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Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
11.05.2014, 05:54
Beitrag: #61
RE: Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
(06.05.2014 19:43)Annatar schrieb:  [...]
Deswegen hat er, meiner Meinung nach, auch recht mit seiner These, dass wir uns zwischen Kapitalismus und Demokratie entscheiden müssen.

Da hat der Gute mit Sicherheit Unrecht.

Demokratie ohne Kapitalismus funktioniert nicht, das ist zig-fach empirisch bewiesen.

Mich wundert ja immer, warum man Künstler und Schöngeister des Öfteren für Experten für Politik- und Wirtschaft hält.

Das sind sie mitnichten. Jemand der diese Materie nicht studiert und/oder aus der Berufspraxis kennt, weiß naturgemäß auch meist wenig bis nichts darüber.

MfG, Titus Feuerfuchs
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11.05.2014, 09:13
Beitrag: #62
RE: Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
(10.05.2014 20:04)Annatar schrieb:  Ohne jetzt fies sein zu wollen, aber die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa ist doch keine Folge davon, dass die Jugendlichen alle faul sind.
Das Problem ist doch, dass viele Jugendlichen in ihren Heimatländern keine Arbeit finden, obwohl sie gut ausgebildet und motiviert sind.
Es gibt sicher Jugendliche, die extrem faul sind, nur ist das kein wirklicher Grund für die hohe Jugendarbeitslosigkeit.

Bei den letzten Beiträgen ging es um die Schullandschaft in D, bes. die Analysen der Situation von Chris und Bunbury sind hilfreich. Mareks Einschub aus dem anderen Forum war gut gemeint. Aber es ist ein Nebenthema. Die Diskussion über Lehrerfunktionen, Schul- und Bildungslandschaft in D ist im Nachbarforum gerade versandet, was natürlich an den Beteiligten liegen kann. Da die Zusammensetzung der Forianer hier etwas anders ist, könnte man das Thema Bildung und Lehrer hier wieder aufnehmen, bitte aber in einem anderen Thread.

Denn Annatar hat recht, mit mangelnder Bildung hat die Jugendarbeitslosigkeit so gut wie nichts zu tun, eher mit falschen Erwartungen aufgrund von guter Bildung, dem Markt etc.

Kann sogar sein, dass der endkundenorientierte Handwerker heute eine anspruchsvollere Vorbildung benötigt als der Callcenteragent und viele andere Jobs, die aus den ehemaligen Realschul/kaufmännischen Berufen entstanden sind. Angestellte, die größere Zusammenhänge erkennen, braucht man nicht viele, die sind teuer und schwierig zu handhaben.
Ob das aber der Grund ist für die hohe Jugendarbeitslosigkeit gerade in den südeuropäischen Ländern?
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11.05.2014, 09:17
Beitrag: #63
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
(10.05.2014 14:06)WDPG schrieb:  
(09.05.2014 19:20)Marek1964 schrieb:  Interessanter Einschub. Wie äussert sich das? Woran liegt das?

Kann nur von dem Berichten wie es bei uns in Österreich ist und was ich so mitbekomme (...):

Vor einiger Zeit war es so: Die Besseren Volksschüler gingen dann ins Gymnasium, ebenso wie solche die schon wussten später auf ein höhere Schule gehen zu wollen. Das Mittelfeld und die schlechteren gingen in die Hauptschule.(...)

Heute sieht es so mein Eindruck anders aus: Die Besseren (meine das von den Noten her) und das Mittelfeld gehen ins Gymnasium. Das Mittelfeld hat hier schwer zu kämpfen, was dazu führt das es für diesen Teil viel schwerer geworden ist. Mehr um schulischen Erfolg Kämpfen, mehr Druck, weniger Freizeit sind unter anderem Folgen. Die Hauptschüler haben heute viel weniger Chancen. Doch mir kommt auch vor wie wenn es bei den Hauptschulen auch großer Unterschiede gibt, welche Gegend und Stadt oder Land spielen hier eine sehr große Rolle. Ausgleichen möchte man das ganze wohl durch die Einführung der „Neuen Mittelschulen“, wie dieses Konzept genau aussieht und ob der Versuch gelingt hier etwas zu verändern kann ich nicht sagen.

Im KfZ-Bereich kommt ein Lehrling heute nicht mehr drum herum, sich intensiv mit Elektronik zu beschäftigen, Stichwort "Mechatroniker". Eine Lehre in diesem Berufsfeld setzt m.E. heute schon mindestens Mittlere Reife voraus...oder einen ebenso begabten wie engagierten Hauptschüler. Meiner Beobachtung nach haperts bei vielen Hauptschülern nicht an der Begabung, sondern am Engagement, sprich Einsatzwillen. "Am Donnerstag gefeiert? Mach ich halt Freitag blau."

