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Auslöser und Grundlagen für eine/die Industrielle Revolution
30.10.2013, 15:08
Beitrag: #1
Auslöser und Grundlagen für eine/die Industrielle Revolution
Hallo an alle.

Ich bin neu hier und habe mich hier angemeldet um vom reichen Wissensschatz dieses Forums ein wenig zu profitieren.
Zur Zeit schreibe ich an einer Romanreihe, bei der in einer Fantasywelt eine industrielle Revolution ausbricht und diese Grundlegend verändert.
Daher wollte ich einmal anfragen, welche Ursachen und Gegebenheiten eurer Meinung nach gegeben sein müssen, damit es zu solch einer Revolution kommen kann, gerne auch mit tatsächlichen Beispielen.
Schon einmal vielen Dank für alle Antworten.
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30.10.2013, 16:25
Beitrag: #2
RE: Auslöser und Grundlagen für eine/die Industrielle Revolution
Hallo Geschichtensturm,

voarb mal der Hinweis auf einen Roman über eine industrielle Revolution mit sehr bemerkenswertem Auslöser. Wink

Später mehr zum Thema.

Adje
der Suebe

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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30.10.2013, 19:52
Beitrag: #3
RE: Auslöser und Grundlagen für eine/die Industrielle Revolution
Servus!
Voraussetzungen für "die" industrielle Revolution in unserer Welt waren:
- Die technischen Voraussetzungen. Dampfkraft und Mechanisierung also. Beide wurden in England entwickelt, die Dampfkraft wegen der immer tieferen Bergwerke. Deren Existenz war wiederum eine Folge der Entdeckung des Gussstahls, für dessen Produktion bislang unerhörte Mengen an Kohle und Eisen gewonnen werden mussten.
- für die industrielle Produktion braucht man Unmengen an Menschen, und das dürfen aber keine Sklaven sein. Es muss also zuerst mal die landwirtschaftliche Voraussetzung für die Ernährung solcher Menschenmengen vorhanden sein und zweitens müssen diese Menschen so frei sein, dass sie ihre Scholle verlassen können. Außerdem muss das Erbrecht so gestaltet sein, dass zweite und dritte Söhne nicht erben können, mithin als Proletariat existieren müssen.
- drittens braucht man ein Unternehmertum, das reich und willens genug ist, sich auf das Risiko einzulassen, Fabriken hochzuziehen.
- Außerdem müssen - außer Eisen und Kohle - genügend Rohstoffe vorhanden sein, die weiterverarbeitet werden können. In England war das primär die Baumwolle aus den Kolonien.
- Viertens braucht man einen Staat, der das Ganze auch fördert bzw. in dem die Unternehmer eine Lobby haben, die sie fördert. Sonst gehen die Reichen den Weg des geringsten Widerstands und bauen ihre Fabriken anderswo. Außerdem steht als Käufer solcher Mengen Stahl in erster Linie der Staat zur Verfügung, erst wenn die Revolution voll angelaufen ist, treten auch Privatleute als Abnehmer hinzu. Und die sind dann auch einigermaßen reich, denn auch die müssen erst mal Fabriken bauen, um den Stahl weiterverarbeiten zu können, von den Rohstoffen ganz zu schweigen, zu denen in England neben der Baumwolle bald immer mehr und weitere traten.
- Fünftens muss es ein leistungsfähiges Handelsnetz geben, um die ganzen produzierten Waren überhaupt an die potentiellen Abnehmer ranbringen zu können. Man braucht also Straßen und Märkte im Sinne von Marktplätzen, und dafür braucht man wiederum einen bzw. mehrere Staaten, die diese Voraussetzungen schaffen, fördern und erhalten. Alternativ können hier aber auch Privatleute einspringen, die dann die Straßen in Eigenverantwortung bauen, die Märkte in Eigenverantwortung aufbauen usw. Da solche Straßen und Märkte aber böse Menschen anziehen wie der Honig die Fliegen, brauchen die Privatleute Schutz. Entweder sie bauen sich eine Privatarmee auf oder der Staat schützt die privaten Investitionen.
Die Transportmittel nicht zu vergessen (hier überschneidet sich Punkt 5 mit Punkt 1). Diese Transportmittel müssen zuverlässig, leistungsstark (im Sinne von durch möglichst viele Güter auf einem Transportmittel belastbar) sein, sie müssen relativ (im Verhältnis zum technischen Entwicklungsstand der Zeit) schnell sein und sie müssen Waren über weite Strecken transportieren können. In der Realität schuf hier die Dampfkraft die Voraussetzungen für die REvolution der Transportmittel, Stichwort Dampfschiff und Eisenbahn.

Baust du all dies in deinen Roman ein, kann dir eigentlich kaum noch einer sagen, dein Szenario wäre unrealistisch.
Denke ich.
Hab ich was vergessen?

