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Kriegsflotten und deren Einsatz
21.10.2018, 21:50
Beitrag: #1
Kriegsflotten und deren Einsatz
Flora hat diese These in die Diskussion zum 1. WK eingeführt.

Zitat:Die deutsche Flotte war gebaut worden um nicht ins Minus zu gehen.

Was man vertreten kann, und auch den dezeitigen Stand der Forschung darstellt.
Nur, wie sah das woanders aus?

Die Österreichische Flotte? Sehr ansehnliche Schiffe, beeindruckende Parameter.
War die nach Lissa überhaupt nochmal im Gefecht?

Die russische Flotte nach 1905? Bis 1945 nicht mehr in Erscheinung getreten.
Als sich 1944-45 die Heeresgruppe Nord immer weiter zurückziehen musste. kam natürlich die Frage der Sprengung der zu räumenden Hafenanlagen auf.
Nutzloser Verbrauch von Sprengmitteln, meinte die Kriegsmarine "für den geringen Bedarf der Sowjets würden sich immer Möglichkeiten ergeben"
Und traf damit den Nagel auf den Kopf.
"Der Russe hat die See nicht verstanden" kann man in Publikationen der 50er lesen.

Die franz. Flotte ab dem Krimkrieg?
1870-71 gegen die preußischen "3 Kriegsschiffe"? Der Versuch einer Blockade, bald abgebrochen.
1914-18 Zwischen Briten und Franzosen gab es eine maritime Aufteilung: Die Briten Nordsee-Kanl-Atlantik-Küste. Die Franzosen Mittelmeer.
Und als Goeben-Breslau abgefangen werden sollten? Nirgens Franzosen, und die Briten konnten zuerst nicht, da noch nicht im Krieg mit Deutschland. Im 2. Weltkrieg einzig "befreundete Versenkung" und Selbstversenkung, weiter nichts nennenswertes.

Die italienische Flotte: 1915-1918 die mehrfach unterlegene österr. Flotte in der Adria blockiert, was 1914-15 auch ohne sie ging.
1940-1943 haben sie sehr an unterlegener Technik, fehlendes Radar, gelitten. Dann die Ultra-Aufklärung und der fehlende Treibstoff.
Bemerkenwerte Erfolge jedoch mit "Kleinkriegsmitteln"

"Nichts ist befriedigender, als sich an Schwierigkeiten zu erinnern, die man gemeistert hat." (N. Stoffel)
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30.10.2018, 20:39
Beitrag: #2
RE: Kriegsflotten und deren Einsatz
Wenn ich mir hier ein Fazit erlauben darf.
Die Kriegsflotten der genannten Staaten waren allesamt reine Geldverschwendung. Gebaut aus dem einzigen Grund, weil die "anderen" auch Kriegsflotten im Dienst hatten.

Anders jedoch die Briten, die Japaner und die USA.
Die haben ihre Flotten benutzt und eingesetzt.
Da gab es keine Einsatzbefehle wie "nur bei eigener Überlegenheit"

Lediglich die haben "die See verstanden".

Ich hoffe auf fröhlichen Widerspruch

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03.11.2018, 23:04
Beitrag: #3
RE: Kriegsflotten und deren Einsatz
KuK schrieb:Die Österreichische Flotte? Sehr ansehnliche Schiffe, beeindruckende Parameter.
War die nach Lissa überhaupt nochmal im Gefecht?

Die kuk Marine war nur eine regionale Marine. Ihr Machtbereich war auf die Adria und das Mittelmeer beschränkt bis auf wenige Ausnahmen. So in der Unterstützung der Preußischen Marine im deutsch-dänischen Krieg 1864 außerhalb des Mittelmeers.
Das Ding bei Lissa 1866 war mehr Glück als Verstand und hat auch erstmal negativ Nachhaltig den militärischen Schiffbau mit der Aufwertung des Rammsporn nichts fortschrittliches beigetragen.
Hingegen die Erfindung der Schiffsschraube 1836 glaub ich, schon sehr innovativ war, wenn auch heute andre Seemächte das gern für sich einnehmen möchten ...