Eine persönliche Beobachtung: Als ich gebaut habe, hatte der Schreiner einen Azubi dabei. Der wurde runter zum Wagen geschickt, um einen Bohrhammer zu holen und kam mit einer normalen Bohrmaschine wieder. Der hatte den Auftrag, Mörtel zum Ausfugen eines Türausschnitts anzurühren, hat gerührt und ging dann eine rauchen, weil ja sein Auftrag erfüllt war. Darauf, den Mörtel in den ersten Stock zu bringen, weil er dort gebraucht wurde und der Geselle darauf wartete, kam er nicht. Der tat nur das, was man ihm wirklich aufgetragen hatte, und das auch nicht immer in der nötigen Geschwindigkeit. Den Mörtel musste er übrigens zweimal anrühren. Als es zu Feierabend darum ging, die Baustelle zu säubern, habe ich (!) ihm einen Besen in die Hand gedrückt, weil er sonst nicht auf die Idee gekommen wäre mitzuhelfen.
Ich hab dann mal vorsichtig beim Schreiner (der ein alter Bekannter ist) angefragt, ob der Lehrling immer so schlafmützig ist und bekam dann ein Lamento zu hören, dass er keine besseren Lehrlinge bekäme. Und ganz ohne Lehrling käme er auch nicht klar, allein schon deswegen, weil er verpflichtet sei, ständig einen Lehrling auszubilden.

Dieses Problem, dass die Azubis heutzutage oft nicht mehr ausbildungsfähig sind, beschränkt sich übrigens nicht nur auf Hauptschüler. Auch Praktikanten aus weiterführenden Schulen tauchen beim (für den erfolgreichen Abschluss eines Schuljahres verpflichtenden) Praktikum eher sporadisch auf oder tauchen beim Praktikumsbetreuer auf, um sich zu beschweren, dass sie in einem Bekleidungshaus im Lager Kartons auspacken müssen, wo sie doch erwartet haben, Kundinnen zu beraten (der Auftritt kam nach drei Tagen Praktikum, wobei das Praktikum ein halbes Jahr dauerte, immer zwei Wochen Praktikum und zwei Wochen Schule).

Da liegt nicht nur in der Bildungslandschaft was im Argen, sondern auch bei den persönlichen Einstellungen der Schüler in Sachen Arbeit, Arbeitsethos, Einsatzbereitschaft. Auch daran liegt es, dass die Jugendarbeitslosigkeit so hoch ist, wohingegen meiner Beobachtung nach zumindest hier in der Mitte von Bayern eigentlich jeder Schulabgänger, der eine Lehre machen will, auch zumindest einen Ausbildungsplatz bekommt. Nicht immer im Wunschberuf, aber es kommt jeder, der arbeiten will, auch irgendwo unter, selbst wenn seine schulischen Leistungen eher unterer Durchschnitt sind.
Die Frage ist nur: Woran liegt das, dass eben die Grundeinstellungen zur Arbeit bei manchen schlichtweg fehlen?

VG
Christian
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11.05.2014, 14:10
Beitrag: #64
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
(11.05.2014 09:17)913Chris schrieb:  ./.

Da liegt nicht nur in der Bildungslandschaft was im Argen, sondern auch bei den persönlichen Einstellungen der Schüler in Sachen Arbeit, Arbeitsethos, Einsatzbereitschaft. Auch daran liegt es, dass die Jugendarbeitslosigkeit so hoch ist, wohingegen meiner Beobachtung nach zumindest hier in der Mitte von Bayern eigentlich jeder Schulabgänger, der eine Lehre machen will, auch zumindest einen Ausbildungsplatz bekommt. Nicht immer im Wunschberuf, aber es kommt jeder, der arbeiten will, auch irgendwo unter, selbst wenn seine schulischen Leistungen eher unterer Durchschnitt sind.
Die Frage ist nur: Woran liegt das, dass eben die Grundeinstellungen zur Arbeit bei manchen schlichtweg fehlen?

VG
Christian


Das kann man alles nur bestätigen.
Dass man in Deutschland derzeit Ausbildungsmäßig noch immer im Schlaraffenland lebt, schiebt man hinten an, und erhebt lieber Lamentos über andere Länder.
Der Balken sitzt aber im eigenen Auge. Und der gehört zuerst gezogen.

Zitat:Die Frage ist nur: Woran liegt das, dass eben die Grundeinstellungen zur Arbeit bei manchen schlichtweg fehlen?

Das war und ist schon immer so gewesen.
Der Mensch als solcher ist ein fauler Sack. Sache von Erziehung, Schule und Lehre ist, den jungen Menschen beizubringen, dass es Werte gibt, für die es lohnt sich anzustrengen. "Mein Bruder wäre doch auch schon recht alt, und ja ob der nicht inzwischen überfordert wäre...) Auf die Frage was er eigentlich wolle, "ja, mein Bruder hätte seinen Sohn beleidigt... und das ging ja nun gar nicht"
Geschehen war folgendes, der hoffnungsvolle Filius und Auszubildende hatte über stark 2 Monate kein Berichtsheft mit den Wochenberichten vorgelegt.
Mein Bruder ihn mit den Worten "Du Himmelhund, bring endlich dein Berichtsheft" hierzu aufgefordert.
Eine Beleidigung die den jungen Mann fürchterlich verletzte, ihn zu einer ausführlichen Beschwerde bei den Eltern anregte aber keineswegs dazu veranlasste das Berichtsheft vorzulegen.

Fortsetzung folgt irgendwann

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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11.05.2014, 15:50
Beitrag: #65
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
(11.05.2014 09:17)913Chris schrieb:  Die Frage ist nur: Woran liegt das, dass eben die Grundeinstellungen zur Arbeit bei manchen schlichtweg fehlen?

