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Kinderlandverschickung
15.01.2018, 13:45
Beitrag: #1
Kinderlandverschickung
Sehr viele Kinder wurden ab 1943 aus Großstädten in vermeintlich bombensichere Gegenden klassenweise samt Lehrern und Betreuern evakuiert. Meine Mutter z.B. von Berlin nach Ostpreussen, dort blieb sie bis Ende 1944, als die Russen nahe kamen. Gab es sowas auch anderswo, z.B. in Österreich oder im Südwesten von Deutschland?

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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15.01.2018, 17:41
Beitrag: #2
RE: Kinderlandverschickung
(15.01.2018 13:45)Arkona schrieb:  Sehr viele Kinder wurden ab 1943 aus Großstädten in vermeintlich bombensichere Gegenden klassenweise samt Lehrern und Betreuern evakuiert. Meine Mutter z.B. von Berlin nach Ostpreussen, dort blieb sie bis Ende 1944, als die Russen nahe kamen. Gab es sowas auch anderswo, z.B. in Österreich oder im Südwesten von Deutschland?

gab es natürlich auch.
(Leider nur anekdotisch)
Meine älteren Geschwister hatten den Erzählungen nach alle Mitschüler aus dem Großraum Stuttgart, die von ihren Eltern im Sommer 44 zum größeren Teil wieder abgeholt wurden, als das Städtchen zum Ersatzziel abgedrängter Bomberverbände wurde.
Also demnach bei uns nicht Klassenweise, sondern die kamen in die entsprechenden Klassen vor Ort.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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16.01.2018, 00:17
Beitrag: #3
RE: Kinderlandverschickung
(15.01.2018 13:45)Arkona schrieb:  Sehr viele Kinder wurden ab 1943 aus Großstädten in vermeintlich bombensichere Gegenden klassenweise samt Lehrern und Betreuern evakuiert. Meine Mutter z.B. von Berlin nach Ostpreussen, dort blieb sie bis Ende 1944, als die Russen nahe kamen. Gab es sowas auch anderswo, z.B. in Österreich oder im Südwesten von Deutschland?

Ja, meine beiden Onkels wurden 1943 von Leipzig ins Vogtland verschickt. Der Ältere war in einem von einer NS-Organisation (HJ?) geführtem Gut, der Jüngere war bei einer Familie untergebracht, die dann 1944 auch meine Oma und meine damals fünfjährige Mutter aufnahmen.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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17.01.2018, 10:33
Beitrag: #4
RE: Kinderlandverschickung
Mein Vater kam in ein HJ-Lager auf dem Land. Ist von da nach Hause getürmt. Fing sich ein paar Ohrfeigen ein und wurde von Oma persönlich wieder dort abgeliefert.

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17.01.2018, 12:20
Beitrag: #5
RE: Kinderlandverschickung
(17.01.2018 10:33)Arkona schrieb:  Mein Vater kam in ein HJ-Lager auf dem Land. Ist von da nach Hause getürmt. Fing sich ein paar Ohrfeigen ein und wurde von Oma persönlich wieder dort abgeliefert.

Das war vermutlich ein "Wehrertüchtigungslager" da ist einer meiner Brüder im Herbst 44 auch abgehauen.
Bekam mein Vater im Kurlandkessel Post vom HJ-Kreisleiter, sein Sohn wäre "desertiert"!!!!!

Der HJ-Leiter war später Anzeigenwerber einer Regionalzeitung, und hat dies Briefchen von meinem Vater nicht nur einmal aufs Butterbrot geschmiert bekommen. "so Helden wie dich hätten wir in Russland gebraucht....."
Die Parteidruckposten haben sehr ergrimmt, wenn dann noch einer den großen Wilhelm markiert hat, gab dies natürlich hinterher Probleme.
Mein Vater hat jedenfalls nur zu "Sonderkonditionen" annociert. Idea

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17.01.2018, 18:58
Beitrag: #6
RE: Kinderlandverschickung
(15.01.2018 13:45)Arkona schrieb:  Sehr viele Kinder wurden ab 1943 aus Großstädten in vermeintlich bombensichere Gegenden klassenweise samt Lehrern und Betreuern evakuiert. Meine Mutter z.B. von Berlin nach Ostpreussen, dort blieb sie bis Ende 1944, als die Russen nahe kamen. Gab es sowas auch anderswo, z.B. in Österreich oder im Südwesten von Deutschland?

Ist mir aus den Erzählungen nun nichts bekannt.
Ich vermute mal, dass man die Kinder eher in den Südwesten geschickt hat, als heraus. Geschichten über die vielen, vielen Flüchtlinge, die in den kleinen Städten irgendwie untergebracht werden mussten sind da eher häufig.
Was nicht heißen soll, dass es nicht doch Kinderlandverschickung gab.

