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Herkunft und Identität der Hunnen
21.04.2017, 15:56
Beitrag: #1
Herkunft und Identität der Hunnen
Schon immer rätseln Historiker und Archäologen, welcher Herkunft die Hunnen waren und welche Sprache sie sprachen. Die vebreitetsten Hypothesen vermuten eine mongolische, türkische, tungusische oder paläo-sibirische Herkunft - möglicherweise auch eine unbekannte und längst untergegangene Sprache. Ferner wird darauf verwiesen, dass die Hunnen vermutlich eine Stammeskonföderation waren und somit verschiedene Sprachen gesprochen wurden. Dennoch wird es einen Traditions- und Stammeskern gegeben haben, der die Richtung vorgab und dominierte.

Es scheint aber so, als ob die neuere Forschung das Hunnische inzwischen als Turksprache klassifiziert. Der Sprachwissenschaftler Harald Haarmann sagt dazu:

Zitat:Obwohl sprachliche Zeugen des Hunnischen äußerst spärlich sind und sich fast ausschließlich auf Namenmaterial beschränken, lässt sich dennoch mit Sicherheit feststellen, dass das Hunnische eine sehr frühe individuelle Sprachvariante des türkischen Sprachzweigs der altaischen Sprachfamilie war - die älteste bekannte türkische Einzelsprache.

(Harald Haarmann, Lexikon der untergegangenen Sprachen, München 2002, S. 94)

Dieser Ansicht ist auch István Bóna, Professor der Ur- u. Frühgeschichte an der Universität Budapest. Er schreibt:

Zitat: Von der hunnischen Sprache wurde leider nichts, besser gesagt nichts sicher hunnisches, überliefert, erhalten blieben uns nur zahlreiche Eigennamen ... Ein ansehnlicher Teil der Namen weist auf eine (Verbindungen mit dem Altbulgarischen und dem Mongolischen zeigende) Turksprache hin, auch wenn dies nicht immer sofort augenfällig ist. Der Name des hunnischen Großkönigs wird beispielsweise in fünf- bis sechserlei Formen geschrieben ... Turknamen sind mit ziemlicher Sicherheit folgende aus der führenden hunnischen Schicht bzw. aus dem Fürstenhaus: Kharaton/Karaton (alttürkisch: Qaráton = Schwarzbekleideter), Uldin/Uldis (alttürkisch: Öldin = Glücklicher), B/Vasik (alttürkisch: Bársig = Pantherähnlicher oder Basig = Gouverneur), Kursik (alttürkisch: Kürsig = Braver, Edler oder Qursig = Gürteltragender), Eskam (alttürkisch: Großer Pfarrer), Atakam (alttürkisch: Vater-Pfarrer) ...

In Kenntnis all dieser Fakten bedarf der populär gewordene und große Irrtum einzelner moderner Forscher einer Richtigstellung: Sie verwechseln wegen einiger mongoloide Züge aufweisender Schädel die mongoloide Großrasse mit der mongolischen Sprache und machen aus Hunnen "richtige" Mongolen.

Ohne Schwierigkeiten kann festgestellt werden, dass die Machthaber des Hunnenreichs von dessen Entstehung bis zu seiner Vernichtung 469 Turknamen trugen und demnach auch hunnischer Herkunft waren.

(István Bóna, Das Hunnenreich, Stuttgart 1991, S. 32 f., 35; Konrad Theiss Verlag)

Völlig akzeptiert ist auch die Türken-Hypothese nicht. Forscher weisen auf die ethnische Heterogenität des hunnischen Verbandes hin und verweisen darauf, dass kein einziges Wort einer hunnischen Sprache überliefert ist. Ob die europäischen Hunnen mit den asiatischen Xiongnu verwandt sind, die vom 3. Jh. v. Chr. bis zum 4. Jh. n. Chr. als nomadisches Reitervolk weite Teile Asiens beherrschten, ist ebenfalls umstritten, wird aber von vielen vermutet. Auch deren Herkunft und Sprache sind nicht überliefert.
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21.04.2017, 16:08
Beitrag: #2
RE: Herkunft und Identität der Hunnen
Im Kern wird das sicher stimmen, schon Maenchen-Helfen war dieser Meinung . Allerdings stellten die Steppenvölker ein unentwirrbares Konglomerat aus Turkvölkern, Iranern, Uraliern, Protomongolen und wer weiß was noch dar, die sich schnell zu Allianzen fanden und auch wieder trennten.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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25.04.2017, 16:41
Beitrag: #3
RE: Herkunft und Identität der Hunnen
Denke auch, so reizvoll es auch ist rauszufinden wer die Hunnen genau waren - einfach ist es wohl nicht. In der Steppe lebten zig Völkerschaften. Wenn eine besonders erfolgreich erschien, schlossen sich immer weitere an, denn damit hatte man die Aussicht auf Beute oder zumindest Schutz vor anderen Völkern. Dieses Völkergemisch bildete dann das was wir heute Hunnen, Xiongnu, Awaren usw. nennen. Das erklärt auch warum manche der Steppenvölker riesige Reiche gegründet hatten und dann wieder so schnell von der Bildfläche verschwunden sind.
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25.04.2017, 20:19
Beitrag: #4
RE: Herkunft und Identität der Gepiden
Woher kamen sie, wer waren sie, wo kamen sie hin?

