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Handels- und Verkehrssprachen
29.09.2012, 13:03
Beitrag: #1
Handels- und Verkehrssprachen
Wir haben im "LF Handelsrouten und -plätze" schon Bereiche angesprochen, die Nebenaspekte des Themas betreffen, wie Entwicklung der Eisenbahnen.
Mir fehlt ein ganz wichtiger Aspekt, der zum Handel genauso gehört wie die Routen, Plätze und Transportmittel, nämlich die Sprache.

Krieg kann man auch ohne Worte führen, beim Handel ist das schon schwieriger. Für den Anfang mag Zeichensprache genügt haben.
Wenn es um komplizierte Tauschvorgänge und Wertfindung geht, braucht man aber Worte, Zahlen und Maßeinheiten, die man nachvollziehbar dokumentieren kann.
Über die Token kam es zur Entwicklung der Schriftsysteme. http://www.forum-geschichte.at/Forum/sho...php?tid=66

Englisch ist heute die Handels- und Verkehrssprache.

1. Welche Handelssprachen kennt ihr noch?

2. Kann man Latein und Arabisch als Handelssprachen bezeichnen?
Sie waren für viele Menschen zuerst nur Zweitsprache.

3. Welche Verkehrssprachen wurden schriftlich festgehalten?
4. Förderte die Schriftlichkeit ihre Verbreitung und den Erhalt?

5. Welche nicht schriftlichen Handels- und Verkehrssprachen hat oder könnte es gegeben haben?


Bei 5. verfolge ich eine spekulative Idee, die ich schon lange durch eine Diskussion abwägen möchte. Die könnten wir ggf. in
http://www.forum-geschichte.at/Forum/sho...php?tid=56
weiterverfolgen.
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29.09.2012, 13:37
Beitrag: #2
RE: Handels- und Verkehrssprachen
(29.09.2012 13:03)Renegat schrieb:  1. Welche Handelssprachen kennt ihr noch?

Was meinst du damit? Kennen? Beherrschen? Schon mal gehört haben? Von ihrer Existenz wissen?

Jede Sprache, in der Handel getrieben wird, ist eine Handelssprache, also eigentlich jede Sprache.

(29.09.2012 13:03)Renegat schrieb:  2. Kann man Latein und Arabisch als Handelssprachen bezeichnen? Sie waren für viele Menschen zuerst nur Zweitsprache.

Na und? Das ist Englisch auch.

Wer in den Provinzen des römischen Reiches Latein kannte, konnte teilhaben nicht nur an der politischen Laufbahn, die vom Sklaven bis zum Kaiser mehr oder weniger durchgängig war, sondern auch am Handel. Latein war die Sprache, die die Fernhändler sprachen, Latein war die Sprache der Seefahrer des Mittelmeers und mit ihr wurden auch die Handelswaren markiert (die Amphoren mit Öl, Wein oder Fischsoße beispielsweise). Es war einfach die vorherrschende Handelssprache.

Mit Arabisch kenne ich mich nicht so aus...

(29.09.2012 13:03)Renegat schrieb:  4. Förderte die Schriftlichkeit ihre Verbreitung und den Erhalt?

Auf jeden Fall. Denn Menschen können ihre Sprache ändern, in dem sich die neue Sprache, erst lokal, dann regional und dann überregional ausbreitet. Aber wenn sie schriftlich fixiert ist, ist das viel schwieriger, denn in jeder Gegend gibt es ein neues Argument, bei der alten Sprache zu bleiben.

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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29.09.2012, 14:39
Beitrag: #3
RE: Handels- und Verkehrssprachen
(29.09.2012 13:37)Maxdorfer schrieb:  Was meinst du damit? Kennen? Beherrschen? Schon mal gehört haben? Von ihrer Existenz wissen?

Ich meinte das geschichtlich, also von ihrer Existenz wissen.
Alle Epochen und Weltgegenden übersehe ich nicht, deshalb wäre es schön, wir könnten unsere Kenntnisse zusammenführen.



