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Kriegsentschädigungen für Zivilpersonen
10.07.2012, 20:06
Beitrag: #1
Kriegsentschädigungen für Zivilpersonen
Für erlittene Verluste und Zerstörungen durch Kriegseinwirkungen sind Fürsten und Staaten, so sie den Krieg gewonnen haben, immer entschädigt worden, oder sie haben sich selbst schadlos gehalten.

Wie aber wurde das bei "Zivilpersonen" gehandhabt?

Da die Vorfahren von uns allen hier, ziemlich sicher mal zu den "Geschädigten" solcher Ereignisse gehörten, wäre es ganz interessant wenn wir dies hier gemeinsam untersuchen würden.
Ich finde so etwas deutlich interessanter, als diese ganze "Militärgeschichte von oben", die an anderen Orten so fleißig getrieben wird.

Ich habe mich, speziell für die napoleonische Zeit, mit diesem Komplex schon beschäftigt und werde die nächsten Tage mal einbrigen, was mir dazu bekannt geworden ist.

Ich hoffe aber sehr, dass der/die eine oder andere hierzu auch etwas bringen kann.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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11.07.2012, 11:08
Beitrag: #2
RE: Kriegsentschädigungen für Zivilpersonen
Beim 1. Pariser Frieden 1814 wurden Forderungen der geschädigten Bevölkerung grundsätzlich anerkannt.
Und den Franzosen als Verbindlichkeiten angelastet, die der Höhe nach bis 1818 spezifiziert werden sollten.

Forderungen von Staaten wurden ausgeschlossen. Vorausgesetzt, die Bourbonen als die angestammten Herrscher Frankreichs würden sich des in sie gesetzten Vertrauens würdig erweisen.
Dies war insbesondere dem Zaren Alexander zuzuschreiben. Preußen, das zweifellos sehr unter der franz. Besatzung gelitten hatte, konnte dies nur sehr schwer akzeptieren.

Nach Napoleons Wiederkehr und den 100 Tagen, war dies bei dem 2. Pariser Frieden ganz anders. Allein an den Staat Preußen musste Frankreich 800 Millionen Francs Kriegsentschädigung bezahlen. Wobei die Preußen 1,2 Milliarden gefordert hatten.
Insofern war Napoleons 100 Tage Abenteuer für Frankreich ein fürchterliches Verlustgeschäft.

Die privaten Entschädigungen wurden geprüft, anerkannt, gekürzt oder verworfen. Leiter der preußischen Entschädigungskommision war Wilhelm von Humboldt. Insgesamt anerkannte Preußen allein in der Rheinprovinz Schäden in Höhe von knapp 65 mill. Francs. Preußen erhielt aber insgesamt für die private Entschädigung von Frankreich lediglich 52 Mill. Francs, so dass in die Rheinprovinz schließlich lediglich 19 mill. Francs für die private Entschädigung flossen.

Quelle: Wilhelm Treue "Wirtschafts und Technik-Geschichte Preussens, Berlin 1984.

