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Kaiserreiche
07.06.2012, 17:06
Beitrag: #1
Kaiserreiche
Es gab ja in der Geschichte eine Menge an Reichen, deren Herrscher sich Kaiser nannten. Hier soll eine Sammlung solcher Reiche entstehen, aber besonders seid ihr aufgerufen, kleine Zusammenfassungen der Geschichte solcher Reiche zu schreiben.

Dazu ein paar Leitfragen:
- Wie entstand das Reich?
- Warum nannten sich die Herrscher "Kaiser" und wie begründeten sie das?
- Wie verlief im Groben die Geschichte dieses Reiches?
- Wie ging das Reich schließlich unter?
- Welche Bedeutung hat das Reich für die Zeit nach seinem Untergang?

Ich meinerseits werde meine Texte zum römischen Kaiserreich und zum Heiligen Römischen Reich wieder posten,
andere haben auch schon Zusammenfassungen im G/Geschichte-Forum geschrieben.

In diesem Sinne freue ich mich auf interessante Texte und vielleicht auch Diskussionen.

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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07.06.2012, 17:09
Beitrag: #2
RE: Kaiserreiche
Als Anregung poste ich hier eine Zusammenstellung an Kaiserreichen

- Japan
- China
- Mandschukuo
- Annam
- Korea
- Römisches Reich
- Heiliges Römisches Reich
- Byzantinisches Reich
- Lateinisches Kaiserreich
- Kaiserreich von Nikaia
- Kaiserreich Trapezunt
- Kaiserreich Thessalonike
- Haiti
- Mexiko
- Brasilien
- Äthiopien
- Zentralafrikanisches Kaiserreich
- Österreich
- Deutsches Reich
- Frankreich
- Russland
- Spanien
- Serbien
- Bulgarien
- Persien
- Indien
- Kuschan

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08.06.2012, 12:53
Beitrag: #3
RE: Kaiserreiche
Möchte hier was über Byzanz und seine Nachfolgereiche schreiben (wird euch wohl nicht wundern). Ist schon in Vorbereitung, habe aber noch ein Hardwareproblem dringend zu lösen.
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08.06.2012, 13:00
Beitrag: #4
RE: Kaiserreiche
(08.06.2012 12:53)WDPG schrieb:  Möchte hier was über Byzanz und seine Nachfolgereiche schreiben (wird euch wohl nicht wundern). Ist schon in Vorbereitung, habe aber noch ein Hardwareproblem dringend zu lösen.

Sehr schön. Du hast ja schon diesbezüglich einige Artikel geschrieben.

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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08.06.2012, 15:52
Beitrag: #5
Byzantinisches Reich:
Möchte, wie angekündigt über das Byzantische Reich schreiben, ein extrem ausführliches Thema – zu ausführlich für ein Posting, deshalb habe ich nur einen oberflächlichen Überblick geschaffen.

-Entstehung: Das byzantinische Reich (das übrigens erst später so genannt wurde) ging aus dem Römischen Reich hervor, genau genommen war es der Ostteil des Römischen Reichs. Kaiser Konstantin hatte die Stadt Byzantion zum neuen Rom erklärt und ausgebaut (meist wird das heutige Istanbul nach Kaiser Konstantin-Konstantinopel genannt). Schon in der Zeit der Soldatenkaiser hat es immer wieder Reichsteilungen in Ost-und Westreich gegeben. 395 wurden das Römische Reich in Ost- und Westreich geteilt, es sollte die letzte Teilung sein, da das Westreich im 5. Jahrhundert aufhörte zu existieren.

-Warum nannten sich die Herrscher "Kaiser" und wie begründeten sie das?
In der Theorie gab es nie 2 Römische Kaiserthrone. Es war ein Reich, das man zu Administrativen zwecken Teilte. Als das Weströmische Reich aufhörte zu bestehen-sah sich Ostrom (Byzanz) als das Römische Reich, der Kaiser als Römischer Kaiser. Auch wenn sich kulturell mit der Zeit das Griechische durchsetzte, den Anspruch darauf der Kaiser von Rom zu sein hatte man wohl bis zum Schluss, auch als man längst kein Weltreich mehr war.

-Wie verlief im Groben die Geschichte dieses Reichs?
Das Byzantinische Reich existierte mehr als 1000 Jahre lang, ein sehr langer Zeitraum mit entsprechend vielen Ereignissen. Ich bin der Meinung ein Post genügt nicht um das halbwegs gut darzustellen. Deshalb werde ich mich hier auf einen sehr groben Überblick beschränken (vermute wir werden hier im Forum sowieso noch öfter auf das Thema stoßen). Die Geschichte von Byzanz in Teile einzuteilen ist gar nicht so einfach, aber ich versuche es einmal, so darzustellen und die allerwichtigsten Faktoren zu erwähnen.

Spätantike/Frühzeit: Byzanz unterschied seine Strukturen kaum vom Westen, doch im Gegensatz zum Westreich überstand man die Völkerwanderung nicht nur, man konnte sogar nochmal eine Expansionsphase starten-unter Kaiser Justinian I eroberte man zahlreiche Gebiet des Westens „zurück“ (Nordafrika, Italien, Teile Südspaniens). Diese Politik verbraucht zu viele Ressourcen und so ging es bald bergab, bis knapp vor den Untergang.

