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Presseschau Die Balkankriege
03.11.2012, 19:53
Beitrag: #1
Presseschau Die Balkankriege
Zitat:Vor 100 Jahren begannen die BalkankriegeAuftakt zur Katastrophe

Wer die politische Situation in Südeuropa verstehen will, sollte die Balkankriege von 1912/1913 kennen. Damals wurden die Türken aus Europa vertrieben und die Beute unter Serbien, Bulgarien und Griechenland aufgeteilt. Der Krieg war von unerhörtem nationalistischem Furor und neuer maschineller Grausamkeit.

Als der Dichter und Diplomat Milan Rakić am 10. November 1912 an der Spitze einer serbischen Militärkolonne in Pristina einrückte, hatte er einen Plan. Er begab sich zum serbischen Konsulat und schleppte mithilfe seiner Soldaten eine dort versteckte Glocke zur orthodoxen Kirche. Dann liess er sie hochziehen. Nun traten Mann für Mann heran, bekreuzigten sich, zogen die Mütze und dann am Strang der Glocke. Stundenlang klang sie hell übers Amselfeld. Nach 500 Jahren Türkenherrschaft war Kosovo wieder serbisch. «Der Balkan den Balkanvölkern!», hiess die Losung des Balkanbundes, jener Allianz aus Bulgarien, Serbien, Griechenland und Montenegro, welche die osmanische Herrschaft in Europa in wenigen Monaten beendete. Doch befreit wurden nur jene Völker, die bereits einen Staat hatten – Albaner, Mazedonier, slawische Muslime und Balkantürken waren mit dem Wahlspruch nicht gemeint. Für Kosovos Albaner hatte Rakićs Glocke einen bedrohlichen Klang.

zum weiterlesen
http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/ueb...1.17752603

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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05.08.2018, 09:28
Beitrag: #2
RE: Presseschau Die Balkankriege
Ein sehr wichtiges Datum in der Entwicklung des Balkanbundes war der 14.September 1909. An jenem Tage wurde Nikolai Hartwig zum russischen Gesandten in Belgrad.Hartwig erreichte in Belgrad eine absolute Ausnahemestellung, er wurde auch als König von Belgrad bezeichnet. Die königlich serbische Regierung fasste praktisch keine Beschlüsse mehr, ohne seine Meinung einzuholen.

Hartwig war Vertreter eines entschiedenen antiösterreichischen Kurses in der Balkanpolitik, womit folgerichtig auch seine Unterstützung für großserbische Ansprüche zusammenhing.

Hartwig fuhr teilweise in Belgrad eine Privataußenpolitik, die sich so manchesmal von der der Zentrale in Petersburg unterschied. Dies wurde auch von den Gesandten Frankreichs und Großbritanniens durchaus bemerkt und kritisch kommentiert.

Auch wenn der bulgarische Zar Ferdinand den Serben nie groß getraut hatte, waren die Bedinungen mit Antritt des Kabinetts Gesov günstige Bedinungen für den Abschluß eines Bündnisvertrages mit Belgrad gegeben. Hartwig wirkte an der Begründung des Balkanbundes zwischen Serbien, Bulgarien, Griechenland und Montenegro entscheidend mit.

Kein geringerer als Poincarre nannte das Kind bei seinem Namen:"Allem Anschein nach enthält der Vertrag nicht nur die Saat für einen Krieg gegen die Türkei, sondern auch für einen Krieg gegen Österreich. Außerdem etabliert er die Hegemonie Russlands über die slawischen Königreiche, weil Russland als der Schiedsrichter in allen Fragen bezeichnet wird. Ich bemerke Sasonow gegenüber, dass dieses Abkommen, wenn man das Kind beim Namen nennen will, ein Kriegsabkommen sei und dass es nicht nur die tieferen Motive der Serben und Bulgaren enthülle, sondern auch Anlass zu der Befürchtung gebe, dass ihre Hoffnungen von Russland genährt worden seien."

Was Poincarre aber nicht tat, war, das er bzw. die französische Außenpolitik mäßigend auf seinen Verbündeten Russland einwirkte. Für Poincarre war Russland der Dreh- und Angelpunkt der Sicherheit Frankreichs und deshalb wurde alles getan, dieses Bündnis zu erhalten. Deshalb wurde auch der Bündnisfall, was alle französsichen Regierungen vor Poincarre tunlichst sorgfältig vermieden haben, auch für den Fall einer kriegerischen Auseinandersetzung auf dem Balkan ausgedehnt. Eine katastrophale Entscheidung!, wie der Juli 1914 zeigte.

Die Gier der Italienier in Form ihres Überfalls, der praktisch von den europäischen Großmächten nicht geahndet wurde, auf den Besitzstand des Osmansichen Reiches im Frühjahr 1912, wirkte auf den Balkanbund ohne jede Frage sehr ermutigend.

Die Zeitbombe begann zu ticken.
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