Im Imperialistischen Zeitalter haben die Öschies auch mit kleinen Kreuzern versucht ihre Ansprüche darzulegen, waren aber See-Militärisch zu diesen Zeitpunkt nur noch 3.-4- klassig und das konnten sie auch mit ein paar Mini-Großkampfschiffen nicht wettmachen.


Russland schrieb:Die russische Flotte nach 1905? Bis 1945 nicht mehr in Erscheinung getreten.
Als sich 1944-45 die Heeresgruppe Nord immer weiter zurückziehen musste. kam natürlich die Frage der Sprengung der zu räumenden Hafenanlagen auf.
Nutzloser Verbrauch von Sprengmitteln, meinte die Kriegsmarine "für den geringen Bedarf der Sowjets würden sich immer Möglichkeiten ergeben"
Und traf damit den Nagel auf den Kopf.
"Der Russe hat die See nicht verstanden" kann man in Publikationen der 50er lesen.

Die russische Flotte hat zwei entschiedene Knickpunkte in ihrer Entwicklung. Der Krimkrieg in den 1850igern und der japanisch-russische Krieg 1904-05.
Beidemal wird die russische Seemacht extrem eingeschränkt. In den 1850 verliert die russische Seemacht den Einfluss auf das Schwarze Meer und den Zugängen zum Mittelmeer und 1904/05 verliert es im Grunde seine gesamte Flotte, mit der pazifischen und baltischen Flotte.
Davon hat sich eine russische oder spätere sowjetische Seemacht nicht erholt. Erst nach dem ende des 2.WK und dem Ende des Artillerieträger als wichtigstes Kriegsschiff änderte sich die Situation komplett.
Nach 2. Weltkriegen und 100 Jahren Marineentwicklung wäre das hier separat betrachtenswert.

Frankreich schrieb:Die franz. Flotte ab dem Krimkrieg?
1870-71 gegen die preußischen "3 Kriegsschiffe"? Der Versuch einer Blockade, bald abgebrochen.
1914-18 Zwischen Briten und Franzosen gab es eine maritime Aufteilung: Die Briten Nordsee-Kanl-Atlantik-Küste. Die Franzosen Mittelmeer.
Und als Goeben-Breslau abgefangen werden sollten? Nirgens Franzosen, und die Briten konnten zuerst nicht, da noch nicht im Krieg mit Deutschland. Im 2. Weltkrieg einzig "befreundete Versenkung" und Selbstversenkung, weiter nichts nennenswertes.

Die französische Marine kann ich nicht einfach so mit ein paar Sätzen abhandeln oder auch nur historisch Zeitlich eingrenzen. Schon allein die Flotte vor Napoleon war beachtlich und nicht unwesentlich wichtig im Weltweiten Krieg der Kolonien, im Erbfolgekrieg, Siebenjährigen usw. ...
Die französische Marine hat den Panzerschiffbau mit der Glorie 1858 eingeläutet. Das ist eines der wichtigsten Zeitabschnitte in der Marinegeschichte!

Die französische Marine war bis zum Zeitalter der Großkampfschiffe immer Nummer 2 der Seemächte. Sie wurde nur nach der Jahrhundertwende von der USA und Deutschland allmählich überholt.
Das lag nicht zuletzt an mangelnder taktischer und typologischer Inkonsequenz und ganz wichtig, damals, mangelnder Wirtschaftsmacht.

Italien schrieb:Die italienische Flotte: 1915-1918 die mehrfach unterlegene österr. Flotte in der Adria blockiert, was 1914-15 auch ohne sie ging.
1940-1943 haben sie sehr an unterlegener Technik, fehlendes Radar, gelitten. Dann die Ultra-Aufklärung und der fehlende Treibstoff.
Bemerkenwerte Erfolge jedoch mit "Kleinkriegsmitteln"

Die Italiener haben die innovativsten Schiffsmodelle im Panzerschiffzeitalter gebaut und damit den Grundstein für spätere Typen gelegt, wenn wohl auch ungewollt.

