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Germanisch/deutsche Dialekte
21.12.2012, 11:52
Beitrag: #121
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(15.08.2012 20:28)Maxdorfer schrieb:  Beispiel aus der Praxis: "Wenn de des Leewe rischtisch geniese willst, dann muss'de des Grab von owwe, de Kersch von auße un de Werdschaft vun inne angugge!"

Mir war doch von Anfang an klar, dass da was nicht stimmen kann. Es heißt eigentlich:

"Wennde des Leewe rischtisch geniese willscht, dann mussde de Kersch von auße, de Berg vun unne un de Werdschaft vun inne oogugge!"

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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21.12.2012, 18:09
Beitrag: #122
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(15.08.2012 20:28)Maxdorfer schrieb:  Grumbeere = Kartoffel (DER Klassiker für den pfälzischen Dialekt)

Servus Maxdorfer .

Dieses Wort kannte ich auch .
So nannten einige der älteren Volksdeutschen die Erdäpfel .
Deren Vorfahren waren nach den Türkenkriegen im südwesten Deutschlands
angeworben worden um die entvölkerten Gebiete im Südosten
der KuK. Monarchie neu zu besiedeln .

Als Diese nach dem zweiten Weltkrieg aus den Nachfolgestaaten
vertrieben wurden , ließen sich auch sehr viele in meiner Gegend nieder .
Und jene Älteren sprachen zuhause natürlich ihren mitgebrachten Dialekt .

So lernte ich auch die Grumbera kennen , vermutlich waren unter den
Neubürgern auch Ettliche dabei deren Vorfahren pfälzische Wurzeln hatten .

G.v.Luki.

Und übrigens , Morgen ist auch noch ein Tag Cool
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21.12.2012, 18:38
Beitrag: #123
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(21.12.2012 18:09)Luki schrieb:  
(15.08.2012 20:28)Maxdorfer schrieb:  Grumbeere = Kartoffel (DER Klassiker für den pfälzischen Dialekt)

Servus Maxdorfer .

Dieses Wort kannte ich auch .
So nannten einige der älteren Volksdeutschen die Erdäpfel .
Deren Vorfahren waren nach den Türkenkriegen im südwesten Deutschlands
angeworben worden um die entvölkerten Gebiete im Südosten
der KuK. Monarchie neu zu besiedeln .

Als Diese nach dem zweiten Weltkrieg aus den Nachfolgestaaten
vertrieben wurden , ließen sich auch sehr viele in meiner Gegend nieder .
Und jene Älteren sprachen zuhause natürlich ihren mitgebrachten Dialekt .

So lernte ich auch die Grumbera kennen , vermutlich waren unter den
Neubürgern auch Ettliche dabei deren Vorfahren pfälzische Wurzeln hatten .

G.v.Luki.

Die Dialekte und Sprachen vermischen sich durch die verschiedensten Wanderbewegungen, durch die der Hugenotten nach Preußen, die der Deutschen nach Amerika, und so weiter. Und dies in weit größerer Menge, aber auch in kleinerem Maßstab, als man hieraus erkennen kann.

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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21.12.2012, 21:20
Beitrag: #124
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(21.12.2012 18:38)Maxdorfer schrieb:  
(21.12.2012 18:09)Luki schrieb:  Servus Maxdorfer .

Dieses Wort kannte ich auch .
So nannten einige der älteren Volksdeutschen die Erdäpfel .
Deren Vorfahren waren nach den Türkenkriegen im südwesten Deutschlands
angeworben worden um die entvölkerten Gebiete im Südosten
der KuK. Monarchie neu zu besiedeln .

Als Diese nach dem zweiten Weltkrieg aus den Nachfolgestaaten
vertrieben wurden , ließen sich auch sehr viele in meiner Gegend nieder .
Und jene Älteren sprachen zuhause natürlich ihren mitgebrachten Dialekt .

So lernte ich auch die Grumbera kennen , vermutlich waren unter den
Neubürgern auch Ettliche dabei deren Vorfahren pfälzische Wurzeln hatten .

