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Warum hat man Ketzer verbrannt und nicht anderweitig hingerichtet?
10.01.2017, 12:24
Beitrag: #1
Warum hat man Ketzer verbrannt und nicht anderweitig hingerichtet?
Die Ausgangsfrage steht in der Überschrift. Meine Theorie dazu: Eigentlich ging es primär darum, "die Seele" zu retten und die verirrten Schäfchen wieder der Heiligen Mutter Kirche zuzuführen. Und der direkte Weg in den Himmel eben auf diesem Weg über Feuer und Rauch. Vermutlich dachten die Inquisitoren sogar, damit für die Delinquenten (und für Gott) ein besonders wohlgefälliges und humanes Werk zu verrichten.
Allerdings waren auch Protestanten beim Verbrennen ziemlich eifrig bis in die Neuzeit, da ging es dann aber nicht um Apostaten sondern um vermeintliche Hexen, das ist der Schwachpunkt meiner Gedanken.

Was meint ihr dazu?

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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10.01.2017, 13:01
Beitrag: #2
RE: Warum hat man Ketzer verbrannt und nicht anderweitig hingerichtet?
Schauerlich aber interessant.

In meiner Nachbarschaft, Straßberg/hzl. hat man in den 1740ern noch eine Hexe verbrannt, als besondere Gnade hat man ihr einen Pulversack um den Hals gehängt....

Ach war das eine Freude, als Gott der Herr mich schuf, ein Kerl wie Samt und Seide .....
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10.01.2017, 13:48
Beitrag: #3
RE: Warum hat man Ketzer verbrannt und nicht anderweitig hingerichtet?
Ich habe mal gehört, dass es einem Reinigungsritual zugrunde liegt.
Weiß jemand mehr darüber?

Einem Haus eine Bibliothek hinzuzufügen heißt, dem Haus eine Seele zu geben.

Marcus Tullius Cicero
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10.01.2017, 13:57
Beitrag: #4
RE: Warum hat man Ketzer verbrannt und nicht anderweitig hingerichtet?
(10.01.2017 12:24)Arkona schrieb:  Allerdings waren auch Protestanten beim Verbrennen ziemlich eifrig bis in die Neuzeit, da ging es dann aber nicht um Apostaten sondern um vermeintliche Hexen, das ist der Schwachpunkt meiner Gedanken.

Was meint ihr dazu?

Ich denke nicht, dass das ein Schwachpunkt deiner These ist. Ich bin der Meinung, dass die Hexenprozesse ursprünglich ebenfalls Ketzerprozesse waren - in gesteigerter Form. Während man den "normalen" Ketzern vorwarf, vom Glauben abgefallen zu sein oder was falsches zu verehren, warf man den Hexen vor, den Teufel anzubeten, was nichts anderes war, als die grösstmöglichste Ketzerei. Auch die "Teufelbuhlschaft", d.h. sich mit dem Teufel sexuell zu vergnügen, gehörte zum Thema "Teufelsanbetung". Dass Hexenprozesse gesteigerte Ketzerprozesse waren beweist m.E. nach auch der Umstand, dass die Hexen meist nicht wegen der Zauberei selbst verurteilt wurden, sondern der Tatbestand war Teufelsbuhlschaft und Teufelsanbetung. Die Zauberei hatte meistens den Status eines Beweismittels, dass sich die Hexe mit dem Teufel eingelassen habe. Die Kirche vertrat dem Standpunkt, dass Magie nicht existierte und als Aberglaube zu betrachten sei. Nur Gott und Jesus, sowie Maria und vielleicht noch ein paar Heilige könnten Wunder wirken - d.h. übernatürliche Phänomene verursachen - und natürlich eben auch der Teufel. Wenn eine Hexe der Zauberei überführt wurde, bedeutete dies nichts anderes, als dass sieh den Teufel verehrte und/oder beischlief. Denn sie allein wäre niemals im Stande zu zaubern, dass wäre Aberglaube.