VG
Christian
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30.10.2013, 20:42
Beitrag: #4
RE: Auslöser und Grundlagen für eine/die Industrielle Revolution
(30.10.2013 16:25)Suebe schrieb:  Hallo Geschichtensturm,

voarb mal der Hinweis auf einen Roman über eine industrielle Revolution mit sehr bemerkenswertem Auslöser. Wink

Später mehr zum Thema.

Adje
der Suebe

srry, Link vergessen

http://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Yankee_...6nig_Artus

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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31.10.2013, 13:44
Beitrag: #5
RE: Auslöser und Grundlagen für eine/die Industrielle Revolution
(30.10.2013 19:52)913Chris schrieb:  ./.
Die Transportmittel nicht zu vergessen (hier überschneidet sich Punkt 5 mit Punkt 1). Diese Transportmittel müssen zuverlässig, leistungsstark (im Sinne von durch möglichst viele Güter auf einem Transportmittel belastbar) sein, sie müssen relativ (im Verhältnis zum technischen Entwicklungsstand der Zeit) schnell sein und sie müssen Waren über weite Strecken transportieren können. In der Realität schuf hier die Dampfkraft die Voraussetzungen für die REvolution der Transportmittel, Stichwort Dampfschiff und Eisenbahn.

Baust du all dies in deinen Roman ein, kann dir eigentlich kaum noch einer sagen, dein Szenario wäre unrealistisch.
Denke ich.
Hab ich was vergessen?

VG
Christian

Nichts hast du vergessen,
im Gegenteil, sehr kompetent und ausführlich.

Nur noch eine Ergänzung, bei der "Verkürzung von Zeit und Weg" den Transportmitteln
in England kam da vor der Eisenbahn der Ausbau eines sehr leistungsfähigen Kanalnetzes.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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31.10.2013, 14:49
Beitrag: #6
RE: Auslöser und Grundlagen für eine/die Industrielle Revolution
Hi. Zu Ein Yankee am Hofe des König Artus ( http://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Yankee_...6nig_Artus ).

Das geht zwar in die Richtung, aber die industrielle Revolution in diesem Buch wird durch einen Zeitreisenden ausgelöst. Eine Idee, die ich grundsätzlich nicht schlecht finde, aber man muss schon sagen, dass der Mann in der Geschichte wirklich die Eierlegendewollmilchsau war. Der wusste nicht nur über sämtliche Wissenschaftsbereiche Bescheid, sondern außerdem noch über exakte Sternenkonstellation die ca, 1000 Jahre vor seiner Zeit waren. Das ließ die Geschichte schnell doch arg unrealistisch werden.
Auf der anderen Seite ist der Roman bereits über 120 Jahre alt, also kann man solche Ungereimtheiten sicher verzeihen. Wink

Ansonsten möchte ich Christian ebenfalls mein Lob aussprechen. Finde deine Zusammenfassung sehr gut. Habe auf Anhieb nichts hinzuzufügen Wink .
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31.10.2013, 15:40
Beitrag: #7
RE: Auslöser und Grundlagen für eine/die Industrielle Revolution
(31.10.2013 13:44)Suebe schrieb:  
(30.10.2013 19:52)913Chris schrieb:  ./.
Die Transportmittel nicht zu vergessen (hier überschneidet sich Punkt 5 mit Punkt 1). Diese Transportmittel müssen zuverlässig, leistungsstark (im Sinne von durch möglichst viele Güter auf einem Transportmittel belastbar) sein, sie müssen relativ (im Verhältnis zum technischen Entwicklungsstand der Zeit) schnell sein und sie müssen Waren über weite Strecken transportieren können. In der Realität schuf hier die Dampfkraft die Voraussetzungen für die REvolution der Transportmittel, Stichwort Dampfschiff und Eisenbahn.

Baust du all dies in deinen Roman ein, kann dir eigentlich kaum noch einer sagen, dein Szenario wäre unrealistisch.
Denke ich.
Hab ich was vergessen?

VG
Christian

Nichts hast du vergessen,
im Gegenteil, sehr kompetent und ausführlich.

Nur noch eine Ergänzung, bei der "Verkürzung von Zeit und Weg" den Transportmitteln
in England kam da vor der Eisenbahn der Ausbau eines sehr leistungsfähigen Kanalnetzes.

Das ist schon irgendwie alles wichtig, gut zusammengefasst ... und widerspiegelt aber vor allem die Sichtweise aus unserer heutigen Perspektive. Einer Sichtweise, in der es diese eine "industrielle Revolution" eben schon gegeben hat, sie der Vergangenheit angehört. Ein Prozess, der ein Zeitalter markiert, welches Vergangenheit ist und das man sich in seiner Abfolge kaum anders vorstellen kann.

Gewagterweise glaube und behaupte ich, dass eine industrielle Revolution auch schon in der Antike, so z.B. im alten Rom oder auch im Reich der Mitte möglich gewesen wäre.
Den einzigen Schwachpunkt den ich sehe, ist die damals noch mangelhaft entwickelte Mathematik, die bei der Konstruktion bestimmter technischer Einrichtungen unerlässlich ist.


Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte.
Süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon, wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's! Dich hab ich vernommen!

Eduard F. Mörike (1804-1875)
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31.10.2013, 17:55
Beitrag: #8
RE: Auslöser und Grundlagen für eine/die Industrielle Revolution
(31.10.2013 15:40)Avicenna schrieb:  Gewagterweise glaube und behaupte ich, dass eine industrielle Revolution auch schon in der Antike, so z.B. im alten Rom oder auch im Reich der Mitte möglich gewesen wäre.

Im alten Rom, das ja über den griechischen Erfindergeist verfügen konnte genauso wie im alten China krankte das Ganze an einem Faktor: Den "frei beweglichen" Menschenmassen und den nötigen Investitionen bzw. Investoren.
Rom hatte seine Sklaven, im alten China waren die Bauern an ihr Land gebunden bzw. durften den Beruf nicht wechseln. Die Handwerker waren vom Staat angestellt, privates Unternehmertum gab es so nicht, es sei denn, im Handelsbereich.
Wohl wurden im alten China zu verschiedenen Zeiten schon industrielle Herstellungstechniken entwickelt, wohl kannte das alte Rom hochentwickelte technische Maschinen - vgl. Belagerungsmaschinen, Herons Tempeltechnologien - aber es fehlte der Anreiz, sie als industriell verwertbare Produktionstechniken einzusetzen - Rom hatte ja die Sklaven, in China durfte der Sohn keinen anderen Beruf ausüben als der Vater.
Und die Reichen beider Kulturen lebten in erster Linie vom Handel, vom Landbesitz oder vom Krieg (= Beute), hatten also keinen Anreiz, sich in die Niederungen des Handwerkertums hinabzubegeben und Fabirkanten zu werden.

VG
Christian
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31.10.2013, 20:18
Beitrag: #9
RE: Auslöser und Grundlagen für eine/die Industrielle Revolution
Zitat:
Zitat:Das ist schon irgendwie alles wichtig, gut zusammengefasst ... und widerspiegelt aber vor allem die Sichtweise aus unserer heutigen Perspektive. Einer Sichtweise, in der es diese eine "industrielle Revolution" eben schon gegeben hat, sie der Vergangenheit angehört. Ein Prozess, der ein Zeitalter markiert, welches Vergangenheit ist und das man sich in seiner Abfolge kaum anders vorstellen kann.

Tja, da sprichst du das Problem an. Wir wissen, dass die Industrielle Revolution in England stattfand.
Aber wir wissen nicht warum.

1760 war England kein Deut weiter entwickelt wie die Niederlande oder Frankreich. Im Gegenteil, man war in den Innovationen eher etwas zurück.
Aber dann hats gerappelt in der Kiste.

Zitat:Gewagterweise glaube und behaupte ich, dass eine industrielle Revolution auch schon in der Antike, so z.B. im alten Rom oder auch im Reich der Mitte möglich gewesen wäre.

warum nicht?
Aber auch das wissen wir nicht.

Zitat:Den einzigen Schwachpunkt den ich sehe, ist die damals noch mangelhaft entwickelte Mathematik, die bei der Konstruktion bestimmter technischer Einrichtungen unerlässlich ist.

Methematik, ich glaub ich habe Halluzinationen Big Grin ich lese da ständig Mathematik Angel mit römischen Zahlen kann man schön Addieren und Subtrahieren, aber sonst nichts.............

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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31.10.2013, 20:58
Beitrag: #10
RE: Auslöser und Grundlagen für eine/die Industrielle Revolution
(31.10.2013 20:18)Suebe schrieb:  Tja, da sprichst du das Problem an. Wir wissen, dass die Industrielle Revolution in England stattfand.
Aber wir wissen nicht warum.

1760 war England kein Deut weiter entwickelt wie die Niederlande oder Frankreich. Im Gegenteil, man war in den Innovationen eher etwas zurück.
Aber dann hats gerappelt in der Kiste.

In England kamen einfach alle Faktoren zusammen:
- es gab genügend gebildete Leute - Pfarrer auffälligerweise recht oft darunter - die das Zeug hatten, wegweisende Erfindungen wie die Dampfmaschine zu machen.
- es gab sowohl Kohle als auch Eisen im Land
- es gab Kolonien, die weitere Rohstoffe sowie Absatzmärkte sicherten
- es gab ein Proletariat, das die Arbeitskräfte stellen konnte
- es gab eine riesige Handelsflotte, die die Verbreitung der erzeugten Waren sicherte
- es gab genügend Reiche, die investieren konnten und - ganz wichtig! - wollten

Holland hatte weder Rohstoffe noch Proletariat.

(31.10.2013 20:18)Suebe schrieb:  Den einzigen Schwachpunkt den ich sehe, ist die damals noch mangelhaft entwickelte Mathematik, die bei der Konstruktion bestimmter technischer Einrichtungen unerlässlich ist.

