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Die Erfindung der "gesunden Ernährung"
26.04.2017, 20:03
Beitrag: #1
Die Erfindung der "gesunden Ernährung"
Um es vorauszuschicken, Ahnung habe ich nicht von diesem Thema.
Habe vor kurzem ein paar Schnipsel zur "Historie" der Ernährung gelesen, und dass es tatächlich eigentlich "brandneu" ist, maximal 200 Jahre macht man sich darüber Gedanken.
Begonnen hat es natürlich mit dem Skorbut, und dessen Bekämpfung res. Verhinderung.
Aber so richtig Zusammenhänge hat man wohl erst in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts begonnen zu erforschen.
Vitamine ist ein sehr junger Begriff.

Jetzt hoffe ich mal, dass es hier besser Informierte gibt, und sich eine interessante Diskussion entwickelt.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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26.04.2017, 20:25
Beitrag: #2
RE: Die Erfindung der "gesunden Ernährung"
(26.04.2017 20:03)Suebe schrieb:  Um es vorauszuschicken, Ahnung habe ich nicht von diesem Thema.
Habe vor kurzem ein paar Schnipsel zur "Historie" der Ernährung gelesen, und dass es tatächlich eigentlich "brandneu" ist, maximal 200 Jahre macht man sich darüber Gedanken.
Begonnen hat es natürlich mit dem Skorbut, und dessen Bekämpfung res. Verhinderung.
Aber so richtig Zusammenhänge hat man wohl erst in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts begonnen zu erforschen.
Vitamine ist ein sehr junger Begriff.

Jetzt hoffe ich mal, dass es hier besser Informierte gibt, und sich eine interessante Diskussion entwickelt.

Ich denke, eine gesunde bzw. ausgewogene Ernährung ist älter als wir denken.
Was sich in unserer Gesellschaft sehr negativ ausgewirkt hat, ist die Überflussgesellschaft seit den 1960 oder 70er Jahren, vor allem in den neuen aufstrebenden Industrienationen Europas und der USA.
Ich denke hier wurde in relativ kurzer Zeit alles falsch gemacht, was falsch zu machen ist, um die Gesellschaft nachhaltig negativ mit Blick auf falscher Ernährung und Gesundheit zu beeinflußen.
Diese bewusste und ausgewogene Ernährung auch im Blick auf die Nachhaltigkeit für die Nutzung (Saisonalität z.B.) und Erzeugung von Lebensmittel rückt aktuell bzw. seit ca. 10 Jahren wieder mehr in Fokus der Verbraucher.
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26.04.2017, 21:27
Beitrag: #3
RE: Die Erfindung der "gesunden Ernährung"
Ein kluger Mensch hat einmal gesagt, dass die jahrzehntelange Ernährungsberatung nur Eines bewirkte: Ein schlechtes Gewissen. Gegessen werde aber immer noch gleich.

"Es gibt nur eine Sache die größer ist als die Liebe zur Freiheit: Der Hass auf die Person, die sie dir weg nimmt."(Che Guevara)
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26.04.2017, 22:50
Beitrag: #4
RE: Die Erfindung der "gesunden Ernährung"
Ich habe manchmal das Gefühl, dass Themen wie Gesundheit oder Ernährungsberatung für einige Zeitgenossen oder besser gesagt Zeitgenossinnen eine Art Ersatzreligion ist.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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27.04.2017, 06:44
Beitrag: #5
RE: Die Erfindung der "gesunden Ernährung"
(26.04.2017 22:50)Sansavoir schrieb:  Ich habe manchmal das Gefühl, dass Themen wie Gesundheit oder Ernährungsberatung für einige Zeitgenossen oder besser gesagt Zeitgenossinnen eine Art Ersatzreligion ist.

