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Döntjes von Opa
01.12.2018, 21:57
Beitrag: #1
Döntjes von Opa
Langsam sterben die Teilnehmer ja weg. Ich kannte persönlich einen alten U-Bootfahrer, der immerhin 2 Feindfahrten überlebte und jemanden, der auf der "Prinz Eugen" gedient hatte und allerhand marineinternes zu erzählen wusste. Der erzählte, es wurde ein Modul entnommen, der Turm als nicht gefechtsbereit gemeldet. Es wurde stundenlang Skat gekloppt und irgendwann das Teil wieder eingesetzt. Repariert - zu Befehl.

Wir sollten solche Stories hier bewahren.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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02.12.2018, 01:29
Beitrag: #2
RE: Döntjes von Opa
(01.12.2018 21:57)Arkona schrieb:  Langsam sterben die Teilnehmer ja weg. Ich kannte persönlich einen alten U-Bootfahrer, der immerhin 2 Feindfahrten überlebte und jemanden, der auf der "Prinz Eugen" gedient hatte und allerhand marineinternes zu erzählen wusste. Der erzählte, es wurde ein Modul entnommen, der Turm als nicht gefechtsbereit gemeldet. Es wurde stundenlang Skat gekloppt und irgendwann das Teil wieder eingesetzt. Repariert - zu Befehl.

Wir sollten solche Stories hier bewahren.

In der Tat.
Ich habe über den Großvaters meines Cousin Geschichten aus der Kriegsmarine erfahren. Der Großvater ist gleich zweimal mit einem UBoot abgesoffen und zweimal raus gekommen, nach dem letzten mal hat er sich mit einem kleinen Boot über den Atlantik in Nordafrika bis Frankreich durchgekämpft und dann quer durch Frankreich, praktisch parallel zu dem Amis nach Deutschland ...

Nie darf man so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken....
Erich Kästner
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03.12.2018, 20:30
Beitrag: #3
RE: Döntjes von Opa
(02.12.2018 01:29)Flora_Sommerfeld schrieb:  
(01.12.2018 21:57)Arkona schrieb:  Langsam sterben die Teilnehmer ja weg. Ich kannte persönlich einen alten U-Bootfahrer, der immerhin 2 Feindfahrten überlebte und jemanden, der auf der "Prinz Eugen" gedient hatte und allerhand marineinternes zu erzählen wusste. Der erzählte, es wurde ein Modul entnommen, der Turm als nicht gefechtsbereit gemeldet. Es wurde stundenlang Skat gekloppt und irgendwann das Teil wieder eingesetzt. Repariert - zu Befehl.

Wir sollten solche Stories hier bewahren.

In der Tat.
Ich habe über den Großvaters meines Cousin Geschichten aus der Kriegsmarine erfahren. Der Großvater ist gleich zweimal mit einem UBoot abgesoffen und zweimal raus gekommen, nach dem letzten mal hat er sich mit einem kleinen Boot über den Atlantik in Nordafrika bis Frankreich durchgekämpft und dann quer durch Frankreich, praktisch parallel zu dem Amis nach Deutschland ...