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11.07.2012, 12:41
Beitrag: #3
RE: Kriegsentschädigungen für Zivilpersonen
Wenn Truppen durchzogen, waren die Soldaten im 18./19. Jahrhundert eigentlich dazu angehalten, bei Einquartierungen die Lebensmittel zu bezahlen, Plündern war nicht normalerweise erlaubt. Für requirierte Pferde, Wagen und Verpflegung wurden Wechsel ausgestellt, die allerdings später oft nicht das Papier wert waren. Städten wurden häufig ziemliche Summen abgepresst, um nicht mit Truppen belegt oder gar geplündert zu werden. Offiziere ließen auch gern in Adelshäusern Kunstschätze mitgehen, der gemeine Soldat hielt sich an das letzte Huhn oder den Getränkevorrat. In Frankreich sollen Blüchers Soldaten 1814 in einer frz. Kleinstadt in einer Nacht 30000 Champagner-Flaschen geleert haben, die sie für eine "Art Weißbier" hielten. Auf jeden Fall war ein Landstrich nach einem Truppendurchzug förmlich kahlgefressen. Schlimm wurde es, wenn das Land wie im Fall Russland 1812 gar nicht die Ressourcen hergab. Napoleons Feldzug scheiterte nicht am Winter, sondern schon im Sommer an mangelnder Logistik, Hunger, Typhus und nicht zuletzt am Widerstand der tiefgläubigen, orthodoxen Bevölkerung.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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11.07.2012, 17:34
Beitrag: #4
RE: Kriegsentschädigungen für Zivilpersonen
(11.07.2012 12:41)Arkona schrieb:  Wenn Truppen durchzogen, waren die Soldaten im 18./19. Jahrhundert eigentlich dazu angehalten, bei Einquartierungen die Lebensmittel zu bezahlen, Plündern war nicht normalerweise erlaubt. Für requirierte Pferde, Wagen und Verpflegung wurden Wechsel ausgestellt, die allerdings später oft nicht das Papier wert waren. Offiziere ließen auch gern in Adelshäusern Kunstschätze mitgehen, der gemeine Soldat hielt sich an das letzte Huhn oder den Getränkevorrat. In Frankreich sollen Blüchers Soldaten 1814 in einer frz. Kleinstadt in einer Nacht 30000 Champagner-Flaschen geleert haben, die sie für eine "Art Weißbier" hielten. Auf jeden Fall war ein Landstrich nach einem Truppendurchzug förmlich kahlgefressen.

OT:
Ja, Papa erzählte von Mai 1940 ähnliches, außer zum waschen haben die wohl wochenlang an flüssigem nur Champagner in ihre Nähe gelassen.
Ernst Jünger schreibt vom "teutonischen Tiefdrunk" und den Batterien von geleerten Flaschen die die Rastplätze der "siegreichen Panzerdivisionen" zierten.

Zurück zum Thema:
Die Kosten dieser Requisitionen usw. waren in den 800 Millionen Francs die der preußische Staat erhielt enthalten. Preußen machte bis zum Feldzug 1812 147 Mill. und von da bis zur Leipziger Schlacht nochmals 170 Mill Francs geltend.
Ergo: Diese Kosten musste der preußische Bürger und Landmann bei seiner Regierung geltend machen.
Was ich oben ansprach sind die entstandenen Schäden durch Kriegshandlungen. Die separat reguliert wurden (leider nur teilweise)

Ganz modern mutet einen an, die Beutekunst. Alles was die Preußen bei den Franzosen wiedergefunden haben, haben sie nach den Bestimmungen des 2. Pariser Friedens zurückerhalten. Bekanntestes Beispiel die "Quadriga" aber sie haben bei weitem nicht alles wiedergefunden.

Zitat:Schlimm wurde es, wenn das Land wie im Fall Russland 1812 gar nicht die Ressourcen hergab. Napoleons Feldzug scheiterte nicht am Winter, sondern schon im Sommer an mangelnder Logistik, Hunger, Typhus und nicht zuletzt am Widerstand der tiefgläubigen, orthodoxen Bevölkerung.

Da wurden die Franzosen Opfer ihres eigenen "System Louvois" siehe die Beiträge im 3nd "Erbfeindschaft".

Zitat:Städten wurden häufig ziemliche Summen abgepresst, um nicht mit Truppen belegt oder gar geplündert zu werden.

Was mich sehr überraschte, schon im 30jährigen Krieg war das hervorragend durchorganisiert. Es gab da schon ein gut funktionierendes internationales Bankenwesen. Die Stadtväter haben dem Heerführer in der Höhe der Summe der "Brandschatzung" eine Schuldverschreibung auf eine, bevorzugt Schweizer Bank überreicht. Der Heerführer hat das Geld dort erhoben, der Krieg konnte weitergehen, und die Stadt war verschuldet für Jahrzehnte.

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11.07.2012, 18:14
Beitrag: #5
RE: Kriegsentschädigungen für Zivilpersonen
(11.07.2012 17:34)Suebe schrieb:  Ganz modern mutet einen an, die Beutekunst. Alles was die Preußen bei den Franzosen wiedergefunden haben, haben sie nach den Bestimmungen des 2. Pariser Friedens zurückerhalten. Bekanntestes Beispiel die "Quadriga" aber sie haben bei weitem nicht alles wiedergefunden.

