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Skara Brae und The Heart of Neolithic Orkney
30.09.2012, 17:30
Beitrag: #1
Skara Brae und The Heart of Neolithic Orkney
So, das hat jetzt alles sehr viel länger gedauert, als ich das eigentlich vorhatte. Aber wie das so ist beim Recherchieren, man kommt vom hundertsten ins Tausende und so weiter.

Ich beginne hiermit meine Serie über das Neolitische Erbe der Orkney Inseln oberhalb der schottischen Nordküste. Meine Informationen stammen hauptsächlich aus den vor Ort gesammelten Broschüren, Museen und mitgemachten Führungen, allerdings mußte ich auch auf andere Quellen zurückgreifen, um einige Lücken zu schließen.

Dabei habe ich festgestellt, daß es unterschiedliche Aussagen zur gleichen Sache gibt. Ich halte mich weitestgehend an das, was vor Ort (Führungen, Broschüren; Museen) gesagt wird, völlig unbestätigte Aussagen werden kursiv dargestellt.
Finde ich weitere Quellen, die das eine oder andere auschließen, wird der Text bearbeitet, das kursive verschwindet.

Soviel zunächst zur Handhabung.
Es wird eine Weile dauern, bis ich alle Artikel fertig habe, von daher bitte ich um ein wenig Geduld. Es geht weiter.

ich werde zunächst eine Übersicht geben über die geologische Entwicklung und die erste besiedlung der Orkneyinseln, bevor ich mich dann den einzelnen Stätten zuwende.
Eigentlich wollte ich das ganze streng chronologisch ordnen, aber das ist nicht möglich.
Ich beginne also mit den ältesten Bauwerken in der Tiefebene der Lochs of Harray und Stennes, gehe dann nach Skara Brae, kehre in die Tiefebene zurück und stelle dann die Siedlung Ness of Brodgar vor.
Geplant ist folgende Reihenfolge:
1: Geologie
2. Erste Ackerbauern
3. Barnhouse Village
4. Die Stehenden Steine von Stennes
5. Barnhouse Village, Structure 8

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30.09.2012, 19:29
Beitrag: #2
Geologie
Eine historische Betrachtung der Orkney Inseln ohne gelogische Betrachtung ist wenig sinnvoll, weil die Einzigartikeit der Orkneys maßgeblich durch ihre geologischen Gegebenheiten bestimmt wird.

Die Orkney Inseln bestehen, wie der benachbarte, nordöstliche Teil Schottlands Caithness, vorwiegend aus dem Sedimentgestein des Old Red Sandstein. Er lagerte sich im Devon in einem Meeresbecken ab.

Der Old Red Sandstone ist ein sehr weiches Gestein und damit sehr witterungsanfällig, was zur Folge hat, daß die Böden auf den Orkney Inseln sowie in Caithness sehr viel fruchtbarer sind als z.b. im benachbarten Sutherland, wo das Gestein sehr viel härter ist. Darüber hinaus läßt sich das Gestein sehr leicht bearbeiten, womit zwei wichtige Bedingungen gegeben sind, damit sich auf Orkney eine besondere steinzeitliche Kultur entwickeln konnte.

Während der letzten Eiszeit waren der Archipel der Orkney Inseln von Gletschern bedeckt. Vor ungefähr 11500 Jahren begann das Eis zu schmelzen.

Bis heute sind die Forscher uneins darüber, wann der Pentlant- Firth entstand, jene Wasserstraße zwischen den Orkneys und der Nordküste Schottlands, die auch heute nicht übermäßg breit ist.
Unklar ist auch, ob die ersten Jäger und Sammler, die ungefähr 8000 vor Christus nach Orkney kamen, die Inseln noch trockenen Fußes erreichten.
Pfeilspitzen auf der Südlichen Insel South Ronldsay und Spuren, die auf Zelte schließen lassen, bestätigen, daß die Jäger und Sammler nicht lange nach dem Verschwinden des Eises nach Orkney kamen.
Sie fanden auf dort noch eine leichte Bewaldung vor. Nach dem Ende der Eiszeit hatte sich auf Orkney eine Mischung aus Haselnusssträuchern und Birke entwickelt. Der ohnehin nicht gerade große Baumbestand wurde weitestgehend von den Jägern und Sammlern aufgebraucht. Möglicherweise gab es sogar Brandrodungen, worauf Ascheschichten in Grabungshorizonten hinweisen.
Pollenanalysen belegen, daß es zwischen 8000 und 3875 vor Christus zumindest eine leichte Bewaldung gab.

Danach schrumpften die Baumbestände auf vereinzelte Bäume und lokale "Spots" von Bäumen herab.

Dies ist ein weiteres wesentliches Merkmal für die kulturelle Entwicklung auf Orkney. Zu dem weichen, leicht zu bearbeitenden Gestein kommt der Mangel an Holz.

Daß es vereinzelt dennoch Bäume gegeben haben muss, beweisen die ersten Spuren jungsteinzeitlicher Siedler rund um das Wideford Hillgrab nahe der heutigen Hauptstadt Kirkwall.

Während der Jungsteinzeit lag der Meeresspiegel um 3 m niedriger als heute. Damals bestand die Inselgruppe nur aus zwei Inseln. Eine große Südinsel, die aus den heutigen südlichen Inseln Stroma, Hoy, South Ronaldsay,Mainland und den dazugehörigen kleineren Inseln sowie an der Nordküste Rosay, Shapinsay und Wyre und einer knapp 1 km entfernten Nordinsel, die aus den restlichen Inseln des Archipels bestand.

Der Pentlantfirth stellte für die steinzeitlichen Seefahrer keine große Herausforderung dar, da er noch schmaler war als heute.

