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Kleine Geschichte(n) aus Österreich :
15.02.2013, 16:26
Beitrag: #61
RE: Kleine Geschichte(n) aus Österreich :
Servus .

Im Forumsquiz gings letztens um :

Ulrich von Liechtenstein .

Ein Multitalent und schräger Vogel im 13. Jahrhundert .

Einer seiner Vorfahren war Aribo II. der Pfalzgraf
von Baiern war .

Ulrich wurde um 1200. vermutlich auf Liechtenstein ( nahe Judenburg )
als Sohn von Dietmar III. Und Kunigunde geboren ,
nebst mehreren Geschwistern .
Seine Familie entstammte einem einflußreichen Ministerialengeschlecht
( desswegen meine Umschreibung ; sie waren verbeamtete Angestellte ) .

Sein beruflicher Werdegang konnte sich sehen lassen .
Von 1244/45 war er Truchsess ( Vorsteher der Hofhaltung ) beim steyermärkischen Herzog .
5. Jahre von 1267. bis 1272. war er am Herzogshof Marschall .
Er hatte also die Leitung bei Heeresleistungen der Ritter über .
Anschließend übte er einige Jahre die Funktion des Landrichters aus .

Aus dem Zeitraum von 1227. bis 1274. sind 95. Urkunden bekannt
in denen sein Name erwähnt wird .
Und von denen hatte er 8. selbst ausgestellt .

Verheiratet war er mit Perchta von Weißenstein ,
mit der er vier Kinder zeugte .
Ulrich II. 1250/1285.
Otto II. 1252/1311.
Dietmut 1250.
Perchta 1260.

Nebenbei ließ er für seine Familie noch die Frauenburg erbauen ( Unzmark ) .

Aus Wikipedia ;
Burgruine Frauenburg ; Urheber GFDL , Dreinagel.

[Bild: 120px-Burgruine_frauenburg.jpg]

Vergrößert .
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:B...uselang=de

Aber heute noch bekannt ist er wegen seinem Steckenpferd .

[Bild: troubadour.jpg]

Er war auch ein Minnesänger .

Seine Kollegen , ausgenommen Walther von der Vogelweide ,
dichteten über und lebten auch die hehre Minne .

Ulrich von Liechtenstein dichtete sie nur aber er lebte sie nicht .
Heute würden wir sagen eigentlich parodierte er sie .

Min vreude war vil ofte groz ,
swenne ich kom , da man wazer goz
der herzen lieben vrowen min
uf ir vil wizen hendelin .
daz wazer, da mit si sich twuoc ,
verholn ich daz von danne truoc,
vor liebe ich ez gar uz tranc ,
da von so wart min truren cranc .

Oh, welche Freude ich genoss ,
wenn ich sah , dass man Wasser goss
wohl auf die weißen Händelein
der herzensliebsten Fraue mein.
Das Wasser, womit sie allein sich wusch ,
war heilig mir und rein ,
so dass ich heimlich liebeskrank
es bis zum letzten Schlucke trank .


Übersetzt von Dr. Lothar Jahn

Jetzt wißt ihr auch von wem der Liedtext
der Comedian – Harmonists stammt .
….Lass mich dein Badewasser schlürfen...

Im Codex Manesse sind einige seiner Texte eingefügt .

Die Minnegeschichte Frauendienst schrieb er wie eine Autobiographie .
Wahre Erlebnisse und Erfundenes eingewoben mit
Minnediensten .

http://de.wikipedia.org/wiki/Frauendienst

Belegt ist daß er an mehreren Turnieren teilnahm ,
bis hinauf nach Böhmen .

Bei einer Turnierreise , bei der er in mehreren Städten
antrat soll er mit den Zeichen der Venus eingeritten sein .
Im Frauendienst beschrieb er das erhöht und ausgeschmückt ,
daß er in Frauenkleidern der Frau Venus gekleidet eine Turnierreise
von Venedig bis Böhmen antrat .

Und einige Zeit später soll er sich als König Arthus verkleidet
zu Turnierkämpfen aufgemacht haben .

[Bild: ulrich-von-lichtenstein.jpg]

Aus dem Codex Manesse Nr.: 14.

Ritter Ulrich mit Helmzier der Venus ,
Mit der lodernden Flamme und dem Pfeil Amors .


Er lehnte die bedingungslose Hingabe in der Minne ab
und sprach in seinem Text auch die Homosexualität an .
Für die damalige Zeit etwas unerhörtes .

Aus der Manessischen Liederhandschrift .
Noch ein Liedtext :

Swem ein wîp sînen lîp
minneclîch umbevât ,
ob der niht saelden giht,
daz ist grôz missetât .
imst geschehen , wil ers jehen ,
dâ von im wirt trűren kranc .
sunder meil ist sîn heil ,
swem von linden armen blanc
wirt umbevanc .
Saelden hort ist ein wort
das ein kus in gegît,
sô ir spil minne wil
spiln und liep liebe lît .
ob dâ iht ougen liht
lieplîch sehen ein ander an ?
jâ für wâr , dâ wirt gar
minneclîchen wol getân
swaz ieman kan .

Minnen solt wirt geholt
volleclîch dâ ein man
unde ein wîp umbe ir lîp
lâzent vier arme gân ,
decke blôz. fröide grôz
wirt dâ beidenthalben kunt .
ob dâ niht męr geschiht,
kleinvelhitzerôter munt
wirt minnen wunt ,
dar nâch gesunt .


Nachdichtung: von Lothar Jahn 2002 .

Wenn ein Mann spüren kann,
Dass die Frau, die er liebt,
Ihn umfängt, zu ihm drängt -
Ob es noch Schön'res gibt?
Glück entsteht, Trauer geht,
Wer einst fror, dem wird jetzt warm.
Echtes Glück bleibt zurück,
Wenn ein zarter weißer Arm
Die Schwermut nahm.

Glückes Hort schenkt ein Wort
Und ein Kuss ihm allein.
Wenn ihr Spiel Minne will,
Wird's schon bald Liebe sein!
Sucht ihr Blick seinen Blick?
Seh'n sich beide fragend an?
Jetzt ist's klar! Hier wird ja
Minniglichen wohlgetan,
So fängt man's an!

Minne Sold wird gezollt
Voll und ganz, wenn ein Mann
Und ein Weib ihren Leib
Sich zum Glück bieten an.
Decke fort! Freudenort
Soll dies Bett für beide sein.
Mehr geschieht, als man sieht,
Ein vielhitzeroter Mund
Wird minnewund...
... und dann gesund!

Hochgeehrt verstarb er am 26.1. 1275.

Luki

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23.02.2013, 13:54
Beitrag: #62
Oh du lieber Augustin , Alles ist hin ,......
.
Servus .

Im Forumquiz Jux-Fragen mit geschichtlichem Hintergrund
hatte ich den lieben Augustin zum Erraten gestellt .

Desswegen möchte ich hier seine Person und sein makabres
Erlebniss etwas vorstellen .

1679. wütete in der kaiserlichen Residenzstadt Wien
eine furchtbare Pestepidemie .

[Bild: 300px-Plague_hospital_in_Vienna_1679.jpg]

http://de.wikipedia.org/w/index.php?titl...0616103412

Ein Pestkrankenhaus zur Zeit der Pandemie .

Aufgrund der schlechten hygienischen Wohnverhältnissen und
der Unkenntniss der Medizin starben die Menschen wie die Fliegen .

