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Zinnvorkommen Bronzezeit
26.11.2013, 08:13
Beitrag: #1
Zinnvorkommen Bronzezeit
Servus!
Wir sind ja auch schon auf das Problem gestoßen: Wo hatten die Bronzezeitler ihr Zinn her?
Ein 2007 gestartetes Projekt, das mit Hilfe von GIS-Daten und Google Earth arbeitete ("Tin (Cassiterite) Distribution Google Earth 3D GIS Project"), hat nun neue Erkenntnisse ermöglicht. Dabei wurden alle bekannten Zinnvorkommen, auch die kleinsten, in eine Karte übertragen. Die tiefsten Vorkommen und die, bei denen das Zinn in mikroskopischer Verteilung vorliegt, wurden aus dem Datensatz wieder entfernt, weil die Bronzezeitler dazu sowieso keinen Zugang gehabt hätten, aber was übrig bleibt, ergibt ein interessantes Bild:
http://minoanatlantis.com/pix/Bronze_Age...posits.jpg

Vier Gebiete mit häufigen Zinnvorkommen kristallisieren sich heraus: Das heutige Afghanistan bzw. Zentralasien, Skandinavien, ein isoliertes Vorkommen in der Zentralsahara und zwischen Spanien/Marokko, Großbritannien und Rumänien weit verstreute Vorkommen in Westeuropa. Einzellagerstätten in Anatolien, Persien und Ägypten ergänzen das Bild.

Ich würde vermuten, dass die Vorkommen in Anatolien, Ägypten und Persien am Anfang der Bronzegewinnung stehen und dass daraufhin ein schwunghafter Handel mit Zentralasien, Europa und evtl. auch der Zentralsahara in Gang kam...mineralogische Untersuchungen könnten evtl. Sicherheit bringen, woher welches Zinn gekommen ist.
Es steht aber auch immer noch im Raum, dass eventuell nordamerikanisches Zinn die altweltlichen Vorkommen ergänzte.

VG
Christian
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26.11.2013, 09:48
Beitrag: #2
RE: Zinnvorkommen Bronzezeit
Die zugrunde liegende Website sieht nicht besonders seriös auf, da ist wohl ein Spinner am Werk.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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26.11.2013, 11:42
Beitrag: #3
RE: Zinnvorkommen Bronzezeit
Gab ich zuvor bei google ein
"Zinn woher Bronzezeit"
kam da so eine Website irgend eines GeschichtsforumsThumbs_up

http://www.forum-geschichte.at/Forum/sho...hp?tid=403

wenn ich das aber richtig sehe, ist man so viel weiter seither in der Forschung nicht gekommen.


Ausriss aus dem dort verlinkten Spektrum-Heft
Zitat:Doch warum Handwerker begannen, dem Kupfer Zinn beizugeben, ist eines der großen Rätsel der Menschheitsgeschichte. Tatsächlich kennen wir nicht einmal die Lagerstätten des Zinns der frühen Bronze. Paradoxerweise kam sie zuerst in Gebieten auf, in denen bis heute keine Vorkommen zinnhaltiger Erze gefunden worden sind.

Mit dem Link von Chris kann ich leider nichts anfangen, da kommt bei mir lediglich eine Weltkugel mit Pünktchen, einmal zu vergrößern und dann ist Schluss.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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26.11.2013, 13:33
Beitrag: #4
RE: Zinnvorkommen Bronzezeit
(26.11.2013 09:48)Arkona schrieb:  Die zugrunde liegende Website sieht nicht besonders seriös auf, da ist wohl ein Spinner am Werk.

Da stimme ich dir zu. Allerdings scheint die Google-Earth Abbildung mit den Zinnvorkommen in Ordnung zu sein.
(26.11.2013 11:42)Suebe schrieb:  Mit dem Link von Chris kann ich leider nichts anfangen, da kommt bei mir lediglich eine Weltkugel mit Pünktchen, einmal zu vergrößern und dann ist Schluss.