Insofern würde ich jetzt deine These nicht wegen den Hexen ad acta legen.
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10.01.2017, 14:24
Beitrag: #5
RE: Warum hat man Ketzer verbrannt und nicht anderweitig hingerichtet?
Hmm, mein Großeltern und meine Eltern lehnten die Urnenbestattung als "unchristlich" ab.
Hängt das damit zusammen, dass man "Ketzer" verbrannte?

"Es gibt nur eine Sache die größer ist als die Liebe zur Freiheit: Der Hass auf die Person, die sie dir weg nimmt."(Che Guevara)
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10.01.2017, 14:38
Beitrag: #6
RE: Warum hat man Ketzer verbrannt und nicht anderweitig hingerichtet?
(10.01.2017 14:24)Triton schrieb:  Hmm, mein Großeltern und meine Eltern lehnten die Urnenbestattung als "unchristlich" ab.
Hängt das damit zusammen, dass man "Ketzer" verbrannte?

Das hängt eher damit zusammen, dass die heidnische (kelto-germanische) Bevölkerung in "vorchristlicher Zeit" ihre Toten in der Regel verbrannte.
Aber interessanter Einwurf zum Thema, wollte die Kirche mit der Ketzerverbrennung so die "leibliche Wiederauferstehung am Tag des Jüngsten Gerichtes" verhindern, also doch nix Humanes, sondern die Höchststrafe?

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10.01.2017, 19:12
Beitrag: #7
RE: Warum hat man Ketzer verbrannt und nicht anderweitig hingerichtet?
Die Meinung, das hauptsächlich im Mittelalter Hexen verfolgt wurden durch die Inquisition, ist weit verbreitet. Doch - soviel mir bekannt ist - so ganz stimmt das nicht. Schon die alten vorchristlichen Germanen kannten die Verbrennungen von Zauberern, die Schaden über die Menschen anhand ihres Glaubens brachten.
Der Glaube an Zauberern war schon in den alten Hochkulturen verbreitet. Magische Rituale wurden äußerst kritisch beobachtet und wurde als Schwarze Magie gefürchtet. Sogar in Babylonien und alten Ägypten wurden die Zauberer verfolgt und bestraft. Bei den Römern wurden Zauberer nach dem 12-Tafel-Gesetz mit dem Tod bestraft.

Der Begriff "Hexe" kam erst im Mittelalter (13. Jh.?) mit der Inquisition auf. Zielgerichtet waren nicht nur die Hexen, sonder vielmehr die Häretiker.
Die Hexenverfolgungen waren besonders drastisch in der frühen Neuzeit (von 1450 bis 1750). Höhepunkte dieser Verfolgungen waren aber in der Zeit von 1550 und 1650. Betroffen waren am stärksten West- und Mitteleuropa.

Sowie ich mal gelesen habe (fällt mir jetzt wieder ein), wurden Hexen verbrannt: "Die Seele der Hexen sollte durch das Feuer gereinigt werden".

Ich werde aber nochmal in meinem Buch schauen und nachlesen^^

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10.01.2017, 23:40
Beitrag: #8
RE: Warum hat man Ketzer verbrannt und nicht anderweitig hingerichtet?
Hier habe ich eine interessante Seite zu den Hexenverbrennungen: http://www.k-l-j.de/hexenverfolgung_irrtuemer.htm

So scheint so ziemlich alles falsch zu sein, was man über die Hexenverbrennungen tradiert. Auf die Frage, warum Verbrennungen, geht es allerdings nicht ein.

Ich selbst habe noch an der Primarschule (Lehrer war überzeugter Katholik...) gelernt, dass die der Hexerei verdächtigen gefoltert wurden, und wenn sie gestanden haben, wurden sie verbrannt.

Wieder andere behaupten, man habe so versucht festzustellen, ob die Verdächtigte eine Hexe sei. Wenn sie durchs Verbrennen umkam, war klar, dass sie keine Hexe war, wenn sie überlebt hätte, wäre sie eine gewesen. Ähnliche "Beweisführungen" durch solche Gottesurteile wurde auch durch ertränken oder gefesselt ins Wasser werfen geführt.
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11.01.2017, 11:09
Beitrag: #9
RE: Warum hat man Ketzer verbrannt und nicht anderweitig hingerichtet?
Man hat auch angebliche Hexen gefesselt und ins Wasser getaucht. Die sogenannte "Wasserprobe" bei Zauberern wurde schon bei den alten Babyloniern durchgeführt.
(lt. Codex Hammurapi: Wasserprobe)

@Marek: ich habe einige Bücher über Hexen in meiner kleinen Hausbibliothek. Doch bei deinem Link schau ich trotzdem mal rein.