Ich kannte einen, den Harry, der war Zerstörer-Matrose.
Und als solcher auf einem der 15cm-Zerstörer die zusammen mit der Scharnhorst Weihnachten 1943 einen Geleitzug abfangen sollten.
Man kennt die Geschichte, die deutschen Zerstörer wurden mangels Seefestigkeit heimgeschickt, und die britischen Zerstörer schossen daraufhin die Scharnhorst lahm.
Worauf die "eigentlich" deutlich langsameren schweren Einehiten der Royal Navy herkommen konnten.
Das hat den Harry das ganze Leben hindurch verfolgt.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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07.12.2018, 21:14
Beitrag: #4
RE: Döntjes von Opa
Fragte ich als kleiner Junge meinen Großvater, "hast du im Krieg mal einen erschossen?" Kam die Antwort "Warum denn, mich hat ja auch keiner erschossen"
Logisch und erschöpfend erklärt. Was den kleinen Jungen aber keineswegs befriedigte.
Lustige Schwänke aus der Kaserne konnte man schon manchmal von ihm hören, (die ich aber leider nicht mehr so zusammenbringen) aber vom Krieg so gut wie nix.
Einmal waren wir eingekehrt, in einem der Bergwirtshäuser rings um die Stadt,
es muss so 1957 oder 58 gewesen sein. Als wir gingen, haben sie am Stammtisch angefangen zu singen "Argonnerwald um Mitternacht..." ist Großvater stehen geblieben und hat sämtliche Verse mitgesungen. Die haben den "Argonnerwald" aber anders gesungen, wie er auf Youtube zu hören ist, getragen wie einen Choral.
Ein Verschen hat er mit beigebracht,
"Die Soldaten kommen die Straße herab, mit Säbel und Panier, der Hauptmann hat in die Hose geschissen, Quartier, Quartier, Quartier."
(auf Schwäbisch reimt es sich)
Irgendwie war das Militärische nicht seine Sache.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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07.12.2018, 21:57
Beitrag: #5
RE: Döntjes von Opa
(07.12.2018 21:14)Suebe schrieb:  Irgendwie war das Militärische nicht seine Sache.

Ich könnte dir von meinem Urgroßvater, Großvater und Vater etliche Anekdoten aus dem Krieg erzählen. Ich habe immer nur ein Problem damit, wenn es so auf "Kumpel Ebene" weiter erzählt wird, weil es dann den Krieg letztlich verherrlicht. Leider gibt es da nichts, was toll wäre.

Beispiel:
Mein Vater war so um 66 bei der NVA, Sandlatscher (Infanterie) mit Granatwerfer ... in einem Manöver mit Panzerkräften hatten die für die Gefechtsbeleuchtung zu sorgen und waren nur so am Mumpeln werfen, da hat die Kompanie von weiten gesehen, wie einer der Panzer aus der Dwarslinie ausscherte und mit seiner 100er (T55?) volle Kanne in dem vor ihm Fahrenden schoss, der sich sofort in seine Einzelteile auflöste und durch das Chaos in der Line wurden noch zwei weitere Panzer vernichtet.

Das war kein Krieg!

Nie darf man so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken....
Erich Kästner
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08.12.2018, 17:00
Beitrag: #6
RE: Döntjes von Opa
Mein anderer Großvater hat mal erzählt, wie die franz. Vogesenjäger 1915 eingeschlossn auf dem Hartmannsweilerkopf, sich mit den franz. Truppen außerhalb der Einschließung per Hornsignale verständigt hätten.
Was mir in Erinnerung blieb, allüberall wo in den 50ern, 60ern franz. Garnisonen waren, wird man den Klang der franz. Militärmusik und ihrer Hörner kennen.
Funk war 1915 demnach noch Zukunftsmusik.

Dann hat mein Großvater noch von der "Jägertanne" erzählt, und von der Seilbahn die Pioniere auf den Hartmannsweilerkopf gebaut hatten, zur Versorgung der Truppen dort oben.
Was ich aber alles lang vergessen hatte.

in den 90ern war ich dann mal auf dem Hartmannsweilerkopf. Muss man sich echt mal anschauen, die gegnerischen Stellungen waren da an etlichen Stellen vielleicht 20 Meter voneinander entfernt.
Gleich hinter dem Museum auf abfallendem Gelände, der franz. Friedhof mit den weißen Kreuzen, den deutschen Gefallenen mit den schwarzen Kreuzen, hat man die Gräber unten im Tal angelegt.