An normalen Begräbnisse war nicht mehr zu denken .
Am Rande der Städte wurden Massengräber ausgehoben .
Und in Diese wurden die Pesttoten geworfen .
Angekarrt von verpflichteten Bütteln die angstvoll ihr Werk verrichteten
und jeden Reglosen auf die Karren auflasen und entsorgten .

Und da begann die Geschichte von Augustin .

Geboren wurde er 1643. als Sohn eines pleitegegangenen Wirtes ,
in Wien als Marx Augustin .

Seinen Unterhalt verdiente er in Wirtschaften indem er den Zechern
Moritaten vorsang oder auf seinem Dudelsack Volksweisen spielte .
Da ihm der Wein sehr schmeckte setzte er seine Entlohnung als Musikus
meist auch gleich in flüssiger Nahrung um .

[Bild: augustin.jpg]

Und so hielt er es auch während der Pestepidemie .
Vermutlich lag er sturzbesoffen auf der Strasse an ein Haus gelehnt
und vorbeikommende Siechknechte luden ihn auf den Karren
und fuhren ihn mit Anderen zum nächsten Massengrab und
schmißen Alle hinein .

Bild eines kleinen Pestkarrens :
http://www.leibertingen.de/servlet/PB/sh...337%29.JPG

Da das Grab nicht sofort zugeschaufelt wurde warf man nur
eine Schicht Kalk auf die letzte Lage der Pesttoten , zwecks Dessinfektion .

Als Augustin aus seinem Vollrausch aufwachte , bemerkte er wo er war .
Er schrie und rief , aber weit und breit kein Lebender .
Er befand sich nur in Gesellschaft von Pesttoten .
Aber zu seinem Glück hielt er in seinem Delirium seinen
Dudelsack krampfhaft fest .
Also setzte er sich hin und spielte auf seinem Dudelsack Lieder .
Diese hörten Leute und als sie der Musik nachgingen sahen sie einen
mit Kalk und Dreck bedeckten aber quitschfidell dudelnden Mann
auf den Pestleichen sitzen und holten ihn aus der Grube .

[Bild: images?q=tbn:ANd9GcQnKO44Qs_3pbaZ0XDRjSF...bmw8FcKQXx]

Er verfasste über sein Erlebniss selbst eine Moritat und trug sie
bei seinen späteren Wirtshausauftritten zum Besten .
So wurde seine Geschichte bekannt .

http://www.voyagevirtuel.de/autriche/pag...tin-14.php

Da sein Lebensmotto war ;
Lustig gelebt und lustig gestorben
ist dem Teufel die Rechnung verdorben ,

überlebte er seinen Unfall unbeschadet und er starb erst einige Jahre später .

Lt. Wikipedia mit 42. Jahren .
In anderen Angaben starb er mit 62. bezw.: 72. Jahren .

Oh, du lieber Augustin , Augustin , Augustin ,
oh , du lieber Augustin , alles ist hin .
Geld ist weg , Mäd´l ist weg ,
alles weg , alles weg ,
oh , du lieber Augustin , alles ist hin .


Oh , du lieber Augustin , Augustin , Augustin ,
oh, du lieber Augustin , alles ist hin .
Ro ck ist weg , Stock ist weg ,
Augustin liegt im Dreck ,
oh , du lieber Augustin , alles ist hin .

Oh , du lieber Augustin , Augustin , Augustin ,
oh , du lieber Augustin , alles ist hin .
Geld ist weg , o du Schreck ,
das ist schlecht und nicht recht ,
oh , du lieber Augustin , alles ist hin .

Oh , du lieber Augustin , Augustin , Augustin ,
Oh, du lieber Augustin , alles ist hin .
Und selbst das reiche Wien ,
Hin ist's wie Augustin ;
Weint mit mir im gleichen Sinn ,

Alles ist hin .

Refrain .
Jeder Tag war ein Fest ,
Jetzt haben wir die Pest !
Nur ein großes Leichenfest ,
Das ist der Rest .

Refrain .
Augustin , Augustin ,
Leg nur ins Grab dich hin .
Oh , du lieber Augustin ,
Alles ist hin .


Als Lied abrufbar :
Ich habe es unter Google.at abgerufen .
Ich hoffe so kann man es auch in Deutschland abhöhren .

http://www.youtube.com/watch?v=fGJIxLkPW04

Der Augustinbrunnen in Wien :

[Bild: 220px-Augustinbrunnen_Wien.jpg]

Und größer :
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:A...n_Wien.jpg

Dieses Lied wird bis Heute gesungen .
Besonders in schlechten Zeiten , denn irgendwie hat es
etwas tröstliches .
Denn es zeigt auf , alles Unbill geht einmal vorbei .

1908. wurde ihm ein Denkmal gesetzt .
Während des tausendjährigen Reiches verschwand seine Statue .
Worauf ein findiger Wiener anstelle Der ,
eine Tafel mit folgender Inschrift aufstellte :

Der Schwarzen Pest bin ich entronnen,
die Braune hat mich mitgenommen.


In diesem Sinne ,
luki

http://de.wikipedia.org/wiki/Marx_Augustin

http://de.wikipedia.org/wiki/Pest_in_Wien

http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterre...ustin.html

http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterre...grube.html

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23.02.2013, 16:31
Beitrag: #63
RE: Kleine Geschichte(n) aus Österreich :
Grüß Gott Luki,

ja jetzt l m d a A,
jetzt verstehe ich, warum das Rätsel für mich unlösbar war.

Natürlich kenne ich den "lieben Augustin".
Augustin Sumser, geboren in Mittenwald, gelebt, geliebt und unvergessen in Lindau am Bodensee.
Wo er einem selbst heute an jedem Eck "begegnet".
Am ganzen deutschen Bodenseeufer gibt es Hotels, Restaurants usw. die an ihn erinnern.

Zitat:So harmlos und leicht dieser berühmteste Geissler-Roman auf den ersten Blick daherkommt - er wirft doch einige Fragen auf. Zunächst widerspreche ich dem Untertitel "Die Geschichte eines leichten Lebens". Im Vergleich zum Alltagsleben um 1800, dem Zeitraums der Romanhandlung, mag das Leben Augustin Sumsers leicht gewesen sein. Er wird in Mittenwald geboren, verliert rasch beide Eltern (der Vater wird beim Wildern erschossen) und kommt an den Bodensee, wo er eine passable Ausbildung genießt. Nach zahlreichen Affären trifft Augustin, inzwischen durch die Herstellung von Spieluhren zu Wohlstand gekommen, doch noch seine zweite große Liebe, heiratet und muß erneut harte Schicksalsschläge hinnehmen. Das Leben des lieben Augustin steht zwischen der Stadtbevölkerung Lindaus und dem entrückten reichen Landadel.
Geissler schildert aber nirgends realistisch das gegensätzlich schwere Leben der Unterschicht, selbst nicht beim Einmarsch der zahlreichen fremden Truppen. Eine schicksalshafte Bevorzugung Augustins erkenne ich daher nicht. Das Leben Augustins scheint mir keinesfalls leicht. Der nächste Widerspruch kommt zum "lieben Augustin". Ertappt bei einer amourösen Beziehung zum adeligen Mädchen Friederike zückt er das Messer und droht der Zofe: "Entweder schwören Sie mir auf der Stelle, daß Sie niemandem sagen werden, was Sie entdeckt haben - oder ich schneide Ihnen, noch ehe diese Kerze heruntergebrannt ist, die Gurgel ab und schmeiße Ihren Madensack in den See. So wahr ich Augustin Sumser heiße!" Na, spricht so ein lieber Augustin?
Geissler erzählt gewohnt flüssig und die Sujets der Zeit gekonnt und vielfältig einbeziehend. Er lebte lange genug im Bayern um gleich am Romananfang vorwegnehmen zu können: "... es soll schon damals in Bayern keine Seltenheit gewesen sein, daß Kinder ihre Väter nicht kannten und dennoch recht gute Menschen wurden." Geisslers Romane sind auch heute noch lesenswert, da sie gute Unterhaltung verheißen. Manchmal erscheinen sie etwas blumig und schönfärbend, wirken jedoch selten kitschig.
In der Dammgasse in Lindau soll der Instrumentenmacher Augustin Sumser eine Gedenktafel haben. Man begegnet ihm aber überall in Lindau (S.98, Franz Herre. "Gedeck in Lindau". In: Verborgene Heimat. Unbeaknntes Bayern 2. München: Süddeutscher, 1975. 88-98). Der Roman Der liebe Augustin wird laut Kindlers Literaturlexikon an amerikanischen Universitäten zur Deutschlektüre verwendet. Wenn er einer unter vielen ist, ist dabei nichts auszusetzen.
"
aus einer Rezension http://www.lesekost.de/deutsch/geissler/hhl853.htm