Das typisch Völkerwanderungszeitliche Volk der Gepiden.
Kamen aus dem "Nichts"
machten Geschichte
und verschwanden im "Nichts"

Oder weiß hier jemand mehr>?

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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25.04.2017, 20:42
Beitrag: #5
RE: Herkunft und Identität der Hunnen
Die Gepiden waren wohl ursprünglich ein gotischer Teilstamm. Verschwunden sind sie sicher nicht, ein Teil wird mit den siegreichen Langobarden nach Italien gezogen sein. Der Rest ging wohl in den Slawen auf, die zu jener Zeit auf den Balkan kamen.

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26.04.2017, 17:55
Beitrag: #6
RE: Herkunft und Identität der Hunnen
(25.04.2017 20:42)Arkona schrieb:  Die Gepiden waren wohl ursprünglich ein gotischer Teilstamm. Verschwunden sind sie sicher nicht, ein Teil wird mit den siegreichen Langobarden nach Italien gezogen sein. Der Rest ging wohl in den Slawen auf, die zu jener Zeit auf den Balkan kamen.

Das mit den Goten kann ich mir auch vorstellen, wobei sich meiner Vermutung nach auch noch Teile von anderen Völkern dazu gemischt haben, als das Hunneinreich auseinanderbrach.

Neben den von dir erwähnten Resten auf dem Balkan und in Italien, gab es auch Gepiden die in Ostroms Armee eintraten (glaube sogar mal gelesen zu haben, dass sich in Belisars Armee Gepiden befunden haben sollen) und ein Teil blieb vermutlich auch und wurde zu Teil des Awarenreichs - Nachfolger wohl zum Teil des Magyarenreichs.
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27.04.2017, 01:31
Beitrag: #7
RE: Herkunft und Identität der Hunnen
1. Die Herkunft der Gepiden ist nicht einwandfrei geklärt. Die Meinungen gehen sehr weit auseinander. Es gibt Ansichten, dass die Gepiden sich aus dem Stammesverband der Goten herauslösten oder dass sie ein Teilstamm der Goten waren. Aber es gibt auch Ansichten, die von einer nicht-skandinavischen Herkunft der Gepiden ausgehen. Ein Teil der Gepiden soll sich den Vandalen angeschlossen haben ... (siehe 2.)

2. Fest steht m.E. nur, dass zum Beginn der Völkerwanderung um 375 die Ostgoten/Greutungen am Schwarzen und am Asowschen Meer im Gebiet der heutigen (Süd-)Ukraine und der Krim und die Westgoten/Terwingen am Schwarzen Meer nördlich der Donau im Gebiet des heutigen Rumäniens und Bulgariens gesiedelt haben. Die Gepiden siedelten östlich der Theiß (Tisza), nördlich der Mures (Marosch, Mieresch), also etwa im heutigen Ostungarn und Siebenbürgen und nordwestlich von ihnen die Vandalen, deren westliche Nachbarn wiederum Sueben/Quaden waren. Es ist doch vorstellbar, dass ein Teil dieser Germanen als Stammesverband der Vandalen (egal ob geborene Vandalen, Gepiden, Quaden usw.) nach Nordafrika abwanderte. Die Zurückgebliebenen bildeten dann die Gepiden (ebenfalls egal ob geborene Gepiden, Vandalen usw.) und besiedelten dann auch die Gebiete, aus denen die Vandalen abzogen.

3. Folgendes Szenarien waren nicht selten. Nach dem Tod eines starken Herrschers brechen Machtkämpfe um die Nachfolge aus, die das Reich schwächen. Oft führen die Kämpfe zur Teilung, aber auch zum Untergang des Reiches. D.h. der Tod des Herrschers. die Teilung oder der Untergang des Reiches waren Ereignisse, wo die Karten neu gemischt wurden. Alte Loyalitäten wurden aufgekündigt, neue Bündnisse von Personengruppen entstanden. Diese Szenarien haben sich sowohl nach dem Ableben des Hunnenherrschers Attila († 453) oder des ostgotischen Königs Theoderich († 526) abgespielt.