Ich habe da eine Theorie, die mir aber sicher von dem einen oder andere entrüsteten Forianer um die Ohren gehauen wird.

Wenn der papa abends völlig müde von der Arbeit nach Hause kommt und weder Zeit noch Lust hat, sich mit dem Sprößling auf angenehme Art und Weise zu beschäftigen, lernt der Sprößling, daß Arbeit irgendwie etwas schlechtes sein muss, weil der Papa nämlich schlecht gelaunt nach Hause kommt.
Wenn dazu noch die Mama arbeitet und immer in der Hetze ist und wenig Zeit hat, um sich dem Kind zuzuwenden, dann lernt das Kind, das Arbeit etwas schlechtes sein muss.
Dazu kommt dann noch, daß das Kind überhaupt keine Ahnung hat, was diese "Arbeit" eigentlich ist. Es sieht Mutter und Vater irgendwohin abrauschen und schlecht gelaunt und müde wiederkommen.
Den Zusammenhang mit der Playstation in seinem Zimmer und der Arbeit der Eltern erschließt sich ihm nicht. Das können Kinder nicht erfassen.
Wie sollen Eltern, die in der Arbeitswelt entweder unterfordert (oftmals Frauen in teilzeit) oder überfordert (viele in Vollzeit) sind, ihren Kindern bitte eine positive Einstellung zur Arbeit vermitteln?

Wer motovierte Kinder und Jugendliche haben will, der muss verdammt noch mal dafür sorgen, daß die Eltern dieser Kinder und Jugendliche irgendeinen Sinn oder eine Erfüllung in dem sehen, was sie tun.
Aufstiegschancen locken heute eh keinen mehr, weil es sie eigentlich nicht mehr gibt- mein Vater hat es noch vom Maurer zum Inhaber der größten Baufirma vor Ort gebracht- aber das ist fast 50 Jahre her- und für heutige Jugendliche längst außerhalb der Realität. Und wie oft hören Kinder und Jugendliche von ihren Eltern, daß sie trotz Überstunden nicht befördert wurden... Wen zum teufel soll das denn motivieren?

Edit: Vielleicht sollte man einfach mal darüber nachdenken, was es für die Motivation von Kindern und Jugendlichen bedeutet, wenn genug Geld da ist, um alles zu kaufen. Kein Kind und auch nicht unbedingt ein Jugendlicher begreift wirklich den Zusammenhang zwischen Papas Arbeit und den Dingen, die er im Leben benutzt. Wenn aber Mama mit dem Kind ein Faschingskostüm näht (und nicht eines im Internet bestellt) oder Papa das Fahrrad repariert und es nicht in die Werkstatt bringt, dann lernen Kinder und Jugendliche viel eher den Zusammenhang zwischen "Arbeit" und "Haben".
Wenn aber beide Eltern arbeiten müssen, wie das von Politik und Wirtschaft ständig gefordert wird, fehlt die zeit, mit Kindenr Dinge zu tun und einen Zusammenhang herzustellen. Ist ja auch schädlich fürs Wachstum, oder?

Kennt eigentlich einer die Bedürfnispyramide von Maslow? Wenn die unteren drei Stufen der Pyramide erfüllt sind (und das sind sie in der regel), dann ist es keine Motivation zur Aufnahme einer Arbeit, wenn die beiden oberen dadurch nicht mehr erfüllt werden können...

Auf dem Grabstein dess Kapitalismus wird stehen: "Zuviel war nicht genug"
Volker Pispers
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11.05.2014, 16:21
Beitrag: #66
RE: Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
(11.05.2014 05:54)Titus Feuerfuchs schrieb:  
(06.05.2014 19:43)Annatar schrieb:  [...]
Deswegen hat er, meiner Meinung nach, auch recht mit seiner These, dass wir uns zwischen Kapitalismus und Demokratie entscheiden müssen.

Da hat der Gute mit Sicherheit Unrecht.

Demokratie ohne Kapitalismus funktioniert nicht, das ist zig-fach empirisch bewiesen.

Mich wundert ja immer, warum man Künstler und Schöngeister des Öfteren für Experten für Politik- und Wirtschaft hält.

Das sind sie mitnichten. Jemand der diese Materie nicht studiert und/oder aus der Berufspraxis kennt, weiß naturgemäß auch meist wenig bis nichts darüber.
Woher will man wissen, dass Demokratie ohne Kapitalismus nicht funktioniert, wenn man es nie ausprobiert hat. Wink
Letzten Endes ist die momentane Form des Kapitalismus auch nicht demokratiefördernd.

"Auflehnung ist das heiligste aller Rechte und die notwendigste aller Pflichten."
Marquis de La Fayette
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11.05.2014, 17:51
Beitrag: #67
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
(11.05.2014 15:50)Bunbury schrieb:  lernt der Sprößling, daß Arbeit irgendwie etwas schlechtes sein muss, weil der Papa nämlich schlecht gelaunt nach Hause kommt.

Das Vorbild der Eltern ist sicher wichtig, aber nicht nur.

