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Die Großreiche Afrikas:
12.06.2017, 22:55
Beitrag: #1
Die Großreiche Afrikas:
Nun möchte ich einen Tread mit einer Serie aufmachen, über ein Thema das ich schon länger im Kopf habe. Seit einigen Jahren beschäftige ich mich immer wieder mit verschiedensten Aspekten der Geschichte Afrikas.

Einer der Aspekte sind die Großreiche, die auf dem zweitgrößten Kontinent der Erde, im Laufe der Geschichte existiert haben. Zu diesem Thema möchte ich hier eine Serie schreiben.

Über Fragen, Ergänzungen usw. dazu freue mich mich natürlich. Außerdem wird es von meiner Seite, die eine oder andere Frage an die anderen Forumuser geben.

Bevor die Serie startet noch ein Hinweis. Teile der Serie schreibe ich erst jetzt, Teile davon habe ich schon vor einiger Zeit verfasst, aus diesem Grund wird die Darstellung der einzelnen Gebiete teilweise ziemlich unterschiedlich aussehen. Ich bemühe mich aber, das ganze so gut wie möglich zusammenzufügen.

Fortsetzung folgt.........
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12.06.2017, 23:06
Beitrag: #2
RE: Die Großreiche Afrikas:
(12.06.2017 22:55)WDPG schrieb:  ......

Einer der Aspekte sind die Großreiche, die auf dem zweitgrößten Kontinent der Erde, im Laufe der Geschichte existiert haben. Zu diesem Thema möchte ich hier eine Serie schreiben.

Über Fragen, Ergänzungen usw. dazu freue mich mich natürlich. Außerdem wird es von meiner Seite, die eine oder andere Frage an die anderen Forumuser geben.

Bevor die Serie startet noch ein Hinweis. Teile der Serie schreibe ich erst jetzt, Teile davon habe ich schon vor einiger Zeit verfasst, aus diesem Grund wird die Darstellung der einzelnen Gebiete teilweise ziemlich unterschiedlich aussehen. Ich bemühe mich aber, das ganze so gut wie möglich zusammenzufügen.

Fortsetzung folgt.........

Ein extrem bedeutendes Reich in Westafrika war jenes von Ghana. Es ist gar nicht so einfach über dieses halbwegs gute Informationen zu finden. Sehr vieles über die Geschichte dieses Reichs liegt im Unklaren.

Über die Gründung findet man verschiedenste Angaben. Es ist nicht ganz geklärt wie das Reich gegründet wurde und wer es gegründet hat. Auch nicht ob es Einheimische oder zugewanderte Gruppen waren.
Seinen Reichtum erhielt Ghana, dass sich über weite Gebiete der heutigen Staaten Maurentanien und Mali erstreckte, durch Handel. Es wurde vor allem mit Sklaven, mit Salz und mit Gold aus den eigenen Goldmienen gehandelt. Wichtigster Handelspartner waren dabei die Araberreiche im Norden Afrikas.

Zu den bedeutendsten Städten des Reichs gehörte Kombi Saleh, dass wohl auch als Hauptstadt fungierte.

Unklar ist auch vieles was mit dem Untergang des Großreichs zusammenhängt. Verschiedene Ursachen werden für den beginnenden Niedergang des Reiches von Ghana verantwortlich gemacht, neben politischen, wie etwa das Unabhängigkeitsstreben einiger Gebiete, auch umweltbedingte, wie etwa das Verschwinden von Ackerland durch die Ausbreitung der Wüste sind hier zu finden.

Stark geschwächt wurde das Reich als die Almoraviden, die schon zuvor großen Druck ausgeübt hatten und im Jahr 1076 Kombi Saleh eroberten.

Das heutige Ghana hat außer dem Namen übrigens nichts mit dem einstigen Goldreich zu tun.

Fortsetzung folgt......
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13.06.2017, 06:45
Beitrag: #3
RE: Die Großreiche Afrikas:
Die Bezeichnung "Großreiche" trifft den Kern m.E. eigentlich nicht, ebensowenig die fest umrissenen Grenzen, die uns die Geschichtsatlanten suggerieren. Sie sind in ihrer Struktur nicht mit den gleichzeitig existierenden Feudalreichen Europas oder Asiens zu vergleichen, sondern waren eher tribale Gebilde, die die lockere Vorherrschaft eines Stammes bzw. einer Dynastie über das Territorium zementierten. Dementsprechend waren sie auch oft instabil und kurzlebig.
Das afrikanische Grundübel bis heute ist damit aufgezeigt: Die fehlende Überwindung dieser Grenzen hin zur Schaffung nationaler Identitäten.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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13.06.2017, 09:44
Beitrag: #4
RE: Die Großreiche Afrikas:
(13.06.2017 06:45)Arkona schrieb:  Die Bezeichnung "Großreiche" trifft den Kern m.E. eigentlich nicht, ebensowenig die fest umrissenen Grenzen, die uns die Geschichtsatlanten suggerieren. Sie sind in ihrer Struktur nicht mit den gleichzeitig existierenden Feudalreichen Europas oder Asiens zu vergleichen, sondern waren eher tribale Gebilde, die die lockere Vorherrschaft eines Stammes bzw. einer Dynastie über das Territorium zementierten. Dementsprechend waren sie auch oft instabil und kurzlebig......