G.v.Luki.

Die Dialekte und Sprachen vermischen sich durch die verschiedensten Wanderbewegungen, durch die der Hugenotten nach Preußen, die der Deutschen nach Amerika, und so weiter. Und dies in weit größerer Menge, aber auch in kleinerem Maßstab, als man hieraus erkennen kann.


Die Grombiera gibt es bei uns auch, wobei sie auch Erdäpfel und Herdäpfel genannt werden.
Wobei, es gibt durchaus unterschiedliche Wörter von Ort zu Ort, der Kenner kann zT heute noch an der Dialektfärbung innerhalb der Stadt das Wohnviertel ausmachen.

Bei uns gibt es das Wort "keien" das man so grob mit "werfen" umschreiben kann.
In meinem Wohnort hat "keien" aber außerdem noch die Bedeutung von "hinfallen". Was lt. Mundartforschern nur hier nachzuweisen ist.

Die Donauschwaben, sie kommen ja überwiegend aus dem Banat, bei uns die größte Gruppe der Heimatvertriebenen, entsprechen/antsprachen von der Sprachmelodie her unserem Schwäbisch eigentlich noch recht gut. So, dass die heute noch lebenden aus der 1. Generation inzwischen nur noch schwer zu identifizieren sind.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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21.12.2012, 21:48
Beitrag: #125
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
Ich meinte ja auch nicht, dass man an dem Wort einen Pfälzer erkennt. Es ist bloß so, wenn irgend jemand Pfälzisch sagt, kommt ziemlich bald das Wort "Grumbeere".

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24.12.2012, 17:55
Beitrag: #126
Mundartweihnachtsliedlied
.
Servus .

Der dichtende Dechant .


[Bild: 49_14_Reidinger.jpg]

Anton Reidinger, geboren 1839, Geistlicher,
Mundartdichter und Ehrendomherr von Linz.

Heute ist heiliger Abend und da paßt im Thema über
die Mundarten auch ein Weihnachtslied .

Es wird scho glei Dumpa , es wird scho glei Nacht .
Wurde vom oberösterreichischen Pfarrer Anton Reidinger verfasst .
Er war ein Mundartdichter und Seelsorger .
Geboren wurde er am 29. 4. 1839. in Krengelbach ( Bez, Wels-Land ) .
Verstorben ist er am 24. 12. 1912. in Obernberg am Inn .

Irrtumlich wurde dieses Lied als altes tiroler Liedgut beschrieben .
Aber es ist jüngeren Datums und in oberösterreichischen Mundart verfasst .

Es ist eines der wenigen weltweit bekannten Weihnachtslieder ,
das vorwiegend in der Originalmundart gesungen wird .

[Bild: 34c29bc692.jpg]


Es wird scho glei dumpa , es wird scho glei Nacht ,
Drum kim i zu dir her , mei Heiland auf d'Wacht .
Will singen a Liadl , dem Liebling dem kloan ,
Du magst ja net schlafn, i hör die nur woan .
Hei , hei , hei , hei !
Schlaf siaß , herzliabes Kind !

Vergiss hiaz , o Kinderl, dein Kummer , dei Load ,
dass d'dada muaßt leidn im Stall auf da Hoad .
Es ziern ja die Engerl dei Liegerstatt aus .
Möcht schöna nit sein drin an König sei Haus .
Hei , hei , hei , hei !
Schlaf siaß , herzliabes Kind !

Ja Kinderl , du bist halt im Kripperl so schen ,
mi ziemt , i kann nimmer da weg von dir gehen .
I wünsch dir von Herzen die süaßte Ruah ,
die Engerl vom Himmel , die deckn di zua .
Hei , hei , hei , hei !
Schlaf siaß, herzliabes Kind !

Mach zua deine Aigal in Ruah und in Fried
und gib mir zum Abschied dein Segn no grad mit !
Aft werd ja mei Schlaferl a sorgenlos sein ,
aft kann i mi ruahli aufs Niederlegn gfrein.
Hei , hei , hei , hei !
Schlaf siaß , herzliabes Kind !