auch verfilmt wurde er.

gelebt hat er in einer Zeit, als Franzosen, Österreicher, Württemberger, Vorarlberger Bauern am Bodensee hin- und herzogen, brandschatzten, plünderten, einander das Wasser an der Suppe nicht gönnten
und zwischen drin er,
"die Geschichte eines leichten Lebens"

von der Seite von Wasserburg am Bodensee
Zitat:1921 schrieb er seinen berühmtesten Roman "Der liebe Augustin - Die Geschichte eines leichten Lebens". Diesen famos fröhlichen Burschen lässt der Dichter, in napoleonischen Zeiten aus Mittenwald an den Bodensee kommen, wo er in Lindau, nachdem er zu Hause natürlich eigentlich das Geigenbauen gelernt hat, Spieldosenmacher wird. Irgendwann, aus Liebe aus der nichts werden darf, denn Friederike ist Fürstäbtissin, wird er krank. Der berühmte Mesmer heilt ihn, er heiratet, stirbt und er lebt in Lindau (einen Inselzipfel Lindaus sieht man von Wasserburg aus).

Im vorletzten Satz nun der Bodensee: „…ich geh jetzt auf eine lange Wanderung – der See glänzt so still, der Himmel ist wie ein Beet voll dunkler Veilchen, und auf den Uferwiesen blühen die Kirschbäume im letzten Licht. Alles ist herrlich leicht und ohne Erdenschwere…“, sagt er, dann stirbt er wirklich.
http://www.wasserburg-bodensee.de/kultur...ssler.html

Dass es da zwei gibt ist mir bis heute nicht aufgegangen.


Adje
Der Suebe

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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03.04.2013, 19:17
Beitrag: #64
Der Banknotenfälscher , Peter Ritter von Bohr .
.
Ein genialer Geldfälscher :

Peter Ritter von Bohr ( Chevalier de Bor ) .

Geboren wurde er am 30.6.1773. in Luxemburg .
In einem Kloster erhielt er eine Ausbildung als künstlerischer Maler
und Zeichner .
Da er in Paris weiterstudierte , trat er bei Ausbruch der französischen
Revolution freiwillig einem Künstlerkorps bei , in dem er drei Jahre diente .

Dann aber verschlug es ihn nach Österreich .
In Linz heiratete er 1798. Clara Poestion , die Tochter eines Zeichenlehrers .

Aus Wikipedia : Urheber Johann Jaritz.

[Bild: 220px-Rosegg_Schloss_Peter_Ritter_von_Bo...008_01.jpg]

Peter Ritter von Bohr, figürliche Nachbildung von Ulrich Mertel
in der Ausstellung auf Schloss Rosegg in Kärnten

Aufgrund seines Zeichen - und Maltalent es lernte er begüterte Adelige kennen .
Und da er auch geschäftstüchtig war , kam er durch diese zu beträchtlichem
Einkommen , daß er durch Handelsgeschäfte , auch mit der Armee noch
vermehrte .
Mit seiner Familie übersiedelte er 1814. nach Wien und als seine Gattin
verstarb , war er schon so anerkannt daß er 1821. die Adelige Gräfin
Mathilde von Christallnik ehelichen konnte .

Zu der Zeit war er geschäftlich sehr erfolgreich und war an den Gründungen verschiedenster Unternehmungen beteiligt .
So der Donau Dampfschiffahrtsgesellschaft und der Ersten
Österreichischen Sparkasse
und in der er sogar zu deren vierköpfigem
Kontrollorgan gehörte , usw...

Zu seinem Bekanntenkreis gehörten Kaiser Franz I. und Fürst Metternich .

In der Zeit entwickelte er auch eine neue Guillochiermaschine , die ihm später
gute Dienste leisten sollte .
Mit jener Maschine konnte man geschwungene Linien
in Metalle übertragen ,
Wie z.B. so :

[Bild: 170px-Map3.jpg]

Da er 1822. die Verwaltung der Güter des Reichsfürsten Orsini- Rosenberg
übernommen hatte und Jener um 1839 in Konkurs gehen mußte ,
verlor Bohr sehr viel Geld und mußte ebenfalls Konkurs anmelden .

In jenen Tagen besann er sich vermutlich auf seine künstlerischen
und technischen Fertigkeiten , denn schon in kürzerer Zeit
war er wieder flüssig .
Ja er verfügte plötzlich über höhere Geldbeträge .
Er kaufte auch wieder Fabriken und eine gewisse soziale Ader gegenüber
seinen Arbeitern kann man ihm nicht absprechen .

Denn mußten die Arbeiter in den anderen Fabriken täglich mindestens
15. Stunden pro Tag , sechs mal die Woche , arbeiten .
So mußten die bohrschen Beschäftigten nur 10. Stunden arbeiten
und das zum dreifachen Lohne .
Kein Wunder , daß Bohr bei seinen Beschäftigten sehr beliebt war .
Bei seinen Konkurenten daher aber weniger oder eigentlich gar nicht .

Die Privilegierte österreichische Nationalbank hatte den Banknotendruck
auf das als fälschungssichere Oldham`sche Stahlstichverfahren umgestellt .
Die Entwürfe für deren Druck stammten vom bekannten Maler Peter Fendi .
Und welch Zufall , Peter Bohrs Neffe nahm bei Selben Zeichenunterricht .
Vermutlich kam Bohr so zu seinen Vorlagen .

Als man dann 1845. , nur wenige Jahre später nach der Umstellung ,
faßt perfekt gefälschte 10. und 100. Kronenscheine entdeckte ,
war Feuer auf dem Dache .
Um keine Finanzpanik zu erzeugen , wechselte man die Falschen gegen Echte
weiterhin ein .

http://www.oenb.at/de/popup/popup_mo_500...2_page.jsp

Eine der nahezu perfekten Fälschungen des Peter Ritter von Bohr. Diese Fälschungen entstanden zwischen 1841 und 1845. Eigentümer des Fotos und der Fälschung: Geldmuseum der Oesterreichischen Nationalbank

Mit der Untersuchung des unerhörten Vorfalles wurde der Commiseur
Rudolf Köpp von Felsenthal betraut , der ein anerkannter Fachmann für Geldfälschungen war .
Aufgrund von Bohrs ehemaligen Konkurses und dessen unerklärlichen raschen finanziellen Genesung fiel sein Verdacht rasch auf Ritter von Bohr .
Aber durch dessen hohen Bekanntschaften sogar bis ins Kaiserhaus
war er praktisch unantastbar .

