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		<title><![CDATA[Forum für Geschichte - Belletristik]]></title>
		<link>http://www.forum-geschichte.at/Forum/</link>
		<description><![CDATA[Forum für Geschichte - http://www.forum-geschichte.at/Forum]]></description>
		<pubDate>Wed, 23 Sep 2026 00:17:06 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[Troubadour: Die Löwenherz-Verschwörung (Christoph Görg)]]></title>
			<link>http://www.forum-geschichte.at/Forum/showthread.php?tid=9707</link>
			<pubDate>Sun, 25 Aug 2019 10:20:13 +0000</pubDate>
			<guid isPermaLink="false">http://www.forum-geschichte.at/Forum/showthread.php?tid=9707</guid>
			<description><![CDATA[<span style="text-decoration: underline;">Zusammenfassung meiner persönlichen Eindrücke für die, welche es eilig haben und nicht gerne lange Buchbesprechungen lesen wollen:<br />
</span><br />
Buchvorstellung eines noch relativ neuen "historischen Romans" (mit Krimi) …<br />
... als Lesefutter eher wenig geeignet für solche, die durch die Lektüre "historischer" Romane ausschließlich Geschichtskenntnisse (Marke: so wahr es und nicht anders) erwerben oder verbessern wollen (oder wenigstens diese Illusion wünschen)<br />
… auch ungeeignet für eine Leserschaft, die nur das "wahre" Deutsch lesen kann (oder will) und daher mit "fremden" Sprachen Probleme hat. (Das Buch ist zwar gut leserlich und ohne das, was gewöhnlich als Dialekte bezeichnet wird, aber in "Österreichisch" geschrieben.)<br />
<br />
Vermutlich das Richtige aber für Wachau-Fans, Austropop-Fans und solche, die sich einfach nur unterhalten wollen.<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;">Christoph Görg: <span style="text-decoration: underline;">Troubadour: Die Löwenherz-Verschwörung<br />
</span></span>, erschienen im Goldegg Verlag im Jahr  2017,  <br />
ISBN 978-399-0600-498<br />
<br />
Informationen zu Buch und Autor finden sich auf <a href="https://www.amazon.de/Troubadour-Die-Löwenherz-Verschwörung-Christoph-Görg/dp/3990600494/ref=sr_1_1?keywords=Christoph+G%C3%B6rg&amp;qid=1566725977&amp;s=gateway&amp;sr=8-1" target="_blank">Amazon</a><br />
 <br />
<span style="text-decoration: underline;">Meine persönliche Meinung:</span><br />
Niki Wolf fällt in Dürnstein über eine Mauer und landet im Mittelalter und zwar im Jahr 1192. Dort wird er, der ein Austropop-Fan ist, für einen Troubadour gehalten. Nachdem König Richard Löwenherz, der selbst Troubadour ist, von "Es lebe der Zentralfriedhof" ganz begeistert ist, sind auch die anderen überzeugt, dass er ein Troubadour ist. Daneben muss sich Niki mit Gedächtnisverlust, Liebesgeschichten (darunter seiner eigenen) und einen Kriminalfall   und anderen Sachen herumschlagen. <br />
<br />
Im fernen England ist man inzwischen nicht untätig. Königin Alienor will ihren Richard unbedingt befreien und sieht sich unter Zeitdruck, da sie überzeugt davon ist, dass seine Befreiung nur eine Chance hat, solange er sich noch in der Gewalt werden kann, solange er noch in Gewalt der "gemütlichen" Österreicher befindet und noch nicht an die "gründlichen" Deutschen ausgeliefert wurde. Der liebe Bruder, Prinz John, hat da jedoch ganz andere Pläne, statt einer Befreiung soll Richard gar nicht mehr von dort wegkommen, die Chancen für einen Mord sind zudem günstig, da er einen Verbündeten vor Ort hat, dessen Identität allerdings erst relativ spät enthüllt wird. Nachdem der erste Mordanschlag schief gegangen ist, gilt es weitere Mordanschläge zu verhindern und den Täter zu finden, aber nicht nur.<br />
<br />
Die Geschichte punktet mit einer originellen Grundidee, viel schrägen Humor und einer gewissen Skurrilität. Dazu kommen noch einige nette Figuren wie zum Beispiel der fesche und humorvolle Raubritter Joachim (den Niki gerne als Täter entlarven würde) oder das böse und miese Burgherrensöhnchen Hadmar, das aber etwas Hilfe in Liebesdingen gebrauchen kann. Auch Niki kann dabei noch einiges lernen. <br />
<br />
Das das Buch ist außerdem eine Liebeserklärung an den Austropop des 20. Jahrhunderts, und Görgs Beschreibung der mittelalterliche Wachau, in der auch einige Sagenelemente auftauchen, weiterer Pluspunkt.<br />
<br />
Mit der Idee, Niki unter Gedächtnisverlust leiden zu lassen, erst allmählich kehren seine Erinnerungen zurück, bietet Görg eine halbwegs plausible Motivierung dafür, dass sich der Protagonist erstaunlich problemlos in den mittelalterlichen Alltag einfügen kann. Görg zeichnet zudem ein Mittelalter, das trotz gewisser Schattenseiten (Kreuzzug, Wasserfolter) und typischer Kriminalroman-Elemente im Vergleich zu anderen historischen Büchern weniger düster wirkt. Die Kriminalgeschichte ist als Whodunit durchaus glaubwürdig aufgebaut, die Täterfigur gut platziert und ihr Motiv zwar nicht unbedingt mittelalterspezifisch, aber nachvollziehbar und glaubwürdig.<br />
<br />
Problematisch war für mich allerdings die Rahmenhandlung, dass Niki seine Abenteuer in der mittelalterlichen Wachau erlebt, während er als Folge seines Sturzes im Koma  im Krankenhaus in Krems liegt. Diese zusätzliche Idee mit dem Koma hätte ich persönlich nicht gebraucht. <br />
<br />
Ansonsten hat mir das Buch sehr gut gefallen, allerdings ist es eines jener Bücher, auf die sich die Leserin oder der Leser auch einlassen muss. Das Buch dürfte jedenfalls eine ideale Lektüre für Leserinnen und Leser sein, die für ein etwas anderes Mittelalter aufgeschlossen sind oder gerne in der Wachau Urlaub machen, Künstler wie Georg Danzer, Reinhard Fendrich etc. schätzen, schräge Figuren und den typischen österreichischen Humor mögen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="text-decoration: underline;">Zusammenfassung meiner persönlichen Eindrücke für die, welche es eilig haben und nicht gerne lange Buchbesprechungen lesen wollen:<br />
</span><br />
Buchvorstellung eines noch relativ neuen "historischen Romans" (mit Krimi) …<br />
... als Lesefutter eher wenig geeignet für solche, die durch die Lektüre "historischer" Romane ausschließlich Geschichtskenntnisse (Marke: so wahr es und nicht anders) erwerben oder verbessern wollen (oder wenigstens diese Illusion wünschen)<br />
… auch ungeeignet für eine Leserschaft, die nur das "wahre" Deutsch lesen kann (oder will) und daher mit "fremden" Sprachen Probleme hat. (Das Buch ist zwar gut leserlich und ohne das, was gewöhnlich als Dialekte bezeichnet wird, aber in "Österreichisch" geschrieben.)<br />
<br />
Vermutlich das Richtige aber für Wachau-Fans, Austropop-Fans und solche, die sich einfach nur unterhalten wollen.<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;">Christoph Görg: <span style="text-decoration: underline;">Troubadour: Die Löwenherz-Verschwörung<br />
</span></span>, erschienen im Goldegg Verlag im Jahr  2017,  <br />
ISBN 978-399-0600-498<br />
<br />
Informationen zu Buch und Autor finden sich auf <a href="https://www.amazon.de/Troubadour-Die-Löwenherz-Verschwörung-Christoph-Görg/dp/3990600494/ref=sr_1_1?keywords=Christoph+G%C3%B6rg&amp;qid=1566725977&amp;s=gateway&amp;sr=8-1" target="_blank">Amazon</a><br />
 <br />
<span style="text-decoration: underline;">Meine persönliche Meinung:</span><br />
Niki Wolf fällt in Dürnstein über eine Mauer und landet im Mittelalter und zwar im Jahr 1192. Dort wird er, der ein Austropop-Fan ist, für einen Troubadour gehalten. Nachdem König Richard Löwenherz, der selbst Troubadour ist, von "Es lebe der Zentralfriedhof" ganz begeistert ist, sind auch die anderen überzeugt, dass er ein Troubadour ist. Daneben muss sich Niki mit Gedächtnisverlust, Liebesgeschichten (darunter seiner eigenen) und einen Kriminalfall   und anderen Sachen herumschlagen. <br />
<br />
