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Widerstand vom Bühnenbrettl-Kabarett im 3.Reichh
04.05.2013, 23:22
Beitrag: #1
Widerstand vom Bühnenbrettl-Kabarett im 3.Reichh
Einer der Orte,wo Widerstand gegen die Nazis zumindest anfangs noch möglich war war die Kabarettbühne .Dieser "kleine Widerstand" ,der mit Witz und Intelligenz vorgetragen wurde, ärgerte die tumbe braune Bande um so mehr,weil er nicht so einfach zu kontrollieren war und am Absolutheitsanspruch der Partei rüttelte.
Dieser thread soll an die jenigen erinnern,die den Mut hatten von der Bühne aus dem Regime die Stirn zu bieten.
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04.05.2013, 23:50
Beitrag: #2
RE: Widerstand vom Bühnenbrettl-Kabarett im 3.Reichh
Unangefochten an der Spitze steht für mich Werner Finkh. der 1936 in der "Katakombe" mit der "Schneiderszene" unsterblich wurde :

Ein Kunde (Werner Finkh) kommt zu seinem Schneider
SCHNEIDER: Womit kann ich dienen?
KUNDE: Jetzt spricht er auch schon von dienen! Ich möchte einen Anzug haben, weil mir etwas im Anzug zu sein scheint.
SCHNEIDER: Schön!
KUNDE: Ob das schön ist, na ja. Das wird sich noch rausstellen….
SCHNEIDER: Ich habe neuerdings eine Menge auf Lager.
KUNDE: Auf’s Lager wird wohl alles hinauslaufen.
SCHNEIDER: Darf’s etwas einheitliches oder etwas gemustertes sein?
KUNDE: Einheitliches hat man ja jetzt schon genug. Aber auf gar keinen Fall Musterung!
SCHNEIDER:Vielleicht etwas mit Streifen ?
Kunde:Die Streifen kommen von alleine wenn die Musterung vorbei ist.An der Hose wird sich ein Streifen nicht vermeiden lassen.
Schneider:Fangen wir mal mit der Jacke an.Wie wäre denn eine mit Winkeln und Aufschlägen?
Kunde;Ach,Sie meinen eine Zwangsjacke ?
SCHNEIDER:Wie man´s nimmt. Einreihig (gespr.einreihsch) oder zweireihig(zweireihsch) ?
KUNDE:Ist mir gleich nur nicht dies reihig (reihsch)
SCHNEIDER:Und die Revers-schmal oder breit ?
KUNDE:Recht breit,damit ja was drauf geht-vielleicht geht ja alles drauf.
Der Kronprinz hat ja gesagt:Immer feste druff.
Schneider:Dann darf ich vielleicht mal maßnehmen
Kunde:Doch,doch,das sind wir gewohnt.
Kunde steht stramm
Schneider: vierzehn-achtzehn-Ach bitte stehen Sie doch mal gerade
Kunde :Für wen ?
SCHNEIDER: Dann nehmen Sie doch bitte mal den rechten Arm hoch.
Der Kunde hebt den Arm
SCHNEIDER:Mit geballter Faust bitte.
Der Schneider nimmt die Maße und murmelte:1918/19
SCHNEIDER: Und jetzt mit ausgestreckter Hand ...Dreiunddreissig
Als er fertig ist, nimmt der Kunde seinen Arm nicht hinunter.
SCHNEIDER: Ja, warum nehmen Sie denn den Arm nicht runter? Was soll denn das heißen?
KUNDE: Aufgehobene Rechte!

Vor Gericht sollte Finck den Sketch nachspielen und versuchte ihn zu entschärfen und endete mit „Erhobene Rechte“. Der Staatsanwalt warf daraufhin einen Blick in sein Skript und verbesserte: „Das heißt doch Aufgehobene Rechte!“ Finck erwiderte: „Das haben Sie gesagt.“

