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"weibliche" Schiffe
12.05.2016, 19:19
Beitrag: #1
"weibliche" Schiffe
Der Bismarck hatte eigentlich nichts weibliches an sich.
Ein Schlachtschiff kann man auch kaum mit weiblichen Attributen assoziieren.
Nur, warum war es "die" Bismarck? Quer durch die Zeiten bis heute, "die" Fregatte Köln.
Aber auch "die" Bremen oder "die" Wilhelm Gustloff besonders dramatisch "die" Steuben

Eine Eigenart der deutschen Sprache?
Oder gibt es einen tieferen Grund?

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12.05.2016, 22:14
Beitrag: #2
RE: "weibliche" Schiffe
(12.05.2016 19:19)Suebe schrieb:  Der Bismarck hatte eigentlich nichts weibliches an sich.
Ein Schlachtschiff kann man auch kaum mit weiblichen Attributen assoziieren.
Nur, warum war es "die" Bismarck? Quer durch die Zeiten bis heute, "die" Fregatte Köln.
Aber auch "die" Bremen oder "die" Wilhelm Gustloff besonders dramatisch "die" Steuben

Eine Eigenart der deutschen Sprache?
Oder gibt es einen tieferen Grund?

Nö. Und: Wurden nun die Schlachtschiffe nach den etwas älteren, aufgedonnerten Damen oder diese Damen nach den Schlachtschiffen benannt? Tja - und ein früherer Kollege mit einem Hang zu älteren, auffällig geschminkten Damen nannte man "den Fregattenkapitän", obwohl er nie in der Marine diente. Big Grin Man gestatte mir am Vorabend des Wave-Gotik-Treffens diese eher unwissenschaftlichen Albernheiten. Angel

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13.05.2016, 13:13
Beitrag: #3
RE: "weibliche" Schiffe
Keine Eigenart der deutschen Sprache. Im angelsächsischen und romanischen Sprachraum ist es dasselbe.

Im Kaiserreich wurden feindliche Schiffe vermännlicht, zumindest wenn es sich nicht gar zu blöde anhörte. Wurde schnell wieder abgeschafft, in NS-Wochenschauen steht die Glorous in Flammen. Ich dachte kurz, U-Boote wären eine Ausnahme und sachlich, man sagt nicht "die U-99", aber sobald Namen ins Spiel kommen ist es eben doch ganz schnell die "Kursk".

Fregatten sind ziemlich schmucklose Zweckschiffe, ich nehme an der Vergleich mit überschminkten Damen bezieht sich auf die Segelschiffära. Scheint mir sowieso ein aus der Mode gekommener Begriff zu sein. Heute gilt doch ganz allgemein etwas älter als schöner, egal ob bei Schiffen, Autos, Häusern. Warum soll das bei Menschen anders sein?
Wer möchte heute schon noch einen Lothar-Matthäus-Geschmack haben, Sprich die Frauen immer dann zu wechseln, wenn sie geistig das Kindstadium verlassen...

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13.05.2016, 13:53
Beitrag: #4
RE: "weibliche" Schiffe
Es gab auch die Silesia und Flora SommerfeldDevilBat

http://www.billerantik.de/products/Holzs...-5243.html

https://de.wikipedia.org/wiki/SMS_Victoria_Louise (gegen Ende der Dienstzeit in F.S. unbenannt).
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14.05.2016, 13:54
Beitrag: #5
RE: "weibliche" Schiffe
(12.05.2016 19:19)Suebe schrieb:  Der Bismarck hatte eigentlich nichts weibliches an sich.
Ein Schlachtschiff kann man auch kaum mit weiblichen Attributen assoziieren.
Nur, warum war es "die" Bismarck? Quer durch die Zeiten bis heute, "die" Fregatte Köln.
Aber auch "die" Bremen oder "die" Wilhelm Gustloff besonders dramatisch "die" Steuben

Eine Eigenart der deutschen Sprache?
Oder gibt es einen tieferen Grund?

Keine Eigenart der deutschen Sprache, wie schon erwähnt, kommt das aus dem englischen.