Das wird von den Medien suggeriert, denn die geben heute vor, wie ein Schönheitsideal auszusehen hat. Und da Körper und Ernährung unweigerlich zusammengehören, wird auch die Ernährung entsprechend zelebriert.
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27.04.2017, 08:28
Beitrag: #6
RE: Die Erfindung der "gesunden Ernährung"
(26.04.2017 20:03)Suebe schrieb:  ... und dass es tatächlich eigentlich "brandneu" ist, maximal 200 Jahre macht man sich darüber Gedanken.

Das geht eigentlich viel weiter zurück. In den Consuetudines Cluniacences aus dem 10. Jh. und dann ein Jahrhundert später auch in den Hirsauer Konstitutionen ist immer wieder vom "rechten Maß" die Rede. Das bezieht sich zwar nicht ausschließlich auf die Ernährung sondern auf die gesamte Lebenshaltung, manifestiert sich aber dann auch in der Ausgestaltung der Speisepläne für den jeweiligen Konvent.
Beispiel: Der Genuss von Fleisch (von vierbeinigen Tieren stammend) war ausschließlich kranken und sterbenden Mönchen vorbehalten, für den Rest gab es maximal Geflügel und Fisch. Das Kirchenjahr kennt aber rund 150 Fastentage, an denen jeglicher Fleisch-/Fischverzehr untersagt wurde. Um also die Mönche bei Gesundheit zu halten, standen damals schon täglich dicke Bohnen auf dem Speisezettel. Ohne Begriffe wie essentielle Aminosäuren, Vitamine und Mineralstoffe zu kennen, wussten sie schon, was nötig ist um gesund zu bleiben und haben sich offensichtlich auch Gedanken darüber gemacht.
Dieses intuitive (oder empirisch gewonnene) Wissen ging tatsächlich erst in den Überflussjahren verloren. Die wiederum lassen sich aber auch nicht auf die 1960er begrenzen. Schaut man mal ins barocke Frankreich, findet man Ausschweifung und regelrechte Fressexzesse mit allen gesundheitlichen Auswirkungen.



(26.04.2017 20:25)Köbis17 schrieb:  Ich denke, eine gesunde bzw. ausgewogene Ernährung ist älter als wir denken.
Was sich in unserer Gesellschaft sehr negativ ausgewirkt hat, ist die Überflussgesellschaft seit den 1960 oder 70er Jahren, vor allem in den neuen aufstrebenden Industrienationen Europas und der USA.
Sicherlich richtig.
Was einer "bewussten Ernährung" am nachhaltigsten im Weg stand, dürfte das Aufkommen der Massenproduktion von Nahrungsmitteln gewesen sein. Denn hier trat die Qualtität und in der Folge auch die Werthaltung bzw. Wertschätzung des einzelnen Produkts in den Hintergrund. Zum ersten Mal waren reine Energielieferanten ohne Inhalt (Kalorienbomben ohne Nährstoffe) leichter verfügbar als qualitativ hochwertige Nahrungsmittel. Noch dazu waren sie deutlich attraktiver weil schmackhafter und billiger.

(26.04.2017 20:25)Köbis17 schrieb:  Ich denke hier wurde in relativ kurzer Zeit alles falsch gemacht, was falsch zu machen ist, um die Gesellschaft nachhaltig negativ mit Blick auf falscher Ernährung und Gesundheit zu beeinflußen.
Es wurde/wird tatsächlich alles falsch gemacht, was falsch zu machen ist. Völlig d'accord. Aber eine konzertierte Aktion würde ich dahinter nicht sehen wollen. Es entspricht vielmehr der Natur des Menschen, es sich auch im Bereich der Ernährung einfach zu machen. Wenn es leichter und schneller geht, mir ein Fertiggericht in den Ofen zu schieben als umständlich selbst zu kochen und dafür stundenlang in der Küche zu stehen, wenn es dann auch noch billiger ist als die Zutaten, die ich für mein Gekoche brauche und wenn am Ende das Resultat aus dem Ofen auch noch besser schmeckt, als alles was ich mir zusammen mixen kann... tja, warum soll ich mir das dann antun?
Unsere NM-Industrie ist letztendlich nur auf diesen Zug aufgesprungen und hat begonnen Bedürfnisse zu wecken, wo eigentlich keine sein sollten. Das ist aber wiederum typisch Marktwirtschaft.

