Antwort schreiben 
 
Themabewertung:
  • 0 Bewertungen - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
deutsch-französische "Erbfeindschaft"?
14.07.2012, 09:24
Beitrag: #41
RE: Moderatorenhinweis
(14.07.2012 08:47)Maxdorfer schrieb:  Volksverhetzung ist das, was Nazis machten, in geringerem Maßstab auch das Deutsche Reich.

Wenn man von Erbangst spricht, ist das von unserem Standpunkt aus berechtigt, nämlich für Schwaben und die Pfalz, halt für an Frankreich grenzende Länder. Dort gab es in vielen Generationen Zerstörungen durch die Franzosen, sodass die Angst vom Vater an den Sohn weitergegeben wurde.
Wenn man in Hamburg die Leute mit Begriffen wie Erbfeind Frankreich zumüllt - im wahrsten Sinne des Wortes zumüllt - dann kommt das in Richtung Volksverhetzung. Denn Hamburg wurde nie von Frankreich bedroht, geschweige denn zerstört, und dort kann das nur mit expansionistischen Bestrebungen zusammenhängen, die man mit den Begriffen "Erbfeindschaft" etc. zu begründen versucht.

Sorry aber Hamburg war sogar französisch, 8 Jahre lang
schau mal da
http://de.wikipedia.org/wiki/Hamburger_Franzosenzeit
aus dem Link
Zitat:Besatzung der Stadt 1806

Zur Durchsetzung der Kontinentalsperre, einer Wirtschaftsblockade über die britischen Inseln, ließ Napoléon I. die Freie und Hansestadt Hamburg während des Vierten Koalitionskrieges am 19. November 1806 besetzen. Die Besatzer verboten den Handel mit Großbritannien und beschlagnahmten alle englischen Waren in der Stadt. Weil England zu dieser Zeit nach Frankreich der zweitwichtigste Wirtschaftspartner Hamburgs war, kam es in der Folge zu einer Vielzahl von Bankrotten Hamburger Handelsfirmen. Arbeitslosigkeit und Armut nahmen in den unteren Bevölkerungsschichten stark zu. Viele Bewohner flohen vor der Besetzung und der Arbeitslosigkeit ins nähere oder fernere Umland. Wer zurückgeblieben war, litt unter Sondersteuern und Zwangseinquartierungen zur Versorgung der Besatzungssoldaten. Der Schmuggel mit dem dänischen Umland blühte dagegen

Th. Fontane beschäftigt sich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts noch ausgiebig mit der "Franzosenzeit" in Balladen und Novellen, "Unterm Birnbaum" zB und lässt die "13er Landwehrfahne" flattern.
Ergo die Franzosen haben auch in der Mark und in Pommern durchaus Spuren hinterlassen, die die Menschen noch Jahrzehnte später beschäftigten.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
14.07.2012, 09:50
Beitrag: #42
RE: deutsch-französische "Erbfeindschaft"?
Maxdorfers Argument, dass es auf die regionale Lage in D ankommt, von wo man die Übernahme befürchtete, ist gut nachvollziehbar.
D liegt heute komplett mittendrin, manch kollektives Regionalgedächtnis mag sich aber noch an andere Zeiten erinnern als Kleinstaaten sich schutzloser fühlten.

Eine solche Kollektivangst müssten die Nachbarn links des Rheines doch genauso verspürt haben, was wissen die Schwaben denn darüber?
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
14.07.2012, 10:00
Beitrag: #43
RE: deutsch-französische "Erbfeindschaft"?
(14.07.2012 09:24)Suebe schrieb:  Sorry aber Hamburg war sogar französisch, 8 Jahre lang
schau mal da
http://de.wikipedia.org/wiki/Hamburger_Franzosenzeit
Das stimmt, genauso wie Lübeck. Man muss feine völkerrechtliche Unterschiede beachten. Besatzung ist etwas anderes als Annektion. Französische Besatzung kam besonders im Westen Deutschlands immer wieder in der Geschichte vor, seit Ludwig XIV. Während dieser letztendlich "nur" das Elsass vom HRR kassierte, war der Appetit Napoleons größer. Neben den Satellitenstaaten des Rheinbundes, in denen er Getreue und Familienmitglieder ("König Lustik") einsetzte, annektierte er Nordwestdeutschland und die linksrheinischen Gebiete gleich komplett und machte sie zu frz. Departements. Siehe diese Karte:


Angehängte Datei(en) Thumbnail(s)
   

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
14.07.2012, 10:26
Beitrag: #44
RE: deutsch-französische "Erbfeindschaft"?
(14.07.2012 09:50)Renegat schrieb:  Maxdorfers Argument, dass es auf die regionale Lage in D ankommt, von wo man die Übernahme befürchtete, ist gut nachvollziehbar.
D liegt heute komplett mittendrin, manch kollektives Regionalgedächtnis mag sich aber noch an andere Zeiten erinnern als Kleinstaaten sich schutzloser fühlten.

Eine solche Kollektivangst müssten die Nachbarn links des Rheines doch genauso verspürt haben, was wissen die Schwaben denn darüber?


Natürlich haben sie.
De Gaulle hat Adenauer gegenüber bei ihrem 1. Treffen im September 1958 noch gesagt, dass er nach 45 befürchtete, dass sich die Deutschen nach wiedererstarken an den Franzosen rächen würden.
Ganz Frankreich leide unter dieser Angst.

Nochmals:
Die "Erbfeindschaft" ist ein Propagandakonstrukt. Aber aus einer Zeit wo man beileibe noch nicht von "Volksverhetzung" reden kann.
Die Angst jedoch, die war real.

Ich kann mich an ein 2-Satz-Fernseh-Interview erinnern, geführt vom West-TV während einer Ost-Demo gegen die Nachrüstung. Eine Demonstrantin die ihre Bedrohungsangst bezüglich Pershing II per Plakat äußerste wurde von dem West-Reporter gefragt, ob sie sich vorstellen könne, dass die West-Bevölkerung vor der SS20 Angst hätten?
Aber natürlich sagte die Frau. Selbstverständlich müsse man davor Angst haben.

Das ist der Punkt.


Ich bitte jedoch um Verständnis, dass ich keine umfangreiche Literatur über die Zustände in Frankreich im 18. + 19. Jahrhundert habe.
Mir ging es eigentlich hauptsächlich darum, die Hintergründe warum die Süddeutschen 1866-70 mit fliegenden Fahnen zu den Preußen flüchteten, zu schildern.

Zum Ende der "Erbfeindschaft" bzw. "Erbangst" habe ich schon einen neuen 3nd aufgemacht und bitte um geflissentliche BeachtungSmile