Ich zum Beispiel habe einen Vater, der irgendwie immer was zu tun hat. DEr kam heim und hat nach einer Kaffeepause im Garten oder Haus weiter gewerkelt.
Ich kann nun nicht von mir behaupten, besonders arbeitswütig zu sein. Aber ich behaupte von mir doch, ein gesundes Arbeitsethos zu haben. Das habe ich in meinen Ferienjobs bei einer hiesigen großer KfZ-Herstellerfirma gelernt. Es wäre mir von Hause nie in den Sinn gekommen, einen begonnenen Ferienjob abzubrechen. Dazu bin ich zu stur, da hätte ich mich geschämt, vor mir selber.
Mein Vater hat mir überdies den wichtigen und sinnvollen Tipp mitgegeben, nie unbeschäftigt auszusehen, selbst wenn man es ist. Big Grin
In der Kurbelwellenschleiferei kam das öfter vor. Hab ich halt die Halle gefegt, wenn´s sein musste dreimal an einem Tag, oder mir erklären lassen, wie die CNC-Geräte funktionieren (und am nächsten Samstag meinen Meister damit verblüfft, dass ich die Schleifmaschine allein kalibriert hab...der wollte mich glatt vom Studium abwerben...Big Grin).
Den Durchhaltewillen und das Bestreben, auch aus einem Job, der mir zeitweise überhaupt keinen Spaß macht, das habe ich dort gelernt. Und genau das geht vielen Schülern oder Lehrlingen ab. Ich hab mal bei meinen Schülern, soweit sie 18 waren, rumgefragt, wer schon einen Ferienjob habe. Keiner.

Ich habe mit 14, 15 begonnen, mir bei meinem Onkel im Hopfengarten was dazuzuverdienen. Bei Regen einige hundert Mal am Tag sich auf den Boden knien und wieder aufstehen, dazwischen mit einem schlammglitschigem Hopfenmesser hantieren, während einem das Wasser unten rausläuft...toll!!!
Ich habe im Studium hinterm Tresen gestanden. Haben meine Schüler alle noch nie gemacht, mit wenigen Ausnahmen (meist kellnern sie dann).

Die kommen ins Arbeitsleben und haben bis auf Praktika (und auch das nur, wenn sie auf einer FOS waren) noch nie damit zu tun gehabt. Morgens 5 Minuten zu spät in die Schule kommen und der Lehrer reagiert ungehalten? Völliges Unverständnis! Da müssen schon größere Geschütze aufgefahren werden, um manchen Schülern Pünktlichkeit einzubläuen, und selbst dann kapieren manche nicht, warum die Schule da so ein Aufhebens darum macht.

Nun sind das aber fast durch die Bank keine Kinder reicher Eltern. An der Überversorgung liegt´s ganz bestimmt nicht.

VG
Christian
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11.05.2014, 20:33
Beitrag: #68
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
So ganz versteh ich deinen Beitrag nicht, wenn ich ehrlich bin.

Du schreibst, daß dein Vater immer beschäftigt war. Und erzählst von dir, daß du auch immer etwas gemacht hast.
Genau das meine ich aber.

Heute wird "arbeiten" vor allem als Möglichkeit betrachtet, zu Wohlstnd zu kommen. Kann man auch hier im Thread immer und immer wieder lesen. Müttern, die arbeiten wollen, wird dann oft vorgeworfen, daß sie sich nur teure Sachen leisten können wollen. etc. Es ist immer die Rede von besitz und haben wollen.
Und dann sollen Kinder, denen es nicht wirklich an etwas mangelt, arbeiten gehen? Wofür? Damit sie sich eine neue Stereoanlage kaufen können? Wozu? Papa hat doch eine tolle daheim rumstehen. Und weil er eh nie da ist, kann ich die doch benutzen, vor allem, wenn ich eben nicht arbeite.

Es ist aber nie die Rede davon, eine Aufgabe zu finden, die einen ausfüllt. Gut, so wie viele Jobs heute gestrickt sind, ist das auch schwierig. Ich bin ind er bezeihung selbst kein gutes Vorbild. ich drücke lustlos ein paar Knöpfe und vertraue darauf, daß das Buchhaltungs und Personalprogramm funktioniert und wenn es das nicht tut, rufe ich die Hotline an. Das ist so in etwa alles. Richtig denken muss ich dabei nicht. Nur aufpassen, daß ich an der richtigen Stelle das richtige eintrage. Spaß macht es keinen. Wie soll ich also den Kindern Spaß an der Arbeit vermitteln?

Und ein zweiter Aspekt fällt wohl auch keinem auf, oder?
Wenn wir alle von unserer Jugend reden, dann ist immer die Rede davon, daß wir damals lauthals protestiert haben, demonstriert und unsere Ablehnung lautstark kund getan haben. Die heutige Jugend gilt als angepaßt und wenig konfliktfreudig.
Schon mal daran gedacht, daß die Leistungsverweigerung, die von vielen betrieben wird, eine ganz andere Art von Protest gegen die Leistungsgesellschaft ist? Daß es für die Jugendlichen von heute eben keine Perspektive ist, in 20 Jahren so zu enden wie ihre Eltern? Gut, sie gehen nicht mehr mit Plakaten auf die Straße und demonstrieren. Aber sie sagen uns doch ganz deutlich, daß sie mit unserer Welt nichts zu tun haben wollen, wenn sie sich hinter ihren Smartphones verkriechen. Und wir geben ihnen die Möglichkeit, sich abzugrenzen auch nicht mehr. Wir haben inzwischen ja selbst alle Smartphones. Facebook wurde für Jugendliche uninteressant, als wir Erwachsenen es entdeckten. Die Möglichkeit zu protestieren haben sie auch nicht. Auch das haben wir ja schon übernommen.
Strenggenommen bleibt ihnen doch nur die Leistungsverweigerung... Und das machen sie gut...