(26.04.2017 22:50)Sansavoir schrieb:  Ich habe manchmal das Gefühl, dass Themen wie Gesundheit oder Ernährungsberatung für einige Zeitgenossen oder besser gesagt Zeitgenossinnen eine Art Ersatzreligion ist.

Ja, das erlebe ich täglich.
Entweder man interessiert sich nicht für eine gute Ernährungsweise oder aber man macht einen riesen Hype darum.
Für viele Menschen ist aber gerade das Gewese um Ernährung auch ein Versuch, sich von der Masse abzuheben. Vegan ist schick, Laktoseintolerant ist in, Glutenverzicht ist obligatorisch... Geh mal ins Restaurant und sage: "ich esse alles und ich vertrage alles..." Uptight
Die Motivation hierfür ist aber in Wirklichkeit nicht die gesunde Lebensführung sondern man zeigt damit nach außen eine Haltung. Man demonstriert damit, dass man sich Gedanken macht, dass man schlauer und besser ist als die breite Masse, man ist wer...


Noch eine kleine persönliche Anmerkung von mir: "Die gesunde" Ernährung gibt es nicht!

nicht ärgern, nur wundern...
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27.04.2017, 09:13
Beitrag: #7
RE: Die Erfindung der "gesunden Ernährung"
(27.04.2017 08:28)Uta schrieb:  Geh mal ins Restaurant und sage: "ich esse alles und ich vertrage alles..." Uptight
Das war aber mal ganz anders.
Bis in die 1920er Jahre gab es regelmäßig Hungersnöte in unseren Breiten, da war der selektive Esser stark benachteiligt. Wer hier keine Milch, keine Eier oder kein normales Brot vertrug, bekam schnell ein Problem. Schon eine Rohkostintoleranz (Äpfel, Salate) war eine mittlere Katastrophe.

Meine Mutter erzählte immer gerne eine Anekdote wie sie eines ihrer Kinder mit 6 Jahren in eine Schulvorbereitung für etwas schwächliche Kinder brachte. Dort angekommen betete sie die Essensvorlieben ihres Sprößlings herunter, der auch prompt die Nahrungsaufnahme verweigerte. Das kam alles andere als gut an, von wegen bewusste Ernährung.
Sie wurde mit Vorwürfen überschüttet, wie man ein Kind derart verwöhnen könne. Und sich dann wundern, warum das Kind ein Sensibelchen wäre...
Damals war es noch üblich, Kinder zu "Allesfressern" zu erziehen. Unverträglichkeiten natürlich ausgenommen.

"Es gibt nur eine Sache die größer ist als die Liebe zur Freiheit: Der Hass auf die Person, die sie dir weg nimmt."(Che Guevara)
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27.04.2017, 09:35
Beitrag: #8
RE: Die Erfindung der "gesunden Ernährung"
(27.04.2017 09:13)Triton schrieb:  
(27.04.2017 08:28)Uta schrieb:  Geh mal ins Restaurant und sage: "ich esse alles und ich vertrage alles..." Uptight
Das war aber mal ganz anders.
Bis in die 1920er Jahre gab es regelmäßig Hungersnöte in unseren Breiten, da war der selektive Esser stark benachteiligt. Wer hier keine Milch, keine Eier oder kein normales Brot vertrug, bekam schnell ein Problem. Schon eine Rohkostintoleranz (Äpfel, Salate) war eine mittlere Katastrophe.