Was die Bezeichnung Großreiche betrifft gebe ich dir absolut recht. Warum ich das ganze dennoch so genannt habe, hat 2 Gründe. Erstens: Zugegeben ein sehr viel treffenderer Begriff fiel mir nicht ein. Zweitens: Finde es gar nicht so uninteressant über den Begriff zu diskutieren. Afrikas Geschichte verlief anders als z.B. die in Europa. In Europa standen im Großteil der Zeit dicht aneinander gereihte Staaten, die teilweise auch miteinander Konkurrierten oder auch verbunden waren (etwa durch Heirat). In Afrika ist das anders, wohl auch aufgrund seiner geografischen Lage. In manchen Regionen setzte sich ein Volk durch, es beherrschte die anderen und gründete wenn man es so nennen möchte ein "Großreich", dieses zerfiel dann wieder bis in der jeweiligen Region ein neues Großreich entstand. Ein Reich von Mali etwa, hatte kaum was mit dem Kaiserreich von Äthiopien zu tun. Da war einfach landschaftlich zu viel dazwischen, als das man echten Kontakt zueinander hatte.

Wo deine Aussage nicht unbedingt stimmt ist bei den Reichen Nordafrikas, die ich bei dieser Serie auch behandeln möchte. Kurzlebig, waren nicht unbedingt alle afrikanischen "Großreiche" wie wir noch sehen werden (es gibt z.B. kaum einen Staat in Europa der so alt ist wie Äthiopien).
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13.06.2017, 10:07
Beitrag: #5
RE: Die Großreiche Afrikas:
(13.06.2017 06:45)Arkona schrieb:  Die Bezeichnung "Großreiche" trifft den Kern m.E. eigentlich nicht, ebensowenig die fest umrissenen Grenzen, die uns die Geschichtsatlanten suggerieren. Sie sind in ihrer Struktur nicht mit den gleichzeitig existierenden Feudalreichen Europas oder Asiens zu vergleichen, sondern waren eher tribale Gebilde, die die lockere Vorherrschaft eines Stammes bzw. einer Dynastie über das Territorium zementierten. Dementsprechend waren sie auch oft instabil und kurzlebig.
Das afrikanische Grundübel bis heute ist damit aufgezeigt: Die fehlende Überwindung dieser Grenzen hin zur Schaffung nationaler Identitäten.

Also Ghana darf durchaus als Grossreich bezeichnet werden. Es besass, nicht zuletzt wegen seines Goldreichtums, eine eigenständige Hochkultur (keine Stammesvereinigung) und war auch nicht kurzlebig. Auch Ghanas Nachfolgereich, das mittelalterliche Mali (ich möchte WDPG nicht vorgreifen) war ein Grossreich - mit Hochkultur, imensem Reichtum (Gold), weitreichenden Handelsbeziehungen usw. Als der Mali-Herrscher Musa I, der als reichster Mann seiner Zeit galt, in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts nach Mekka pilgerte (seine Gefolgschaft soll aus 60'000 Personen bestanden haben) ruinierte er in Ägypten den Goldpreis in derart nachhaltiger Weise, dass eine lang andauernde Wirtschaftskrise ausbrach. Auch Europa musste ihn zur Kenntnis nehmen (obwohl damals die westafrikanische Küste noch nicht wirklich entdeckt war) - jedenfalls erscheint er auf dem "Katalanischen Weltatlas".
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13.06.2017, 13:25
Beitrag: #6
RE: Die Großreiche Afrikas:
(13.06.2017 10:07)Aguyar schrieb:  
(13.06.2017 06:45)Arkona schrieb:  Die Bezeichnung "Großreiche" trifft den Kern m.E. eigentlich nicht, ebensowenig die fest umrissenen Grenzen, die uns die Geschichtsatlanten suggerieren. Sie sind in ihrer Struktur nicht mit den gleichzeitig existierenden Feudalreichen Europas oder Asiens zu vergleichen, sondern waren eher tribale Gebilde, die die lockere Vorherrschaft eines Stammes bzw. einer Dynastie über das Territorium zementierten. Dementsprechend waren sie auch oft instabil und kurzlebig.
Das afrikanische Grundübel bis heute ist damit aufgezeigt: Die fehlende Überwindung dieser Grenzen hin zur Schaffung nationaler Identitäten.

Also Ghana darf durchaus als Grossreich bezeichnet werden. Es besass, nicht zuletzt wegen seines Goldreichtums, eine eigenständige Hochkultur (keine Stammesvereinigung) und war auch nicht kurzlebig. Auch Ghanas Nachfolgereich, das mittelalterliche Mali (ich möchte WDPG nicht vorgreifen) war ein Grossreich.......

Stimmt das Reich von Ghana existiert wahrscheinlich mehrere Jahrhunderte. Wann es genau gegründet wurde, darüber gibts jedoch total unterschiedliche Angaben.