Im fernen England ist man inzwischen nicht untätig. Königin Alienor will ihren Richard unbedingt befreien und sieht sich unter Zeitdruck, da sie überzeugt davon ist, dass seine Befreiung nur eine Chance hat, solange er sich noch in der Gewalt werden kann, solange er noch in Gewalt der "gemütlichen" Österreicher befindet und noch nicht an die "gründlichen" Deutschen ausgeliefert wurde. Der liebe Bruder, Prinz John, hat da jedoch ganz andere Pläne, statt einer Befreiung soll Richard gar nicht mehr von dort wegkommen, die Chancen für einen Mord sind zudem günstig, da er einen Verbündeten vor Ort hat, dessen Identität allerdings erst relativ spät enthüllt wird. Nachdem der erste Mordanschlag schief gegangen ist, gilt es weitere Mordanschläge zu verhindern und den Täter zu finden, aber nicht nur.<br />
<br />
Die Geschichte punktet mit einer originellen Grundidee, viel schrägen Humor und einer gewissen Skurrilität. Dazu kommen noch einige nette Figuren wie zum Beispiel der fesche und humorvolle Raubritter Joachim (den Niki gerne als Täter entlarven würde) oder das böse und miese Burgherrensöhnchen Hadmar, das aber etwas Hilfe in Liebesdingen gebrauchen kann. Auch Niki kann dabei noch einiges lernen. <br />
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Das das Buch ist außerdem eine Liebeserklärung an den Austropop des 20. Jahrhunderts, und Görgs Beschreibung der mittelalterliche Wachau, in der auch einige Sagenelemente auftauchen, weiterer Pluspunkt.<br />
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Mit der Idee, Niki unter Gedächtnisverlust leiden zu lassen, erst allmählich kehren seine Erinnerungen zurück, bietet Görg eine halbwegs plausible Motivierung dafür, dass sich der Protagonist erstaunlich problemlos in den mittelalterlichen Alltag einfügen kann. Görg zeichnet zudem ein Mittelalter, das trotz gewisser Schattenseiten (Kreuzzug, Wasserfolter) und typischer Kriminalroman-Elemente im Vergleich zu anderen historischen Büchern weniger düster wirkt. Die Kriminalgeschichte ist als Whodunit durchaus glaubwürdig aufgebaut, die Täterfigur gut platziert und ihr Motiv zwar nicht unbedingt mittelalterspezifisch, aber nachvollziehbar und glaubwürdig.<br />
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Problematisch war für mich allerdings die Rahmenhandlung, dass Niki seine Abenteuer in der mittelalterlichen Wachau erlebt, während er als Folge seines Sturzes im Koma  im Krankenhaus in Krems liegt. Diese zusätzliche Idee mit dem Koma hätte ich persönlich nicht gebraucht. <br />
<br />
Ansonsten hat mir das Buch sehr gut gefallen, allerdings ist es eines jener Bücher, auf die sich die Leserin oder der Leser auch einlassen muss. Das Buch dürfte jedenfalls eine ideale Lektüre für Leserinnen und Leser sein, die für ein etwas anderes Mittelalter aufgeschlossen sind oder gerne in der Wachau Urlaub machen, Künstler wie Georg Danzer, Reinhard Fendrich etc. schätzen, schräge Figuren und den typischen österreichischen Humor mögen.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Die Kronenwächter (von Achim von Arnim)]]></title>
			<link>http://www.forum-geschichte.at/Forum/showthread.php?tid=7132</link>
			<pubDate>Sat, 21 May 2016 12:47:07 +0000</pubDate>
			<guid isPermaLink="false">http://www.forum-geschichte.at/Forum/showthread.php?tid=7132</guid>
			<description><![CDATA[<span style="text-decoration: underline;"><span style="font-weight: bold;">Die Kronenwächter</span></span><br />
(Der erste Teil wurde 1817 publiziert.)<br />
<br />
<span style="text-decoration: underline;">Zum Inhalt: </span><br />
<span style="font-style: italic;">In Südwestdeutschland (vor allem in der Stadt Waiblingen), um 1500: Die titelgebenden Kronenwächter, ein von Legenden umwobener Geheimbund, residiert auf einer verzauberten Burg inmitten des Bodensees und bewacht dort die Kaiserkrone. Diese soll dort so lange bewahrt werden, bis ein von Gott begnadeter Herrscher alle Deutschen zu einem gemeinsamen Leben vereinigt hat. Doch Berthold, ein fiktiver Abkömmling der Hohenstaufer, ist dieser (eher fragwürdigen) Aufgabe keineswegs gewachsen ...</span><br />
<br />
Die bei Wikipedia angeführte Kurzinhaltsangabe: <span style="font-style: italic;">Berthold und Anton erweisen sich als unfähige und unwürdige Nachfahren der Staufer</span>, ist nach der Buchhandlung keineswegs für mich nachvollziehbar. Zwar sind beide eindeutig als Antihelden konzipiert (die Figur des Bertold gilt sogar manchen als der erste "Antiheld" der deutschsprachigen Literatur), aber das ganze Staufer-Erbe und die Reichsidee wirkt im Roman selbst recht fragwürdig und auch die titelgebenden "Kronenwächter", die sich als Hüter dieses Erbes verstehen, geben (selbst bei Rücksicht auf die Entstehungszeit des Buches) einen recht zweifelhaften Geheimbund ab.<br />
<br />
<span style="text-decoration: underline;">Zum Autor:</span><br />
<span style="font-style: italic;">(Carl Joachim Friedrich Ludwig) Achim von Arnim (26. Jan. 1781, Berlin - 21. Jan. 1831, Wiepersdorf, Kreis Jüterbog) gehört zu jenen Autoren aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts, die heute völlig vergessen sind. Uns, den heutigen Lesern/innen dürfte er höchstens durch den Roman "Das Erlkönig-Komplott" ein Begriff sein, wo ihm der Autor Robert Löhr als Verlobter seiner späteren Ehefrau Bettina Brentano immerhin eine Nebenrolle zu gesteht.<br />
<br />
In der Literaturgeschichte gilt er neben seinem Schwager Clemens Brentano und Joseph von Eichendorff als wichtigster Vertreter der Heidelberger Romantik, außerdem als einer der bedeutendsten Vertretern der deutschen Romantik. Er hinterließ eine Fülle von Dramen, Novellen, Erzählungen, Romanen, Gedichten und journalistischen Arbeiten. </span><br />
<br />
<span style="text-decoration: underline;">Weitere Informationen zum Buch:</span><br />
Achim von Arnim schrieb mehrere Romane ("Isabella von Ägypten") und Erzählungen ("Das Gelübde", "Melück Maria Blainville"), die zum Genre des historischen Romans gezählt werden, obwohl auch andere Einstufungen möglich sind. <br />
<br />
Einige seiner Werke wie z. B. seine "Päpstin Johanna" und auch "Die Kronenwächter" sind unvollendet geblieben. Teile seiner Fragmente, aber auch von publizierten Werken hat er auch in seinem "Zeitroman" "Armut, Reichtum und Schuld und Sühne der Gräfin Dolores" übernommen.<br />
<br />
"Die Kronenwächter" waren ursprünglich als vierteiliger Romanzyklus geplant. Arnim selbst konnte aber nur mehr den ersten Teil beenden, auf den sich auch diese Rezension bezieht.<br />
<br />
Dieser erste Teil wirkt trotz eines offenen Endes in sich abgeschlossen. <br />
(Allerdings soll es eine Version von Teil 2 geben, die seine Witwe Bettina von Arnim publiziert (und bearbeitet) wurde.<br />
<br />
<span style="text-decoration: underline;">Ein mögliches Problem beim Lesen des Buches</span>:<br />
Stilistisch ist der Roman (für uns heute) gewöhnungsbedürftig. (Was nicht mit den Fähigkeiten des Autors zusammenhängt, sondern mit der Entstehungszeit. Die Autoren/innen der Deutschen Romantik bevorzugten offene Formen und genreübergreifende Formen und waren zudem recht experimentiertfreudig.) So sind z. B. regelmäßig längere Gedichte eingebaut, die den Handlungsfluss unterbrechen und das Lesen durchaus erschweren. <br />
<br />
Im Vergleich zu den meisten anderen Romanen des Autors ist die Handlung für seine Verhältnisse aber noch relativ stringent, und "Die Kronenwächter" gehören zu seinen "leichteren"  Büchern, was das Lesen betrifft. <br />
<br />
<span style="text-decoration: underline;">Überlegungen zur Historizität des Romans:</span><br />
Gewöhnlich werden "Die Kronenwächter" als historischer Roman gesehen. Das macht insofern Sinn, als die Handlung um und nach 1500 spielt, sozusagen am Ende des Spätmittelslalters, und somit in einer Zeit, die Anfang des 19. Jahrhunderts bereits Vergangenheit war. Das Mittelalter (vor allem das Hochmittelalter unter den Herrschern aus der Dynastie der Staufer, vorallem unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa) wurde im 19. Jahrhundert zur deutschen "Heldenzeit", eine Entwicklung, die durch die Errichtung des Deuschen Reiches der Könige von Preußen eine besondere Steigerung erfuhr. Dagegen wurde das Spätmittelalter und die (frühe) Neuzeit als Zeit des Niedergangs gesehen.<br />
