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Körtik Tepe I.
24.06.2012, 05:37
Beitrag: #1
Körtik Tepe I.
.

Servus .

In der Zeitschrift Bild der Wissenschaft , Ausgabe 7 / 2011. las ich einen
interessanten Artikel über die Ausgrabung von Körtik Tepe .

Diese Fundstelle liegt ca. 250. Km. östlich von Göbekli Tepe .

http://www.forum-geschichte.at/Forum/sho...hp?tid=169

Da der Damm vorraussichtlich 2013. fertig sein soll finden auf den
Überflutungsarealen Notgrabungen statt .

[Bild: Tuerkei_Karte-Ilisu.jpg]

Amerikanische Forscher fanden in der Gegend mehrere Fundstellen in den
1980. Jahren .
Körtik Tepe wurde von ihnen als bronzezeitlicher Fundort ,
wegen offensichtlicher Sesshaftigkeit bewertet und war daher für sie
nicht so interessant um eine Grabung zu beginnen .

Nach Aussage des türkischen Grabungsleiters Vecihi Özkaya kann der Fundort nicht mit so imposanten Relikten aufwarten wie Göbekli Tepe ,
aber für die beginnende Sesshaftwerdung geben die gewonnenen Grabungsfunde
neue Erkenntnisse .
Die Grabung geht bis auf Schichten von 9600. v. Chr. zurück .
Im Gegensatz zu Anderen Grabungen wurden über 650. Skelete gefunden .
Über 70 % davon aus der Zeit von vor ca. 12000. Jahren ,
der Rest aus dem Mittelalter .

http://www.vorderasien.uni-freiburg.de/i...enzkoertik

http://kortiktepe.com/en/

Die Bewohner lebten über Jahrhunderte in einer Siedlung in Rundhäusern .
Deren Bauform sich im Laufe der Besiedlung änderten .
Bis jetzt wurden 86. Häuser , in mindestens 7. Phasen , übereinander gefunden .
Die ersten Hütten waren Pfostenbauten aus Holz und Lehm .
Mit Generationen längerdauernder Besiedlung wurden die Häuschen
immer mehr gemauert .
Sie verfügten schon über einen , vermutlich gestampften Lehmboden .

[Bild: images?q=tbn:ANd9GcQLYKI9fdCna3wFgklAV0d..._93C3Ot-4A]


Es wurden drei Haustypen freigelegt :

Die „ Einfamilienhäuschen „ , mit einem Durchmesser von 2,3 – 3. Metern
stellen die Mehrheit .

30.kleinere Hütten , mit einem Durchmesser von 1,2 – 2.2. Metern ,
deren Böden mit Steinen verfließt waren , dienten vermutlich als Vorratskammern .

2010. legten sie einen Lehmofen frei .
Er hat die Ehre , der älteste jemals gefundene gemauerte Herd zu sein .

Vier Häuser fielen aus der Reihe , denn sie waren viel größer als die Anderen .
Der Grabungsleiter vermutet , daß es öffentliche – oder Gemeinschaftshäuser waren .
Aber über ihre Funktion könne man nur spekulieren .

Mir würde noch eine Funktion einfallen .
Wir kennen doch von den Jäger und Sammlerkulturen auf Papua Neuguinea , Männerhäuser .
Vielleicht dienten sie auch solchen Zwecken .

http://www.goruma.de/Laender/Australien/...itten.html

http://de.academic.ru/dic.nsf/meyers/855...%C3%A4user

luki

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24.06.2012, 05:47
Beitrag: #2
Körtik Tepe II. - Alltag .
.
Der Alltag in Körtik Tepe :

Vor 11.-12 000. Jahren war das Gebiet um das Dorf viel feuchter als Heute .
Es gab unzähliche Quellen und die Flüsse führten mehr Wasser .
Daher standen auch Fische ( z.B.: Karpfen ) auf ihrem Speiseplan .