Aber als Bohr Gattin die Gräfin eine wertvolle Uhr erwerben wollte und
diese mit einem neuen falschen Kronenschein bezahlte , flog die Fälscherei auf .
Bohrs Gönner entzogen ihm die schützenden Hände und so wurden
am 23.3.1846. Bohr ( noch 72.jährig ) und seine Gräfin zum Tode durch
den Strang verurteilt .

Kaiser Ferdinand I. begnadigte Beide zwar zur lebenslangen Kerkerhaft .
Die aber Peter Ritter von Bohr nicht lange verbüste , den er verstarb schon 1847.

Wie groß aber der Schock , aufgrund der Fälschung , im Reich war läßt sich
alleine daran erkennen , daß die Verhandlung ohne Öffentlichkeit abgehalten
[/color]wurde und die Ermittlungsergebnisse zur Verschlußsache erklärt wurden .
Erst 1853. durfte Commiseur Felsenthal seine Ermittlungsergebnisse stark
geschönt veröffentlichen .

luki

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04.04.2013, 08:04
Beitrag: #65
RE: Der Banknotenfälscher , Peter Ritter von Bohr .
(03.04.2013 19:17)Luki schrieb:  .
Ein genialer Geldfälscher :

Peter Ritter von Bohr ( Chevalier de Bor ) .

./.
luki

Vor vielen Jahren habe ich mal einen historischen Roman über ihn gelesen.
Hat er nicht auch bei einem der österreiischen Staatsbankrotte viel Geld verloren? Echtes und Falsches?

OT: Eine ähnliche Geschichte habe ich mal selbst erlebt.
Eines Tages sagte eine Tante zu mir: "Die Erna war dann die Dame mit dem Fuchspelz" Wie .. was..
Meine Tante hatte eine recht tüchtige Verkäuferin, die Erna. Erna hat dann einen Grafiker geheiratet. Der Grafiker hatte vermutlich zu wenig Aufträge, und deshalb die Geldscheine selbst gemacht. Und die Erna hat sie in Umlauf gebracht. Wobei sie durch den Fuchspelz auffiel.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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04.04.2013, 12:42
Beitrag: #66
Rainbow RE: Der Banknotenfälscher , Peter Ritter von Bohr .
(04.04.2013 08:04)Suebe schrieb:  Vor vielen Jahren habe ich mal einen historischen Roman über ihn gelesen.
Hat er nicht auch bei einem der österreiischen Staatsbankrotte viel Geld verloren? Echtes und Falsches?

OT: Eine ähnliche Geschichte habe ich mal selbst erlebt.
Eines Tages sagte eine Tante zu mir: "Die Erna war dann die Dame mit dem Fuchspelz" Wie .. was..
Meine Tante hatte eine recht tüchtige Verkäuferin, die Erna. Erna hat dann einen Grafiker geheiratet. Der Grafiker hatte vermutlich zu wenig Aufträge, und deshalb die Geldscheine selbst gemacht. Und die Erna hat sie in Umlauf gebracht. Wobei sie durch den Fuchspelz auffiel.

Servus Suebe .

Vor Jahrzehnten las ich das Buch der Fälscher , worin über sein Leben geschrieben wurde .

Ob er bei einem Bankrott Geld verloren hatte weiß ich nicht mehr .
Leider mußte ich mir Alles aus dem Internet zusammensuchen .

G.v.Luki

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28.04.2013, 14:29
Beitrag: #67
Die Braucommunisten .
.
Servus .

Die Braucommune Freistadt .

Da die heurige länderübergreifende Landesausstellung Oberösterreichs ,

Alte Spuren , neue Wege .
Dávnė Stopy , novė Cesty .

in der ersten mitwirkenden Stadt , am 25.4.2013. in Freistadt
eröffnet wurde möchte ich Euch ein in Europa einzigartiges
Firmenkonstrukt vorstellen .

Wie in vielen Städten Mitteleuropas hatten auch die Hausbesitzer
Freistadts , deren Häuser innerhalb der Stadtmauern lagen ,
seit 1363. das Recht Bier zu brauen .
Für den Eigenverbrauch und den Bedarf ihres Gesindes .

Da dieses aber sehr aufwändig war , verzichteten immer mehr
darauf und ließen Brauen .
So auch in Freistadt .
Um 1525. braute man noch in 12. Häusern .
1637.nur mehr in 5. und bis ins 18. Jahrhundert nur mehr in Zwei.

Da aber die schlechte Qualität sehr bekrittelt wurde faßte man 1770.
den Beschluß ein neues Brauhaus außerhalb der Stadtmauern
zu erbauen .

[Bild: 222519329_CI1128318.jpg]

Offiziell wurde die Gesellschaft 1770. gegründet und es beteiligten sich
alle 149. Hausbesitzer inerhalb der Stadtmauern , die sich nicht im Eigentum
der Kirche oder der Stadt befanden .
Also nur die bürgerliche Communität .

Jeder steuerte seinen Beitrag bei .
Der richtete sich natürlich nach seinen finanziellen Möglichkeiten
und auch seinem erwarteten Bedarf .

Als Gesammtsumme des Gründerkapitals wurde eine dem Braugewerbe
angemessene Maßeinheit gewählt .
Das Grundkapital beträgt bis Heute 6390. Eimer .
Und die Anteile der 149. brauberechtigten Bürger betragen
zwischen 15. und 140. Eimern .
Und diese sind in den jeweiligen Grundbuchsunterlagen vermerkt .
Sollte also so ein altes Haus vererbt oder veräußert werden ,
dann gehen auch die Brauereianteile mit .

Seit 1770. also ist die Brauerei Freistadt als Braucommune eingetragen .
Und so ist sie europaweit die einzig verbliebene Commune .
Da es diese Rechtsform eigentlich nicht mehr gibt .
Am nahesten kommt ihr noch die Realform ;
Erwerbsgesellschaft nach bürgerlichem Recht .

Das heißt Hausbesitzer =
Brauereiinteressent = Braucommunist
.
Grauenhaft , was die Oktoberrevolutionisten ( Bolschewiken )
später aus der wunderbaren Idee machten .

In diesem Link wird es etwas erläutert :

http://www.staedtebund.gv.at/oegz/oegz-b...enlic.html

http://freistadt.riskommunal.net/system/...=222519329

http://de.wikipedia.org/wiki/Braucommune_Freistadt

http://www.freistaedter-bier.at/disclaimer

Prosit vom Luki.

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24.05.2013, 14:50
Beitrag: #68
Hoamatlaund - Hoamatgsang
.
Hoamatgsang – Hoamatland .

Oder wie eine Hymne entstand .

Die offizielle „ Oberösterreichische Landeshymne „
und die Geschichte ihrer Entstehung .


Erst mit dem Februarpatent 1861 von Kaiser Franz Joseph I. .
wurde das Land Österreich ob der Enns
zu einem eigenen Erzherzogtum und daher vollkommen
vom Erzherzogtum Österreich getrennt .
1861. wurde auch der erste gewählte Landtag eingesetzt .

Und ein Land braucht eine Hymne und wie Oberösterreich zu ihr kam
ist eine interessante Geschichte .

Der schärdinger Dr. Hans Zötl ( 1846 - 1938 ) hatte mit seinen Jugendfreunden Dr. Anton Matosch und Hans Commenda
die 31. bändige Buchreihe „ Aus der Hoamat „
herausgegeben .
In denen neben den Texten anderer Munartdichtern auch viele Gedichte
von Franz Grillparzer ( 1791 – 1872 ) veröffentlicht wurden .