<br />
Dies ist in den "Kronenwächtern" insofern der Fall, als die "glorreiche" Staufer-Vergangenheit längst Geschichte ist  und der Versuch, einer Widererstehung dieser Vergangenheit bei Arnim als etwas dargestellt ist, dessen Verwirklichung eher unwahrscheinlich ist. Allerdings handelt es sich weniger um eine Geschichte von Nachfahren einer "glorreichen" Dynastie, die an dieser ererbten Bürde tragisch scheitern, sondern es geht um Menschen, die vermutlich ohne dieses fragwürdige Erbe es besser gehabt hätten. Immer wieder wird die Handlung durch übernatürliche Elemente gebrochen, bei vielen Szenen ist ein ironischer Unterton nicht zu übersehen. (Allerdings habe ich den Eindruck, dass die Literaturwissenschaft gerade mit der ironischen Facette des Romans nichts anfangen kann und von dieser ziemlich verstört ist.)<br />
<br />
Mit dem historischen Fakten nimmt es Arnim nicht so genau, wobei ich den Eindruck habe, dass dies keineswegs nur dem damaligen historischen Wissensstand anzulasten ist, sondern vom Autor beabsichtigt war. <br />
<br />
Manches kommt mir allerdings recht gegenwärtig vor, da gibt es eben z. B. den Geheimbund, der eine geheime Mission verfolgt und die, welche ihm dabei in die Quere kommen, gleich umbringt. Allerdings erscheinen diese "gegenwärtigen" Elemente zum Teil gebrochen oder werden auf die Schippe genommen.<br />
<br />
<span style="text-decoration: underline;">Persönliche Meinung, sozusagen Fazit:</span><br />
Trotz der von mir zuvor beschriebenen Einschränkungen, aus heutiger Sicht wohl auch "Mängel", hat mir dieser den "historische" Roman aus der "Frühzeit" dieses Genre wesentlich besser gefallen als das Meiste, was heute am Buchmarkt unter dem Etikett "historischer / Historischer Roman" zu finden ist. <br />
<br />
---------------------------<br />
<br />
Die urheberrechtsfreie Kindle-Ausgabe von Teil 1, die es zurzeit bei Amazon gibt, ist jedenfalls (trotz einiger Tippfehler) eine gute Gelegenheit, um das Buch kennenzulernen.<br />
<br />
------------------------------<br />
<br />
Interessante Buchbesprechungen:<br />
<br />
Hartmut Ernst unter: <a href="http://www.lyrikwelt.de/rezensionen/diekronenwaechter-r.htm" target="_blank">http://www.lyrikwelt.de/rezensionen/diek...hter-r.htm</a>, sehr gute Einführung<br />
<br />
Christa Karpenstein-Eßbach unter: <a href="http://edoc.hu-berlin.de/hostings/athenaeum/documents/athenaeum/1995-5/karpenstein-essbach-christa-101/PDF/karpenstein-essbach.pdf" target="_blank">http://edoc.hu-berlin.de/hostings/athena...ssbach.pdf</a> ACHTUNG: SPOILER, dieser wissenschaftliche Essay setzt voraus, dass das Buch bereits gelesen wurde.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="text-decoration: underline;"><span style="font-weight: bold;">Die Kronenwächter</span></span><br />
(Der erste Teil wurde 1817 publiziert.)<br />
<br />
<span style="text-decoration: underline;">Zum Inhalt: </span><br />
<span style="font-style: italic;">In Südwestdeutschland (vor allem in der Stadt Waiblingen), um 1500: Die titelgebenden Kronenwächter, ein von Legenden umwobener Geheimbund, residiert auf einer verzauberten Burg inmitten des Bodensees und bewacht dort die Kaiserkrone. Diese soll dort so lange bewahrt werden, bis ein von Gott begnadeter Herrscher alle Deutschen zu einem gemeinsamen Leben vereinigt hat. Doch Berthold, ein fiktiver Abkömmling der Hohenstaufer, ist dieser (eher fragwürdigen) Aufgabe keineswegs gewachsen ...</span><br />
<br />
Die bei Wikipedia angeführte Kurzinhaltsangabe: <span style="font-style: italic;">Berthold und Anton erweisen sich als unfähige und unwürdige Nachfahren der Staufer</span>, ist nach der Buchhandlung keineswegs für mich nachvollziehbar. Zwar sind beide eindeutig als Antihelden konzipiert (die Figur des Bertold gilt sogar manchen als der erste "Antiheld" der deutschsprachigen Literatur), aber das ganze Staufer-Erbe und die Reichsidee wirkt im Roman selbst recht fragwürdig und auch die titelgebenden "Kronenwächter", die sich als Hüter dieses Erbes verstehen, geben (selbst bei Rücksicht auf die Entstehungszeit des Buches) einen recht zweifelhaften Geheimbund ab.<br />
<br />
<span style="text-decoration: underline;">Zum Autor:</span><br />
<span style="font-style: italic;">(Carl Joachim Friedrich Ludwig) Achim von Arnim (26. Jan. 1781, Berlin - 21. Jan. 1831, Wiepersdorf, Kreis Jüterbog) gehört zu jenen Autoren aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts, die heute völlig vergessen sind. Uns, den heutigen Lesern/innen dürfte er höchstens durch den Roman "Das Erlkönig-Komplott" ein Begriff sein, wo ihm der Autor Robert Löhr als Verlobter seiner späteren Ehefrau Bettina Brentano immerhin eine Nebenrolle zu gesteht.<br />
<br />
In der Literaturgeschichte gilt er neben seinem Schwager Clemens Brentano und Joseph von Eichendorff als wichtigster Vertreter der Heidelberger Romantik, außerdem als einer der bedeutendsten Vertretern der deutschen Romantik. Er hinterließ eine Fülle von Dramen, Novellen, Erzählungen, Romanen, Gedichten und journalistischen Arbeiten. </span><br />
<br />
<span style="text-decoration: underline;">Weitere Informationen zum Buch:</span><br />
Achim von Arnim schrieb mehrere Romane ("Isabella von Ägypten") und Erzählungen ("Das Gelübde", "Melück Maria Blainville"), die zum Genre des historischen Romans gezählt werden, obwohl auch andere Einstufungen möglich sind. <br />
<br />
Einige seiner Werke wie z. B. seine "Päpstin Johanna" und auch "Die Kronenwächter" sind unvollendet geblieben. Teile seiner Fragmente, aber auch von publizierten Werken hat er auch in seinem "Zeitroman" "Armut, Reichtum und Schuld und Sühne der Gräfin Dolores" übernommen.<br />
<br />
"Die Kronenwächter" waren ursprünglich als vierteiliger Romanzyklus geplant. Arnim selbst konnte aber nur mehr den ersten Teil beenden, auf den sich auch diese Rezension bezieht.<br />
<br />
Dieser erste Teil wirkt trotz eines offenen Endes in sich abgeschlossen. <br />
(Allerdings soll es eine Version von Teil 2 geben, die seine Witwe Bettina von Arnim publiziert (und bearbeitet) wurde.<br />
<br />
<span style="text-decoration: underline;">Ein mögliches Problem beim Lesen des Buches</span>:<br />
Stilistisch ist der Roman (für uns heute) gewöhnungsbedürftig. (Was nicht mit den Fähigkeiten des Autors zusammenhängt, sondern mit der Entstehungszeit. Die Autoren/innen der Deutschen Romantik bevorzugten offene Formen und genreübergreifende Formen und waren zudem recht experimentiertfreudig.) So sind z. B. regelmäßig längere Gedichte eingebaut, die den Handlungsfluss unterbrechen und das Lesen durchaus erschweren. <br />
<br />
Im Vergleich zu den meisten anderen Romanen des Autors ist die Handlung für seine Verhältnisse aber noch relativ stringent, und "Die Kronenwächter" gehören zu seinen "leichteren"  Büchern, was das Lesen betrifft. <br />
<br />
<span style="text-decoration: underline;">Überlegungen zur Historizität des Romans:</span><br />
Gewöhnlich werden "Die Kronenwächter" als historischer Roman gesehen. Das macht insofern Sinn, als die Handlung um und nach 1500 spielt, sozusagen am Ende des Spätmittelslalters, und somit in einer Zeit, die Anfang des 19. Jahrhunderts bereits Vergangenheit war. Das Mittelalter (vor allem das Hochmittelalter unter den Herrschern aus der Dynastie der Staufer, vorallem unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa) wurde im 19. Jahrhundert zur deutschen "Heldenzeit", eine Entwicklung, die durch die Errichtung des Deuschen Reiches der Könige von Preußen eine besondere Steigerung erfuhr. Dagegen wurde das Spätmittelalter und die (frühe) Neuzeit als Zeit des Niedergangs gesehen.<br />
