Antwort schreiben 
 
Themabewertung:
  • 0 Bewertungen - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Inflation 1923, ein Kalkül.
30.07.2012, 12:53
Beitrag: #1
Inflation 1923, ein Kalkül.
Ich denke , das die Inflation 1923 geplant war (bzw. kalkuliert keine Maßnahmen zur Bekämpfung der dann im Herbst d.J. folgenden, galoppierenden Inflation) getroffen wurden)

Der Zeitpunkt war gut gewählt, deuteten sich zwischen England und Frankreich Meinungsverschiedenheiten bei der Durchsetzung der Reparationsforderungen an, England z.B. auch nicht hinter der Besetzung des Ruhrgebietes durch Frankreich stand

Die Inflation sollten der Entente zeigen, daß Deutschland für die Reparationen zahlungsunfähig war. .
Der Krieg war von England und Frankreich gewissermaßen „auf Pump“ finanziert worden. Gläubiger waren die USA. . Reparationen Deutschlands an England und Frankreich dienten zur Befriedigung der Schulden gegenüber den USA..

Die Inflation bot nun die Möglichkeit – und das Kalkül der Reichsregierung ging auf - sich über die Höhe der Reparationen und eine moderate Zahlungsvereinbarung zu verständigen ,
um also, wenn überhaupt, jemals etwas von den Reparationsforderungen sehen zu können .
Deutschland nicht die Luft abgedreht werden dürfte.

Das Anschieben der Inflation durch die Reichsregierung war auch eine Warnung an die Entente, Deutschland nicht nur wirtschaftlich sondern auch politisch moderater zu behandeln, sonst die Gefahr eines sozialistischen Umsturzes, eine wirkliche Revolution bestehen könnte, die ja 1919 von Ebert und Genossen erst einmal niederkartätscht worden war.

Innenpolitisch hatte die Inflation den Nebeneffekt, Frankreich und Englang propagandistisch als Verantwortliche darzustellen, die Deutschland an die Kehle wollten.

Die Langzeitwirkung der Inflation bestand darin, daß das Vertrauen zur Republik erschüttert worden war.
Mit der aufgegangenen Rechnung , eine Minderung der Reparationszahlungen mit dem Verlust der Vermögen vieler Deutscher zu erkaufen, verspielte die Reichsregierung das Vertrauen des Mittelstandes, als dann nach 1929, als wieder Rezession eintrat, kein wirklicher Wille mehr bestand, für die Demokratie zu kämpfen
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
30.07.2012, 14:26
Beitrag: #2
RE: Inflation 1923, ein Kallkül.
(30.07.2012 12:53)krasnaja schrieb:  Die Langzeitwirkung der Inflation bestand darin, daß das Vertrauen zur Republik erschüttert worden war.
Mit der aufgegangenen Rechnung , eine Minderung der Reparationszahlungen mit dem Verlust der Vermögen vieler Deutscher zu erkaufen, verspielte die Reichsregierung das Vertrauen des Mittelstandes, als dann nach 1929, als wieder Rezession eintrat, kein wirklicher Wille mehr bestand, für die Demokratie zu kämpfen

Teilweise Zustimmung.
Wobei eine Minderung der Reparationen dadurch nicht erreicht wurde.
Im Gegenteil, die deutsche Industrie ist auf dem Weltmarkt mit "dumping-Preisen" aufgetreten man produzierte ja faktisch ohne Lohnkosten. Was bei den anderen Exportländern keineswegs Freude aufkommen ließ.

Der 1. WK wurde von Deutschland mit Schulden finanziert, Stichwort Kriegsanleihen.
Die Briten zB haben dies in wesentlich höherem Umfang durch Steuern gemacht.
Verantwortlich für diese Art der Kriegsfinanzierung war übrigens Helfferich, als dessen Antipode insbesondere Erzberger aufgetreten ist.
Die Inflation diente der Begleichung der Inlandsschulden, die der Staat nicht mehr zurückzahlen hätte können.
Ein entschiedener Vertreter der Inflationspolitik, mit dem von dir genannten Argumenten, war Stinnes, Reichstagsabgeordneter ausgerechnet der DVP, der in der Inflation ein gewaltiges Vermögen zuzammenraffte.
Der Öffentlichkeit wurden aber zB Schapiro, der fast im Alleingang die deutsche Autoindustrie ruinierte, von Hansa-Lloyd bis Benz, als Inflationsgewinner präsentiert. Er war ein in Odessa geborener Jude, und hat insofern ins Feindbild gepasst.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
30.07.2012, 14:45
Beitrag: #3
RE: Inflation 1923, ein Kallkül.
(30.07.2012 14:26)Suebe schrieb:  
(30.07.2012 12:53)krasnaja schrieb:  Die Langzeitwirkung der Inflation bestand darin, daß das Vertrauen zur Republik erschüttert worden war.
Mit der aufgegangenen Rechnung , eine Minderung der Reparationszahlungen mit dem Verlust der Vermögen vieler Deutscher zu erkaufen, verspielte die Reichsregierung das Vertrauen des Mittelstandes, als dann nach 1929, als wieder Rezession eintrat, kein wirklicher Wille mehr bestand, für die Demokratie zu kämpfen

Teilweise Zustimmung.
Wobei eine Minderung der Reparationen dadurch nicht erreicht wurde.
Im Gegenteil, die deutsche Industrie ist auf dem Weltmarkt mit "dumping-Preisen" aufgetreten man produzierte ja faktisch ohne Lohnkosten. Was bei den anderen Exportländern keineswegs Freude aufkommen ließ.