(29.09.2012 13:37)Maxdorfer schrieb:  Jede Sprache, in der Handel getrieben wird, ist eine Handelssprache, also eigentlich jede Sprache.
Nicht ganz, wenn beide Handelspartner dieselbe Muttersprache sprechen, benutzen sie diese. Handelssprachen benötigt man eher bei Sprachunterschieden, mindestens einer der Handelspartner spricht sie als Zweitsprache.
http://de.wikipedia.org/wiki/Handelssprache

(29.09.2012 13:37)Maxdorfer schrieb:  Wer in den Provinzen des römischen Reiches Latein kannte, konnte teilhaben nicht nur an der politischen Laufbahn, die vom Sklaven bis zum Kaiser mehr oder weniger durchgängig war, sondern auch am Handel. Latein war die Sprache, die die Fernhändler sprachen, Latein war die Sprache der Seefahrer des Mittelmeers und mit ihr wurden auch die Handelswaren markiert (die Amphoren mit Öl, Wein oder Fischsoße beispielsweise). Es war einfach die vorherrschende Handelssprache.

Mit Arabisch kenne ich mich nicht so aus...
Ich bin da nicht so sicher, obwohl heute die Bezeichnungen Handels- und Verkehrssprache, Lingua franca fast synonym gebraucht werden.
Das Latein war nicht nur Handelssprache sondern herrschende Sprache in allen Gebieten, die die Römer erobert hatten. Ähnlich war es mit Arabisch während der arabischen Expansion, zudem war es die Sprache des Koran. Dass beide Sprache darüberhinaus als Verkehrssprache in angrenzenden Gebieten genutzt wurden und sich viel länger hielten als ihre Reiche, ändert ja nichts an der Art und Weise ihrer Ausbreitung.

Aber genau auf diesen Zweitsprachenpunkt wollte ich hinaus. Gibt es Sprachen, die von einer Handelssprache als Zweitsprache zur Muttersprache/Erstsprache wurden?


(29.09.2012 13:37)Maxdorfer schrieb:  Auf jeden Fall. Denn Menschen können ihre Sprache ändern, in dem sich die neue Sprache, erst lokal, dann regional und dann überregional ausbreitet. Aber wenn sie schriftlich fixiert ist, ist das viel schwieriger, denn in jeder Gegend gibt es ein neues Argument, bei der alten Sprache zu bleiben.
Stimmt, sumerisch z.B. wurde schriftlich weiterbenutzt zu einer Zeit als in Mesopotamien mehr semitische Sprachen gesprochen wurden.

Vielleicht auch, weil es eine eingeführte Verkehrssprache war, die die Schreiber als Zweitsprache beherrschten.
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29.09.2012, 15:12
Beitrag: #4
RE: Handels- und Verkehrssprachen
(29.09.2012 14:39)Renegat schrieb:  Ich meinte das geschichtlich, also von ihrer Existenz wissen.
Alle Epochen und Weltgegenden übersehe ich nicht, deshalb wäre es schön, wir könnten unsere Kenntnisse zusammenführen.
[...]Nicht ganz, wenn beide Handelspartner dieselbe Muttersprache sprechen, benutzen sie diese. Handelssprachen benötigt man eher bei Sprachunterschieden, mindestens einer der Handelspartner spricht sie als Zweitsprache. http://de.wikipedia.org/wiki/Handelssprache
Das ist die Frage. Rein theoretisch ist ja auch besagte Muttersprache, die beide Handelspartner sprechen und benutzen, eine Handelssprache. Aber ich denke, ich verstehe, worauf du hinaus willst.
(29.09.2012 14:39)Renegat schrieb:  Aber genau auf diesen Zweitsprachenpunkt wollte ich hinaus. Gibt es Sprachen, die von einer Handelssprache als Zweitsprache zur Muttersprache/Erstsprache wurden?
Das ist bei Latein nur teilweise der Fall, und selbst bei Englisch nicht.
Da muss schon ein weiterer Aspekt hinzukommen, wie Kolonialismus (englischsprachige Länder in der ganzen Welt) oder Religion (bei Arabisch teilweise der Fall).
Und selbst diese beiden Sprachen sind nicht überall zur Muttersprache geworden.

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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28.09.2016, 23:27
Beitrag: #5
RE: Handels- und Verkehrssprachen
In Vielvölkergebieten wird die gemeinsame Verkehrssprache oft für immer mehr zur Muttersprache z.B. Englisch in Südafrika/Namibia und wahrscheinlich auch im Südsudan. In Namibia sind Ovambo im Norden und Africans im Süden am meisten verbreitet. Sie verständigen sich dann in Englisch.

viele Grüße

Paul

aus dem hessischen Tal der Loganaha (Lahn)
in der Nähe von Wetflaria (Wetzlar) und der ehemaligen Dünsbergstadt
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29.09.2016, 12:21
Beitrag: #6
RE: Handels- und Verkehrssprachen
Handels- und verkehrssprachen.