Von besonderer Bedeutung auf Orkney ist aber ohne jenen Zweifel jene Ebene, die seit 1999 zum Unseco Weltkulturerbe zählt:

Die im Westen der Hauptinsel Mainland gelegene Tiefebene um die beiden Lochs Stenness und Harray.

Beide Seebecken lagen unmittelbar nach Ende der Eiszeit noch weitestgehend trocken und enthielten möglichweise nur einige kleinere Seen.
Durch den langsamen Anstieg des Meeresspielges floß Salzwasser in die Ebene ein. Gleichzeitig entwässerten die Bäche der Umgebung in die Ebene, so daß sich Salz und Süßwasser in vereinzelten Becken sammelten, die während der Jungsteinzeit noch weit von ihrer heutigen Größe entfernt waren.
Insbesondere der heute salzige Loch of Stenness lag zu jener Zeit weitestgehend trocken, besaß aber dennoch einen Zugang zum Meer über einen damaligen Süßwasserfluss. Im heutigen Loch Harray sammelte sich vor allem das Süßwasser der umgebenden Flüsse.
Geophyiskalische Studien, die 2005 durchgeführt wurden, zeigten am Seegrund Anomalien, die als zurückgebliebene Steine auf dem direkten Transportweg von den Steinbrüchen in Vestra Foild und der Landzunge von Brodgar interpretiert wurden.

Heute gilt der Loch Stenness als Salzwasser, der Loch Harray als Süßwasser See, aber beide Seen sind nicht wirklich von einander getrennt, auf einem Schmalen Stück vermischen sie sich. Seit 1968 ist der Zufluss noch strenger reguliert.

Die Ebene der beiden Seen war ein Überbleibsel der Eiszeit- ein Gletscher hatte das Tal in das weiche Gestein der Inseln geschnitten. Das eine Ende des Tales geht nach Süd- Osten hin auf, das andere nach Nord- Westen. Die Berge, die es umgeben, schaffen eine Art natürliches Amphitheater, und es scheint, als hätten sich die Menschen des Neolithikum bevorzugt Orte dieser Art ausgesucht, um ihre Kultstätten zu errichten. Zumindest in Nordschottland finden sich häufig eine Anhäufung von Monumenten in einer Art schüsselförmigen Landschaft. (Ein anderes Beispiel hierfür ist Machrie Moor auf der Insel Arran.)

Einen wesentlichen Faktor für das Entstehen der jungseinzeitlichen Kultur auf Orkney habe ich natürlich noch vergessen- und das ist das Klima.

Auf Orkney herrscht sehr mildes Klima, da das Wetter vom warmen Golfstrom dominiert wird. Auch Orkney war von den Klimaschwankungen betroffen, die seit dem Ende der letzten Eiszeit immer wieder auftraten, aber Pollenanalysen geben Grund zu der Vermutung, daß die Extremwerte auf Orkney vergleichsweise niedrig ausfielen.

Somit sind die drei wichtigsten Vorraussetzungen für das Entstehen der jungsteinzeitlichen Hochkultur genannt:
1. Das reichliche Vorhandensein des roten Sandsteines, der gute Böden hervorbrachte und sich leicht bearbeiten ließ.
2. Der fehlende Baumbestand auf Orkney zur Neolithischen Zeit
3. Das wegen des Golfstomes milde (wenn auch regnerische) Klima.

Keines der Monumente auf Orkney wäre erbaut worden, wenn eine der drei Voraussetzungen nicht erfüllt worden wären.

[img][Bild: aa782jfavvhv.jpg][/img]
Die Karte zeigt "The heart of Neolithic Orkney" heute.
Maes Howe, das neolithische Hügelgrab findet sich ein wenig rechts von der südöstlichen Spitze des Loch Harray.
Die Stones of Stennes liegen zum Ende der kleineren Halbinsel, wo Loch Stennes und Loch Harray zusammenfließen., direkt daneben Barnhouse village.
Auf der Nördlichen Halbinsel befindet sich der Ring of Brodgar und kurz davor der nicht eingezeichnete Ness of Brodgar.
Und direkt an der Küste, wenn man der Form der Landzunge folgt, findet sich Skara Brae.

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28.10.2012, 23:06
Beitrag: #3
Die ersten Ackenbauern
Wann genau die ersten Ackerbauern die Orkney- Inseln erreichten, ist umstritten, momentan neigt man dazu, daß es etwa 3900 v. Chr. geschah.
Es ist jedoch unumstritten, daß die Orkney- Inseln von Schottland aus besiedelt wurden- frühere Vermutungen, die Besiedlung sei von Norwegen aus erfolgt, gelten durch Keramikfunde als widerlegt.

Im Jahr 2003 wurden in der Nähe des Wideford-Hill- Grabes Spuren von Holzhäusern gefunden, die möglicherweise die ältesten Häuser auf Orkney waren. Vereinzelt müssen die ersten Ackerbauern demnach noch Wald- Spots vorgefunden haben, aber diese letzten Waldreste verschwanden zu jener Zeit völlig. Die weitestgehend baumlose Landschaft der Orkney ließ sich leicht besiedeln, und in Verbindung mit dem milden Klima ist es sehr wahrscheinlich, daß die Bevölkerungszahl auf Orkney sehr schnell stieg.

Eine der besten bekannten Anlagen jener Zeit ist Knap of Howar, das an der Westküste der recht nörlich gelegenen Insel Papa Westray liegt. Knap of Howar zeigt die Überreste zweier Häuser, die, wenn auch nicht gleichzeitig ungefähr von 3700- 3100 v. Christus genutzt wurden. Die Inneneinrichtung jener Häuser entsprach schon derer von Skara Brae.