Meine Mutter erzählte immer gerne eine Anekdote wie sie eines ihrer Kinder mit 6 Jahren in eine Schulvorbereitung für etwas schwächliche Kinder brachte. Dort angekommen betete sie die Essensvorlieben ihres Sprößlings herunter, der auch prompt die Nahrungsaufnahme verweigerte. Das kam alles andere als gut an, von wegen bewusste Ernährung.
Sie wurde mit Vorwürfen überschüttet, wie man ein Kind derart verwöhnen könne. Und sich dann wundern, warum das Kind ein Sensibelchen wäre...
Damals war es noch üblich, Kinder zu "Allesfressern" zu erziehen. Unverträglichkeiten natürlich ausgenommen.
Das widerspricht sich doch nicht.
Insbesondere nach dem Krieg gab es so viele mangelernährte Kinder, dass es schlicht notwendig war, das wenige das man hatte auch irgendwie in diese Kinder hineinzubekommen. Nur der sozial besser gestellte konnte sich ausreichend gute Nahrungsmittel leisten, also war in Hungerszeiten ein voller Tisch auch immer ein Aushängeschild für den eigenen Status.

Irgendwann war dann genug da, mehr als man brauchte und man konnte es sich leisten, kritikloser mit Essen umzugehen. Die Krux war dann aber bald, dass es sich JEDER leisten konnte, einen vollen Tisch zu haben. Nur sehr wenige waren/sind so schlecht gestellt, dass sie hungern müssen (ich rede nur von unseren Breiten!). Also muss man seinen Status wieder verdeutlichen, in dem man sich von der Masse versucht abzuheben. So entstehen Trends und je schicker so ein Trend daher kommt, um so eher wird ein Mainstream daraus.

(Beispiel der kraftstrotzende, braun gebrannte und äußerst attraktive Attila Hildmann, Verfasser der Bücher "vegan for you" und "vegan for fit", der den Vegan-Trend entscheidend mitzuverantworten hat, der aber tunlichst verschweigt, dass seine Muckis nicht von Körnchenfutter sondern von knallhartem Krafttraining mit entsprechender Proteinsupplementierung kommen...)

Man erkennt in den Ernährungsreports der letzten Jahre entsprechend einen signifikanten Zusammenhang zwischen sozialer Stellung, Bildungsniveau und Ernährungsverhalten. "Ich kaufe nur Bio und ich ernähre mich nur bewusst" signalisiert nach außen in erster Linie: "ich bin wirtschaftlich gut gestellt und ich bin gebildet!".

nicht ärgern, nur wundern...
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27.04.2017, 10:08
Beitrag: #9
RE: Die Erfindung der "gesunden Ernährung"
(27.04.2017 09:35)Uta schrieb:  "Ich kaufe nur Bio und ich ernähre mich nur bewusst" signalisiert nach außen in erster Linie: "ich bin wirtschaftlich gut gestellt und ich bin gebildet!".
LOL. Ich erzähle gerne ungefragt, dass ich viele Bio-Lebensmittel esse, weil ich kein Geld für Pflanzenschutzmittel habe Big Grin
Bei uns in der Region liegt genügend Bio-Obst auf Wiesen und verrottet einfach. Am klügsten und wirtschaftlich besten gestellt sind wohl die, die sich hier bedienen bzw. aus dem eigenen Garten ernten.

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27.04.2017, 12:09
Beitrag: #10
RE: Die Erfindung der "gesunden Ernährung"
Meine Großmutter (Jahrgang 1872) war entschiedene Reformanhängerin und das merkt man Teilen meiner Familie heute noch an.
Spinat.............. igittigitt............. den gabs dauern... Eisen drin.... bäääääääähhhhh
Frühstück Haferflocken mit warmer Milch............. täglich.....
Nachtisch Quark........... fast täglich .... habe ich lieber auf den Nachtisch verzichtet.
Dezember bis März Südfrüchte satt(die mag ich bis heute)
Mutter trat in die Fussstapfen ihrer Mutter....

