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Merkwürdiges und denkwürdiges aus Schwaben und Alemannien
05.06.2012, 11:25
Beitrag: #1
Merkwürdiges und denkwürdiges aus Schwaben und Alemannien
Luki meinte, ich soll einen solches Thema hier aufmachen.
Und, wenn ich es so recht überlege, denke ich auch, das soll ichHeart

Man wird es gemerkt haben, Schwaben und Alemannen sind ein und das selbe.
Lediglich getrennt durch eine Lautverschiebung. Bei den einen gibt es ein "Burehuus" bei den anderen ein "Baurahaus". Bei den einen heißt der Nachwuchs "Chend" bei den anderen "Kend".
Dem nicht schwäbisch und nicht alemannisch Redenden fallen die Unterschiede aber eigentlich nicht auf.

Zu den Alemannen gibt es übrigens ein exaktes Geburtsdatum:
der 21. April 289

an diesem Tag trug der ältere Claudius Mamentius in Trier am Kaiserhof ein Lobgedicht auf Kaiser Maximiniamus vor. Mit der erstmaligen Nennung des Namens "Alemannen".

Es gibt zwar ein paar ältere Berichte die den Namen enthalten, aber man nimmt an, dass der bei späteren Abschriften "reingerutscht" ist.


Der Name "Alemannen", ich habe es schon mal erwähnt, ist übrigens das Programm der "Stammbildung" in der Völkerwanderungszeit. "Alle Mannen" konnten dazugehören.
Ergo: Mitglied eines Stammes konnten alle sein, die es sein wollten.

Eine Wahrheit die im 19. Jahrhundert leider in Vergessenheit geriet. Um so wichtiger, dass man sie wieder hinten vor holt.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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05.06.2012, 16:40
Beitrag: #2
RE: Merkwürdiges und denkwürdiges aus Schwaben und Alemannien
Smile

Ich glaube, es gibt auch ein alemannisches Wikipedia.

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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05.06.2012, 17:06
Beitrag: #3
RE: Merkwürdiges und denkwürdiges aus Schwaben und Alemannien
(05.06.2012 16:40)Maxdorfer schrieb:  Smile

Ich glaube, es gibt auch ein alemannisches Wikipedia.
Gibt es. http://als.wikipedia.org/wiki/Houptsyte

Nobody is perfect!
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05.06.2012, 17:44
Beitrag: #4
RE: Merkwürdiges und denkwürdiges aus Schwaben und Alemannien
Dieses ist aber meistens eher Hochalemannisch, also Region Bad Krozingen bis hin in die Schweiz. Wer wirklich nicht aus Ba-Wü kommt kann sich ein Sprachbeispiel an DFB-Trainer Joachim Löw nehmen: der kann kaum verbergen dass er aus Schönau kommt, was Oberallemanisch ist. Odr SC Freiburg Trainer Christian Streich. Der strengt sich gar nicht erst an Hochdeutsch zu reden...

Wer die Vergangheit nicht achtet, dem kann es die Zukunft kosten

"Im übrigen, mein Sohn, lass dich warnen! Es nimmt kein Ende mit dem vielem Bücherschreiben und viel studieren ermüdet den Leib!" Kohelet 12,12
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05.06.2012, 19:26
Beitrag: #5
RE: Merkwürdiges und denkwürdiges aus Schwaben und Alemannien
(05.06.2012 17:06)Admin schrieb:  
(05.06.2012 16:40)Maxdorfer schrieb:  Smile

Ich glaube, es gibt auch ein alemannisches Wikipedia.
Gibt es. http://als.wikipedia.org/wiki/Houptsyte

Ja genau das meinte ich...

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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06.07.2012, 12:44
Beitrag: #6
Der persönliche Mangel
Es war in den schlimmsten Hungerjahren nach dem Krieg und vor der Währungsreform.
Täglich hingen Aufrufe an den Anschlagtafeln was am anderen Tag gegen welchen Abschnitte der Lebensmittelkarte oder andere Mangelkarten zu kaufen war.
So dass der tägliche Gang zur Anschlagtafel obligatorisch war.

Einmal marschierte ein alter Mann offensichtlich schlecht gelaunt von der Anschlagtafel weg,
auf die Frage
"Was ist aufgerufen?"
Sagte er:
"Ah wa"
womit der Schwabe allerhöchstes Mißfallen auszudrücken pflegt,
"Butter und Zucker, lauter so Lumpenzeug, aber nix zum rauchen".



Noch zur Ergänzung, die Geschichte ist verbürgt, durch die Aussage mehrerer Zeitzeugen,
der Name des "Rauchers" ist bekannt.