Geschwindigkeit und Schlagkraft war bei den italienischen Panzerschiffen der 1870 und 80er sehr ausgeprägt und wurden von den Briten später, Fisher, (1906) ausgenommen oder noch erfolgreicher umgesetzt, auch wieder aus der Macht heraus, mehr Wirtschaftsmacht zu sein.

Ansonsten war die italienische Marine auch schon zur Zeit des 1. WK nur 3-klassig, obwohl sie bessere Großkampfschiff Konstruktionen vorweißen konnte, als die KuK und Frankreich zusammen!

Bei den maritimen Kleinkpampfmittel kenne ich mich leider zu wenig aus, um hier etwas beitragen zu können.

So, das war mal ein kleiner aber sehr kleiner Abriss zu den anderen Marinen ...

Nie darf man so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken....
Erich Kästner
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04.12.2020, 16:22
Beitrag: #4
RE: Kriegsflotten und deren Einsatz
(03.11.2018 23:04)Flora_Sommerfeld schrieb:  Bei den maritimen Kleinkampfmittel kenne ich mich leider zu wenig aus, um hier etwas beitragen zu können.

Die italienischen Kampfschwimmer haben die tollsten Erfolge vorzuweisen. Thumbs_up

Was 39-43 sonst so ging allerdings überaus blamabel.
Sich auf dem lahm geschossenen Kreuzer besaufen und auf die Briten, den Feind warten, damit der alle in die Gefangenschaft abführt...
Schettino lässt grüßen!
Im umgekehrten Fall hätte sich jeder britische Seemann in Stücke reisen lassen, bevor das Schiff dem Feind übergeben worden wäre.

Und am Ende gab es noch einen erfolgreichen Gleibomben-Angriff auf das Super-Schlachtschiff des Duce.
und die Ägäis-Kolonien hat die dt. Kriegsmarine mit ein paar MG-bewaffneten Fischerbooten "erobert".


´

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09.12.2020, 19:48
Beitrag: #5
RE: Kriegsflotten und deren Einsatz
Es stellt sich die Frage, ob diese Kriegsflotten wirklich nur für Kriege verwendet wurden. Ich bin zwar keine Kriegsexpertin, aber mein Eindruck ist, dass Kriegsflotten nicht nur für Kriege genutzt wurden. Ein Merkmal von "Seemächten" ist, dass sie gewöhnlich zur Gänze oder zu großen Teilen am Meer lagen und über mehrere Häfen verfügten, also war eine Flotte zum Schutz von Hafen und Küste auch in Friedenszeiten sinnvoll. Außerdem wurden die Flotten auch für Expeditionen und Forschungsreisen eingesetzt.

---------------------------
Nur die Geschichtenschreiber erzählen uns, was die Leute dachten.
Wissenschaftliche Forscher halten sich streng an das, was sie taten.

Josephine Tey, Alibi für einen König
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09.12.2020, 20:23
Beitrag: #6
RE: Kriegsflotten und deren Einsatz
(04.12.2020 16:22)Suebe schrieb:  ./.
Und am Ende gab es noch einen erfolgreichen Gleibomben-Angriff auf das Super-Schlachtschiff des Duce.
./.

Hier ein Artikel in der Welt über jenen Gleitbomben-Angriff

https://www.welt.de/geschichte/zweiter-w...-warf.html

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09.12.2020, 20:45
Beitrag: #7
RE: Kriegsflotten und deren Einsatz
(09.12.2020 19:48)Teresa C. schrieb:  Es stellt sich die Frage, ob diese Kriegsflotten wirklich nur für Kriege verwendet wurden. Ich bin zwar keine Kriegsexpertin, aber mein Eindruck ist, dass Kriegsflotten nicht nur für Kriege genutzt wurden. Ein Merkmal von "Seemächten" ist, dass sie gewöhnlich zur Gänze oder zu großen Teilen am Meer lagen und über mehrere Häfen verfügten, also war eine Flotte zum Schutz von Hafen und Küste auch in Friedenszeiten sinnvoll. Außerdem wurden die Flotten auch für Expeditionen und Forschungsreisen eingesetzt.