Ins Hochdeutsche übersetzt :

Es wird schon gleich dunkel , es wird ja schon Nacht ,
drum komm ich zu dir her , mein Heiland auf d'Wacht .
Wir singen ein Liedlein dem Kindlein , dem klein'n .
Du magst ja nicht schlafen , ich hör dich nur wein'n .
Hei , hei , hei , hei !
Schlafe süß , herzliebstes Kind !

Vergiß jetzt , o Kindlein , dein' Kummer , dein Leid ,
daß du da mußt leiden im Stall auf der Heid' .
Es zier'n ja die Engel dein Krippelein aus ,
möcht' schöner nicht sein in dem vornehmsten Haus.
Hei , hei , hei , hei !
Schlafe süß , herzliebstes Kind .

O Kindlein , du liegst dort im Kripplein so schön ;
mir scheint , ich kann niemals von dir dort weggehn .
Ich wünsch' dir von Herzen die süßeste Ruh' ;
die Engel vom Himmel , die decken dich zu .
Hei , hei , hei , hei !
Schlafe süß herzliebstes Kind !

Schließ zu deine Äuglein in Ruh' und in Fried'
und gib mir zum Abschied dein' Segen nur mit .
Dann wird auch mein Schlafen ganz sorgenlos sein ,
dann kann ich mich ruhig auf's Niederleg'n freun .
Hei , hei , hei , hei !
Schlafe süß herzaliebstes Kind !


Liebe Grüße vom Luki.

Und übrigens , Morgen ist auch noch ein Tag Cool
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26.01.2013, 15:41
Beitrag: #127
Bersentolerisch und Zimbrisch .
.
Servus .

Gerade sah ich einen Sendeausschnitt über das Fersentalerische .

Einheimisch : Bersntolerisch, bersntoler Sproch oder taitsch .
Oder auch Mochenisch ; italienisch : mòcheno .

Ich wußte daß es in Italien , südlich von Südtirol ,
deutsche Sprachinseln gibt .
Kannte Diese aber nur unter der Bezeichnung : Zimbrisch .

Aber das Fersentalerische ist anscheinend ein eigener südbairischer
Dialekt und vom Zimbrischen verschieden .

Die Fersentaler wanderten vermutlich im 11. bis 13. Jahrhundert ?
Wegen Überbevölkerung aus Südbaiern aus .

Erst 1987. wurde sie als Minderheitensprache im Trentino anerkannt .
Neben dem Ladinischen und dem Zimbrischen .

Aus Wikipedia ; Urheber : Sajoch .

[Bild: 220px-Language_distribution_Trentino_2011.png]

Minderheitensprachen im Trentino:
Grün : Fersentalerisch (Mòcheno)

Und Größer :
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:L...o_2011.png

Sie haben zwar eine Volksschule , die bei Ihnen erste Schul heißt .
Aber nur zwei Stunden Unterricht in Deutsch und nur eine Stunde
Bersentolerisch pro Unterrichtswoche .
Die weiterführenden Schulen befinden sich außerhalb der Sprachinseln
und unterrichten nur auf italienisch .
Und so verlassen die Meisten zur Weiterbildung ihre Dörfer
und studieren in Südtirol , Österreich oder Deutschland .
So kommen den Gemeinden schön langsam die Sprecher
des Bersentolerischen abhanden .

Es gibt zwar auf Wikipedia ein Portal , aber mit sehr wenigen Beiträgen .

http://bar.wikipedia.org/wiki/Bersntolerisch

http://de.wikipedia.org/wiki/Fersentalerisch

http://de.wikipedia.org/wiki/Fersental

Zum Zimbischen ist noch zu sagen daß es Unterschiede
zum Südbairischen zeigt .