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06.07.2012, 21:18
Beitrag: #7
RE: Merkwürdiges und denkwürdiges aus Schwaben und Alemannien
Alle Mannen konnten Allemannen sein, wenn sie Sueben waren.
und wenn sie es nicht sein wollten schlug man ihnen den Schädel ein.
Zu besichtigen in römischen Brunnen.
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10.08.2012, 10:31
Beitrag: #8
Blauer Montag
Im Zusammenhang mit diesem Beitrag und den immensen Zeiten die die Hausfrau in früheren Zeiten am Herd stand

(10.08.2012 07:46)Suebe schrieb:  Aber wer hat heute noch die Zeit, Teig mit dem Rädchen schneiden, Klecks draufsetzen, mit Eigelb Deckel draufkleben, dann Kochen, dann noch braten, nebenher Kartoffeln Kochen, schälen, schneiden zum karoffelsalat.
Die Fleischbrühe, natürlich nicht aus Brühwürfeln ...

Meine Urgroßmutter soll zwischen 9 und 10 Uhr angefangen haben mit kochen....

ist mir folgendes aus den Erzählungen meines Vaters (Jahrgang 1902) eingefallen.

Mein Urgroßvater war Handwerksmeister. Etliche Gesellen, ein paar Lehrlinge, es ging ihm nicht schlecht.

Mein Vater erzählte, wenn ihn seine Mutter in die "Kinderschule" schickte, und er keine große Lust dazu hatte, wäre er mehrfach vor der Werkstatt seines Großvaters auf und ab marschiert, bis das Fenster aufgegangen sei, und die Frage kam "Büble wo gehst du hin?" auf die Antwort "ich muss in die Kinderschule" wäre gekommen "Awa, deine Mutter soll selbst in die Kinderschule gehen, komm rein"

Drinnen hätte er ihm die eine oder andere kleine Tätigkeit angewiesen, nach Erledigung wäre immer das Versprechen gekommen:
"Büble, du kriegscht eine Wurst wenn ich meine Hühner metzge"

Ein typisch schwäbisches sehr "knitzes" Versprechen, das ich heute auch öfter zur Verblüffung meiner Gesprächspartner mache.
"Knitz" insofern, ich muss es nie halten. Ich habe keine Hühner.
Und mein Urgroßvater, der Leser wird es sich denken, hatte natürlich auch keine.

Nach dieser kleinen Abschweifung.
Mein Vater kannte von daher kommen und gehen, tun und lassen dort recht gut.

Die Sonntage, insbesondere die Sonntagabende waren in diesen glücklichen Zeiten vor dem 1. Weltkrieg für die Männer sehr anstrengend, man musste ins Wirtshaus wo die politische Lage diskutiert wurde, und wo leicht 30-40 Glas Bier durch die Kehle rannen.
Disclaimer: ein "Glas Bier" hatte 0,3 ltr. Inhalt, aber das Bier war deutlich schwächer als heute, Trotzdem, das Fassungsvermögen dieser alten Krieger erstaunt. Wobei ich mir nicht nur von einem Zeitzeugen die Menge bestätigen ließ. Einer meinte, 50 Glas Bier des Sonntags von der Kirche bis zum späteren Abend, wäre normal gewesen.

Gut, seis drum.
Am Montag morgen jedenfalls ging es den Männern nicht so gut. Vielleicht war ja der Sonntagsbraten leicht "mißraten" wer soll das wissen. Oder im Sauerkraut zu wenig Wacholderbeeren, Möglichkeiten gibt es ja viele.

Meine Urgroßmutter kannte aber natürlich die Montag Morgen-Beschwerden und hat scharf aufgepasst.
Dass gearbeitet wurde, und auch der Meister vor Ort war.
Bis, ja bis sie gegen halb Zehn zum kochen musste.

Wenig später wäre der Meister abmarschiert, dem ein Lehrling nachgeschickt wurde, der auszukundschaften hatte, in welche Wirtschaft der Meister ging.
Ging der Meister den Markt hoch, sind die Gesellen den Markt runter marschiert, ging der Meister den Markt runter, sind die Gesellen den Markt hoch einkehren gegangen.

Über das weitere schweigt sich der Chronist leider aus. Wenn mein Urgroßvater dann zum Essen kam, ... ja, ich denke mal, er hatte zwei Ohren wie sein Urenkel heute Cool