<br />
Dies ist in den "Kronenwächtern" insofern der Fall, als die "glorreiche" Staufer-Vergangenheit längst Geschichte ist  und der Versuch, einer Widererstehung dieser Vergangenheit bei Arnim als etwas dargestellt ist, dessen Verwirklichung eher unwahrscheinlich ist. Allerdings handelt es sich weniger um eine Geschichte von Nachfahren einer "glorreichen" Dynastie, die an dieser ererbten Bürde tragisch scheitern, sondern es geht um Menschen, die vermutlich ohne dieses fragwürdige Erbe es besser gehabt hätten. Immer wieder wird die Handlung durch übernatürliche Elemente gebrochen, bei vielen Szenen ist ein ironischer Unterton nicht zu übersehen. (Allerdings habe ich den Eindruck, dass die Literaturwissenschaft gerade mit der ironischen Facette des Romans nichts anfangen kann und von dieser ziemlich verstört ist.)<br />
<br />
Mit dem historischen Fakten nimmt es Arnim nicht so genau, wobei ich den Eindruck habe, dass dies keineswegs nur dem damaligen historischen Wissensstand anzulasten ist, sondern vom Autor beabsichtigt war. <br />
<br />
Manches kommt mir allerdings recht gegenwärtig vor, da gibt es eben z. B. den Geheimbund, der eine geheime Mission verfolgt und die, welche ihm dabei in die Quere kommen, gleich umbringt. Allerdings erscheinen diese "gegenwärtigen" Elemente zum Teil gebrochen oder werden auf die Schippe genommen.<br />
<br />
<span style="text-decoration: underline;">Persönliche Meinung, sozusagen Fazit:</span><br />
Trotz der von mir zuvor beschriebenen Einschränkungen, aus heutiger Sicht wohl auch "Mängel", hat mir dieser den "historische" Roman aus der "Frühzeit" dieses Genre wesentlich besser gefallen als das Meiste, was heute am Buchmarkt unter dem Etikett "historischer / Historischer Roman" zu finden ist. <br />
<br />
---------------------------<br />
<br />
Die urheberrechtsfreie Kindle-Ausgabe von Teil 1, die es zurzeit bei Amazon gibt, ist jedenfalls (trotz einiger Tippfehler) eine gute Gelegenheit, um das Buch kennenzulernen.<br />
<br />
------------------------------<br />
<br />
Interessante Buchbesprechungen:<br />
<br />
Hartmut Ernst unter: <a href="http://www.lyrikwelt.de/rezensionen/diekronenwaechter-r.htm" target="_blank">http://www.lyrikwelt.de/rezensionen/diek...hter-r.htm</a>, sehr gute Einführung<br />
<br />
Christa Karpenstein-Eßbach unter: <a href="http://edoc.hu-berlin.de/hostings/athenaeum/documents/athenaeum/1995-5/karpenstein-essbach-christa-101/PDF/karpenstein-essbach.pdf" target="_blank">http://edoc.hu-berlin.de/hostings/athena...ssbach.pdf</a> ACHTUNG: SPOILER, dieser wissenschaftliche Essay setzt voraus, dass das Buch bereits gelesen wurde.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Plautus im Nonnenkloster (von Conrad Ferdinand Meyer)]]></title>
			<link>http://www.forum-geschichte.at/Forum/showthread.php?tid=7124</link>
			<pubDate>Fri, 13 May 2016 18:23:59 +0000</pubDate>
			<guid isPermaLink="false">http://www.forum-geschichte.at/Forum/showthread.php?tid=7124</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;">Plautus im Nonnenkloster</span><br />
Novelle von 1882<br />
<br />
Zur Handlung:<br />
(siehe unten)<br />
<br />
Zum Autor:<br />
Conrad Ferdinand Meyer (11. Oktober 1825, Zürich - 28. November 1898, in Kilchberg bei Zürich) war ein Schriftsteller, der historische Novellen, Romane und Lyrik geschrieben hat. Literarhistorisch wird er dem "Poetischen Realismus" zugeordnet. Zusammen mit Gottfried Keller und Jeremias Gotthelf gilt er als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schweizer Dichtern des 19. Jahrhunderts.<br />
---------------------------------<br />
Überlegungen zu seiner Novelle "Plautus im Nonnenkloster":<br />
<br />
Historische Romane oder Romane, die historisch sein wollen, sind zurzeit große Mode, und das Konzil von Konstanz wird aus Anlass des 600jährigen Jubiläums zurzeit auch am Buchmarkt entsprechend mit Publikationen unterschiedlicher Qualität bedacht (oder auch vermarktet).<br />
<br />
Ein guter Anlass, sich wieder einmal mit einem heute wohl eher vergessenen Autor des 19. Jahrhunderts zu beschäftigen: Conrad Ferdinand Meyer, der mehrere historische Novellen hinterlassen hat. "Plautus im Nonnenkloster", erstmals publiziert 1882, spielt während des Konzils von Konstanz und gehört zu den wenigen heiteren Werken des Autors. (Allerdings handelt es sich um einen eher feinen und subtilen Humor.) Wie alle Novellen des Autors gibt es eine Rahmenhandlung, auf der jemand (hier die Hauptfigur Poggio selbst) die Geschehnisse der eigentlichen Handlung berichtet.<br />
<br />
Zum Inhalt: Im Herbst 1417 wird Poggio Bracciolini berichtet, dass in einem in der Nähe von Konstanz gelegenen Nonnenkloster ein Plautus-Codex aufbewahrt werde. Obwohl die Wahl des neuen Papstes unmittelbar bevorsteht, ist es für Poggio wichtiger den Plautus an sich zu bringen. Also bricht er zum Kloster auf, wobei er es auch mit den zweifelhaften Zuständen, die dort herrschen und einem unglücklichen Liebespaar zu tun bekommt.<br />
<br />
Poggio Bracciolini (1380 - 1459), der Protagonist und Erzähler dieser Novelle, hat tatsächlich gelebt. Er gilt als einer der wichtigsten Humanisten der italienischen Renaissance und einer ihrer Wegbereiter. Zu seinen Verdiensten gehört es, dass er einige der bedeutendsten Werke der Antike wiederentdeckte und der europäischen Geisteswelt erneut zugänglich machte, und dieser Aspekt ist auch in die Handlung der Novelle eingeflossen. Der historische Poggio hat sich tatsächlich auf dem Konzil von Konstanz aufgehalten und ist auch die Handlung der Novelle weitgehend Erfindung, so fällt sie doch in die Kategorie: wenn schon nicht tatsächlich, dann gut erfunden.<br />
<br />
Obwohl die Handlung selbst fiktiv ist und ich keineswegs behaupten würde, dass Meyers historische Figuren tatsächlich so gewesen sein müssen, wie er sie beschreibt,, habe ich den historischen Hintergrund bei ihm und seine (historischen und fiktiven) Figuren wesentlich authentischer gefunden im Vergleich zu fast allen historischen Romanen des 21. Jahrhunderts, die ich inzwischen gelesen habe. Die Novelle vermittelt eine gewisse "Normalität", die sehr erfrischend ist, vielleicht gerade, weil hier keine Geschehnisse von weltbewegender Bedeutung abgehandelt werden.<br />
<br />
Wie die meisten Werke der Weltliteratur, die bei Amazon gratis auf den Kindle geladen werden könnten, gibt es auch hier keine Extras wie z. B. ein Nachwort oder erklärende Fußnoten. Aber was spricht dagegen, diese Geschichte einfach auf sich wirken zu lassen und sich selbst dazu einige Gedanken zu machen?<br />
<br />
(Zudem es zum Konzil von Konstanz, zu Poggio Bracciolini und zu Conrad Ferdinand Meyer ohnehin eine Menge Sekundärliteratur gibt.)<br />
<br />
__________________]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;">Plautus im Nonnenkloster</span><br />
Novelle von 1882<br />
<br />
Zur Handlung:<br />
(siehe unten)<br />
<br />
Zum Autor:<br />
Conrad Ferdinand Meyer (11. Oktober 1825, Zürich - 28. November 1898, in Kilchberg bei Zürich) war ein Schriftsteller, der historische Novellen, Romane und Lyrik geschrieben hat. Literarhistorisch wird er dem "Poetischen Realismus" zugeordnet. Zusammen mit Gottfried Keller und Jeremias Gotthelf gilt er als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schweizer Dichtern des 19. Jahrhunderts.<br />
---------------------------------<br />
Überlegungen zu seiner Novelle "Plautus im Nonnenkloster":<br />
<br />
Historische Romane oder Romane, die historisch sein wollen, sind zurzeit große Mode, und das Konzil von Konstanz wird aus Anlass des 600jährigen Jubiläums zurzeit auch am Buchmarkt entsprechend mit Publikationen unterschiedlicher Qualität bedacht (oder auch vermarktet).<br />