Die soll 1815 ja noch originalverpackt im Louvre gestanden haben. Warum hat man die nicht 1814 schon wieder eingefordert? Aber da waren sie alle gleich. Der Rosetta-Stein steht bekanntlich in London und nicht in Paris oder gar Kairo. Und wo das Schliemann-Gold oder heute viele Altertümer aus dem Irak abgeblieben sind, wissen wir ja wohl.

Auf Flohmärkten in Deutschland finden sich noch heute auffallend viele Antikmöbel und Gemälde aus Nord-Frankreich (aus dem 19. Jh.). Da werde ich den Verdacht nicht los, dass Uropa sich in den Weltkriegen in den evakuierten Dörfern der Champagne bedient hat, sofern er nicht Feuerholz draus machte. In Russland gab es Wehrmachtsoffiziere, die sammelten Ikonen wie Briefmarken.
Im Zuge der Reparationen nach 1945 traf es dann die deutsche Bevölkerung. Der einfache Siegersoldat sackte Uhren, Fahrräder und Orden (begehrt waren Ritterkreuze) ein, die alliierten Militärbehörden kassierten Telefone und Radios und ließen die womöglich mit der Schaufel in Güterzüge nach Osten verladen.

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11.07.2012, 19:54
Beitrag: #6
RE: Kriegsentschädigungen für Zivilpersonen
(11.07.2012 18:14)Arkona schrieb:  
(11.07.2012 17:34)Suebe schrieb:  Ganz modern mutet einen an, die Beutekunst. Alles was die Preußen bei den Franzosen wiedergefunden haben, haben sie nach den Bestimmungen des 2. Pariser Friedens zurückerhalten. Bekanntestes Beispiel die "Quadriga" aber sie haben bei weitem nicht alles wiedergefunden.



Auf Flohmärkten in Deutschland finden sich noch heute auffallend viele Antikmöbel und Gemälde aus Nord-Frankreich (aus dem 19. Jh.). Da werde ich den Verdacht nicht los, dass Uropa sich in den Weltkriegen in den evakuierten Dörfern der Champagne bedient hat, sofern er nicht Feuerholz draus machte. In Russland gab es Wehrmachtsoffiziere, die sammelten Ikonen wie Briefmarken.
Im Zuge der Reparationen nach 1945 traf es dann die deutsche Bevölkerung. Der einfache Siegersoldat sackte Uhren, Fahrräder und Orden (begehrt waren Ritterkreuze) ein, die alliierten Militärbehörden kassierten Telefone und Radios und ließen die womöglich mit der Schaufel in Güterzüge nach Osten verladen.

Das ist bestimmt so.
Meine Worte. Der "A" (Gegenteil von Angesicht) ist immer der "kleine Mann"
frei nach Bert Brecht, "wer am Krieg einen Schnitt machen will braucht eine große Schere"

Zum Thema:
Zitat:Die soll 1815 ja noch originalverpackt im Louvre gestanden haben. Warum hat man die nicht 1814 schon wieder eingefordert? Aber da waren sie alle gleich. Der Rosetta-Stein steht bekanntlich in London und nicht in Paris oder gar Kairo. Und wo das Schliemann-Gold oder heute viele Altertümer aus dem Irak abgeblieben sind, wissen wir ja wohl.

Da habe ich vergessen darauf hinzuweisen.
Beim 1. Pariser Friede war die Rückgabe der Kunstschätze explizit ausgeschlossen. Der Zar, und in dem Fall die Briten, haben den Preußen Kröten die Menge zu fressen gegeben.
Man könnte fast meinen, der Napoleon wäre von den Preußen für seine 100 Tage animiert worden.
Denn danach, beim 2. Pariser Frieden haben sich die Preu0en auch bei den Kunstgegenständen durchgesetzt.

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11.07.2012, 20:16
Beitrag: #7
RE: Kriegsentschädigungen für Zivilpersonen
(11.07.2012 19:54)Suebe schrieb:  Die Kosten dieser Requisitionen usw. waren in den 800 Millionen Francs die der preußische Staat erhielt enthalten. Preußen machte bis zum Feldzug 1812 147 Mill. und von da bis zur Leipziger Schlacht nochmals 170 Mill Francs geltend.
Ergo: Diese Kosten musste der preußische Bürger und Landmann bei seiner Regierung geltend machen.