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
15.07.2012, 19:11
Beitrag: #45
RE: deutsch-französische "Erbfeindschaft"?
Nun ich würde das Verhältnis in den Grenzgebieten zu Frankreich nicht unbedingt als negativ sondern eher als ambivalent bezeichnen.
Die Zerstörungen durch die Franzosen erfolgten überwiegend im 30jährigen Krieg und den Kabinettskriegen des 17.und 18.Jahrhunderts, besonders im pfälzischen Erbfolgekrieg.
Wobei man berücksichtigen muß, daß das damals allgemeiner Standard der Kriegsführung war.Auch bei Auseinandersetzungen innerhalb des Reiches wurde von allen Seiten geplündert und Kontribution erhoben.
Mit der Französischen Revolution änderte sich das zum Positiven.1790 kommentierte die Mainzer Zeitung Nr. 8: "…und selbst der Landmann manchen Dörfchens kündigt seinem Richter oder seinem gnädigen Herren den Gehorsam auf, weil er hört, Rebellion sei allgemeine Sitte"
Man sah in den Franzosen die Befreier von der Herrschaft der Fürsten und der Geistlichkeit und die Besetzung der Pfalz und Rheinhessens durch die Revolutionstruppen und später durch Napoleon wurde weitgehend begrüßt.Diese Gebiete und deren Bevölkerung haben durchaus von der "Eingemeindung" und der Einführung von Code civil,Gewerbefreiheit ,usw. profitiert.
Es ergab sich also ein positives Bild.Nicht umsonst gab es damals in der Gegend starke frankophile Bewegungen, es gab napoleonische Veteranenvereine und der ein oder andere Napoleongedenkstein steht heute noch auf den Dörfern .
Diese profranzösische Haltung hielt hier im Grunde bis in die 1860er an Die Preußen waren, insbesondere nach der Zerstörung von Mainz 1793 und der Niederschlagung der Revolution 1849 wesentlich unbeliebter.
Der Umschwung kam m.E. mit dem Staatsstreich vom 2. Dezember 1851, der Napoleon III an die Macht brachte.Das autoritäre Empire und sein rigider Zentralismus waren im liberalen Südwesten alles andere als populär.Hinzu kam das Verhalten in der Luxemburg-Krise von 1867,das Befürchtungen bei den süddeutchen Staaten weckte.
Genau hier setzte 1870 die preußische Propaganda ein , die u.a. die Zerstörungen der Reunionskriege wieder aus der Mottenkiste holte und den Begriff der "Erbfeindschaft" konstruierte.

Die positiven Auswirkungen der "Franzosenzeit" 1792-1815 sind übrigens gerade in der Pfalz und Rheinhessen bis heute noch sichtbar: Das Recht ,ganzjährig "Strausswirtschaften " zu betreiben geht auf diese Zeit zurück.Big Grin
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
15.07.2012, 19:42
Beitrag: #46
RE: Moderatorenhinweis
(14.07.2012 09:24)Suebe schrieb:  Sorry aber Hamburg war sogar französisch, 8 Jahre lang - schau mal da http://de.wikipedia.org/wiki/Hamburger_Franzosenzeit
Sorry, das wusste ich nicht. Dann nehme ich mein Statement zu Hamburg zurück. Wobei man für Hamburg trotzdem nicht von einer Erbangst sprechen kann, im Gegensatz zur Pfalz, die immer wieder heimgesucht wurde.
Den Grundtenor meines Textes hat Renegat formuliert: Es kommt auf die regionale Lage in D an.

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
15.07.2012, 19:56
Beitrag: #47
RE: deutsch-französische "Erbfeindschaft"?
(15.07.2012 19:11)zaphodB. schrieb:  Mit der Französischen Revolution änderte sich das zum Positiven. 1790 kommentierte die Mainzer Zeitung Nr. 8: "…und selbst der Landmann manchen Dörfchens kündigt seinem Richter oder seinem gnädigen Herren den Gehorsam auf, weil er hört, Rebellion sei allgemeine Sitte"
Man sah in den Franzosen die Befreier von der Herrschaft der Fürsten und der Geistlichkeit und die Besetzung der Pfalz und Rheinhessens durch die Revolutionstruppen und später durch Napoleon wurde weitgehend begrüßt.Diese Gebiete und deren Bevölkerung haben durchaus von der "Eingemeindung" und der Einführung von Code civil, Gewerbefreiheit ,usw. profitiert.
Ganz so war es nun auch nicht. Die Truppen der Sansculotten (nach 1790) waren alles andere als diszipliert und die Umwidmung von Kirchen in Lagerhallen und Pferdeställe wird die frommen Rheinländer auch nicht begeistert haben. Andererseits, den Code Civil und die neuen Grundrechte, die nahm man gern.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
15.07.2012, 20:56
Beitrag: #48
RE: deutsch-französische "Erbfeindschaft"?
(15.07.2012 19:56)Arkona schrieb:  
(15.07.2012 19:11)zaphodB. schrieb:  Mit der Französischen Revolution änderte sich das zum Positiven. 1790 kommentierte die Mainzer Zeitung Nr. 8: "…und selbst der Landmann manchen Dörfchens kündigt seinem Richter oder seinem gnädigen Herren den Gehorsam auf, weil er hört, Rebellion sei allgemeine Sitte"
Man sah in den Franzosen die Befreier von der Herrschaft der Fürsten und der Geistlichkeit und die Besetzung der Pfalz und Rheinhessens durch die Revolutionstruppen und später durch Napoleon wurde weitgehend begrüßt.Diese Gebiete und deren Bevölkerung haben durchaus von der "Eingemeindung" und der Einführung von Code civil, Gewerbefreiheit ,usw. profitiert.
Ganz so war es nun auch nicht. Die Truppen der Sansculotten (nach 1790) waren alles andere als diszipliert und die Umwidmung von Kirchen in Lagerhallen und Pferdeställe wird die frommen Rheinländer auch nicht begeistert haben. Andererseits, den Code Civil und die neuen Grundrechte, die nahm man gern.