Von Heraklaios bis Alexios I: Kaiser Heraklaios gelang es die Gefahren durch Awaren, Slawen und Sassaniden abzuwenden, unter ihm und seinen Nachfolgern veränderten sich die Strukturen des Reichs stark (vom lateinischen ins griechische/Aufbau der Themenordnung-weg von den hauptsächlichen Söldnerheeren). Außenpolitisch beeinflusste die arabische Expansion die Lage von Byzanz, zahlreiche Gebiete gingen verloren, aber man überstand die Invasionsversuche.
In der Zeit der Makedonischen Dynastie erlebte man eine neue Blüte, es gelang auch den Arabern wieder einige Gebiete zu entreißen. Der bedeutendste Herrscher der Dynastie war Basileos II, der unter anderem Bulgarien eroberte. Das Aussterben der Makedonischen Dynastie und innenpolitische Probleme schwächten das Reich, was zur Niederlage von Manzikert führte. In Folge dessen, eroberten die Seldschuken Anatolien. Bedrängt von Seldschuken, Normannen aus Unteritalien, unter innenpolitsichen Machtkämpfen und finanziellen Problemen leidend ging das Reich hinter Untergang.

Von Alexios I bis 1204: Alexios I Komnenos verhinderte den Untergang des Reichs, unter den Komnen baute Byzanz seine Macht wieder aus und konnte auch wieder Großmachtspolitik führen, was dann (unter Manuel I) wieder zum Niedergang führte (zusammen mit einer Niederlage gegen die Seldschuken). Ein Dynastiewechsel und unfähige Herrscher verschlechterten die Lage weiter. Alexios I war auch in die Weltgeschichte eingegangen, er löste den 1. Kreuzzug aus – der 4. Kreuzzug um 1204 ging dann gegen Byzanz und führte zur Eroberung von Konstantinopel.

Spätzeit: Schon bald gab es einen Nachfolgekampf um Byzanz und Konstantinopel zwischen Lateinischen Kaiserreich, Kaiserreich Trapezunt, Epiros-Thessalonike, Bulgarien und Nikea. Das Kaiserreich von Nikea eroberte schließlich Konstantinopel zurück und erstellte Byzanz neu. Dieses Reich konnte unter Michael Palaiologos noch einmal Großmachtspolitik betreiben, danach ging es (auch in Folge dessen) rasch bergab. Anatolien ging verloren und Mitte des 14. Jahrhunderts schwächte auch noch ein Bürgerkrieg das Reich. Ab ca. 1300 tauchten die Osmanen auf, jener Feind, der schließlich 1453 Konstantinopel erobern sollte.

So nun bin ich fertig mit meiner wirklich sehr oberflächlich und kurz geratenen Übersicht, aber wie erwähnt, denke das Thema werden wir sicherlich noch öfter und genauer haben-hier würde mehr wohl den Rahmen sprengen.

-Bedeutung: Byzanz war in mehrerer Hinsicht von Bedeutung. Man war der Nachfolger des Römischen Reichs, hatte zeitweise eine relativ eigenständige Kultur, die der im Europa des Mittelalters überlegen war, Byzanz war das Reich an dem die Arabische Expansion zuerst scheiterte und auch religiös war Byzanz von größter Bedeutung.
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08.06.2012, 16:59
Beitrag: #6
RE: Kaiserreiche
Sehr guter Artikel, ich habe auch schon mal einen längeren Text geschrieben, den poste ich bei Gelegenheit mal.

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08.06.2012, 17:23
Beitrag: #7
RE: Kaiserreiche
(08.06.2012 16:59)Maxdorfer schrieb:  Sehr guter Artikel, ich habe auch schon mal einen längeren Text geschrieben, den poste ich bei Gelegenheit mal.

Sicher, Ergänzungen sind immer gut. Ich werde noch etwas zu den einzellnen Nachfolgestaaten von Byanz bringen.
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08.06.2012, 21:47
Beitrag: #8
RE: Kaiserreiche
Das römische Kaiserreich

1. Wie entstand das römische Kaiserreich?

Rom entstand als kleines Gebirgsdorf und arbeitete sich über Stadt und Regionalzentrum erst zur Groß-, dann zur Weltmacht hoch. Entstanden als Königtum, war Rom ab 509 vor Christus eine Republik. Irgendwann war das Römische Reich zu groß geworden, als dass eine Republik mit jährlicher Neuwahl für die Staatsämter und daraus resultierenden Diskontinuitäten und Machtkämpfen dieses Gebiet hätte beherrschen können. Am Ende des langen Umbruchsprozesses der Römischen Revolution (ca. 130 – 30 v. Chr.) stand die Alleinherrschaft des Oktavian (ab 30 v. Chr.). Als Erster unter Gleichen hielt er zum Schein die Republik mit ihren Ämtern aufrecht, hatte aber de facto die militärische, innen- und außenpolitische Gewalt inne. Die älteren, friedlicheren Provinzen verwaltete der Senat, in den Grenzprovinzen, in denen man Soldaten stationieren musste, herrschten Legaten, die einzig und allein dem Kaiser unterstanden. Unter Oktavian wurden auch zahlreiche gesellschaftliche Reformen (zur Bekämpfung des unsittlichen, ausschweifenden Lebenswandels des römischen Volkes) durchgeführt, die römische Literatur erreichte ihren Höhepunkt (Vergil, Horaz, Ovid, Livius). Das römische Kaiserreich entstand also als Prozess, beginnend mit Sullas „republikanischer Diktatur“, fortgeführt von Caesar, gefestigt durch die Nachfolgekämpfe nach dessen Tod, und dann endgültig eingeführt durch Oktavian. Rein theoretisch gab es jedoch die Republik noch bis zur Spätantike.