[Bild: AusdHoamatg.jpg]

Als der Komponist und Lehrer Hans Schnopfhagen ( 1845 – 1908 )
Die Gedichte des ersten Bandes 1885 vertont hatte ,
suchte Dr. Zötl für sein Lieblingsgedicht
„ s`Hoamatgsang „ vom Stelzhammer noch eine gängige Melodie .

Dem Gedicht „ Da gehabte Schuasta „

"I roas hi , i roas he , i roas af , i roas zua ,
I bi halt ön gehatn Schuasta san Bua . ...
"

Hatte er schon eine Melodie beigegeben .

Und als Schopfhagen die Melodie dem Zötl vorsummte , hörte Der
andächtig zu und bemerkte dann , daß diese Melodie auch
sehr gut zum „ s`Hoamatgsang „ passen würde
und Schopfhagen ließ sich überzeugen .

Urtext von Franz Stelzhammer .

´s Haimátg’sang

Haimátland, Haimátland!
Han di so gern,
Wie rá Kinderl sein Muedár,
Á Hünderl sein´n Herrn.

Duris Thal bin i gláffen,
Áfn Höchel bin i g‘lögn,
Und dein Sunn had mi trickert,
Wann mi g‘nötzt had dein Rögn.

Dein Hitz is nöt z‘ grimmi,
Nöt z´ graoß is dein Frost,
Ünsá Traubben haißt: Hopfen,
Ünsán Wein nennt má: Most.

Und zun Bier und zun Most
Schmöckt á kröftige Kost,
Und dö wáchst olli Jahr,
Mit dá Naoth hads kein Gfahr!

Deine Bám, deine Staudná
Sánd graoß worn mit mir,
Und sö blüehn schen und tragn,
Und sagn: Machs ázwie mir!

Án schenern machts Bácherl
Lást ollweil thala,
Awá ‘s Herzerl, wos auárinnt,
´s Herzerl láßts da.

Und i und dö Bachquell
Sán Vödern und Maihm:
Treibts mi wodáwöll hi,
Dö Gödánká zaign haim.

Dáhaim is dáhaim,
Wannst nöt furt mueßt, so bleib;
Denn d´ Haimát is ehntá
Dá zweit‘ Muedáleib.


Aus Wikipedia ; Franz Stelzhammer ; Urheber : Gabriel Decker .

[Bild: 220px-Stelzhamer_Litho.jpg]

Der Lederfabrikant Joseph Mayerhofer aus dem Haselgraben hatte in Kirchschlag
eine neue Volksschule gestiftet und zu deren feierlichen Eröffnung 1885.
wurde erstmalig das Lied „ s`Hoamatgsang „ offentlich gesungen .

Es wurde vom dann vom Stelzhammer Quartet im Lande bekannt
gemacht und von den örtlichen Liedertafeln und Liederkränzchen ( Chöre )
gerne übernommen .
In den folgenden Jahren wurde das Lied so bekannt , daß man es schon
als inoffizielle Landeshymne bezeichnete .

1902 ist das Lied , zum 100 Geburtstages des Dichters Franz Stelzhammer ,
in Wien im großen Musikvereinssaal , vom bekannten Wiener
Männergesangsverein vorgetragen worden .
Anwesend war der wiener Bürgermeister Dr. Karl Lueger und die Lebensfreundin des Kaisers Franz Joseph I. , der k. und. k. Hofschauspielerin ,
Katharina Schratt las Stelzhammergedichte vor .

So wurde es auch in bürgerlichen Kreisen populär .
Mehrere Kulturverbände und vorallem der noch von Zötl gegründete
Stelzhammerbund dessen damalige Leitung
Dr. Hans Commenda jun. hatte , dem Sohne von Zötls altem Freunde ,
drängte darauf das Lied „ s`Hoamatgsang „ offiziell zur Landeshymne
einzusetzen .

Und zum 150. Geburtstages Franz Stelzhammers 1952. wurde unter
dem damaligen Landeshauptmann ( in Deutschland die Funktion
des Ministerpräsident ) Dr. Heinrich Gleissner mittels Landesgesetz
die erste , zweite und letze Stophe des Liedes
zur Landeshymne von Oberösterreich ernannt .

Videoclip :
http://www.land-oberoesterreich.gv.at/cp...shymne.mov

Dieses Lied ist eine der wenigen Landeshymnen die aus dem Volk
gekommen ist .
Sie war schon so populär daß sie bei Vorträgen am Ende gesungen wurde .
Auszug aus einem Programmheft von 1936:
Hoamatgsang - oberösterreichische Volkshymne, stehend gesungen
von der ganzen Versammlung .

Im Volksmund wurde es aber nicht als s`Homatgsang benannt
sonder es ist allgemein nur als
„ Homatland „
bekannt .

[Bild: Hoamatgsang_%28Hymne_O%C3%96%29.png]

Und eine etwas humoristische verjazzte Version vom Stammtisch .
http://www.youtube.com/watch?v=S9YtUiWLhQo

http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.g/g748071.htm

http://www.franzstelzhamer.at/Schnopfhag...fhagen.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Schnopfhagen

http://austria-forum.org/af/Heimatlexiko...6sterreich

http://www.land-oberoesterreich.gv.at/cp...U_HTML.htm

http://www.stelzhamerbund.at/

luki

Und übrigens , Morgen ist auch noch ein Tag Cool
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14.02.2016, 18:31
Beitrag: #69
RE: Ostarichi
(06.06.2012 20:23)Luki schrieb:  II.

Ostarrichi :

Servus :

Ostarrichi , oder wie kam Österreich zu seinem Namen :

Österreich ist die moderne Form des Namens Ostarrichi .

Nachzuweisen ist der Name schon im 9 Jahrhundert für das Ostfrankenreich .
Er bedeutete der östliche Teil eines Reiches oder Landes .

http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpl52

Der Mönch Otfrid ( gest .um 875 ), des Elsässischen Klosters Weißenburg ,

widmete sein , in rheinfränkisch geschriebenes Evangeliumbuch ,
dem Ostfrankenkönig Ludwig dem Deutschen ( 817-876 ) .
Auf Latein nennt Otfrid den König der orientalia regna ,
der östlichen Reiche .
Volkssprachlich , den Herrn von Ostarichi al ,
des ganzen Ostreichs oder Ostlandes.

http://de.wikipedia.org/w/index.php?titl...1211155909

Dies entsprach der offiziellen Bezeichnung des Ostfrankenreichs
und ist so ab 833 urkundlich als regnum in orientali Francia
bezeugt und erwähnt .

Eines der östlichen Reiche Ostfrankens war Baiern .
Und dessen östlichster Teil , mit eigener administrativer Verwaltung
wurde im 9. Jahrhundert Latein plaga orientalis , oriens
oder partes orientales benannt .

http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.data....22377a.jpg

http://en.wikipedia.org/wiki/File:Ostarrichi.jpg

In einer Kaiserurkunde von Otto III , datiert mit 1.11.996 ,
wird erstmals ein österreichischer Ort lokalisiert ,
Neuhofen an der Ybbs , in Ostarrichi .
Dies Benennung setzt vorraus , daß der Name für dieses Gebiet
schon Jahrzehnte gebräuchlich war und
von allen Betroffenen eingeortet werden konnte .

" in regione vulgaris vocabulo Ostarrichi " = " eine Gegend ,
die Volkssprachlich Ostarrichi genannt wird ..
"

Teilweise dem Buch 99 Fragen ........ entnommen .