Methematik, ich glaub ich habe Halluzinationen Big Grin ich lese da ständig Mathematik Angel mit römischen Zahlen kann man schön Addieren und Subtrahieren, aber sonst nichts.............

Ihr habt beide unrecht! Schon die Babylonier - von denen die Griechen das Rechnen lernten - kannten die höhere Mathematik:
"Im Gegensatz zur Mathematik der Ägypter, von der wegen der empfindlichen Papyri nur wenige Quellen existieren, liegt von der babylonischen Mathematik ein Bestand von etwa 400 Tontafeln vor, der seit etwa 1850 ausgegraben wurde. Darauf beruht unser Wissen. Die Aufzeichnungen wurden mit Keilschrift in den noch weichen Ton geritzt und gebrannt oder in der Sonne getrocknet. Die Mehrzahl der gefundenen Tafeln stammen aus dem Zeitraum zwischen 1800 und 1600 v. Chr. und behandeln Themen wie Brüche, Algebra, quadratische und kubische Gleichungen, den Satz des Pythagoras und Pythagoreische Tripel (Plimpton 322). Auf der Tafel YBC 7289 findet sich eine Näherung für die Wurzel aus 2 mit einer Genauigkeit von sechs Dezimalstellen." (http://de.wikipedia.org/wiki/Babylonische_Mathematik)

VG
Christian
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31.10.2013, 22:30
Beitrag: #11
RE: Auslöser und Grundlagen für eine/die Industrielle Revolution
(31.10.2013 20:58)913Chris schrieb:  Ihr habt beide unrecht! Schon die Babylonier - von denen die Griechen das Rechnen lernten - kannten die höhere Mathematik:

@Chris, mal völlig abgesehen von den Argumenten, die du gegen eine IR in der Antike anführst und welche z.T. durchaus ihre Berechtigung haben, kannst du nicht einfach schreiben "...ihr habt beide unrecht" und dann ganz gelassen auf die alten Babyloner verweisen.
Zwischen denen und einem Thales, Pythagoras und vor allem Euklid liegt eine qualitative Stufe. Genau, wie wir wiederum einen qualitativen Sprung zur Mathematik eines Descartes, Leibniz und Newton verbuchen können.


Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte.
Süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon, wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's! Dich hab ich vernommen!

Eduard F. Mörike (1804-1875)
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31.10.2013, 23:31
Beitrag: #12
RE: Auslöser und Grundlagen für eine/die Industrielle Revolution
Angekommen. Is okay. Werd mich beim nächsten Mal diplomatischer ausdrücken.

Abgesehen davon WAR die Mathematik z.Zt. der IR alles andere als unterentwickelt und WAR die Mathematik der Babylonier schon hoch entwickelt. Euklid und Konsorten haben nicht nur darauf aufgebaut, manches, was den Griechen zugeschrieben wird, stammt in Wirklichkeit von Babyloniern und Ägyptern.

VG
Christian
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01.11.2013, 12:05
Beitrag: #13
RE: Auslöser und Grundlagen für eine/die Industrielle Revolution
(31.10.2013 23:31)913Chris schrieb:  Angekommen. Is okay. Werd mich beim nächsten Mal diplomatischer ausdrücken.

Abgesehen davon WAR die Mathematik z.Zt. der IR alles andere als unterentwickelt und WAR die Mathematik der Babylonier schon hoch entwickelt. Euklid und Konsorten haben nicht nur darauf aufgebaut, manches, was den Griechen zugeschrieben wird, stammt in Wirklichkeit von Babyloniern und Ägyptern.

VG
Christian

Nun kann ich bei den Ingenieurwissenschaften nicht so sehr mitreden,
ich sehe das Problem aber nicht darin,
dass ein Gelehrter in monatelanger/jahrelanger Arbeit ein mathematisches Problem "errechnen" konnte,
sondern dass dieselbe Rechnung nachvollziehbar in praxisgerechter Zeit ausgeführt werden kann.
Und hierfür, mI, ist alles vor den "arabischen Zahlen" ungeeignet.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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01.11.2013, 23:29
Beitrag: #14
RE: Auslöser und Grundlagen für eine/die Industrielle Revolution
Definiert mal Industriele Revolution. Ich meine außerhalb der wohlbekannten Industrielen Revolution im 19. Jahrhundert.
Meiner Meinung nach tritt so etwas ein, wenn eine neue Idee aufkommt. Sei es Die Manufraktur in Frankreich, Die Industrialiesierung oder das neue Computerzeitalter, oder was auch noch kommt.
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02.11.2013, 00:24
Beitrag: #15
RE: Auslöser und Grundlagen für eine/die Industrielle Revolution
(31.10.2013 23:31)913Chris schrieb:  Angekommen. Is okay. Werd mich beim nächsten Mal diplomatischer ausdrücken.