4. Deswegen denke ich, dass neben der Niederlage gegen die Langobarden die Tötung des Gepidenherrschers Kunimund († 567) ausschlaggebend für den Zerfall des Gepidenreichs war. Ein Teil der Gepiden blieb in dem Gebiet und ist sicher in dem Verband der Slawen aufgegangen. Der andere Teil der Gepiden zog mit den Langobarden nach Norditalien (568). Zu diesem Zeitpunkt kann man aber noch nicht von einem Reich der Langobarden sprechen, vielmehr haben sich mehrere langobardische Herrschaften herausgebildet. König Alboin war maximal "der Erste unter Gleichen". Seine Frau Rosamunde, Tochter des Gepidenherrschers Kunimund, war wohl dank der Unterstützung gepidischer Gefolgsleute eine Art Gegenkönigin, die sich mit den Gegnern Alboins verband und dessen Ermordung im Jahr 572 initiierte.
Erst nachdem ein fränkisch-byzantinisches Bündnis gegen die Langobarden entstand, bildete sich eine Art Reichsgedanke bei den Langobarden. Zeitlich wäre das zum Beginn der Herrschaft von König Authari (584)

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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27.04.2017, 13:12
Beitrag: #8
RE: Herkunft und Identität der Hunnen
Auch die Goten stammen nicht überwiegend aus Skandinavien o. Gotland. Aus Skandinavien kann es Einwanderer gegeben haben. Die Masse der Bevölkerung wurde von angestammten Weichselgermanen gestellt. Ein Teil ihrer Vorfahren mag 800 v. Chr. aus dem Westen gekommen sein und verwandte Indogermanen germanisiert haben, so das das Nichtindogermanische Substrat ziemlich gleich verteilt wurde.

viele Grüße

Paul

aus dem hessischen Tal der Loganaha (Lahn)
in der Nähe von Wetflaria (Wetzlar) und der ehemaligen Dünsbergstadt
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27.04.2017, 14:37
Beitrag: #9
RE: Herkunft und Identität der Hunnen
(27.04.2017 13:12)Paul schrieb:  Auch die Goten stammen nicht überwiegend aus Skandinavien o. Gotland.

Nach aktueller Ansicht ist die Herkunft der Goten aus Skandinavien ein Mythos. Wiki schreibt dazu:

"Nach Berichten von Jordanes stammten die Goten ursprünglich aus Skandinavien, doch stellt dies nach Ansicht der meisten Historiker eine Fiktion dar, die der Prestigeerhöhung der Goten diente."

Allenfalls gab es einen kleinen Traditionskern, der über die Ostsee kam.

(27.04.2017 13:12)Paul schrieb:  Ein Teil ihrer Vorfahren mag 800 v. Chr. aus dem Westen gekommen sein und verwandte Indogermanen germanisiert haben,...

Wenn dem so wäre, müssten die Goten westgermanisch und nicht ostgermanisch sprechen.
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28.04.2017, 21:36
Beitrag: #10
RE: Herkunft und Identität der Hunnen
(27.04.2017 14:37)Dietrich schrieb:  
(27.04.2017 13:12)Paul schrieb:  Ein Teil ihrer Vorfahren mag 800 v. Chr. aus dem Westen gekommen sein und verwandte Indogermanen germanisiert haben,...

Wenn dem so wäre, müssten die Goten westgermanisch und nicht ostgermanisch sprechen.

Die Dialekte sind ja später entstanden, somit auch Weichsel- und Odergermanisch. Ostgermanisch gehört zu einer noch späteren Dialekteinteilung und basiert zum großen Teil auf dem Weichselgermanischen und dem Vandakisch-Lugischem, wenn dieser Dialekt sich vom Gotischen unterschied.

viele Grüße

Paul

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29.04.2017, 14:04
Beitrag: #11
RE: Herkunft und Identität der Hunnen
(28.04.2017 21:36)Paul schrieb:  Die Dialekte sind ja später entstanden, somit auch Weichsel- und Odergermanisch. Ostgermanisch gehört zu einer noch späteren Dialekteinteilung und basiert zum großen Teil auf dem Weichselgermanischen und dem Vandakisch-Lugischem, wenn dieser Dialekt sich vom Gotischen unterschied.

Wie dem auch sei: Dass die Goten von den Westgermanen abstammen, ist nicht zu belegen. Die Gemeinsamkeiten des Gotischen mit denen des Westgermanischen sind im Vergleich mit dem Altnordischen zu gering, um von einer „West-Ostgermanischen“ Übergangssprache sprechen zu können.

Es ist wahrscheinlicher anzunehmen, dass sich das Ostgotische bei autochthonen germanischen Gruppen östliich von Oder und Weichsel entwickelte.
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