Was die Geschichte mit Mansa Musa betrifft, finde ich es schon berindruckend, noch dazu waren die Mamlucken (über die ich noch schreiben werde) ja auch nicht gerade irgendwer, sondern ebenfalls ein Macht mit großer Bedeutung. Im nächsten Posting gehts dann (wenig überraschend) um Malis Großreich.
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13.06.2017, 14:11
Beitrag: #7
Das Reich von Mali:
(12.06.2017 23:06)WDPG schrieb:  Ein extrem bedeutendes Reich in Westafrika war jenes von Ghana. Es ist gar nicht so einfach über dieses halbwegs gute Informationen zu finden. Sehr vieles über die Geschichte dieses Reichs liegt im Unklaren.

.......... Stark geschwächt wurde das Reich als die Almoraviden, die schon zuvor großen Druck ausgeübt hatten und im Jahr 1076 Kombi Saleh eroberten.

Das heutige Ghana hat außer dem Namen übrigens nichts mit dem einstigen Goldreich zu tun.

Fortsetzung folgt......

Mit dem Niedergang des Reichs von Ghana entstand ein Machtvakuum, dieses nutzten andere Mächte um sich die Herrschaft über die Region zu erkämpfen. Zunächst schaute es so aus als würden die Sosso (auch Sussu genannt) die Macht in dem Gebiet erlangen. Ihnen gelang es auch die Reste des Reichs von Ghana zu beseitigen.

Doch dann stießen sie auf den Wiederstand von Sundiata Keita, einem Herrscher aus dem Volk der Mandinka. Es kam zur Schlacht, der Herrscher der Sosso fiel und Sundiata Keita, konnte trotz hoher Verluste den Sieg davon tragen und ein damit die Basis für ein neues Großreich in Nordwestafrika schaffen.

Von der Ausdehnung war das Großreich von Mali eines der größten vor-kolonialen Reiche das es in Afrika gegeben hat. Noch bemerkenswerter als seine Ausdehnung war der Reichtum Malis. Man beherrschte landwirtschaftlich attraktive Gebiete, Gold und Salzmienen und die wichtigen Handelsstraßen der Gegend. Der Handel wurde auch dadurch belebt, dass er den Ruf hatte relativ sicher zu sein.

Der Reichtum des Landes drückte sich nicht nur in mehreren Bauten in Städten wie Goa oder Timbuktu aus, sondern auch in zahlreichen legendären Geschichten. Manche davon halte ich für eher unglaubwürdig. Eine der bekanntesten Geschichten über Mali in seiner Blütezeit finden kann ist jene von Mansa Musa. Auf dem Weg zurück von einer Pilgerfahrt, soll er im Mamlukenreich dermaßen viel Geld ausgegeben haben das, dass Mamlukenreich Probleme mit der Inflation bekam und das obwohl das Mamlukenreich eine ziemlich bedeutende Wirtschaftsmacht war. Meistens wird die Geschichte für Glaubwürdig gehalten und sie ist ein Grund warum Mansa Musa oft als der Reichste Mann der Weltgeschichte gesehen wird.

Am Beginn des Niedergangs, der im 15. Jahrhundert einsetzte standen innenpolitische Probleme. Diese nutzten äußeren Feinden wie den Tuareg und Gebiete die sich abspalten wollten und das nun auch machten. Durch den Verlust bedeutender Gebiete und Handelsstraßen gingen auch Teile des Reichtums verloren.

Der enorme Reichtum an Gold in manchen Gebieten spielte auch beim Handel zwischen der Küstenbevölkerung und der Seemacht Portugal. Portugal war jedoch nicht nur ein interessanter Handelspartner für einen Teil des Malireichs, sondern auch ein weiterer Faktor beim Niedergang des Großreichs.

Als Mali zunehmend vom Volk der Fulbe bedroht wurde, wollte man auf Feuerwaffen aus Portugal setzen. Doch der Handelspartner lieferte keine Feuerwaffen an den schwächer werdenden König. Die Fulbe wurden schließlich von einem anderen aufkommenden Großreich besiegt, dem Songhai-Reich (über dieses werde ich als nächstes berichten). Der Ruf der zunehmend ins Landesinnere verdrängten Herrscher Malis nach Feuerwaffen aus Portugal wurde nicht beachtet. Mali verlor immer mehr an Bedeutung. Ausgerechnet die Feuerwaffen der Marokkaner machten auch noch den letzten Rückeroberungsversuch eines Herrschers von Mali zunichte. Das kleine Restreich bestand noch bis ins 17. Jahrhundert.

Fortsetzung folgt...
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13.06.2017, 15:34
Beitrag: #8
RE: Die Großreiche Afrikas:
(13.06.2017 10:07)Aguyar schrieb:  ... Als der Mali-Herrscher Musa I, der als reichster Mann seiner Zeit galt, in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts nach Mekka pilgerte (seine Gefolgschaft soll aus 60'000 Personen bestanden haben) ruinierte er in Ägypten den Goldpreis in derart nachhaltiger Weise, dass eine lang andauernde Wirtschaftskrise ausbrach. Auch Europa musste ihn zur Kenntnis nehmen (obwohl damals die westafrikanische Küste noch nicht wirklich entdeckt war) - jedenfalls erscheint er auf dem "Katalanischen Weltatlas".