Wie war es eigentlich bei den Sachsen? Der Feldzug 1813 mit dem Höhepunkt Leipzig traf doch dieses Ländle am heftigsten. Schauten die als ehemaliger Rheinbundstaat in die Röhre, als es ums Geld ging?

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11.07.2012, 20:29
Beitrag: #8
RE: Kriegsentschädigungen für Zivilpersonen
(11.07.2012 20:16)Arkona schrieb:  
(11.07.2012 19:54)Suebe schrieb:  Die Kosten dieser Requisitionen usw. waren in den 800 Millionen Francs die der preußische Staat erhielt enthalten. Preußen machte bis zum Feldzug 1812 147 Mill. und von da bis zur Leipziger Schlacht nochmals 170 Mill Francs geltend.
Ergo: Diese Kosten musste der preußische Bürger und Landmann bei seiner Regierung geltend machen.

Wie war es eigentlich bei den Sachsen? Der Feldzug 1813 mit dem Höhepunkt Leipzig traf doch dieses Ländle am heftigsten. Schauten die als ehemaliger Rheinbundstaat in die Röhre, als es ums Geld ging?

Das gehört zu den Dingen die ich noch nicht weiß.
Die mich aber brennend interessieren.
Wobei ich mal denke, dass der Staat nichts bekommen hat.
Die Privaten aber schon. Dazu fand ich auch etliche Hinweise.
aber noch nichts konkretes.

Es ist eh zum Weinen.
Die paar Quadratmeilen Saarland, die die Franzosen im zweiten Pariser Frieden eingebüsst haben, kannst du in jedem Geschichtsbuch nachlesen.
Das wesentlich einschneidendere finanzielle muss man sich mühsam zusammensuchen.

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11.07.2012, 21:07
Beitrag: #9
RE: Kriegsentschädigungen für Zivilpersonen
Blücher hat jedenfalls in seinen Briefen betont, dass er in Sachsen als "Befreier" käme und Wert auf "Manneszucht" lege. Ob die Umsetzung immer so klappte, da seine Schlesische Armee zur Hälfte aus Russen, davon sehr vielen Kosaken bestand, steht auf einem anderen Blatt. Die "Irregulären" des Zaren bekamen m.W. auch keinen regelmäßigen Sold, nur die Hetmane, die die Zuwendungen nach gusto weitergaben (oder auch nicht...).

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12.07.2012, 09:33
Beitrag: #10
RE: Kriegsentschädigungen für Zivilpersonen
(11.07.2012 18:14)Arkona schrieb:  
(11.07.2012 17:34)Suebe schrieb:  Ganz modern mutet einen an, die Beutekunst. Alles was die Preußen bei den Franzosen wiedergefunden haben, haben sie nach den Bestimmungen des 2. Pariser Friedens zurückerhalten. Bekanntestes Beispiel die "Quadriga" aber sie haben bei weitem nicht alles wiedergefunden.

Die soll 1815 ja noch originalverpackt im Louvre gestanden haben. Warum hat man die nicht 1814 schon wieder eingefordert? Aber da waren sie alle gleich. Der Rosetta-Stein steht bekanntlich in London und nicht in Paris oder gar Kairo. Und wo das Schliemann-Gold oder heute viele Altertümer aus dem Irak abgeblieben sind, wissen wir ja wohl.

Auf Flohmärkten in Deutschland finden sich noch heute auffallend viele Antikmöbel und Gemälde aus Nord-Frankreich (aus dem 19. Jh.). Da werde ich den Verdacht nicht los, dass Uropa sich in den Weltkriegen in den evakuierten Dörfern der Champagne bedient hat, sofern er nicht Feuerholz draus machte. In Russland gab es Wehrmachtsoffiziere, die sammelten Ikonen wie Briefmarken.
Im Zuge der Reparationen nach 1945 traf es dann die deutsche Bevölkerung. Der einfache Siegersoldat sackte Uhren, Fahrräder und Orden (begehrt waren Ritterkreuze) ein, die alliierten Militärbehörden kassierten Telefone und Radios und ließen die womöglich mit der Schaufel in Güterzüge nach Osten verladen.