Der 1. WK wurde von Deutschland mit Schulden finanziert, Stichwort Kriegsanleihen.
Die Briten zB haben dies in wesentlich höherem Umfang durch Steuern gemacht.
Verantwortlich für diese Art der Kriegsfinanzierung war übrigens Helfferich, als dessen Antipode insbesondere Erzberger aufgetreten ist.
Die Inflation diente der Begleichung der Inlandsschulden, die der Staat nicht mehr zurückzahlen hätte können.
Ein entschiedener Vertreter der Inflationspolitik, mit dem von dir genannten Argumenten, war Stinnes, Reichstagsabgeordneter ausgerechnet der DVP, der in der Inflation ein gewaltiges Vermögen zuzammenraffte.
Der Öffentlichkeit wurden aber zB Schapiro, der fast im Alleingang die deutsche Autoindustrie ruinierte, von Hansa-Lloyd bis Benz, als Inflationsgewinner präsentiert. Er war ein in Odessa geborener Jude, und hat insofern ins Feindbild gepasst.

.. also wurden mehrere Fliegen mit 1 Klappe geschlagen.
richtig ist aber doch, dass die Höhe der Raparationen dann aber doch verifiziert wurde.
Vergisst Du im Falle Englands nicht die USA als Kreditgeber ?
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
30.07.2012, 15:07
Beitrag: #4
RE: Inflation 1923, ein Kallkül.
(30.07.2012 14:45)krasnaja schrieb:  .. also wurden mehrere Fliegen mit 1 Klappe geschlagen.

kann man so sehen

Zitat:richtig ist aber doch, dass die Höhe der Raparationen dann aber doch verifiziert wurde.

Das wäre mir, als Folge der Inflation, nicht bekannt.

Bei der von Brüning angeschuppsten "Deflation" 1932 schon. Aber das ist eine andere kiste.

Zitat:Vergisst Du im Falle Englands nicht die USA als Kreditgeber ?

übersehe ich keineswegs. Die Amis sind nach meiner Überzeugung lediglich auf der Seite ihrer Debitoren in den Krieg eingetreten

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
30.07.2012, 15:15
Beitrag: #5
RE: Inflation 1923, ein Kallkül.
(30.07.2012 12:53)krasnaja schrieb:  Die Inflation sollten der Entente zeigen, daß Deutschland für die Reparationen zahlungsunfähig war. .
Der Krieg war von England und Frankreich gewissermaßen „auf Pump“ finanziert worden. Gläubiger waren die USA. . Reparationen Deutschlands an England und Frankreich dienten zur Befriedigung der Schulden gegenüber den USA..

Die Inflation bot nun die Möglichkeit – und das Kalkül der Reichsregierung ging auf - sich über die Höhe der Reparationen und eine moderate Zahlungsvereinbarung zu verständigen ,
um also, wenn überhaupt, jemals etwas von den Reparationsforderungen sehen zu können .
Deutschland nicht die Luft abgedreht werden dürfte.

Bevor wilde Verschwörungstheorien in die Welt gesetzt werden, hier ein kurzer Überblick über die tatsächlichen Ursachen der Inflation 1923, die aus den Kriegsfolgen. Reparationen, Kriegsanleihen und schließlich dem Ruhrkampf resultieren, durch den Deutschlands finanzielle Leistungsfähigkeit überbeansprucht wurde.

Zitat:Zu Beginn der 20er Jahre stand das Deutsche Reich nicht nur bei den Siegermächten in der Kreide, sondern in besonderem Maße auch gegenüber der eigenen Bevölkerung. In so genannten Kriegsanleihen hatte der einfache Mann auf der Straße dem Staat millionenfach Geld für die exorbitanten Kriegskosten vorgestreckt. Das Deutsche Reich stand also wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand. Es musste das kriegsgeschüttelte Land wieder aufrichten, Kriegsanleihen an die eigene Bevölkerung zurückzahlen und Geld für die Reparationsleistungen aufbringen.

Als die Franzosen im Jahr 1923 wegen verspäteter Reparationszahlungen das Ruhrgebiet besetzten, verschärfte sich die Lage. Die deutsche Regierung rief zum passiven Widerstand, zu Sabotage und Streik auf. Im Gegenzug zahlte sie die Löhne an die Streikenden weiter. Es war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, Deutschland geriet in den Strudel der dramatischsten Geldentwertung, die das Land je erleben sollte. Um seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, brachte die Regierung mehr und mehr Geld in Umlauf, auch wenn es für die immer höhere Anzahl Banknoten keine materiellen Gegenwerte im Land gab. Dadurch begann der Teufelskreis der Inflation. Immer mehr Geld war bald immer weniger wert, Preise und Löhne explodierten. Geld war Spielgeld geworden. Wer seinen Lohn nicht gleich nach Erhalt wieder ausgab, konnte sich schon Tage, manchmal Stunden später, kaum mehr etwas davon kaufen. Wer seinen Lohn am Monatsende erhielt, war buchstäblich mittellos. Am härtesten traf die Inflation Staatsbedienstete und Beamte. Viele Läden bunkerten ihre Bestände und Vorräte und entzogen sie dem unkontrollierbaren Warenverkehr, an dem sie nicht mehr verdienen konnten. Die Inflation explodierte.

Die Hyperinflation hat also rational erklärbare Ursachen, und sie wurde weder von bösen Buben angestiftet, noch von finsteren Mächten absichtlich herbeigeführt.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
30.07.2012, 15:49
Beitrag: #6
RE: Inflation 1923, ein Kallkül.
(30.07.2012 15:15)Dietrich schrieb:  Die Hyperinflation hat also rational erklärbare Ursachen, und sie wurde weder von bösen Buben angestiftet, noch von finsteren Mächten absichtlich herbeigeführt.


sie hat erklärbare rationale Ursachen.