In Knap of Howar und anderen Bauten der frühen Ackerbauern fanden sich Überreste der sogenannten Unstan- Keramik, die vor allem auf den Orkney-Inseln, den Hebrideninseln North-Uist und Harris, in Caithness, Morayshire und Ord Hill (Lairg) gefunden wurde.
Heute werden als Unstan Keramik nur noch verzierte Schalen mit Umbruch und Verzierungne zwischen Umbruch und Rand bezeichnet, ursprünglich umfaßte der Begriff ein sehr viel breiteres keramisches Spektrum.

In enger Verbindung zu der Unstan Keramik stehen die Megalithbauten auf Orkney, die als "Stalled Cairns" bezeichnet werden und eine Unterform der sogannnten Passages Tombs sind. Hierbei handelt es sich um Gräber, die in Trockenbauweise errichtet wurden und deren Grabkammern durch dünne Platten stallartig in gegenüberleigenden Boxen unterteilt wurden. Die Anzahl der Boxen reicht von vieren bei kleineren Grabhügeln bis zu 27 Kammern bei Großen Grabhügeln. Ungefähr 60 dieser Stalled Cairns wurden auf Orkney gefunden.
Sie werden in der Regel dem Typ Orkney-Cormarty zugerechnet, allerdings ist diese Einteilung höchst umstritten, da die Stalled Cairns auf Orkney sich nicht wirklich in die Kategorisierung einpassen.

Die ersten Ackerbauern züchteten Rinder, Schweine und Schafe und bauten vor allem Nacktgerste an. Sie sammelten Muscheln, jagten Vögel und betrieben Fischfang.
Die Ernährungsgrundlage auf Orkney war gut, und so waren die Ackerbauern auf Orkney nach wenigen Jahrhunderten im Stande, sich auch anderen Dingen zuzuwenden, als bloß dem Ackerbau und der Viehzucht...

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26.12.2012, 14:49
Beitrag: #4
RE: Skara Brae und The Heart of Neolithic Orkney
Die Frankfurter äAllgemeine Sonntagszeitung vom 23.12.2012 brachte einen zweiseitigen reichbebilderten Bericht über Stonehenge. Vieles Interessante, z.B. daß die riesigen 40 t schweren Steine der Anlage (und auch die kleineren) 220 km entfernt in Wales herausgebrochen und auf unbekannte Weise, sicherlich auch auf dem Wasserwege, zu der Anlage am Fluß Avon befördert wurden. Das geschah in der Zeit als die Pyramiden gebaut wurden und die Kelten in Britannien noch lange nicht in Sicht waren, also noch im Neolithikum.
Ich bringe das, weil es im engen sachlichen und zeitlichen Zusammenhang mit der Orkneykultur steht.
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26.12.2012, 21:51
Beitrag: #5
RE: Skara Brae und The Heart of Neolithic Orkney
Das tut es in der Tat. Insbesondree im Zusammenhang mit der Ausgrabung am Ness of Brodgar wurde oft auf einen Zusammenhang zwischen der Orkney- Tiefebene und der Ebene von Stonhenge verwiesen. Wobei die Archäologen af Orkney fest davon überzeugt sind, daß Orkney zuerst kam und Stonehenge später...
Es ist vor allem der Artikel über den Ness of Brodgar, der mich hier besonders aufhält. Ich habe von der Ausgrabung enorm viel Material mitgenommen, das ich nebenbei zu übersetzen versuche... Aber Barnhouse Village dürfte die nächsten Tage fertig werden...

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06.01.2013, 00:54
Beitrag: #6
Barnhouse Village
Barnhouse Village

Bis in die 80 er des vergangenen Jahrhunderts hinein galt das natürliche Amphitheater zwischen den Lochs of Stenness und Harray als Ort, zu dem die Menschen nur aus rituellen Gründen kamen, während sie weiter im Umland (a.a. Skara Brae) lebten.

1984 widerlegte der Archäologe Colin Richardson diese Ansicht, als er bei einer Oberflächenbegehung am Ufer des Loch of Harry, ganz in der Nähe der Standing Stones of Stenness, auf Siedlungsspuren stieß.

Barnhouse Village, wie die Siedlung genannt wird, weist die bislang ältesten Siedlungsspuren dieser Periode in jener Tiefebene auf. (Möglicherweise wird aber Ness of Brodgar noch früher datiert, aber das ist derzeit noch offen).Die ersten Häuser werden auf das Jahr 3300 vor Christus datiert.

Es sind 15 Häuser, die meisten davon eng verwandt mit dem Baustil, der sich auch in Skara Brae findet.
Das Standardhaus in Barnhouse Village ist ein Rundbau, dessen Mauerwerk in Trockenbauweise aus den typischen Sandsteinplatten, wie es sie auf Orkney haufenweise gibt, errichtet wurde. Durch einen schmalen Eingang, der immer von Nordwesten nach Südosten verläuft, gelangt man in einen Raum, in dessen Zentrum eine steingefaßte Feuerstelle liegt. Zwei steinerne Kästen an den Seiten des Raumes gelten als Bettkästen, direkt dem Eingang gegenüber befindet sich eine Art steinerne Anrichte an der Wand. Natürlich weiß niemand, ob diese Möbelbezichnungen richtig sind. Die "bettkästen" sind zu klein, als daß Menschen sich hinlegen und schlafen könnten, andererseits haben die Steinzeitmenschen wahrscheinlich noch im Sitzen geschlafen. Auch ist fraglich, ob der steinerne "Schrank" wirklich eine Anrichte war, anderseits- er war das erste, was jemand sah, wenn er den Raum betrat. Vielleicht waren die Steinzeitmenschen den heutigen Menschen ähnlich- und wir führen heute Besucher gerne ins Wohnzimmer, wo unsere Schätze ausgestellt sind...Hinter dieser Wand mit der Anrichte befindet sich jedenfalls eine kleine Zelle, in der vermutlich Lebensmittel aufbewahrt wurden.
Die Dächer der Häuser bestanden vermutlich aus Pfählen und Torf.
12 Häuser von Barnhouse Village entsprechen diesem Haustyp. Sie wurden jedoch während ihrer rund 700 jährigen Nutzung mehrfach eingerissen und wieder neu aufgebaut.