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09.06.2012, 17:37
Beitrag: #9
RE: Kaiserreiche
2. Wie begründeten die römischen Kaiser ihren Anspruch auf den Titel Kaiser?

Ganz einfach: Die römischen Kaiser „führten“ den Titel „Kaiser“ ein.

3. Kurzgeschichte des römischen Kaiserreiches

Ab hier alle Jahreszahlen nach Christus (sofern nicht anders vermerkt)

3. 1. Das frühe Prinzipat ( - 96)
Auf Oktavian folgten 14 n. Chr. Tiberius, der im Laufe seiner Regierungszeit die Macht im Staate immer mehr dem Prätorianerpräfekten Seianus überlies, ab 37 Caligula, der ein Terrorregime führte, ab 41 Claudius, der Britannien eroberte und Verwaltungsreformen durchführte, und ab 54 Nero, der nach einem gemäßigten Beginn seiner Herrscher ein ausschweifender Tyrann wurde. Mit seiner Entmachtung endete 68 die Julisch – claudische Dynastie. Aus den Wirren des Vierkaiserjahres 69 ging Vespasian als Sieger hervor, auf den 79 – 81 sein einer Sohn Titus und 81 – 96 sein anderer Sohn Domitian folgten. Diese drei Kaiser bilden die Flavische Dynastie. Sie versuchten, die Macht des Senats, die unter Caligulas und Neros Schreckensherrschaft zurückgegangen war, wieder zu vergrößern und für das Wohlergehen des Volkes zu sorgen. Domitian wurde in seinen letzten Jahren jedoch ein grausamer Tyrann, weshalb er schließlich ermordet wurde.

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10.06.2012, 14:31
Beitrag: #10
RE: Kaiserreiche
3. 2. Die Zeit der Adoptivkaiser (96 – 193)
Nachdem man mit dem Vererben des Kaiserthrons schlechte Erfahrungen gemacht hatte (zuletzt Domitian), wurde die Regelung eingeführt, dass ein geeigneter Nachfolger vom Kaiser adoptiert wurde. Diese Methode war ein voller Erfolg, es folgte die Zeit der fünf „guten“ Kaiser: Nerva (96 – 98) war nur ein Übergangskaiser, auf ihn folgten 98 – 117 Trajan, unter dem das Reich seine größte Ausdehnung erreichte, Hadrian 117 – 138, dessen Regierungszeit eine Zeit des Friedens, des Wohlstands und der Reichsfestigung darstellt, Antoninus Pius (138 – 161), der die Politik seines Vorgängers fortsetzte und der Philosoph Mark Aurel (161 – 180), der zwar Kriege führen musste, aber doch das Reich halten konnte. Er machte jedoch einen der größten Fehler der römischen Geschichte: Anstatt einen Nachfolger zu adoptieren, sollte ihm sein Sohn Commodus (180 – 192) nachfolgen, dessen grausame Herrschaft auch prompt wieder zu einem Niedergang des Reiches führte.

3. 3. Die Zeit der Reichskrise (193 – 284)
Nach dessen Ermordung folgte das zweite Vierkaiserjahr 193, eine neue Zeit der Wirren und 193 – 211 Septimius Severus. Er konnte das Reich ein bisschen stabilisieren, dennoch zählen viele Historiker die Epoche seiner Dynastie, des severischen Kaiserhauses (193 – 235), schon zur nach dessen Auslöschen folgenden Reichskrise. Je nach Zählung regierten in den 49 Jahren von 235 – 284 25 – 35 Kaiser, die über 50 (meist jedoch nur sagenhaften) Gegenkaiser noch gar nicht mitgerechnet. Nur einer starb eines natürlichen Todes, allein 238 und 250 / 251 beanspruchten je fünf Personen den Kaisertitel, 260 / 261 sogar neun! Eine kurze Stabilisierungsphase brachten lediglich die illyrischen Kaiser Claudius Gothicus und Aurelian (268 – 275), doch auf sie folgten wieder kurze, unbedeutende Kaiser. Auch nahm der Druck auf die Grenzen durch die von der Völkerwanderung mitgeschwemmten Völker immer mehr zu. Das Reich wird ihm schließlich erliegen.

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11.06.2012, 18:15
Beitrag: #11
RE: Kaiserreiche
3. 4. Die Zeit von Diokletian bis Theodosius (284 – 395)
Diocletian hatte sich im Heer hochgedient und war schließlich von seinen Truppen zum Kaiser ausgerufen worden. Er hatte sich gegen die Rivalen durchsetzen können und begann, nachdem er seine Herrschaft gesichert hatte, mit weitreichenden Reformen. Diese umfassten nicht nur den sozialen und den wirtschaftlichen, sondern auch den politischen Bereich: Er schuf das System der Tetrarchie, bei dem das Reich unter zwei Kaisern aufgeteilt ist, die jeweils wieder einen Stellvertreter und Nachfolger haben. Doch Konstantin der Große konnte sich 306 zum Alleinherrscher emporschwingen, sich bis 324 gegen seine Gegenspieler durchsetzen und die „Konstantinische Dynastie“ gründen. Große Bedeutung bis heute erlangte er, da er das Christentum legitimisierte. Als er starb, begannen erneut Nachfolgekämpfe, die dadurch endeten, dass Konstantins Sohn Constantius II. 353 das Reich unter seiner Hand vereinigte. Nach dessen Tod gab es wieder zwei Kaiser im Reich (einen im Westen, einen im Osten), es folgten die Kurzzeitherrscher Julian und Jovian und dann die Valentinianische Dynastie. Das letzte Mal vereint wurde das Reich durch Theodosius I., der das Christentum zur Staatsreligion machte. Dieser teilte 395 testamentarisch das Reich endgültig: Den Westteil bekam Honorius (395 – 423), den Ostteil Arcadius (395 – 408).