Abgesehen davon WAR die Mathematik z.Zt. der IR alles andere als unterentwickelt und WAR die Mathematik der Babylonier schon hoch entwickelt. Euklid und Konsorten haben nicht nur darauf aufgebaut, manches, was den Griechen zugeschrieben wird, stammt in Wirklichkeit von Babyloniern und Ägyptern.

VG
Christian
Diplomatischer ausdrücken - das klingt interessant...Rolleyes

Aber egal. Du hast doch vollkommen recht, wenn du schreibst, dass die griechischen Naturphilosophen bzw. Mathematiker auf das Wissen und die Praktiken der Babylonier und Ägypter zurückgriffen und darauf aufbauten. Sie haben verfeinert, ausgebaut und um Neues ergänzt - vor allem aber verallgemeinert (z.B. Beweisführung) und so die Universalität von mathematischen Zusammenhängen im Ensemble der Natur herausarbeiten können und die Grundlagen für eine formale Mathematik geschaffen.

Und du hast auch recht, dass man am Vorabend der Industriellen Revolution von einer hochentwickelten abendländischen Mathematik sprechen kann. Ein Level über den antiken Kenntnissen, aber wiederum auf diesen aufbauend.

Die Frage war ja nur, ob die antiken Kenntnisse ausgereicht hätten um bestimmte technische Objekte und auch logistische Prozesse zu beschreiben/analysieren, Neues zu planen und zu realisieren.

Die Frage nach der ausreichenden Verfügbarkeit von Arbeitskräften sowie von Investitionsmitteln und Konsumenten sehe ich als sekundär an, was nicht heißen soll, dass sie unwichtig ist. Gleiches gilt für die Infrastruktur.

Am Anfang muss die Erfindung stehen und eine begleitende, tragende Vision.


Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte.
Süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon, wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's! Dich hab ich vernommen!

Eduard F. Mörike (1804-1875)
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02.11.2013, 01:02
Beitrag: #16
RE: Auslöser und Grundlagen für eine/die Industrielle Revolution
(01.11.2013 12:05)Suebe schrieb:  Nun kann ich bei den Ingenieurwissenschaften nicht so sehr mitreden,
ich sehe das Problem aber nicht darin,
dass ein Gelehrter in monatelanger/jahrelanger Arbeit ein mathematisches Problem "errechnen" konnte,
sondern dass dieselbe Rechnung nachvollziehbar in praxisgerechter Zeit ausgeführt werden kann.
Und hierfür, mI, ist alles vor den "arabischen Zahlen" ungeeignet.

Das sehe ich genauso. Für die praktische Anwendung der antiken Mathematikkenntnisse und ihrer weiteren Entwicklung, war die Einführung des Ziffernschriftsystems auf Basis der indo-arabischen Schreibweise von entscheidender Bedeutung. Dazu gehört bekannterweise auch die Darstellungsmöglichkeit für die Null.
Das römische Zahlensystem ließ zwar auch komplexere Berechnungen zu, wie sie z.B. in der Architektur bei Statikfragen erforderlich sind - diese waren aber sehr aufwendig, mühsam und zeitraubend. Das System war auch nicht entwicklungsfähig.


Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte.
Süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon, wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's! Dich hab ich vernommen!

Eduard F. Mörike (1804-1875)
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02.11.2013, 11:10
Beitrag: #17
RE: Auslöser und Grundlagen für eine/die Industrielle Revolution
Hab gestern die Dukoreihe "Die Briten" gesehen und bin dabei auf noch einen Aspekt gestoßen, der für die (britische) industrielle Revolution entscheidend war: Die Hygiene.
Um die für die moderne industrielle Produktion nötigen Menschenmassen auch so unterbringen zu können, dass nicht die Mehrzahl von ihnen in einem relativ geringen Alter an Infektionen stirbt, braucht man unbedingt eine Kanalisation und eine gute medizinische Versorgung.
Die gute medizinische Versorgung setzt ein gewisses wissenschaftliches und auch technologisches Niveau voraus, eine Kanalisation war in der Geschichte immer dann nötig, wenn sich Megastädte ("Mega" im zeitlichen Kontext und relativ zu den übrigen zu der ZTeit existierenden Städten) bildeten: Im alten Rom, in China und im neuzeitlichen Europa bspw.

Den Wohnungsbau nicht zu vergessen: Um mehrstöckige Wohnhäuser in ausreichender Stückzahl hochzuziehen, ist wiederum ein gewisses technisches Niveau vonnöten. Logistik, Bautechnik, Baumaterialien...