Nach dem Friedhof gehts wieder aufwärts, zum eigentlichen Hartmannsweilerkopf, ein paar Meter weiter, ein Hinweisschild, "Zur Jägertanne" "hat da nicht Großvater davon erzählt?" ein paar Schritte seitlich, ein mickriges Bäumchen "Jägertanne" es ist aber wohl tatsächlich der historische Fleck.
Was Großvater erzählte, ist mir leider nicht mehr eingefallen. Ich habe aber dann weiter vorne herumgesucht zwischen Stellungen, Kreuzen und Denkmälern, meist französischen, und habe dann noch tatsächlich die Bergstation jener Seilbahn entdeckt.

Die Geschichte zur Jägertanne habe ich viel später in der Regimentsgeschichte nachgelesen, an jener Stelle haben sich die württ. Truppen getroffen, als sie die Franzosen einschlossen.
NS: Das blieb aber nicht von Dauer, keine Seite konnte den Hartmannsweilerkopf auf Dauer behaupten, nach etlichen "Besitzwechseln" haben sich dann beide mit der "Hälfte" begnügt.

Dann gibt es noch die verbürgte Aussage von Großvater aus dem Spätsommer 1940 an meinen Vater, soeben aus dem siegreichen Frankreichfeldzug zurück.
"den Krieg gewinnt ihr, wie wir unseren gewonnen haben"

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09.12.2018, 13:08
Beitrag: #7
RE: Döntjes von Opa
Ich besitze ein Buch, das einst meinem Vater gehörte.
"Die außenpolitische Lage Deutschlands von Bismarck bis Hitler"
Auf der Versatzseite ist folgende Widmung
"Zur Erinnerung an das Unteroffiziersschießen der 3./396. Infanterieregiment am 22. Nov. 1941 2. Preis"

Nun war der Alte ja auf seine Schießkünste immer stolz, - aber 22.11.41 - ich dachte da wollten die Moskau erobern Huh
Na ja, man ist ja historisch nicht unbeschlagen "war halt noch die Schlammperiode - und da war es den Kriegern langweilig":idea:
Jahre später habe ich es dann mal nachgeschlagen, von wegen Schlammperiode, am 22.11.41 rollte bei leichtem Frost der Großangriff.

Ergo: Man stellt das als Zivilist des 21. Jahrhunderts vermutlich falsch vor. Auch die haben nicht rund um die Uhr siegreich gekämpft. Idea

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02.01.2019, 13:36
Beitrag: #8
RE: Döntjes von Opa
Mein Vater hatte einiges an Freunden, und wenn die Herren beim Schoppen saßen, haben sie sich nicht selten über das große "Abenteuer" ihres Lebens unterhalten.
Den 2. Weltkrieg.

Immer wieder fielen da die Worte: "Bei uns war alles verraten" worüber Konsens herrschte.
Die haben ja, was heute vielleicht nicht mehr jeder versteht, den Krieg keineswegs verlieren wollen.
Die wollten gewinnen! Hitler und Nazis hin oder her.
Dass, insbesondere im Westen, ab Sommer 1944 eigentlich alles, was versucht wurde, "daneben" ging, haben die ja durchaus mitbekommen. Und war für sie "eigentlich" unverständlich.
Dass die da Verrat in gigantischem Ausmaß vermuteten ist weiter nicht verwunderlich.
Und dass sie damit Recht hatten, hat man erst in den letzten Jahrzehnten erfahren.
Spion "Werther", Rote Kapelle und und und .... alles nur Tarnung für die geknackte Enigma.

Die den Angloamis bis ca. 1970 weiterhin jede Menge Erkenntnisse frei Haus lieferten, denn die "Beute-Enigmas", ein paar Tausend Stück, haben die auf die ganze Welt verscheuert.....
Auch ein Kapitel Zeitgeschichte, das bis heute nicht geschrieben ist.