EDIT:
nun kurz mal reingeschaut; aber...ich bin mir gar nicht so sicher, ob ich diesen Link als eine Quelle bezeichnen könnte...
Ich bin schon misstrauisch wenn schon allein das Impressum fehlt... Hhmm...

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11.01.2017, 21:02
Beitrag: #10
RE: Warum hat man Ketzer verbrannt und nicht anderweitig hingerichtet?
(10.01.2017 14:38)Arkona schrieb:  
(10.01.2017 14:24)Triton schrieb:  Hmm, mein Großeltern und meine Eltern lehnten die Urnenbestattung als "unchristlich" ab.
Hängt das damit zusammen, dass man "Ketzer" verbrannte?

Das hängt eher damit zusammen, dass die heidnische (kelto-germanische) Bevölkerung in "vorchristlicher Zeit" ihre Toten in der Regel verbrannte.
Aber interessanter Einwurf zum Thema, wollte die Kirche mit der Ketzerverbrennung so die "leibliche Wiederauferstehung am Tag des Jüngsten Gerichtes" verhindern, also doch nix Humanes, sondern die Höchststrafe?

Das glaube ich nicht. Ich bin der Meinung, dass, wie du angedeutet hast, mit dem Verbrennen die Vorstellung einer "reinigenden Wirkung" verbunden gewesen war. Jedenfalls wurden im Mittelalter für die verschiedenen Delikte unterschiedliche Hinrichtungsarten angewandt (brutal waren allerdings alle). Henken, Köpfen, Rädern, Sieden, Vierteilen, Schwemmen, Einmauern usw. war, in der Vorstellungswelt des Mittelalters, schon ein Unterschied. Das Verbrennen wurde tatäschlich vor allem bei Ketzern und Hexen (schon das ein Indiz, dass Hexen potenzierte Ketzer waren) angewandt, gelegentlich noch bie Münz- und Urkundenfälschern.

So meine ich schon, dass Hinrichtungsmethoden, bei denen Feuer oder Wasser eine Rolle spielten, stets einen "reinigenden" Charakter besassen. Beim Verbrennen wird dies besonders deutlich, da die Asche meist in alle Winde gestreut oder in einen Fluss geschüttet wurde.

Wie das Verbrennen sollte die Strafe des Ertränkens ebenfalls den Missetäter reinigen. Vorwiegend Frauen, die abgetrieben hatten, Kindsmörderinnen oder Diebinnen wurden auf diese Weise hingerichtet, aber auch Vergewaltiger, Gotteslästerer und Bigamisten.

Bei den Hexenverbrennungen in der Neuzeit, so etwa ab 1600, ist diese Vorstellung vermutlich nicht mehr vorhanden gewesen (vor allem nicht in den protestantischen Gebieten) und die Hinrichtung mit dem Scheiterhaufen dürfte der Tradition geschuldet gewesen sein.

PS
Meine Ansicht, dass Hexenprozesse als "erweitere Ketzenprozesse" zu interpretieren sind, wird hier ebenfalls vertreten.
https://www.historicum.net/themen/hexenf...g/lexikon/
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11.01.2017, 23:14
Beitrag: #11
RE: Warum hat man Ketzer verbrannt und nicht anderweitig hingerichtet?
(11.01.2017 21:02)Aguyar schrieb:  Vorwiegend Frauen, die abgetrieben hatten, Kindsmörderinnen oder Diebinnen wurden auf diese Weise hingerichtet, aber auch Vergewaltiger, Gotteslästerer und Bigamisten.
Dann muss das ja sehr verbreitet gewesen sein. Geklaut wurde sicher viel und Vielweiberei war sicher keine Seltenheit. Gab es damals nicht wegen der vielen Kriege ständig einen Mangel an Männern - weshalb der Islam mehrere Ehefrauen aus ganz pragmatischen Gründen tolerierte.