Auf dem Grabstein dess Kapitalismus wird stehen: "Zuviel war nicht genug"
Volker Pispers
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11.05.2014, 21:28
Beitrag: #69
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
filosofien sind das....

Mein Vater kam, wie ich heute, zwischen 20 und 22 Uhr nach Hause.
Von der Maloche Angel
Meine Mutter zwischen 19 und 20 Uhr, wie meine Frau heute
Von der Maloche Devil
Wenn man durch die Stadt ging, wurden die beiden mit Respekt gegrüßt.
Aus meinen Geschwistern, 6 Stück (mit mir also 7), ist was geworden
Aus meinen Kindern, 3 Stück, ist was geworden

Während ich aus 61 Lebensjahren den überaus subjektiven Eindruck gewonnen habe, dass sich das Pack ebenso reproduziert.
Das Beispiel des rumhängens und nichtstun, von Stütze leben
ist meiner unmaßgeblichen und subjektiven Meinung nach überaus ansteckend ist, wenn nicht vererblich.

Sorry, der überschaubare Mikrokosmos Kleinstadt führt zu so überhaupt nicht belegbaren Meinungen.
Wobei ich aus dem Handgelenk mehrere Familien nennen könnte, in denen diese Praxis zumindest in der 3. Generation geübt wird

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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11.05.2014, 23:49
Beitrag: #70
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
Schwierige Diskussion - vielleicht auch wegen der Ansammlung von eigenen Einzelerfahrungen.
Ok, es mag pflegmatische oder unschlaue Jugendliche geben, die gingen früher auf den Bau, in die Landwirtschaft oder fanden sonst eine passende Aufgabe. In fast allen Betrieben wurden noch vor 10-20 Jahren ein paar nicht so Leistungsfähige oder -willige mow murrend mit durchgeschleppt. Die wurden zwar nicht unbedingt befördert und auch von Gehaltserhöhungen verschont aber man behielt sie, jedenfalls wenn sie einigermaßen mitspielten, teilweise sind die heute noch immer da, geschützt durch lange Betriebszugehörigkeiten etc.
Theoretisch basiert unsere Wirtschaft und damit die Gesellschaft noch immer auf Arbeitsteilung. Wer handwerklich nicht begabt ist, wird Verkäufer und umgekehrt. Irgendeine Aufgabe sollte sich für jeden finden lassen, theoretisch. Praktisch ist das schon länger nicht mehr so, es gibt die immer besser werdende Konkurrenz von computergesteuerten Maschinen. Wir benötigen für die Güterproduktion längst keinen Vollzeit-8-Stunden Arbeitstag aller Erwachsenen einer Volkswirtschaft mehr. Also können wir es uns leisten, gnadenlos zu sortieren. Und wer wird als erster aussortiert, doch meist der, bei dem es am einfachsten ist? Der Junge, den keine lange Betriebszugehörigkeit schützt, der noch keine Erfahrung, Betriebsbindung usw hat und den kein Vitamin B protegiert.
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12.05.2014, 03:48
Beitrag: #71
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
Also nach über 30 Jahren Erfahrung in der Arbeitswelt, komme ich zum Resümee, dass sich Leistung nicht wirklich lohnt.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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12.05.2014, 08:25
Beitrag: #72
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
(12.05.2014 03:48)Sansavoir schrieb:  Also nach über 30 Jahren Erfahrung in der Arbeitswelt, komme ich zum Resümee, dass sich Leistung nicht wirklich lohnt.

Der Frust kann einen schon mal packen.
"Anderen" eher blöder und fauler, läuft die Kacke buchstäblich bergauf, während man selbst immer mal wieder in die selbe greift....

Geht mir auch öfter mal so.....

Mal wieder zurück zum Thema.
Kennt einer der Mitstreiter/innen die Biografie unseres Ex-Kanzlers Gerhard Schröder?
Vater Schaustellergehilfe, gefallen in Rumänien.
Aufgewachsen in Behelfswohnungen usw. usf.
Seine Mutter nennt er "die Löwin"
Womit alles gesagt ist wie es ging.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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12.05.2014, 08:50
Beitrag: #73
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
(12.05.2014 08:25)Suebe schrieb:  Kennt einer der Mitstreiter/innen die Biografie unseres Ex-Kanzlers Gerhard Schröder?
Vater Schaustellergehilfe, gefallen in Rumänien.
Aufgewachsen in Behelfswohnungen usw. usf.
Seine Mutter nennt er "die Löwin"
Womit alles gesagt ist wie es ging.