Was man jetzt nicht außer Acht lassen darf.
Von was ihr hier schreibt, das ist ein Zeitraum von 25 Jahren.
Indem sich die franz. Heere sehr verändert haben.
Was blieb war das "System Louvois".
Die verhaßteste Soldadeska im gesamten Zeitraum waren interessanterweise die "Condeer". die man den Revolutionsheeren wenigerBig Grin anlasten kann.

Weiter oben ist auch von den Zerstörungen im 30jährgen Krieg die Rede.
Hier muss man darauf hinweisen, dass die Franzosen da zuerst lediglich die Truppen Bernhards von Weimar nach dessen Tod "übernommen" haben.

Aber eines stimmt natürlich, die Nachrichten von "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" wurden schon gehört, östlich des Rheins, und sie blieben auch nicht ohne Widerhall.
Dazu werde ich gerne mal ein Thema aufmachen.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
15.07.2012, 21:36
Beitrag: #49
RE: deutsch-französische "Erbfeindschaft"?
Die Menschen unter der Trikolore und die unter den diversen Flaggen und Wappen sahen sich nie und zu keiner Zeit als "Feinde" was man bei allem auf gar keinen Fall vergessen darf.
die Beziehungen waren immer eng.

Vielleicht noch ein paar Anmerkungen dazu:
Dass der Franzose J.P. Sartre und der Europäer Albert Schweitzer Vettern waren, wie wir sagen, ist vermutlich bekannt.
Dass die beiden aber eine namhafte Zahl von Ahnen mit zB Ludwig Uhland oder auch mit Richard von Weizsäcker und etlichen anderen südwestdeutschen Geistesgrößen gemeinsam haben, wird den meisten neu sein.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
15.07.2012, 21:41
Beitrag: #50
RE: deutsch-französische "Erbfeindschaft"?
Man sollte neben der "Feindschaft" auch nicht die Bewunderung vergessen, die den Franzosen zuteil wurde.
Perfekt dargestellt in dem Frankreich bewundernden Alexander von Humboldt, dessen Bruder Wilhelm diese Leidenschaft Alexanders immer wieder kritisierte.

Der vernetzte Mensch von heute gerät in Gefahr,
die globalisierte Welt als eine Ansammlung von Zitaten zu erleben.

Doug Mack
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
15.07.2012, 21:48
Beitrag: #51
RE: deutsch-französische "Erbfeindschaft"?
(14.07.2012 10:00)Arkona schrieb:  
(14.07.2012 09:24)Suebe schrieb:  Sorry aber Hamburg war sogar französisch, 8 Jahre lang
schau mal da
http://de.wikipedia.org/wiki/Hamburger_Franzosenzeit
Das stimmt, genauso wie Lübeck. Man muss feine völkerrechtliche Unterschiede beachten. Besatzung ist etwas anderes als Annektion. Französische Besatzung kam besonders im Westen Deutschlands immer wieder in der Geschichte vor, seit Ludwig XIV. Während dieser letztendlich "nur" das Elsass vom HRR kassierte, war der Appetit Napoleons größer. Neben den Satellitenstaaten des Rheinbundes, in denen er Getreue und Familienmitglieder ("König Lustik") einsetzte, annektierte er Nordwestdeutschland und die linksrheinischen Gebiete gleich komplett und machte sie zu frz. Departements. Siehe diese Karte:


Um hier die völkerrechtlichen Unterschiede gleich noch weiter zu spinnen.
Mit dem "Elsass" das sich der Sonnenkönig schnappte, das liest man oft. Es ist aber eine Vereinfachung, die den Gegebenheiten im "alten Reich" nicht gerecht wird. Er hat die Habsburger bei etlichen Herrschaften im Elsass "beerbt" aber das bezog sich keineswegs auf das ganze Elsass, abgesehen davon, der Ludwig hat auch diese Gebiete keineswegs nach Frankreich eingegliedert, er herrschte dort lediglich als "Reichsfürst". Auch die franz. Zollgrenze blieb auf dem Vogesenkamm.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
16.07.2012, 08:20
Beitrag: #52
RE: deutsch-französische "Erbfeindschaft"?
(15.07.2012 21:36)Suebe schrieb:  Die Menschen unter der Trikolore und die unter den diversen Flaggen und Wappen sahen sich nie und zu keiner Zeit als "Feinde" was man bei allem auf gar keinen Fall vergessen darf. die Beziehungen waren immer eng.
Obwohl man bei uns Angst hatte, dass "der Franzoos" wieder kam - persönliche Feindschaften gab es nicht unbedingt.
(15.07.2012 21:36)Suebe schrieb:  Vielleicht noch ein paar Anmerkungen dazu:
Dass der Franzose J.P. Sartre und der Europäer Albert Schweitzer Vettern waren, wie wir sagen, ist vermutlich bekannt.
Dass die beiden aber eine namhafte Zahl von Ahnen mit zB Ludwig Uhland oder auch mit Richard von Weizsäcker und etlichen anderen südwestdeutschen Geistesgrößen gemeinsam haben, wird den meisten neu sein.
Cool. Mit Ludwig Uhland teile ich auch einige Ahnen.

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
16.07.2012, 08:42
Beitrag: #53
RE: deutsch-französische "Erbfeindschaft"?
(15.07.2012 21:48)Suebe schrieb:  Mit dem "Elsass" das sich der Sonnenkönig schnappte, das stimmt so keineswegs. Er hat die Habsburger bei etlichen Herrschaften im Elsass "beerbt" aber das bezog sich keineswegs auf das ganze Elsass, abgesehen davon, der Ludwig hat auch diese Gebiete keineswegs nach Frankreich eingegliedert, er herrschte dort lediglich als "Reichsfürst". Auch die franz. Zollgrenze blieb auf dem Vogesenkamm.
Zur Zeit des Sonnenkönigs war der Nationalstaatsgedanke in D noch gar nicht angekommen und in F wurde erst im nachhinein eine Vorform desselben festgestellt.
Du beschreibst selbst, wie die Könige und Adligen zu ihren Ländereien samt Untertanen kamen. So war das in Europa vor der französischen Revolution üblich, die Menschen konnten froh sein, wenn ihr Herrscher durch Heirat oder Erbschaft zu seinem Land kam und ihnen der Krieg darum erspart blieb.
Die Befürchtung der Bevölkerung, dass der Feind/die plündernden Söldner meist von westlich des Rheins kamen, kann sich deshalb doch erst ab Napoleon so richtig im kollektiven Gedächtnis der Schwaben festgesetzt haben, oder?
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
16.07.2012, 08:45
Beitrag: #54
RE: deutsch-französische "Erbfeindschaft"?
(16.07.2012 08:20)Maxdorfer schrieb:  
(15.07.2012 21:36)Suebe schrieb:  Die Menschen unter der Trikolore und die unter den diversen Flaggen und Wappen sahen sich nie und zu keiner Zeit als "Feinde" was man bei allem auf gar keinen Fall vergessen darf. die Beziehungen waren immer eng.
Obwohl man bei uns Angst hatte, dass "der Franzoos" wieder kam - persönliche Feindschaften gab es nicht unbedingt.
(15.07.2012 21:36)Suebe schrieb:  Vielleicht noch ein paar Anmerkungen dazu:
Dass der Franzose J.P. Sartre und der Europäer Albert Schweitzer Vettern waren, wie wir sagen, ist vermutlich bekannt.
Dass die beiden aber eine namhafte Zahl von Ahnen mit zB Ludwig Uhland oder auch mit Richard von Weizsäcker und etlichen anderen südwestdeutschen Geistesgrößen gemeinsam haben, wird den meisten neu sein.
Cool. Mit Ludwig Uhland teile ich auch einige Ahnen.