4. Wie ging das römische Reich unter?
Oder: 3. 5. Untergang Westroms und Überleben Ostroms


Im 5. Jahrhundert verarmten die westlichen Provinzen und der Druck auf die Grenzen (siehe 3. 3.) nahm weiter zu. 410 – 415 zogen die Westgoten nach Gallien, 439 eroberten die Vandalen unter Geiserich Kathargo und in den Jahren darauf fielen Attila und die Hunnen in Italien ein. 455 wurde Valentinian III., der letzte Nachfolger Theodosius’ auf dem Kaiserthron Westroms ermordet und darauf regierten in den Jahren bis 476 im weströmischen Reich neun Kaiser. Der letzte wurde schließlich 476 von dem Söldnerführer Odoaker abgesetzt. Es ist Ironie des Schicksals, dass der letzte (weströmische) Kaiser so hieß wie der Gründer Roms und der erste römische Kaiser, nämlich Romolus Augustulus.
Das oströmische Reich wandelte sich im Laufe der Zeit zum byzantinischen Reich um. Dessen Kaiser trug noch bis 1453 den Kaisertitel (siehe den Artikel von WDPG).

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11.06.2012, 18:17
Beitrag: #12
RE: Kaiserreiche
Wen das weiter interessiert:

Die wichtigsten Bücher:
http://www.amazon.de/Die-R%C3%B6mische-K...535&sr=8-1 (kurze Einführung)
http://www.amazon.de/Geschichte-r%C3%B6m...535&sr=8-3 (das wohl wichtigste Werk zur Kaiserzeit)
http://www.amazon.de/Geschichte-R%C3%B6m...535&sr=8-5 (weiteres Standartwerk mit Forschungsteil und großer Bibliographie)
http://www.amazon.de/R%C3%B6mische-Kaise...581&sr=8-3 (nur für den ernsthaften Historiker zu empfehlen: Daten, wann welcher Kaiser welchen Titel annahm)
Wer sonst noch nach Literatur sucht, wendet sich bitte an mich, ich habe noch unzählige andere Literaturhinweise und –empfehlungen.

Die wichtigsten Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6mische_Kaiserzeit (die alte Tante Wiki, natürlich gibt es auf Wikipedia zu fast jedem Begriff der römischen Kaiserzeit einen Artikel: http://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Rom_...hes_Reich)
http://www.imperiumromanum.com/ (die non plus ultra – Seite zum alten Rom)
http://www.roman-emperors.org/ (Biographien der römischen Kaiser von Fachleuten, engl.)
http://www.romanum.de/main.php (kann auch manchmal nützlich sein)
http://www.roemische-imperium.de/ (private Seite zum römischen Reich allgemein)
http://www.livius.org/rome.html (englische Seite, vor allem Biographien)

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14.06.2012, 20:21
Beitrag: #13
RE: Kaiserreiche
DAS HEILIGE RÖMISCHE REICH

Das Heilige Römische Reich war das Reich der römisch-deutschen Kaiser vom Mittelalter bis 1806. Es war kein homogenes Gebilde und kein Nationalstaat, sondern eher ein von einem Kaiser geleitetes Gebilde mit wenigen gemeinsamen Institutionen. Die Größe schwankte ständig, in seiner größten Ausdehnung bestand das Reich aus fast ganz Mitteleuropa und Teilen Südeuropas.

Wie entstand das Heilige Römische Reich?
Das Reich an sich bildete sich unter den Ottonen aus dem Ostfrankenreich, welches sich wiederum aus dem fränkischen Kaiserreich gründete. Ab 1157 ist der Name Sacrum Imperium belegt, der Name Sacrum Romanum Imperium seit 1254.

Wie begründeten die römisch-deutschen Kaiser ihren Titel?
Die Kaiser des Reiches sahen sich als Nachfolger des antiken Römischen Reiches und als Kaiser der Christenheit von Gott legitimiert. Außerdem sahen sich die Imperatoren anfangs (bis zum Investiturstreit) als Beschützer der Kirche.

Kurzgeschichte des Heiligen Römischen Reichs:
Geschichte des Heiligen Römischen Reichs unter den Ottonen, Saliern und Staufern.
Dem Ostfrankenkönig Otto I. wurde 962 die Kaiserkrone vom Papst angeboten, da dieser gerade außenpolitisch in einer schwierigen Situation war - Otto sollte ihn beschützen. Das Reich war in viele Stammesherzogtümer und regionale Gebilde geteilt, die durch den König bzw. Kaiser repräsentiert wurden. In der nächsten Zeit expandierte das Reich, mit dem Herrscher wechselte oft auch der Zustand im Reich. Die Kirche war mit dem Reich fest verbunden („Reichskirchensystem“, der Kaiser herrschte auch über die Kirche im Reich). Da die Kirche jedoch als oberste (auch weltliche) Macht anerkannt werden wollte, kam es zum Kampf zwischen Kaiser und Papst, dem sogenannten Investiturstreit, der nach fast 50 Jahren im Wormser Konkordat von 1122 ohne eindeutigen Sieger beendet wurde.