Was unterscheidet dies von einem beliebigen Potentaten aus Afrika, der heute noch in Monaco oder Dubai einkauft? Sagt nix über die Beständigkeit oder Kultur seines "Reiches" aus.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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13.06.2017, 17:33
Beitrag: #9
RE: Die Großreiche Afrikas:
Die großen und frühen Reiche Afrikas waren Ägypten, Äthiopien u. Nubien in den verschiedenen Reichen, sowie das Reich der Tuareg.

viele Grüße

Paul

aus dem hessischen Tal der Loganaha (Lahn)
in der Nähe von Wetflaria (Wetzlar) und der ehemaligen Dünsbergstadt
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15.06.2017, 00:43
Beitrag: #10
Das Songhaireich:
(13.06.2017 14:11)WDPG schrieb:  ...............
Der enorme Reichtum an Gold in manchen Gebieten spielte auch beim Handel zwischen der Küstenbevölkerung und der Seemacht Portugal. Portugal war jedoch nicht nur ein interessanter Handelspartner für einen Teil des Malireichs, sondern auch ein weiterer Faktor beim Niedergang des Großreichs.

Als Mali zunehmend vom Volk der Fulbe bedroht wurde, wollte man auf Feuerwaffen aus Portugal setzen. Doch der Handelspartner lieferte keine Feuerwaffen an den schwächer werdenden König. Die Fulbe wurden schließlich von einem anderen aufkommenden Großreich besiegt, dem Songhai-Reich (über dieses werde ich als nächstes berichten). Der Ruf der zunehmend ins Landesinnere verdrängten Herrscher Malis nach Feuerwaffen aus Portugal wurde nicht beachtet. Mali verlor immer mehr an Bedeutung. Ausgerechnet die Feuerwaffen der Marokkaner machten auch noch den letzten Rückeroberungsversuch eines Herrschers von Mali zunichte. Das kleine Restreich bestand noch bis ins 17. Jahrhundert.

Fortsetzung folgt...


Mit dem Niedergang des Mali-Reichs begann der Aufstieg des Songhaireichs, oder besser gesagt der Wiederaufstieg. Die Songhai mit ihrem Zentrum Gao waren im Laufe der Geschichte immer wieder eine bedeutende Macht, vor allem im Bereich Handel.

Dem Mali-Reich gelang es Gao und das Songhaireich unter Kontrolle zu bekommen. Als dieses zu schwächeln begann wurde das Songhaireich bald wieder unabhängig.

Der Gründer des neuen Songhaireichs war Sunni Ali. Wie bereits erwähnt besiegte das Songhaireich unter ihm die Fulani, außerdem gelang es Sunni Ali den Tuareg das von ihnen eroberte Timbuktu zu entreissen und weitere Gebiete des Mali-Reichs unter Kontrolle zu bekommen. Zusätzlich wurden unter ihm Strukturen geschaffen und eine Flotte gebaut um das Flussgebiet des Niger unter Kontrolle zu halten.

Der Sohn von Sunni Ali unterlag einem Heerführer seines Vaters in einer Schlacht, dieser mit dem Namen Askia Mohammad I bestieg nun den Thron und führte das Songhaireich in eine neue Blütezeit. Wie schon seine Vorgängerreiche besaß auch das Songhaireich einen immens hohen Reichtum.

Als Besonders stabil stellte sich das Songhaireich jedoch nicht heraus und so gab es unter Askia Mohammads I Nachfolger immer wieder Thronkämpfe und kurze Herrschaftszeiten, nur Dawud einem Herrscher in der zweites Hälfte des 16. Jahrhunderts gelang es sich länger an der Macht zu halten.

Der Reichtum des Landes weckte sehr bald Begehrlichkeiten von außen. Eine Expedition die Marokko unter den Saadiern im Jahr 1584 in Richtung Songhai-Reich führte zeigte schnell wie hoch die Bedrohungslage für das in der zweiten hälfte des 15. Jahrhunderts gegründete Reich war. Doch auch wegen innerer Kämpfe konnte man keine wirksamen Gegenmaßnahmen ergreifen und so kam es zur Katastrophe. Mit Hilfe moderner Feuerwaffen gelang es einer zahlenmäßig weit unterlegenen Truppe aus Marokko die Armee der Songhai vernichtend im Jahr 1591 (oder 1590 darüber habe ich verschiedene Angaben gefunden) zu schlagen. Die Songhai musste sich auf ihr Gebiet südlich des Niger zurückziehen, dort verloren sie schnell an Bedeutung.