Papa wusste jeden Tag bei welchem Metzger es "Knöchle" gab, oder warmen Leberkäs und ähnlich gute Sachen, 9Uhr war Vesperzeit und es wurde kräftig gevespert. Der eine oder andere Geschäftsfreund kam öfter und hielt mit, Onkel Willi sowieso
Nachmittags gegen 16 Uhr hatte er einen Einödhof mit Bewirtschaftung in petto, wo es "Blottermilch" gab, ich fürchte extra für ihn angefertigt. Zumindest habe ich niemals mehr einen getroffen, der Verlangen nach "Blottermilch" hatte

Tja, was will ich damit sagen?
Nicht viel, Papa wurde 70,
Mama 94 Jahre alt.
Also irgend etwas ist wohl schon dran. Spinat hin oder her Angel


Edit: Blottermilch ist keine Buttermilch, eher das Gegenteil, sie kann nur aus der Milch direkt von der Kuh "hergestellt" werden, käuflich hat einen viel zu geringen Fettgehalt.

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27.04.2017, 19:55
Beitrag: #11
RE: Die Erfindung der "gesunden Ernährung"
Hat Blottermilch mit Molke was zu tun? War vor ein paar Jahre schwer angesagt, Molkedrinks. Scheußiiches Gesöff. Aber soll ja schlank und schön machen...
Wer in den Himalaya reist, bekommt wohl gerne Buttertee angeboten, hört sich gut an. Ist dann für fettreduzierte Mitteleuropäer ein Schock, Yakbutter irgendwie genießbar gemacht, um einfach das benötigte Fett im kalten Hochgebirge in sich rein zu bekommen.

Kinder, denen man dauernd Süßes verbietet, stopfen es sich dann bei Gelegenheit im Unverstand rein.
Vielleicht aß der Papa ja nur dauernd die Knöchle, weil er zu Hause immer das "Vogelfutter" (meine Mutter bezeichnete Müsli gerne so) bekam.

Am ältesten werden doch irgendwelche Italiener und Griechen, die sich nach den Vorstellungen vieler Gesundbeter völlig unvernünftig ernähren, mit viel zu viel Fett, südländischem Frühstück usw. Dazu rauchen sie auch noch wie Schlote, machen keinen Sport usw.
Diese Menschen essen aber wenig rotes Fleisch, wenig Zucker - vielleicht sollte man sie hier zurückhalten. Sonnenblumenöl als Fett soll auch nicht der große Hit sein.

Ob diese Ernährung auch schon 500 km weiter nördlich genau richtig ist? Wir wissen es nicht.

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27.04.2017, 20:10
Beitrag: #12
RE: Die Erfindung der "gesunden Ernährung"
(27.04.2017 19:55)Triton schrieb:  Kinder, denen man dauernd Süßes verbietet, stopfen es sich dann bei Gelegenheit im Unverstand rein.
Vielleicht aß der Papa ja nur dauernd die Knöchle, weil er zu Hause immer das "Vogelfutter" (meine Mutter bezeichnete Müsli gerne so) bekam.
./.

dem Papa konnte man damit nicht kommen, keine Chance. Dem sein Frühstück bestand aus 1-2 wachsweichen Eiern usw. usf. der war schon noch Patriarch.
Der ist aufgewachsen in den Hungerjahren des 1. WK, und hat sehr bestimmte Vorstellungen von seiner persönlichen Ernährung gehabt, über die es aber gar keine Diskussion gab. Dies am Rande.

Vor Jahren waren wir mal bei einer Familie zu Besuch wo die Hausfrau jedem Hipe nachrennt... (jeder Sau die Ernährungstechnisch durchs Dorf getrieben wird)
zu der Zeit gab es dorten keinen Zucker, es wurde ausschließlich mit Honig gesüsst...
Für uns stellte man eine Flasche Süssstoff auf den Tisch.
die sich der 3jährige Sohn des Hauses schnappte und dran hing wie ein Alki an der Doppelkornpulle...

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27.04.2017, 20:14
Beitrag: #13
RE: Die Erfindung der "gesunden Ernährung"
Die Vitamine, las ich zuvor, wurden 1911 "entdeckt"
zuvor nur schemenhaftes Wissen dazu.