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15.06.2012, 22:13
Beitrag: #14
DAS LATEINISCHE KAISERREICH:
Entstehung:
Entstanden war das Lateinische Kaiserreich in Folge des 4. Kreuzzugs. Dieser wäre eigentlich als Kreuzzug etlicher Kleinfürsten gegen Ägypten zur Befreiung Jerusalems geplant gewesen. Gedacht war es den Seeweg in dieses Gebiet zu nehmen, für den Transport zuständig war Venedig.
Dieses verstand es den Kreuzzug für seine eigenen Ziele zu verwenden, zunächst zur Eroberung der an Ungarn gefallenen Stadt Zara. Als Alexios IV Angelos (ein Sohn des inhaftierten Exkaisers Isaak II Angelos) darum bat für ihn Konstantinopel zurückzugewinnen, leitete man den Kreuzzug geschickt in Richtung Byzanz um. Alexios III Angelos, Herrscher des geschwächten Byzanz gelang es nicht einen starken Widerstand gegen die Angreiffer aufzubauen und so gelang es den Kreuzrittern ihn zu vertreiben und Alexios IV Angelos und Isaak II Angelos gemeinsam auf den Kaiserthron in Konstantinopel zu bringen. Alexios IV hatte um die Kreuzritter auf seine Seite zu bringen allerlei Versprechungen gemacht, die er nicht halten konnte. So brachte er sowohl die eigene Bevölkerung als auch die Kreuzritter gegen sich auf. Ein gefährliches Spiel mit schlimmen Ende für Byzanz und seine Hauptstadt. Alexios IV Angelos wurde von der Bevölkerung Konstantinopels gestürzt, Alexios V Dukas wurde auf den Thron gebracht.
Er konnte jedoch nicht schnell genug entsprechende Kräfte aufbringen um die Stadt zu verteidigen. Konstantinopel fiel. Mit verheerenden Folgen, die Stadt fiel einer der ärgsten Plünderungen des Mittelalters zum Opfer.
Schon zuvor war ein Vertrag über die Aufteilung von Byzanz beschlossen worden. In diesem wurde unter anderem auch beschlossen das ein Lateinisches Kaiserreich entstehen sollte. Dieses war jedoch um einiges kleiner als Byzanz (das ja damals auch schon stark geschrumpft war). Teile gingen an Kreuzritter als Vasallen, Teile an Venedig und in anderen Teilen bildeten sich schon bald die Nachfolgestaaten von Byzanz.

Warum der Kaisertitel:
Der Kaiser in Konstantinopel war zwar ein Kreuzritter, aber er sah sich wohl auch in der Tradition der Kaiser von Byzanz. Aus diesem Grund wohl der Kaisertitel. Mein Eindruck war aber das vom Anfang an der Kaiser keineswegs ein gleichberechtigter Partner des Kaisers des Heiligen Römischen Reichs war, sondern dieser Titel als niedriger bewertet wurde. Kein Wunder war der Kaiser ja in seiner Macht stark eingeschränkt und sein Reich keineswegs ein Weltreich.

Kurzbeschreibung der Geschichte des Lateinischen Kaiserreichs:
Bonifatius von Montferrat war der Führer des 4. Kreuzzugs, hauptsächlich auf Betreiben Venedigs wurde jedoch Balduin von Flandern der erste Kaiser des Lateinischen Kaiserreichs. Wie erwähnt war seine Macht im inneren stark eingeschränkt. Aber es konnten Anfangs durchaus auch Erfolge verbucht werden, so gelang es fast vorzeitig das Kaiserreich von Nikea wieder zu zerschlagen. Doch der Arrogante Umgang mit den griechischen Untertanen rächte sich, noch bevor das Unternehmen gegen Nikea fertig war, die Bevölkerung am Balkan rief eine weitere Macht auf den Plan: Bulgarien dass, das Heer von Balduin bei Adrianopel schlug und den lateinischen Kaiser gefangen nahm. Nikea war gerettet und das Kreuzritterkaiserreich stand kurz vor seinem Untergang. Diesen konnte Balduins jüngerer Bruder Heinrich I aufhalten und die Lage stabilisieren. Anderseits war er es auch der das Kaiserreich von Nikea anerkannte. Die Nachfolger von Heinrich hatten bei weitem nicht dessen fähigkeiten. Peter von Courtenay kam nach seiner Krönung nie in Konstantinopel an, Robert von Courtenay konnte den erstarkten Byzantinischen Nachfolgestaaten und Bulgarien kaum was entgegensetzen. Schon nach Robert von Courtenay sah es so aus als würde man sich unter den Schutz und Einfluss von Bulgarien begeben, als Johann von Brienne, der ehemalige König von Jerusalem zu Mitkaiser für den minderjährigen Balduin II wurde. Unter Johann von Brienne überstand Konstantinopel eine Belagerung durch Nikea und Bulgarien. Das Lateinische Kaiserreich war mittlerweile auf Konstantinopel und sein Umland zusammengeschrumpft, es verfügte über kaum finanzielle Ressourcen und auch über kaum einen Nachzug von Kreuzrittern. Balduin II, der schließlich der letzte Kaiser des Lateinischen Kaiserreichs war, suchte an den europäischen Höfen immer wieder nach Hilfe, doch es half alles nichts.
Bulgarien war mittlerweile aus dem Machtkampf ausgeschieden, ebenso wie schon zuvor das Reich von Epiros-Thessalonike. Blieb noch das Kaiserreich von Nikea, dem schließlich im Jahr 1261 so gut wie Kampflos die Rückeroberung Konstantinopels gelang.