Auch wenn einige von der Invasorenarmee in dem Gebiet blieben, Marokko konnte sich nicht lange halten. Ein erneutes Großreich wurde in der Gegend aber nicht mehr gegründet, verschiedene Völkerschaften und Kleinstaaten lösten es ab. Diese Lage machte den Handel unsicherer, so das neue Handelsrouten an Bedeutung gewannen und die Gegend viel an ihrer wirtschaftlichen Bedeutung verlor.


Fortsetzung folgt..........
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15.06.2017, 00:44
Beitrag: #11
RE: Die Großreiche Afrikas:
FRAGE: Was ich nicht ganz verstehe, Mali und das Songhaireich waren beides mächtige und reiche Staaten, beide scheiterten auch daran das man über keine modernen Feuerwaffen verfügte. OK, von Portugal waren diese nicht zu bekommen. Aber warum baute man nicht selbst welche? Über das Handelssystem müsste man doch die nötigen Materialen besorgen können. Und warum versuchte man es nicht über andere Handelspartner? Zur Songhaizeit etwa das Osmanischen Reich?
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15.06.2017, 09:37
Beitrag: #12
RE: Die Großreiche Afrikas:
(13.06.2017 15:34)Arkona schrieb:  Was unterscheidet dies von einem beliebigen Potentaten aus Afrika, der heute noch in Monaco oder Dubai einkauft? Sagt nix über die Beständigkeit oder Kultur seines "Reiches" aus.

Da machst Du dir falsche Vorstellungen. Mansa Musa I hat sowenig oder soviel mit einem modernen afrikanischen Potentaten vom Zuschnitt Mobutus zu tun wie etwa der Sachsenherzog Heinrich der Löwe mit dem weissrussischen Diktator Lukaschenka. Als Gewaltherrscher lässt sich Musa eher mit den mittelaltlerlichen Machthabern Europas und des Orients vergleichen.

Und enbenso: Reichtum sagt eben doch etwas über Beständigkeit und Kultur des mittelalterlichen Malis aus. Im Gegensatz zu heute war im Mittelalter Reichtum immer auch mit einem gewissen Mass an Kultur verbunden (die ärmeren Regionen konnten sich so einen Luxus nicht leisten). Genau aus diesem Grund hatte beispielsweise das mittelalterliche Oberitalien (mit den reichen Handelsstädten) die Renaissance eingeläutet und nicht etwa Deutschland oder Frankreich. Und Reichtum ging immer auch mit weitreichenden Handelsbeziehungen einher (Shoppingtouren von Potentaten sind noch keine weitreichenden Handelbeziehungen)

Dass Reichtum und Kultur keinen Zusammenhang haben müssen, ist ein neuzeitliches Phänomen und galt im Mittelalter oder der Antike noch nicht. So war auch die neuzeitliche USA die erste Nation weltweit, welche vom Zustand der Barbarei ohne Umweg über die Kultur in die Dekadenz gefallen ist (Zitat Clemenceau).
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15.06.2017, 11:33
Beitrag: #13
RE: Die Großreiche Afrikas:
(13.06.2017 15:34)Arkona schrieb:  Was unterscheidet dies von einem beliebigen Potentaten aus Afrika, der heute noch in Monaco oder Dubai einkauft? Sagt nix über die Beständigkeit oder Kultur seines "Reiches" aus.

Mansa Musa konnte soviel Geld ausgeben, weil die Wirtschaft seines Reiches aufblühte. Ein Grund dafür war auch die relativ hohe Sicherheit die sein Reich den Händlern bot.

Beides kann man von Leuten wie den autoretär regierenden Präsidenten in manchen Ländern Afrikas nicht behaupten.
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16.06.2017, 11:44
Beitrag: #14
RE: Die Großreiche Afrikas:
(15.06.2017 00:44)WDPG schrieb:  FRAGE: Was ich nicht ganz verstehe, Mali und das Songhaireich waren beides mächtige und reiche Staaten, beide scheiterten auch daran das man über keine modernen Feuerwaffen verfügte. OK, von Portugal waren diese nicht zu bekommen. Aber warum baute man nicht selbst welche? Über das Handelssystem müsste man doch die nötigen Materialen besorgen können. Und warum versuchte man es nicht über andere Handelspartner? Zur Songhaizeit etwa das Osmanischen Reich?

Für das Songhai-Reich habe ich folgende Erklärung: Es ist m.E. richtig, dass das Songhai-Reich 1590/91 unterging, da die Marokkaner Feuerwaffen einsetzten. Die Marokkaner hatten aber ihre Feuerwaffen nicht selbst gebaut, sondern eine Truppe Renegaten, meist aus Spanien stammend eingesetzt. Inwieweit Morisken nach dem gescheiterten Aufstand von 1569 bis 1571 nach Marokko auswanderten und ihr militärisches Wissen einbrachten, kann ich bis jetzt nicht belegen. Vorstellbar ist es. Dagegen waren die sogenannten Renegaten christliche Spanier, die als Kriegsgefangene oder auch Freiwillige zum Islam konvertierten und dann ihren Dienst als Musketier, Arkebusier oder Kanonist unter Judar Pascha leisteten. Judar Pascha war ebenfalls ein gebürtiger Spanier, der in seiner Kindheit von Korsaren geraubt wurde. Vermutlich hatte er seine Jugend in Algier verbracht, wo er kastriert wurde, aber auch militärisch ausgebildet wurde. Als junger Mann trat er in Dienste des späteren Sultans Ahmad al-Mansur aus der Dynastie der Saadier.