Ihre Sprache hat andere Benennungen zu den Alpentieren .
Z.B.: billa goaz = wilde Geiß = Gämse .
Billa ökso = wilder Ochse = Rothirsch
Bearn = Verona ( Dietrich von Bern )

Desswegen wird von einigen Sprachforschern eine Abstammung
des Zimbrischen vom Langobardischen angenommen .

http://de.wikipedia.org/wiki/Langobarden...imbrischen

Aus Wikipedia ;

[Bild: 300px-Zimbern.png]

Zimbrische Sprachinseln .

Und Größer :
http://de.wikipedia.org/w/index.php?titl...0113003325

G.v.Luki

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26.01.2013, 21:34
Beitrag: #128
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
Wenn Dialekte so richtig breit gesprochen werden sind sie selbst für Leute aus der Nachbarschaft die sie nicht gelernt haben völlig unverständlich.
Beispiel: ich habe als 9-jähriger Frankfurterisch gelernt und beherrsche es perfekt.
Einige meiner Kollegen kamen aus der an Frankfurt angrenzenden Wetterau (Friedberg, Büdingen usw). Wenn der Kollege aus dem 20 km entfernten Karben so richtig loslegte verstand ich kein Wort!
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26.01.2013, 21:42
Beitrag: #129
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(21.12.2012 18:09)Luki schrieb:  
(15.08.2012 20:28)Maxdorfer schrieb:  Grumbeere = Kartoffel (DER Klassiker für den pfälzischen Dialekt)



So lernte ich auch die Grumbera kennen , vermutlich waren unter den
Neubürgern auch Ettliche dabei deren Vorfahren pfälzische Wurzeln hatten .

G.v.Luki.

Das ist richtig. Das Donauschwäbische ist eigentlich Pfälzisch. Warum es dann Schwäbisch heißt ist mir schleierhaft. Vielleicht kannten sich die Ösrterreicher, die die Neuankömmlinge in Banat und Batschka ansiedelten, mit deutschen Dialekten nicht aus.
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26.01.2013, 22:07
Beitrag: #130
Germanisch/deutsche Dialekte
(26.01.2013 21:42)Harald1 schrieb:  Das ist richtig. Das Donauschwäbische ist eigentlich Pfälzisch. Warum es dann Schwäbisch heißt ist mir schleierhaft. Vielleicht kannten sich die Ösrterreicher, die die Neuankömmlinge in Banat und Batschka ansiedelten, mit deutschen Dialekten nicht aus.


Servus Harald .

Bei den Südslawen heißen alle Deutschsprachigen - Schwabos.
Schwabo bedeutet Schwabe .
Ihre Gastarbeiter die in den freien Tagen in ihre Heimat heimfuhren ,
wurden als Yugoschwabos benannt .
Da sie wegen ihres langjährigen Aufenthalts im Norden
auch etwas ihre Mentalität angepasst hatten .

G.v.luki.

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27.01.2013, 01:28
Beitrag: #131
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(26.01.2013 22:07)Luki schrieb:  
(26.01.2013 21:42)Harald1 schrieb:  Das ist richtig. Das Donauschwäbische ist eigentlich Pfälzisch. Warum es dann Schwäbisch heißt ist mir schleierhaft. Vielleicht kannten sich die Ösrterreicher, die die Neuankömmlinge in Banat und Batschka ansiedelten, mit deutschen Dialekten nicht aus.


Servus Harald .

Bei den Südslawen heißen alle Deutschsprachigen - Schwabos.
Schwabo bedeutet Schwabe .
Ihre Gastarbeiter die in den freien Tagen in ihre Heimat heimfuhren ,
wurden als Yugoschwabos benannt .
Da sie wegen ihres langjährigen Aufenthalts im Norden
auch etwas ihre Mentalität angepasst hatten .

G.v.luki.