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Ein guter Anlass, sich wieder einmal mit einem heute wohl eher vergessenen Autor des 19. Jahrhunderts zu beschäftigen: Conrad Ferdinand Meyer, der mehrere historische Novellen hinterlassen hat. "Plautus im Nonnenkloster", erstmals publiziert 1882, spielt während des Konzils von Konstanz und gehört zu den wenigen heiteren Werken des Autors. (Allerdings handelt es sich um einen eher feinen und subtilen Humor.) Wie alle Novellen des Autors gibt es eine Rahmenhandlung, auf der jemand (hier die Hauptfigur Poggio selbst) die Geschehnisse der eigentlichen Handlung berichtet.<br />
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Zum Inhalt: Im Herbst 1417 wird Poggio Bracciolini berichtet, dass in einem in der Nähe von Konstanz gelegenen Nonnenkloster ein Plautus-Codex aufbewahrt werde. Obwohl die Wahl des neuen Papstes unmittelbar bevorsteht, ist es für Poggio wichtiger den Plautus an sich zu bringen. Also bricht er zum Kloster auf, wobei er es auch mit den zweifelhaften Zuständen, die dort herrschen und einem unglücklichen Liebespaar zu tun bekommt.<br />
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Poggio Bracciolini (1380 - 1459), der Protagonist und Erzähler dieser Novelle, hat tatsächlich gelebt. Er gilt als einer der wichtigsten Humanisten der italienischen Renaissance und einer ihrer Wegbereiter. Zu seinen Verdiensten gehört es, dass er einige der bedeutendsten Werke der Antike wiederentdeckte und der europäischen Geisteswelt erneut zugänglich machte, und dieser Aspekt ist auch in die Handlung der Novelle eingeflossen. Der historische Poggio hat sich tatsächlich auf dem Konzil von Konstanz aufgehalten und ist auch die Handlung der Novelle weitgehend Erfindung, so fällt sie doch in die Kategorie: wenn schon nicht tatsächlich, dann gut erfunden.<br />
<br />
Obwohl die Handlung selbst fiktiv ist und ich keineswegs behaupten würde, dass Meyers historische Figuren tatsächlich so gewesen sein müssen, wie er sie beschreibt,, habe ich den historischen Hintergrund bei ihm und seine (historischen und fiktiven) Figuren wesentlich authentischer gefunden im Vergleich zu fast allen historischen Romanen des 21. Jahrhunderts, die ich inzwischen gelesen habe. Die Novelle vermittelt eine gewisse "Normalität", die sehr erfrischend ist, vielleicht gerade, weil hier keine Geschehnisse von weltbewegender Bedeutung abgehandelt werden.<br />
<br />
Wie die meisten Werke der Weltliteratur, die bei Amazon gratis auf den Kindle geladen werden könnten, gibt es auch hier keine Extras wie z. B. ein Nachwort oder erklärende Fußnoten. Aber was spricht dagegen, diese Geschichte einfach auf sich wirken zu lassen und sich selbst dazu einige Gedanken zu machen?<br />
<br />
(Zudem es zum Konzil von Konstanz, zu Poggio Bracciolini und zu Conrad Ferdinand Meyer ohnehin eine Menge Sekundärliteratur gibt.)<br />
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__________________]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Überlegungen zu Historischen Romanen (Schwerpunkt 21. Jahrhundert)]]></title>
			<link>http://www.forum-geschichte.at/Forum/showthread.php?tid=7039</link>
			<pubDate>Wed, 17 Feb 2016 22:29:41 +0000</pubDate>
			<guid isPermaLink="false">http://www.forum-geschichte.at/Forum/showthread.php?tid=7039</guid>
			<description><![CDATA[Was ist ein historischer Roman? <br />
<br />
Ein Blick auf den aktuellen Buchmarkt zeigt, dass unter dem historischen Roman eine ganze Menge vermarktet wird.<br />
<br />
Versuch, einer Klassifizierung:<br />
<br />
1.)<br />
- historische Romane, die vor historischer (oder angeblich historischer) Kulisse spielen, z. B. historische Abenteuerromane (z. B. Die Teufelsbibel-Trilogie von Richard Dübell), historische Kriminalromane (z. B. Bruder Cadfael-Serie von Ellis Peter, die Falco-Serie von Lindsay Davis oder die Buchserie um den Ermittler Gordianus), historische Liebesromane, erotische Romane (oft Romane, die in einem fernöstlichen Milieu oder in der Renaissance spielen), historische Familiensagas, was wohl für die meisten Romane zutrifft, die im 21. Jahrhundert als historische Romane etikettiert werden.<br />
<br />
2.)<br />
- Historische Romane, bei denen es tatsächlich um die Vermittlung von historischen Fakten geht. (Was nicht in jedem dieser Romane wirklich gelungen ist.), z. B. Romanbiographien über Personen, die tatsächlich gelebt haben oder gelebt haben dürften (z. B. "Die Herrin der Kathedrale" v. Nadja und Claudia Beinert über Uta von Naumburg, Romane über Elisabeth I., Alienor von Aquitanien, die Hl. Elisabeth etc.), Romane, die ein historisches Ereignis in den Mittelpunkt stellen (z. B. "Zorn des Himmels" von Richard Dübell über das Magdalenenhochwasser), oder bei denen der Schwerpunkt darauf liegt, dass eine bestimmte Zeit (z. B. "Der Name der Rose" von Umberto Eco) oder das Leben in einer bestimmten Region erzählt werden soll (z. B. "Colorado Saga", "Mazurka" und andere Romane von James A. Mitchener).<br />
<br />
Hinzu kommen noch Mischformen, z. B. Romane, in denen es neben dem Haupthandlungsstrang um eine historische Person noch weitere Handlungsstränge um fiktive Figuren gibt oder Romane, wo Autor/in mit den historischen Fakten spielt (was wäre wenn).<br />
<br />
Die (objektive) Abgrenzung zwischen den beiden Blöcken ist nicht immer einfach, da auch bei jenen historischen Romane, bei denen es um die Vermittlung von historischen Fakten geht, ein Weg zur Übermittlung gewählt werden muss, sodass eine richtige Geschichte und nicht einfach nur ein Sachbericht erzählt wird.<br />
<br />
Historische Fakten sind keineswegs immer so, dass sie sich von selbst zu einer flüssigen Geschichte verbinden, was dramaturgische Abweichungen bzw. Hinzufügungen notwendig macht. Gibt es kaum historisch belegte Fakten, hat Schriftsteller/in viel Freiraum, der gefüllt werden darf.<br />
<br />
Bei einer objektiven Beurteilung eines historischen Romans ist zu berücksichtigen, dass zwei Aspekte zu bewerten gibt. (Vorausgesetzt, es gibt überhaupt objektive Kriterien, das wäre auch zu diskutieren.)<br />
<br />
- Der historische Roman sollte jene Voraussetzungen erfüllen, die nun einmal jeden lesbaren Roman ausmachen: z. B. einen schlüssigen / glaubwürdigen Handlungsablauf, eine sinnfällige Verknüpfung der einzelnen Handlungsstränge, glaubwürdige Erzählperspektive/n, plausible Charaktere (wenigstens die Hauptfigur und wichtigen Nebenfiguren sollten nicht zu Pappemacheetypen verkommen und so etwas wie einen Charakter haben), sprachliche Gestaltung.<br />
<br />
- Bei einem historischen Roman kommt noch die Umsetzung der historischen Fakten hinzu. Ein gelungener historischer Roman ist gewöhnlich eine Auflösung von historischen Fakten in die Handlung. Die Fakten sind großteils vorgegeben, das engt die Möglichkeiten von Autor/in ein. Diese sollten nicht einfach nur schmückendes Beiwerk sein, sondern wenigstens zum Teil auch für die Handlung relevant. Abweichungen von historischen Fakten und fiktive Ergänzungen sind für mich persönlich keine "Kapitalverbrechen", aber sie sollten großteils aus der Handlung heraus begründet wirken. (Nicht gut finde ich, wenn der Eindruck entsteht, dass Autor/in die historischen Fakten nach Belieben oder Willkür verändert, da stellt sich für mich schon die Frage, warum er / sie dann unbedingt einen historischen Roman daraus machen musste.) Zudem sollten die historischen Figuren und der historische Hintergrund eine gewisse historische Authentizität haben. (Was natürlich nicht so einfach ist, wenn es unterschiedliche Sekundärliteratur, widersprüchliche Quellen, Lücken etc. gibt.)<br />
<br />