Zitat:1922
9. November: Stinnes erklärt, daß er Versuche zur Stabilisierung der Mark um jeden Preis bekämpfen werde. Da er sein Wirtschaftsimperium weitgehend mit Krediten zusammengekauft hatte, gehört er zu den Hauptprofiteuren der Inflation.

1923
Stinnes unterstützt während der französisch-belgischen Ruhrbesetzung die Politik des "passiven Widerstands" und stellt gleichzeitig finanzielle Mittel für Sabotageakte zur Verfügung.
18. April: Durch den Aufkauf einer großen Menge Devisen an der Börse fördert Stinnes die Eskalation der Inflation in Deutschland.

OK.
Aber es gab schon "Interessierte".
aus
http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/S...index.html

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
30.07.2012, 16:26
Beitrag: #7
RE: Inflation 1923, ein Kallkül.
(30.07.2012 15:15)Dietrich schrieb:  
(30.07.2012 12:53)krasnaja schrieb:  Die Inflation sollten der Entente zeigen, daß Deutschland für die Reparationen zahlungsunfähig war. .
Der Krieg war von England und Frankreich gewissermaßen „auf Pump“ finanziert worden. Gläubiger waren die USA. . Reparationen Deutschlands an England und Frankreich dienten zur Befriedigung der Schulden gegenüber den USA..

Die Inflation bot nun die Möglichkeit – und das Kalkül der Reichsregierung ging auf - sich über die Höhe der Reparationen und eine moderate Zahlungsvereinbarung zu verständigen ,
um also, wenn überhaupt, jemals etwas von den Reparationsforderungen sehen zu können .
Deutschland nicht die Luft abgedreht werden dürfte.

Bevor wilde Verschwörungstheorien in die Welt geseetzt werden, hier ein kurzer Überblick über die tatsächlichen Ursachen der Inflation 1923, die aus den Kriegsfolgen. Reparationen, Kriegsanleihen und schließlich dem Ruhrkampf resultieren, durch den Deutschlands finanzielle Leistungsfähigkeit überbeansprucht wurde.

Zitat:Zu Beginn der 20er Jahre stand das Deutsche Reich nicht nur bei den Siegermächten in der Kreide, sondern in besonderem Maße auch gegenüber der eigenen Bevölkerung. In so genannten Kriegsanleihen hatte der einfache Mann auf der Straße dem Staat millionenfach Geld für die exorbitanten Kriegskosten vorgestreckt. Das Deutsche Reich stand also wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand. Es musste das kriegsgeschüttelte Land wieder aufrichten, Kriegsanleihen an die eigene Bevölkerung zurückzahlen und Geld für die Reparationsleistungen aufbringen.

Als die Franzosen im Jahr 1923 wegen verspäteter Reparationszahlungen das Ruhrgebiet besetzten, verschärfte sich die Lage. Die deutsche Regierung rief zum passiven Widerstand, zu Sabotage und Streik auf. Im Gegenzug zahlte sie die Löhne an die Streikenden weiter. Es war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, Deutschland geriet in den Strudel der dramatischsten Geldentwertung, die das Land je erleben sollte. Um seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, brachte die Regierung mehr und mehr Geld in Umlauf, auch wenn es für die immer höhere Anzahl Banknoten keine materiellen Gegenwerte im Land gab. Dadurch begann der Teufelskreis der Inflation. Immer mehr Geld war bald immer weniger wert, Preise und Löhne explodierten. Geld war Spielgeld geworden. Wer seinen Lohn nicht gleich nach Erhalt wieder ausgab, konnte sich schon Tage, manchmal Stunden später, kaum mehr etwas davon kaufen. Wer seinen Lohn am Monatsende erhielt, war buchstäblich mittellos. Am härtesten traf die Inflation Staatsbedienstete und Beamte. Viele Läden bunkerten ihre Bestände und Vorräte und entzogen sie dem unkontrollierbaren Warenverkehr, an dem sie nicht mehr verdienen konnten. Die Inflation explodierte.

Die Hyperinflation hat also rational erklärbare Ursachen, und sie wurde weder von bösen Buben angestiftet, noch von finsteren Mächten absichtlich herbeigeführt.

Nun gehören Deine Ausführungen zum Standardwissen eines Fünftklässlers, dem immer wieder der gleiche Quark, den Du abgeschrieben hast, erklärt wird.
Die hochinteressanten und für mich völlig neuen Auswirkungen des Kaufkraftverlustes hat nicht mit dem Thema zutun, WER diese Inflation anschob.
Der bekannte Wertverlust der Mark von 1914 bis 1918 um 50 % und die Wirtschaftsentwiklung nach 1919 bis 1923 können nicht primär für die Inflation verantwortlich sein, denn von Ende 1923 bis Anfang 1924 (Schaffung der Rentenmark) konnte sich die deutsche Wirtschaft garnicht so schnell erholt haben, daß nun plötzlich die Rentenmark um so viel stabiler ist.

Es ist mal wieder eines dieser Märchen, die auch Du abschreibst.

1.) es ist sehr unklar, was bis 1923 real an Reparationen gezahlt worden ist. (nicht, was ingesamt gezahlt wurde)
Die Forderungen an Deutschland überschlugen sich fast, es gibt aber einen Unterschied zwischen Wollen und Bekommen und es stimmt darum auch , dass Deutschland mit "Reparationen im Rückstand" war., darum die Ruhrbesetzung. Und lediglich DAFÜR wurde denn mehr Geld gedruckt.