Leider schweigt er auch über die Arbeitsleitungen am Montagnachmittag....
Aber eine gewisse Relativierung der damaligen täglichen 12 Stunden Arbeitszeit kann man schon unterstellen.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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22.09.2012, 14:48
Beitrag: #9
RE: Merkwürdiges und denkwürdiges aus Schwaben und Alemannien
So ein Relikt aus der südwestdeutschen Geschichte ist auch die bis heute latent vorhandene Aversion zwischen Hohenlohern und Schwaben. 1806 wurden die hohenloher Fürstentümer im Zuge der Neuordnung der deutschen Kleinstaaten durch Napoleon nach der gewonnenen Schlacht von Jena und Auerstädt gegen Preußen dem neugegründeten Königreich Württemberg unter dem dicken König Friedrich dem I. zugeschlagen. Ältere Hohenloher haben heute noch etwas abfällige Bemerkungen über die Schwaben und deren Hauptstadt Stuttgart parat. Da heißt es dann mundartlich: "Mir fahre hintre auf Schtuttgart!" ... so als ob es in den Hinterhof geht. Schwaben werden traditionell von den Hohenlohern gerne auf die Schippe genommen. Um seine neu erworbenen Landesteile, die hoch bis Bad Mergentheim reichten, strategisch besser anzubinden, ließ Friedrich der I. ein Bauwerk erbauen, das man heute noch bestaunen kann. Es handelt sich um die Brücke über die Jagst bei Hohebach, im 2. WK von deutschen Truppen gesprengt und nach 1945 wieder originalgetreu aufgebaut. 1812 marschierten die württembergischen Soldaten über diese Brücke, die sich später der Grande Armee anschließen mussten. Nur wenige kamen zurück.
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22.09.2012, 17:52
Beitrag: #10
Mergentheim 1809
Mergentheim 1809

Zum Jahr 1809 findet sich ein interessanter Satz im Wikipedia Eintrag zur Stadt Bad Mergentheim:
„Seit 1809 gehörte die Stadt zum Königreich Württemberg und wurde zum Sitz eines württembergischen Oberamtes. Ein im Juni 1809 ausbrechender Aufstand gegen die neue Herrschaft, der sich an der Rekrutenaushebung entzündete, wurde von württembergischen Truppen unterdrückt,…“
Das klingt interessant, und der historisch Interessierte schaut nach.



Der Aufstand in Mergentheim steht in der Reihe der 1809 an etlichen Orten ausgebrochenen Freiheitsbewegungen in ganz Deutschland. Er brach kurz vor dem in der Grafschaft Nellenburg aus, (siehe mein Post hierzu) und hatte auch dieselben Ursachen, verlief aber deutlich dramatischer und blutiger.
Am 24. April 1809 hatte Napoleon in Regensburg die Aufhebung des Deutschen Ordens im Gebiet des Rheinbundes verfügt.
Dem Königreich Württemberg hatte Napoleon das Gebiet von Mergentheim zugesagt. Bereits am 12. April und acht Tage vor der
mündlichen Zusage des französischen Kaisers, dass Mergentheim Württemberg
zufalle, hatte König Friedrich I. vollendete Tatsachen durch die militärische Besetzung geschaffen.
Im Mai wurden die Deutschordenswappen entfernt und durch die württembergischen Hoheitszeichen ersetzt.
Am 7.Juni wurde die förmliche Einverleibung in das Königreich Württemberg verkündet.
Als am 13. Juni die Huldigungsformel vorgesprochen wurde, erfolgte fast allgemeines Stillschweigen und keiner erhob die Hand zum Schwur. Zögernd erhobene Hände sollen von Umstehenden mit Stöcken „runtergeschlagen“ worden sein.
Das ganze hat die württ. Regierung, den König, nicht weiter gejuckt. Für sie war das Deutschordens Gebiet rechtmäßig in Besitz genommen.

Inzwischen war der österreichisch-französische Krieg ausgebrochen, und es nahten von Böhmen her österreichische Streiftruppen der Gegend.
Württemberg stand im Krieg, und der König verfügte die Aushebung von Rekruten auch in Mergentheim.
Es war vorhersehbar, dass unter diesen Umständen die Aushebung nicht glatt vor sich gehen konnte.
Ungeachtet der Warnungen seiner Beamten vor Ort, verfügte der König die umgehende Aushebung von 45 Rekruten. Wobei, die Konskription war im Gebiet des Deutschen Ordens
bisher unbekannt
Die Mergentheimer Bürgerschaft widersetzte sich aber dieser Anordnung nicht. Nur in den Dörfern wurde sie zum zündenden Funken des Aufruhrs. (Auch für den Tiroler Aufstand von 1809 ist die Truppenaushebung ja als ein wichtiger Anlass zu sehen.)
Die Bauern rotteten sich zusammen und vereitelten durch Waffengewalt die Aushebung. Sie entwaffneten die wenigen württembergischen Soldaten und Gendarmen in den Dörfern.
Dann zogen sie nach Mergentheim und übernahmen dort für mehrer Tage die
Herrschaft. Vom 26. bis zum 28. Juni herrschte in Mergentheim die Bauernschaft-.
Die städtischen Behörden vermochten die württembergischen Beamten, Soldaten und Polizisten nur mit Mühe durch bewaffnete Bürgerwachen zu schützen und das Schlimmste zu verhindern.


Im Allgäu und Oberschwaben hatte inzwischen der Vorarlberger und Tiroler Aufstand die Grenzen bedroht. König Friedrich hatte rasch einen Teil der mit Grenzsicherungsaufgaben am Bodensee betrauten Truppen abgezogen,
setzte die beiden Landbataillone Stuttgart und Ludwigsburg sowie zwei Schwadronen seines Garde-Regiments zu Pferd nach Mergentheim in Marsch.