Die Saadier herrschten erst seit 1549 über Marokko. Sie setzten sich gegen die schwachen Wattasiden (1465-1549) durch. Nach dem Tod des Stammvaters bzw. ersten Sultans dieser Dynastie im Jahr 1557 traten Machtkämpfe unter dessen Söhne auf. Es setzte sich Abdallah al Ghalib durch, seine unterlegenen Brüder Abu Marwan Abd al-Malik und Ahmad al Mansur gingen ins osmanische Exil. Sie hielten sich die meiste Zeit in Algier auf. 1574 starb Abdallah al Ghalib und ihm folgte sein Sohn Abu Abdullah. Da Abdallah al Ghalib 1573 einen islamischen Rechtsgelehrten kreuzigen ließ, breitete sich Unzufriedenheit aus. Diese Situation nutzten Abd al-Malik und Ahmad al Mansur, denen es vor allem wegen dem militärischen Geschick von Judar Pascha gelang, ihren Neffen zu stürzen. Abd al-Malik wurde 1576 neuer Sultan von Marokko. Der gestürzte Sultan Abu Abdullah bat Portugal um Hilfe. Ihm gelang es, den jungen König Sebastian auf das für die Geschichte Portugals katastrophale Abenteuer eines Marokko-Feldzugs zu überzeugen. Dieser portugiesische Marokko-Feldzug von 1578 endete mit dem Tod des portugiesischen Königs Sebastian, aber auch mit dem Tod der marokkanischen Kontrahenten Abu Abdullah und Abd al-Malik.

Der Tod Sebastians leitete jedoch den Verlust der staatlichen Unabhängigkeit Portugals ein. Ihm folgte sein alter Onkel Kardinal Heinrich, der 1580 als letzter König der Avis-Dynastie starb. Sebastians Mutter Katharina war die jüngste Schwester Karls V. bzw. eine Tante Philipps II. von Spanien, der seine Ansprüche auf die Thronfolge mit der Besetzung Portugals sofort durchsetzte. Die Portugiesen konnten erst 1640 wieder ihre Unabhängigkeit erlangen. Das bedeutete Portugal fiel als möglicher Verbündeter für das Songhai-Reich aus.

In Marokko übernahm Ahmad al Mansur die Macht. Er war ein Verbündeter, wenn nicht sogar ein Satellit des Osmanischen Reiches, der aber ähnlich wie der Dey von Algier oder der Dey von Tunis relativ unabhängig agieren konnte. Da Ahmad al Mansur loyal gegenüber dem Sultan des Osmanischen Reiches war und seine Tributverpflichtungen nachkam, hatte die Osmanen 1590/91 keinerlei Interesse daran, zugunsten des Songhai-Reiches einzugreifen. Ein potentieller Partner des Songhai-Reichs wäre Spanien gewesen, aber nach der Niederlage bzw. dem Verlust der Armada im Jahr 1588 und seinen Problemen in den Niederlanden zeigte Philipp II. keinerlei Interesse an militärischen Aktionen gegen Marokko. Frankreich war infolge der Hugenottenkriege geschwächt, außerdem war von 1589 bis 1594 die Macht Heinrichs IV. noch nicht gefestigt. Bliebe nur noch England übrig. (?) Eine wichtige Frage ist natürlich, ob die Herrscher bzw. Politiker des Songhai-Reichs Kenntnisse über die europäischen Staaten hatten.

Ahmad al Mansur brachte die Eroberung des Songhai-Reichs kein Glück. Alte, durch Marokko führende Handelswege verlagerten sich nach Tunis und Tripolis. Ahmad al Mansur (und Judar Pascha) konnten ihre Herrschaft behaupten. 1603 starb der Sultan an den Folgen der Pest, 1606 wurde Judar Pascha ermordet. Danach zerfiel Marokko in zwei Teilreiche, die von Fes und Marrakech aus regiert wurden. Es entstanden außerdem auf den Boden Marokkos eine Korsaren-Republik und ein Staat der Dila-Bruderschaft. In Südmarokko konnten die Alawiden (Alaouiten) die Macht erlangen. 1659/60 beseitigten sie die beiden Sultanate der Saadier in Fes und Marrakesch und 1668 wurde die Korsaren-Republik besiegt. Der heutige Sultan Mohamed VI. ist ein Angehöriger der seit 1660 in Marokko herrschenden Dynastie.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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16.06.2017, 21:32
Beitrag: #15
RE: Die Großreiche Afrikas:
(16.06.2017 11:44)Sansavoir schrieb:  Für das Songhai-Reich habe ich folgende Erklärung: Es ist m.E. richtig, dass das Songhai-Reich 1590/91 unterging, da die Marokkaner Feuerwaffen einsetzten........