VG
Christian
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02.11.2013, 23:51
Beitrag: #18
RE: Auslöser und Grundlagen für eine/die Industrielle Revolution
Die "Industrielle Revolution" ist nur in Zusammenhang mit der "Landwirtschaftlichen Revolution" und der "Politischen Revolution" zu sehen. Unter den Begriff „politische Revolution“ zähle ich nicht nur Ereignisse, wie die Französische Revolution, sondern auch das Wirken von Aufklärern und Philosophen (z.B. Kant, Voltaire, Rousseau, Locke u.a.). Außerdem dürfen Ökonomen wie Adam Smith und David Ricardo, aber auch die Entstehung eines modernen Bank- und Finanzwesen (trotz anfänglicher Pannen wie z.B. die Assignaten von John Law) und eines gerechteren Steuersystems nicht unbeachtet bleiben. Die drei (oder wenn man will vier) genannten Revolutionen bedingten sich gegenseitig, alle drei zusammen führten zur Umwandlung der bisherigen Agrargesellschaft in eine urbanisierte, nationalstaatliche Industriegesellschaft. Dieser Prozess fand in (West- und Mittel-)Europa und Nordamerika etwa im Zeitraum von ca. 1700 bis ca. 1870 statt (*) und sollte nicht getrennt, sondern im Zusammenhang und als Einheit betrachtet werden.

Es ist schon richtig, dass die bedeutendsten und spektakulärsten Erfindungen der IR in Großbritannien nach 1760 entstanden sind und somit das Vereinigte Königreich eine Vorreiterrolle übernahm. Ich denke da an die „Spinning Jenny“ von James Hargreave, an die Dampfmaschine von James Watt oder an die erste Lokomotive von Stephenson, die wiederum als Symbole für Mechanisierung, effizientere Energienutzung und Logistik stehen. Warum dies in Großbritannien geschah, haben 913Chris und andere schon oben beschrieben. Dabei darf man nicht vergessen, dass in Frankreich und Deutschland (und anderswo) ebenfalls neue Technologien entwickelt wurden. Ich denke da z.B. an den Jacquard-Webstuhl, an die Langsiebpapiermaschine, an den Tiegelstahl der Firma Krupp aber auch an das Einwecken oder die Daguerreotypie, um nur einige zu nennen.

Die landwirtschaftliche Revolution führte zu einem Anstieg der Bevölkerung und das trotz der Kriege von 1700 bis 1815 und der Seuchen (Pocken, Typhus oder Cholera). Ebenso stieg der Bestand an Pferden, dies ermöglichte einerseits den verstärkten Einsatz der Kavallerie in Kriegen, andererseits konnten mit Hilfe dieser Arbeits- und Transportpferde riesige Gebiete wie z.B. in Nordamerika erschlossen werden. Menschen reisten häufiger, dies wiederum führte zum verstärkten Austausch von Informationen und Ideen. Ein wichtiger Punkt der landwirtschaftlichen Revolution war die Einführung der Kartoffel als Nutzpflanze. Dort wo die Kartoffel (zum Teil trotz staatlicher Förderung) sich nicht als Nahrungsmittel behaupten konnte, waren Hungerskatastrophen noch möglich, so z.B. seit 1787/88 in Frankreich.

Das Verwenden der indisch-arabischen Zahlen war natürlich erforderlich, um mathematische, physikalische oder ingenieurtechnische Probleme zu lösen. Diese Zahlen waren aber seit Anfang des 13. Jahrhundert in Europa bekannt und im 18. Jahrhundert rechnete niemand mehr mit römischen Zahlen, die zu diesem Zeitpunkt nur noch für Jahreszahlen oder an Kirchturmuhren verwendet wurden. Die arabischen Zahlen wurden bereits seit dem 14. Jahrhundert in der Buchhaltung verwendet, so auch bei großen Handelshäusern wie den Fuggern oder Medicis. Ebenso nutzten die Verwaltungen der absolutistischen Staaten die arabischen Zahlen zur Bestandsaufnahme usw. Demnach müssten die Leistungen von z.B. Maschinen- oder Brückenbauern eher auf die mathematischen und physikalischen Grundlagen von Leibniz, Newton, Euler u. v. a. zurückzuführen sein.

Der Begriff „Industrielle Revolution“ verwendete erstmalig der französischen Ökonomen Adolphe Jerome Blanqui, ein Bruder des Sozialisten und Pariser Kommunarden Louis Auguste Blanqui. Er wollte auf Analogien zur Französischen Revolution und den daraus folgenden enormen gesellschaftlichen Veränderungen hinweisen. Karl Marx definierte die landwirtschaftlichen, industriellen und politischen Revolutionen als Übergang vom Feudalismus zum modernen Kapitalismus. Dabei beachtet er nicht, dass der Feudalismus spätestens seit dem 16. Jahrhundert überwunden war. Natürlich stellt sich die Frage, warum dann noch ca. 200 Jahre vergehen mussten, ehe die Prozesse begannen, die wir heute landwirtschaftliche, industrielle und politische Revolution nennen. Lag es an den Religionskriegen oder brauchte die Gesellschaft eben mehrere Generationen, um einen gewissen Bildungsstand, ein entsprechendes Niveau der Wissenschaften und die benötigte Aufgeschlossenheit für neue Wege zu erreichen?

