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Helmut Kohl verstorben
17.06.2017, 10:31
Beitrag: #1
Helmut Kohl verstorben
Er polarisierte wie kaum ein anderer deutscher Politiker der Nachkriegszeit, sieht man vielleicht von Franz-Josef Strauss ab. Politisch war er eigentlich 1989 abgemeldet, bis der Mauerfall zu ihm wie das Kind zur Jungfer kam. Diese Gelegenheit ergriff er in einem relativ engen Zeitfenster und sicherte sich so die Macht für weitere 9 Jahre.

Sein Hauptverdienst ist aber m.E. die europäische Einigung, auch wenn viele das anders sehen.

R.I.P. Helmut, deinen erwünschten Platz in der Geschichte hast du sicher.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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17.06.2017, 11:07
Beitrag: #2
RE: Helmut Kohl verstorben
(17.06.2017 10:31)Arkona schrieb:  Er polarisierte wie kaum ein anderer deutscher Politiker der Nachkriegszeit, sieht man vielleicht von Franz-Josef Strauss ab. Politisch war er eigentlich 1989 abgemeldet, bis der Mauerfall zu ihm wie das Kind zur Jungfer kam. Diese Gelegenheit ergriff er in einem relativ engen Zeitfenster und sicherte sich so die Macht für weitere 9 Jahre.

Sein Hauptverdienst ist aber m.E. die europäische Einigung, auch wenn viele das anders sehen.

R.I.P. Helmut, deinen erwünschten Platz in der Geschichte hast du sicher.

Ja so langsam stirbt die Bonner Generation an Politikern weg.
Wenn ein Mensch stirbt ist es für die Angehörigen immer schlimm und mit Trauer verbunden, doch leider kann ich bei dem Herrn Kohl wenig Anteilnahme an seinen Tot entwickeln.

Abgesehen vom europäischen Gedanken fällt mir spontan nur negatives ein, was seine politische Karriere begleitete ... z.B. Aufrüstung, Sozialabbau usw. gehören wohl zur Zeit vor 1989, aber an dem Mauerfall, wie in der Geschichte oft beschrieben, hat er m.E. keinen Anteil, im Gegenteil, er hatte noch 1988 oder 89 den Honecker mit einem Staatsempfang offeriert und wiedermal das DDR-Regime mit einem Kredit am Leben zu erhalten. Über die Freikäufe von politischen Inhaftierten kann man sich noch streiten, aber auch dass half nur wenigen Menschen und schadete letztlich vielen.

Und dann 1990 die größte Lüge von blühenden Landschaften (ohne den Leuten mitzuteilen zu welchen Preis das geschehen konnte) und nur ein Jahr später haben ihn die Lämmer, die ihren Metzger selber wählten, mit Eiern beworfen. Die Einigung unter Kohl war eine Übernahme, keine Einigung und das spüren wir heute nach fast 30 Jahren in der Spaltung zwischen Ost und West immer noch.

Und dann die Spendenaffäre und seiner völligen Verweigerung zur Offenlegung. Nicht zurecht wurde im der Ehrenvorsitz der CDU entzogen. So einem korrupten Politiker war Deutschland über so eine wichtige Zeit ausgesetzt und er hat für Deutschland mehr Spaltung als Einigung hinterlassen.

Ich denke nicht, daß er als Kanzler der Einigung in die Geschichte eingehen sollte, daß wäre all den Menschen, die sich für die Menschen mit allen positiven und negativen Seiten der deutschen Einigung eingesetzt hatten, die stärker darum kämpften, nicht gerecht.

Nie darf man so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken....
Erich Kästner
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17.06.2017, 23:15
Beitrag: #3
RE: Helmut Kohl verstorben
(17.06.2017 11:07)Flora_Sommerfeld schrieb:  Abgesehen vom europäischen Gedanken fällt mir spontan nur negatives ein, was seine politische Karriere begleitete ... z.B. Aufrüstung, Sozialabbau usw. gehören wohl zur Zeit vor 1989, aber an dem Mauerfall, wie in der Geschichte oft beschrieben, hat er m.E. keinen Anteil, im Gegenteil, er hatte noch 1988 oder 89 den Honecker mit einem Staatsempfang offeriert und wiedermal das DDR-Regime mit einem Kredit am Leben zu erhalten.