[Bild: images?q=tbn:ANd9GcRMyd1h0sryBfXwO1aEvb3...7xaxcQ98bA]

Durch das feuchtere Klima gediehen allerlei Sorten von Gräsern und Beeren
sowie verschiedenste genießbare Wurzelarten .
In Bodenproben wurden Wildgerste und – Emmer sowie alle möglichen
Grassamen gefunden .
Es deutet nichts darauf hin daß sie diese Wildformen schon gezielt anbauten ,
wie in den zeithahen Fundorten von Hallan Cemi oder Cayönü .

[Bild: images?q=tbn:ANd9GcQLTOsFGBAaxQlN02Pe-iI...Cw9Ie3-LxQ]
Aus der Grabung , Türkisch .

Anhand der Tierknochenfunde konnte ihr Speisezettel ergänzt werden .
Es wurden viele Schafe und Rotwild verspeist , aber auch Schweine ,
Rinder , Ziegen und Gazellen und ab und zu ein Hase .
Da die Knochen von wilden , nichtdomestizierten Tieren länger und kräftiger sind ,
konnte man nachweisen , daß sie noch keine Zucht betrieben .
Ob sie schon eine selektive Jagd betrieben und Tiere auf Vorrat hielten , wäre möglich .
Aber auch Geflügel verschmähten sie nicht . Großtrappen , Eulen und Rabenvögel , sowie Stockenten im Sommer und Gänse im Winter .
Da viele Schildkrötenpanzer gefunden wurden , standen auch diese vermutlich
auf der Speisekarte .

Speiseabfälle : Aus der Grabung .
[Bild: images?q=tbn:ANd9GcSzxF5ADir3MmdbjfePPft...byaPRSJ0ED]

Sie ernährten sich ausgewogen und ausreichend .
Vielleicht waren sie auch desswegen um einiges Größer als die Menschen
an anderen Fundstellen .
Da schon 160. Skelette aus dem Neholithikum untersucht wurden
kann man ihre Durchschnittsgröße angeben .
Und die war für die damalige Zeit beachtlich .
Die Männer wurden 1,73. Meter
und die Frauen 1.63. Meter groß .


Sie mahlten zwar die Wildgräser und Wildgetreidevorformen ,
aber ihre Hauptnahrung bestand aus Fleisch .
Dadurch kannten sie noch keine Karieserkrankungen .
Sie waren noch richtige Sammler und Jäger und trotzdem sesshaft ,
was vermutlich durch das reichhaltige und vielfältige Nahrungsangebot
in ihrem Garten Eden möglich wurde .

Trepanation ? Wikipedia
Und trotzdem starben sie relativ Jung .
Die Forscher vermuten , daß durch das enge Zusammenleben sich Infektionserkrankungen leichter ausbreiten konnten .
Denn an Mangelerkrankungen litten sie nicht .

Einige Schädel wiesen zwar Verletzungen auf ,
aber an Denen verstarben sie nicht , denn die Knochenränder vernarbten .
Es waren alltägliche Verletzungen oder auch , wie ich vermute , die Ergebnisse
von Eingriffen ( Trepanation ) .

http://de.wikipedia.org/wiki/Trepanation

An den Skeletten wurden keine Kampfverletzungen gefunden ,
was auf ein relative friedliches Leben schließen läßt .

Anhand von Vielen bis garkeinen Grabbeigaben stellte man fest ,
daß es schon eine Hierarchie gab .
Vermutlich waren einige Personen des Dorfes angesehener als die Anderen .
Z.B.. Schamanen , kunstfertige Handwerker oder ältere Personen ,
da sie es geschafft hatten länger zu Überleben ??

Warum die Siedlung nach Jahrhunderten aufgegeben wurde ist ein Rätsel , denn
es gibt keine Hinweise die auf einen Überfall von Nachbarn schließen lassen .

luki

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24.06.2012, 05:59
Beitrag: #3
Körtik Tepe III. - Grabbeigaben .
.
Im Gegensatz zu anderen Fundorten ( zeitnah ) fand man in

Körtik Tepe ;

Viele Einzelgräber .
In manchen waren gar keine Grabbeigaben .
In Anderen strotzte es an wertvollen Kostbarkeiten .
Aussergewöhnlich waren auch die Bestattungsriten .
Da die Knochen anatomisch richtig in den Gräbern lagen und
Schnitt und Schabespuren aufwiesen , vermuten die Forscher ,
daß die Leichen bearbeitet wurden .
Die Knochen wurden vom Fleische befreit und dann eventuell zum Säubern
den Geiern überlassen .