Du kennst sicher sein Geburtsdatum, hat gerade spektakulär seinen 70. gefeiert. Damals 68 und in den 70ern danach ging es so. Das ist Vergangenheit.
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12.05.2014, 10:45
Beitrag: #74
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
(11.05.2014 20:33)Bunbury schrieb:  So ganz versteh ich deinen Beitrag nicht, wenn ich ehrlich bin.

Du schreibst, daß dein Vater immer beschäftigt war. Und erzählst von dir, daß du auch immer etwas gemacht hast.
Genau das meine ich aber.

Heute wird "arbeiten" vor allem als Möglichkeit betrachtet, zu Wohlstnd zu kommen.,

Was ich meinte, ist, dass ein arbeitsamer Vater nicht unbedingt dazu führen muss, einen arbeitsscheuen Sprößling zu produzieren.
Im Gegenteil, ich habe mir von meinem Vater da was zumindest teilweise übernommen. Ich stand mit meinem Vater nicht immer unbedingt gut, aber in der Hinsicht ist er für mich ein Vorbild. Liegt vielleicht an der Erziehung, die ich insgesamt von meinen Eltern genossen hab. Insofern meine These: Das Problem liegt vielleicht nicht komplett bei den Jugendlichen, sondern mindestens zum Teil bei den Eltern.

Entspricht so dem Tenor der letzten paar Mails in diesem 3d.

Gleichzeitig habe ich aber auch schon festgestellt, dass die Überversorgung der Kids auch nicht das ganze Gründespektrum abdecken kann.

Ich denke, man müsste bei jedem einzelnen jugendlichen Langzeitarbeitslosen speziell nachschauen, weil auch bei jedem einzelnen im Detail andere Gründe ausschlaggebend sein werden.

VG
Christian
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12.05.2014, 11:09
Beitrag: #75
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
(12.05.2014 10:45)913Chris schrieb:  
(11.05.2014 20:33)Bunbury schrieb:  So ganz versteh ich deinen Beitrag nicht, wenn ich ehrlich bin.

Du schreibst, daß dein Vater immer beschäftigt war. Und erzählst von dir, daß du auch immer etwas gemacht hast.
Genau das meine ich aber.

Heute wird "arbeiten" vor allem als Möglichkeit betrachtet, zu Wohlstnd zu kommen.,

Was ich meinte, ist, dass ein arbeitsamer Vater nicht unbedingt dazu führen muss, einen arbeitsscheuen Sprößling zu produzieren.

Ich sehe, hier haben wir uns gründlich mißverstanden. Mir ging es nicht um den generell durch Arbeit abwesenden Vater. Ein Vater, dem sein Job Spaß macht oder der sich durch seinen Job anerkannt fühlt, wird seinem Kind auch eine positive Grundeinstellung zur Arbeit vermitteln können. Das Kind weiß dann nämlich, daß es absolut okay ist, zur Arbeit zu gehen.
Ein Vater, der sich auf der Arbeit verausgabt und alles positive auf der Arbeitsstelle läßt, und nur schlecht gelaunt nach Hause kommt und für sein kind dann nichts mehr übrig hat, zeigt seinem Kind dagegen, daß Arbeit nichts gutes bedeutet.

(12.05.2014 10:45)913Chris schrieb:  Insofern meine These: Das Problem liegt vielleicht nicht komplett bei den Jugendlichen, sondern mindestens zum Teil bei den Eltern.

Lassen wir mal das von Suebe so gerne zitierte arbeitsscheue Pack beiseite sondern schauen uns einfach mal normale Mittelstandseltern an, die, die ihrerseits einen guten Schulabschluss und eine gute Ausbildung gemacht, vielleicht sogar studiert haben.
Bei denen nimmt der Arbeitsfrust in den letzten Jahren deutlich zu. Betriebe werden ständig umstrukturiert, auch die Arbeitsanforderungen ändern sich ständig. Auch hier ist eine Schere zu sehen, die immer weiter auseinandergeht- einerseits werden durch technische Möglichkeiten viele Jobs immer weiter vereinfacht und man benötigt immer weniger Knowhow und Sachverständnis, um diese (relativ schlecht bezahlten) Jobs auch ausüben zu können. Gleichzeitig werden andere Jobs durch immer neue Verantwortungsbereiche immer schwerwiegender und erfordern immer höhere Kompetenzen. gab es früher durchaus noch "Mitteljobs", also Jobs, die einem durchaus die Möglichkeit gelassen haben zu entscheiden, daß man zwar ganz gerne arbeitet, aber eben nicht einzig in der Arbeit seinen lebenssinn sieht, so fallen diese Jobs oftmals weg- und man muss sich entscheiden zwischen dem fordernden und dem nicht fordernden Job. Gerade im Dienstleistungsbereich ist das enorm.
Bei Familien mit Kindern im Mittelstandsbereich bedeutet das in der Regel- Papa hat einen Job, der ihm alles abverlangt und der wenig zeit für die Familie läßt, während Mama einen Job macht, für den sie überqualifiziert ist und der sie miesepetrig werden läßt... (und es gibt nicht wenige Mütter, die ihren Töchtern gerade vorleben, daß es sich nicht lohnt, sich in der Schule anzustrengen, weil sie am Ende doch nur in schlecht bezahlten und unbefriedigten Jobs da hängen und daß sich seit Großmutters zeiten eigentlich nicht wirklich was geändert hat...)