Das mit der Bezeichnung als Schwabe ist wirklich etwas merkwürdig. In Mittelpolen, also z.B. in den Regionen Posen und Lodz waren auch viele der deutschen Einwanderer aus der Pfalz gekommen, also auch einige meiner Vorfahren, dennoch wurden Deutsche entweder als Nimietz o. als Schwaben bezeichnet. Ich muß gleich mal recherchieren, was für ein Dialekt der Pfälzische jetzt wirklich ist.
Historisch gesehen haben dort wohl zuerst Kelten gelebt, dann Sueben, dann eine gemischte romanisch, suebisch, fränkische(Ubier/Matthiaker) Bevölkerung, bis die Pfalz fränkisch wurde. Sie hatte dann natürlich nachbarschaftliche Sprachbeziehungen zum nordallemanischen Dialektraum(Schwaben), neben den historischen Beziehungen als suebisches Substrat.

http://de.wikipedia.org/wiki/Pfälzische_Dialekte

Auch die Kinderarbeiter in Norditalien, die aus der Schweiz stammten, wurden doch auch als Schwabenkinder bezeichnet. Das mit der Bezeichnung muß also noch einen anderen Hintergrund haben.

viele Grüße

Paul

aus dem hessischen Tal der Loganaha (Lahn)
in der Nähe von Wetflaria (Wetzlar) und der ehemaligen Dünsbergstadt
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27.01.2013, 02:15
Beitrag: #132
Germanisch/deutsche Dialekte
(27.01.2013 01:28)Paul schrieb:  Auch die Kinderarbeiter in Norditalien, die aus der Schweiz stammten, wurden doch auch als Schwabenkinder bezeichnet. Das mit der Bezeichnung muß also noch einen anderen Hintergrund haben.

Servus Paul .

Das mit den Schwabenkindern ( Hüttekinder ) kenne ich aus Tirol und Vorarlberg .
Zu Saisonbeginn im Frühjahr zogen arme Kinder nach Schwaben .
Daher der Name Schwabenkinder .
Dort wurden sie verpachtet und aufgeteilt .
Sie verrichteten Arbeiten als Knechte oder Mägde ,
oder wenn sie Glück hatten als Zofen in Stadthäusern .
Das waren Kinder ab 9. Jahren !!!!

[Bild: 220px-B%C3%BCndner_Schwabenkinder_1907.JPG]

Bündner Schwabenkinder in Arnach (1907)

http://de.wikipedia.org/wiki/Schwabenkinder

Es wurde auch ein Kinofilm über diese Thematik gedreht :

http://de.wikipedia.org/wiki/Schwabenkinder_%28Film%29

G.v.Luki

Und übrigens , Morgen ist auch noch ein Tag Cool
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27.01.2013, 10:17
Beitrag: #133
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(27.01.2013 01:28)Paul schrieb:  Das mit der Bezeichnung als Schwabe ist wirklich etwas merkwürdig. In Mittelpolen, also z.B. in den Regionen Posen und Lodz waren auch viele der deutschen Einwanderer aus der Pfalz gekommen, also auch einige meiner Vorfahren, dennoch wurden Deutsche entweder als Nimietz o. als Schwaben bezeichnet. Ich muß gleich mal recherchieren, was für ein Dialekt der Pfälzische jetzt wirklich ist.

Es ist ein rheinfränkischer Dialekt und ist verwandt mit allen Dialekten, die in einem breiten Streifen zwischen Kassel und dem nordelsass gesprochen werden. (http://de.wikipedia.org/wiki/Rheinfränkisch).

Das mit den Schwaben ist so seltsam nun auch wieder nicht, wenn die Balkandeutschen auch auf Umwegen zu ihrer Bezeichnung gekommen sind. Die Nachbarvölker haben die Deutschen nach dem Stamm benannt, der ihnen am bekanntesten war. Als z.B. die Norditaliener im Frühmittelalter "ihre" Deutschen fragten, welche Sprache sie sprächen, bekamen sie nicht "bairisch" zur Antwort, sondern "teodisco", also "Volkssprache" im Unterschied zum Latein. Ergo nannten sie ihre Handelspartner "teodisco", woraus dann die "Deutschen" wurden. Das gleiche passierte auf slawischer Seite, wo "niemez" im Grunde "die Stummen" bedeutet, also eine Bezeichnung für Nichtslawisch-Sprecher ist. Ursprünglich bezeichneten die Slawen mit diesem Wort auch bei den Slawen nur die Bayern, bis sich die Bezeichnung auf alle Deutschen ausweitete.