Ergo: unermßliche Reparationsleistungen, die die deutsche Wirtschaft in den Abgrund getrieben habe, gab es nicht.

2.) Wenn Du schreibst, dass die Kriegsanleihen der Deutschen Bevölkerung honoriert werden mussten, so stimmt das theoretisch, denn praktisch wurden sie durch die Inflation nicht honoriert.
ergo: Dein Argument ist falsch.

Ich bleibe dabei: die Inflation wurde bewusst angeschoben, nicht durch böse Buben, sondern schlicht und ergreifend durch die Reichsregierung, sie damit mehrere Fliegen mit 1 Klapppe schlug: .

Sie erkaufte sich damit die "Tilgung" der Kriegsanleihen an ihre eigenen Bürger, und die Bereitschaft der Entente, auf ein Entgegenkommen in der Frage der Reparationen und der wirtschaftlichen Unterstützung.

Wer finanziell auf dem letzten Loch pfeifft, verzichtet nicht auf zustehende Reparationen von der UdSSR. Es ist bekannt, dass in den

Jahren 1921/1922 zwichen Deutschland, England und Frankreich erfolgreiche Vereinbarungen auf Stundungen von Reparationen geführt wurden, oder, dass Leistungen nicht in Mark und Pfennig sondern inform von Waren erbracht werden.
Ergo: @ Dietrich, streiche alles aus Deinem Gedächtnis , was über die Gründe der Inflation 1923 kolportiert wird.

Und ebenfalls ins Gespräch gegenüber der Entente wurden bei den Reparationsverhandlungen auch das Gespenst einer Revolution und davor hatte Frankreich nun noch mehr Angst.

Ich sage ja nicht, dass dieses Lavieren und Tendeln der Reichsregierung falsch war, es war sogar sehr geschickt, die Entente konnte endlich zu einer Entscheidung gezwungen werden, sich nun einmal nach 4 jahren Gedanken über die realen Reparationen zu machen, zum anderen wurde die Reichsregierung ihre Schulden gegenüber den eigenen Leuten los. und mit Rapallo erkaufte sich die Reichsregierung eine wirtschaftliche Unabhängkeit von der Entente.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
30.07.2012, 16:29
Beitrag: #8
RE: Inflation 1923, ein Kallkül.
(30.07.2012 15:49)Suebe schrieb:  OK.
Aber es gab schon "Interessierte".
aus
http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/S...index.html

Dass Herr Stinnes die Inflation von 1923 herbeigeführt hat - und darum ging es hier - wird niemand ernsthaft behaupten. Sie lässt sich ganz rational allein aus der ökonomischen und finanziellen Entwicklung in den Jahren nach 1918 erklären. Und zum Glück konnte sie auch trotz Herrn Stinnes durch radikale Maßnahmen der Reichsregierung zum Stillstand gebracht werden.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
30.07.2012, 16:53
Beitrag: #9
RE: Inflation 1923, ein Kallkül.
(30.07.2012 16:29)Dietrich schrieb:  
(30.07.2012 15:49)Suebe schrieb:  OK.
Aber es gab schon "Interessierte".
aus
http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/S...index.html

Dass Herr Stinnes die Inflation von 1923 herbeigeführt hat - und darum ging es hier - wird niemand ernsthaft behaupten. Sie lässt sich ganz rational allein aus der ökonomischen und finanziellen Entwicklung in den Jahren nach 1918 erklären. Und zum Glück konnte sie auch trotz Herrn Stinnes durch radikale Maßnahmen der Reichsregierung zum Stillstand gebracht werden.

Widersprichst Du Dir damit nicht selber ?
Einerseits mir lang und breit zu erklären, dass die Inflation nicht durch Personen sondern durch die wirtschaftliche Entwicklung herbeigeführt wurde und nun dieser Umschwung ?
Warum schritt die Reichsregierung denn erst am 15. 11.23 zur Tat ?
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
30.07.2012, 17:03
Beitrag: #10
RE: Inflation 1923, ein Kallkül.
(30.07.2012 16:29)Dietrich schrieb:  
(30.07.2012 15:49)Suebe schrieb:  OK.
Aber es gab schon "Interessierte".
aus
http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/S...index.html

Dass Herr Stinnes die Inflation von 1923 herbeigeführt hat - und darum ging es hier - wird niemand ernsthaft behaupten.

Ich jedenfalls nicht.
Warum du das in mein Post reininterpretierst verstehe ich eh nicht.

Zitat:Und zum Glück konnte sie auch trotz Herrn Stinnes durch radikale Maßnahmen der Reichsregierung zum Stillstand gebracht werde

Maßnahmen die lange vorher schon möglich gewesen wären. Und von "Interessierten" deren bekanntester Herr Stinnes war, hintertrieben wurden.
Und, damit hat Krasnaja Recht, außenpolitisch motiviert "Ruhrkampf" längere Zeit unterblieben.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
30.07.2012, 17:09
Beitrag: #11
RE: Inflation 1923, ein Kallkül.
(30.07.2012 16:26)krasnaja schrieb:  Nun gehören Deine Ausführungen zum Standardwissen eines Fünftklässlers, dem immer wieder der gleiche Quark, den Du abgeschrieben hast, erklärt wird.

Das oben eingefügte Zitat umschreibt die Entstehung der Inflation von 1923, wie sie von der seriösen Geschichtswissenschaft gesehen und analysiert wird.