Gute Vorraussetzungen, den Sprößlingen zu vermitteln, daß Arbeit etwas gutes ist sind das nicht...

Aber das wiederum nur allein den Eltern anzulasten, ist auch nicht fair...

Auf dem Grabstein dess Kapitalismus wird stehen: "Zuviel war nicht genug"
Volker Pispers
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12.05.2014, 13:11
Beitrag: #76
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
(12.05.2014 10:49)Bunbury schrieb:  Ein Punkt aus Suebes Argumentation möchte ich noch einmal hervorheben, weil er mir indirekt nämlich recht gibt.
Er schreibt:

(11.05.2014 21:28)Suebe schrieb:  Mein Vater kam, wie ich heute, zwischen 20 und 22 Uhr nach Hause.
Von der Maloche Angel
Meine Mutter zwischen 19 und 20 Uhr, wie meine Frau heute
Von der Maloche Devil
Wenn man durch die Stadt ging, wurden die beiden mit Respekt gegrüßt.

Kleine Frage am rande- wer wird bitte denn heute mit Respekt gegrüßt? Ganz sicher nicht der, der schwer arbeitet, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Ich vermute mal, dass man mir schon Respekt entgegenbringt. Zumindest fällt mir nichts anderes auf.

Aber OK, lassen wir das.
Lasst Euch jedenfalls eines ins Stammbuch schreiben:

Der, der sich nicht täglich selbst in den Allerwertesten tritt, bringt es zu nichts auf dieser Welt.

Pyramiden, Erwartungshorizonte, das sind alles Versuche Denkmodelle aufzustellen.
Die Welt ist einfacher und gnadenloser.

Edit: Ich kannte mal einen, schwer reich geworden, ein Furzklemmer in jede Richtung.
An seinem 90. Geburtstag hat ihn die örtliche Zeitung nach seinem Rezept gefragt.
Im Originalton: "Nicht jeder der spart, kommt zu etwas, aber einer der nicht spart kommt ganz sicher zu nichts."

Man muss ja nicht reich werden wollen, man kann andere Ziele haben, aber ohne Mühe und Plage - keine Chance.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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12.05.2014, 13:46
Beitrag: #77
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
Sorry, aber mit den paar Einzelerfahrungen kann man nicht zwei ganze Generationen beurteilen. europaweit, in Groß- und Kleinstädten, in industriellen Ballungsräumen und auf dem platten Land. Das geht einfach nicht.
Soweit ich das übersehe, haben sich bisher nur Angehörige der Eltern- bzw Großelterngeneration geäußert. Gerade die ältere Elterngeneration hat damals in den 70-80ern extrem von der Brandtschen Bildungsinitiative profitiert. Die haben idR selbst erfahren, mit ordentlicher Ausbildung, Fleiß und Verantwortungsbewußtsein auch am Arbeitsplatz geht´s aufwärts, mindestens bis in den Mittelstand. Das ist die sog. Babyboomergeneration mit dem Geburtenspitzenjahrgang 1964. Denen wurde das selten in die Wiege gelegt, sondern die haben selbst Chancen gesehen und ergriffen und meist hart für ihren Besitzstand gearbeitet. Natürlich erwarten die, wie fast alle Eltern, dass es ihren Kindern mal besser geht. Nur leider - noch besser scheint nicht zu gehen, jedenfalls nicht für die große Masse der Babyboomerkinder beim derzeitigen Stand unseres Wirtschaftssystems. Das ist bitter, sowohl für die Eltern als auch für die Kinder. Die natürlich heute längst keine Kinder mehr sind, sondern die jüngeren Erwachsenen zwischen 20 und 40, je nachdem.
Vielleicht sollten wir die mal zu Wort kommen lassen?
Oder die jüngeren Spanier, Griechen etc, gut ausgebildet und teilweise um die 30 noch bei den Eltern wohnend.
Die erfahren leider zu häufig, das alles in den allerwertesten treten nichts nützt, da auf den Arbeitsplätzen, die es ihnen ermöglichen würden, dass es ihnen wenigstens so gut geht, wie den Eltern, entweder noch die Elterngeneration sitzt oder es diese Arbeitsplätze nicht mehr gibt.
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12.05.2014, 15:20
Beitrag: #78
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
(12.05.2014 13:46)Renegat schrieb:  Sorry, aber mit den paar Einzelerfahrungen kann man nicht zwei ganze Generationen beurteilen. europaweit, in Groß- und Kleinstädten, in industriellen Ballungsräumen und auf dem platten Land. Das geht einfach nicht.
Soweit ich das übersehe, haben sich bisher nur Angehörige der Eltern- bzw Großelterngeneration geäußert. Gerade die ältere Elterngeneration hat damals in den 70-80ern extrem von der Brandtschen Bildungsinitiative profitiert. Die haben idR selbst erfahren, mit ordentlicher Ausbildung, Fleiß und Verantwortungsbewußtsein auch am Arbeitsplatz geht´s aufwärts, mindestens bis in den Mittelstand. Das ist die sog. Babyboomergeneration mit dem Geburtenspitzenjahrgang 1964. Denen wurde das selten in die Wiege gelegt, sondern die haben selbst Chancen gesehen und ergriffen und meist hart für ihren Besitzstand gearbeitet. Natürlich erwarten die, wie fast alle Eltern, dass es ihren Kindern mal besser geht. Nur leider - noch besser scheint nicht zu gehen, jedenfalls nicht für die große Masse der Babyboomerkinder beim derzeitigen Stand unseres Wirtschaftssystems. Das ist bitter, sowohl für die Eltern als auch für die Kinder. Die natürlich heute längst keine Kinder mehr sind, sondern die jüngeren Erwachsenen zwischen 20 und 40, je nachdem.
Vielleicht sollten wir die mal zu Wort kommen lassen?
Oder die jüngeren Spanier, Griechen etc, gut ausgebildet und teilweise um die 30 noch bei den Eltern wohnend.
Die erfahren leider zu häufig, das alles in den allerwertesten treten nichts nützt, da auf den Arbeitsplätzen, die es ihnen ermöglichen würden, dass es ihnen wenigstens so gut geht, wie den Eltern, entweder noch die Elterngeneration sitzt oder es diese Arbeitsplätze nicht mehr gibt.