Die Ähnlichkeit der Häuser in Barnhouse mit Skara Brae ist nicht zu übersehen - und dennoch gibt es Unterschiede. Der Hauptunterschied in beiden Siedlungen besteht darin, dass es in Barnhouse Village keine überdachten Durchgänge zwischen den Häusern gab - sie standen alle im Freien.
Möglicherweise erklärt sich dieser Unterschied aber dadurch, dass die Besiedlung von Barnhouse Village 450 Jahre vor Skara Brae endete. Die ersten Häuser waren sich in beiden Siedlungen ausgesprochen ähnlich, und auch in Barnhouse begannen sich die Berge von „midden“ (Abfall, Keramikscherben, Knochenresten) zu türmen.

Das erste Haus, das sich von den anderen in der Siedlung unterscheidet ist die sog. Structure 6. Dieses zentral gelegene Gebäude weist einen anderen Eingang auf - dieses Haus wurde vom Südwesten her betreten. Obwohl auch Haus 6 ursprünglich aufgebaut war wie die anderen, wurde es im Laufe der Zeit verändert. Da in dem Haus überdurchschnittlich große Mengen an Feuerstein und Knochen gefunden wurden, geht man heute davon aus, dass sich in diesem Haus zumindest in den letzten Jahren der Siedlung die Werkstatt befand. In früheren Jahren scheinen die Bewohner der Siedlung im Freien gearbeitet zu haben, auf jenem zentralen Platz, um den die Häuser 1-11 (ohne 8) herumliegen.

Zwei Häuser sind allerdings ganz anders.

Die sogenannte Structure 2 gehört zu dem ursprünglich kreisförmig angelegten Dorf und war von Anfang an anders.
Haus 2 weist eine gewisse Ähnlichkeit mit den Kammergräbern auf Orkney auf. Es liegt im südwestlichen Viertel des Dorfes und ist bedeutend größer als die anderen Häuser der Siedlung (außer Structure 8), was darauf hinweisen könnte, dass es in Barnhouse Village eine soziale Hierarchie gegeben hat (im Gegensatz zu Skara Brae.). Darüber hinaus ist das Mauerwerk ausgesprochen sorgfältig gearbeitet.
Das Gebäude war durch Steinfliesen in zwei große Kammern geteilt, in der wiederum 6 Nischen in die Wand gebaut wurden.
Obwohl die Nischen den „Bettkammern“ anderer neolithischer Häuser gleichen, ist die Ähnlichkeit zu den Boxen der Kammergräber doch nicht zu übersehen.
Beide Hauptkammern verfügten über eine jeweils eigene Zentrale Feuerstelle.
Kurz hinter der Eingangstür wurde eine steinerne Kisten mit Menschenknochen gefunden, bedeckt von einem Dreiecksstein. Jeder, der das Haus betrat, musste über diese Kochen laufen. Analysen ergaben übrigens, daß die Toten unter Viatmin C Mangel litten.
Anders als die anderen Häuser in Barnhouse, die zeitweilig leer standen, war Haus Nummer 2 die ganze Zeit über bewohnt. Und im Gegensatz zu den anderen Häusern wurde Nummer 2 auch nie abgerissen und neugebaut, sondern blieb von Anfang an so wie es war.
Das Haus war auf die aufgehende Sonne am Tag der Wintersonnenwende ausgerichtet. Da aber Structure 9 immer im Weg stand, kann es kaum darum gegangen sein, daß tatsächlich, so wie in Maes Howe das Licht durch den Eingang fiel.
Mehrere Gegenstände, die in Haus 2 gefunden wurden, (u.a. ein polierter Meißel ) legen nahe, dass in jenem Haus Kultgegenstände gefertigt wurden. Demnach scheinen die Bewohner von Haus 2 in der westlichen Hälfte gearbeitet, und in der östlichen Hälfte gegessen zu haben.

Heute wird vermutet, dass Barnhouse Village ein Priesterdorf war, in dem die Priester lebten, die die Zeremonien an den 150 m entfernt gelegenen Steinen von Stenness durchführten.
Alternativ gilt Barnhouse Village als der Ort, an dem die Bauarbeiter lebten, die die Stones of Stenness und Maes Howe erbauten. Möglicherweise trifft auch beides zu.

Verschiedene Funde in der Siedlung stammten nicht von Orkney und weisen darauf hin, dass Barnhouse Village keine isolierte Gemeinschaft war, sondern in regem Austausch stand mit andren Gemeinschaften entlang der schottischen Westküste.

Die in Barnhouse gefundene Keramik entspricht dem Typ "Grooved Ware", die sich um das Jahr 3400 v. Chr. wahrscheinlich auf Orkney entwickelt hat und ab 2800 v. Chr. auch in Südengland auftaucht.

Bemerkenswert ist auch, dass die Siedlung am Ende nachweislich abgerissen wurde, und zwar um das jahr 2800 v. Chr. herum. Vielleicht sind die Menschen umgezogen - möglicherweise nach jenem Ort, der heute „Ness of Brodgar“ heißt...