Neben dem Begriff „industrielle Revolution“ gibt es ja auch die Begriffe „Zweite industrielle Revolution“ und „Dritte industrielle Revolution“. Die 2. IR schloss zeitlich an die 1. an, begann also um 1850/70 und endete wohl um 1970/90. (*) Kennzeichnend sind z.B. das Ersetzen der Mechanisierung durch Elektrifizierung, die Taylorisierung von Arbeitsprozessen (Massenproduktion), die chemische Industrie gewinnt an Bedeutung, neben Holz und der Steinkohle wurden z.B. einerseits Braunkohle, Erdöl und Erdgas, andererseits die Atomenergie als Energiequelle bedeutender, neben dem Schiffs- und Eisenbahnverkehr gewann der PKW- und LKW-Verkehr eine fast dominierende Bedeutung, durch den Einsatz von chemisch hergestellten Dünger bzw. von Pflanzenschutzmitteln wurde die Landwirtschaft effektiver, Kino, Radio und Fernsehen begannen das gesellschaftliche Leben massiv zu beeinflussen, man begann sich bewusst um die Stadtentwicklung zu kümmern und nicht zu vergessen als „politische Revolution“: die Gesetzgebung einschl. Sozialgesetzgebung oder das Behaupten der modernen parlamentarischen Demokratie (**) gegenüber totalitärer Regierungsformen. Hierzu gehört auch das Entstehen von Parteien, Interessenverbänden, Gewerkschaften, Genossenschaften u. a.

Seit 1970/90 befinden wir uns in der 3. IR. Die Arbeitsprozesse sind oder werden teil- oder vollautomatisiert, die Elektronik (und Mikroelektronik) prägt die Arbeitswelt. Ebenso entstehen neue Wissenschaftszweige, die Gentechnologie gewinnt an Bedeutung usw. Das Informationsmonopol der herkömmlichen Medien wird durch das Internet aufgehoben usw., praktisch jeder Haushalt hat einen PC und ein Handy usw., von denen man Nachrichten empfangen und senden kann. Die Gesellschaft wandelt sich in eine globale Kommunikations-, Informations- und Dienstleistungsgesellschaft. Herkömmliche Industriezweige werden z.B. nach Asien verlagert. In der Landwirtschaft findet der Anbau von genmanipulierten Pflanzen statt usw. Es gibt noch genügend andere Dinge, die ich aufzählen könnte, es würde jeglichen Rahmen sprengen.

Meine Gedanken gehen nun dahin. Am Ende der 1. IR (einschl. landwirtschaftliche und politische Revolution) entstanden die Nationalstaaten. Sie können als Institution zur Absicherung der Interessen von kapitalistisch wirtschaftenden Produzenten (Arbeitgebern) betrachtet werden. In der 2. IR setzte sich einerseits die moderne parlamentarische Demokratie gegenüber totalitären Regierungsformen und andererseits der Sozialstaat bzw. eine Sozialgesetzgebung durch. Damit wurde die Interessen der gesamten Gesellschaft gesichert, also auch die von Arbeitnehmern (Konsumenten). Meine Fragen sind, erstens: welche Bedeutung werden Nationalstaat oder Staatenbünde gegenüber global operierende Konzerne noch haben? Zweitens, sind die heutigen Sozialgesellschaften noch zeitgemäß oder brechen soziale Regeln, Gesetze und Bindungen weg zugunsten global handelnder Einzelner oder Gruppen? Drittens, sind die seit 1700 stattfindenden Prozesse permanent (***), so dass nach einer 3. IR, eine 4. und 5. IR usw. folgen wird („spiralförmige Entwicklung plus qualitativer Sprung“) oder sind es Prozesse, denen eine Endlichkeit beschieden sein wird? Als Grenzen für eine unendliche Entwicklung sehe ich z.B. die Entwicklung der Umwelt, des Klimas, die Demografie, die Ressourcenknappheit, die Vermüllung von Lebensräumen, aber auch ethische Skrupel an. Viertens, sollte man die komplexen Entwicklungen seit ca. 1700 als einen Prozess betrachten, der nur mit der neolithischen Revolution zu vergleichen ist?

(*) Nagelt mich bitte nicht wegen den Jahreszahlen fest, die Zeitabschnitte lassen sich ja bei einem ständigen Prozess schwer trennen. Am Besten ist es, man stellt sich das so vor, als ob die alte Baureihe noch produziert wird, obwohl schon ein neueres Modell auf dem Markt ist. Ich konzentriere mich bei meiner Analyse im Wesentlichen auf (West- und Mittel-) Europa und Nordamerika. Zeitlich versetzt und wohl eher rasanter fanden ähnliche Entwicklungen auch in Asien (Japan, China, Südkorea usw.) oder Lateinamerika statt. Ebenso lässt sich über die Entwicklung des Zarenreiches seit ca. 1890 und vor allem der Sowjetunion seit 1922 diskutieren.