Die Niederschlagung des Aufstandes in Mergentheim


Dieses württembergische Truppenkorps kam am 29. Juni in Mergentheim an, und fiel wie ein feindliches Heer über die Stadt her.

In Mergentheim und den Dörfern läuteten die Sturmglocken. Die Bauern hatten sich bewaffnet und waren unter dem Kommando des Ordensritters von Hornstein den Truppen entgegengezogen. Hornstein war anscheinend entschlossen, ein Blutvergießen zu verhindern. Was die Aufständischen aber zumindest zum Teil anders sahen. Als sie auf die Truppen stießen, eröffneten sie aus den Weinbergen heraus ein lebhaftes Feuer auf die Truppen. Die aber ohne Mühe die Aufständischen zerstreuten. Allerdings rechnete die Truppe daher in der Stadt selbst mit einer kräftigen Gegenwehr. Und prompt wurde von den Mauern zumindest von zwei Personen auf die Truppe geschossen. Die Soldaten verschafften sich mit Gewalt Eintritt in die Stadt, sprengten die Stadttore mit Pulversäcken auf (die Torwachen hätten in der Eile die Schlüssel nicht schnell genug gefunden…)und
verbreiteten Angst und Schrecken. Es soll ca. 40 Tote in der Stadt gegeben haben.. Erst nach einigen Stunden ebbten die Gewalttätigkeiten der württembergischen Soldaten ab. Schon davor leisteten die noch in der Stadt weilenden Bauerngruppen keinen Widerstand mehr.
Schlimm erging es den gefangenen Aufständischen. Ein
vom württembergischen Staatsminister Karl Graf von Taube eingesetztes
Kriegsgericht urteilte nach Standrecht.
.In einem mehr als fragwürdigen Schnellverfahren verurteilte es am 2. Juli 1806 sechs Bauern welche als Rädelsführer bekannt waren, teils zum Tode durch den Strang teils zum Tod durch erschießen. Die Urteile wurden sofort vollstreckt. Einer hatte dem württ. Amtmann angedroht, ihn mit der Axt zu erschlagen, ein anderer wollte lediglich ein herumliegendes Gewehr aufgehoben haben.
Viele andere Gefangene erhielten langjährige bis lebenslängliche Festungsstrafen, welche sie auf dem Hohenasperg zu verbüßen hatten.

Der sogenannte Mergentheimer Aufstand und namentlich seine blutige Niederschlagung durch das württembergische Militär erregte weithin Aufsehen und ohnmächtige Empörung.

König Friedrich I. war über die Mergentheimer Ereignisse empört. Eben war er im Begriff durch Aufbietung verabschiedeter Soldaten und durch Einberufung ungeübter Landbataillone dem drohenden Eindringen jenes österreichischen Streifkorps zu begegnen, dessen Kommen die Mergentheimer Bauern erhofften.
Die große Masse der württembergischen Truppen stand zu dem Zeitpunkt mit dem französischen Hauptarmee schon weit im Osten.
Der württembergische König sah deshalb im hohenlohischen eine größere Gefahr als am Bodensee und begab sich persönlich mit seiner Garde auf den Schauplatz. Als er aber am 1. Juli 1809 in Ellwangen eintraf, waren die Österreicher, die schon Nürnberg besetzt hatten, vor den von Würzburg herbeieilenden Franzosen zurückgewichen.

Seinem gegen Mergentheim vorausgeschickten Generaladjutanten Generalmajor Graf von Scheler war es deshalb auch leicht gelungen, den dortigen Unruhen ein Ende zu bereiten.




Das oben angeführte Wiki-Zitat lautet übrigens in voller Länge:

„Seit 1809 gehörte die Stadt zum Königreich Württemberg und wurde zum Sitz eines württembergischen Oberamtes. Ein im Juni 1809 ausbrechender Aufstand gegen die neue Herrschaft, der sich an der Rekrutenaushebung entzündete, wurde von württembergischen Truppen unterdrückt, wobei das Schloss unversehrt blieb und es nur Todesurteile gegen die Rädelsführer gab“

Es ist wirklich wahr, das steht im Jahr 2011 in Wiki über den Mergentheimer Aufstand.
Statt dass man in diesem unserem Lande sich endlich auf unsere demokratischen und freiheitlichen Traditionen besinnt, plappert man auch noch heute die Worte eines der Leibdragonerhistoriker des 19, Jahrhunderts nach, und freut sich, dass das Schloss unversehrt blieb.
Und es nur Todesurteile gegen die Rädelsführer gab.