Nachgeschichte:
Balduin II floh nach Westen, erhielt dort Unterstützung durch Karl von Anjou. Gemeinsam mit anderen Bündnispartner brachten sie da von Nikea wiederhergestellte Byzantinische Reich immer wieder in Bedrängnis, konnten es jedoch nie zurückerobern. Auf Balduin folgte sein Sohn Philipp und auch danach gab es noch ein Reihe von Titularkaisern die versuchten Byzanz zu erobern. Manche Versuche waren etwas bedrohlicher, etwa der von Karl I von Valois. Manche waren nicht so bedrohlich, keiner erreichte mehr die Dimension der Bedrohung durch Karl von Anjou und Balduin II. Mit der Zeit wurde der Titularanspruch und auch die Denkweise veränderte sich, der Kaiser von Byzanz wurde vom Feind es Westens zum Vorkämpfer gegen die Türken (so wurde z.B. Manuel II Palaiologos oft gesehen). Die Ansprüche verloren Ende des 14. Jahrhunderts ihre Bedeutung komplett.


Bedeutung:
Langfristig hatte der 4. Kreuzzug und die Herrschaft der Lateiner in Konstantinopel wohl kaum positive Folgen, zumindest aus der Sicht von Byzanz nicht. Konstantinopel war ausgeplündert und hatte in der Zeit des Lateinischen Kaiserreichs seine Zentrumsfunktion verloren. Nach dem Ende des Latainischen Kaiserreichs kostete es zusätzliche Ressourcen Konstantinopel wieder halbwegs aufzubauen. Außerdem war Byzanz noch immer zersplittert und es dauerte nicht lange bis das neue Byzanz seinem endgültigen Untergang entgegenging. Nicht ganz unschuldig daran waren die Wiederherrstellungsversuche durch Karl von Anjou und Balduin II, Byzanz musste sich einerseits so stark auf den Westen konzentrieren, das es nicht rechtzeitig auf die künftig drohende Bedrohung aus dem Osten reagieren konnte und andererseits eine Politik verfolge die, die Ressourcen des neuen Reichs überforderte.
Gesamt muss man sagen das der 4. Kreuzzug wohl einen großen Anteil hatte, warum Byzanz zu schwach war um sich schließlich den Osmanen entgegenzustellen.
Positive Folgen hatte der 4. Kreuzzug wohl hauptsächlich für Venedig, das sich hier seine Position als Kolonial und Seemacht ausbauen konnte.
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17.06.2012, 15:02
Beitrag: #15
RE: Kaiserreiche
Das Spätmittelalter
Im Spätmittelalter gewannen die Fürsten zunehmend an Macht. Nach dem Interregnum, einer kaiserlosen Zeit, kamen die gewählten Kaiser abwechselnd aus verschiedenen Häusern – dem der Habsburger, dem der Nassauer, dem der Luxemburger oder dem der Wittelsbacher. Man konzentrierte sich auf den deutschen Teil des Reiches, und die Hanse blühte auf.
Die Epoche der frühen Habsburger
Nach einem Niedergang der Kaisermacht gewann das Kaisertum unter den frühen Habsburgern wieder an Macht, umfangreiche Reformen wurden durchgeführt, um ein „institutionelles Gerüst“ (Zitat Wikipedia) aufzubauen. Im 16. Jahrhundert schwächte jedoch die Glaubensspaltung die Zentralisierung des Reiches. Der Augsburger Religionsfriede 1555 führte zwar zu einer friedlichen Einigung zwischen den Konfessionen, aber auch zur endgültigen Spaltung derselben. 1618 kam es zum Dreißigjährigen Krieg zwischen der protestantischen Union und der katholischen Liga, der sich im Laufe der Zeit auch zu einem europäischen Kampf der Mächte entwickelte. Nach einigen kleineren Friedensverhandlungen kam 1648 der Westfälische Frieden zustande, nach dem die Bevölkerung dieselbe Religion wie ihr Landesherr haben sollte.
Die Epoche der späten Habsburger
Nach dem Westfälischen Frieden kämpften Territorialherrscher weiter um Macht. Die beiden größten Teilreiche Österreich und Preußen lösten sich immer mehr vom Reichsverband, und es kam zu mehreren Kriegen zwischen den beiden neuen Großmächten. Dieses Ringen um die Vorherrschaft in Deutschland wird als Dualismus bezeichnet. Das Reich wurde zum Spielball zwischen Preußen, und Österreich, dessen Herrscher offiziell die Kaiserkrone trug.

Wie ging das Heilige Römische Reich unter?
Unter der Bedrohung durch Napoleon war das Reich unnötig geworden. Die drei Mächte Preußen, Frankreich und das habsburgische Kaiserreich tauschten schamlos kleine Fürstentümer hin und her. Mit dem Austritt weiter Gebiete aus dem Reich und deren Zusammenschluss zum Rheinbund war der Kaiser in Deutschland handlungsunfähig geworden. Der letzte Kaiser Franz II. wurde am 6. August 1806 gezwungen, die Reichskrone niederzulegen, als die deutschen Gebiete von den Franzosen erobert wurden.