Du kannst aber gern deine eigenen Verschwörungstheorien und Geschichtsbilder zurechtbasteln.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
31.07.2012, 09:32
Beitrag: #12
RE: Inflation 1923, ein Kallkül.
(30.07.2012 17:09)Dietrich schrieb:  
(30.07.2012 16:26)krasnaja schrieb:  Nun gehören Deine Ausführungen zum Standardwissen eines Fünftklässlers, dem immer wieder der gleiche Quark, den Du abgeschrieben hast, erklärt wird.

Das oben eingefügte Zitat umschreibt die Entstehung der Inflation von 1923, wie sie von der seriösen Geschichtswissenschaft gesehen und analysiert wird.

Du kannst aber gern deine eigenen Verschwörungstheorien und Geschichtsbilder zurechtbasteln.

Ach ?
Verschwörungstheorien sind genau diese Märchen, die mit dem 1. WK begannen und sich in dieser Zeitzone von August 1914 bis zum 30. Januar 1933 bewegen. Die ganze Deutsche Geschichte in diese Zeit ist eine Aneinanderreihung von Verschwörungstheorien.
IMMER waren Andere Schuld: Die eigentlichen Akteure, die Protagonisten günstigenfalls verkannt und das wird aus Scham vor der Wirklichkeit, vor den eigenen Interessen falsch dargestellt.

In den 1. WK "schlitterte" Deutschland, um Gottes Willen, verursacht hat ihn doch Deutschland nicht, niemals !!, es waren die Anderen, die Deutschland in diesen Krieg trieben.

Die Schuldzuweisung an Andere, die dem Heer in den Rücken gefallen sein sollen, es war doch nicht Ebert, der die Dochstoßlegende ins Leben rief, Doch nicht der "gute Ebert" , Böse Mächte waren es., Wie es auch böse Mächte waren, die das arme Deutschland dann "zur Kasse" gebeten haben, gegen Deutschland verschworen

Die Inflation 1923, doch nicht das Ergebnis der Kriegspolitik, nein, "diese bösen Mächte" im Ausland wollten Deutschland ausbluten lassen mit ihren Forderungen.
Wenn eine Regierung am 15.11.23 in der Lage war, zu reagieren und eine erst einmal sichere Währung zu schaffen , warum nicht ein halbes Jahr vorher ? Nichts Weltbewegendes war in diesem halben Jahr passiert, NUR: die Staatschulden gegenüber den Gläubigern aus Kriegsanleihen wurden von Tag zu Tag geringer. Für 1 Mio Mark aus gezeichneten Kriegsanleihen des Jahres 1915 konnte man sich im November 23 noch nicht einmal ein Brötchen kaufen.
Der Nutznießer der ganzen Angelegenheit war die Staatsverwaltung.
Man kann es auch so sagen: Die Regierung des Reiches verarschte mal wieder die Arbeiter. Aus Angst vor einer Revolution, die von Deutschland dann vielleicht auch auf andere Länder Westeuropas geschwappt wäre, arrangierte man sich plötzlich mit den Forderländern, nachdem man Monate vorher sein Schäfchen ins Trockene gebracht hat.

Die Reichsregierung wurde ihre Innenschulden los und erzielte mit der Entente eine Vereinbarung, dass endlich ein klares Konzept für die Reparationen ausgehandelt werden konnten.

Ich stelle Dir hier einmall einen diesbezüglichen Auszug von Wiki ein,

Zitatanfang:
" Nach der Novemberrevolution 1918 verpflichtete der Versailler Vertrag Deutschland, Reparationen an die Siegermächte (insbesondere Frankreich) zu zahlen. Deutsche Reparationsleistungen mussten in Goldmark, Devisen und Sachgütern geleistet werden und waren daher nicht von der Inflation betroffen. Im Januar 1920 hatte die Mark gegenüber dem US-Dollar nur noch ein Zehntel ihres Umtauschwerts vom August 1914.

Auch die anderen kriegsbeteiligten Staaten hatten unter den Folgen des Weltkrieges zu leiden. In den Jahren 1921 und 1922 kam es zu einem weltweiten Konjunktureinbruch. Die deutsche Volkswirtschaft konnte sich in dieser Zeit erholen. Die entwerteten Löhne und Einkommen wirkten wie Lohndumping. Das deutsche Wirtschaftswachstum war stärker als in den Volkswirtschaften der Sieger.

Im Oktober 1921 hatte die Mark noch ein Hundertstel ihres Wertes vom August 1914, im Oktober 1922 nurmehr ein Tausendstel.

Zitatende.


DAS zum Thema Deiner seriösen Geschichtswissenschaft.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
31.07.2012, 10:46
Beitrag: #13
RE: Inflation 1923, ein Kallkül.
(30.07.2012 12:53)krasnaja schrieb:  Ich denke , das die Inflation 1923 geplant war (bzw. kalkuliert keine Maßnahmen zur Bekämpfung der dann im Herbst d.J. folgenden, galoppierenden Inflation) getroffen wurden)
Stimmt. Die Inflation war geplant. Allerdings schon früher und mit einem etwas anderen Ziel. Nämlich die Wirtschaft wieder anzukurbeln und den sozialen Frieden zu sichern. Diese Plan ging auch zuerst auf. Durch die damals noch langsame Inflation wurde die deutsche Wirtschaft wiederbelebt.
Erst danach kamen die "Inflationisten" auf die Idee durch die Inflation die Reperationszahlungen zu drücken.
Dieser Plan ging allerdings nicht auf, denn die Siegermächte verlangten die Reperationszahlungen in Goldmark und nicht in Papiermark.
Die festgelgten Raten konnte die Regierung aber nur durch das Drucken von mehr Geld bewältigen, was die Inflation weiter ansteigen lässt.
Als dann auch noch der Industrielle Stinnes im für eine Erhöhung der Kohlepreise sorgt (am 1. März 1922) dreht sich die fatale Abwerststpirale der Inflation immer weiter.
Von einer Hyperinflation wird jetzt aber noch nicht gesprochen. Diese beginnt erst im August 1922. Nachdem der Außenminister Walter Rathenau ermordet wurde.
Durch die Vergabe von Krediten der Reichsregierung an die Unternehmen ab 1922 (denn die Banken vergeben keine Kredite mehr) und die Ruhbesetzung 1923 und dem darauf folgenden Ruhrkampf explodiert die Inflation nun vollkommen.
Erst mit dem Abbruch des Ruhrkampfes Ende 1923 und der Ausgabe von neuem Geld (Rentenmark) ab dem 15. November 1923 stoppt die Reichsregierung die Hyperinflation.