Der demokratische Unterbau scheint immer noch Lücken zu haben.
Quellen:




Mergentheim 1809 Teil II


Durch weitere Recherchen kann und muss ich oben genanntes um einige Informationen erweitern.
Der Deutsche Orden war 1805 beim Pressburger Frieden an Österreich gefallen. Mit der Maßgabe, dass „der österreichische und deutsche Kaiser über die Besetzung des Hochmeisteramtes mit einem Angehörigen seines Hauses entscheidet“.
Der Deutsche Orden und damit Mergentheim war also Quasi österreichisch geworden.

11 Tage nach Kriegsbeginn am 20. April 1809 besetzte Württemberg das Mergentheimer Deutschordens Gebiet. Am 24. April erklärte Napoleon den Deutschen Orden im Gebiet des Rheinbundes für aufgelöst und ermächtiget Baden, Bayern und Württemberg sich die jeweiligen Gebiete einzuverleiben.

Kriegsdienst-Verweigerungen in Hohenlohe-Neuenstein
In den Wochen zuvor schon hatten sich die Bürger und Bauern des seither hohenlohischen Amtes Neuenstein verweigert allen Auflagen und Forderungen in Verbindung des Krieges mit Österreich nachzukommen. Höhere Steuern, Abgaben für Brücken- und Straßenbau für die Unterbringung der Armee und die Aushebung der Pferde. In den Dörfern zirkulierten anonyme Laufzettel in denen das Volk aufgefordert wurde, Vorspanndienste, die Aushebung von Rekruten und alle Abgaben zu verweigern. Die württembergische Regierung schlug zurück, am 2. Mai 1809 wurden die ehemals hohenlohischen Justizkanzleien von Bartenstein, Langenburg und Öhringen beschlagnahmt. Der Amtsbürgermeister von Westernbach und weitere 7 Organisatoren des Aufstandes auf dem Asperg in Einzelhaft eingekerkert.

Die Mergentheimer werden davon erfahren haben, sind aber anscheinend davon ausgegangen, dass sie als „besetztes Feindesland“ von Kriegsforderungen verschont bleiben würden. Am 13. Juni 1809 nahm ihnen Württemberg die Huldigung ab. Den Vorgang habe ich oben beschrieben. Aber auch jetzt blieb alles ruhig.
Erst als zwei Wochen später Soldaten ausgehoben werden sollen, bricht der Widerstand los. Sie sollen gegen ein Land kämpfen, unter dem sie so schlecht nicht gelebt haben, und erstmals sollen sie Soldat spielen, was ihnen unter dem Deutschen Orden erspart geblieben war.

Württemberg fordert 45 Rekruten bei ca. 9.000 Einwohnern des Mergentheimer Gebiets. Der württembergische Generallandeskommissär Maucler will auf die Maßnahme verzichten, da ihm der Unmut der Bevölkerung nicht verborgen blieb. Die Regierung besteht aber am 21.6. auf dieser Maßnahme.

In der Nacht von Sonntag auf Montag 26. Juni 1809 sollen mit militärischer Gewalt dann die Aushebungen stattfinden.

Das Comité der Bauernschaft im ehemaligen Deutschordensgebiet
Aber man ist vorbereitet. Ein Comité war gegründet worden, aus Deputierten aller betroffenen Dörfer, insgesamt ca. 150 Personen. Die Alarmierung war abgesprochen, und die gegenseitige Hilfeleistung.

Major von Hypedin kommt mit zwei Landdragonern zur Rekrutierung in den frühen Morgenstunden des 26. Juni nach Markelsheim.
Die Glocken werden zur Alarmierung geläutet, und die Bevölkerung aus den umliegenden Dörfern strömt herbei. Der Major reitet mit den beiden Dragonern den heranziehenden Menschen unter Drohungen entgegen. Diese machen aber nicht viel Federlesen, sie zerren ihn vom Pferd, entreißen ihm seinen Säbel und entwaffnen auch die Dragoner.
Inzwischen haben die Aufständischen auch den Oberamtmann Kuhn erwischt.



Sie treiben unter „Schmähungen“ und „Misshandlungen“ die Gefangenen ins nahe Mergentheim.
Dort werden zwar die Tore geschlossen, aber von der inzwischen auf mehrere tausend Menschen angewachsenen Menge gewaltsam geöffnet. Auch die Einwohner vorn Mergentheim haben wohl dabei geholfen.
Der wütende Haufen strömt in die Stadt, entwaffnet die Garnison, 46 Mann vom Landbataillon Ludwigsburg, schnappt sich den Generallandeskommissär v. Maucler und alle in württ. Diensten stehende Personen, soweit sie nicht vorsichtshalber stiften gegangen sind.
Diese werden laut dem damaligen Regierungsbericht „ausgeplündert, beraubt, mißhandelt und zuerst in einem Wirtshaus, dann im Rathaus in gefängliche Verwahrung“ gesetzt.