Um das zu erreichen, ist neben Einfühlungsvermögen und Schreibfertigkeit beim historischen Roman auch eine gute Recherche notwendig und dazu gehört z. B. Lektüre von qualitativer, tatsächlich quellenfundierter Sekundärliteratur, die oft nur über die Bibliothek zu kriegen ist, kritischer Umgang mit den Quellenwerken etc. <br />
<br />
Ein weiteres Problem ist, dass gerade die populärwissenschaftliche Sekundärliteratur, die im Handel zu finden ist, oft auf Quellen aus der Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts aufbaut und so eine ganze Menge zeitbedingte Fehleinschätzungen, ungenaue Verwendung von Quellen, manchmal leider auch Quark und Ähnliches beinhaltet, was längst von der "seriösen" Forschung widerlegt ist.<br />
<br />
Ein weiteres Problem ist außerdem, dass die Historiker/innen in den letzten Jahren immer wieder Neues entdeckt haben. Was also vor 5 oder 10 Jahren noch als historisch stimmig galt, kann heute schon längst überholt sein, und auch Autor/innen können nicht dauernd beim Schreiben, ihr Konzept ändern, um diese neuen Recherche-Ergebnisse auch noch zu berücksichtigt. <br />
<br />
Insgesamt also ist es gar nicht einfach, einen historischen Roman fair zu beurteilen. Aber einfach nur zu schreiben, ob mir der historische Roman von X. gefallen hat oder nicht, dürfte nicht gerade hilfreich für andere sein, die meine Rezension dazu lesen.<img src="images/smilies/tongue.gif" style="vertical-align: middle;" border="0" alt="Tongue" title="Tongue" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Was ist ein historischer Roman? <br />
<br />
Ein Blick auf den aktuellen Buchmarkt zeigt, dass unter dem historischen Roman eine ganze Menge vermarktet wird.<br />
<br />
Versuch, einer Klassifizierung:<br />
<br />
1.)<br />
- historische Romane, die vor historischer (oder angeblich historischer) Kulisse spielen, z. B. historische Abenteuerromane (z. B. Die Teufelsbibel-Trilogie von Richard Dübell), historische Kriminalromane (z. B. Bruder Cadfael-Serie von Ellis Peter, die Falco-Serie von Lindsay Davis oder die Buchserie um den Ermittler Gordianus), historische Liebesromane, erotische Romane (oft Romane, die in einem fernöstlichen Milieu oder in der Renaissance spielen), historische Familiensagas, was wohl für die meisten Romane zutrifft, die im 21. Jahrhundert als historische Romane etikettiert werden.<br />
<br />
2.)<br />
- Historische Romane, bei denen es tatsächlich um die Vermittlung von historischen Fakten geht. (Was nicht in jedem dieser Romane wirklich gelungen ist.), z. B. Romanbiographien über Personen, die tatsächlich gelebt haben oder gelebt haben dürften (z. B. "Die Herrin der Kathedrale" v. Nadja und Claudia Beinert über Uta von Naumburg, Romane über Elisabeth I., Alienor von Aquitanien, die Hl. Elisabeth etc.), Romane, die ein historisches Ereignis in den Mittelpunkt stellen (z. B. "Zorn des Himmels" von Richard Dübell über das Magdalenenhochwasser), oder bei denen der Schwerpunkt darauf liegt, dass eine bestimmte Zeit (z. B. "Der Name der Rose" von Umberto Eco) oder das Leben in einer bestimmten Region erzählt werden soll (z. B. "Colorado Saga", "Mazurka" und andere Romane von James A. Mitchener).<br />
<br />
Hinzu kommen noch Mischformen, z. B. Romane, in denen es neben dem Haupthandlungsstrang um eine historische Person noch weitere Handlungsstränge um fiktive Figuren gibt oder Romane, wo Autor/in mit den historischen Fakten spielt (was wäre wenn).<br />
<br />
Die (objektive) Abgrenzung zwischen den beiden Blöcken ist nicht immer einfach, da auch bei jenen historischen Romane, bei denen es um die Vermittlung von historischen Fakten geht, ein Weg zur Übermittlung gewählt werden muss, sodass eine richtige Geschichte und nicht einfach nur ein Sachbericht erzählt wird.<br />
<br />
Historische Fakten sind keineswegs immer so, dass sie sich von selbst zu einer flüssigen Geschichte verbinden, was dramaturgische Abweichungen bzw. Hinzufügungen notwendig macht. Gibt es kaum historisch belegte Fakten, hat Schriftsteller/in viel Freiraum, der gefüllt werden darf.<br />
<br />
Bei einer objektiven Beurteilung eines historischen Romans ist zu berücksichtigen, dass zwei Aspekte zu bewerten gibt. (Vorausgesetzt, es gibt überhaupt objektive Kriterien, das wäre auch zu diskutieren.)<br />
<br />
- Der historische Roman sollte jene Voraussetzungen erfüllen, die nun einmal jeden lesbaren Roman ausmachen: z. B. einen schlüssigen / glaubwürdigen Handlungsablauf, eine sinnfällige Verknüpfung der einzelnen Handlungsstränge, glaubwürdige Erzählperspektive/n, plausible Charaktere (wenigstens die Hauptfigur und wichtigen Nebenfiguren sollten nicht zu Pappemacheetypen verkommen und so etwas wie einen Charakter haben), sprachliche Gestaltung.<br />
<br />
- Bei einem historischen Roman kommt noch die Umsetzung der historischen Fakten hinzu. Ein gelungener historischer Roman ist gewöhnlich eine Auflösung von historischen Fakten in die Handlung. Die Fakten sind großteils vorgegeben, das engt die Möglichkeiten von Autor/in ein. Diese sollten nicht einfach nur schmückendes Beiwerk sein, sondern wenigstens zum Teil auch für die Handlung relevant. Abweichungen von historischen Fakten und fiktive Ergänzungen sind für mich persönlich keine "Kapitalverbrechen", aber sie sollten großteils aus der Handlung heraus begründet wirken. (Nicht gut finde ich, wenn der Eindruck entsteht, dass Autor/in die historischen Fakten nach Belieben oder Willkür verändert, da stellt sich für mich schon die Frage, warum er / sie dann unbedingt einen historischen Roman daraus machen musste.) Zudem sollten die historischen Figuren und der historische Hintergrund eine gewisse historische Authentizität haben. (Was natürlich nicht so einfach ist, wenn es unterschiedliche Sekundärliteratur, widersprüchliche Quellen, Lücken etc. gibt.)<br />
<br />
Um das zu erreichen, ist neben Einfühlungsvermögen und Schreibfertigkeit beim historischen Roman auch eine gute Recherche notwendig und dazu gehört z. B. Lektüre von qualitativer, tatsächlich quellenfundierter Sekundärliteratur, die oft nur über die Bibliothek zu kriegen ist, kritischer Umgang mit den Quellenwerken etc. <br />
<br />
Ein weiteres Problem ist, dass gerade die populärwissenschaftliche Sekundärliteratur, die im Handel zu finden ist, oft auf Quellen aus der Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts aufbaut und so eine ganze Menge zeitbedingte Fehleinschätzungen, ungenaue Verwendung von Quellen, manchmal leider auch Quark und Ähnliches beinhaltet, was längst von der "seriösen" Forschung widerlegt ist.<br />
<br />
Ein weiteres Problem ist außerdem, dass die Historiker/innen in den letzten Jahren immer wieder Neues entdeckt haben. Was also vor 5 oder 10 Jahren noch als historisch stimmig galt, kann heute schon längst überholt sein, und auch Autor/innen können nicht dauernd beim Schreiben, ihr Konzept ändern, um diese neuen Recherche-Ergebnisse auch noch zu berücksichtigt. <br />
<br />
Insgesamt also ist es gar nicht einfach, einen historischen Roman fair zu beurteilen. Aber einfach nur zu schreiben, ob mir der historische Roman von X. gefallen hat oder nicht, dürfte nicht gerade hilfreich für andere sein, die meine Rezension dazu lesen.<img src="images/smilies/tongue.gif" style="vertical-align: middle;" border="0" alt="Tongue" title="Tongue" />]]></content:encoded>
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			<title><![CDATA[Wölfe / Falken (von Hilary Mantel) - Historische Literatur?]]></title>
			<link>http://www.forum-geschichte.at/Forum/showthread.php?tid=7038</link>
			<pubDate>Wed, 17 Feb 2016 22:18:50 +0000</pubDate>
			<guid isPermaLink="false">http://www.forum-geschichte.at/Forum/showthread.php?tid=7038</guid>
			<description><![CDATA[Nachdem erst kürzlich auf Arte die BBC-Serie "Wölfe" / "Wolfs Hall" in einer deutschen Synchronisation gebracht wurde, ist es vielleicht interessant auch wieder einmal die beiden Romane zu diskutieren, auf denen die Serie basiert: "Wölfe" / "Falken" (von Hilary Mantel).<br />
