinzip heute vergessen.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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08.12.2014, 12:16
Beitrag: #7
Pichlingersee ein Beispiel das gerettet wurde:
Jetzt mal von einem Bauprojekt gegen das man erfolgreich gekämpft hat. Am südlichen Stadtrand von Linz gibt es einen Bagersee. Dieser entstand in der Zeit des Autobahnbaus und dient heute hunderten Leuten im Sommer als Naherholungsgebiet. Ich habe in der Zeit als ich noch bei meinen Eltern gewohnt habe im Sommer dort immer sehr viel Zeit verbracht, der Eintritt ist frei und so fühlt man sich irgendwie freier als in einem Freibad (obwohl ich dort irgendwie lieber schwimme). Einfach ein paar Bücher mitnehmen und lesen, die Tischsennischschläger falls man wen trifft oder wer nachkommt, schwimmen, um den See spazieren usw. Einfach eine Gegend in der man ungestört seine Freizeit genießen kann.

Doch nur etwas hinter den See wollte ein Unternehmer unbedingt einen Schotterabbau betreiben. Der See wäre dem wohl nicht zum Opfer gefallen, die Lebensqualität durch erhöhtes Verkehrsaufkommen, Staub und Lärm aber schon. Ein gar nicht so geringer Teil des Sees wäre wohl kein attraktiver Badeplatz mehr gewesen. War auch so ein Projekt wo ich den Sinn hinterfragt habe. OK, dem Grundbesitzer bringt es einiges, aber der normale Bürger hat davon gar nichts. Nun könnte man sagen, doch Arbeitsplätze. Selbst da würde ich sagen „Nein“, denn kommen weniger Leute zum See gehen dort die Gaststätten schlechter, schließen und somit gehen wiederum Arbeitsplätze verloren, habe nicht den Eindruck als würden bei solchen Gruben so viele Leute arbeiten.

Jahrelang wurde gestritten, bin mir nicht sicher, aber glaube es gab sogar mal eine Demonstration gegen die Schottergrube. Zum Glück waren Teile der Politik auch der Meinung das wir die Grube nicht brauchten (der Bürgermeister meiner ehemaligen Heimatgemeinde war hier sehr engagiert), am Höchstgericht wurde der Genehmigungsbescheid heuer abgelehnt. Es sieht so aus als würde die Schottergrube erspart und das Naherholungsgebiet erhalten bleiben. Traurig da man aus Geldgier so was schönes gefährdet. Natürlich ist es jetzt nicht das Mega-Naturschutzgebiet, aber so Orte der Erholung sind für die Menschen sehr viel wert.
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