Im Südwesten wurde es vergleichsweise spät, ab 1944 zunehmend schwieriger. Kurz vor Ende dann der Luftangriff auf Pforzheim im Februar 1945 mit 20 000 Toten. Da hat man dann niemanden mehr wohin verschickt.

nicht ärgern, nur wundern...
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17.01.2018, 21:25
Beitrag: #7
RE: Kinderlandverschickung
Die Kinderlandverschickung in den Südwesten ist schon Fakt.
Im Herbst war ich auf einer Beerdigung, der wurde aus Essen nach Haigerloch "verschickt" 1943? wohin nach dem Tod des Vaters die Mutter nachkam.

Ansonsten, die Erzählung über die Stuttgarter Mitschüler habe ich zu oft gehört, als dass das ein Mißverständnis gewesen sein kann.
Aber ich kann mal nachsehen, irgendwo habe ich bestimmt was dazu.

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18.01.2018, 16:25
Beitrag: #8
RE: Kinderlandverschickung
Wiki weiß natürlich auch was dazu
https://de.wikipedia.org/wiki/Kinderlandverschickung

es gab anscheinend unterschiedliche Programme.
Die "Freude" über diese Naziaktionen war demnach sehr verhalten.

Die Rückführung der Kinder aus den Ostprovinzen ist anscheinend 1945 teilweise auch sehr chaotisch verlaufen

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19.01.2018, 20:46
Beitrag: #9
RE: Kinderlandverschickung
Ich habe es nachgelesen, Saur "Württemberg zur Zeit des Nationalsozialismus"
so war der Gau Württemberg-Hohenzollern aufnehmend für den Großrum Essen. Insbesonderre wurden von dort Mütter mit Kleinkindern verschickt. In dem Fall war die NSV zuständige Organisation.
Mit dem beginnenden Luftkrieg wurden vielfach Kinder auch zu Verwandten in "sichere Gegenden" geschickt, die dann oftmals auch die NSV-Sonderzüge nutzten.

Bei Kriegsende ging es auch in den Westzonen oft über ein Jahr, bis die Kinder wieder in ihren Familien waren.

Mann oh Mann, was wird da manche Frau mitgemacht haben.
Ehemann und Ernährer gefallen oder in Gefangenschaft, oft lange Zeit ohne Nachricht.
Kinder in der Kinderlandverschickung - vermutlich auch für Monate ohne Nachricht.

Ein gütiges Schicksal hat uns solche Prüfungen erspart

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20.01.2018, 01:26
Beitrag: #10
RE: Kinderlandverschickung
(19.01.2018 20:46)Suebe schrieb:  Ein gütiges Schicksal hat uns solche Prüfungen erspart

Nein, eine vernünftige Politik sorgte dafür.

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21.01.2018, 01:14
Beitrag: #11
RE: Kinderlandverschickung
Ich wusste doch, dass ich da noch was habe.Thumbs_up

Die Baden-Württembergischen regionalen Freilichtmuseen haben 2009 sich das Thema "Dorf unterm Hakenkreuz" zum Thema gemacht.
Das Odenwälder Freilichtmuseum Walldürn die Kinderlandverschickung.
Es gibt einen Sammelband ISBN 978-3-7995-8044-1

Wer will, e-mail-Adresse, dann mail ich ihm die Seiten dazu

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22.01.2018, 17:25
Beitrag: #12
RE: Kinderlandverschickung
In der genannten Publikation wird ein Tagebucheintrag Goebbels zietiert,
er hätte "den Führer überzeugen können, dass Kinder wieder zurückgeührt in die Familien werden, dann würde es auch von dem her keine Unruhe in der Bevölkerung mehr geben"

Warum dies zu einem erheblichen Teil dann doch nicht geschehen ist, weiß ich jetzt nicht.
Bestätigt wird aber dadurch, dass in der Masse der Familien die KLV alles andere als positiv gesehen wurde.

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22.01.2018, 19:49
Beitrag: #13
RE: Kinderlandverschickung
(22.01.2018 17:25)Suebe schrieb:  Bestätigt wird aber dadurch, dass in der Masse der Familien die KLV alles andere als positiv gesehen wurde.

Darüber kann man diskutieren. Aber eine Arbeiterfamilie (Vater an der Front, Mutter womöglich im Rüstungswerk) war bestimmt eher froh, wenn 2 oder 3 von ihren 4 Kindern vollbetreut in Sicherheit vorm Bombenkrieg waren.

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