Insbesondere die Unterschicht Mergentheims soll sich mit den Bauern solidarisiert haben.
Die Menge tobt nun durch die Stadt, ein paar Keller werden eingeschlagen, „berauscht von Wut und Wein, begeht sie alle Ausschweifungen deren eine von aller Aufsicht beraubte Menge fähig ist“ Steht im Regierungebericht. Ganz so war es aber anscheinend doch nicht, denn: „man bemeisterte sich aller herrschaftlichen Kassen, die jedoch dem ehemaligen deutschordensschen Präsidenten übergeben wurden“ geht es im Bericht weiter.
Die noch immer größer werdende Menge verlangt von diesem ehem. Präsidenten, Kommandeur Reuttner von Weil, dass er die Regierung wieder übernehmen soll, wozu sich dieser bereit erklärt.
Daraufhin werden die kgl. württ. Wappen abgerissen und die kaiserl. österreichischen. und deutschmeisterischen Wappen wieder angebracht. Die Menge bricht in lauten Jubel und wiederholte Rufe „Vivat Kaiser Franz und Erzherzog Anton“ aus. Erzherzog Anton war zdZ der Hochmeister des Ordens.
Die ehemaligen Räte des Deutschmeisters, ihnen war unter Zusicherung des Wohlverhaltens von König. Friedrich der Aufenthalt in Mergentheim gestattet worden, nahmen bis auf zwei wieder ihre Funktionen ein. Diese beiden wurden von der aufgebrachten Menge dem Bericht nach recht übel angemacht.
Inzwischen war die Menge immer größer geworden, auch durch bayerische und badische „Untertanen“. Man beachte die Grenzlage Mergentheims.
Maucler, Hypedin und die übrigen württ. Beamten sollen weiter das Ziel von Misshandlungen und Drohungen gewesen sein.

Inzwischen bemühte sich die neuinstallierte Deutschmeisterische Regierung die Masse der bewaffneten Bauern aus der Stadt zu komplimenttieren. Was auch gelingt.
In der Stadt wird eine Stadtmiliz aufgestellt, denen die Gefangenen übergeben werden.



Das Comité der Bauern verlangt die Absendung einer Botschaft nach Stuttgart in der dem König klargemacht werden soll, dass das Leben seiner Beamten entscheidend von seiner Nachgiebigkeit den Forderungen der Mergentheimer gegenüber abhängt.
Landeskommissar v. Maucler wird von den Rebellen gezwungen (missbraucht, steht im Bericht) die Botschaft nach Stuttgart an den König zu verfassen.
Überbracht werden muss sie von dem genannten Major v. Hypedin.

In diesem Bericht an die Regierung kommen einige in der württ. Geschichtsschreibung bisher wenig oder gar nicht gewürdigte Punkte zur Sprache. So ist weder über das Comite der Bauern noch über die Beteiligung Mergentheimer Bürger oder die bayrischen und badener Bauern die sich am Aufstand beteiligt haben groß die Rede.


Edit:
Diese Artikelserie habe ich im G/Geschichte-Forum angefangen, und leider nicht beendet.
soll das jetzt der Anlass sein.
Vielleicht könntest du, liberace, noch das eine oder andere mit zu ihm beitragen.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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22.09.2012, 18:26
Beitrag: #11
RE: Merkwürdiges und denkwürdiges aus Schwaben und Alemannien
Kompliment, das ist ein großartiges Werk, weiß gar nicht, wie ich das kommentieren soll. Nun, ich kannte diese Geschichte vom Widerstand in Mergentheim in groben Zügen, aber nicht so detailliert. Irgendwann muss das Königreich Württemberg dann ja doch die Oberhand gewonnen haben, vermute, in Zusammenhang mit Napoleons Russlandfeldzug, als die Zügel eng angezogen wurden. Weisst Du, wie viele Württemberger aus Russland zurück kamen? Man weiss ja bis heute nicht genau, wie viele Soldaten der Grande Armee wirklich zurück kehrten. Man liest von 50.000 (m. E. zu hoch) über 5.000 (dürfte realistisch gewesen sein) bis 50 so ziemlich alle Zahlen.
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22.09.2012, 20:36
Beitrag: #12
RE: Merkwürdiges und denkwürdiges aus Schwaben und Alemannien
Sorry, hat sich erübrigt, habe schon in wikipedia nachgeschaut.
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10.01.2013, 16:46
Beitrag: #13
Südwestdeutscher Alltag im 18. Jahrhundert
Heute morgen hat mich einer auf einen Beitrag aufmerksam gemacht, den ich vor Jahren im Nirwana schrieb.
Der nicht schlecht in die derzeit hier laufende Diskussion zu der südwestdeutschen "Franzosenangst" im 19. Jahrhundert passt.