Wenn Ihr den Beitrag aufmerksam gelesen habt ,
dann wißt Ihr jetzt Alle Abkömmliche des östfränkischen Reichs ,
von den Niedersachsen bis ins Südtirol und in die Deutschschweiz ,
von Holland bis zu den siebenbürgener Sachsen .
Ihr Alle seid , nicht etwa ehrenhalber , nein ,
sondern Aufgrund schriftlicher , geschichtlicher Tatsachen ........Österreicher .

Willkommen .

LUKI.

Nur eine kleine Ergänzung zu dieser schönen Beschreibung:
Das ursprüngliche Gebiet Österreich: die Mark Österreich (zuerst Teil des Herzogtums Bayern), im 12. Jahrhundert dann zum (von Bayern unabhängigen) Herzogtum Österreich erhoben, umfasste nur Teile des heutigen Bundeslandes Niederösterreichs und später auch Teile des heutigen Bundeslandes Oberösterreich.

Erst durch die Adelsfamilie der Grafen von Habsburg, die sich nach Übernahme der Herrschaft in diesem Herzogtum dessen Namen gaben, wurde der Begriff Österreich allmählich auch der Überbegriff für sämtliche Grafschaften, Herzogtümer, Städte etc., in denen die Familie der Habsburger (die Herzöge / Erzherzöge von Österreich bzw. das Haus Österreich) die Herrschaft übernommen hatte.

1918 entstand aus einigen Teilen dieser "Ländermasse" dann die heutige Republik Österreich mit ihren 9 Bundesländern, die keineswegs mit den früheren Herzogtümern, Grafschaften oder Erzbistümern ident sind, auch wenn es Namensgleichheiten gibt.

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14.02.2016, 18:42
Beitrag: #70
RE: Herzog Tassilo III.
(09.06.2012 16:04)Luki schrieb:  .
Tassilo III .

Geboren 741 als sohn des Baiernherzogs Odilo und Hiltrud Tochter des fränkischen Hausmaiers Karl Martell .
Sein Vater Odilo mußte 740 aus Baiern fliehen und fand Zuflucht am karolingischen Hof .
Dort verliebte sich Hiltrud in ihn .
Sie war somit auch die Tante Karl des Großen .
Als er nach Baiern zurückreiste floh sie ihm nach zumindest schon hochschwanger.
Dieser Familienskandal hing sogar Tassilo noch nach und beeinflußte vermutlich auch die bairische Politik Karl des Großen .
Tassilo folgte 748 seinem Vater als bairischer Herzog nach .
Odilo und somit auch Tassilo entstammen den alemannischen Zweig der Agilolfinger .
764/65 heiratete er Liutpirc die Tochter des letzten Langobardenkönigs Desiderius .
Das war eine politische Heirat um einen Bündnißpartner gegen die Franken zu bekommen .

[Bild: Bayern_um_788.png]

Als Herzog regierte er 40 Jahre von 748 bis 788 .
Unter ihm eroberten die Baiern das slavische Karantanien und festigten ihre Herrschaft im Osten .

[Bild: nam01.jpg]
Aus dem Brunnenensemble ; Kremsmünster .

Er gründete einige Klöster :
Innichen 769.
Mattsee 784
Frauenchiemsee 782
Kremsmünster 777

[Bild: stift-kremsmuenster-kremsmuenster-oberoe...oester.jpg]

Im Kloster Kremsmünster wird noch heute an jedem 11.Dezember ( am vermuteten Todestag Tassilo II ) der Stiftertag gefeiert .
Als ein Freudenfest am Todestag ( Aussage Adalbert Stifters der die dortige Klosterschule besuchte ) .

Auch heute noch dient dabei als lithurgisches Gerät der Tassilokelch .

[Bild: b7fca3110f.jpg]

Aus der URL :
http://www.stift-kremsmuenster.at/index.php?id=663

Das mit Baiern verbündete Langobardenreich wurde Von Karl dem Großen erobert .
Tassilo III versuchte sich mit den Awaren zu verbünden .

Da er den Franken zweimal die Heerfolge verweigerte wurde er 788 , der drei Taten
in der Ingelheimer Pfalz angeklagt und zum Tode verurteilt .
Später begnadigt und mit seinen Söhnen in die Abtei Jumieges verbannt .

Die Agilolfinger in Baiern wurden abgesetzt und waren Geschichte .
luki

Wieder zu dieser schönen Beschreibung noch ein paar kleine Ergänzungen:
Herzog Odilo (gest. 748), Tassilos Vater, kann es zwar als Klostergründer nicht mit seinem Sohn aufnehmen, ist aber auf diesem Gebiet ebenfalls tätig gewesen. Er gilt als Gründer des früheren Benediktinerklosters Mondsee (um 748, aufgehoben 1791) im heutigen Bundesland Oberösterreich, Teil der Republik Österreich.

Herzog Tassilo III: gilt als (Volks-)Heiliger, wurde allerdings nie offiziell heilig gesprochen.

Zur Gründung von Stift Kremsmünster gibt es eine sehr schöne und traurige Gründungssage, zu lesen z. B. auf Sagen.at.

Was den Prozess von 788 betrifft, wird inzwischen davon ausgegangen, dass es sich um einen politischen "Schauprozess" handelte. Die hier als Vorwand überlieferte Verweigerung der Heerfolge fällt übrigens noch in die Zeit vor der Alleinherrschaft Karl des Großen, lag also schon sehr viele Jahre zurück.

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14.02.2016, 18:53
Beitrag: #71
RE: Otakar I. der Traungauer .
(16.06.2012 04:06)Luki schrieb:  ...
Ihr Wappentier war der weiße Panther , den die Steiermark noch heute in der Landesfahne trägt .
...

Der Steirische Panther ist übrigens, für ein Wappentier nicht selbstverständlich ein lieber Kerl und kein Ungeheuer, wie eine nette Sage zu berichten weiß, Sage, die z. B. auf der Website sagen.at gelesen werden kann.

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14.02.2016, 19:29
Beitrag: #72
RE: Cimburgis von Masovien
(27.06.2012 17:35)Luki schrieb:  .
Cimburgis von Masovien


Cimburgis ( Cymburgis , Cimburga oder auch Cymbarka , Zimburgis )
von Masovien .
Ihr Geburtsjahr ist umstritten , zwischen 1394 und 1397 nach Wikipedia .
Nach Geneall. de. ca 1380.
Ich glaube daher eher Wiki , denn da wäre sie bei Ihrer Hochzeit zwischen
15. und 18. Jahre alt gewesen und nicht 32 Jahre wie laut Geneall.de.

Geboren wurde sie in Warschau im damalige Herzogtum Masovien .
Ihre Mutter Alexandra da Lituania war die Schwester des polnischen Königs Wladislaw II Jagiello.
Ihr Vater war Ziemovit IV Piast , Herzog von Masovien .

Jugendbildnis Cimburgis

[Bild: Cimburgis.jpg]

Sie heiratete 1412 in Bruck an der Mur
Ernst den Eisernen geb, 1377 gest, 10 6. 1424 . Habsburger ,
Herzog von Innerösterreich .
Sie war seine zweite Gattin .
Ernst war der vierte Sohn Herzogs Leopold III. und der Prinzessin Viridis ,
illegitime Tochter Bernabos Visconti ( Mailand ).

Abbildung Ernst des Eisernen .