Naja, mehr ist darauf auch nicht zu sehen - halt der Globus und die eingetragenen Erzvorkommen. Was hast du erwartet? Ist doch nur ein einzelnes Bild, sozusagen ein Schnappschuß aus Googlearth mit den GIS-Spezialmarkierungen...
(26.11.2013 08:13)913Chris schrieb:  Servus!
Wir sind ja auch schon auf das Problem gestoßen: Wo hatten die Bronzezeitler ihr Zinn her?
Ein 2007 gestartetes Projekt, das mit Hilfe von GIS-Daten und Google Earth arbeitete ("Tin (Cassiterite) Distribution Google Earth 3D GIS Project"), hat nun neue Erkenntnisse ermöglicht. Dabei wurden alle bekannten Zinnvorkommen, auch die kleinsten, in eine Karte übertragen.

Es wäre wahrscheinlich auch interessant, wenn man eine ähnliche Analyse mit den damaligen Kupfervorkommen erstellen würde (was sicher schon geschehen ist) und diese dann mit der Zinnanalyse abgleicht, um zu versuchen eine mögliche geographische Korrelation der einzelnen Vorkommen und "Zentren" der damaligen Bronzeherstellung nachzuweisen.
Selbst wenn man vorraussetzen kann, dass es schon ein gut funktionierendes Handelssystem gab, wäre eine räumliche Nähe zwischen Cu- u. Sn-Vorkommen unseren Altvorderen sicher entgegengekommen.


Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte.
Süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon, wollen balde kommen.
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Eduard F. Mörike (1804-1875)
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26.11.2013, 16:10
Beitrag: #5
RE: Zinnvorkommen Bronzezeit
Vielleicht hilft der übergeordnete Link weiter:
http://minoanatlantis.com/Tin_Distributi...ze_Age.php

Der Forscher, der die Website betriebt, heißt W.Sheppard Baird und ist ein durchaus angesehener Minoer-Forscher. (vgl. http://independent.academia.edu/SheppardBaird)
Er ist - wie so mancher US-Forscher - "unabhängig", d.h. er ist Privatgelehrter. Er bezeichnet sich als Historiker, Künstler und Schriftsteller (er hat einen Roman verfasst, "The Minoan Psychopath".)

Er ist aber auch in einem E-Mailforum vertreten (Aegeanet, erreichbar üer http://people.ku.edu/~jyounger/aegeanet.html), in dem sich Professoren, Doktoren und andere an Universitäten tätige Forscher tummeln, die sich alle mit der Alten Ägäis (= griechisch-kretische Bronzezeit) befassen, und dort hat ihm bisher noch keiner widersprochen.

VG
Christian
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27.11.2013, 10:58
Beitrag: #6
RE: Zinnvorkommen Bronzezeit
(26.11.2013 16:10)913Chris schrieb:  Er ist - wie so mancher US-Forscher - "unabhängig", d.h. er ist Privatgelehrter. Er bezeichnet sich als Historiker, Künstler und Schriftsteller (er hat einen Roman verfasst, "The Minoan Psychopath".)

Chris, ich bin mir sicher, dass dir hier niemend unterstellen möchte, du würdest mit zweifelhaften Quellen, Verweisen etc. arbeiten und diese dann präsentieren ohne darauf hinzuweisen.

Die Seite von W.Sheppard Baird erscheint nun mal auf den ersten Blick etwas unprofessionell, und wenn man so möchte auch nicht besonders seriös. Dem wirst du sicher zustimmen.
Da wahrscheinlich keiner von uns die Zeit und Muse hat, jede einzelne Verlinkung auf Glaubwürdigkeit oder Seriösität hin zu überprüfen oder Kompetenz und Renommee eines Autors zu eruieren, sei es uns gestattet, in manchen Fällen den Ersten Eindruck sprechen zu lassen. So auch hier - selbst auf die Gefahr, dass man möglicherweise daneben liegt. Smile