Zustimmung.

Insbesondere die ÖU-Kriegsflotte hat in der Forschung großes geleistet.
Luki hat mal eine Artikel-Serie hierzu ins Forum gesetzt.

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10.12.2020, 22:15
Beitrag: #8
RE: Kriegsflotten und deren Einsatz
(09.12.2020 19:48)Teresa C. schrieb:  Es stellt sich die Frage, ob diese Kriegsflotten wirklich nur für Kriege verwendet wurden. Ich bin zwar keine Kriegsexpertin, aber mein Eindruck ist, dass Kriegsflotten nicht nur für Kriege genutzt wurden. Ein Merkmal von "Seemächten" ist, dass sie gewöhnlich zur Gänze oder zu großen Teilen am Meer lagen und über mehrere Häfen verfügten, also war eine Flotte zum Schutz von Hafen und Küste auch in Friedenszeiten sinnvoll. Außerdem wurden die Flotten auch für Expeditionen und Forschungsreisen eingesetzt.


Gerade zu der Zeit des Navalismus im 19.Jahrhundert mit dem Aufkommen von Panzerschiffen, waren die Kriegsflotten das Aushängeschild für die wirtschaftliche und technologische Macht eines Landes. Hinzukam dann noch die politische Komponente, siehe z.B. unter dem Begriff Kanonenbootpolitik

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16.12.2020, 17:25
Beitrag: #9
RE: Kriegsflotten und deren Einsatz
(10.12.2020 22:15)Flora_Sommerfeld schrieb:  
(09.12.2020 19:48)Teresa C. schrieb:  Es stellt sich die Frage, ob diese Kriegsflotten wirklich nur für Kriege verwendet wurden. Ich bin zwar keine Kriegsexpertin, aber mein Eindruck ist, dass Kriegsflotten nicht nur für Kriege genutzt wurden. Ein Merkmal von "Seemächten" ist, dass sie gewöhnlich zur Gänze oder zu großen Teilen am Meer lagen und über mehrere Häfen verfügten, also war eine Flotte zum Schutz von Hafen und Küste auch in Friedenszeiten sinnvoll. Außerdem wurden die Flotten auch für Expeditionen und Forschungsreisen eingesetzt.


Gerade zu der Zeit des Navalismus im 19.Jahrhundert mit dem Aufkommen von Panzerschiffen, waren die Kriegsflotten das Aushängeschild für die wirtschaftliche und technologische Macht eines Landes. Hinzukam dann noch die politische Komponente, siehe z.B. unter dem Begriff Kanonenbootpolitik


Was noch mit dem Detail zu ergänzen wäre:

Die gepanzerten Dampfkriegsschiffe hatten das Problem, dass ihnen fortlaufend die Kohlen ausgingen, sprich nur sehr geringe Seeausdauer.
Sprich die Seemächte brauchten zweierlei Kriegsschiffe,

stark gepanzerte Dampfer für den Schutz der eigenen Küste
und
leicht oder gar nicht gepanzerte Kreuzer mit Besegelung, Besegelung mit Hilfsmaschine oder Maschine mit Hilfsbesegelung
und auch die waren auf "Kohlenstationen" angewiesen. Inselchen am besten in der Nähe von Seefahrtsrouten wo man ein paar Kohlehaufen hinschmeißen konnte, zur gelegentlichen Bedienung dieser Kreuzer.

Wobei die "Weltpolitik" die mit denen gemacht wurde, sich zu einem Teil darin erschöpften eben die Kohlestationen zu erobern.

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16.12.2020, 17:56
Beitrag: #10
RE: Kriegsflotten und deren Einsatz
Das war in der Tat ein Problem. Als der Zar seine Ostseeflotte 1905 nach Fernost schickte, brauchten sie 8 Monate dafür. Der Suezkanal war für sie gesperrt, ob aus techn. oder völkerechtlichen Gründen, weiß ich nicht. Immerhin hatten sie auf dem Weg auf der Doggerbank englische Fischer beschossen, in den Glauben, japanische Torpedoboote vor sich zu haben (sic!!!). Das hätte fast die Briten in den Krieg gezogen.