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22.01.2017, 19:01
Beitrag: #12
RE: Warum hat man Ketzer verbrannt und nicht anderweitig hingerichtet?
Zu diesem Thema hätte ich eine Frage.

Balthasar Hubmaier, Anführer der Täufer-Bewegung wurde am 10. März 1528 beim Stubentor in Wien auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Elsbeth Hügline, mit der er verheiratet war, wurde am 13. März 1528 in Wien ebenfall als Täuferin hingerichtet. Sie wurde in der Donau ertränkt.

Hat jemand hier, irgendeine Erklärung, warum das Ehepaar auf unterschiedliche Art hingerichtet wurde?

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Nur die Geschichtenschreiber erzählen uns, was die Leute dachten.
Wissenschaftliche Forscher halten sich streng an das, was sie taten.

Josephine Tey, Alibi für einen König
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22.01.2017, 20:17
Beitrag: #13
RE: Warum hat man Ketzer verbrannt und nicht anderweitig hingerichtet?
Ertränken war in der frühen Neuzeit eine übliche Hinrichtung speziell bei Frauen.
http://www.airport1.de/aimitalt.htm

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27.01.2017, 20:22
Beitrag: #14
RE: Warum hat man Ketzer verbrannt und nicht anderweitig hingerichtet?
(11.01.2017 23:14)Triton schrieb:  
(11.01.2017 21:02)Aguyar schrieb:  Vorwiegend Frauen, die abgetrieben hatten, Kindsmörderinnen oder Diebinnen wurden auf diese Weise hingerichtet, aber auch Vergewaltiger, Gotteslästerer und Bigamisten.
Dann muss das ja sehr verbreitet gewesen sein. Geklaut wurde sicher viel und Vielweiberei war sicher keine Seltenheit. Gab es damals nicht wegen der vielen Kriege ständig einen Mangel an Männern - weshalb der Islam mehrere Ehefrauen aus ganz pragmatischen Gründen tolerierte.

Vielweiberei war ja durchaus üblich und hatte auch einen rechtlichen Status, die Fridelehe. Die muß dann irgendwann abgeschaft worden sein.

viele Grüße

Paul

aus dem hessischen Tal der Loganaha (Lahn)
in der Nähe von Wetflaria (Wetzlar) und der ehemaligen Dünsbergstadt
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28.01.2017, 11:23
Beitrag: #15
RE: Warum hat man Ketzer verbrannt und nicht anderweitig hingerichtet?
Falls es die Friedelehe überhaupt gegeben hat, in der neueren Forschung wird davon ausgegangen, dass es sich dabei um ein späteres wissenschaftliches Konstrukt gehandelt hat. Jedenfalls dürfte die "Mehr-Ehe" offiziell bereits unter den Karolingern nicht mehr bestanden haben. Auch bei Karl dem Großen entsteht der Eindruck, dass er zwar mehrere Frauen gleichzeitig hatte, offiziell verheiratet war er aber immer nur mit einer bestimmten Frau.

Ehen zur linken Hand, die sich in späteren Jahrhunderten finden, dürften eher doch mit Blick auf die tatsächliche Zahl Ausnahmen gewesen sein.
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Bei dem Fall um das Täufer-Ehepaar Balthasar Hubmaier und Elsbeth Hügline finde ich auffallend, dass beide auf unterschiedliche Weise hingerichtet wurden, obwohl es eigentlich um dasselbe "Delikt" ging. Dass sie ertränkt wude, könnte vielleicht damit zusammenhängen, dass er als einer der Anführer galt, während sie nur als jemand gesehen wurde, der zu dieser Bewegung gehörte.

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PS: Danke an Arkona übrigens für die Antwort auf meine Frage.