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07.01.2019, 18:06
Beitrag: #9
RE: Döntjes von Opa
Mal was lustiges zur Abwechslung: Mein Großvater(1929) wurde mehrmals für kriegsubabkömmlich befunden da er Lehrling bei der Zeitung war. Fühjahr 45 wurde er dann doch noch als Ersatz für die Division Frundsberg eingezogen. Eines Tages während der Ausbildung auf einem Marsch hat er wohl ein bißchen zu viel mit einem Kameraden herumgescherzt, woraufhin ihr Ausbilder, ein Panzersoldat mit einem Arm und von Verbrennungen nernabten Gesicht sie bergaufwärts Häslein hüpf mit vorausgehaltenem Gewehr spielen lassen wollte. Der scheint darauf hin recht wütend reagiert zu haben aber nach einer weiteren Verweigerung war die Sache gegessen. Später bei einem Biwak sollte Opa Wache halten er meinte dazu: "Do bin i so miad gwoan das mi nimma gfreid hod, nach hob i mi higlegt, aber basiat is nix."

Weitere geile Episode der Endkämpfe war der behinderte Onkel von einem Bekannten. Er hatte 3 Kröpfe auf einmal und konnte nicht liegen da er sonst nicht atmen konnte. Als diese entfernt werden sollten legte ihn der ARzt hin. Resultat er ist blau angelaufen und erst Tage später wieder aufgewacht. Musste auch das Sprechen neu lernen. Naja jedenfalls gings Anfang 45 zur Musterung, da wuurde er von der Seite angestoßen und ist einfach umgefallen, zudem konnte man ihn nicht verstehen außer man hat sich Mühe gegeben. Mein Kommentar: 1945 ausgemustert, das ist direkt eine Leistung für sich. Big Grin
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07.01.2019, 19:30
Beitrag: #10
RE: Döntjes von Opa
Der 'Onkel Heinz und sein Bruder der Onkel Anton, waren beide stramme SSler, Waffen-SS.
Waren die "gefährdeten" Jahrgänge anfangs der 20er Jahre und wollten beide "Vorwärtskommen" und da gabs die vermeintlich besten Chancen beim schwarzen Orden. Wenn man schon zum Barras musste.

Erzählt mir der Onkeln Anton mal von seiner Gefangennahme Anfang Mai 45 in der Nähe von Berlin.
"Zwei Russen stehen da plötzlich, ich habe gezittert wie Espenlaub. Bei "uns" war es klar, wenn dich die Russen schnappen, Genickschuss, Basta.
Hat der eine Russe in die Tasche gegriffen, etwas Tabak rausgeholt, eine Ecke Zeitungspapier dazugetan und mir in die Hand gedrückt. Ich war vor lauter Zittern nicht in der Lage die Zigarette zu drehen. Da hat er mir Machorka und Papier wieder aus der Hand genommen, die Kippe gedreht und mir zwischen die Lippen geschoben. Rauchen ging dann.
Wenige Tage später wurden wir von den Russen dann an die Amis übergeben, da gab es für die Nazi-Schweine zur Begrüssung eine fürchterliche Rutsche."

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08.01.2019, 12:06
Beitrag: #11
RE: Döntjes von Opa
(07.01.2019 19:30)Suebe schrieb:  "Zwei Russen stehen da plötzlich, ich habe gezittert wie Espenlaub. Bei "uns" war es klar, wenn dich die Russen schnappen, Genickschuss, Basta.
Hat der eine Russe in die Tasche gegriffen, etwas Tabak rausgeholt, eine Ecke Zeitungspapier dazugetan und mir in die Hand gedrückt. Ich war vor lauter Zittern nicht in der Lage die Zigarette zu drehen. Da hat er mir Machorka und Papier wieder aus der Hand genommen, die Kippe gedreht und mir zwischen die Lippen geschoben. Rauchen ging dann.
"Pack schlägt sich, Pack verträgt sich."
Sagt der Schwabe in so einem Fall.

Dasselbe in Rot.

