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Geschichte der griechischen Sprache
08.12.2016, 12:57
Beitrag: #1
Geschichte der griechischen Sprache
Ich habe kürzlich eine Doku gesehen, bei die ich einige Zweifel hegte. So habe ich mich erstmal belesen und möchte mit euch gern darüber sprechen bzw. schreiben.
Sollte ich etwas nicht richtig verstanden haben, korrigiert mich.

Es wird die Sprache zu den indogermanischen Sprachen einbezogen. Die Schrifttradition erstreckte sich über eine Zeit von 3400 Jahren und stellt einen eigenen Zweig dieser Sprachfamilie dar.
Es könnte auch eine nähere Verwandtschaft mit der makedonischen Sprache bestanden haben, ist aber aus mangelnder Überlieferung umstritten.

Immerhin ist die griechische Sprache eine der Hauptzweige der indogermanischen Sprachfamilie, aber auch möglicherweise mit Zwischenstufen von der balkanindogermanischen Sprache. Der Zeitraum der Entstehung des Griechischen fällt auch wahrscheinlich mit der Einwanderung von Indoeuropäern auf die Balkanhalbisel während der frühen Bronzezeit zusammen. Darüber gibt es zahlreiche Hypothesen, die von 3600 v. Chr. (Gimbutas) bis 2000 v. Chr. (Schuler) hinreichen. Als die Indoeuropäer einwanderten, trafen sie auf eine kulturell hochstehende Urbevölkerung. Doch die Sprache dieser Urbevölkerung ist nicht überliefert, sondern nur als Substrat im Griechischen erschlossen.

Das Urgriechische wird als ein hypothetischer Sprachstand des Griechischen bezeichnet und als Vorgänger des Mykenischen in der späteren griechischen Dialekte Dorisch, Öolisch und Attisch angesehen. Es wird auch vermutet, dass im 3. Jahrtausend v. Chr. die Sprache von Indogermanischen Gruppen auf dem Balkan gesprochen wurde.

Die ältesten schriftlichen Zeugnisse der Sprache in der Mykenischen Zeit beinhalten die Linearschrift B, die ab dem 14. Jh. v. Chr. als sehr kurze Texte erschienen, z. B. auf Transportamphoren, die den Inhalt bezeichnet haben.
In den Archiven von mykenischen Palästen wurden auch längere Texte auf eine Vielzahl von Tontäfelchen gefunden, die aus dem Beginn des 12. Jh. v. Chr. stammen. Die meisten Täfelchen aus Ton wurden auf Kreta gefunden. Forscher gehen davon aus das es sich hierbei um die vorindogermanische Sprache der Minoer handelte. Doch wie irrten sie sich; denn Michael Ventris und John Chadwick entzifferten die Linearschrift B. Somit zeigte sich das es sich um eine frühere Form des Griechischen handelte.
Bedauerlich aber ist, das nach der Zerstörung zahlreicher mykenische Paläste im 12. Jh. die Kenntnisse der Linearschrift teils verloren gingen. Aber die ähnliche Kybrische Silbenschrift auf Zypern blieb bis ins 3. Jh. v. Chr. gebräuchlich.

In der klassischen Zeit (auch die dunklen Jahrhunderte genannt), vermutlich um 800 v. Chr. wurde von den Griechen das phönizische Schriftsystem übernommen, die durch Einführung von Vokalzeichen umgewandelt wurde. Als Beispiel nenne ich hier den sogenannten Nestor-Becher (s. Ilias Odyssee).
In der hellenischen Zeit gewann Athen im 5. Jh. v. Chr. die Vormachtstellung in Hinsicht politischer, wirtschaftlicher und kultureller Art. Das nun dort attische Dialekt diente als Grundlage einer überregionalen Gemeinsprache (Koine, eine Gemeinsprache in hellenistischer Zeit), die durch die Eroberung Alexanders des Großen zur Weltsprache aufstieg.

Die mittelgriechische Sprache wird als eine Sprachstufe um 600 bezeichnet und mit der Eroberung der Stadt Konstantinopel durch die Osmanen um 1453 in Verbindung gebracht. Ab dem 7. Jahrhundert war sie die alleinige Verwaltungs- und Staatssprache des Byzantinische Reiches und wurde als byzantinisch-griechisch bezeichnet.

Die neugriechische Sprache hatte sich aus der Koine des altgriechischen und dem antiken attischen Dialekt entwickelt. Den Beginn der neugriechischen Epoche setzt die Forschung wechselweise im 11. Jahrhundert (indem die ersten Epen in neugriechischer Sprache erschienen), um das Jahr 1453 (Fall Konstantinopel) oder in der Mitte des 17. Jahrhunderts (kretische Renaissance) an.
Dazu muss erwähnt werden, dass die neugriechische Sprache keinen offiziellen Status besaß. Doch wurde sie in den besetzten Gebieten Griechenlands und im gesamten Osmanischen Reich verstreut gesprochen. Erst nach der griechischen Revolution im Jahr 1830 wurde sie zur alleinigen Staatssprache erklärt.