Ein Haus wurde hier noch nicht erwähnt und das ist Structure 8. Dies hat vor allem den Grund, dass Haus Nummer 8 erst wesentlich später entstand, um das Jahr 2800 bis 2600 vor Christi. (Es existerien unterschiedliche Angaben). Damals war das Dorf wohl schon verlassen. Und deshalb wende ich mich Structure 8 auch in einem gesonderten Artikel zu...

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06.01.2013, 02:24
Beitrag: #7
RE: Skara Brae und The Heart of Neolithic Orkney
Zwischendurch mal ein Lob, sehr interessant.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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14.02.2013, 23:44
Beitrag: #8
Die " Standing Stones of Stenness"
Die „ Standing Stones of Stenness“

Fest verknüpft mit der Siedlung Barnhouse Village sind die „Standing Stones of Stenness.“, am südöstlichen Ende des Loch of Stenness gelegen.
Der Steinkreis von Stenness wurde um 3100 v. Chr. erbaut (eine andere Datierung spricht von 3000 v.Chr.) und ist damit der älteste bisher gefundene Steinkreis Großbritanniens, rund 500 Jahre älter als Stonehenge. Im Laufe seiner rund 1000-jährigen Nutzung wurde er mehrfach umgebaut, vermutlich weil sich die Zeremonien im Laufe der Zeit änderten.

Ursprünglich angelegt als Steinellipse aus 12 großen, über 6 m hohen Steinen und einem Durchmesser von 33, sind heute nur noch vier der Steine vorhanden. Allerdings scheint es, als wären niemals alle 12 eingeplanten Steine aufgerichtet worden. Ausgrabungen zeigen, daß der 12. Sockel unbesetzt geblieben ist. Warum das so war, ist rätselhaft.

Neuere Vermutungen gehen in die Richtung, daß jeder Stein für eine Dorfgemeinschaft stand und die zwölfte Dorfgemeinschaft sich nicht mehr an den Bauarbeiten beteiligen wollte oder konnte- aber das ist reine Spekulation.

Geologische Untersuchungen haben erwiesen, daß es sich bei den verwendeten Steinen um fünf verschiedene Gesteinsarten handelt, was die Vermutung nahe legt, daß die Steine von verschiedenen, wahrscheinlich signifikanten Orten von Orkney stammen, die Analysen dauern noch an.
Der Steinkreis von Stenness war von einem Graben umgeben, der 4 m breit und zwei Meter tief war. Der Durchmesser des Grabens betrug 44 m, und er wurde aus dem Grundgestein geschnitten. An den Graben schloss sich ein Sanddamm an. Lediglich im Norden, zur Siedlung Barnhouse Village hin, befand sich ein Durchgang. Bei den Ausgrabungen stellte sich heraus, daß sich der Graben mit Wasser füllte, so daß man heute davon ausgeht, daß die Anlage von einem Wasserring umgeben war.
Im Inneren des Grabens wurden Tonscherben gefunden, außerdem die Knochen von Rindern, Schafen und Hunden oder sogar Wölfen. Auch zwei verbrannte menschliche Handknochen wurden in der Nähe des Eingangs gefunden.

Heute befindet sich in der Mitte des einstigen Steinkreises ein „Herd“ aus vier großen Steinen, ähnlich den Feuerstellen der Häuser von Skara Brae oder Barnhouse Village. Auch dieser war wohl nicht der ursprüngliche. Die ursprüngliche Feuerstelle stammte aus Barnhouse Village und war gewissermaßen aus der Siedlung in den Steinkreis hinein verpflanzt worden. Allerdings scheint auch sie nicht der ursprüngliche Mittelpunkt der Anlage gewesen zu sein- im Zentrum der Anlage und inmitten des Herdes stießen Archäologen auf die Überreste eines aufgerichteten Pfostens, der das allererste Zentrum gebildet hatte.
Überreste von Knochen, Kohle und Töpferwaren im Innern des Herdes geben Anlaß zu der Vermutung, daß in der Anlage Feste gefeiert wurden.

Im Norden der Feuerstelle, parallel zum Durchgang, fanden sich die Löcher zweier Steine, die dort einmal standen und durch einen Pfad mit dem Mittelpunkt der Anlage verbunden waren. Irgendwann wurden die Steine entfernt und die Löcher wieder aufgefüllt. Wann das war und warum es geschah, ist derzeit nicht zu ermitteln.

Nördlich anschließend an diese beiden Steine fanden sich die Überreste einer kleinen Holzkonstruktion, die um 2150 v. Chr. noch in Benutzung war.. Die östlichen und westlichen Seiten dieser Konstruktion lagen in einer Reihe mit den Doppelmegalithen, so daß die Steine eine Art Eingang geformt haben müssen. Vielleicht wurden die Doppelmegalithen eingerissen, als die Holzkonstruktion entfernt wurde.

Auch zwei eckige Steine nahe des Ausgangs dürften vermutlich nicht Bestandteil der ersten Anlage gewesen sein. Gemeinsam mit einem weiteren, heute liegenden Stein, könnten diese Steine einen Altar gebildet haben, eine Deutung, die unter heutigen Historikern allerdings umstritten ist. Steinaltäre sind aus anderen schottischen Henges bekannt, insbesondere aus der Gegend um Aberdeen, aber diese sind deutlich jünger als die Stones of Stenness.
Die Steine scheinen Bestandteil einer Steinkonstruktion gewesen zu sein, die parallel zu der Holzkonstruktion errichtet war. Die ursprüngliche Form läßt sich nicht mehr ermitteln, da die Steinhöhlen, in denen die Steine standen, bei einer einer äußert fragwürdigen Rekonstruktion im Jahre 1907 zerstört wurden.