"Es gibt nur eine Sache die größer ist als die Liebe zur Freiheit: Der Hass auf die Person, die sie dir weg nimmt."(Che Guevara)
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08.01.2019, 12:52
Beitrag: #12
RE: Döntjes von Opa
(08.01.2019 12:06)Triton schrieb:  ./.
]"Pack schlägt sich, Pack verträgt sich."
Sagt der Schwabe in so einem Fall.

Dasselbe in Rot.

Noja, Thumbs_down

so streng würde ich die Maßstäbe da doch nicht anlegen.
Einer der sein Leben lang zu seiner Vergangenheit steht, ist doch mindestens ein Kerl.
Und ganz abgesehen davon, unter den Christen sind die "Pauluse" die angesehensten.

Thumbs_up

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08.01.2019, 14:46
Beitrag: #13
RE: Döntjes von Opa
(09.12.2018 13:08)Suebe schrieb:  Ich besitze ein Buch, das einst meinem Vater gehörte.
"Die außenpolitische Lage Deutschlands von Bismarck bis Hitler"
Auf der Versatzseite ist folgende Widmung
"Zur Erinnerung an das Unteroffiziersschießen der 3./396. Infanterieregiment am 22. Nov. 1941 2. Preis"

Nun war der Alte ja auf seine Schießkünste immer stolz, - aber 22.11.41 - ich dachte da wollten die Moskau erobern Huh
Na ja, man ist ja historisch nicht unbeschlagen "war halt noch die Schlammperiode - und da war es den Kriegern langweilig":idea:
Jahre später habe ich es dann mal nachgeschlagen, von wegen Schlammperiode, am 22.11.41 rollte bei leichtem Frost der Großangriff.

Ergo: Man stellt das als Zivilist des 21. Jahrhunderts vermutlich falsch vor. Auch die haben nicht rund um die Uhr siegreich gekämpft. Idea
Ich hoffe ich führe das ganze jetzt nicht zu sehr Abseits des Themas aber ich denke man muss sich schon vor Augen führen wie jetzt der Krieg des Landsers auf persönlicher Ebene wirklich war, da Filmproduktionen es ja oft aussehen lassen als wäre der Krieg ein durchgehender Kampf über Jahre für jeden einzelnen Soldaten gewesen.

Das Regiment war Teil der 216. Infanterie-Division. Die wurde laut Lexikon der Wehrmacht erst im Dezember 41 per Eiltransport gen Osten gesandt. Wobei du natürlich alleine rein statistisch gesehen Recht hast. Anfang des Krieges waren noch ungefähr ein Drittel im Kampf direkt in der HKL später dann nur noch ein Viertel. Zählst du dazu noch den Rattenschwanz von der Divisionsebene bis zur Heimatfront kommt man auf einen eher geringen Prozentwert von Landsern die tatsächlich zu einem Zeitpunkt den Graben bemannten. Wenn man jetzt ansetzt das Strichproben ergaben das die Infanterie in Divisionen meist 75-90% der Verluste einstecken mussten. Ich denke mal in der HKL gabs genau 2 Hoffnungen: 1. So rausversetzt. 2. Verwundet und dadurch nicht mehr reingekommen.

Für den größten Teil der Landser war der Krieg halt durch Europa marschieren, mit einem oder vielleicht ein paar Kampftagen die aber im Gesamtanteil seines Dienstes einen recht kleinen Teil ausmachen. Die Nahkampfspange für 10 Nahkampftage wurde weniger als 50tausend mal verliehen. Ich finde das ganze kann schon erklären warum bei den Veteranentreffen meist alles andere als der Kampf im Mittelpunkt stand.
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08.01.2019, 15:21
Beitrag: #14
RE: Döntjes von Opa
(08.01.2019 12:52)Suebe schrieb:  Einer der sein Leben lang zu seiner Vergangenheit steht, ist doch mindestens ein Kerl.
Und ganz abgesehen davon, unter den Christen sind die "Pauluse" die angesehensten.
Wie sagte der dicke Meier bei seiner Verhaftung: "Wenigstens 12 Jahre gut gelebt..."
Wer wegen der Privilegien zum schwarzen Orden gegangen ist, der sollte nachher auch bereit sein, den Preis dafür zu bezahlen. So sehe ich das.