Am Mauerfall nicht, aber an der Wiedervereinigung. Die ist den Deutschen nicht einfach in den Schoß gefallen.

MfG, Titus Feuerfuchs
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17.06.2017, 23:50
Beitrag: #4
RE: Helmut Kohl verstorben
(17.06.2017 23:15)Titus Feuerfuchs schrieb:  
(17.06.2017 11:07)Flora_Sommerfeld schrieb:  Abgesehen vom europäischen Gedanken fällt mir spontan nur negatives ein, was seine politische Karriere begleitete ... z.B. Aufrüstung, Sozialabbau usw. gehören wohl zur Zeit vor 1989, aber an dem Mauerfall, wie in der Geschichte oft beschrieben, hat er m.E. keinen Anteil, im Gegenteil, er hatte noch 1988 oder 89 den Honecker mit einem Staatsempfang offeriert und wiedermal das DDR-Regime mit einem Kredit am Leben zu erhalten.

Am Mauerfall nicht, aber an der Wiedervereinigung. Die ist den Deutschen nicht einfach in den Schoß gefallen.

In der Tat, ein Vereinigtes Deutschland bei den Alliierten und den Sowjets durchzubekommen auch wenn hier starke Bedenken, vor allem aus Großbritannien angemeldet wurden, war Kohls aber noch mehr Genschers außenpolitisches Geschick geschuldet.
Was dann letztlich innenpolitisch daraus wurde, zeichnet Kohls politischen Untergang, der schon vor 1989 abgezeichnet war, deutlich auf. Der naive Osten wurde verramscht und die Teilung in den Köpfen zementiert.

Nie darf man so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken....
Erich Kästner
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18.06.2017, 00:54
Beitrag: #5
RE: Helmut Kohl verstorben
Wie bei so vielen Größen in der Politik spielten Zufälle eine entscheidende Rolle. Die Hauptperson bei der Wiedervereinigung war Gorbatschow. Hätte einer seiner Vorgänger etwas länger gelebt, wäre es 1989 nicht zur Implosion des Ostblocks gekommen und Kohl hätte kaum die Wahl 1990 überstanden.
Dann wäre er als Randnotiz in die Nachkriegsgeschichte eingegangen. Jemand, der nicht in die Fußstapfen seiner Vorgänger passte, Fettnäpfchen nicht auslassen konnte und den Regierungsbetrieb nach persönlichen Sympathien besetzte. Sein Versprechen von der "geistig-moralischen Wende" blieb inhaltslos.

"Es gibt nur eine Sache die größer ist als die Liebe zur Freiheit: Der Hass auf die Person, die sie dir weg nimmt."(Che Guevara)
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01.07.2017, 11:28
Beitrag: #6
RE: Helmut Kohl verstorben
(18.06.2017 00:54)Triton schrieb:  Wie bei so vielen Größen in der Politik spielten Zufälle eine entscheidende Rolle. Die Hauptperson bei der Wiedervereinigung war Gorbatschow. Hätte einer seiner Vorgänger etwas länger gelebt, wäre es 1989 nicht zur Implosion des Ostblocks gekommen und Kohl hätte kaum die Wahl 1990 überstanden.
Dann wäre er als Randnotiz in die Nachkriegsgeschichte eingegangen. Jemand, der nicht in die Fußstapfen seiner Vorgänger passte, Fettnäpfchen nicht auslassen konnte und den Regierungsbetrieb nach persönlichen Sympathien besetzte. Sein Versprechen von der "geistig-moralischen Wende" blieb inhaltslos.


Nix dagegen.
Er war kein Heiliger, er war kein politisches Genie.

Aber er hatte Instinkt!
Manchmal öffnet sich kurzfristig ein Zeitfenster zu bahnbrechenden Veränderungen.
Und das hat er erkannt.