Der Steinkreis war also in sich durchaus strukturiert und in mehrere „Abteilungen“ gegliedert, was für die Art der Rituale dort durchaus von Bedeutung gewesen sein dürfte. Offensichtlich wurden im Steinkreis der Stehenden Steine von Stenness Festmähler abgehalten und Feste gefeiert.

Der Hauptausgräber von Stonehenge, Mike Parker Pearson, vertrat die Ansicht, daß der Steinkreis von Stenness ein Ort der Lebenden war, wo die Lebenden Fest feiern. Der nahegelegene Ring of Brodgar wäre dann der Ort der Toten gewesen. Damit wäre eine zeitliche Parallele zu Stonehenge hergestellt- das ältere hölzerne Heiligtum bei Stonehenge, erbaut um 3100 v. Chr., wäre der Ort der Lebenden gewesen, das um 2600 v Chr. Erbaute steinerne Stonehenge der Ort der Toten. Auch der Ring of Brodgar wurde um diese Zeit erbaut. (Quelle dieser Annahme: Ausgrabung am Ness of Brodgar- Ausgelegte Veröffentlichung in einer Zeitschrift...)

Orkadianische Archäologen haben nun die kühne Theorie aufgestellt, daß die Errichtung von Steinkreisen in Großbritannien von den Stehenden Steinen von Stenness ausging. Zeitgleiche Heiligtümer in Britannien waren imposante Holzbauten- ein Rohstoff, der auf den baumarmen Orkneyinseln nicht im nötigen Ausmaß zur Verfügung stand. So ersetzten die Menschen auf Orkney die hölzernen Zentren durch den Rohstoff, der ihnen in ausreichender Menge zur Verfügung stand- Stein.
War der aus der Not geborene Steinkreis von Stenness Vorreiter für eine ganze Reihe von Steinkreisen?
Eine kühne These, über die in den nächsten Jahren sicher noch gestritten werden wird, und für die doch so manches Indiz spricht...

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15.02.2013, 00:08
Beitrag: #9
RE: Skara Brae und The Heart of Neolithic Orkney
Weitgehend baumlos waren die Orkneys nicht immer, aus Hasel und Birke kann man schlecht Holzkonstruktionen errichten und irgendwie muss man ja auch die Steine transportiert und aufgerichtet haben. Habe dazu folgernden Link gefunden:
http://www.landforms.eu/orkney/holocene%...tation.htm

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15.02.2013, 00:39
Beitrag: #10
RE: Skara Brae und The Heart of Neolithic Orkney
Das ist richtig. Es gab durchaus Baumbestände, aber die werden im Orkney- Museum in Kirkwall als "Spots" bezeichnet. Soweit ich deinen angebenen Link jetzt überschauen kann, wird das ähnlich eingeschätzt, aber ich muss das morgen noch mal genauer lesen, jetzt bin ich zu müde und da rutscht mir vielleicht etwas durch.
Es gab durchaus kleinere Baumbestände auf Orkney, aber eben weder genug, um große Monumentalbauten noch um alltägliche Möbelstücke daraus zu fertigen- was letztendlich ja auch der Hauptgrund für die steinernen Möbel in Skara Brae und Barnhouse Village war.

Danke jedenfalls für den Link.

Was jetzt den Transport der Steine anbetrifft, so geht man im allgemeinen davon aus, daß hierfür vor allem Treibholz verwendet wurde, wie es auch heute noch durch die Strömung bei entsprechender Witterung an die Strände angespült wird.

Orkney ist im übrigen bis heute eine weitestgehend baumlose Landschaft geblieben. Auf meiner letzten Reise habe ich noch nicht einmal einen solchen "Hot Spot" gesehen... (Aber ich war ja auch nicht überall...)

Edit: ich habe den vorherigen Text jetzt abgeändert von "Weitestgehend baumlos" in "baumarm", was wohl genauer ist. Danke nochmals für den Hinweis.

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17.02.2013, 01:40
Beitrag: #11
RE: Skara Brae und The Heart of Neolithic Orkney
So, jetzt noch einmal als Ergänzung.
Die von Arkona verlinkte Untersuchung bestätigt, daß im Westen der größten Orkney- Insel Mainland die Baumbestände weitestgehend verschwunden waren, als Barnhouse Village erbaut wurde.

Ich habe in den vorherigen Texten ergänzt, daß die Lochs of Stenness und Harray genau dort liegen- im Westen der Hauptinsel Mainland. Als einer der Orte, wo der Baumbestand zuerst verschwand, gilt die Bay of Skiall- und genau dort findet man auch Skara Brae.
Wenn in anderen Gebieten Orkneys noch Wälder vorhanden waren, bedeutet das dennoch, daß es für die Menschen an den beiden Lochs , Stein der leichter zugängliche und aufgrund seiner Beschaffenheit auch leicht zu bearbeitende Rohstoff war...

Sorry für die Ungenauigkeit- aber ihr wißt ja, daß man das, was für einen selbst selbstverständlich hält, eben generell für selbstverständlich hält...

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17.02.2013, 17:26
Beitrag: #12
RE: Skara Brae und The Heart of Neolithic Orkney
Wobei man das, was auf den schottischen Inseln wuchs, nach unseren mitteleuropäischen Vorstellungen kaum als Wald sondern eher als lichtes Gestrüpp bezeichnen würde. Birke, Erle und Hasel dominierten, tauglich allenfalls als Feuerholz. Man musste auch nicht großartig roden, Schafe und Ziegen besorgten das schon allein durch ihren Verbiss.