Buchheim, Dörflein am Rande des schönen Donautals. Da gibt es einen Aussichtsturm, den Buchheimer Hans. Ehemaliger Kirchturm. Die zugehörige Kirche haben sächsische Truppen 173? abgebrannt. Sächsische Truppen in Oberschwaben 1735?
Polnischer Erbfolgekrieg heiß des Rätsels Lösung!
Wo sonst soll der auch stattgefunden haben?
Ein in Deutschland fast vergessener Krieg, kam ja auch gleich der österreichisch, kurz zuvor der spanische und davor der Pfälzer Erbfolgekrieg.
Und alle fanden in Süddeutschland statt...

Luftlinie 2km auf der anderen Donauseite, Knopfmacherfelsen, (Schönes Ausfugslokal) nicht weit davon Wall und Graben quer über eine Engstelle, die mächtige Fridinger Donauschleife mit einer Sehnenstellung abgetrennt.
Kelten? Völkerwanderung?
mitnichten: Schanzen aus dem österreichischen Erbfolgekrieg.

Wieder 2 km weiter, Irndorf, dort haben die Bauern in einem der Koalitionskriege eine französiche Fouragekolonne niedergemacht. Da sie nicht alle franz. Soldaten erwischt hatten, war ihnen ja klar was kommt.
Sie haben ihnen wichtig erscheinende Akten schnell in der Kirche in einer Nische eingemauert. Die Franzosen kamen, haben das Dorf abgefackelt, die Bewohner, wie in solchen Fällen üblich...,
jedenfalls soweit sie sie erwischten.
Denn sie hatten sich natürlich in den umliegenden Wäldern und Höhlen verstekt.
Die Akten in der zugemauerten Nische hat man vor 27 Jahren bei einer Kirchenrenovierung entdeckt. (seither heißt Inrdorf wieder so, zuvor hieß es Irrendorf)

Aber, es war wohl keiner mehr da, der von den Akten wusste.

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10.01.2013, 17:03
Beitrag: #14
RE: Merkwürdiges und denkwürdiges aus Schwaben und Alemannien
Ob die pfiffigen Schwaben mit der umgeschmiedeten Sense von den Franzosen erwischen ließen?

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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10.01.2013, 17:04
Beitrag: #15
RE: Merkwürdiges und denkwürdiges aus Schwaben und Alemannien
(10.01.2013 17:03)Arkona schrieb:  Ob die pfiffigen Schwaben mit der umgeschmiedeten Sense sich von den Franzosen erwischen ließen?

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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10.01.2013, 17:26
Beitrag: #16
RE: Merkwürdiges und denkwürdiges aus Schwaben und Alemannien
(10.01.2013 17:03)Arkona schrieb:  Ob die pfiffigen Schwaben mit der umgeschmiedeten Sense von den Franzosen erwischen ließen?

Du meinst die Irndorfer?

Die hatten aus Beuron österreichische Soldaten zur Verstärkung geholt. Das Fouragekommando der Franzosen war ca. 50 Mann stark, und ein paar Mann sind anscheinend entkommen.
Die Rache kam dann in Regimentsstärke.

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26.04.2013, 15:15
Beitrag: #17
RE: Merkwürdiges und denkwürdiges aus Schwaben und Alemannien
Napoleon III. weilte in seiner Jugend recht oft in Sigmaringen.
Nicht zuletzt deshalb und wegen des freundschaftlichen Verhältnisses zwischen Hohenzollern-Sigmaringen und dem Haus Bonaparte ging man in den späten 1860ern davon aus, dass die Kandidatur für den spanischen Thron in Paris Zustimmung finden würde.

Was vermutlich kaum einer heute weiß, Napoleon III. bekam seine Erstkommunion in dieser Kirche:
[Bild: sehens_michaels_kirche.jpg]

es ist die Michaelskirche in Veringendorf.

Die näheren Umstände des wieso und warum sind mir derzeit nicht präsent
Ich werde sie gelegentlich mal nachtragen.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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13.05.2013, 21:49
Beitrag: #18
Ulrich Schiegg
Hier möchte ich mal wieder einen der vielen Denker und Tüftler Schwabens aus dem Dunkel der Geschichte ein bißchen ins Licht schieben.

Ulrich Schiegg, geboren 1752 in Gosbach, heute ein Ortsteil von Bad Ditzingen mitten im Stauferland Kreis Göppingen. Unterrichtet in Zwiefalten und in Ehingen/Donau.
In Ehingen war zdZ eine Vorderösterreichische Landesuniversität im entstehen, die dann leider die napoleonische Flurbereinigung verhindert und die Anfänge abgewürgt hat.
Später im Kloster Ottobeuren Lehrer für Naturwissenschaften an der Klosterschule.
Als 1783 die ersten Nachrichten vom Ballon der Brüder Mongolfier kamen, machte er sich intensiv Gedanken wie dies möglich wäre, und kam zum richtigen Schluss, dass es sich um Erwärmung der Luft handeln müsse.
Er setzte seine Erkenntnisse um und am 26. Januar 1784 gelang ihm der erste wissenschaftlich untermauerte Ballonflug (unbemannt) in Deutschland.