Du selbst schreibst u.a., Sheppard bezeichne sich als Historiker...
Ja gut - was heißt das? Ohne das jetzt zu hoch bewerten zu wollen, ist es manchmal nicht gerade abträglich, auf einen gewissen akademischen Hintergrund verweisen zu können. Auf die Schnelle habe ich da bei ihm nichts gefunden...Huh


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Eduard F. Mörike (1804-1875)
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27.11.2013, 16:44
Beitrag: #7
RE: Zinnvorkommen Bronzezeit
Was hier jetzt interessant wäre,
die Bergakademie Freiberg wollte ja über Isotopenanalyse die Herkunft des Zinns klären.
Das Projekt stammt aus dem Jahr 2000.
Da müsste es doch inzwischen Ergebnisse geben.

Ist da keinem der Mitleser und Schreiber etwas bekannt geworden?

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27.11.2013, 17:02
Beitrag: #8
RE: Zinnvorkommen Bronzezeit
Geforscht wird da gehörig.
Und der montanarchäologische Teil ist auch bereits ausgewertet.

Siehe hier:
http://www.bergbaumuseum.de/web/moar-pro...ittelasien

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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27.11.2013, 17:23
Beitrag: #9
RE: Zinnvorkommen Bronzezeit
http://www.wissenschaft.de/archiv/-/jour...tralasien/

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27.11.2013, 18:42
Beitrag: #10
RE: Zinnvorkommen Bronzezeit
Das Thema und die Links gab es doch schon. http://www.forum-geschichte.at/Forum/sho...hp?tid=403
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27.11.2013, 22:45
Beitrag: #11
RE: Zinnvorkommen Bronzezeit
(27.11.2013 10:58)Avicenna schrieb:  Du selbst schreibst u.a., Sheppard bezeichne sich als Historiker...
Ja gut - was heißt das? Ohne das jetzt zu hoch bewerten zu wollen, ist es manchmal nicht gerade abträglich, auf einen gewissen akademischen Hintergrund verweisen zu können. Auf die Schnelle habe ich da bei ihm nichts gefunden...Huh

Ich auch nicht, deswegen drücke ich mich vorsichtig aus.
Auch hat mich an der Karte gestört, dass der Autor buchstäblich JEDES auch nur annähernd für Bronzezeitler abbaubare Zinnvorkommen darin aufgeführt hat - ein wichtiger Kritikpunkt.
Aber Baird schreibt selber, das Projekt sei erst am Anfang. Er denkt sich offenbar, dass anderre - kundigere? - Forscher seine Karte weiter editieren könnten.
Mittlerweile sind auch auf dem Aengeant-Forum harsche Kritikmails aufgelaufen. Baird reagierte mit Unverständnis - scheint ein eher schwieriger Charakter zu sein.
Ich fand trotzdem die Idee, die Zinnvorkommen mal auf einer Karte zu sammeln, nicht schlecht. Zeigt die Karte doch eindeutig, dass im Vorderen Orient so gut wie keine Zinnvorkommen vorhanden sind. Schon in der frühen Bronzezeit müssen also nicht unerhebliche Zinnmengen importiert worden sein. Nur - woher? Isotopenuntersuchungen könnten tatsächlich hilfreich sein.

Die Freiberger Untersuchungen deuten ja - durchaus nachvollziehbar - nach Zentralasien, wo schon sehr früh eine offenbar vom Vorderen Orient relativ unabhängige Hochkultur blüte.
Und genau hier zeigt die Karte von Baird eine Massierung von Zinnlagerstätten...
Dorthin hatten offenbar schon die kupferzeitlichen Vorderorientler bessere Beziehungen als nach Europa!

VG
Christian
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28.11.2013, 10:29
Beitrag: #12
RE: Zinnvorkommen Bronzezeit
(27.11.2013 22:45)913Chris schrieb:  Schon in der frühen Bronzezeit müssen also nicht unerhebliche Zinnmengen importiert worden sein. Nur - woher? Isotopenuntersuchungen könnten tatsächlich hilfreich sein.