Grundsätzlich, ein schönes Schiff charakterisiert seine schönen Kurven und Linien, und daß ist ja bekanntlich auch bei einer schönen Frau wesentlich ...Big Grin

Aber Suebe, du kannst dem Schiff auch wieder die männliche Note aufdrücken, indem du nicht nur den Namen des Schiffes benennst, sondern auch den Typ, wie z.B. der Kreuzer xxx oder der Raddampfer xxx usw.
Natürlich gibt es auch hier ausnahmen, wie z.B. die Fregatte oder die Korvette usw.
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14.05.2016, 14:03
Beitrag: #6
RE: "weibliche" Schiffe
(14.05.2016 13:54)Köbis17 schrieb:  
(12.05.2016 19:19)Suebe schrieb:  Der Bismarck hatte eigentlich nichts weibliches an sich.
Ein Schlachtschiff kann man auch kaum mit weiblichen Attributen assoziieren.
Nur, warum war es "die" Bismarck? Quer durch die Zeiten bis heute, "die" Fregatte Köln.
Aber auch "die" Bremen oder "die" Wilhelm Gustloff besonders dramatisch "die" Steuben

Eine Eigenart der deutschen Sprache?
Oder gibt es einen tieferen Grund?

Keine Eigenart der deutschen Sprache, wie schon erwähnt, kommt das aus dem englischen.

Grundsätzlich, ein schönes Schiff charakterisiert seine schönen Kurven und Linien, und daß ist ja bekanntlich auch bei einer schönen Frau wesentlich ...Big Grin

Aber Suebe, du kannst dem Schiff auch wieder die männliche Note aufdrücken, indem du nicht nur den Namen des Schiffes benennst, sondern auch den Typ, wie z.B. der Kreuzer xxx oder der Raddampfer xxx usw.
Natürlich gibt es auch hier ausnahmen, wie z.B. die Fregatte oder die Korvette usw.


Zack,

jetzt fällts mir wieder ein, habe ich schon mal irgendwo gelesen, die "geblähten Segel" als Analogie zur Oberweite einer Frau.

Danke Dir

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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14.05.2016, 15:38
Beitrag: #7
RE: "weibliche" Schiffe
Eigentlich ist das in meinem Sprachverständnis tief verankert, dass Schiffe, egal wie sie heißen, immer weiblich sind.

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15.05.2016, 13:53
Beitrag: #8
RE: "weibliche" Schiffe
"Aufgetakelt" fällt mir noch als Adjektiv für die Damenwelt ein, das der Schiffahrt entlehnt ist.
Segelschiffära wohlgemerkt, heute käme wohl niemand mehr auf die Idee, ein weibliches Wesen mit einem Schiff zu vergleichen. Und wenn, wäre es beleidigend.

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15.05.2016, 19:33
Beitrag: #9
RE: "weibliche" Schiffe
Ich denke, wir sollten viel früher mit unserer Ursachensuche ansetzen. Ich kann da nur nebulöses beitragen, ohne meine Bibliothek zu bemühen (wofür mir grad die Zeit fehlt...Wink, z.B. hab ich keinen Schimmer, ob die Schiffe in der Antike schon Namen bekamen...Wink
Vereinzelt habe ich Nachrichten über antike Schiffsnamen gefunden, v.a. waren das Riesenschiffe, die wegen ihrer Größe bekannt waren und daher auch überliefert wurden. z.B. war das der (männliche!) Thalamegos, ein Prachtschiff von Ptolemaios IV. Philopator, oder die (!) Syrakusia des Hieron II. von Syrakus. Ich nehme aber an, dass auch kleinere Schiffe schon Namen hatten...Wink

Es gab da Schiffstypen, die Trireme, die Bireme usw....
Beide Bezeichnungen von Schiffsgattungen sind weiblich. Ob sich daher auch die Weiblichkeit der einzelnen Schiffe herleiten lässt? Ausnahmen bestötigen die Regel...Wink

Im Mittelalter dürfte es schon früh Schiffsnamen gegeben haben. Bei den Wikingern, von denen einige Schiffsnamen bekannt sind, gab es männliche und weibliche Schiffe. die männlichen Namen könnte ich mir daher erklären, dass die großen Langboote "Drachen" (= männlich) genannt wurden, aber in den Sagas sind auch weibliche Schiffsnamen erhalten. Die frühen portugiesischen Entdecker sind die ersten, von denen mir Schiffsnamen bekannt sind, und das sind dann schon alles weibliche Namen, bei den Spaniern dann meistens irgendwas mit "Maria". Ob sich hier eine antike Tradition durchpaust?