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18.06.2012, 00:58
Beitrag: #16
Kaiserreich Nikea:
Entstehung: Im Jahr 1204 fiel (wie schon erwähnt) Konstantinopel an die Kreuzritter des 4. Kreuzzugs. Kaiser Alexios V Dukas floh zu seinem Schwiegervater Alexios III Angelos (dieser verlor seinen Thron im Zuge des 4. Kreuzzuges, er floh nach Adrianopel, seinen Schwiegersohn Alexios V Dukas lieferte er bald schon an die Kreuzritter aus).
Ein weiterer Schwiegersohn von Alexios III war Theodor Laskaris, diesem boten als Konstantinopel bereits am Fallen war, einige die den Widerstand aufrecht erhalten wollten die Kaiserkrone an. Theodor sah jedoch ein, das es sinnlos war diese anzunehmen. Er floh nach Kleinasien und führte dort seinen Widerstand fort. Ob es nun Theodor war, oder sein Bruder sein Bruder Konstantin auf den diese Geschichte zutrifft darüber habe ich verschiedene Angaben gelesen.
Beide dürften maßgeblich an der Gründung des Exilkaiserreichs Nikea beteiligt gewesen sein. Die Gebiete des Kaiserreichs wären ursprünglich Bonifatius von Montferrat, den Führer des 4. Kreuzzugs, als Ersatz für die Kaiserkrone zugesprochen worden, doch der besetzte statt dessen Thessalonike. In diesem Chaos war es wohl gar nicht so schwer Nikea in die Hand zu bekommen. Schnell scharten sich widerständische Adelige um Kaiser Theodor und es entstand ein Exilkaiserreich von Byzanz.

Warum Kaiser: Genauso wie das Lateinische Kaiserreich, das Kaiserreich von Trapezunt und auch das Kaiserreich von Epirus-Thessalonike sah sich das Kaiserreich von Nikea, als Nachfolger von Byzanz.
Etwas was dem Kaiserreich zusätzliche Bedeutung zukommen lies war der Sitz des Patriachen von Konstantinopel in Nikea.

Kurzbeschreibung der Geschichte:
Sehr schnell wurde das Kaiserreich von Nikea hart bedrängt. Die Lateiner versuchten zunächst erfolgreich das Gebiet von Nikea unter Kontrolle zu bringen. Nur durch einen Sieg der Bulgaren am Balkan, der zufällig gerade gleichzeitig stattfand wurde verhindert das sich das Kaiserreich im westlichen Kleinasien gleich nach ersten Ansätzen wieder aufhörte. Theodor I Laskaris hatte noch weitere Gefahren zu bestehen, etwa die durch die Seldschuken, die mit Alexios III Angelos verbündet waren. Doch man überstand die Gefahren von außen und konnte unter Thoedor I und seinem Nachfolger Johannes III Vatazes seine Machtposition weiter ausbauen.
Johannes III Vatazes unternahm schließlich auch einen Versuch zusammen mit Bulgarien Konstantinopel (Lateinischer Kaiser war Johann Brienne) zu Erobern, was vorerst nicht gelang.
Schon bald schied auch Bulgarien aus dem Kampf um Konstantinopel aus. So war es nur noch eine Frage der Zeit bis die Stadt an Nikea fiel (Epirus-Thessalonike war vorher ausgeschieden). Zwischen dem Nachfolger von Johannes III Vatazes und dem Adel gab es immer mehr Spannungen, was dazu führte das dieser zunehmend den Militärführer Michael Palaiologos unterstütze, dieser übernahm die faktische Führung des Reichs. Unter Michael Palaiologos gelang es im Jahr 1261 Konstantinopel zurückzugewinnen und Byzanz wiederherzustellen. Schon eine Generation nach diesem, fielen immer mehr Gebiete des ehemaligen Kaiserreich Nikea an die Osmanen.
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28.06.2012, 20:22
Beitrag: #17
EPIRUS-THESSALONIKI:
Gründung: Michael Angelos Dukas, ein Verwandter der Kaiserdynastien Angelos und Dukai konnte nach dem 4. Kreuzzug ein Gebiet am Südwestlichen Balkan für sich gewinnen, dieses nannte sich Despotat Epirus.

Begründung für den Kaisertitel: Der Nachfolger und Halbbruder von Michael Angelos Dukas konnte eine Reihe von Erfolgen verbuchen, darunter die Einnahme der Stadt Thessaloniki. Diese war die zweitgrößte Stadt des Byzantinischen Reichs. Kein Wunder also das die Herrscher des Landes den Kaisertitel (wieder im Bezug auf die Nachfolge von Byzanz für sich beanspruchten.