Einige Skelette waren auch bemalt .
Parallele rote und schwarze Striche und punktierte Linien an den Schädeln
und Oberschenkelknochen .
Einige der Bemalten aber auch unbemalte Skelette waren sogar eingegipst .
Ein Kind , beim Ableben 6. bis 9. Jahre alt und zwei Erwachsene ( vielleicht eine Familie ) , lagen gemeinsam in einem Gipsblock .

Die bis jetzt gefundenen Zähne waren so porös , daß sie für eine Zahnwurzel
DNS – Bestimmung unbrauchbar sind .

In 21. Gräbern wurden auch Schildkrötentpanzer gefunden .
Meine Vermutung , waren es Totemtiere oder nur eine Art von Fleischkonserve
für den Weg ins Jenseits ???

Diese Bestattungsformen lassen auf religiöse Vorstellungen schließen ,
vielleicht sogar an eine Art des Jenseitsglaubens .
Warum sonst sollte man die Knochen schmücken und Einigen verschwenderisch Steingeschirr und Steinperlen mit ins Grab beigeben ??

[Bild: ae98e3391c4268302e0e8f97c3c005bb.jpg&w=600]

Über 170 000. winzige Steinperlen wurde gefunden .
Diese wurden aufgereiht und als Schmuck oder eventuell als Nutzgeld
im Tauschhandel verwendet .

[Bild: tv5.png]

Da die Töpferei noch nicht erfunden war ,
benützten sie Steinbecher und Schüsseln .
Sie wurden aus Chlorit gefertigt und waren mit geometrischen
Mustern oder Tierfiguren verziert .

Sehen diese Becher nicht wunderbar aus .
Nicht vergessen , sie sind aus Stein und fast 12 000. Jahre alt .

[Bild: tv12.png]

Nur auf 5. Bechern wurden Verzierungen mit menschlichen Figuren gefunden .

Der Obsidian , für die Werkzeuge kam aus dem Gebirge .

Aus dem Taurusgebirge kam auch ein Stück Radioalarit ,
eine sehr harte Gesteinsart .
Das Eisen der Steinzeit .

Diese weit entfernten Ursprungsorte der Steinwerkzeuge läßt auf schon
bestehende Handelswege schließen .

Das Ergebnis der Grabungen in Anatolien ist :
Die Urbanisierung begann schon bei den Jägern und Sammlern
und war schon sehr rasch sehr kunstfertig .

Sie waren keine tumben Wilden .
Vielleicht waren sie uns ähnlicher als wir es uns vorstellen können .

Luki.

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24.06.2012, 13:52
Beitrag: #4
RE: Körtik Tepe I.
Schönes Thema, ist mir im G-Forum gar nicht aufgefallen.
Im Moment sieht es so aus, als hätte die "Neolithische Revolution" in der heutigen Osttürkei stattgefunden. Du weist ja auf die fast gleichalten Funde von Cayönü hin. http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%87ay%C3%B6n%C3%BC
Der Unterschied scheint nur in der Domestikation von Gräsern zu liegen.
Andererseits wird in Nordirak, Iran und Syrien wohl nicht so intensiv gegraben.
In den anderen vermuteten Zentren des Übergangs zum bewußten Anbau wie der Südsahara, China und Amerika ist die Fundlage teilweise noch dürftiger.
Außerdem kann man an anderen wichtigen Kohlehydratlieferpflanzen den Unterschied zwischen gesammelt und angebaut/gezüchtet nicht so gut erkennen wie an den Gräsern.
Die Veränderung der Grassamen hinsichtlich Größe und Halmhaftung haben aus meiner Sicht zur Aha-Theorie geführt und damit zur Begriffsprägung "Neolithische Revolution".
Dazu mache ich ein eigenes Thema auf, ich möchte deine Serie nicht unterbrechen.
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24.06.2012, 16:16
Beitrag: #5
Archäologie
.
Servus Renegat .