Die Bezeichnung "Schwaben" für die Deutschen, die sich später in den slawischen Gegenden ansiedelten, ist etwas schwieriger zu erklären. Als die russischen Zaren nach Siedlern suchten, kamen v.a. Menschen aus den Gegenden Deutschlands, die weg wollten, is logisch. Damals, im 17., 18.Jh., war in der Pfalz gerade eine schlechte Zeit (noch war die Region nicht durch die Restitutionskriege verheert, aber Hungersnöte gab´s auch damals schon, außerdem war die Pfalz um Kaiserslautern seit jeher wladreich, also schlechtes Ackerland), aber auch in Schwaben hatte sich dank Realteilung schon eine Menge Bauern gebildet, die von ihrem Hof nicht mehr leben konnten. Also kamen v.a. Schwaben und Pfälzer in den Osten. Als die Österreicher im 17.Jh. ihre Militärgrenze mit potentiellen Steuerzahlern besiedeln wollten, kamen ebenfalls v.a. Pfälzer und Schwaben.
Warum wurden diese Leute nun Schwaben genannt und nicht Pfälzer? Da bin ich nun auch auf Vermutungen angewiesen. Entweder haben die relativ wenigen Schwaben unter den Neusiedlern den Ton angegeben, oder man ging schlicht danach, wie sich die Leute anhörten. Aufgrund der größeren Nähe zwischen Schwaben und Balkan (Donauhandel! Ulm! [wie bedeutend der Handel mit dem Donauraum für Ulm war, kann man am Ulmer Rathaus sehen: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de...haus.jpg]) und weil sich die verschiedenen Dialekte für nichtschwäbische und nichtpfälzische Ohren dann doch a bissl ähnlich anhören kann es auch sein, dass man die bekanntere Bezeichnung verwendete. In erster Linie kannte man an der mittleren und unteren Donau natürlich Bayern bzw. Österreicher, aber der nächste deutsche Stamm von Bayern Richtung Westen waren dann die Schwaben...

Das ist die Erklärung, die ich anbieten kann, denn historisch haben sich die Pfälzer nie als Schwaben bezeichnet und gehörten auch nie zu einem schwäbischen Territorium.

VG
Christian
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27.01.2013, 10:23
Beitrag: #134
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(27.01.2013 02:15)Luki schrieb:  Das mit den Schwabenkindern ( Hüttekinder ) kenne ich aus Tirol und Vorarlberg .
Zu Saisonbeginn im Frühjahr zogen arme Kinder nach Schwaben .
Daher der Name Schwabenkinder .

Kenn ich auch aus Bayern. Dort gab es seit dem Mittelalter nicht nur italienische Wanderhändler (der bayerische Begriff "Katzelmacher" für Italiener stammt aus dieser Zeit; "Katzel" ist laut Wikipedia eine Verballhornung des italienisch-romanischen Wortes für "Kessel", ich kenn das eher so, dass ein "Katzel" ein Art Holzlöffel war, was dann auf hölzerne Küchengeräte aller Art ausgeweitet wurde, die wiederum von diesen aus dem norditalienischen und südschweizerischen Raum stammenden Händlern angefertigt und verkauft wurden), sondern mein persönlicher Stammbaum beginnt im 17.Jh. mit einer Magd aus Tirol, deren Sohn aus leicht nachvollziehbaren Gründen den Hof erbte, auf dem sie arbeitete... Smile

VG
Christian
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27.01.2013, 14:11
Beitrag: #135
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(27.01.2013 10:17)913Chris schrieb:  
(27.01.2013 01:28)Paul schrieb:  Das mit der Bezeichnung als Schwabe ist wirklich etwas merkwürdig. In Mittelpolen, also z.B. in den Regionen Posen und Lodz waren auch viele der deutschen Einwanderer aus der Pfalz gekommen, also auch einige meiner Vorfahren, dennoch wurden Deutsche entweder als Nimietz o. als Schwaben bezeichnet. Ich muß gleich mal recherchieren, was für ein Dialekt der Pfälzische jetzt wirklich ist.