[Bild: S22-EE.jpg]

Sie hatten neun Kinder
Friedrich III. 1461 – 1493.........Kaiser
Margarete 1416 - 1486..............Friedrich II. Kurfürst von Sachsen .
Albrecht VI. 1418 - 1463.
Katharina 1420 - 1493...............Karl I. Markgraf von Baden .
Ernst 1420 - 1432.
Vier überlebten das erste Jahr nicht ,:
Alexandra 1421 ,
Anna 1422 ,
Rudolf 1424,
Leopold 1424 .


Über ihre Tochter Margarete war sie die Ahnin von Kurfürst Friedrich August I.
( dem Starken )von Sachsen , später wurde er König August II. Von Polen .

Über Ihren ältesten Sohn Kaiser Friedrich III ( V .) und ihrem Enkel Kaiser Maximilian I. . der letzte Ritter ,
Ihrem Urenkel Phillip I. Von Kastilien
und Ihren Ururenkeln Kaiser Karl V. und Kaiser Ferdinand I. ,
war sie die Ahnfrau eines Weltreiches in dem die Sonne nie unterging .

Sie war die Ahnfrau der spanischen und der österreichischen Habsburger Linien .

Die Habsburger sollen auch von Ihr die vorstehende Unterlippe haben
( Habsburglippe ).
Was aber nicht gesichert ist und auch nicht mit ihrer geschilderten Schönheit
zusammenpaßt .

[Bild: 394px-143Czimburga_von_Masowien.jpg]

Aber über sehr starke Körperkräfte soll sie verfügt haben .
Überliefert ist daß sie mit der bloßen Hand Nägel aus der Wand gezogen hat .

Möglich daß ihr Ur,Ur-........Urenkel Friedrich II. Von Sachsen ( August der Starke )
seine gerühmten Körperkräfte über sie vererbt bekam ?

Am 28. September 1429 , verstarb sie in Türnitz .

luki

Einige Ergänzungen:

Ob die Schwiegermutter der (Erz-)Herzogin Cimburgis tatsächlich eine uneheliche Tochter von Bernabo Visconti von Mailand war, ist keines gesichert, es spricht auch einiges dafür, dass sie eine seiner legitimen Töchter war.

Dass genaue Geburtsjahr ihrer jüngeren Tochter Katharina, der späteren Markgräfin von Baden (und einer der "Stamm-Mütter" der Markgrafen von Baden) ist nicht gesichert. Sie könnte auch nach 1420 oder erst 1424 geboren sein, als Geburtsort wird Wiener Neustadt angenommen.
Ähnliches trifft auch auf ihre ältere Tochter Margarethe zu, die spätere Kurfürstin von Sachsen, die 1416 oder 1417 geboren wurde, als Geburtsort wird daher neben Wiener Neustadt auch Innsbruck für möglich gehalten.

Was die Bild betrifft, das sich auch auf der Wikipedia befindet, so handelt es sich interessanterweise um dasselbe Bild, das dort auch im Artikel zu ihrer Enkelin Kunigunde von Österreich, Ehefrau von Herzog Albrecht IV. von Bayern(-München) zu finden ist. Es wäre sehr interessant zu wissen, ob es zu beiden (Erz-)Herzoginnen tatsächlich dasselbe Bild gibt, beide einander total ähnelten oder beiden das Bild einfach nur zugeschrieben wird.

Was Personen betrifft, denen ungewöhnliche Körperkraft nachgesagt wird (so das Einschlagen von Nägeln mit bloßer Hand oder das Verbiegen von Hufeisen), so ist auffallend, dass diese vor allem einen Bezug zur Ostseeregion (vor allem Polen) haben. Neben der (Erz-)Herzogin Cimburgis wird dies August dem Starken (nicht nur Kurfürst von Sachsen, sondern auch König von Polen) nachgesagt, aber auch Elisabeth von Pommern (4. Ehefrau von König / Kaiser Karl IV. [HRR] und Mutter von König / Kaiser Sigmund [Sigismund]).

Was die Zuschreibung der Habsburger-Lippe betrifft, so dürfte das nicht Fakt sein, könnte aber folgende Gründe haben:
Erst im 14. und 15. Jahrhundert finden wir Porträts mit Personen, die individuelle Merkmale haben. Als erster Habsburger, der aufgrund von zeitgenössischen Porträts mit eindeutiger Sicherheit diese Lippe hatte, gilt Karl V., bei seinem Großvater (Maximilian I.) und seinem Urgroßvater (Friedrich III.) wird sie ebenfalls angenommen, doch scheint dies nicht eindeutig gesichert. (Bei Friedrich III. gilt nach einigen "Altersporträts" nur relativ gesichert, dass er wohl eine Kieferfehlstellung, den "Vorbiss" hatte, bei der Lippe sind sich die Historiker/innen keineswegs sicher.) Das bedeutet aber, falls es sich bei der Lippe nicht um ein ursprüngliches Merkmal der Habsburger handelte, das sich seit dem 16. Jahrhundert stärker ausgebildet hat, dass die "Verursacherin" eine der "Stamm-Mütter" sein muss, und da dürfte sich Cimburgis aus folgenden Gründen anbieten:
- sie gilt als eine der "Stamm-Mütter",
- es gibt kein Bild von ihr, das als authentisch gilt, und
- über ihre Familie und auch deren Aussehen ist (zumindest im deutschsprachigen Raum) kaum etwas bekannt ist.
Ihr Bruder Alexander von Massowien (1400–1444) war übrigens Fürstbischof von Trient.

1429 verstarb sie in Türnitz (im heutigen Bundesland Niederösterreich, Republik Österreich) auf einer Wallfahrt nach Mariazell, ihre letzte Ruhestätte fand sie im nahegelegenen Benediktinerstift Lilienfeld.

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(22.07.2012 15:44)Luki schrieb:  ...
Sie heirateten 1412 . in Bruck an der Mur .
Und obwohl Ernst der Eiserne nur noch ca. 12. Jahre mit ihr lebte ,
gebar sie ihm 9. Kinder .
...

Übrigens gibt es auch zu ihr eine Legende, die immerhin den Maler Franz Josef Dobiaschofsky (1818, Wien - 1867, Wien) zu einem wunderschönen "Historienbild" angeregt hat, dass sich Museum im Oberen Schloss Belvedere befindet: Auf einer Jagd wurde sie von einer Bärin angegriffen, und der "Held", der ihr das Leben rettete, war - wer wohl: ihr späterer Ehemann. "Zwinkern"
Leider ist das Bild: "Herzog Ernst der Eiserne rettet Cimburgis von Masowien" (Wien, Österreichische Galerie, Inv. Nr. 9608), 1850, Öl auf Leinwand, nicht im Internet.

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14.02.2016, 19:41
Beitrag: #73
RE: Der Zwetschkenrummel .
(01.07.2012 13:58)Luki schrieb:  ...
Die Kartoffelkriege ,
oder wann kam das Innviertel zu Oberösterreich ?[/size]
...

Zu diesem Krieg, obwohl er nicht zu den schlimmsten Kriegen gezählt wird, hat Matthias Claudius ein sehr berührendes (Anti-Kriegs-)Gedicht verfasst.

Kriegslied
1778

's ist Krieg! 's ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
Und rede du darein!
's ist leider Krieg – und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!

Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen,
Und vor mir weinten, was?

Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
Verstümmelt und halb tot
Im Staub sich vor mir wälzten, und mir fluchten
In ihrer Todesnot?

Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,
So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
Wehklagten über mich?

Wenn Hunger, böse Seuch' und ihre Nöten
Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammelten, und mir zu Ehren krähten
Von einer Leich herab?

Was hülf mir Kron' und Land und Gold und Ehre?
Die könnten mich nicht freun!
's ist leider Krieg – und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!