<br />
Mit Blick auf das, was gewöhnlich auf dem deutschsprachigen Buchmarkt als historischer Roman vermarktet wird, halte ich die beiden Romanen für Ausnahmebücher, das gilt sowohl für den Zugang, mit dem hier  Geschichte erzählt wird, als auch die sprachliche Gestaltung.<br />
<br />
Beide Romane sind Übersetzungen aus dem Englischen, und es stellt sich für mich daher auch die Frage, ob sie als Bücher eines/r deutschsprachigen Autor/in überhaupt auf dem deutschsprachigen Buchmarkt über einen bekannten Verlag geschafft hätten.<br />
<br />
Für das Lesen von "Wölfe" habe ich für meine Verhältnisse recht lange gebraucht, fast mehr als 2 Monate. Wenn das bei mir der Fall ist, gibt es gewöhnlich drei Gründe: <br />
- ich habe beruflich so viel zu tun und kommen nicht zum Leben,<br />
- ich erlebe das Buch als langweilig und will nicht weiterlesen oder,<br />
- mir macht das Lesen viel Spaß, aber es gibt eben viel beim Lesen zu erleben, und in einem Rutsch lässt sich das Buch nicht einfach durchlesen, und zudem lädt es zu mehrmaligen Lesen ein - was bei "Wölfe" der Fall war.<br />
<br />
Dabei ist die Geschichte, die hier erzählt wird, auf den ersten Blick recht simpel - eine Aufsteigergeschichte. (ber diese Geschichte erzählen eigentlich sehr viele historische Romane, sei es mit historischen, sei es mit fiktiven Figuren. Sehr beliebt sind hier das Mittelalter und die frühe Neuzeit, obwohl damals Stand und Herkunft gewöhnlich das Leben eines Menschen bestimmten. Allerdings hat es auch in diesen Zeiten immer wieder Aufsteiger/innen gegeben, und auffällig ist auch, dass diese Aufsteiger/innen, wenn es ihnen nicht gelang, sich länger sich dauerhaft zu etablieren oder sogar ihre eigenen Dynastie zu begründen, meistens (auch von der Nachwelt) nicht wirklich positiv gesehen wurden. (Aber ist das heute so viel anders.) <br />
<br />
Möglichkeiten ergaben sich über eine kirchliche Laufbahn (wie eben z. B. bei einem Kardinal Wolsey) oder über die Armee (als Kondottiere bzw. Söldnerführer) wie z. B. die "Bauernfamilie" Attendolo-Sforza, die letztlich die Viscontis als Herzöge von Mailand beerbten.<br />
<br />
Die Rosenkriege und die Tudors dürften zurzeit das beliebteste Thema am historischen Buchmarkt sein, zumindest in Deutschland. Ständig erscheinen neue Bücher, sowohl anglo-amerikanische Übersetzungen wie die vielen Bücher einer Philippa Gregory oder Werke deutschsprachiger Autoren/innen wie z. B. von Rebecca Gable. Ich vermute, dass viele Leser/innen aus dem deutschen Sprachraum heute über diesen Abschnitt der britischen Geschichte viel besser informiert sind, als über die Geschichte ihres eigenen Landes.<br />
<br />
Allerdings hat es zu Henry VIII. auch in früheren Jahrhunderten bereits immer wieder Theaterstücke und später auch Bücher gegeben, wobei gerade Anne Boleyn und Elizabeth I. (und manchmal auch Catherine Howard, Katharina von Aragon oder Catherine Parr) oder auch Personen aus seinem Umfeld wie Thomas More besonders beliebt waren.<br />
<br />
Von Thomas Cromwell, der Hauptfigur in "Wölfe" lässt sich das nicht behaupten. In den Büchern über die Tudors / Tudorzeit, die ich in den 1980er und 1990er Jahren gelesen habe, war er bestenfalls eine Neben- oder Randfigur, wenn er überhaupt vorkam, und dann hatte er stets eine Negativrolle - der böse Kerl aus der Unterschicht, der für Henry sozusagen die Drecksarbeit macht, wobei Henry VIII. gewöhnlich auf seine Kosten sogar noch entlastet wird.<br />
<br />
Wenn sein Tod in einem dieser Romane mal vorkommt, dann wird das entweder nur erwähnt oder als das verdiente Ende eines Schurken dargestellt, dass Leser/in diesem schon gönnt.<br />
<br />
Hilary Mantel schreibt in ihrem Nachwort zu "Falken", der Fortsetzung von "Wölfe", dass es bis heute zu Thomas Cromwell nicht einmal eine Biographie gibt.<br />
<br />
So betrachtet, ist die Idee, die Geschichte von "ihm" bzw. aus seiner Perspektive erzählen zu lassen, eindeutig originell und bietet auch eine neue Sicht auf ohnehin schon recht oft erzählten Geschehnisse um den Sturz des Kardinals Wolseys (das war bereits Thema eines Dramas von Shakespeare), den Aufstieg und Fall der Anne Boleyn (die es sogar zur Opernheldin geschafft hat) oder Aufstieg der Familie Seymour. Aber indem Mantel keineswegs die Ich-Form verwendet, sondern von der Außenperspektive auf seine Wahrnehmung eingeht, hält sie auch eine gewisse Distanz zu seiner Figur.<br />
<br />
Mantel macht nun aus Thomas Cromwell keinen strahlenden oder verkannten Helden. Ihr Cromwell ist ein fähiger Mann, ein erfolgreicher Anwalt, ein guter Beobachter, einer, der es lernt, andere zu manipulieren, kein Heiliger, aber ein Mann mit Fähigkeiten, einer, der seine Talente einzusetzen weiß und der seine Chancen nutzt, einer, der das Leben kennt und keine Illusionen hat, der es nicht gerade leicht hat, wie z. B. die persönlichen Verluste zeigen, die er hinnimmt. Dennoch im Vergleich zu den meisten anderen Figuren gesteht im Mantel Integrität zu. (Gut erkennbar z. B. in seiner Beziehung zu Kardinal Wolsey.) Mantels Thomas Cromwell ist eine wirklich vielschichtige Romanfigur, und was ich besonders gelungen finde - dennoch ist er bei Mantel trotz allem ein "Durchschnittsmensch".<br />
Der wesentliche Unterschied zu anderen historischen Figuren, die es im 21. Jahrhundert bisher zum Helden oder zur Heldin eines historischen Romans gebracht haben.<br />
<br />
Inwieweit entspricht Mantels Cromwell dem historischen Thomas Cromwell?<br />
Sie liefert kein Literatur- oder Quellenverzeichnis. Im Nachwort allerdings gibt sie zumindest eine ihrer Quellen an, einen Zeitzeugenbericht über den Sturz des Kardinals Wolseys, auf den sie auch etwas näher eingeht. Offensichtlich hat sie Wert auf Primärquellen gelegt, die von ihr keineswegs unkritisch übernommen werden. Wichtiger aber ist, dass sie offensichtlich nicht nur viel und auch kritisch recherchiert, sondern ihre Recherche-Ergebnisse auch verwendet hat.<br />
<br />
Doch selbst wenn ihr Cromwell keineswegs dem historischen Thomas Cromwell entsprechen sollte, als interessante Romanfigur kann er in jedem Fall bestehen.<br />
<br />
Bei einem Buch ist es für mich auch immer wichtig, hervorzuheben, was es von anderen Büchern unterscheidet, vielleicht sogar so einmalig macht:<br />
Bei Mantle sind es interessante, originelle und gelungene Charaktere (das gilt selbst für Nebenfiguren), Cromwell bildet hier nur sozusagen die Spitze.<br />
Die Dialoge nehmen viel Raum ein, verraten viel über die Figuren, Auseinandersetzungen und Konflikte werden meistens über sie ausgetragen, weniger durch direkt Gewalt (die allerdings vorkommt). "Wölfe" ist ein Roman, der (für das 21. Jahrhundert ungewöhnlich)  weitgehend ohne Action auskommt.<br />
<br />
Fazit / Persönliche Einschätzung: "Wölfe" und die Fortsetzung "Falken" gehören eindeutig zu den besten Romanen, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, sogar zu den besten Romanen, die ich jemals gelesen habe.<br />
<br />
Wenn es tatsächlich noch einen dritten Band geben wird, an dem die Autorin schreiben soll, so vermute ich, dass es wahrscheinlich auf eine Geschichte vom Aufstieg und Fall des Thomas Cromwell hinauslaufen wird. Ich hoffe sehr, dass er tatsächlich in den Handel kommt, und an die beiden ersten Bücher wenigstens halbwegs heranreicht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Nachdem erst kürzlich auf Arte die BBC-Serie "Wölfe" / "Wolfs Hall" in einer deutschen Synchronisation gebracht wurde, ist es vielleicht interessant auch wieder einmal die beiden Romane zu diskutieren, auf denen die Serie basiert: "Wölfe" / "Falken" (von Hilary Mantel).<br />
<br />