Die Erklärung ist ziemlich schlüssig, wie hoch die Kenntnisse waren die man im Songhai-Reich von Europa hatte, kann ich nur schwer beurteilen, aber denke du hast recht, größere potentielle Partner zu finden wäre für das Songhai-Reich gar nicht so einfach gewesen.

Aber auch beim Reich von Mali frage ich mich. OK, Portugal brachte keine Hilfe, warum nicht an eine andere Macht wenden?

Um Marokko wird es im nächsten Teil der Serie noch gehen, so genau wie du jetzt, werde ich auf die Zeit der Saadier aber wohl nicht eingehen, ist aber ein interessanter Einblick.

Wo ich dir absolut recht gebe, mittelfristig war es für Marokko nicht gerade förderlich, das man das Songhai-Reich zerstört hat.
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17.06.2017, 10:14
Beitrag: #16
RE: Die Großreiche Afrikas:
Die Portugiesen waren nicht gerade die idealen Partner für die afrikanischen Reiche.
https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nigreich_Kongo

Auch interessant: Portugiesische Söldner und Abenteurer mischten auch in Äthiopien mit und halfen gegen die expandierenden muslimischen Sultanate.
https://de.wikipedia.org/wiki/Crist%C3%B...3o_da_Gama

...und das in Gegenden, die erst über 300 Jahre später wieder von Europäern betreten wurden.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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17.06.2017, 15:07
Beitrag: #17
RE: Die Großreiche Afrikas:
(17.06.2017 10:14)Arkona schrieb:  Die Portugiesen waren nicht gerade die idealen Partner für die afrikanischen Reiche....

Auch wenn es klar ist, dass man vor allem eigene Interessen verfolgte, gerade in Äthiopien (kommt später noch in der Serie vor) hatte das Eingreiffen des Heeres aus Portugal einem rettenden Effekt.
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17.06.2017, 16:41
Beitrag: #18
Heinweis zu Marokkos Großreichen:
(15.06.2017 00:43)WDPG schrieb:  . Die Songhai musste sich auf ihr Gebiet südlich des Niger zurückziehen, dort verloren sie schnell an Bedeutung.

Auch wenn einige von der Invasorenarmee in dem Gebiet blieben, Marokko konnte sich nicht lange halten. Ein erneutes Großreich wurde in der Gegend aber nicht mehr gegründet, verschiedene Völkerschaften und Kleinstaaten lösten es ab. Diese Lage machte den Handel unsicherer, so das neue Handelsrouten an Bedeutung gewannen und die Gegend viel an ihrer wirtschaftlichen Bedeutung verlor.


Fortsetzung folgt..........[/color]

So nun führt uns die kleine Beitragsserie in einen anderen geografischen Raum, der etliche Großreiche hervorbrachte, die wie wir gesehen haben auch immer wieder in der Geschichte der bisher betrachteten Reiche eingegriffen hatten, den Raum Marokko.

Diesen Teil der Serie habe ich schon vor einiger Zeit zusammengeschrieben. Aus diesem Grund werde ich über die Geschichte des gesamten Gebiets bis zur Kolonialzeit eine kurze Übersicht schaffen – Großreiche werden uns, aber wie erwähnt auch hier, einige begegnen.

Fortsetzung folgt...........
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21.06.2017, 11:14
Beitrag: #19
Geschichte Marokkos/ Mauretanien:
(17.06.2017 16:41)WDPG schrieb:  So nun führt uns die kleine Beitragsserie in einen anderen geografischen Raum, der etliche Großreiche hervorbrachte, die wie wir gesehen haben auch immer wieder in der Geschichte der bisher betrachteten Reiche eingegriffen hatten, den Raum Marokko.

Diesen Teil der Serie habe ich schon vor einiger Zeit zusammengeschrieben. Aus diesem Grund werde ich über die Geschichte des gesamten Gebiets bis zur Kolonialzeit eine kurze Übersicht schaffen – Großreiche werden uns, aber wie erwähnt auch hier, einige begegnen.

Fortsetzung folgt...........



Das Gebiet des Reiches von Mauretanien erstreckte sich über Teile des heutigen Algerien und über den Norden Marokkos. Es grenzte an den Atlantik, ans Mittelmeer und an die Numider. Das Reich hatte seinen Namen vom Volk der Mauren, die in diesem lebten.

Wann Mauretanien gegründet wurde, dürfte nicht ganz klar sein. Aufgetaucht ist der Name des Reichs ungefähr in der Zeit des 2. Punischen Krieges. Obwohl man (zumindest meines Wissens) nicht beteiligt war, gehörte man hier zu den Gewinnern, denn es fielen einige Städte und Stützpunkte Karthagos nun in die Hand Mauretaniens.

In einem weiteren Krieg Roms spielte Mauretanien unter König Bocchus eine Rolle, im Krieg zwischen Rom und dem Numiderherrscher Jugurtha. Zuerst gehörte Mauretanien zu den Gegnern des Römsichen Reichs, dann wechselte man aber die Seiten und lieferte Jugurtha aus, was dessen Ende bedeutete.