Ohne jetzt viel Ahnung zu hasben, und im Bewusstsien, dass ihr etwas anderes meint.

Im Killertal, Fürstentum Hohenzollern Hechingen ist ein ganz erheblicher Teil seit Jahrhunderten als "Marktfahrer" tätig. Früher handelten sie zB Peitschen, heute hauptsächlich Textilien, Trikotagen auf Jahrmärkten, Krämermärkten landauf landab.

Diese Markthändler sprechen untereinander, wenn sie nicht wollen, dass ihr Gespräch von "uneingeweihten" verstanden wird, eine Händlersprache die, trotz klar schwäbischem Tonfall, ähnlich wie Sanskrit klingt.
Wobei dies meines Wissens nach kein Einzelfall ist, diese Händlersprachen wohl über das ganze deutsche Sprachgebiet in etlichen Variationen verbreitet sind.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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01.10.2016, 17:43
Beitrag: #7
RE: Handels- und Verkehrssprachen
(29.09.2016 12:21)Suebe schrieb:  Diese Markthändler sprechen untereinander, wenn sie nicht wollen, dass ihr Gespräch von "uneingeweihten" verstanden wird, eine Händlersprache die, trotz klar schwäbischem Tonfall, ähnlich wie Sanskrit klingt.

Ähnlich wie z.B. das Jenische und die anderen "rotwelschen" Sprachen?
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02.10.2016, 17:51
Beitrag: #8
RE: Handels- und Verkehrssprachen
(01.10.2016 17:43)913Chris schrieb:  
(29.09.2016 12:21)Suebe schrieb:  Diese Markthändler sprechen untereinander, wenn sie nicht wollen, dass ihr Gespräch von "uneingeweihten" verstanden wird, eine Händlersprache die, trotz klar schwäbischem Tonfall, ähnlich wie Sanskrit klingt.

Ähnlich wie z.B. das Jenische und die anderen "rotwelschen" Sprachen?

Danke für den Kronleuchter.
Pleißne heißt jene Abart des Rotwelschen.
Zitat:“S’ischt a Kachel z’viel im Ofe, pleißnet, dass des Pinkle koan Watze a’stubt.”
soll heißen: da hört einer zu, den das nichts angeht, redet auf pleißne, dass der nichts mitkriegt

von da
http://albverein.net/2013/05/21/125-jahr...bverein-2/
was ich wiederum da fand
https://de.wikipedia.org/wiki/Rotwelsch

interessant jedenfalls, dass die Sprache die ich ein paar Mal im Leben hörte auch da einen Niederschlag fand.

Nebenbei,
im Killertal haben sie zwischen 1650 und 1795 so ein Stücker 15 "Sensenrevolutionen" gegen ihren angestammten Fürsten "Hohenzollern-Hechingen" gemacht.
Auch keine einfachen Charaktere. Halt SchwabenAngel

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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03.10.2016, 11:25
Beitrag: #9
RE: Handels- und Verkehrssprachen
(02.10.2016 17:51)Suebe schrieb:  
(01.10.2016 17:43)913Chris schrieb:  Ähnlich wie z.B. das Jenische und die anderen "rotwelschen" Sprachen?

Danke für den Kronleuchter.
Pleißne heißt jene Abart des Rotwelschen.
Zitat:“S’ischt a Kachel z’viel im Ofe, pleißnet, dass des Pinkle koan Watze a’stubt.”
soll heißen: da hört einer zu, den das nichts angeht, redet auf pleißne, dass der nichts mitkriegt

von da
http://albverein.net/2013/05/21/125-jahr...bverein-2/
was ich wiederum da fand
https://de.wikipedia.org/wiki/Rotwelsch

interessant jedenfalls, dass die Sprache die ich ein paar Mal im Leben hörte auch da einen Niederschlag fand.