Die Freiberger Untersuchungen deuten ja - durchaus nachvollziehbar - nach Zentralasien, wo schon sehr früh eine offenbar vom Vorderen Orient relativ unabhängige Hochkultur blüte.
Und genau hier zeigt die Karte von Baird eine Massierung von Zinnlagerstätten...
Dorthin hatten offenbar schon die kupferzeitlichen Vorderorientler bessere Beziehungen als nach Europa!

VG
Christian

Da lese ich aus Arkonas link:
Zitat:Archäometallurge Ernst Pernicka ließ einen Teil der Erzfunde aus Tadschikistan verhütten: Es entstand exakt jene gold- glänzende Bronze, die in der frühen Bronzezeit bei den Herrschern von Mesopotamien bis an die Adriaküste so begehrt war.

Die Zeit stimmt, die Mengen passen, die Verarbeitung zu Bronze bringt das gleiche Ergebnis – und doch hat Pernicka in den Bronzen von Troja nicht die kleinste Spur von zentralasiatischem Zinn gefunden

dass die wohl gemacht werden, aber bisher nicht mit den Archäologischen Ergebnissen korrespondieren.

Sehr interessant in dem Artikel ist auch:
Zitat:Vielleicht wurde die Bronze gar nicht er-, sondern einfach gefunden. Denn in Muschiston stießen die Forscher auf Erze, in denen Kupfer und Zinn vergesellschaftet waren. Pernicka: „Hier kam Bronze als natürliche Legierung vor." Vielleicht erkannten die Menschen die Vorteile und kupferten die Natur ab. Die wissenschaftliche Beantwortung solcher Fragen steht noch aus.

wie gesagt, sehr interessant.

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28.11.2013, 12:43
Beitrag: #13
RE: Zinnvorkommen Bronzezeit
(27.11.2013 22:45)913Chris schrieb:  Ich fand trotzdem die Idee, die Zinnvorkommen mal auf einer Karte zu sammeln, nicht schlecht. Zeigt die Karte doch eindeutig, dass im Vorderen Orient so gut wie keine Zinnvorkommen vorhanden sind. Schon in der frühen Bronzezeit müssen also nicht unerhebliche Zinnmengen importiert worden sein. Nur - woher? Isotopenuntersuchungen könnten tatsächlich hilfreich sein.

Die Freiberger Untersuchungen deuten ja - durchaus nachvollziehbar - nach Zentralasien, wo schon sehr früh eine offenbar vom Vorderen Orient relativ unabhängige Hochkultur blüte.
Und genau hier zeigt die Karte von Baird eine Massierung von Zinnlagerstätten...

Es ist tatsächlich eine phantastische Möglichkeit, die sich da für den "Normalverbraucher" auftut. Und wenn man dann noch diese visualisierten Daten in Verbindung bringt mit den Ergebnissen z.B. der Freiberger, dann kann man sogar als Laie zu brauchbaren Ergebnissen und Schlüssen gelangen. Der Sheppard gibt ja auch 'ne kurze Anleitung wie man zu diesen Google-Earth Projektionen kommt.
Wenn ich die Zeit finde, werde ich das auf alle Fälle praktisch nachvollziehen. An allgemeine GIS-Daten und entsprechende Konvertierungssoftware kommt man relativ unkompliziert. Spezialdaten, wie z.B. die Sn-Lagerstätten-Maps kann man sich auch besorgen.

Der BdW-Beitrag ist sehr interessant und gibt einen groben Überblick über den Forschungsstand, nur in manchen Dingen - aus nachvollziehbaren Gründen, eben nicht präzise genug. Auch hier besteht durchaus die Möglichkeit, sich ausführlicheres Material z.B. aus Publikationen von Pernicka und anderen, oder eben auch über persönlichen Kontakt, zu beschaffen.