König Bocchus hinterließ 2 Söhne, die das Reich unter sich aufteilten. Roms Einfluss auf das Gebiet war damals extrem groß. So geriet Mauretanien immer wieder auch in innere Konflikte Roms hinein und unter Kaiser Augustus wurde es einige Zeit lang auch direkt von Rom verwaltet. Warum das so war darüber habe ich nichts herausgefunden, aufgrund des späteren Verlaufs würde ich ein Aussterben der Herrscherfamilie oder ein Vererben an Rom nicht ausschließen.

In der Zeit als Mauretanien von Kaiser Augustus verwaltet wurde, gründete dieser auch einige römische Kolonien in der Gegend, diese blieben auch später ein Teil Roms. Um 25 v Chr. gab Augustus Juba II, der aus der Herrscherfamilie Nubiens stammte, Mauretanien zur Verwaltung. Juba II förderte die Kultur im Land.
Ebenso loyal zu Rom, wie der lange herrschende Juba II, war sein Sohn Ptolemaios. Dieser stammte Mütterlicherseits von Kleopatra und Mark Anton ab. Mit der Hilfe Roms besiegte er die Garamanten, ein Berbervolk, das damals von einem Numidischen Widerstandskämpfer angeführt wurde.

Kaiser Caligula war es schließlich der die Unabhängigkeit Mauretaniens beendete, indem er Ptolemaios ermorden lies. Eine unverständliches Entscheidung, denn Ptolemaios war stets loyal gewesen – aber wir sprechen hier immerhin von Caligula. Die Rache erfolgte sofort – es kam zu einem Aufstand und mit Mühe gelang es Kaiser Claudius später erst diesen Niederzuschlagen.

Mauretanien wurde in 2 römische Provinzen geteilt. Außerdem gab es Maurenstämme die weiterhin unabhängig agierten und immer wieder zur Bedrohung für die Römer in Nordafrika wurden. So mussten sich z.B. die sogenannten Adoptivkaiser mit ihnen herumschlagen und auch in der Reichskrise des 3. Jahrhunderts waren die Mauren aktiv und unternahmen immer wieder, teils sehr ausgedehnte Kriegszüge ins Gebiet der Römer.

Das heutige Marokko gehörte damals zur Provinz Mauretania Tingitana. Im 5. Jahrhundert fiel die Provinz an die Vandalen, die Römische Besiedelung der Gegend blieb aber weiterhin bestehen.


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22.06.2017, 11:13
Beitrag: #20
Geschichte Marokkos/Völkerwanderungszeit:
(21.06.2017 11:14)WDPG schrieb:  ........Das heutige Marokko gehörte damals zur Provinz Mauretania Tingitana. Im 5. Jahrhundert fiel die Provinz an die Vandalen, die Römische Besiedelung der Gegend blieb aber weiterhin bestehen.

Fortsetzung folgt............



In der Zeit der Völkerwanderung drangen die Vandalen in die weströmischen Provinzen Nordafrikas ein und eroberten diese. Für das Weströmische Reich ein harter Schlag, was sich alleine schon daran zeigt das später Kaiser meist die Rückeroberung Nordafrikas als die Möglichkeit sahen, um das untergehende Reich noch zu retten. Versuche in diese Richtung scheiterten (zu den Vandalen werde ich in einem späteren Teil der Serie noch kommen).
Ein Feind gegen den die Vandalen mindestens genauso hart kämpfen mussten, wie die Römer zuvor, waren die Mauren. Diese fielen immer wieder ein und besaßen zeitweise große Gebiete in Nordafrika und auch im Raum Marokko. Aufgeteilt waren diese unter mehren Fürsten.
Doch die Mauren waren nicht nur Feinde, etliche von ihnen lebten auch im Reich der Vandalen, nicht wenige dienten in der Armee des Vandalenreichs.


Ostrom unter Kaiser Justinian gelang es schließlich, was Westrom verwehrt blieb. Der Oströmische Feldherr Belisar eroberte Nordafrika von den Vandalen zurück. Die Mauren (Berber) waren in wechselvollen Allianzen vor allem darum bemüht ihre Unabhängigkeit zu bewahren und ihre Gebiete auszuweiten, was schließlich auch gelang. In Marokko beschränkte sich die Macht von Byzanz auf kleine Gebiete im Norden.

Kaiser Justinians Eroberungspolitik überforderte die Ressourcen von Ostrom, die Folge war ein Niedergang. Auch in Nordafrika hatte man zu kämpfen. Eine Reaktion war die Gründung der Exarchate von Ravenna und von Karthago durch Kaiser Maurikios. Der Exarch war eine Art Vizekönig in seinem Gebiet. Aus dem Exarchat von Karthago kam etwa Kaiser Heraklaios. Der größere Teil des heutigen Marokko gehörte jedoch den Mauren (Berbern), die eigene Reiche Gründeten.

Gegen die Arabische Expansionsbewegung wehrte man sich massiv. Das Exarchat von Karthago wurde schließlich erobert. Die Berber taten sich unter ihrer Anführerin Kahina zusammen und leisteten noch länger Widerstand.

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