Nun ist im Beispielssatz nicht ein Wort iranischen Ursprungs. Es ist einfach gemischter deutscher Dialekt überwiegend auf der Basis des Bairischen, da die Händler ja umherzogen. Das kann dann weder Rotwelch, noch Jenisch sein. Es ist auch auf hochdeutsch verständlich:
Es ist eine Kachel zuviel im Ofen, redet pleisnet, damit kein Wildschwein aufgestöbert wird. Der Inhalt ist extrem umschrieben, aber ohne Fremdsprache.
Nun kann der Thüringische Dialekt der Region Pleissen nicht gemeint sein, denn das ist ja nicht beirisch. Die Pleise ist in Südtirol eine schräge Bergwiese. Es soll ein vorgermanisches Wort sein, also rätisch o. keltisch.

viele Grüße

Paul

aus dem hessischen Tal der Loganaha (Lahn)
in der Nähe von Wetflaria (Wetzlar) und der ehemaligen Dünsbergstadt
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03.10.2016, 21:08
Beitrag: #10
RE: Handels- und Verkehrssprachen
(01.10.2016 17:43)913Chris schrieb:  
(29.09.2016 12:21)Suebe schrieb:  Diese Markthändler sprechen untereinander, wenn sie nicht wollen, dass ihr Gespräch von "uneingeweihten" verstanden wird, eine Händlersprache die, trotz klar schwäbischem Tonfall, ähnlich wie Sanskrit klingt.

Ähnlich wie z.B. das Jenische und die anderen "rotwelschen" Sprachen?

(03.10.2016 11:25)Paul schrieb:  
(02.10.2016 17:51)Suebe schrieb:  Danke für den Kronleuchter.
Pleißne heißt jene Abart des Rotwelschen.
soll heißen: da hört einer zu, den das nichts angeht, redet auf pleißne, dass der nichts mitkriegt

von da
http://albverein.net/2013/05/21/125-jahr...bverein-2/
was ich wiederum da fand
https://de.wikipedia.org/wiki/Rotwelsch

interessant jedenfalls, dass die Sprache die ich ein paar Mal im Leben hörte auch da einen Niederschlag fand.

Nun ist im Beispielssatz nicht ein Wort iranischen Ursprungs. Es ist einfach gemischter deutscher Dialekt überwiegend auf der Basis des Bairischen, da die Händler ja umherzogen. Das kann dann weder Rotwelch, noch Jenisch sein. Es ist auch auf hochdeutsch verständlich:
Es ist eine Kachel zuviel im Ofen, redet pleisnet, damit kein Wildschwein aufgestöbert wird. Der Inhalt ist extrem umschrieben, aber ohne Fremdsprache.
Nun kann der Thüringische Dialekt der Region Pleissen nicht gemeint sein, denn das ist ja nicht beirisch. Die Pleise ist in Südtirol eine schräge Bergwiese. Es soll ein vorgermanisches Wort sein, also rätisch o. keltisch.


Vorgermanisch, hm- und du bist sicher, dass die Neandertaler nix damit zu tun haben? Innocent



Spass beiseite, dein Beitrag wirft doch etliche Fragen auf:
Warum sollen in der Killertäler Händlersprache Iranische Wörter enthalten sein?
Und wer hat das behauptet?

Zitat:Es ist einfach gemischter deutscher Dialekt überwiegend auf der Basis des Bairischen
Ob das "gemischter deutscher Dialekt" ist, möchte ich doch sehr in Frage stellen. Und die "bairische Basis" - in einem Tal der Urschwäbischen Zollernalb - ist schlicht Nonsens.

Zitat:Es ist auch auf hochdeutsch verständlich:
Neee mein Lieber, ist nicht.
Dieser Sprache mangelt die Schriftlichkeit, sie wird gesprochen, sehr schnell gesprochen.
Und du verstehst nix, gar nix, nicht mal Bahnhof oder Feierabend .....
Bat
denn, mein Lieber, wenn du was verstehen würdest, hätte die Sprache jeden
Sinn verloren.
Aber sie wird heute noch gesprochen.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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03.10.2016, 23:50
Beitrag: #11
RE: Handels- und Verkehrssprachen
(03.10.2016 21:08)Suebe schrieb:  
(01.10.2016 17:43)913Chris schrieb:  Ähnlich wie z.B. das Jenische und die anderen "rotwelschen" Sprachen?