Dich hatte ich doch erwähntSmile
Zitat:Dass die beiden aber eine namhafte Zahl von Ahnen mit zB Ludwig Uhland oder auch mit Richard von Weizsäcker und etlichen anderen südwestdeutschen Geistesgrößen gemeinsam haben, wird den meisten neu sein.
Big Grin

wobei,
:blush:in der Bibel steht man soll sein Licht nicht unter den Scheffel stellen,
auch ich habe eine ganze Reihe Ahnen mit den beiden gemeinsam.

Und demnach auch mit einem gewissen Maxdorfer. Was heißen würde, du hast Vorfahren in der altwirtembergischen "Ehrbarkeit".
Müssen wir mal gelegentlich unsere Ahnentafel austauschen.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
16.07.2012, 10:39
Beitrag: #55
RE: deutsch-französische "Erbfeindschaft"?
(16.07.2012 08:45)Suebe schrieb:  
(16.07.2012 08:20)Maxdorfer schrieb:  Cool. Mit Ludwig Uhland teile ich auch einige Ahnen.
Dich hatte ich doch erwähntSmile
Zitat:Dass die beiden aber eine namhafte Zahl von Ahnen mit zB Ludwig Uhland oder auch mit Richard von Weizsäcker und etlichen anderen südwestdeutschen Geistesgrößen gemeinsam haben, wird den meisten neu sein.
Big Grin
wobei,
:blush:in der Bibel steht man soll sein Licht nicht unter den Scheffel stellen,
auch ich habe eine ganze Reihe Ahnen mit den beiden gemeinsam.
Und demnach auch mit einem gewissen Maxdorfer. Was heißen würde, du hast Vorfahren in der altwirtembergischen "Ehrbarkeit".
Müssen wir mal gelegentlich unsere Ahnentafel austauschen.

So genau bin ich auch nicht informiert, aber einige habe ich hier aufgelistet:
http://www.forum-geschichte.at/Forum/sho...19#pid3019

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
16.07.2012, 11:49
Beitrag: #56
RE: deutsch-französische "Erbfeindschaft"?
(16.07.2012 08:42)Renegat schrieb:  Zur Zeit des Sonnenkönigs war der Nationalstaatsgedanke in D noch gar nicht angekommen und in F wurde erst im nachhinein eine Vorform desselben festgestellt.
Du beschreibst selbst, wie die Könige und Adligen zu ihren Ländereien samt Untertanen kamen. So war das in Europa vor der französischen Revolution üblich, die Menschen konnten froh sein, wenn ihr Herrscher durch Heirat oder Erbschaft zu seinem Land kam und ihnen der Krieg darum erspart blieb.
Die Befürchtung der Bevölkerung, dass der Feind/die plündernden Söldner meist von westlich des Rheins kamen, kann sich deshalb doch erst ab Napoleon so richtig im kollektiven Gedächtnis der Schwaben festgesetzt haben, oder?