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09.03.2013, 08:51
Beitrag: #13
Barnhouse Village Gebäude 8
Barnhouse Village Gebäude Nummer 8

Das größte Gebäude in Barnhouse Village ist Gebäude Nummer 8. Es ist das letzte Gebäude, das in Barnhouse errichtet wurde, und es wurde auf den Überresten eines älteren Hauses errichtet, als die anderen Häuser bereits verlassen worden waren. Erbaut um das Jahr 2600 v. Chr. legen Form und Ausmaß von Gebäude 8 nahe, dass es sich hierbei um kein gewöhnliches Haus handelt.
Der Herd des älteren Hauses wurde entfernt, was unüblich war - üblicherweise blieb das alte Zentrum bei Neubauten erhalten. Der Innenraum von Gebäude 8 war ungefähr doppelt so groß wie die Innenkammer in der nahegelegenen Grabkammer von Maes Howe, und genau wie Maes Howe wurde Gebäude 8 auf einer ebenerdigen Plattform aus gelbem Ton errichtet und von einer stabilen Mauer umgeben.
Es gibt keine Hinweise darauf, dass Gebäude Nummer 8 jemals bewohnt wurde, aber Keramikfunde legen die Vermutung nahe, dass auf der umgebenden Plattform jede Menge Nahrungsmittel zubereitet wurden. Ausgrabungen an der zentralen Feuerstelle belegen jedoch, dass dort nie Mahlzeiten zubereitet wurden.
Der Zugang durch die Schutzmauer rund um Gebäude 8 erfolgte in Ost- Westrichtung an der Seite des Gebäudes. Bis zum Eingang des Gebäudes musste ein Drittel des Gebäudes umrundet werden. Der eigentliche Gebäudeeingang weist den für Barnhouse Village untypischen Zugang aus Richtung Nordwesten aus. Am längsten Tag des Jahres hätte das Licht der untergehenden Sonne durch den Eingang fallen können - wenn nicht die Schutzmauer gewesen wäre, die das Licht blockierte.
Im Innern weist Gebäude 8 eine gewisse Ähnlichkeit mit den Stehenden Steinen von Stenness auf. Der Zugang erfolgt durch eine 3 m lange Passage, ebenso wie der Zugang ins innere der Stehenden Steine. Dort stößt man auf eine Art Vorhof oder Vorhaus, in dessen Mitte sich eine (unbenutzte) Feuerstelle befindet, die von zwei stehenden Steinen flankiert wird. Dieses Arrangement verläuft auch ungefähr parallel zu dem ähnlichen Arrangement im Steinkreis von Stenness. Dies legt die Vermutung nahe, dass Gebäude Nummer 8 für rein rituelle Zwecke errichtet wurde.
Allerdings befand sich in Gebäude Nummer 8 auch eine steinerne Anrichte, so wie sie sich in jedem Wohnhaus in Barnhouse Village und in Skara Brae findet. Das könnte möglicherweise darauf hindeuten, dass auch die Anrichten nicht nur reine Ablageflächen waren, sondern auch rituellen Charakter gehabt haben.
Während der Ausgrabungen in Gebäude 8 wurde in der Ostwand auf Höhe der zentralen Feuerstelle ein kompletter Topf im Stil der „Grooved Ware“ gefunden. Er enthielt 14 Klumpen aus Feuerstein, eine Menge, die auf dem am Feuerstein armen Orkney durchaus als Schatz zu werten ist.

Gewisse Ähnlichkeiten von Gebäude 8 mit Maes Howe ließen die Vermutung aufkommen, daß Maes Howe das Haus der Toten, Gebäude 8 das Haus der Lebenden gewesen sein könnte, während gleichzeitig die Ähnlichkeit in der Konstruktion mit den Stehenden Steinen von Stenness darauf schließen lassen, daß es um das Jahr 2600 v. Chr. zu einer kulturellen Veränderung kam.


Die eine Vemutung zielt darauf ab, daß Rituale, die vorher im Steinkreis von Stenness unter offenem Himmel und für alle zugänglich ausgeübt wurden, jetzt im Innern, Verborgenen für einen begrenzten Kreis stattfanden.
Die andere Vermutung geht in die Richtung, daß man versucht haben könnte, die Rituale, die in Maes Howe abgehalten wurden und die Rituale, die man bei den Stehenden Steinen von Stennes abgehalten hat, zusammenzuführen.

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11.03.2014, 21:42
Beitrag: #14
Maes Howe Teil 1
Maes Howe

Maes Howe liegt am südöstlichen Ende des Loch of Harray und ist eines der besterhaltenen Hügelgräber Nordwesteuropas. Der Ursprung des Namens „Mae“ ist unsicher, „Howe“ leitet sich von dem Altnorwegischen für „Hügel“ ab.

Errichtet wurde der Erdhügel vor etwa 5000 Jahren (ca. 3100 v. Chr.) auf einer großen, ebenen Plattform, umgeben von einem Graben und einem Wall.
Maes Howe gehört zum Typ der Ganggräber (Passage Tomb), was bedeutet, dass ein langer Gang durch den Erdhügel zu einer sorgfältig ausgearbeiteten Kammer führt.
Die Menschen, die Maes Howe errichteten,wollten ein Zeichen setzen – viele Hände waren nötig, die Steine und den Lehm herbeizuschaffen mit denen Grabhügel und Graben errichtet wurden - und alles ohne Metallwerkzeuge oder schweres Gerät. Die Errichtung von Maes Howe war ein Unternehmen von höchster Bedeutung und gewaltiger sozialer Verpflichtung.

Die Konstruktion von Maes Howe ist komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Die Kenntnisse über die Konstruktion stammen aus mehreren Ausgrabungen, die älteste schon aus viktorianischer Zeit. Weitere Ausgrabungen erfolgten in den 50ern, 70ern und 90 er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.
Bei den Ausgrabungen in den 90 Jahren stellte sich heraus, daß bereits vor dem Grabhügel an dieser Stelle ein Bauwerk stand, allerdings ist es nicht möglich, hierzu nähere Angaben zu machen - etwaige Spuren sind unter Maes Howe verborgen..