(03.10.2016 11:25)Paul schrieb:  Nun ist im Beispielssatz nicht ein Wort iranischen Ursprungs. Es ist einfach gemischter deutscher Dialekt überwiegend auf der Basis des Bairischen, da die Händler ja umherzogen. Das kann dann weder Rotwelch, noch Jenisch sein. Es ist auch auf hochdeutsch verständlich:
Es ist eine Kachel zuviel im Ofen, redet pleisnet, damit kein Wildschwein aufgestöbert wird. Der Inhalt ist extrem umschrieben, aber ohne Fremdsprache.
Nun kann der Thüringische Dialekt der Region Pleissen nicht gemeint sein, denn das ist ja nicht beirisch. Die Pleise ist in Südtirol eine schräge Bergwiese. Es soll ein vorgermanisches Wort sein, also rätisch o. keltisch.


Vorgermanisch, hm- und du bist sicher, dass die Neandertaler nix damit zu tun haben? Innocent



Spass beiseite, dein Beitrag wirft doch etliche Fragen auf:
Warum sollen in der Killertäler Händlersprache Iranische Wörter enthalten sein?
Und wer hat das behauptet?

Zitat:Es ist einfach gemischter deutscher Dialekt überwiegend auf der Basis des Bairischen
Ob das "gemischter deutscher Dialekt" ist, möchte ich doch sehr in Frage stellen. Und die "bairische Basis" - in einem Tal der Urschwäbischen Zollernalb - ist schlicht Nonsens.

Zitat:Es ist auch auf hochdeutsch verständlich:
Neee mein Lieber, ist nicht.
Dieser Sprache mangelt die Schriftlichkeit, sie wird gesprochen, sehr schnell gesprochen.
Und du verstehst nix, gar nix, nicht mal Bahnhof oder Feierabend .....
Bat
denn, mein Lieber, wenn du was verstehen würdest, hätte die Sprache jeden
Sinn verloren.
Aber sie wird heute noch gesprochen.

Weil die jennische und Rotwelche Sprache durch Roma beeinflußt wurden und deren Romasprache gehört zu den iranischen/indischen Sprachen. Dies hat Chris erwähnt. Suebe hat Sanskrit erwähnt, welches mit Romani verwandt ist.

https://de.wikipedia.org/wiki/Jenische_Sprache

https://de.wikipedia.org/wiki/Romani

“S’ischt a Kachel z’viel im Ofe, pleißnet, dass des Pinkle koan Watze a’stubt.” Das ist doch ein beirischer Satz.

viele Grüße

Paul

aus dem hessischen Tal der Loganaha (Lahn)
in der Nähe von Wetflaria (Wetzlar) und der ehemaligen Dünsbergstadt
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04.10.2016, 07:58
Beitrag: #12
RE: Handels- und Verkehrssprachen
(03.10.2016 23:50)Paul schrieb:  “S’ischt a Kachel z’viel im Ofe, pleißnet, dass des Pinkle koan Watze a’stubt.” Das ist doch ein beirischer Satz.


Nein.

Der Satz stammt aus der Festrede die Dr. Werner Mezger anläßlich der 125 Jahr-Feier des Schwäbischen Albvereins hielt.
In dem er auf die Variationen hinwies die unter den "Älblern" zu finden sind.
Auch, und gerade sprachlich.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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04.10.2016, 08:25
Beitrag: #13
RE: Handels- und Verkehrssprachen
(03.10.2016 23:50)Paul schrieb:  “S’ischt a Kachel z’viel im Ofe, pleißnet, dass des Pinkle koan Watze a’stubt.” Das ist doch ein beirischer Satz.

Das mag von deinem hessischen Tal aus so wirken, aber der Satz is nu eindeutig schwäbisch Wink und vom Wortschatz her, wie Suebe schrieb, was ganz eigenes, eine Geheim- oder "Insider"-Sprache eben Wink

Ich seh da gewisse Ähnlichkeiten zum Cockney-Englisch Big Grin. Das is auch im Grunde Englisch, aber mit Spezialwortschatz und auch -satzbau, so dass der gemeine Engländer rein gar nichts versteht, wenn sich zwei Cockneys unterhalten Big Grin
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04.10.2016, 09:44
Beitrag: #14
RE: Handels- und Verkehrssprachen
(03.10.2016 21:08)Suebe schrieb:  Spass beiseite, dein Beitrag wirft doch etliche Fragen auf:
Warum sollen in der Killertäler Händlersprache Iranische Wörter enthalten sein?