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28.11.2013, 13:32
Beitrag: #14
RE: Zinnvorkommen Bronzezeit
(28.11.2013 10:29)Suebe schrieb:  Da lese ich aus Arkonas linkSad...)dass die wohl gemacht werden, aber bisher nicht mit den Archäologischen Ergebnissen korrespondieren.

Pernicka hat ja offenbar auch nur seine trojanischen Bronzen untersucht. Was ist mit den mesopotamischen und ägyptischen Bronzen? Und - nicht zu vergessen! - den chinesischen und indischen Bronzen?

Wenn die Trojaner wussten, wie "richtige" Bronze aussehen musste, aber kein zentralasiatisches Zinn verwendeten, dann liegt es nahe zu vermuten, dass die natürlich vorkommenden Bronzen der Anfangspunkt waren. Von nun an stand fest, wie "richtige" Bronze auszusehen hatte - aber die Trojaner kamen nicht ran an diese Bronzen. Also "rekonstruierten" sie diese Bronzen, indem sie Kupfer und Zinn selber mischten, das Zinn (und das Kupfer?) aber aus anderen Quellen bezogen.
Für das Kupfer ist Zypern nahe liegend, aber - wie anderswo schon diskutiert - es könnte auch aus anderen Gegenden, sogar aus Nordamerika stammen. (die phantastischste These, daher derzeit mein besonderer Liebling... Big Grin )

VG
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28.11.2013, 14:58
Beitrag: #15
RE: Zinnvorkommen Bronzezeit
(28.11.2013 13:32)913Chris schrieb:  ...sogar aus Nordamerika stammen. (die phantastischste These, daher derzeit mein besonderer Liebling... Big Grin )
Da ist ja nun mehr als phantastisch. Warum nicht gleich vom Mond? Selbst wenn wir mal annehmen, es hätte Zinntransporte über den Atlantik per Schiff gegeben, so wird man doch das fertige Metall und nicht das bloße Erz mit all seinen nutzlosen Bestandteilen gehandelt haben. Wo sind dann die Spuren alter Zinnverhüttung in Amerika? Soweit ich weiß, verarbeiteten die Indianer an den Großen Seen zwar gediegenes Kupfer auf kalten Weg, aber bei Bronze ist da Fehlanzeige.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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28.11.2013, 17:06
Beitrag: #16
RE: Zinnvorkommen Bronzezeit
(28.11.2013 14:58)Arkona schrieb:  Soweit ich weiß, verarbeiteten die Indianer an den Großen Seen zwar gediegenes Kupfer auf kalten Weg, aber bei Bronze ist da Fehlanzeige.

Weiter oben habe ich fehlerhafterweise Zinn aus Nordamerika kommen lassen, aber natürlich handelte es sich - wenn schon - um Kupfer. Dazu hab ich einem anderen 3d schon mal was geschrieben (http://www.forum-geschichte.at/Forum/sho...pid26316).

VG
Christian
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28.11.2013, 21:22
Beitrag: #17
RE: Zinnvorkommen Bronzezeit
Nun gibt es heute sehr große Zinnvorkommen im Erzgebirge und viele kleinere in anderen Regionen Mitteleuropas, die schon in der Bronzezeit gut entwickelt waren. Gibt es Hinweise darauf, das das Zinn nicht in der Region gefördert wurde, sondern importiert werden mußte?
Die Produktion in der Region würde die gute Entwicklung, hohe Bevölkerungsdichte und den frühen Start in die Eisenzeit erklären. Es gibt auch regionale Kupfervorkommen.

viele Grüße

Paul

aus dem hessischen Tal der Loganaha (Lahn)
in der Nähe von Wetflaria (Wetzlar) und der ehemaligen Dünsbergstadt
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23.08.2015, 17:03
Beitrag: #18
RE: Zinnvorkommen Bronzezeit
Hallo,

ich bin neu in diesem Forum. Beim "Blättern" habe ich dieses Thema entdeckt, wenn es auch schon länger nicht bearbeitet wurde.
Ich möchte zum Thema einiges von der Seele schreiben:

1. Im Bereich Mittelelbe und Saale sind bei GBK-Metallfunden zu 65% zinnhaltig, wenn auch mit großer Schwankung. [Andreas Neubert, Zum Übergang vom Neolithikum zur Bronzezeit, in: Das Neolithikum im Mittelelbe-Saalegebiet und in der Altmark, 2006; S.298]

2. Beim Goldwaschen findet man in allen nördlich des Erzgebirges fließenden Gewässer von der Saale bis zur Schwarzen Elster Zinnstein in den Waschpfannen. Ebenfalls sind das Tschechische Mittelgebirge, das Fichtelgebirge und das Vogland als potentielle Zinnlieferanten zu betrachten. Im Raum Oelsnitz/Plauen wurden spätbronzezeitliche Relikte mit der Kupfer- und Zinngewinnung in Verbindung gebracht. [Klaus Simon, Beiträge zur Urgeschichte des Vogtlandes I u.II in: Arbeits- und Forschungsberichte zur Sächsischen Bodendenkmalpflege, Bd 33 u. 34, 1989,1991].

3. Der Versuch von Pernicka und Haustein, mittels Sn-Isotopenanalyse die Zinnherkunft bei der Himmelsscheibe von Nebra zu klären, ist nicht so eindeutig gelungen. Während Pernicka in Vorabveröffentlichungen Cornwall als Zinnquelle faforisierte, ergaben die Isotopenmessungen eher eine Herkunft aus Graupen/Gruka - heute in Tschechien. Unklar bleibt, ob die Probe aus Grupka ein bergmännisch gewonnens Erz oder ein Wascherz darstellt. Es ist m.E. grundsätzlich von Wascherzen bei der Zinngewinnung auszugehen, da das Zinnoxid in Granitbereichen vorkommend, von Nichteisenkulturen nur schwer bergmännisch zu gewinnen wäre. Andererseits liegt das Zinn praktisch im Fluß. Ein mir bekannter Hobbygoldwäscher hatte 2013 in der Zwickauer Mulde nahe Niederalbertsdorf in 2 Stunden aus 200 l Flußsediment 150 g Zinnstein und aus einem Zufluß zur Zwickauer Mulde ebenfalls in 2 Stunden aus 200 l Flußsediment 80 g Zinnstein gewaschen.

4. Die Erzwaschtechnologie dürfte in der Frühbronzezeit kaum Spuren hinterlassen haben, die heute nach mehrmaligem "Durchwaschen" des Erzgebirgs noch sichtbar sein werden. Auf Grund der Unauffindbarkeit dieser bergmännischen Tätigkeit werden das Erzgebirge und angrenzende Mittelgebirge von den Archäologen nicht mehr beachtet. Übrigens gibt es eine Landkarte, bei der Gegenstände aus reinem Kupfer und Bronze, die Zugänglichkeit zu Zinnquellen bzw. die fehlende Zugänglichkeit und die Lagerstätten in Europa und Vorderasien dargestellt sind: Siegmar von Schnurbein, Atlas der Vorgeschichte, S. 111, 2009.

Sorry, das es soviel wurde.[/b][/i]
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23.08.2015, 17:54
Beitrag: #19
RE: Zinnvorkommen Bronzezeit
Kein Grund für eine Entschuldigung. Manche schreiben mehr Worte mit weniger Inhalt.
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24.08.2015, 12:10
Beitrag: #20
RE: Zinnvorkommen Bronzezeit
(23.08.2015 17:03)Rainer schrieb:  Hallo,

ich bin neu in diesem Forum. Beim "Blättern" habe ich dieses Thema entdeckt, wenn es auch schon länger nicht bearbeitet wurde.
Ich möchte zum Thema einiges von der Seele schreiben:

1. Im Bereich Mittelelbe und Saale sind bei GBK-Metallfunden zu 65% zinnhaltig, wenn auch mit großer Schwankung. [Andreas Neubert, Zum Übergang vom Neolithikum zur Bronzezeit, in: Das Neolithikum im Mittelelbe-Saalegebiet und in der Altmark, 2006; S.298]

2. Beim Goldwaschen findet man in allen nördlich des Erzgebirges fließenden Gewässer von der Saale bis zur Schwarzen Elster Zinnstein in den Waschpfannen. Ebenfalls sind das Tschechische Mittelgebirge, das Fichtelgebirge und das Vogland als potentielle Zinnlieferanten zu betrachten. Im Raum Oelsnitz/Plauen wurden spätbronzezeitliche Relikte mit der Kupfer- und Zinngewinnung in Verbindung gebracht. [Klaus Simon, Beiträge zur Urgeschichte des Vogtlandes I u.II in: Arbeits- und Forschungsberichte zur Sächsischen Bodendenkmalpflege, Bd 33 u. 34, 1989,1991].

3. Der Versuch von Pernicka und Haustein, mittels Sn-Isotopenanalyse die Zinnherkunft bei der Himmelsscheibe von Nebra zu klären, ist nicht so eindeutig gelungen. Während Pernicka in Vorabveröffentlichungen Cornwall als Zinnquelle faforisierte, ergaben die Isotopenmessungen eher eine Herkunft aus Graupen/Gruka - heute in Tschechien. Unklar bleibt, ob die Probe aus Grupka ein bergmännisch gewonnens Erz oder ein Wascherz darstellt. Es ist m.E. grundsätzlich von Wascherzen bei der Zinngewinnung auszugehen, da das Zinnoxid in Granitbereichen vorkommend, von Nichteisenkulturen nur schwer bergmännisch zu gewinnen wäre. Andererseits liegt das Zinn praktisch im Fluß. Ein mir bekannter Hobbygoldwäscher hatte 2013 in der Zwickauer Mulde nahe Niederalbertsdorf in 2 Stunden aus 200 l Flußsediment 150 g Zinnstein und aus einem Zufluß zur Zwickauer Mulde ebenfalls in 2 Stunden aus 200 l Flußsediment 80 g Zinnstein gewaschen.

4. Die Erzwaschtechnologie dürfte in der Frühbronzezeit kaum Spuren hinterlassen haben, die heute nach mehrmaligem "Durchwaschen" des Erzgebirgs noch sichtbar sein werden. Auf Grund der Unauffindbarkeit dieser bergmännischen Tätigkeit werden das Erzgebirge und angrenzende Mittelgebirge von den Archäologen nicht mehr beachtet. Übrigens gibt es eine Landkarte, bei der Gegenstände aus reinem Kupfer und Bronze, die Zugänglichkeit zu Zinnquellen bzw. die fehlende Zugänglichkeit und die Lagerstätten in Europa und Vorderasien dargestellt sind: Siegmar von Schnurbein, Atlas der Vorgeschichte, S. 111, 2009.

Sorry, das es soviel wurde.[/b][/i]


Hallo Rainer,

es ist wohl ein grundsätzliches Problem mit der Auffindung "prähistorischer" Schürfstätten, dass mit jedem neuen Verfahren zuerstmal der Abraum der Vergangenheit durch die Schmelze gejagt wurde.

Für mich als Voll-Laien wirft die Bronze sowieso weit mehr Fragen auf, als zu beantworten sind.

Die Erfindung dieser Metalllegierung ist doch weit außerhalb jeden Erklärungsszenarios. Das setzt doch, unter heutigen Bedingungen, aufwändigste Versuchsketten voraus.
Ähnlich wie heute Kunststoffe entworfen werden.
Wobei im Gegensatz, in der Jungsteinzeit ja nicht bekannt war, was da gesucht/entworfen werden sollte.

Von dem her scheint mir die These vom "natürlichen" Bronzevorkommen noch am wahrscheinlichsten.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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