Es ist ein rheinfränkischer Dialekt und ist verwandt mit allen Dialekten, die in einem breiten Streifen zwischen Kassel und dem nordelsass gesprochen werden. (http://de.wikipedia.org/wiki/Rheinfränkisch).

Das mit den Schwaben ist so seltsam nun auch wieder nicht, wenn die Balkandeutschen auch auf Umwegen zu ihrer Bezeichnung gekommen sind. Die Nachbarvölker haben die Deutschen nach dem Stamm benannt, der ihnen am bekanntesten war. Als z.B. die Norditaliener im Frühmittelalter "ihre" Deutschen fragten, welche Sprache sie sprächen, bekamen sie nicht "bairisch" zur Antwort, sondern "teodisco", also "Volkssprache" im Unterschied zum Latein. Ergo nannten sie ihre Handelspartner "teodisco", woraus dann die "Deutschen" wurden. Das gleiche passierte auf slawischer Seite, wo "niemez" im Grunde "die Stummen" bedeutet, also eine Bezeichnung für Nichtslawisch-Sprecher ist. Ursprünglich bezeichneten die Slawen mit diesem Wort auch bei den Slawen nur die Bayern, bis sich die Bezeichnung auf alle Deutschen ausweitete.

Die Bezeichnung "Schwaben" für die Deutschen, die sich später in den slawischen Gegenden ansiedelten, ist etwas schwieriger zu erklären. Als die russischen Zaren nach Siedlern suchten, kamen v.a. Menschen aus den Gegenden Deutschlands, die weg wollten, is logisch. Damals, im 17., 18.Jh., war in der Pfalz gerade eine schlechte Zeit (noch war die Region nicht durch die Restitutionskriege verheert, aber Hungersnöte gab´s auch damals schon, außerdem war die Pfalz um Kaiserslautern seit jeher wladreich, also schlechtes Ackerland), aber auch in Schwaben hatte sich dank Realteilung schon eine Menge Bauern gebildet, die von ihrem Hof nicht mehr leben konnten. Also kamen v.a. Schwaben und Pfälzer in den Osten. Als die Österreicher im 17.Jh. ihre Militärgrenze mit potentiellen Steuerzahlern besiedeln wollten, kamen ebenfalls v.a. Pfälzer und Schwaben.
Warum wurden diese Leute nun Schwaben genannt und nicht Pfälzer? Da bin ich nun auch auf Vermutungen angewiesen. Entweder haben die relativ wenigen Schwaben unter den Neusiedlern den Ton angegeben, oder man ging schlicht danach, wie sich die Leute anhörten. Aufgrund der größeren Nähe zwischen Schwaben und Balkan (Donauhandel! Ulm! [wie bedeutend der Handel mit dem Donauraum für Ulm war, kann man am Ulmer Rathaus sehen: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de...haus.jpg]) und weil sich die verschiedenen Dialekte für nichtschwäbische und nichtpfälzische Ohren dann doch a bissl ähnlich anhören kann es auch sein, dass man die bekanntere Bezeichnung verwendete. In erster Linie kannte man an der mittleren und unteren Donau natürlich Bayern bzw. Österreicher, aber der nächste deutsche Stamm von Bayern Richtung Westen waren dann die Schwaben...

Das ist die Erklärung, die ich anbieten kann, denn historisch haben sich die Pfälzer nie als Schwaben bezeichnet und gehörten auch nie zu einem schwäbischen Territorium.

VG
Christian


Ihr wollt mir eine Freude machen! Blush
Vielen Dank.

Zitat: In Mittelpolen, also z.B. in den Regionen Posen und Lodz

Für die Provinz Posen ist mir die Einwanderung aus dem Südwesten neu, (wäre interessant mehr darüber zu erfahren)
Galizien und Westpreußen ist mir dagegen geläufig.
Lodz ist ein anders gelagerter Fall, die Einwanderung geschah dort durch gezielte Anwerbung von Facharbeitern im Zuge der Industrialisierung.