Denkbar wäre das schon. Jedenfalls gehörten zu den mittelalterlichen Randgruppen auch Zigeuner, die sich spätestens im Spätmittelalter in Mitteleuropa nachweisen lassen. Und als Angehörige der Randgruppen sprachen eben auch sie - wie die anderen Fahrenden (Schausteller, Beutelschneider, Kesselflicker, Bettler) - Rotwelsch. Insofern ist es nicht abwegig, wenn man glaubt, im Rotwelschen einige Ausdrücke aus der indo-iranischen Sprachfamilie zu finden.

In der Schweiz galten die "Jenischen" immer schon als Angehörige der Zigeuner (damals sprach man noch nicht von Sinti oder Roma) und auch die Jenischen selbst sahen sich als solche - im Gegensatz zu den anderen fahrenden Messerschleifer und Besenbinder. In der Schweiz war - zum Mindesten so weit ich es in der Kindheit selbst erlebt oder aus Erzählungen gehört habe - "jenisch" eine etnische und keine soziologische Bezeichnung.

PS: Eine gewisse Ironie der Geschichte besteht im Umstand, dass die indo-iranischen Ableger des Indogermanischen früher mal als "arische" Sprachfamilie bezeichnet wurden und dass dann ausgerechnet diejenigen, deren Muttersprache zu diesem Sprachzweig zählt - die Roma und Sinti - bei den Nazis denselben Stellenwert wie die Juden einnahmen und in den entsprechenden Lagern entsorgt wurden.
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04.10.2016, 12:20
Beitrag: #15
RE: Handels- und Verkehrssprachen
Interessante Aussagen!
Doch weis ich zu wenig darüber.
Ich habe mich aber mal gefragt, wie der Satz (den Paul erwähnte:“S’ischt a Kachel z’viel im Ofe, pleißnet, dass des Pinkle koan Watze a’stubt.” ) nicht eine direkte Sprache ist, sondern nur ein Dialekt? ZB wenn ich in Bayern bin/war und sie sich "flüssig" unterhielten, habe ich kaum ihr Dialekt verstanden. Aber wenn sie sich mit mir unterhielten, war es schon verständlicher.

... und die englische Sprache - so nehme ich nur an - ist die dominanteste Sprache in unserer Zeit. In vielen Ländern kann sich der Fremde mit englisch recht gut verständigen.
Soviel ich weis wird z. B. im Flugverkehr nur englisch gesprochen - es sei denn, wenn sie ich an die Passagiere in den verschiedenen Sprachen wenden.

Einem Haus eine Bibliothek hinzuzufügen heißt, dem Haus eine Seele zu geben.

Marcus Tullius Cicero
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04.10.2016, 16:06
Beitrag: #16
RE: Handels- und Verkehrssprachen
(04.10.2016 12:20)Aurora schrieb:  Interessante Aussagen!
Doch weis ich zu wenig darüber.
Ich habe mich aber mal gefragt, wie der Satz (den Paul erwähnte:“S’ischt a Kachel z’viel im Ofe, pleißnet, dass des Pinkle koan Watze a’stubt.” ) nicht eine direkte Sprache ist, sondern nur ein Dialekt?
./.

NEIN
das ist kein Dialekt.
Das ist eine spezielle Händlersprache.
In dem Fall von Marktbeschickern, die die benutzen, wenn sie sich im Beisein von Kunden oder Lieferanten miteinander austauschen wollen. Wenn die Kunden oder Lieferanten dies nicht verstehen sollen!
Weil man sich zB über Konditionen oder andere für den Handel wichtige Punkte austauschen will.

Lasst euch von dem von geschriebenen Sätzchen nicht täuschen, jener Sprache mangelt die Schriftlichkeit grundsätzlich und absichtlich. Um ein Gefühl dafür zu kiregen, müsste er in Lautschrift sein.
Diesen Satz im entsprechenden Tempo in der benutzten Sprachmelodie "vorgetragen" ist für alle Forianer einschließlich dem Schreiber dieser Zeilen absolut unverständlich.

Und ihr dürft es mir glauben, ich lebe gerade mal ein Tal weiter, nur ein Pass dazwischen, und der Dialekt ist eines meiner Hobbies.
Trotzdem....
Denn, wie geschrieben, würde ich es verstehen hätte die Sprache ihren Sinn verloren und würde binnen weniger Jahre verschwinden.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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