Die Flotte musste von langsamen Kohletransportschiffen begleitet werden und Nachschub gab es beim Britischen Empire nicht. Neu bunkern konnten sie nur in Mauritius (französisch) und diese Kohle war minderwertig. Das führte zu verstärkter Rauchentwicklung, strapazierte die Maschinen und minderte die Geschwindigkeit.

Wie das Ganze ausging, ist bekannt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Seeschlacht_bei_Tsushima

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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16.12.2020, 20:11
Beitrag: #11
RE: Kriegsflotten und deren Einsatz
(16.12.2020 17:56)Arkona schrieb:  Das war in der Tat ein Problem. Als der Zar seine Ostseeflotte 1905 nach Fernost schickte, brauchten sie 8 Monate dafür. Der Suezkanal war für sie gesperrt, ob aus techn. oder völkerechtlichen Gründen, weiß ich nicht. Immerhin hatten sie auf dem Weg auf der Doggerbank englische Fischer beschossen, in den Glauben, japanische Torpedoboote vor sich zu haben (sic!!!). Das hätte fast die Briten in den Krieg gezogen.

Die Flotte musste von langsamen Kohletransportschiffen begleitet werden und Nachschub gab es beim Britischen Empire nicht. Neu bunkern konnten sie nur in Mauritius (französisch) und diese Kohle war minderwertig. Das führte zu verstärkter Rauchentwicklung, strapazierte die Maschinen und minderte die Geschwindigkeit.

Wie das Ganze ausging, ist bekannt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Seeschlacht_bei_Tsushima

Graf Spee hatte in seinem Geschwader 1914 mehr Kohlendampfer als Kriegsschiffe.
Die Briten haben ihre Neubauten dann auf Ölfeuerung umgestellt, in England gab es aber damals kein Öl, hat die RN eine eigene Ölfirma gegründet, die heutige BP, die ihr Öl aus Persien bezog.
Wasmut hat 1915 die Pipeline gesprengt, so dass die Dardanellen von den Briten mit "alten Kähnen" angegriffen wurden, wie bekannt erfolglos.

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16.12.2020, 22:22
Beitrag: #12
RE: Kriegsflotten und deren Einsatz
(16.12.2020 17:25)Suebe schrieb:  Was noch mit dem Detail zu ergänzen wäre:

Die gepanzerten Dampfkriegsschiffe hatten das Problem, dass ihnen fortlaufend die Kohlen ausgingen, sprich nur sehr geringe Seeausdauer.
Sprich die Seemächte brauchten zweierlei Kriegsschiffe,

Ist ein Argument, tritt aber erst später bzw. nach 1900 in Erscheinung, weil in der ersten bis dritten Dekade des Panzerschiffbaus, gerade die Schiffe für den Überseeeinsatz auch immer noch zusätzlich zur Dampfmaschine mit einer herkömmlichen Segeltakelage ausgerüstet waren.

In der ersten Dekade waren selbst die Panzerschiffe noch mehr oder weniger auch Segelschiffe, also von den 1850iger bis in den 1870er, zweite Dekade wurden hier schon über verschiedene Taktiken gerade der Kern der kommenden Flotten mit Panzerschiffen erprobt die so Ende der 1880iger Jahre endete, weil hier ab den 1890iger die ersten maritimen Doktrin über die Nutzung der neuen Panzerschiffe innerhalb einer geschlossenen Kriegsflotte auch über deren taktische Anforderung den Typ des neuen Linienschiffs vorgab, eine Takelage war da schon obsolet ...