Wäre zB der völlig instinktlose Oskar Lafontaine 1989-1990 Bundeskanzler gewesen, hätte es keine Wiedervereinigung gegeben. Muss man ganz klar sehen.
Und hätte sich damals nicht Willy Brandt noch eingeschalten wär weiß, was da auch so aus der Opposition für klassenkämpferischer Quark angerichtet worden wäre.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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04.11.2017, 19:05
Beitrag: #7
RE: Helmut Kohl verstorben
(18.06.2017 00:54)Triton schrieb:  ... Die Hauptperson bei der Wiedervereinigung war Gorbatschow. Hätte einer seiner Vorgänger etwas länger gelebt, wäre es 1989 nicht zur Implosion des Ostblocks gekommen ...

Dem möchte ich widersprechen! Wenn es so wäre, wie du behauptest, dann wäre der gesamte Westen auch vor dem Blockverfall dem Osten ausgeliefert gewesen, was sicherlich nicht der Fall war.
Der Umschwung ohne einen gemäßigten Sowjetführer wäre dann sicher nicht so friedlich verlaufen aber es war nicht mehr aufzuhalten und ganz so friedlich war es wohl nur in der Zone, in Russland war es keineswegs, ein einfacher und friedlicher Weg.

Das System an sich krankt nicht nur an einer Person in einer Diktatur, da kommen mehrere Punkte zusammen, die einem "Führerkult" als Diktatur nicht mehr standhalten können.

Da war schon ab den 80s in Fortschrittlichen Ostblockländern so, wie Polen, später Ungarn so die staatliche Lenkung nicht mehr haltbar war, viel der Ostblock schon weit vor dem Zerfall der DDR in sich zusammen. Die DDR war als Wirtschaftsmacht innerhalb des Ostblock nur lange genug daran interessiert, den Status Quo so lang wie möglich aufrecht zu erhalten, ob nun aus Vorsatz oder Naivität, daß lässt sich im Nachhinein nicht mehr dokumentieren. Der Historische Versprecher Schabowskis über die Grenzöffnung war ein Zeitzünder für die Situation, vergleichbar mit dem Attentat in Sarajevo zum Weltkrieg.

Nie darf man so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken....
Erich Kästner
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05.11.2017, 13:31
Beitrag: #8
RE: Helmut Kohl verstorben
zu Kohl muss man natürlich eines sagen:
in seinen Anfangszeiten , noch als Ministerpräsident in Rheinlandpfalz hat er eine Garde guter Leute um sich geschart -Geissler, Blüm, Biedenkopf, Weizäcker, Herzog, Vogel, Süssmuth, Leissler-Kiep, - und mit dieser Gang hat er die damals sehr antiquierte CDU Adenauers nicht nur verändert sondern revolutioniert
Nicht Merkel hat die CDU nämlich in die Mitte gerückt,das war Kohl & the Gang
Und wie er sowohl Strauss und die CSU als auch Schmidt und die SPD ausgekontert hat (die Altgenossen sind darob heute noch persönlich beleidigt Wink )waren beides taktische Meisterleistungen- lag natürlich auch daran,dass beide arrogant genug waren sich zu überschätzen und ihn zu unterschätzen

Mit zunehmender Dauer der Kanzlerschaft hat er allerdings genau diese Arroganz der Macht angenommen , die bereits seinen beiden großen Kontrahenten zum Verhängnis wurde. und sich auch immer mehr mit devot-subalternen Charakteren umgeben,

Er war sicherlich, anders als seine Nachfolger , ein Europäer aus Überzeugung und hat da eine herausragende Rolle gespielt- und er war ein begnadeter Netzwerker
nur durch diese Kombination war es auch letzlich möglich die Wiedervereinigung relativ problemlos über die politische Bühne zu bringen-

Dagegen sind die Spendenaffären , von der übrigens alle Parteien damals betroffen waren,mit Verlaub gesagt Peanuts, an die sich in 10 Jahren keiner mehr erinnern wird,Big Grin
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