Bei der Vermessung des Gebietes des Klosters Ottobeuren erntwickelte er mehrere Vermessungsverfahren. 1800 wurde er Professor in Salzburg, und 1805 beauftragte ihn der bayerische König mit der Landesvermessung Frankens. 1807 erlitt er hierbei einen betrisbunfall, an dessen Langzeitfolgen er 1810 verstarb.

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24.05.2013, 15:57
Beitrag: #19
RE: Merkwürdiges und denkwürdiges aus Schwaben und Alemannien
Im Österreich-Thread hat Luki von der Oberösterreichischen Hymne geschrieben.
Haben wir natürlich auch.

Der Text ist von Justinus Kerner.
Von wem die Melodie ist, weiß ich jetzt gar nicht, sie erinnert jedenfalls sehr an die Marseillaise.

Der reichste Fürst

Zitat:Preisend mit viel schönen Reden
Ihrer Länder Wert und Zahl,
Saßen viele deutsche Fürsten
Einst zu Worms im Kaisersaal.

»Herrlich«, sprach der Fürst von Sachsen,
»ist mein Land und seine Macht,
Silber hegen seine Berge
Wohl in manchem tiefen Schacht.«

»Seht mein Land in üpp'ger Fülle«,
Sprach der Kurfürst von dem Rhein,
»Goldne Saaten in den Tälern,
Auf den Bergen edlen Wein!«

»Große Städte, reiche Klöster!«
Ludwig, Herr zu Bayern, sprach,
»Schaffen, daß mein Land dem euren
Wohl nicht steht an Schätzen nach.«

Eberhard, der mit dem Barte,
Württembergs geliebter Herr,
Sprach: »Mein Land hat kleine Städte,
Trägt nicht Berge silberschwer;

Doch ein Kleinod hält's verborgen:
Daß in Wäldern, noch so groß,
Ich mein Haupt kann kühnlich legen
Jedem Untertan in Schoß.«

Und es rief der Herr von Sachsen,
Der von Bayern, der vom Rhein:
»Graf im Bart! Ihr seid der reichste,
Euer Land trägt Edelstein!«

aus gutenberg.de

Die Begebenheit ist historisch, sie soll sich laut Philipp Melanchthon auf dem Reichstag in Worms so zugetragen haben.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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24.05.2013, 16:33
Beitrag: #20
Schwaben und Alemannen
Auch hier zur Einstimmung eine kleine Geschichte:
Vor Jahren stand ich am "späten Vormittag" im Berner Oberland mit Weib und Kindern an der Talstation einer Bergbahn. Während des Wartens machte ich meinem verhaltenen Ärger Luft, indem ich Frau und Töchter mit wohlgesetzten Worten informierte, dass wir wegen ihrer "Outfit-Manie" jetzt
erstens hier warten müssten bis wir schwarz werden,
und zweitens dort oben jetzt eine Unmenge von Leuten antreffen würden.
Ein älterer Schweizer gab mir recht, mit den Worten "Und auch noch lauter Schwaben"
Was ich dann konterte, dass dies uns weniger stören würde, da wir welche wären.
Was den Schweizer zu der Bemerkung veranlasste: "Aber damit meinen wir doch nicht sie, sie gehören doch fast zu uns...."
Ob dies ein Ritterschlag war?


Wer im Geschichtsatlas einen Blick auf das alte Herzogtum Schwaben wirft, wird erstaunt über die Ausdehnung dieses Gebildes sein.
Das Elsass gehörte dazu, Augsburg, alles einschließlich Lechfeld, im Süden die ganze deutschsprachige Schweiz. Vorarlberg, Liechtenstein. Im Norden bis zum Asperg, der viel viel später eine Rolle als Demokratenbuckel spielte.

Nun hat das Herzogtum Schwaben den Untergang der Staufer in der Mitte des 13. Jahrhunderts bekanntlich nicht überstanden.
Und 800 Jahre sind eine lange Zeit.

Ein Zusammengehörigkeitsgefühl gibt es nicht! Das muss man klipp und klar sehen.

Man hat Verwandtschaft in Oberschwaben, im Breisgau, in Basel, im Thurgau und auch sonst. Schon nach dem 30jährigen Krieg wurden ganze Landstriche mit Schweizern wieder aufgesiedelt. Hugenotten kamen in nicht kleiner Zahl. Die durchziehenden Heere, Händler und Kaufleute haben Spuren hinterlassen. Da mehr, dort weniger. Und nach 45 die große Zahl der Heimatvertriebenen. Es ist ganz zweifellos auch ein großer Schmelztiegel.

Die Mentalität ist zweifellos ähnlich.
Aber mehr nicht.

Was bleibt ist die Sprache, die Mundart, der Dialekt. Bei allen regionalen Unterschieden, der schwäbisch-alemannische Dialekt deckt sich noch heute mit den Grenzen des hochmittelalterlichen Herzogtums Schwaben.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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