Wertverlust der Papiermark (PM) im Vergleich zum US-Dollar ($):
1914: 1$ = 4,20 PM
Dez. 1918: 1$ = 8,28 PM
Dez. 1919: 1$ = 47,00 PM
Juli 1921: 1$ = 76,67 PM
Nov. 1921: 1$ = 262,96 PM
Mär. 1922: 1$ = 284,19 PM (vor der Erhöhng der Kohlepreise)
Jun. 1922: 1$ = 317,14 PM (nach der Erhöhng der Kohlepreise)
Aug. 1922: 1$ = 1.134,56 PM (nach der Ermordung Rathenaus)
Jan. 1923: 1$ = 18.000,00 PM (Beginn des Ruhrkampfes)
Juli 1923: 1$ = 353.000,00 PM
Aug. 1923: 1$ = 4,6 Mio. PM
Währungsreform: 1 Bill. PM = 1 Rentenmark (RM)
Nov. 1923: 1$ = 4,20 RM

"Auflehnung ist das heiligste aller Rechte und die notwendigste aller Pflichten."
Marquis de La Fayette
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
31.07.2012, 11:18
Beitrag: #14
RE: Inflation 1923, ein Kallkül.
(31.07.2012 10:46)Annatar schrieb:  
(30.07.2012 12:53)krasnaja schrieb:  Ich denke , das die Inflation 1923 geplant war (bzw. kalkuliert keine Maßnahmen zur Bekämpfung der dann im Herbst d.J. folgenden, galoppierenden Inflation) getroffen wurden)
Stimmt. Die Inflation war geplant. Allerdings schon früher und mit einem etwas anderen Ziel. Nämlich die Wirtschaft wieder anzukurbeln und den sozialen Frieden zu sichern. Diese Plan ging auch zuerst auf. Durch die damals noch langsame Inflation wurde die deutsche Wirtschaft wiederbelebt.
Erst danach kamen die "Inflationisten" auf die Idee durch die Inflation die Reperationszahlungen zu drücken.
Dieser Plan ging allerdings nicht auf, denn die Siegermächte verlangten die Reperationszahlungen in Goldmark und nicht in Papiermark.
Die festgelgten Raten konnte die Regierung aber nur durch das Drucken von mehr Geld bewältigen, was die Inflation weiter ansteigen lässt.
Als dann auch noch der Industrielle Stinnes im für eine Erhöhung der Kohlepreise sorgt (am 1. März 1922) dreht sich die fatale Abwerststpirale der Inflation immer weiter.
Von einer Hyperinflation wird jetzt aber noch nicht gesprochen. Diese beginnt erst im August 1922. Nachdem der Außenminister Walter Rathenau ermordet wurde.
Durch die Vergabe von Krediten der Reichsregierung an die Unternehmen ab 1922 (denn die Banken vergeben keine Kredite mehr) und die Ruhbesetzung 1923 und dem darauf folgenden Ruhrkampf explodiert die Inflation nun vollkommen.
Erst mit dem Abbruch des Ruhrkampfes Ende 1923 und der Ausgabe von neuem Geld (Rentenmark) ab dem 15. November 1923 gelingt es der Reichsregierung die Hyperinflation zu stoppen.

Wertverlust der Papiermark (PM) im Vergleich zum US-Dollar ($):
1914: 1$ = 4,20 PM
Dez. 1918: 1$ = 8,28 PM
Dez. 1919: 1$ = 47,00 PM
Juli 1921: 1$ = 76,67 PM
Nov. 1921: 1$ = 262,96 PM
Mär. 1922: 1$ = 284,19 PM (vor der Erhöhng der Kohlepreise)
Jun. 1922: 1$ = 317,14 PM (nach der Erhöhng der Kohlepreise)
Aug. 1922: 1$ = 1.134,56 PM (nach der Ermordung Rathenaus)
Jan. 1923: 1$ = 18.000,00 PM (Beginn des Ruhrkampfes)
Juli 1923: 1$ = 353.000,00 PM
Aug. 1923: 1$ = 4,6 Mio. PM
Währungsreform: 1 Bill. PM = 1 Rentenmark (RM)
Nov. 1923: 1$ = 4,20 RM


Schöner Beitrag.

Es war übrigens gar nicht so schwierig, da ein Vermögen zu machen.
Gezahlt wurde mit Wechsel. Der ist nach 3 Monaten fällig, und siehe Annatars Aufstellung, dann mit 1 Himbeerbonbon zu bezahlen.