Dann stelle ich meinen Beitrag sinngemäß noch einmal ein, weil da doch einige Fehler in Deinem Beitrag sind, eigentlich das Thema Beutekunst OT ist.

Die ikonesammelnden Wehrmachtsoffiziere zündeten in Russland dann auch ab und die die Kirchen an.
Es stimmt, dass die sowjetische Regierung anhand deutscher Museumskataloge nach Äquivalenten in deutschen Museen für die Zerstörungen eigener Kunstgegenstände suchte.

1.) Der Raub privater Gegenstände Deutscher durch Kampfeinheiten hat nichts mit Reparationen zutun.

2.) der einzelne Soldat raubte nicht in größerem Umpfang allenfalls ein Offizier, der dann über die nötige Logistik verfügen konnte, geraubte Gegenstände dann auch wegzuschaffen.
Kampfeinheiten schleppten sich sicher nicht mit dem Tafelsilber oder der Kredenz aus dem Wohnzimmer ab. Ausnahmen hat es aber gegebe: den Domschatz von Quedlinburg, die Florentiner Mosaiken des Bersteinzimemrs oder daraus auch eine Bernsteintruhe.
Oder der Silberschatz aus dem Moritzburger Schloss, der heute in der Erimitage ausgestellt ist.

Im Fall Schukows ist allerdings bekannt, dass ganze Waggons nach Russland gebracht wurden, ihr Inhalt warscheinlich irgendwo noch lagert.
Auch in Polen wurden die Museen durch die neue polnische Verwaltung geplündert.

3.) Warum so eindeutig und bewusst unklar: ? wenn Du von alliierten Militärbehörden sprichst. Haben die westalliierten Militärbehörden den Russen bei der Wegschaffung geholfen ?

4.) und das Schliemann-Gold hat doch nichts mit der Plünderung des Nationalmuseeum im Bahdad zutun.
Ersteres, von den Russen geraubt, was ja noch nachvollziehbar ist, wurde wieder aufgefunden und bleibt zurecht in Russland.
Die, auch von US-Einheiten, geplünderten Gegenstände aus Bahdad , fanden zu einer Zeit statt, in der Plünderungen von Kunstgegenständen als Vergehen galt.


Abschließen möchte ich mit einem fiktives Dialog:

"Ich verlebte wunderbare Jahre in Ihrem Land"
Glücklich der Angesproche und auf die Frage "Freut mich, wann denn" ?
die Antwort: "pendant la guerre" - wärend des Krieges.
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12.07.2012, 09:54
Beitrag: #11
RE: Kriegsentschädigungen für Zivilpersonen
Zurück zum eigentlichen Thema der Kriegsentschädigung für Zivilpersonen, denn die Beiträge über Beutekunst haben nun überhaupt mit diesem eigentlichen Thema nichts zutun:

Ob es in den Kriegen bis zum WK 1 überhaupt Kriegsentschädigungen für Zivilisten gegeben hat, ist mir nicht bekannt
Nicht vorstellbar, dass das Reich nach dem Krieg 1870 geschädigten Zivilisten in Frankreich eine Entschädigung für den Krieg gezahlt hat, wo doch Frankreich an das Reich Reparationen zahlen musste.

Auch für den 1. WK hätte es dann, streng nach dem Thema beurteilt, dass das Reich an französiche Zivilisten für die Kriegsgräuel hätte Zahlungen
machen müssen. Nichts davon passierte, Ob Frankreich seinerseits an Franzosen Zahlungen machte, weiß ich nicht.

Bleibt also nur noch der WK II übrig, Und da sind, in der Tat, durch die Bundesregierung Zahlungen an Geschädigte - meines Wissens nur in Polen, Russland und der Ukraine - erfolgt.
Geschädigte waren z.B. zur Zwangsarbeit im Reich Gepresste

Zahlungen, leider oft zu spät und leider oft auch durch bürokratische Hürden verschleppt, oder die Empfänger von diesen Zahlungen nichts wussten, oder auch bereits gestorben waren.