Ich habe diese zwei Themen hier hereingestellt da dieses noch verweist war .

Aber im langen Video von Göbekli Tepe stellt der Ausgräber die These auf ,
daß der Grund der Sesshaftwerdung nicht der Ackerbau oder die Tierzucht sei ,
sondern umgekehrt .

Denn in beiden Fundstellen waren die Menschen noch hauptsächlich
Jäger und Sammler .
In Göbekli Tepe sehr augenscheinlich .
Seine Aussage , zuerst kam der Tempelbau .
Der bedingte eine Sicherstellung der Ernährung .
Zwangsweise kam daher der Anbau und die Zucht .
Da an der Baustelle immer genügend Nahrung vorhanden sein mußte .
Das Wild aber durch Abholzung , Raubbau
und Jagd schon weithin verschwunden war .

Interessante These .

G.v.luki

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24.06.2012, 18:34
Beitrag: #6
RE: Archäologie
(24.06.2012 16:16)Luki schrieb:  .
Servus Renegat .

Ich habe diese zwei Themen hier hereingestellt da dieses noch verweist war .

Aber im langen Video von Göbekli Tepe stellt der Ausgräber die These auf ,
daß der Grund der Sesshaftwerdung nicht der Ackerbau oder die Tierzucht sei ,
sondern umgekehrt .

Denn in beiden Fundstellen waren die Menschen noch hauptsächlich
Jäger und Sammler .
In Göbekli Tepe sehr augenscheinlich .
Seine Aussage , zuerst kam der Tempelbau .
Der bedingte eine Sicherstellung der Ernährung .
Zwangsweise kam daher der Anbau und die Zucht .
Da an der Baustelle immer genügend Nahrung vorhanden sein mußte .
Das Wild aber durch Abholzung , Raubbau
und Jagd schon weithin verschwunden war .

Interessante These .

G.v.luki

Ja, interessante These, mehr als eine These kann es aber nicht sein und wenn, gilt sie höchstens für die Umgebung von Göbekli Tepe. Umgekehrt könnte man genauso argumentieren, nur weil in der Umgebung das Nahrungsangebot so vielfältig und groß war und sie teilweise deshalb seßhafter leben konnten incl. früher Förderung von Nutzpflanzen, konnten sie diese große Tempelanlage in Abschnitten bauen.
Elemente dieser speziellen Architektur tauchen etwas später in Nevali Cori in kleinerer Form wieder auf. Vielleicht mußten sich Bevölkerungsüberschüsse woanders niederlassen.
Interessant ist ja auch, dass die gesamte Anlage in Göbekli Tepe komplett zugeschüttet wurde.
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24.06.2012, 19:10
Beitrag: #7
RE: Archäologie
(24.06.2012 18:34)Renegat schrieb:  Ja, interessante These, mehr als eine These kann es aber nicht sein und wenn, gilt sie höchstens für die Umgebung von Göbekli Tepe. Umgekehrt könnte man genauso argumentieren, nur weil in der Umgebung das Nahrungsangebot so vielfältig und groß war und sie teilweise deshalb seßhafter leben konnten incl. früher Förderung von Nutzpflanzen, konnten sie diese große Tempelanlage in Abschnitten bauen.
Elemente dieser speziellen Architektur tauchen etwas später in Nevali Cori in kleinerer Form wieder auf. Vielleicht mußten sich Bevölkerungsüberschüsse woanders niederlassen.
Interessant ist ja auch, dass die gesamte Anlage in Göbekli Tepe komplett zugeschüttet wurde.

Servus .

Aber sie wurde nicht auf einmal begraben .
Sondern , die eine Anlage wurde begraben als daneben eine Neue errichtet war , usw .
Später wurden auf den Begrabenen wieder Neue errichtet usw.
So entstand der Hügel .
Aber das interessante ist , daß die Tempelanlagen , je höher es ging ,
an Monumentalität verloren .
Die Kreise und Mauern wurden schmäler bezw. niedriger .
Ebenso schrumpften die Monolithe je höher es ging .
das läßt sich nur mit einem geändertem religiösen Verständniss ,
im Laufe der Jahrhunderte erklären .

G.v.luki.

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