Eigentlich Pipifatz, kann auch Otto Normalverbraucher drauf kommen,
was den Menschen da im Weg stand war ihr "Urvertrauen" in die Redlichkeit des preußisch/deutschen Staates.

Kein Wunder, dass weite Kreise "Inflationsgeschädigter" hinterher das sehr üble Wort von der "Roten-Juden-Republik" kolportierten. Dass es bis auf Ausnahmen keine Juden waren, und "Rote" sowieso nicht. sondern üble Geschäftemacher mit "Ariernachweis" haben die Leute so nicht übersehen können.

In diesen Vorgängen liegt der Aufstieg Hitlers viel eher begründet, wie im Vertrag von Versailles.


OT:
Wer ein gewisses Feeling für die Inflationszeit gewinnen will:
"Der schwarze Obelisk" von Remarque

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
31.07.2012, 11:23
Beitrag: #15
RE: Inflation 1923, ein Kalkül.
Zitat anntar: " Erst mit dem Abbruch des Ruhrkampfes Ende 1923 und der Ausgabe von neuem Geld (Rentenmark) ab dem 15. November 1923 gelingt es der Reichsregierung die Hyperinflation zu stoppen.Zitatende:

Nicht "gelang es" die Hyperinflation zu stoppen.
Mit der Ausgabe des neuen Geldes stoppte die Reichsregierung die Inflation.
Der Mohr hatte seine Schuldigkeit getan.
Diese angekurbelte Inflation war ein weiterer Stolperstein der Reichsregierung zu ihrem Ende, 10 Jahre später.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
31.07.2012, 11:31
Beitrag: #16
RE: Inflation 1923, ein Kallkül.
(31.07.2012 11:18)Suebe schrieb:  
(31.07.2012 10:46)Annatar schrieb:  Stimmt. Die Inflation war geplant. Allerdings schon früher und mit einem etwas anderen Ziel. Nämlich die Wirtschaft wieder anzukurbeln und den sozialen Frieden zu sichern. Diese Plan ging auch zuerst auf. Durch die damals noch langsame Inflation wurde die deutsche Wirtschaft wiederbelebt.
Erst danach kamen die "Inflationisten" auf die Idee durch die Inflation die Reperationszahlungen zu drücken.
Dieser Plan ging allerdings nicht auf, denn die Siegermächte verlangten die Reperationszahlungen in Goldmark und nicht in Papiermark.
Die festgelgten Raten konnte die Regierung aber nur durch das Drucken von mehr Geld bewältigen, was die Inflation weiter ansteigen lässt.
Als dann auch noch der Industrielle Stinnes im für eine Erhöhung der Kohlepreise sorgt (am 1. März 1922) dreht sich die fatale Abwerststpirale der Inflation immer weiter.
Von einer Hyperinflation wird jetzt aber noch nicht gesprochen. Diese beginnt erst im August 1922. Nachdem der Außenminister Walter Rathenau ermordet wurde.
Durch die Vergabe von Krediten der Reichsregierung an die Unternehmen ab 1922 (denn die Banken vergeben keine Kredite mehr) und die Ruhbesetzung 1923 und dem darauf folgenden Ruhrkampf explodiert die Inflation nun vollkommen.
Erst mit dem Abbruch des Ruhrkampfes Ende 1923 und der Ausgabe von neuem Geld (Rentenmark) ab dem 15. November 1923 gelingt es der Reichsregierung die Hyperinflation zu stoppen.

Wertverlust der Papiermark (PM) im Vergleich zum US-Dollar ($):
1914: 1$ = 4,20 PM
Dez. 1918: 1$ = 8,28 PM
Dez. 1919: 1$ = 47,00 PM
Juli 1921: 1$ = 76,67 PM
Nov. 1921: 1$ = 262,96 PM
Mär. 1922: 1$ = 284,19 PM (vor der Erhöhng der Kohlepreise)
Jun. 1922: 1$ = 317,14 PM (nach der Erhöhng der Kohlepreise)
Aug. 1922: 1$ = 1.134,56 PM (nach der Ermordung Rathenaus)
Jan. 1923: 1$ = 18.000,00 PM (Beginn des Ruhrkampfes)
Juli 1923: 1$ = 353.000,00 PM
Aug. 1923: 1$ = 4,6 Mio. PM
Währungsreform: 1 Bill. PM = 1 Rentenmark (RM)
Nov. 1923: 1$ = 4,20 RM


Schöner Beitrag.

Es war übrigens gar nicht so schwierig, da ein Vermögen zu machen.
Gezahlt wurde mit Wechsel. Der ist nach 3 Monaten fällig, und siehe Annatars Aufstellung, dann mit 1 Himbeerbonbon zu bezahlen.

Eigentlich Pipifatz, kann auch Otto Normalverbraucher drauf kommen,
was den Menschen da im Weg stand war ihr "Urvertrauen" in die Redlichkeit des preußisch/deutschen Staates.

Kein Wunder, dass weite Kreise "Inflationsgeschädigter" hinterher das sehr üble Wort von der "Roten-Juden-Republik" kolportierten. Dass es bis auf Ausnahmen keine Juden waren, und "Rote" sowieso nicht. sondern üble Geschäftemacher mit "Ariernachweis" haben die Leute so nicht übersehen können.

In diesen Vorgängen liegt der Aufstieg Hitlers viel eher begründet, wie im Vertrag von Versailles.