Einzig und allein DAS sehe ich als Kriegsentschädigung für Zivilpersonen an, nichts anderes und keinesfalls die Beutekunst.
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12.07.2012, 16:01
Beitrag: #12
RE: Kriegsentschädigungen für Zivilpersonen
(12.07.2012 09:54)krasnaja schrieb:  Zurück zum eigentlichen Thema der Kriegsentschädigung für Zivilpersonen, denn die Beiträge über Beutekunst haben nun überhaupt mit diesem eigentlichen Thema nichts zutun:

Ob es in den Kriegen bis zum WK 1 überhaupt Kriegsentschädigungen für Zivilisten gegeben hat, ist mir nicht bekannt
Nicht vorstellbar, dass das Reich nach dem Krieg 1870 geschädigten Zivilisten in Frankreich eine Entschädigung für den Krieg gezahlt hat, wo doch Frankreich an das Reich Reparationen zahlen musste.

Auch für den 1. WK hätte es dann, streng nach dem Thema beurteilt, dass das Reich an französiche Zivilisten für die Kriegsgräuel hätte Zahlungen
machen müssen. Nichts davon passierte, Ob Frankreich seinerseits an Franzosen Zahlungen machte, weiß ich nicht.

Bleibt also nur noch der WK II übrig, Und da sind, in der Tat, durch die Bundesregierung Zahlungen an Geschädigte - meines Wissens nur in Polen, Russland und der Ukraine - erfolgt.
Geschädigte waren z.B. zur Zwangsarbeit im Reich Gepresste

Zahlungen, leider oft zu spät und leider oft auch durch bürokratische Hürden verschleppt, oder die Empfänger von diesen Zahlungen nichts wussten, oder auch bereits gestorben waren.

Einzig und allein DAS sehe ich als Kriegsentschädigung für Zivilpersonen an, nichts anderes und keinesfalls die Beutekunst.


Also, jetzt mal von vorn.
Beispiel Napoleonische Kriege.

Die Beschlagnahmen, Requisitionen, die hat der betroffene Bürger anhand seiner Quittungen bei seiner eigenen Regierung geltend machen können.
Die, so sie den Krieg gewonnen hat, dies je nach Friedensbedingungen (siehe 1. und 2. Pariser Vertrag mit den in dieser Beziehung völlig anderen Bestimmungen) beim Verlierer geltend machen konnte.

Direkte Kriegsschäden, Beispiel: bei Kampfhandlungen abgefackelte Häuser
konnte der Staat summarisch beim Kriegsverlierer Frankreich geltend machen. Mit der Verpflichtung die Geschädigten anschließend zu entschädigen.
Auch schon nach den Bestimmungen des 1. Pariser Friedens.

Aber ich habe dazu in diesem 3nd schon viel detailliertes geschrieben. Dies bitte ich dich zu lesen.

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12.07.2012, 16:33
Beitrag: #13
RE: Kriegsentschädigungen für Zivilpersonen
Etwas umgreifender.

Meine Heimatstadt, ein kleines altwürttembergisches Landstädtchen, besass 2 Dörfer! Meines Wissens im württembergischen ein einmaliger Fall. Im 14. Jahrhundert klammen Adeligen abgekauft.

Während das eine, längst nur noch ein Weiler, noch heute zur Stadt gehört, hat sich das andere Dorf 1835 seine "Freiheit" erkauft. Im Zuge der Ablösung der Feudallasten.
Die Stadt hat mit diesem Geld endlich den Rest der in den Kriegen bis 1814 aufgehäuften Schulden beglichen.

Denn wenn der Vandamme ein Geschrei angefangen hat, man hätte auf ihn aus einem der Häuser geschossen, er würde die Stadt niederbrennen lassen,
und sich nur mit "Mühe" ein Geldgeschenk aufdrängen ließ. Das zu niedrig war, erst als der Oberamtmann ihm noch einen größeren Posten Tischwäsche "verehrte" war er zufrieden. So geschehen im Oktober 1796 als die Franzosen nach der Schlacht bei Schussenried zum Rhein "retirierten".
Hat diese Beträge keiner irgendwann erstattet. Blieb die Stadt drauf sitzen.

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23.11.2012, 13:09
Beitrag: #14
RE: Kriegsentschädigungen für Zivilpersonen
Ergänzend ist mir gestern etwas untergekommen.