(Text nach der Edition von Gutenberg)

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14.02.2016, 20:18
Beitrag: #74
RE: Österreichische Kaiserkrone
(04.07.2012 14:15)Luki schrieb:  .
Servus .

Heute möchte ich Euch eine kuriose Geschichte über eine Krone erzählen .
Und zwar über die spätere österreichische Kaiserkrone .

Die Familie der Habsburger stellte einige der Kaiser des
heiligen römischen Reiches deutscher Nation

Die Kaiser wurden seit Konrad II. mit der Reichskrone gekrönt
( Alter ca. 10. Jahrhundert ).

...

Diese wurde aber , ab dem 14. Jahrhundert , mit den meisten anderen Reichskleinodien
in der Reichsstadt Nürnberg aufbewahrt und wurde nicht jederzeit gerne herausgegeben .
...

Für mich ist es vollkommen verständlich, dass die Reichsstadt Nürnberg die Reichskleinodien nicht gerne "herausgab", wenn sie wieder einmal für eine Krönung gebraucht wurden.

Das bedeutete nämlich, das die Reichskleinodien zum Krönungsort, gewöhnlich Aachen, gebracht und nach der Krönung von dort wieder nach Nürnberg transportiert werden mussten. Das bedeutete enorme Kosten, und die Stadt Nürnberg war zudem verpflichtet, diese zu ebenfalls zu übernehmen.

Im Museum in der Nürnberger Burg ist eine Zeichnung ausgestellt, die den Wagenzug zeigt, mit dem die Reichskleinodien 1452 zur Kaiserkrönung von Kaiser Friedrich III. (HRR) gebracht wurden. Mindestens 22 Wagen umfasste dieser Konvoi. Hinzu kamen noch weitere für die Eskorte. So war es natürlich auch aus Sicherheitsgründen notwendig, die Reichskleinodien mit "militärischen" Begleitschutz loszuschicken.

Bei den Kaiserkrönungen von Friedrich III. in Rom und Karl V. in Bologna kam noch hinzu, dass die Reichskleinodien nach Italien geschafft werden mussten.

Ich glaube, die Stadt Nürnberg war sehr damit einverstanden, dass es nach Karl V. keine Kaiserkrönung mehr durch den Papst gegeben hat.Big Grin

-------------
Im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg sind heute noch zu besichtigen: die Truhe, die im Heiliggeistspital aufgehängt war und wo die Reichskleinodien (oder zumindest der wichtigste Teil) aufbewahrt worden waren, und die Türe mit den berühmten Dürer-"Ideal"-Porträts von Kaiser Karl dem Großen und Kaiser Sigismund.

Offensichtlich haben die Nürnberger den Wienern bis heute nicht verziehen, dass die Habsburger / Haus Österreich während der Napoleonischen Kriege die Reichskleinodien für immer aus Nürnberg wegbrachten und sie bis heute in Wien verblieben sind. (Einige Stücke sind jetzt im Museum der Hofschatzkammer ausgestellt.)

Das erfuhr ich übrigens bei einer Führung im Heiliggeistspital in Nürnberg, wo ich mich auf die Frage, ob Österreicher in der Gruppe wären, nicht als eine solche geoutet habe. Allerdings wurde hier der "arme" Friedrich III. als der "Bösewicht" dargestellt, der die Reichskleindodien nach Wien gebracht haben soll, und das ist sicher nicht richtig. (Obwohl ich mir schon vorstellen kann, dass er, ein leidenschaftlicher Edelsteinsammler und -kenner, sie nach den Krönungen ganz gerne behalten hätte.)Sceptical

-------------
Und zum unterhaltsamen Abschluss noch einen kurzen Ausschnitt aus einer Kriminalgeschichte, an der eine Freundin von mir zurzeit gerade arbeitet und die bisher nicht publiziert ist. Sie hat mir allerdings ausdrücklich erlaubt, diesen Ausschnitt hier posten zu dürfen. (Ich hoffe, ich verstoße damit nicht gegen eine der Forumsregeln. Falls dies der Fall ist, bitte ich die Mods / Admins diesen Teil aus dem Posting löschen Confused, und mir Bescheid geben, damit ich es nächstes Mal besser weiß.)

In der Geschichte geht es um einen fiktiven Einbruch in die Burg von Wiener Neustadt (über den Garten) im Jahr 1463 (jener Ort, wo der damalige Kaiser Friedrich III. in dieser Zeit seiner Herrschaft meistens anzutreffen war, und einige Zeit, ehe die ungarische Stephanskrone, die sich seit ca. 1440 in seiner "Obhut" befand, an den Ungarnkönig Matthias Corvinus zurückgegeben wurde - eine Bestimmung des Vertrages von Wiener Neustadt / Ödenburg.) Ein junger "ungarischer" Adeliger will diese Krone stehlen (oder seiner nach eigener Aussage zurückerobern) und da kommt es zwischen ihm und denen, die ihn überwältigt haben, zu folgendem Dialog:

„Wie kommt ihr überhaupt dazu, mir zu unterstellen, dass ich kaiserliche Äpfel stehlen wollte?“
„Wozu bricht ein Dieb in einem Obstgarten ein? Sicher nicht, weil er dort das Unkraut jäten will.“
„Da ich kein Dieb bin, kann ich seine Frage nicht beantworten. Ich jedenfalls wollte unsere Heilige Krone zurückerobern.“
Laurenz grinste. „Zurückerobern - das klingt gut. Ich habe gar nicht gewusst, dass so eine Rückeroberung aussieht. Deshalb seid Ihr durch ein Loch in der Mauer geschlüpft und im Garten gelandet. Dürfen wir wenigstens erfahren, von welchem Obstbaum der hohe Herr seine Krone zur Rückeroberung pflücken wollte?"
Der „hohe Herr“ schaute ziemlich beleidigt drein. [...] „Recht viel Aufwand dafür, diese Krone zurückzuerobern“, sagte ich dann. „Und dabei weiß doch jeder Dummkopf, dass die Heilige Krone in Nürnberg aufbewahrt wird. War das nicht Ihr früherer König, der Sigismund, der das damals für alle Zeiten entschieden hat?“
„Nun, das wäre sogar einfacher gewesen, denn die Nürnberger haben sie in keinem Obstgarten aufgehängt.“
„Und was soll der Blödsinn mit diesem Nürnberg? Ich wollte unsere Heilige Krone zurückerobern.“
„Dass die Krone des römischen Königs in Nürnberg ist, das weiß aber jedes Kind“, bemerkte Anna.
„Und wozu braucht mein edler und tapferer König diesen Klunker? Ich wollte unsere Heilige Krone zurückholen, und keinen Ersatz für diese beschaffen [...]"


Erst jetzt kapieren die drei Anwesenden (Gärtner Laurenz, "Hoffräulein" Anna und die Erzählerin), um welche Krone es wirklich geht.

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14.02.2016, 20:38
Beitrag: #75
RE: Ladislaus Eduard Almasy -II.
(05.07.2012 15:50)Luki schrieb:  II.

Ladislaus Eduard Almasy.

Eine kleine Ergänzung zu Lukis ausführlicher und informativer Beschreibung seines Lebens.

Als "Der englische Patient" brachte er es vor einigen Jahren zu "Hollywood"-Ehren und wurde in diesem Film von niemand geringeren als Ralph Fiennes gespielt. Allerdings orientiert sich dieser Film, der einige Oskars erhielt, ebenso wie der Roman, nach dem der Film gedreht wurde, nur sehr lose an seiner tatsächlichen Lebensgeschichte.

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