Einem Haus eine Bibliothek hinzuzufügen heißt, dem Haus eine Seele zu geben.

Marcus Tullius Cicero
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08.12.2016, 16:05
Beitrag: #2
RE: Geschichte der griechischen Sprache
Die Darstellung ist im wesentlichen korrekt.

Nach dem Hethitischen liegen mit dem Griechischen - oder besser dem Mykenischen - die ältesten Schriftzeugnisse einer indoeuropäischen Sprache vor. Auf uns gekommen sind hunderte Schrifttäfelchen in der Linear-B Schrift, die erst vor wenigen Jahrzehnten vom britischen Sprachwissenschaftler Michael Ventris entziffert wurden. Bis heute gib es allerdings bie der Deutung Unsicherhiten und Lücken.

Leider handelt es sich bei den Schriftfunden in Linear-B nicht um Texte geschichtlichen Inhalts, sondern hauptsächlich um Notizen zu wirtschaftlichen und Verwaltungszwecken, die nicht zur dauerhaften Aufbewahrung bestimmt waren. Die Tontafeln blieben nur zufällig deshalb erhalten, weil sie in Brandkatastrophen gebrannt und so für lange Zeit haltbar gemacht worden waren. Somit müssen wir für politische und gesellschaftliche Zustände zur Zeit der mykenischen Kultur vor allem archäologische Funde heraniehen.

Die Forschung ist sich sicher, dass die autochthone Bevölkerung Griechenlands ein altmediterranes nichtindoeuropäisches Idiom sprach. Die Einwanderung indoeuropäischer Gruppen wird im 3. Jahrtausend v. Chr. vermutet, wobei exaktere Zeitangaben umstritten sind. Es kam zu einer Verschmelzung der Urbevölkerung mit den indoeuropäischen Einwanderern, die ihre Sprache durchsetzten. Sprachforscher haben allerdings festgestellt, dass das Griechische zahlreiche Begriffe und Namen aus der Sprache der Vorbevölkerung übernommen hat. Das bezeichnet die Sprachwissenschaft als "Substrat". Auch kulturell haben die eingewanderten Indoeuropäer viel von der autochthonen Bevölkerung übernommen, so vor allem im Bereich der Landwirtschaft, des Weinbaus, der Architektur, der Seefahrt usw.

Schon die Griechen bezeichneten ihre vorindoeuropäischen Ahnen als "Pelasger", doch ist es bislang nicht grlungen, sie sprachwissenschaftlich oder archäologisch eindeutig zu identifizieren. Vermutlich war damit eine Gruppe oder ein Volk der altmediterranen Bevölkerung gemeint.

Das mykenische Griechisch verschwindet mit dem Untergang der mykenischen Staatenwelt im 12. Jh. v. Chr. Die darauf folgenden "Dark Ages", die durch Schriftleere und Fundarmut gekennzeichnet sind, währten von 1100 bis 800 v. Chr. Ab diesem Zeitpunkt sprechen wir von der "klassischen" Epoche Griechenlands, die sprachlich vom Altgriechischen gekennzeichnet ist. In dieser Zeit gibt es wieder Schriftlichkeit und man kann mehrere griechische Dialekte unterscheiden: Äolisch, Arkadisch, Dorisch, Ionisch und Nordwestgriechisch. Dabei sind Äolisch und Arkadisch vermutlich Fortsetzer des Mykenischen, das vom Dorischen, das seit etwa 1200 v. Ch. fassbar ist, in Restgebiete verdrängt wurde.
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08.12.2016, 20:09
Beitrag: #3
RE: Geschichte der griechischen Sprache
Vielen Dank, Dieter, für deine Ergänzungen, die ich sehr gerne annehme. So kann ich mein Wissen hierüber ergänzen und erweitern, was mir sehr wertvoll ist.

Einem Haus eine Bibliothek hinzuzufügen heißt, dem Haus eine Seele zu geben.

Marcus Tullius Cicero
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05.08.2018, 17:13
Beitrag: #4
RE: Geschichte der griechischen Sprache
Dieser Thread ist zwar schon lange nicht mehr bearbeitet worden, deshalb ein Beitrag von mir.