Vom Saulus zum Paulus wurde einer wie der Rommel oder der Staufenberg, aber nicht die, die nachher ihr Fähnchen in den neuen Wind streckten. Wobei ich hier die Jahrgänge ausnehme, die noch nicht die entsprechende Reife hatten.

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08.01.2019, 15:52
Beitrag: #15
RE: Döntjes von Opa
Wer wird auch über Menschen urteilen, von denen er lediglich eine kurze Episode aus deren Leben kennt.
Dieser Onkel war in späteren Jahrzehnten jedenfalls eine Stütze der Kirchengemeinde Devil


War dein Onkel nicht bei der SS? Totenkopfverband?
Ich weiß da doch irgendwas....

Mir sind die, die dazugestanden sind jedenfalls viel leiber, wie die verhinderten Widerstandskämpfer die bei genauerer Nachschau ganz üble Typen waren....

Seis drum, der Thread heißt Döntjes von Opa, nicht
"es urteilt ein Spätgeborener über Zufrühgeborene"
außerdem ist das die "Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener"

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09.01.2019, 20:21
Beitrag: #16
RE: Döntjes von Opa
(08.01.2019 14:46)Allwissend schrieb:  
(09.12.2018 13:08)Suebe schrieb:  Ich besitze ein Buch, das einst meinem Vater gehörte.
"Die außenpolitische Lage Deutschlands von Bismarck bis Hitler"
Auf der Versatzseite ist folgende Widmung
"Zur Erinnerung an das Unteroffiziersschießen der 3./396. Infanterieregiment am 22. Nov. 1941 2. Preis"

Nun war der Alte ja auf seine Schießkünste immer stolz, - aber 22.11.41 - ich dachte da wollten die Moskau erobern Huh
Na ja, man ist ja historisch nicht unbeschlagen "war halt noch die Schlammperiode - und da war es den Kriegern langweilig":idea:
Jahre später habe ich es dann mal nachgeschlagen, von wegen Schlammperiode, am 22.11.41 rollte bei leichtem Frost der Großangriff.

Ergo: Man stellt das als Zivilist des 21. Jahrhunderts vermutlich falsch vor. Auch die haben nicht rund um die Uhr siegreich gekämpft. Idea
Ich hoffe ich führe das ganze jetzt nicht zu sehr Abseits des Themas aber ich denke man muss sich schon vor Augen führen wie jetzt der Krieg des Landsers auf persönlicher Ebene wirklich war, da Filmproduktionen es ja oft aussehen lassen als wäre der Krieg ein durchgehender Kampf über Jahre für jeden einzelnen Soldaten gewesen.

Das Regiment war Teil der 216. Infanterie-Division. Die wurde laut Lexikon der Wehrmacht erst im Dezember 41 per Eiltransport gen Osten gesandt. Wobei du natürlich alleine rein statistisch gesehen Recht hast. Anfang des Krieges waren noch ungefähr ein Drittel im Kampf direkt in der HKL später dann nur noch ein Viertel. Zählst du dazu noch den Rattenschwanz von der Divisionsebene bis zur Heimatfront kommt man auf einen eher geringen Prozentwert von Landsern die tatsächlich zu einem Zeitpunkt den Graben bemannten. Wenn man jetzt ansetzt das Strichproben ergaben das die Infanterie in Divisionen meist 75-90% der Verluste einstecken mussten. Ich denke mal in der HKL gabs genau 2 Hoffnungen: 1. So rausversetzt. 2. Verwundet und dadurch nicht mehr reingekommen.