Eion anderes Mal war die Katakombe kurzzeitig von den Behorden geschlossen worden,Bei der Eröffnung sagte Fink:
"Meine Damen und Herren,gestern war die Katakombe zu ,aber heute sind wir wieder offen und wenn wir morgen zu offen sind sind wiir übermorgen wieder zu"
Dann entdeckte er im Publikum einen Gestapo-Spitzel der alles mitnotiert und sprach ihn direkt an mit den Worten "Kommen Sie noch mit oder soll ich mitkommen ?"
________________
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05.05.2013, 00:08
Beitrag: #3
RE: Widerstand vom Bühnenbrettl-Kabarett im 3.Reichh
In München geb es zwei die beide so populär waren,das selbst die Nazis nicht gegen sie vorgehen konnten:
der eine war Karl Valentin , ein erklärter Nichtsympathisant der Nazis, von dem der Satz stammt:"Der Hitler hat Glück ghabt, daß er nicht Adolf Kräuter ghoaßn hat, sonst hätt rna immer "Heil Kräuter!" schrein müassn."
oder auch der Sketch
Valentin: "Guten Tag, Herr Hitler."
Hitler: "Ich habe schon viel von Ihnen gehört."
Valentin: "Ich von Ihnen auch."
Zu ihm stand unjüngst der folgende Artikel in der Süddeutschen Zeitung:
http://www.sueddeutsche.de/bayern/rettun...-1.1643820
der nebenbei einen Einblick gibt,wie Nazis auf dem Dorf funktionierten
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05.05.2013, 00:27
Beitrag: #4
RE: Widerstand vom Bühnenbrettl-Kabarett im 3.Reichh
Der andere war Ferdinand Weisheitinger genannt der WeißFerdl ,
wobei dessen Verhältnis zu den Nazis etwas ambivalenter war.
Einerseits war er ein Mitläufer und zumindest im Anfang Unterstützer der Nazis,andererseits aber einer ihrer scharfzüngigsten Kritiker auf der Brettlbühne am Platzl.
Er kam schon mal auf die Bühne, hob den rechten Arm und verkündete: "So hoch liegt der Schnee heit auf der Zugspitz!"
Oder er Kam mit einer Gießkanne auf die Bühne ,besprengte diese mit Wasser und fragte das Publikum,was das sei. Seine Antwort "dös is a Sprenger,funktioniert nur wenn er voll is (Gauleiter Sprenger war ein bekannter Alkoholiker)
Legendärauch ,als er auf der Bühne eine Schweinefamilie "Mann" vorstellte: „dös is der Sohn Mann, die Tochter Mann,die Frau Mann,und dös.dös is der Herr Mann“ Als er daraufhin inhaftiert und kurz darauf wieder entlassen wurde stellte er sie wieder vor: „Sohn Mann, Tochter Mann, Frau Mann − und wegen der Sau da ham´s mi oigschperrt!“
Ein anderes Mal kam er mit einem Koffer auf die Bühne und erklärte „Da ist unsere Regierung drin!“ Ein im Saal anwesender Gestaopomann schritt darauf ein ,befahl den Koffer zu öffnen und rief ,als er den Inhalt sah „Das sind ja alles Lumpen!“ Darauf Ferdl: „Das haben Sie gesagt.“
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05.05.2013, 00:39
Beitrag: #5
RE: Widerstand vom Bühnenbrettl-Kabarett im 3.Reichh
Daß solche Auftritte durchaus eine gewisse wirkung hatten zeigen wzwei Anekdoten die der Münchner Volksmund beiden andichtete ,die aber so nicht stattgefunden haben:
Die eine berichtet über ein Zusammentreffen Valentins mit Hitler , das angeblich 1937 in der Wohnung von Hitlers Leibfotograf Heinrich Hoffmann in München stattgefunden hat, wobei Hitler sagt: „Ich habe oft genug über Ihre Aussprüche herzlich gelacht.“ und Valentin kontert : „Über Eahna’ne Reden hob i noch nia lachen kenna. Und jetzt muss i leider gehn – Grüaß God, Herr Hitla.“
Und die andere wird dem Weiß-Ferdl in den Mund gelegt, der zu Freunden gesagt habensoll : "Der Hitler, des is ja a Freund von mir, und er hat mir auch a Bild von sich gschenkt. Nur überleg I jetzt. Häng I eahm auf oder stell I eahm an die Wand?"

Das zeigt,das man die Kritik am Regime auf diese Kabarettisten projezierte

...
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01.06.2013, 16:56
Beitrag: #6
RE: Widerstand vom Bühnenbrettl-Kabarett im 3.Reichh
(05.05.2013 00:27)zaphodB. schrieb:  Legendärauch ,als er auf der Bühne eine Schweinefamilie "Mann" vorstellte: „dös is der Sohn Mann, die Tochter Mann,die Frau Mann,und dös.dös is der Herr Mann“ Als er daraufhin inhaftiert und kurz darauf wieder entlassen wurde stellte er sie wieder vor: „Sohn Mann, Tochter Mann, Frau Mann − und wegen der Sau da ham´s mi oigschperrt!“

Einmal trug er folgendes Gedicht vor:

Zitat:Ein Tännchen steht im Wiesengrund.
Es ist organisiert.
Es ist im NS-Tannenbund,
damit ihm nichts passiert!

Am Folgetag wurde er von der Gestapo verwarnt. Am nächsten Abend trug er das Gedicht folgendermaßen vor:

Zitat:"Ein Tännchen steht im Wiesengrund.
Es ist nicht organisiert.
Es ist auch nicht im NS-Tannenbund,
damit mir nichts passiert!"

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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01.06.2013, 18:41
Beitrag: #7
RE: Widerstand vom Bühnenbrettl-Kabarett im 3.Reichh
Da möchte ich an dieser Stelle auch auf das Schicksal der Leipziger Mundartdichterin Lene Voigt erinnern.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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02.06.2013, 12:01
Beitrag: #8
RE: Widerstand vom Bühnenbrettl-Kabarett im 3.Reichh
(04.05.2013 23:50)zaphodB. schrieb:  Eion anderes Mal war die Katakombe kurzzeitig von den Behorden geschlossen worden,Bei der Eröffnung sagte Fink:
"Meine Damen und Herren,gestern war die Katakombe zu ,aber heute sind wir wieder offen und wenn wir morgen zu offen sind sind wiir übermorgen wieder zu"
Dann entdeckte er im Publikum einen Gestapo-Spitzel der alles mitnotiert und sprach ihn direkt an mit den Worten "Kommen Sie noch mit oder soll ich mitkommen ?"

Einmal rief ihm ein Deutscher im Publikum während seinem Programm provozierend "Judenjunge!" zu.
Finck darauf: "Sie irren, ich sehe nur so intelligent aus."

---

Zitat:Heil! Heil! Heil!
Ironie des Schicksals, daß gerade in diesem Lande am wenigsten heil geblieben ist.
- Werner Finck

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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