Die Geschichte der "Weiber von Schorndorf" kennst Du?
unter anderem hier
Zitat:Weiber von Schorndorf

Ich besitze die Chronik eines Handwerkers meiner Heimatstadt (eigentlich mehr ein Tagebuch) über die Jahre 1770 bis 1830 fürchterlich schwer zu lesen, sehr kreative Rechtschreibung und überhaupt keine Zeichensetzung!
Der schreibt bspl. über die Ereignisse 1796, dass sich die Österreicher wesentlich unangenehmer benommen hätten wie hernach die Franzosen, "und man hätte nicht glauben wollen, dass diese die Verbündeten gewesen seien"

Der Gedanke der Zusammengehörigkeit, war zumindest in Südwestdeutschland durchaus vorhanden. Die Kreistruppen zB es gab auch etliche andere anerkannte überregionale Institutionen. Gerichte insbesondere, die von den meisten Regionalherrschaften anerkannt wurden.
Ich verweise hierzu auf Wieland
Zitat:http://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Martin_Wieland
der neben seinem Literarischen Werk recht bedeutende Aufsätze und Artikel zur Verfassungswirklichkeit des HRR in den 1790er Jahren schrieb.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
16.07.2012, 11:56
Beitrag: #57
RE: deutsch-französische "Erbfeindschaft"?
Noch ein Histörchen.

Thiers war im Spätherbst 1870 in Wien.
Verbündete suchen.

Dort ist ihm Ranke über den Weg gelaufen.
Den fragte er, "nachdem ihr Napoleon besiegt und gefangen hat, gegen wen führt ihr jetzt Krieg"
Ranke soll geantwortet haben: "Gegen Ludwig den XIV."

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
16.07.2012, 20:08
Beitrag: #58
RE: deutsch-französische "Erbfeindschaft"?
Un nochmals ein "Bemerkenswert"

Der vielgehasste und in Sibiren eingesperrte Vandamme,

er war gar kein Franzose.
Es war ein Landsmann von Dieter.Big Grin

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
16.07.2012, 20:49
Beitrag: #59
RE: deutsch-französische "Erbfeindschaft"?
(16.07.2012 20:08)Suebe schrieb:  Un nochmals ein "Bemerkenswert"

Der vielgehasste und in Sibiren eingesperrte Vandamme,

er war gar kein Franzose.
Es war ein Landsmann von Dieter.Big Grin
Sorry Schwabe, aber sein Geburtsort war Cassel in Flandern und nicht in Hessen. Vandamme ist dort ein häufiger Name, man denke da auch an einen schlagkräftigen Hollywood-B-Mimen belgischer Herkunft. Deutscher unter Napoleons bekannten Marschällen war allerdings Ney (geb. in Saarlouis).

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
17.07.2012, 08:07
Beitrag: #60
RE: deutsch-französische "Erbfeindschaft"?
(16.07.2012 20:49)Arkona schrieb:  
(16.07.2012 20:08)Suebe schrieb:  Un nochmals ein "Bemerkenswert"

Der vielgehasste und in Sibiren eingesperrte Vandamme,

er war gar kein Franzose.
Es war ein Landsmann von Dieter.Big Grin
Sorry Schwabe, aber sein Geburtsort war Cassel in Flandern und nicht in Hessen. Vandamme ist dort ein häufiger Name, man denke da auch an einen schlagkräftigen Hollywood-B-Mimen belgischer Herkunft. Deutscher unter Napoleons bekannten Marschällen war allerdings Ney (geb. in Saarlouis).

Da scheine ich tatsächlich etwas aufgesessen zu sein.Blush
Die zeitgenössische Literatur südwestlicher Herkunft ist voll mit "Verdammungen" Vandammes, dass ich jetzt gespannt bin, wo ich das gelesen habe.
Aufgefallen ist mir dabei schon das C bei Cassel, aber im 19. Jahrhundert ja nichts außergewöhnliches.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Antwort schreiben 


Möglicherweise verwandte Themen...
Thema: Verfasser Antworten: Ansichten: Letzter Beitrag
  Deutsch-Amerikanische Mythen Suebe 1 1.561 05.08.2016 12:13
Letzter Beitrag: Suebe

Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste

Kontakt    |     Startseite    |     Nach oben    |     Zum Inhalt    |     SiteMap    |     RSS-Feeds