Zitat:Das mit der Bezeichnung als Schwabe ist wirklich etwas merkwürdig.

Christian hat da kompetent Auskunft gegeben.
Wenn ich das noch durch einen, wie ich meine sehr wichtigen Punkt ergänzen darf:
Der Württemberger hatte seit dem 16. Jahrhunderts (Tübinger Vertrag) das Grundrecht der Freizügigkeit, auch der Leibeigene! Deshalb darf man wohl davon ausgehen, dass die Schwaben, in dem Fall speziell die Württemberger meist die ersten waren, die "geregelt", da sie ja keinen fragen mussten, in die jeweiligen Gegenden auswanderten.
Für die später eintreffenden der Name einfach übernommen wurde.

Zitat:Luki schrieb: Das mit den Schwabenkindern ( Hüttekinder ) kenne ich aus Tirol und Vorarlberg .
Zu Saisonbeginn im Frühjahr zogen arme Kinder nach Schwaben .
Daher der Name Schwabenkinder

Das ist so zweifellos richtig.
Diese Sonderform der "Saisonarbeit" in dem Fall von Kindern gab es bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein. Ziele waren in aller Regel die großen Höfe Oberschwabens.
Was hier aber anzumerken ist, es war allen Beteiligten bewusst, dass es sich um Kinder handelte! Die keineswegs im rechtsfreien Raum landeten!
Auch zB die Schulpflicht galt für die Hütekinder.
Was natürlich nichts daran ändert, welche schlimmen Zustände hier aufschimmern, Kinder in die Fremde schicken, damit ein Esser weniger am Tisch sitzt...........
Die Entlohnung war eigentlich eher rudimentär, und beschränkte sich meist auf eine Neuausstattung an Kleidung.

Im Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck gab es in den 90ern eine Sonderausstellung zum Thema, ich müsste noch eine Dokumentation irgendwo rumliegen haben.Rolleyes Vielleicht finde ich sie kurzfristig.
Dies würde aber eher in das aktuelle Thema des "lebendigen Forums" passen.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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27.01.2013, 15:27
Beitrag: #136
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
Zurück zu "ist Schottisch eine eigene Sprache?":
Wir, meine Ehefrau und ich, waren mal in einem Pub in London und trafen dort ein schottisches Ehepaar, das sehr, sehr nett war und uns ein abgestandenes Bier nach dem anderen spendierte. Von dem was sie sprachen verstanden wir allerdings kein Wort. Ob das an ihrer Sprache oder an dem Bier daß sie intus hatten lag kann ich nicht sagen.
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27.01.2013, 18:09
Beitrag: #137
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
Vielleicht lag es an dem Bier, das ihr intus hattet. Big Grin

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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27.01.2013, 20:13
Beitrag: #138
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(27.01.2013 18:09)Sansavoir schrieb:  Vielleicht lag es an dem Bier, das ihr intus hattet. Big Grin

Nein, Mein Freund, Irrtum. Ich habe diese unsachliche Bemerkung erwartet.
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28.01.2013, 08:39
Beitrag: #139
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(27.01.2013 20:13)Harald1 schrieb:  
(27.01.2013 18:09)Sansavoir schrieb:  Vielleicht lag es an dem Bier, das ihr intus hattet. Big Grin

Nein, Mein Freund, Irrtum. Ich habe diese unsachliche Bemerkung erwartet.

Na gut. Wir glauben Dir mal. Big Grin

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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28.01.2013, 09:39
Beitrag: #140
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(21.12.2012 21:20)Suebe schrieb:  Bei uns gibt es das Wort "keien" das man so grob mit "werfen" umschreiben kann.
In meinem Wohnort hat "keien" aber außerdem noch die Bedeutung von "hinfallen". Was lt. Mundartforschern nur hier nachzuweisen ist.

Bist du dir da sicher?
Mir ist das "na keie" (hinfallen) durchaus auch geläufig.

nicht ärgern, nur wundern...
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