OT:
Wer ein gewisses Feeling für die Inflationszeit gewinnen will:
"Der schwarze Obelisk" von Remarque

Dieses Urvertrauen in die Redlichkeit des preußischen Staates war es dann auch 10 Jahre später, als sich die Deutschen nicht vorstellen konnten, dass die deutsche Polizei der willige Helfer der NSDAP wurde.
Nicht die Schlägertrupps der SA waren es, es war die deutsche Polizei, die die anfänglich noch auf tönernen Beinen stehende Macht Hitlers festigte.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
02.08.2012, 11:57
Beitrag: #17
RE: Inflation 1923, ein Kalkül.
(31.07.2012 11:23)krasnaja schrieb:  Zitat anntar: " Erst mit dem Abbruch des Ruhrkampfes Ende 1923 und der Ausgabe von neuem Geld (Rentenmark) ab dem 15. November 1923 gelingt es der Reichsregierung die Hyperinflation zu stoppen.Zitatende:

Nicht "gelang es" die Hyperinflation zu stoppen.
Mit der Ausgabe des neuen Geldes stoppte die Reichsregierung die Inflation.
Der Mohr hatte seine Schuldigkeit getan.
Diese angekurbelte Inflation war ein weiterer Stolperstein der Reichsregierung zu ihrem Ende, 10 Jahre später.
Wird überarbeitet.

"Auflehnung ist das heiligste aller Rechte und die notwendigste aller Pflichten."
Marquis de La Fayette
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
02.08.2012, 12:04
Beitrag: #18
RE: Inflation 1923, ein Kallkül.
(31.07.2012 11:18)Suebe schrieb:  Schöner Beitrag.
Danke. Smile
(31.07.2012 11:18)Suebe schrieb:  Es war übrigens gar nicht so schwierig, da ein Vermögen zu machen.
Gezahlt wurde mit Wechsel. Der ist nach 3 Monaten fällig, und siehe Annatars Aufstellung, dann mit 1 Himbeerbonbon zu bezahlen.
Stimmt. Stinnes ist dafür ein gutes Beispiel. Der hat sich durch die Inflation ein ganzes Imperium zusammengekauft. Nicht umsonst wurde er Inflationskönig genannt.
(31.07.2012 11:18)Suebe schrieb:  In diesen Vorgängen liegt der Aufstieg Hitlers viel eher begründet, wie im Vertrag von Versailles.
Stimmt.

"Auflehnung ist das heiligste aller Rechte und die notwendigste aller Pflichten."
Marquis de La Fayette
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
02.08.2012, 12:57
Beitrag: #19
RE: Inflation 1923, ein Kallkül.
(02.08.2012 12:04)Annatar schrieb:  Stimmt. Stinnes ist dafür ein gutes Beispiel. Der hat sich durch die Inflation ein ganzes Imperium zusammengekauft. Nicht umsonst wurde er Inflationskönig genannt.


Der Stinnes war aber schon von Haus aus gutsituiert, einer seiner Vorfahren hat die Kähne gestellt für Blüchers Schiffsbrücke am 1.1.1814.
Und sich noch in den 1820er Jahren bitter beklagt, dass er für die dabei kaputtgegangenen nie eine Entschädigung bekommen hätte.

Bei Stinnes ist das besonders anrüchige, dass er für den Personenkreis, der am meisten durch die Inflation verlor, im Reichstag sass.


Der da
Zitat:http://de.wikipedia.org/wiki/Jacob_Schapiro
ist dann das Muster des Inflationsspekulanten.
Halt etwas diffizil zu diskutieren. Man will ja nicht der falschen Seite Argumente liefern.

Die Sage will es, dass solang dem der Berliner Sportpalast gehörte, die Nazis für ihre vielen Kundgebungen darin nie eine RM Miete bezahlten.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
02.08.2012, 18:59
Beitrag: #20
RE: Inflation 1923, ein Kallkül.
(02.08.2012 12:57)Suebe schrieb:  
(02.08.2012 12:04)Annatar schrieb:  Stimmt. Stinnes ist dafür ein gutes Beispiel. Der hat sich durch die Inflation ein ganzes Imperium zusammengekauft. Nicht umsonst wurde er Inflationskönig genannt.


Der Stinnes war aber schon von Haus aus gutsituiert, einer seiner Vorfahren hat die Kähne gestellt für Blüchers Schiffsbrücke am 1.1.1814.
Und sich noch in den 1820er Jahren bitter beklagt, dass er für die dabei kaputtgegangenen nie eine Entschädigung bekommen hätte.

Bei Stinnes ist das besonders anrüchige, dass er für den Personenkreis, der am meisten durch die Inflation verlor, im Reichstag sass.
Stimmt, schon vor der Inflation war er kein armer Mann. Allerdings hat er sich durch die Inflation noch mehr bereichert.
(02.08.2012 12:57)Suebe schrieb:  Der da
Zitat:http://de.wikipedia.org/wiki/Jacob_Schapiro
ist dann das Muster des Inflationsspekulanten.
Halt etwas diffizil zu diskutieren. Man will ja nicht der falschen Seite Argumente liefern.

Die Sage will es, dass solang dem der Berliner Sportpalast gehörte, die Nazis für ihre vielen Kundgebungen darin nie eine RM Miete bezahlten.
Den Herren kannte ich noch gar nicht.

"Auflehnung ist das heiligste aller Rechte und die notwendigste aller Pflichten."
Marquis de La Fayette
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Antwort schreiben 


Möglicherweise verwandte Themen...
Thema: Verfasser Antworten: Ansichten: Letzter Beitrag
  9. November 1923 "Hitler-Putsch" Suebe 65 31.501 20.02.2017 23:11
Letzter Beitrag: Adolina

Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen:

Kontakt    |     Startseite    |     Nach oben    |     Zum Inhalt    |     SiteMap    |     RSS-Feeds