Andererseits habe ich auch die Info gefunden, dass im Französischen (dessen ich nicht mächtig bin) die Schiffsnamen generell männlich seien. Es scheint sich also bei der "weiblichen" Schiffsnamentradition um eine deutsche, zumindest außerfranzösische Tradition zu handeln? Die Engländer verwenden nämlich m.W. keine Artikel, wenn sie ein Schiff beim Namen nennen...Wink Und einige englische Schiffe, z.B. "Prince of Wales" haben auch dezidiert männliche Namen...
Und sogar in Deutschland gibt es Ausnahmen, mir fällt das z.B. der "Buccentaur" ein, der aber zugegebenermaßen weitab vom Meer die bayerischen Gewässer befuhr...Wink
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15.05.2016, 20:15
Beitrag: #10
RE: "weibliche" Schiffe
Engländer verwernden she wenn sie von Schiffen reden. Artikel gibt es bekanntlich nur einen.

Im Französischen habe ich schon Beides gehört, aber beim Nachschauen scheint der Artikel wohl vom Geschlecht des Objekts abzuhängen.

Da ist das durchgängige die im Deutschen doch viel, viel besser. Das (Panzerschiff) Graf Spee oder der (schwere Kreuzer) Graf Spee, wer möchte das schon immer genau entscheiden?

Ausländer atmen sicher auf, dass Deutsch auch einmal einfach sein kann.

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16.05.2016, 11:21
Beitrag: #11
RE: "weibliche" Schiffe
(15.05.2016 20:15)Triton schrieb:  Engländer verwernden she wenn sie von Schiffen reden. Artikel gibt es bekanntlich nur einen.

Tatsächlich ist das so, das habe ich zuerst nicht glauben wollen, denn in unserem Englisch Unterricht wurde uns beigebracht, dass Sachen immer "it" als Pronomen verwendet werden, auch bei Tieren, dort nur die Ausnahme bei Tieren, zu denen man eine Beziehung hat (also Haustiere, Rennpferde etc.)

https://en.wikipedia.org/wiki/RMS_Titanic
https://en.wikipedia.org/wiki/HMS_Bounty

In beiden Fällen wird von "she" gesprochen im Text.

Zitat:Im Französischen habe ich schon Beides gehört, aber beim Nachschauen scheint der Artikel wohl vom Geschlecht des Objekts abzuhängen.

Auch das habe ich nachgeschaut und das stimmt - es heisst "la Bounty" - weil sie eine Fregatte war und das ist auf französich weiblich. Dagegen heisst es "le Titanic" - denn die gehört zur Kategorie der "paquebot", dt. Linienschiffe, und das ist männlich. So heisst es auch "le Queen Mary" und sogar "le France". Es ist also nicht das Geschlecht des Namensgebers von Belang, sondern das Geschlecht der Kategoriebezeichnung.

Und wenn wir schon bei den Sprachen sind - auf tschechisch habe ich das auch nachgeschaut, denn bewusst war mir das nicht, aber es ist gleich wie im Französischen - die Titanic ist männlich wie auch die Mauretania oder Carpathia - weil Dampfer männlich sind. Die Bounty ist weiblich - es ist hier nicht von einer Fregatte die Rede, sondern von einem Schiff - und das ist auch weiblich. So habe ich festgestellt, die Sache ist nicht so einfach. So habe ich eine Webpage über die Titanic gefunden, wo beides verwendet wird - mal weiblich, mal männlich - wenn nämlich vom Dampfer (männlich) oder vom Schiff (weiblich) gesprochen wird.
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16.05.2016, 18:20
Beitrag: #12
RE: "weibliche" Schiffe
Sprachen sagen viel über Völker aus, wahrscheinlich kennen hier alle schon die unterschiedliche Bezeichnungen für den Lohn von Arbeit. Wenn nicht:

Der Deutsche verdient Geld
Der Engländer erntet es (earn money)
Der Franzose gewinnt es (gagner d'argent)
Der Amerikaner macht es (make money)
und der arme Ungar sucht es...

Geklaut vom alten Kostolany.

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