Besser gehen...
was ist das?

Fakt ist jedenfalls, dass wir in Deutschland derzeit ein Drittel der Ausbildungsplätze nicht mit geeigneten Bewerbern besetzen können. Ergo ein Fachkräftemangel quer durch alle Branchen auf uns zukommt. Was heißt Mangel? Steigende Preise, in dem Fall Löhne.
Nochmals Ergo: Der heutigen 15-25jährigen Generation wird es in Zukunft auf keinen Fall schlechter gehen als uns.
Zumindest denen nicht, die sich in den Hintern tretenAngel

Nächster Punkt:
Ich weiß nicht wie das woanders in der Republik ist, aber seit dem einsetzenden Frühjahr ist hier eine Völkereinwanderung an Baufacharbeitern festzustellen die sich von schreibt. Rumänen, Bulgaren. Polen, Tschechen, Italiener usw. usf. viele werden wieder gehen, aber bei weitem nicht alle.
Wir haben heute wieder eine Binnenwanderungswelle wie vor dem 1. Weltkrieg.
Nur, dass heute "Binnen" die EU ist, der Zaun viel weiter gemacht wurde.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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12.05.2014, 15:20
Beitrag: #79
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
Renegat, ich würde mir sehr gerne anhören, was die jüngeren zu sagen haben.
Aber die tun es ja leider nicht.Wink

Was ich hier bedenklich finde, ist ganz ehrlich gesagt, wie die Einzelerfahrungen von Menschen abgewertet und für nichtig erklärt werden.

Da geht es schon los mit dem Respekt. Man selbst will respektiert werden, gesteht den anderen den Respekt aber nicht zu.

An einem solchen Forum werde ich mich nicht mehr beteiligen.

Da heißt es dann so schön, daß man daraus keine Meinung ableiten kann- aber bitte schön- woraus soll man sie denn sonst ableiten, wenn nicht aus dem, was man im Umfeld erlebt? Soll man sich irgendeinen großen Guru suchen, der die große Meinung vertritt, der dann alle folgen können, weil er jahrhundertlang Ausssagen von Leuten ausgewertet hat? Oder der uns in seiner fast göttlichen Weisheit an seinen Erfahrungen teilhaben läßt.

Danke, ich ziehe es immer noch vor, selbst zu denken.

Natürlich erlaube ich mir meine Meinung aufgrund dessen, was ich erlebe, was ich lese, was ich höre. Wenn ich der Meinung bin, daß das wissenschaftliche Relevanz hat, dann veröffentliche ich es als Artikel in einer Fachzeitschrift und nicht in einem Internetforum, in dem man seine Meinung sagt.

Und eigentlich dachte ich, daß Internetforen auch dazu da seien, Aspekte auszutauschen, die man aufgrund seiner eigenen Lebenserfahrung vielleicht nicht so im Blick hat.

Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, daß ich von Beobachtungen in meinem Umfeld ausgehe. Das im übrigen das Rhein-Main-Gebiet ist und mitnichten irgendeine bedeutungslose Kleinstadt. Mag sein, daß es anders wo anders ist- aber hier ist es so.

Ich habe es ehrlich gesagt nicht nötig, da zu schreiben, wo man mir sagt, daß meine Erfahrungen nicht belegbar sind und gleichzeitig verlangt, daß ich den Erfahrungen eines anderen huldige.
Meinungsfreiheit geht anders.


Und Tschüss

Auf dem Grabstein dess Kapitalismus wird stehen: "Zuviel war nicht genug"
Volker Pispers
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12.05.2014, 15:26
Beitrag: #80
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
(12.05.2014 15:20)Bunbury schrieb:  ./.
Das im übrigen das Rhein-Main-Gebiet ist und mitnichten irgendeine bedeutungslose Kleinstadt.
./.

Das sind die Argumente die sich so liebe.

"Bei uns an Rhein und Ruhr entscheidet sich Deutschlands Schicksal"
LolInnocent
Leichter kann man den Argumentierer gleich überhaupt nicht mehr in seine Einzelteile zerlegen....

Ich klinke mich mal besser aus.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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