In den 30er40 Jahren machten die Vitamine im Großdeutschen Reich demnach einen richtigen Hipe durch, da man in Nazikreisen den verlorenen Krieg 14-18 nicht zuletzt der Mangelernährung zu "verdanken" hätte.

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27.04.2017, 20:23
Beitrag: #14
RE: Die Erfindung der "gesunden Ernährung"
(27.04.2017 08:28)Uta schrieb:  Das geht eigentlich viel weiter zurück. In den Consuetudines Cluniacences aus dem 10. Jh. und dann ein Jahrhundert später auch in den Hirsauer Konstitutionen ist immer wieder vom "rechten Maß" die Rede.

Die Tugend des Maßhaltens im MA steht in krassem Gegensatz zur sog. gesunden Ernährung des heutigen Menschen. (Damals verwendete man übrigens den Affen als Symbol für die Maßlosigkeit, resp. Zügellosigkeit.)

Damals ging es um das sich Zurücknehmen zum Wohl der Gesellschaft, was bei der, bei vielen Gruppierungen relativ jungen Sesshaftigkeit eine Bedingung für das Zusammenleben war.

Seit dem MA ist dieser Anpassungswille Schritt für Schritt zugunsten einer Egomanie geschrumpft, bis sich die Dandies der napoleonischen Epoche wie Hähne brüsteten, ihrem Stolz und dem Nationalismus freien Lauf ließen, bis sich ein aufgeblasener Bauerntölpel so wichtig vorkam, dass er millionen Andere wegen ihrer angeblich anderen Herkunft abschlachten ließ, sowie bis eitle Schaustellerinnen und Schausteller als Götter verehrt wurden und vulgärste Selbstdarsteller von den Berichterstattern täglich als nachahmenswerte Stars gefeiert werden.

Wenn von denselben Medien ebenfalls täglich die sog. »gesunde Ernährung« aufgetischt wird, um ihren egomanischen Lesern das Vorgehen vorzugaukeln, wie man lange lebt, dann wird dies von den Leuten, die mit ihren Tattoos, Piercings und hinoperierten Körpervorzügen wie geschmückte Affen anmuten, begierig aufgesogen.
Nein, allzu alt kann das breite Interesse am gesunden Essen nicht sein; nicht mehr als geschätzte 60–70 Jährchen. Vergleicht man die Anzahl heutiger Bilder von Frauen, deren Körpervolumen in die Höhe geschossenen Halbwüchsigen entspricht, und von Kerlen, die aussehen, als wären sie jeder Herkulesaufgabe gewachsen, mit Bildern bspw. aus den 1920ern, dann wird bereits der Unterscheid offensichtlich. Der heutige Mensch spricht dann von Fortschritt und erkennt nicht seine neue Lebensaufgabe: er müht sich für ein ideales, d.h. fortpflanzungsoptimiertes Aussehen ab und ist im Alter umso frustrierter, während ihm Werte wie Maßhaltung immer fremder werden. Schade eigentlich.
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28.04.2017, 18:44
Beitrag: #15
RE: Die Erfindung der "gesunden Ernährung"
Blottermilch ist eine Art "Gestandene Milch" die nur aus der direkten Kuhmilch gewonnen werden kann.
Schon die käufliche Vollmilch hat einen erheblich zu geringen Fettgehalt.

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28.04.2017, 18:46
Beitrag: #16
RE: Die Erfindung der "gesunden Ernährung"
Die "gesunde Ernährung" beginnt mit dem Kochsalz.
Es ist völlig unklar, wie der Mensch der Vorzeit dahinter kam, dass Salz zu seiner Ernährung unabdingbar ist.
Aber er kam dahinter,
und Jahrtausende lang mussten die größten Anstrengungen unternommen werden, um das "Salz in der Suppe" zu sichern.