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28.01.2017, 16:02
Beitrag: #16
RE: Warum hat man Ketzer verbrannt und nicht anderweitig hingerichtet?
(27.01.2017 20:22)Paul schrieb:  Vielweiberei war ja durchaus üblich und hatte auch einen rechtlichen Status, die Fridelehe. Die muß dann irgendwann abgeschaft worden sein.
Fallen die kruden Ideen Himmlers und anderer Nazi-"Vordenker" nicht genauso in die Kategorie "erlaubte Vielweiberei". Eigentlich war es sogar noch mehr, gewollte Vielweiberei.

Die Idealbilder Heinrich Himmlers waren aber wohl selbst für Nazi-Verhältnisse eher sonderbar und sind auch kein Thema hier.

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30.01.2017, 15:11
Beitrag: #17
RE: Warum hat man Ketzer verbrannt und nicht anderweitig hingerichtet?
(22.01.2017 19:01)Teresa C. schrieb:  Zu diesem Thema hätte ich eine Frage.

Balthasar Hubmaier, Anführer der Täufer-Bewegung wurde am 10. März 1528 beim Stubentor in Wien auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Elsbeth Hügline, mit der er verheiratet war, wurde am 13. März 1528 in Wien ebenfall als Täuferin hingerichtet. Sie wurde in der Donau ertränkt.

Hat jemand hier, irgendeine Erklärung, warum das Ehepaar auf unterschiedliche Art hingerichtet wurde?

Ich weiß nicht, ob ich jetzt richtig liege liebe Teresa.
Vielleicht lag es daran, das beide unterschiedlichen Lebenslauf hatten? Der sog. Hubmaier war ein katholischer Priester, Theologe und Antisemit.
Vielleicht spielte es eine Rolle, das er die unterschiedlichsten Charaktere traf, z. B. Martin Luther, wo Hubmaier sich mit deren Sakramentsverständnis auseinander setzte und versuchte, die Reformationen voranzutreiben? Oder auch das er unter dem Motto „Die Wahrheit ist untödtlich“ eine Schrift verfasste gegen die gewaltsame Bekehrung zum Glauben (Von ketzern und Iren verbrennern). Diese Schrift war Teil seiner Verteidigung gegen den Ketzervorwurf, den Johann Eck, sein ehemaliger Freund und Ingolstädter Lehrer, gegen ihn in Rom erhob.
Scheinbar hatte er ein wechselreiches Leben... Ferdinand I. ließ ihn wegen Aufruhr verhaften und als Ketzer wurde er schließlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Vielleicht hatte seine Ehefrau einen anderen Glaubensweg eingeschlagen, dass Ferdinand I. (der als böhmischer König, der die reformations- und täuferfreundliche Situation in Mähren änderte) es vorzog, diese Frau ertränken zu lassen? Denn ende 1525 floh sie mit ihrem Mann vor der bevorstehenden Einnahme Waldshuts nach Zürich und wurde dort mit ihm auf Betreiben des Zürcher Rates und Zwinglis inhaftiert.

(nachgelesen bei Tante Wiki, weil mir einiges auch nicht nicht klar war/ist; aber vielleicht weiß es jemand hier besser?)

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30.01.2017, 15:52
Beitrag: #18
RE: Warum hat man Ketzer verbrannt und nicht anderweitig hingerichtet?
(28.01.2017 11:23)Teresa C. schrieb:  Bei dem Fall um das Täufer-Ehepaar Balthasar Hubmaier und Elsbeth Hügline finde ich auffallend, dass beide auf unterschiedliche Weise hingerichtet wurden, obwohl es eigentlich um dasselbe "Delikt" ging. Dass sie ertränkt wude, könnte vielleicht damit zusammenhängen, dass er als einer der Anführer galt, während sie nur als jemand gesehen wurde, der zu dieser Bewegung gehörte.

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PS: Danke an Arkona übrigens für die Antwort auf meine Frage.

Wenn man diesen Hinrichtungen Arkonas These von der "reinigenden Wirkung" von Ketzerbestrafungen zugrunde legt, ist der Unterschied gar nicht mehr so gross. Neben dem Feuer hatte eben auch Wasser eine reinigende Wirkung. Schliesslich wurde auch Agenes Bernauer (der man u.a. ebenfalls Hexerei d.h. letztendlich Kezterei vorwarf) ertränkt.
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