Kurzgeschichte: Das Despotat von Epirus errang eine Reihe von Erfolgen und eroberte schließlich Thessalonike. Das nunmehr gegründete Kaiserreich hatte gute Chancne Konstantinopel vom geschwächten Lateinischen Kaiserreich zu bekommen.
Doch dann führte man einen Kampf gegen Bulgarien und verlor gegen dieses. Das Kaiserreich schied aus dem „Kampf um das Erbe von Byzanz“ aus. Es wurde zum von den Bulgaren abhängigen Kleinreich Thessaloniki (Das Despotat Epiros ging eigene Wege). Als Bulgarien schwächer wurde, nutzte das vor allem das Kaiserreich Nikea das Thessalonike unter seine Kontrolle brachte. Das Kleinreich bestand noch eine Zeit lang weiter als Despotat, dann wurde es ins Kaiserreich Nikea eingegliedert.
Epiros überlebte das Kaiserreich Thessalonike
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28.06.2012, 20:24
Beitrag: #18
Kaiserreich Trapezunt:
Gründung: Die Herrscherdynastie des kleinem Kaiserreichs im Nordosten Anatoliens waren die Komnenen, eine Kaiserdynastie aus Byzanz. Als diese 1185 gestürzt wurde, flohen die Enkel des letzten Komnenenkaisers nach Georgien (ihre Mutter kam von dort). Mit Hilfe von Georgien gelang es Alexios I Komnenos und seinem Bruder David die Stadt Trapezunt und ihr Umland einzunehmen und das noch vor dem 4. Kreuzzug.

Warum Kaiserreich: Alexios I und David I waren wie erwähnt direkte Nachkommen der Komnenenkaiser von Byzanz. Somit sahen sie sich als die legitime Kaiserdynastie an und beanspruchten auch den Thron in Konstantinopel.
Später als Konstantinopel vom Kaiserreich von Nikea erobert wurde und Byzanz widerhergestellt wurde, kam es zu Spannungen zwischen die beiden Kaiserreichen. Die Beziehungen verbesserten sich dann aber und man fand eine Lösung für das 2 Kaiserproblem. Ab Johannes II (Kaiser von 1280-1297) nannten sich die Herrscher von Trapezunt nicht mehr „Kaiser der Römer“, sondern „Kaiser des gesamten Ostens, Iberiens und der überseeischen Provinzen“.

Kurze Beschreibung der Geschichte: Nach seiner Gründung erlebte Trapezunt einen Höhenflug, konnte weit nach Westen vordringen. Doch schon bald folgte der Niedergang, an dessen Ende man den Rum-Seldschuken Tributpflichtig war. Gleich nach der Niederlage von Köse-Dag (wo man auf der Seite der Rum-Seldschuken gegen die anstürmenden Mongolen kämpfen musste) begab man sich unter mongolische Oberhoheit.
Die neue Lage brachte erhebliche Vorteile: Die Rum-Seldschuken waren für das kleine Kaiserreich wesentlich gefährlicher gewesen als die Mongolen, erlebten nun aber ihren Niedergang und durch die Gründung des Mongolenreichs wurden auch alte Handelsstraßen wiederbelebt, bei manchen war Trapezunt ein wichtiger Endpunkt. Das brachte dem Komnenenkaiserreich großen Reichtum ein.
Sicherheit nach außen, wirtschaftlicher Wohlstand nach innen, Trapezunt erlebte eine Zeit der Blüte, die erst im 14. Jahrhundert durch Fraktionskämpfe (der Begriff Bürgerkriege passt auch) zu Ende ging. Danach war das Kleinkaiserreich stark geschwächt. Zumindest Teile seines Reichtums hatte man sich erhalten. Dieser und Bündnisspartner, sollten für den Schutz vor den Osmanen sorgen, so der Plan der letzten Kaiser von Trapezunt.

Untergang: Trapezunt wurde erst relativ spät am Ende des 14. Jahrhunderts von den Osmanen bedroht, nach deren Niederlage gegen Timur Lenk, verschwand diese Bedrohung noch einmal kurzfristig, kam dann aber wieder auf. Trapezunt rüstete auf und versuchte ein umfangreiches Bündnissystem gegen die Osmanen aufzubauen. Besonders bedrohlich wurde die Lage nach 1453 als Mehmed II Konstantinopel erobert hatte. Die Komnenenkaiser hätten sich an die Spitze eines Widerstandes setzen können und wurden daher als Bedrohung gesehen. Eine Bedrohung die Mehmed II im Jahr 1461 schließlich ausschalten sollte. Das Bündnissystem funktionierte nicht und als Mehmed II mit seinem Landheer vor Trapezunt erschien, gab man auf. Das Gebiet von Trapezunt fiel an die Osmanen, die Komnenen gingen zu ihnen ins Exil wurden aber kurz danach hingerichtet.
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28.06.2012, 20:28
Beitrag: #19
RE: Kaiserreiche
Danke für deine interessanten und kompetenten Beiträge, da bekommt man einen guten Überblick wie sonst selten im Internet!

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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04.07.2013, 14:50
Beitrag: #20
RE: Kaiserreiche
(07.06.2012 17:09)Maxdorfer schrieb:  Als Anregung poste ich hier eine Zusammenstellung an Kaiserreichen

- Japan
- China
- Mandschukuo
.......

Noch eine Frage ans Forum: Neben den von dir beschriebenen Kaiserreichen habe ich vor kurzem ein mögliches weiteres gefunden: Ouagadougou, ein Reich auf dem Boden des heutigen Burkino Faso soll sich Kaiserreich genannt haben. Doch sehr viel habe ich über dieses Kaiserreich der Mossi nicht gefunden, auch nicht darüber ob sich der Herrscher tatsächlich Kaiser nannte und wie er das begründete?

Weiß da irgendjemand vielleicht mehr darüber?
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