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28.04.2017, 21:25
Beitrag: #17
RE: Die Erfindung der "gesunden Ernährung"
Es ist generell ein Generationenkonflikt: Unsere Eltern bzw. Großeltern hatten nach dem Krieg wirklich nichts zum Essen. Als die Zeiten besser wurden, gab es die sogenannte "Fresswelle". Zu jedem Familiengeburtstag gab es Torte satt + Alkohol. Selbst heute noch, als gestandener Mittfünfziger, habe ich mich immer wieder zu wehren, wenn Mutti mich vollstopfen will (Junge, du musst doch was essen/Junge, du bist so dünn...). Ähm, ich habe zu kämpfen, unter 2 Zentner bei 1.88 zu bleiben.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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29.04.2017, 08:23
Beitrag: #18
RE: Die Erfindung der "gesunden Ernährung"
Das nervt, nennt sich aber Mutterliebe. Schwierig wird es erst, wenn Mütter Kinder regelrecht mästen. Wir alle wissen, wie verletzend Mitschüler sein können.
Diese Generation sah "Grünzeug" auch nicht als etwas "Vernünftiges" an sondern als reine Beilage.
Körpergewicht minus 100 sollte man schon tunlichst nicht deutlich überschreiten, wenn man beweglich bleiben will. Die Mangelgeneration kennt auch dafür zuverlässige Methoden. Die amerikanische Armee hat einmal ein großes "Feld"experiment zum Erfolg einer Diät gemacht. Nur Wasser und ein paar Scheiben Weißbrot, viel frische Luft, keine Ausnahmen, die unterschiedlichsten Teilnehmer. Kein Einziger, der nicht rank uns schlank wurde. Als Rheinwiesen-Diät bekannt.

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29.04.2017, 15:48
Beitrag: #19
RE: Die Erfindung der "gesunden Ernährung"
Stichwort "Reform"
in den 20ern, als die Reformbewegung ihren Höhepunkt hatte, war viel die Rede vom "Mörder Kochsalz"

hier aus Spiegel online eine aktuelle Stellungnahme zum Salzkonsum

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnos...20274.html

aus dem link
Zitat:Man dürfe sich aber nicht nur auf das Salz konzentrieren. "Viel besser belegt ist, dass Übergewicht, Rauchen oder zu wenig körperliche Bewegung das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfälle erhöhen", sagt Hoyer. "Statt sich mühsam das Salzen zu verkneifen, sollte man sich vielleicht lieber öfter an der frischen Luft bewegen."

aber, nicht zu vergessen, ganz ohne Salz stirbt der Mensch!

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29.04.2017, 16:46
Beitrag: #20
RE: Die Erfindung der "gesunden Ernährung"
Es steht außer Frage, dass es gesundere und weniger gesunde Ernährung gibt. Ungesund ist sicherlich eine einseitige Ernährung, sowie Stoffe, die in giftigen Mengen aufgenommen werden (wie dies Paracelsus bemerkt hat). Doch geht es beim Thema, soweit ich Suebes ersten Beitrag richtig interpretiert habe, um den etwaigen Zeitpunkt, ab wann sich die Menschenmassen intensiv damit befasst haben, was die optimale Ernährung sei. Denn die »Erfindung der ›gesunden Ernährung‹« erfolgte in dem Moment, als der Urmensch sich daran erinnern konnte, dass ein Anderer nach dem Verzehr einer bestimmten Mahlzeit jämmerlich gestorben war. Sehr früh also…

Das Erkennen der Ursache von Skorbut und dessen Vorbeugung würde ich nicht unbedingt bereits zur Gesundheitshysterie der Massen zählen, sicherlich aber zur Geschichte der Trophologie. Ausführlich Gedanken über die Wirkung von Nahrung hat sich ja u.a. im 2. Jh. auch Galen gemacht.

Gut möglich aber, dass ich, an Suebe vorbei, das Thema zu sehr auf den sozialpsychologischen Aspekt beschränke… Jedenfalls müsste er da m.M.n. präzisieren, wenn er von »maximal 200 Jahren« schreibt.
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