Aber selbst das betraf den Schiffstyp Kreuzer für den Überseedienst noch immer nicht, so dass teilweise Schiffe dieser Klasse noch bis weit über 1900 mit einer Hilfstakelage ausgerüstet wurden, a) weil die Maschinen nicht für einen Dauerbetrieb ausgelegt waren und b.) mit Kohle auch hier nur kurze Strecken erreicht werden konnten. Da war man mit dem Wind immer noch unabhängiger. Das lies erst nach, als die Dampfmaschinen leistungsfähiger wurden, als das die Windkraft damals sein konnte. Aber auch hier betrifft das immer den Kreuzerbetrieb, nicht den Schlachtflotteneinsatz ... erst ab den 1910er Jahren sind auch die kleineren bis großen Kreuzer in der Lage, weite Strecken mit ihren Maschinen zu erreichen aber hier, wie schon erwähnt, vorausgesetzt, von der Bekohlung bzw. diversen Etappen Rund um dem Globus ... im Krieg 1914-1918 nur vereinzelt durchsetzbar, wenn einem ein Weltumspannendes Netz an Kohlestationen nicht zur Verfügung stand.

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17.12.2020, 05:47
Beitrag: #13
RE: Kriegsflotten und deren Einsatz
(16.12.2020 20:11)Suebe schrieb:  Die Briten haben ihre Neubauten dann auf Ölfeuerung umgestellt, in England gab es aber damals kein Öl, hat die RN eine eigene Ölfirma gegründet, die heutige BP, die ihr Öl aus Persien bezog.
Wasmut hat 1915 die Pipeline gesprengt, so dass die Dardanellen von den Briten mit "alten Kähnen" angegriffen wurden, wie bekannt erfolglos.

Das lag m.E. eher daran, dass sich die Briten nicht trauten, ihre modernen Pötte an den anus mundi zu schicken. Man fürchtete die Insel zu entblößen und da war ja auch noch die (damals gewaltig überschätzte, aber vorhandene) Minen- und U-Boot-Gefahr bei der langen Anreise. Da blieb man mit His Majesty besten und teuersten Schiffen lieber schön im sicheren Scapa Flow.

Es ist überliefert, dass bei der Skagerrakschlacht manche Manöver der britischen Flotte nur so zu erklären sind, weil mehrfach (falscher) U-Boot-Alarm gegeben wurde. Die übernervösen Topp-Gasten glaubten Periskope gesehen zu haben.

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17.12.2020, 16:16
Beitrag: #14
RE: Kriegsflotten und deren Einsatz
(16.12.2020 22:22)Flora_Sommerfeld schrieb:  
(16.12.2020 17:25)Suebe schrieb:  Was noch mit dem Detail zu ergänzen wäre:

Die gepanzerten Dampfkriegsschiffe hatten das Problem, dass ihnen fortlaufend die Kohlen ausgingen, sprich nur sehr geringe Seeausdauer.
Sprich die Seemächte brauchten zweierlei Kriegsschiffe,

Ist ein Argument, tritt aber erst später bzw. nach 1900 in Erscheinung, weil in der ersten bis dritten Dekade des Panzerschiffbaus, gerade die Schiffe für den Überseeeinsatz auch immer noch zusätzlich zur Dampfmaschine mit einer herkömmlichen Segeltakelage ausgerüstet waren.

In der ersten Dekade waren selbst die Panzerschiffe noch mehr oder weniger auch Segelschiffe, also von den 1850iger bis in den 1870er, zweite Dekade wurden hier schon über verschiedene Taktiken gerade der Kern der kommenden Flotten mit Panzerschiffen erprobt die so Ende der 1880iger Jahre endete, weil hier ab den 1890iger die ersten maritimen Doktrin über die Nutzung der neuen Panzerschiffe innerhalb einer geschlossenen Kriegsflotte auch über deren taktische Anforderung den Typ des neuen Linienschiffs vorgab, eine Takelage war da schon obsolet ...

Aber selbst das betraf den Schiffstyp Kreuzer für den Überseedienst noch immer nicht, so dass teilweise Schiffe dieser Klasse noch bis weit über 1900 mit einer Hilfstakelage ausgerüstet wurden, a) weil die Maschinen nicht für einen Dauerbetrieb ausgelegt waren und b.) mit Kohle auch hier nur kurze Strecken erreicht werden konnten. Da war man mit dem Wind immer noch unabhängiger. Das lies erst nach, als die Dampfmaschinen leistungsfähiger wurden, als das die Windkraft damals sein konnte. Aber auch hier betrifft das immer den Kreuzerbetrieb, nicht den Schlachtflotteneinsatz ... erst ab den 1910er Jahren sind auch die kleineren bis großen Kreuzer in der Lage, weite Strecken mit ihren Maschinen zu erreichen aber hier, wie schon erwähnt, vorausgesetzt, von der Bekohlung bzw. diversen Etappen Rund um dem Globus ... im Krieg 1914-1918 nur vereinzelt durchsetzbar, wenn einem ein Weltumspannendes Netz an Kohlestationen nicht zur Verfügung stand.