(**) Auch die parlamentarische Demokratie nahm eine rasante Entwicklung von den Tories und Whigs des 18. Jahrhundert bis heute, wo de jure jedem über 18-jährigen Staatsbürger aktive oder passive Teilnahme an der parlamentarischen Demokratie offen steht, unabhängig vom Geschlecht, von der Steuerleistung bzw. dem Vermögensstand.

(***) Habe mal ganz provokativ das Wort „permanent“ gewählt, weil einst Leo Trotzki eine permanente Revolution, also die dauernde, nie aufhörende (radikale) Änderung der Gesellschaft forderte.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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03.11.2013, 10:57
Beitrag: #19
RE: Auslöser und Grundlagen für eine/die Industrielle Revolution
(02.11.2013 23:51)Sansavoir schrieb:  Meine Fragen sind, erstens: welche Bedeutung werden Nationalstaat oder Staatenbünde gegenüber global operierende Konzerne noch haben?

Die Verflechtung beider wird zunehmen. Der Nationalstaat als zumindest ideologische Grundlage wird noch eine ganze Zeit weiter existieren, zu viel müssten die "Individualstaaten" aufgeben. Bestes Beispiel ist die EU, wo ja auch nationalstaatliche Argumente am Ende die meisten anderen Argumente hinwegfegen...und wo sich nach Jehrzehnten der Annäherung der verschiedenen Staaten die Menschen immer noch nicht zuerst als Europäer, sondern eben als Franzosen, Deutsche, Spanier... begreifen.

(02.11.2013 23:51)Sansavoir schrieb:  Zweitens, sind die heutigen Sozialgesellschaften noch zeitgemäß oder brechen soziale Regeln, Gesetze und Bindungen weg zugunsten global handelnder Einzelner oder Gruppen?

Die Gesellschaften befinden sich in einem Wandel, der sowohl mit der demografischen Entwicklung der "westlichen Industriestaaten" sowie mit der industriellen Entwicklung bzw. der von dir genannten "3.industriellen Revolution" in Kausalzusammenhang gesehen werden muss.

(02.11.2013 23:51)Sansavoir schrieb:  Drittens, sind die seit 1700 stattfindenden Prozesse permanent (***), so dass nach einer 3. IR, eine 4. und 5. IR usw. folgen wird („spiralförmige Entwicklung plus qualitativer Sprung“) oder sind es Prozesse, denen eine Endlichkeit beschieden sein wird? Als Grenzen für eine unendliche Entwicklung sehe ich z.B. die Entwicklung der Umwelt, des Klimas, die Demografie, die Ressourcenknappheit, die Vermüllung von Lebensräumen, aber auch ethische Skrupel an.

Sehe ich ähnlich. Das Credo von der immerwährenden Weiterentwicklung wurde schon vom Club of Rome in Frage gestellt und es erweist sich immer mehr, dass alle Ressourcen inklusive Wasser und Luft endlich sind, dass also mit ihnen vorausschauend umgegangen werden muss. Inwieweit in diesem verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen wiederum Chancen für eine auch technologische, soziale und ökonomische Weiterentwicklung stecken, mithin also vielleicht der Anstoß zur nächsten industriellen Revolutionsstufe, muss sich noch erweisen. Ich persönlich sehe Chancen.

(02.11.2013 23:51)Sansavoir schrieb:  Viertens, sollte man die komplexen Entwicklungen seit ca. 1700 als einen Prozess betrachten, der nur mit der neolithischen Revolution zu vergleichen ist?

Ein komplexer Prozess, ja. Die neoloithische Revolution war ein allmählicher Übergang von den mesolithischen Jäger- und Sammlerkulturen (die sehr wohl auch schon Formen der Landwirtschaft kannten und sie auch anwendeten, aber mit ihren traditionellen Methoden der Nahrungsbeschaffung einfach noch besser fuhren, insofern sind die Mesolithiker mit den vorindustriellen Gesellschaften vergleichbar, siehe Merkantilismus als Vorstufe der Industrialisierung), durch die neolithische Revolution wurde das Produktionsgefüge der beteiligten Gesellschaften vollkommen umgestellt - Bildung größerer Siedlungen mit größeren und z.T. neuartigen Gebäuden, größerer sozialer Gruppen, großräumige Expansion von Kultur via Wanderung oder Wissenstransfer inklusive Entstehugn von Handel und Kriegen - all das erinnert so verdächtig an die Entwicklungen, die mit der I.R. einhergingen, dass ich versucht bin, dir recht zu geben: Beide Revolutionen sind mtieinander vergleichbar.

VG
Christian
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03.11.2013, 21:19
Beitrag: #20
RE: Auslöser und Grundlagen für eine/die Industrielle Revolution
Zitat:Ich denke da an die „Spinning Jenny“ von James Hargreave

Das Wort "Jenny" ist übrigends eine Verniedlchung des Wortes "Engine"

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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