Immanuel Velikovsky hat in seinem Buch "Die Seevölker" geschrieben, dass farbige Kacheln vom Palast Ramses III. auf der Rückseite eindeutig griechische Buchstaben als Markierungen der Handwerker aufweisen. Da dieser Palast später weder repariert noch überbaut wurde, handelt es sich um Originale aus der Zeit von R. III, zumal sich auf den Kacheln teilweise die Katusche von Ramses III. befindet. Der Palast befindet sich auf dem Tell el-Jehudijeh (Hügel der Juden) etwa 32 km nö von Kairo. Mir liegt die Taschenbuchausgabe von Mai 1983, Ullstein Sachbuch vor.
Drei Linear-B-Schriftzeichen wurden z.B. auf einer Bernstein-Petschaft/Siegel aus einer Notgrabung in Bernstorf an der Amper gefunden. Es handelt sich um eine niedergrbrannte Wallanlage, die sowohl C-14, dendrochronologisch als auch mittels Thermolumineszenzmethode datiert wurde. Das daraus abgeleitete Zeitinterwall wird auf das 16. bis 15. Jh v.Chr. gesetzt. Neben diesen drei Schriftzeichen gibt es auf der Petschaft noch eine sitlisierte Abbildung eines Golddiadems, welches tatsächlich auch noch gefunden wurde. Es besteht aus sehr dünner Goldfolie und wegen seines hohen Reinheitsgehaltes an Gold stand es bis vor kurzem unter Fälschungsverdacht durch Prof. Pernicka. Dieser Verdacht dürfte ausgeräumt sein, nachdem R. Gebhard und R. Krause Anfang 2017 ihr Buch "Bernstorf - Archäologisch-naturwissenschaftliche Analyse der Gold- und Bernsteinfunde vom Bernstorfer Berg bei Kranzberg" vorlegten. Diese Analysen schließen eine Fälschung/Manipulation der Funde aus.
Fazit: Wie kommen griechische Buchstaben auf Ramses Kacheln
und wie kommen Linear-B-Schriftzeichen nach Bayern?
Zumindest dürfte die "naturwissenschaftliche" Datierung von Bernstorf zu alt ausfallen und Rames III. deutlich jünger sein. M. Moosauer/T. Bachmaier: "Bernstorf - Das Geheimnis der Bronzezeit", 2005, Theiss-Verlag            
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06.08.2018, 20:30
Beitrag: #5
RE: Geschichte der griechischen Sprache
@Rainer, ob die Bernstorfer Funde ganz koscher sind, halte ich für nicht endgültig entschieden.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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15.08.2018, 19:24
Beitrag: #6
RE: Geschichte der griechischen Sprache
(05.08.2018 17:13)Rainer schrieb:  Es besteht aus sehr dünner Goldfolie und wegen seines hohen Reinheitsgehaltes an Gold stand es bis vor kurzem unter Fälschungsverdacht durch Prof. Pernicka. Dieser Verdacht dürfte ausgeräumt sein, nachdem R. Gebhard und R. Krause Anfang 2017 ihr Buch "Bernstorf - Archäologisch-naturwissenschaftliche Analyse der Gold- und Bernsteinfunde vom Bernstorfer Berg bei Kranzberg" vorlegten. Diese Analysen schließen eine Fälschung/Manipulation der Funde aus.

Diese Verteidigungsschrift wurde von den Fachkollegen wegen ihrer Einseitigkeit verrissen (https://www.academia.edu/34632974/Rezens...17_543_550 ). Nachgestellt wurde auch, wie man solche "Fundstücke" heutzutage herstellen kann (https://www.academia.edu/34634766/Zur_He...17_247_268 ).
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25.08.2018, 17:17
Beitrag: #7
RE: Geschichte der griechischen Sprache
(15.08.2018 19:24)Phoenix schrieb:  
(05.08.2018 17:13)Rainer schrieb:  Es besteht aus sehr dünner Goldfolie und wegen seines hohen Reinheitsgehaltes an Gold stand es bis vor kurzem unter Fälschungsverdacht durch Prof. Pernicka. Dieser Verdacht dürfte ausgeräumt sein, nachdem R. Gebhard und R. Krause Anfang 2017 ihr Buch "Bernstorf - Archäologisch-naturwissenschaftliche Analyse der Gold- und Bernsteinfunde vom Bernstorfer Berg bei Kranzberg" vorlegten. Diese Analysen schließen eine Fälschung/Manipulation der Funde aus.

Diese Verteidigungsschrift wurde von den Fachkollegen wegen ihrer Einseitigkeit verrissen (https://www.academia.edu/34632974/Rezens...17_543_550 ). Nachgestellt wurde auch, wie man solche "Fundstücke" heutzutage herstellen kann (https://www.academia.edu/34634766/Zur_He...17_247_268 ).

Danke für die Info
Rainer
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18.04.2019, 14:21
Beitrag: #8
Video RE: Geschichte der griechischen Sprache
Ich hab mich auch immer gefragt was die Einheiten bei Total War
Spielen sagen wenn man die anwählt. Das klingt nämlich immer anders von Spiel zu spiel.
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