Gehe ich einig mit dir.

SMS Geier war so ein besegelter Kreuzer, 1917 von den Amis als USS Schurz neu in dienst gestellt.
https://de.wikipedia.org/wiki/SMS_Geier_(1894)

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17.12.2020, 16:27
Beitrag: #15
RE: Kriegsflotten und deren Einsatz
(17.12.2020 05:47)Arkona schrieb:  
(16.12.2020 20:11)Suebe schrieb:  Die Briten haben ihre Neubauten dann auf Ölfeuerung umgestellt, in England gab es aber damals kein Öl, hat die RN eine eigene Ölfirma gegründet, die heutige BP, die ihr Öl aus Persien bezog.
Wasmut hat 1915 die Pipeline gesprengt, so dass die Dardanellen von den Briten mit "alten Kähnen" angegriffen wurden, wie bekannt erfolglos.

Das lag m.E. eher daran, dass sich die Briten nicht trauten, ihre modernen Pötte an den anus mundi zu schicken. Man fürchtete die Insel zu entblößen und da war ja auch noch die (damals gewaltig überschätzte, aber vorhandene) Minen- und U-Boot-Gefahr bei der langen Anreise. Da blieb man mit His Majesty besten und teuersten Schiffen lieber schön im sicheren Scapa Flow.

Es ist überliefert, dass bei der Skagerrakschlacht manche Manöver der britischen Flotte nur so zu erklären sind, weil mehrfach (falscher) U-Boot-Alarm gegeben wurde. Die übernervösen Topp-Gasten glaubten Periskope gesehen zu haben.


No ja,
warum die ihre moderneren Pötte nicht an den Dardanellen eingesetzt haben,
ist natürlich Interpretation.
Fakt ist halt, dass kurz vor dem versuchten Flottendurchbruch durch die Dardanellen die Pipeline in die Luft geflogen war.
Und mindestens temporär die Versorgung der britischen Dickschiffe nicht gesichert war.
Dass in dieser Lage die HomeFleet keine modernen Pötte in Mittelmeer schickt ist nachvollziehbar.

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18.12.2020, 01:05
Beitrag: #16
RE: Kriegsflotten und deren Einsatz
Kleine off-topic Anmerkung: Mit den Flotten beeindruckte man auch die Kolonien. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass man in Kamerun bei lokalen Stammesfürsten damit prahlte, der Kaiser hätte Schiffe mit vier Schornsteinen vor Ort (sic alte kleine Pötte) und die Queen Victoria schickte nur welche mit zweien. Big Grin

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18.12.2020, 11:17
Beitrag: #17
RE: Kriegsflotten und deren Einsatz
(18.12.2020 01:05)Arkona schrieb:  Kleine off-topic Anmerkung: Mit den Flotten beeindruckte man auch die Kolonien. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass man in Kamerun bei lokalen Stammesfürsten damit prahlte, der Kaiser hätte Schiffe mit vier Schornsteinen vor Ort (sic alte kleine Pötte) und die Queen Victoria schickte nur welche mit zweien. Big Grin

Da muss ein SMS Kreuzergeschwader in Kamerun zur Visite gewesen sein. Und die Einheimischen sehr beeindruckt von der Info, dass die Schiffe über den Kamerunberg schießen könnten, gewesen sein.
Der Seeteufel Luckner schreibt, dass die Briten über einheimische Händler in Kamerun darauf hin verbreitet hätten, die Deutschen hätten die Schiffe lediglich bei King George "geliehen"
Big Grin

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