Das Fürstentum Hohenzollern-Hechingen hat an Kriegsentschädigung 890.000 Franken bekommen.
Der Fürst von Hzl-Hechingen, typisch Duodez-Fürst hat die Kohle keineswegs zum Wiederaufbau des Landes verwendet.

Er hat die Kriegsentschädigung fast ausschließlich zum Bau des "Neuen Schlosses" in Hechingen verwendet.

Das Tüpfelchen auf dem i:
Es wurde niemals fertig. Denn auch dieses Geld reichte nicht.
Hat 160 Jahre dagestanden als Rohbau mit Dach und Fenstern. Bis sich die Kreissparkasse erbarmte und den Rohbau zum Sparkassengebäude machte.

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23.11.2012, 19:48
Beitrag: #15
RE: Kriegsentschädigungen für Zivilpersonen
(23.11.2012 13:09)Suebe schrieb:  Ergänzend ist mir gestern etwas untergekommen.

Das Fürstentum Hohenzollern-Hechingen hat an Kriegsentschädigung 890.000 Franken bekommen.
Der Fürst von Hzl-Hechingen, typisch Duodez-Fürst hat die Kohle keineswegs zum Wiederaufbau des Landes verwendet.

Er hat die Kriegsentschädigung fast ausschließlich zum Bau des "Neuen Schlosses" in Hechingen verwendet.

Das Tüpfelchen auf dem i:
Es wurde niemals fertig. Denn auch dieses Geld reichte nicht.
Hat 160 Jahre dagestanden als Rohbau mit Dach und Fenstern. Bis sich die Kreissparkasse erbarmte und den Rohbau zum Sparkassengebäude machte.
Vielleicht nicht ganz im Sinne des "geldhinterziehenden" Friedrich Hermann Otto (1776-1838), aber dennoch interessant, was die Möglichkeiten und die Bonität der heutigen Sparkassen betrifft.Big Grin

Und du warst schön. In deinem Auge schien
sich Nacht und Sonne sieghaft zu versöhnen.
...
So kam dich meine Liebe krönen.
Und meine nächteblasse Sehnsucht stand,
weißbindig wie der Vesta Priesterin,
an deines Seelentempels Säulenrand
und streute lächelnd weiße Blüten hin.

(Rainer Maria Rilke)
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23.11.2012, 21:20
Beitrag: #16
RE: Kriegsentschädigungen für Zivilpersonen
(23.11.2012 19:48)Wallenstein schrieb:  
(23.11.2012 13:09)Suebe schrieb:  Ergänzend ist mir gestern etwas untergekommen.

Das Fürstentum Hohenzollern-Hechingen hat an Kriegsentschädigung 890.000 Franken bekommen.
Der Fürst von Hzl-Hechingen, typisch Duodez-Fürst hat die Kohle keineswegs zum Wiederaufbau des Landes verwendet.

Er hat die Kriegsentschädigung fast ausschließlich zum Bau des "Neuen Schlosses" in Hechingen verwendet.

Das Tüpfelchen auf dem i:
Es wurde niemals fertig. Denn auch dieses Geld reichte nicht.
Hat 160 Jahre dagestanden als Rohbau mit Dach und Fenstern. Bis sich die Kreissparkasse erbarmte und den Rohbau zum Sparkassengebäude machte.
Vielleicht nicht ganz im Sinne des "geldhinterziehenden" Friedrich Hermann Otto (1776-1838), aber dennoch interessant, was die Möglichkeiten und die Bonität der heutigen Sparkassen betrifft.Big Grin


Yaeh,
hat das Volk den Bau nochmals bezahlt.
Denn bei der damaligen Hzl-Landessparkasse hat ja vermutlich so ziemlich jeder ein Konto gehabt.

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24.11.2012, 12:58
Beitrag: #17
RE: Kriegsentschädigungen für Zivilpersonen
Habe ich bei dieser Gelegenheit mal die Hzl-Sigmaringer Kriegsentschädigung betrachten wollen.

Ich fand zuerstmal - nichts.