Für den größten Teil der Landser war der Krieg halt durch Europa marschieren, mit einem oder vielleicht ein paar Kampftagen die aber im Gesamtanteil seines Dienstes einen recht kleinen Teil ausmachen. Die Nahkampfspange für 10 Nahkampftage wurde weniger als 50tausend mal verliehen. Ich finde das ganze kann schon erklären warum bei den Veteranentreffen meist alles andere als der Kampf im Mittelpunkt stand.


Ich habe es nochmals nachgeschlagen, stimmt alles, war nur die 5. und nicht die 3. Kompagnie. Auch der Einsatzraum des 396. Infanterieregiments stimmt mit dem der 10. Panzerdivision (war mein Vater) mehr oder weniger überein.
Mögliche Erklärung, das IR 396 kam früher an, als der "Rest" der Division.

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12.01.2019, 21:19
Beitrag: #17
RE: Döntjes von Opa
Mein , väterlicherweise , Opa war in den Kämpfen zum Kapp-Putsch dabei , da hat er einen Armdurchschuß erhalten . Die Narbe hat er mir gezeigt . Die beiden Weltkriege , freiwillig eingezogen , hat er ohne eine Schramme , immer an der Front , überstanden . Er erzählte wenig . Aber eines ist mir in Erinnerung geblieben , die Mauer am Hauptbahnhof , an der zwei sowjetische Soldaten von den eigenen Leuten erschossen wurden , angeblich wegen Vergewaltigung .
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13.01.2019, 12:04
Beitrag: #18
RE: Döntjes von Opa
(12.01.2019 21:19)Feldwebel57 schrieb:  Mein , väterlicherweise , Opa war in den Kämpfen zum Kapp-Putsch dabei , da hat er einen Armdurchschuß erhalten . Die Narbe hat er mir gezeigt . Die beiden Weltkriege , freiwillig eingezogen , hat er ohne eine Schramme , immer an der Front , überstanden . Er erzählte wenig . Aber eines ist mir in Erinnerung geblieben , die Mauer am Hauptbahnhof , an der zwei sowjetische Soldaten von den eigenen Leuten erschossen wurden , angeblich wegen Vergewaltigung .

Hmmm ...
dann war er für den ersten Krieg zu Jung oder für den zweiten Krieg zu alt?
freiwillig eingezogen? Das ist ironisch gemeint?

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12.02.2019, 20:21
Beitrag: #19
RE: Döntjes von Opa
(13.01.2019 12:04)Flora_Sommerfeld schrieb:  ./.

Hmmm ...
dann war er für den ersten Krieg zu Jung oder für den zweiten Krieg zu alt?
freiwillig eingezogen? Das ist ironisch gemeint?

Das ist durchaus ein Punkt.
Mein Vater wäre im März 1919 in den 1. Weltkrieg gezogen, wenn der nicht vorher verloren gegangen wäre.
Und irgendwo ganz hinten drüben im "Unterbewusstsein" war er immer der Meinung, dass der nur weil er nicht dabei war, verloren ging.
Jedenfalls ist er im Oktober 1939 mehr oder weniger freiwillig in den Krieg gezogen, er hatte einen Beruf den "man" dringend brauchte, und hat ihm auch etliches versprochen (und auch gehalten!)...

Es muss wohl 1955 oder 1956 gewesen sein, als zwei Herren kamen, und ihn zur neu entstehenden Bundeswehr keilen wollten ....
wenn da meine Mutter nicht getobt hätte wie der Gottseibeiuns....

was im Nachhinein natürlich falsch war - aber konnte man das wissen zu Zeiten der damaligen Dauerkrisen?


OT: Als Napoleon mal wieder neue Truppen ausheben musste/wollte, meinte einer seiner Minister "ob die wohl kommen werden, nach all den Verlusten..."
Napoleon soll gesagt haben
"sie werden kommen, ich befreie sie aus den Knopffabriken"
und sie kamen.
Können wir mal gelegentlich filosofische Betrachtungen darüber anstellen

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