Wahrscheinlich hoben die neolithischen Bauarbeiter zuerst den Graben aus, bevor sie den Erdhügel errichteten, aber das ist keineswegs gesichert. (wikipedia schreibt hier etwas anderes und beruft sich auf die Ausgrabungen der 70 er). Der Graben wurde sehr geschickt aus einem natürlichen, eiszeitlichen Hügel geformt, um das gesamte Bauwerk höher zu setzen. Die Ebene, auf der der Grabhügel sitzt, wurde aus dem Felsen geschnitten, um wirklich eine ebene, flache Gestalt zu erhalten. Der Graben war damals vermutlich noch um 0,7 m tiefer und enthielt möglicherweise Wasser.

Auf der runden Plattform befand sich zuvor ein einzelner großer Stein. In den 90 er Jahren fanden Archäologen das Loch des Steines, aber keinen Hinweis auf einen Steinkreis. Ein bißchen weiter entfernt, unter der heutigen Torfwand, finden sich Hinweise auf eine äußere Steinmauer, die gleichzeitig mit dem Graben entstand. Die ursprüngliche Höhe ist unbekannt, sie könnte allerdings beträchtlich gewesen sein.

Das Hügelgrab selbst hat einen Durchmesser von 35 m und eine Höhe von 7 m. Die zentrale Kammer ist von einer gut gebauten, abgestuften Mauer bis zum Dach umgeben. Dahinter befinden sich zwei niedrigere steinerne Mauern. Das ganze Bauwerk wurde mit einer dicken Schicht aus gelbem Lehm, der vermutlich in Körben aus dem See geholt wurde, und kleinen Steinen versiegelt und mit einer Lehmhaut überzogenb.

Das Resultat dieser Anstrengungen ist ein sorgfältig gebautes, robustes und wasserdichtes Bauwerk, zu der die Menschen den Zugang kontrollieren konnten. Die weiche, runde äußere Kontur bildet einen starken Kontrast zu seinem steinigen, geradlinigen Innern.
Als Maes Howe entstand, war dieser Kontrast angesichts der geschnittenen Steine, der Lehmkappe und der Steinmauer möglicherweise schwächer.

Innerhalb von Maes Howe fühlt man sich von der Außenwelt abgeschnitten. Im Gegensatz zum Grabhügel rundum mißt die innere Kammer nur 4,7 m in der Diagonale und 4,5 m in der Höhe, wobei die Originalhöhe auch 6 m betragen haben kann. Nur ein schwacher Schein Tageslicht fällt durch die 10 m lange Eingangspassage, einem sacht ansteigenden, gepflasterten Korridor. Innerhalb der Passage findet sich eine Art Unterbrechung, wo ein großer, keilförmiger Stein, balanciert auf einem Drehpunkt, vom Innern der Grabkammer aus bewegt werden konnte, um den Gang zu verschließen. Jede Wand wird zum Großteil durch nur einen riesigen Sandstein gebildet, der größte davon wiegt 3 t.

Die Kammer selbst wird durch die Mitte einer Mauer betreten. An den anderen drei Wänden befinden sich mittig erhöhte Seitenkammern oder Zellen. Zwei der Zellen enthalten eine niedrige Plattform, möglicherweise enthielt auch die dritte eine, die aber später wieder abgebaut wurde. Der Boden, die Rückwand und Decken dieser Zellen sind Einzelsteine.
Das Dach der Hauptkammer ist ein Korb- Gewölbe, die meisten Steine gehen über die gesamte Mauerbreite. Die Decke ist rekonstruiert, sie wurde zunächst von Wikingern, später in viktorianischer Zeit weiter zerstört.

In jeder Ecke der Hauptkamme steht ein großer, aufrechter Stein, eingerahmt von einem Erker aus kleinen Steinen. Diese stehenden Steine bestimmen zwar die Höhe der Grabkammer, haben aber keine tragende oder strukturierende Funktion.
Möglicherweise standen die Steine als erstes in der Anlage. Sie können den Elementen jedoch nicht sehr lange ausgesetzt gewesen sein, die Steine wirken neu und unverwittert. Vielleichte waren die Steine, die die Passage bilden, ursprünglich Stehende Steine, denn sie sind in der Größe mit den Stones of Stenness vergleichbar.

Maes Howe ist das einzige bekannte Grab vom Typ „Passage-Grab“ mit dem Einschluss Stehender Steine; die Idee dazu könnte von den früheren steinzeitlichen „Boxen- Gräber“ Unstan oder Midshowe stammen. Diese beinhalten eine Reihe paarweise angeordneter, aufrechter Steine, die stufenweise in den Körper der Grabkammer eingeschlossen waren

Archäologen glauben, daß Maes Howe für Bestattungen genutzt wurde, aber das ist nicht gesichert. Das Grab wurde so oft gestört und zerstört in der Vergangenheit und die Öffnung im 19. Jahrhundert erfolgte nicht-wissenschaftlich. Die einzigen beschriebenen Funde waren Fragmente menschlicher Schädel und einige Pferdeknochen.
Der Rückschluss, daß auch Maes Howe vermutlich ein Grab gewesen war, ergab sich aus dem Vergleich mit vergleichbaren Grabstätten. In Quaterness z.B. wurden die Überreste von 157 Individuen aller Alterstufen gefunden und Hinweise darauf, daß es bis zu 400 Individuen enthielt.

Fortsetzung folgt...

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