Mit Blick auf das, was gewöhnlich auf dem deutschsprachigen Buchmarkt als historischer Roman vermarktet wird, halte ich die beiden Romanen für Ausnahmebücher, das gilt sowohl für den Zugang, mit dem hier  Geschichte erzählt wird, als auch die sprachliche Gestaltung.<br />
<br />
Beide Romane sind Übersetzungen aus dem Englischen, und es stellt sich für mich daher auch die Frage, ob sie als Bücher eines/r deutschsprachigen Autor/in überhaupt auf dem deutschsprachigen Buchmarkt über einen bekannten Verlag geschafft hätten.<br />
<br />
Für das Lesen von "Wölfe" habe ich für meine Verhältnisse recht lange gebraucht, fast mehr als 2 Monate. Wenn das bei mir der Fall ist, gibt es gewöhnlich drei Gründe: <br />
- ich habe beruflich so viel zu tun und kommen nicht zum Leben,<br />
- ich erlebe das Buch als langweilig und will nicht weiterlesen oder,<br />
- mir macht das Lesen viel Spaß, aber es gibt eben viel beim Lesen zu erleben, und in einem Rutsch lässt sich das Buch nicht einfach durchlesen, und zudem lädt es zu mehrmaligen Lesen ein - was bei "Wölfe" der Fall war.<br />
<br />
Dabei ist die Geschichte, die hier erzählt wird, auf den ersten Blick recht simpel - eine Aufsteigergeschichte. (ber diese Geschichte erzählen eigentlich sehr viele historische Romane, sei es mit historischen, sei es mit fiktiven Figuren. Sehr beliebt sind hier das Mittelalter und die frühe Neuzeit, obwohl damals Stand und Herkunft gewöhnlich das Leben eines Menschen bestimmten. Allerdings hat es auch in diesen Zeiten immer wieder Aufsteiger/innen gegeben, und auffällig ist auch, dass diese Aufsteiger/innen, wenn es ihnen nicht gelang, sich länger sich dauerhaft zu etablieren oder sogar ihre eigenen Dynastie zu begründen, meistens (auch von der Nachwelt) nicht wirklich positiv gesehen wurden. (Aber ist das heute so viel anders.) <br />
<br />
Möglichkeiten ergaben sich über eine kirchliche Laufbahn (wie eben z. B. bei einem Kardinal Wolsey) oder über die Armee (als Kondottiere bzw. Söldnerführer) wie z. B. die "Bauernfamilie" Attendolo-Sforza, die letztlich die Viscontis als Herzöge von Mailand beerbten.<br />
<br />
Die Rosenkriege und die Tudors dürften zurzeit das beliebteste Thema am historischen Buchmarkt sein, zumindest in Deutschland. Ständig erscheinen neue Bücher, sowohl anglo-amerikanische Übersetzungen wie die vielen Bücher einer Philippa Gregory oder Werke deutschsprachiger Autoren/innen wie z. B. von Rebecca Gable. Ich vermute, dass viele Leser/innen aus dem deutschen Sprachraum heute über diesen Abschnitt der britischen Geschichte viel besser informiert sind, als über die Geschichte ihres eigenen Landes.<br />
<br />
Allerdings hat es zu Henry VIII. auch in früheren Jahrhunderten bereits immer wieder Theaterstücke und später auch Bücher gegeben, wobei gerade Anne Boleyn und Elizabeth I. (und manchmal auch Catherine Howard, Katharina von Aragon oder Catherine Parr) oder auch Personen aus seinem Umfeld wie Thomas More besonders beliebt waren.<br />
<br />
Von Thomas Cromwell, der Hauptfigur in "Wölfe" lässt sich das nicht behaupten. In den Büchern über die Tudors / Tudorzeit, die ich in den 1980er und 1990er Jahren gelesen habe, war er bestenfalls eine Neben- oder Randfigur, wenn er überhaupt vorkam, und dann hatte er stets eine Negativrolle - der böse Kerl aus der Unterschicht, der für Henry sozusagen die Drecksarbeit macht, wobei Henry VIII. gewöhnlich auf seine Kosten sogar noch entlastet wird.<br />
<br />
Wenn sein Tod in einem dieser Romane mal vorkommt, dann wird das entweder nur erwähnt oder als das verdiente Ende eines Schurken dargestellt, dass Leser/in diesem schon gönnt.<br />
<br />
Hilary Mantel schreibt in ihrem Nachwort zu "Falken", der Fortsetzung von "Wölfe", dass es bis heute zu Thomas Cromwell nicht einmal eine Biographie gibt.<br />
<br />
So betrachtet, ist die Idee, die Geschichte von "ihm" bzw. aus seiner Perspektive erzählen zu lassen, eindeutig originell und bietet auch eine neue Sicht auf ohnehin schon recht oft erzählten Geschehnisse um den Sturz des Kardinals Wolseys (das war bereits Thema eines Dramas von Shakespeare), den Aufstieg und Fall der Anne Boleyn (die es sogar zur Opernheldin geschafft hat) oder Aufstieg der Familie Seymour. Aber indem Mantel keineswegs die Ich-Form verwendet, sondern von der Außenperspektive auf seine Wahrnehmung eingeht, hält sie auch eine gewisse Distanz zu seiner Figur.<br />
<br />
Mantel macht nun aus Thomas Cromwell keinen strahlenden oder verkannten Helden. Ihr Cromwell ist ein fähiger Mann, ein erfolgreicher Anwalt, ein guter Beobachter, einer, der es lernt, andere zu manipulieren, kein Heiliger, aber ein Mann mit Fähigkeiten, einer, der seine Talente einzusetzen weiß und der seine Chancen nutzt, einer, der das Leben kennt und keine Illusionen hat, der es nicht gerade leicht hat, wie z. B. die persönlichen Verluste zeigen, die er hinnimmt. Dennoch im Vergleich zu den meisten anderen Figuren gesteht im Mantel Integrität zu. (Gut erkennbar z. B. in seiner Beziehung zu Kardinal Wolsey.) Mantels Thomas Cromwell ist eine wirklich vielschichtige Romanfigur, und was ich besonders gelungen finde - dennoch ist er bei Mantel trotz allem ein "Durchschnittsmensch".<br />
Der wesentliche Unterschied zu anderen historischen Figuren, die es im 21. Jahrhundert bisher zum Helden oder zur Heldin eines historischen Romans gebracht haben.<br />
<br />
Inwieweit entspricht Mantels Cromwell dem historischen Thomas Cromwell?<br />
Sie liefert kein Literatur- oder Quellenverzeichnis. Im Nachwort allerdings gibt sie zumindest eine ihrer Quellen an, einen Zeitzeugenbericht über den Sturz des Kardinals Wolseys, auf den sie auch etwas näher eingeht. Offensichtlich hat sie Wert auf Primärquellen gelegt, die von ihr keineswegs unkritisch übernommen werden. Wichtiger aber ist, dass sie offensichtlich nicht nur viel und auch kritisch recherchiert, sondern ihre Recherche-Ergebnisse auch verwendet hat.<br />
<br />
Doch selbst wenn ihr Cromwell keineswegs dem historischen Thomas Cromwell entsprechen sollte, als interessante Romanfigur kann er in jedem Fall bestehen.<br />
<br />
Bei einem Buch ist es für mich auch immer wichtig, hervorzuheben, was es von anderen Büchern unterscheidet, vielleicht sogar so einmalig macht:<br />
Bei Mantle sind es interessante, originelle und gelungene Charaktere (das gilt selbst für Nebenfiguren), Cromwell bildet hier nur sozusagen die Spitze.<br />
Die Dialoge nehmen viel Raum ein, verraten viel über die Figuren, Auseinandersetzungen und Konflikte werden meistens über sie ausgetragen, weniger durch direkt Gewalt (die allerdings vorkommt). "Wölfe" ist ein Roman, der (für das 21. Jahrhundert ungewöhnlich)  weitgehend ohne Action auskommt.<br />
<br />
Fazit / Persönliche Einschätzung: "Wölfe" und die Fortsetzung "Falken" gehören eindeutig zu den besten Romanen, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, sogar zu den besten Romanen, die ich jemals gelesen habe.<br />
<br />
Wenn es tatsächlich noch einen dritten Band geben wird, an dem die Autorin schreiben soll, so vermute ich, dass es wahrscheinlich auf eine Geschichte vom Aufstieg und Fall des Thomas Cromwell hinauslaufen wird. Ich hoffe sehr, dass er tatsächlich in den Handel kommt, und an die beiden ersten Bücher wenigstens halbwegs heranreicht.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Romane mit historischen Bezügen]]></title>
			<link>http://www.forum-geschichte.at/Forum/showthread.php?tid=2584</link>
			<pubDate>Thu, 21 Feb 2013 21:34:05 +0000</pubDate>
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			<description><![CDATA[Hier könnt Ihr Bücher und Romane  mit historischen Bezügen vorstellen und rezensieren.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Hier könnt Ihr Bücher und Romane  mit historischen Bezügen vorstellen und rezensieren.]]></content:encoded>
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