Nix wie Beweihräucherungen wie der Fürst Anton Aloys (ihm ist die Amalie Zephyrine durchgegangen) mit seiner Sparsamkeit und klugen Politik das Land erst usw. usf.... Dodgy
Leibdragoner-Geschichtsschreibung par exellence. Aber, man höre und staune, noch in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts. Angry
Man macht sich halt oder versucht sich, vor Ort schlau zu machen, aber das ging in dem Fall daneben.

Jetzt habe ich mich in anderen Quellen informiert.
Um es kurz zu machen, das Land und der Fürst war 1790 bettelarm.
Das Land, die Bevölkerung war 1830 noch immer bettelarm, das Fürstenhaus Hohenzollern-Sigmaringen war 1830 steinreich.
Anton Aloys betrachtete das Fürstentum als sein persönliches Eigentum, die Kosten wurden dem Land auferlegt, die Erträge gingen ins Hausvermögen. Investiert wurde im großen, aber fast ausschlielßich im "Ausland" Böhmen zB..
Ab 1833 gab es Auseinandersetzungen um eine Verfassung, wie sie der Fürst ja schon in der Bundesakte zugesichert hatte. sie wurde schließlich gewährt, der nähere Einblick, verfassungsrechtlich zugesichert, blieb aber bis zuletzt verwehrt.

In der o.g. "besonderen" Geschichtsschreibung wird es etwas so dargestellt, dass Hzl-Hechingen die Übernahme durch Preussen forcierte, Hzl-Sigmaringen nur widerstrebend mitmachte.
Das Gegenteil ist richtig!
Sigmaringen machte massiv Druck, vermutlich nicht zuletzt, weil das Volk "frech" geworden war, und endlich Einblicke in die Vermögenslage verlangte.

Falls es interessiert, kann ich mehr dazu schreiben, allerdings ist es natürlich ein absoluter Regionalfall, der kaum auf größeres Interesse stossen wird.
Insofern belasse ich es mal dabei.

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24.11.2012, 13:50
Beitrag: #18
RE: Kriegsentschädigungen für Zivilpersonen
(24.11.2012 12:58)Suebe schrieb:  Falls es interessiert, kann ich mehr dazu schreiben, allerdings ist es natürlich ein absoluter Regionalfall, der kaum auf größeres Interesse stossen wird.
Insofern belasse ich es mal dabei.
Die Geschichte beider Fürstenhäuser ist aber durchaus interessant, besonders auch, wie sie nach 1848 an Preußen fielen.
Für einen allgemeinen Überblick würden mich Karten der beiden Fürstentümer interessieren.
So weit ich das gesehen habe, waren die Besitzungen durchaus auch verteilt, aber für die Hauptterritorien gibt es sicher Übersichtskarten.

Wenn du da was hättest.

Und du warst schön. In deinem Auge schien
sich Nacht und Sonne sieghaft zu versöhnen.
...
So kam dich meine Liebe krönen.
Und meine nächteblasse Sehnsucht stand,
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25.11.2012, 12:38
Beitrag: #19
RE: Kriegsentschädigungen für Zivilpersonen
Aus dem "Großen Bayerischen Krieg" von 1420/22 ist mir bekannt, dass die beteiligten bayerischen Herzöge sich gegenseitig nach Kräften ihre Landesteile verwüstet haben und bei Kriegsende gegenseitige Entschädigungsförderungen gefordert und bekommen haben (hauptsächlich nachweisbar als "Verdienstausfälle" der Fürsten; anhand der Salbücher wusste man ziemlich genau, was an Einnahmen von den jeweiligen Dörfern und Bauern zu erwarten war und konnte das mit den tatsächlichen Einnahmen abgleichen). Inwieweit diese Entschädigungen dann aber an die geschädigten Bauern weiter gegeben wurden, entzieht sich meiner Kenntnis.
Offenbar wurde solchen Dörfern aber für eine gewisse Zeit die Abgabenlast erleichtert oder aufgehoben, damit sie sich wieder selber auf Vordermann bringen konnten; die so entgangenen Einnahmen forderte der Fürst von seinen Gegnern ein und die flossen dann auch logischerweise in die Staats- bzw. Privatkasse (damals noch annähernd das gleiche).

VG
Christian
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