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Wer hat den 2. Weltkrieg begonnen?
04.10.2018, 22:07
Beitrag: #17
RE: Wer hat den 2. Weltkrieg begonnen?
(03.10.2018 21:15)Turgot schrieb:  Die Frage, wer den 2.Weltkrieg herbeigeführt hat, stellt sich überhaupt nicht. Nazideutschland! Die Faktenlage ist so erdrückend, das eine Diskussion müßig ist.

Die massive Aufrüstung wurde bereits sehr frühzeitig in die Wege geleitet. Die Remilitarsierung des Rheinlands, das militärische Engagment in Spanien, der "Anschluss" Österreichs und der Griff nach Prag waren der Weg in Weltkrieg Nummer 2.

Wenn es um Revisionismus gegangen wäre, dann hätte spätestens mit dem Münchener Abkommen von 38 Schluss sein müssen. War es aber nicht.

Im März 39 forderte Hitler den Oberbefehlshaber des Heeres auf die "polnische Frage" zu bearbeiten. Diese Weisung folgte der Weigerung Polens sich den aggressiven deutschen Zielen unterzuordnen.

Das ist alles richtig.

Während der Weimarer Republik bemühte sich der deutsche Außenminister Gustav Stresemann um einen Ausgleich zu Polen. Wichtigster Verbündeter war Ulrich Rauscher, der von 1922 bis zu seinem Tod im Jahr 1930 als deutscher Gesandter in Polen wirkte. So kam es am 31. Oktober 1929, also 4 Wochen nach dem Tod von Stresemann, zu einem deutsch-polnischen Abkommen zur "Liquidierung der Vergangenheit", auch als deutsch-polnisches Liquidationsabkommen bekannt. Das Abkommen wurde in Warschau von Stresemanns Nachfolger Julius Curtius unterschrieben. Dass dieses Abkommen relativ wenig von der politischen Öffentlichkeit wahrgenommen wurde, hing sicher mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise zusammen.

Anfang der 1930-er wurde die polnische Außenpolitik maßgeblich von Joszef Pilsudski bestimmt. So kam es am 25. Juli 1932 zu einen polnisch-sowjetischen Nichtsangriffspakt und am 26. Januar 1934 zu einem auf 10 Jahre befristetes deutsch-polnischen Nichtangriffsabkommen. Polen beabsichtigte mit beiden Abkommen seine Unabhängigkeit zu festigen und ein Gleichgewicht in seinen Beziehungen zu Deutschland und zur Sowjetunion zu erreichen. Gleichzeitig sollte der seit ca. 9 Jahren bestehende Zollkrieg zwischen Polen und Deutschland beendet werden.

Polen nahm dafür in Kauf, dass das polnisch-französische Bündnis abkühlte. Von 1926 bis 1931 war Frankreich die wichtigste Stütze der polnischen Außenpolitik. Fakt ist aber, dass Polen sich im Herbst 1938 an der Seite Hitlerdeutschlands an der Zerschlagung der Tschechoslowakei beteiligte. Daraufhin verschlechterte sich aber das Verhältnis zwischen Polen und Deutschland. Großbritannien sah sich am 31. März und 6. April veranlasst, die polnische Integrität gegen eine direkte oder indirekte Aggression zu garantieren. Hitler kündigte dann am 28. April 1939 das deutsch-polnische Nichtangriffsabkommen. Er begründete dies mit dem angeblich unvereinbaren Widerspruch ("Einkreisung Deutschlands") des britisch-polnischen Abkommen mit dem deutsch-polnischen Nichtangriffsabkommen.

Weniger bekannt ist, dass Hitler ebenfalls am 28. April 1939 das deutsch-britische Flottenabkommen kündigte. Außerdem lehnte er den am 14. April 1939 gemachten Vorschlag des US-amerikanischen Präsidenten Roosevelt ab. Roosevelts Idee war, dass Deutschland einen noch zu schließenden Nichtangriffspakt mit 30 namentlich angeführten Staaten beitreten soll. Am 5. Mai 1939 wies Hitler die von Goebbels gleichgeschaltete Presse an, die Polemik gegen die Sowjetunion einzustellen.

Am 10. Mai 1939 verhandelte der britische Außenminister Lord Halifax in Moskau, mit dem Ziel, ein Beistandspakt - bestehend aus Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion - zur Wahrung der staatlichen Unabhängigkeit von Polen und Rumänien zu bilden. Stalin zog bewusst die Verhandlungen in die Länge.

Am 12. Mai 1939 wurde in London eine britisch-türkische Beistandserklärung unterzeichnet, der sich Frankreich anschloss (Beistandspakt zwischen Frankreich und Türkei vom 23. Juni 1939).

Am 30. Mai 1939 trafen sich in Berlin der sowjetische Diplomat Astachow und Ernst von Weizsäcker, Staatsekretär im deutschen Außenministerium. Beide sondierten die Möglichkeiten offizieller Vertragsverhandlungen. Weizsäcker überzeugte Astachow davon, dass die innenpolitische Verfolgung von Kommunisten in Deutschland nicht die deutsche Außenpolitik beeinflusst. Daraufhin beendete am 31. Mai der sowjetische Außenminister Molotow die (seit dem 10. Mai geführten) britisch-sowjetischen Verhandlungen.

Ebenfalls am 30. Mai 1939 wurde ein deutsch-dänischer Nichtangriffsvertrag unterzeichnet. Am 7. Juni 1939 schloss Deutschland mit Lettland und Estland Nichtangriffspakte.

Großbritannien schlug am 13. Juni 1939 Deutschland vor, einen Vertrag über Rüstungsbegrenzungen zu schließen. Weiterhin boten die Briten an, Deutschland beim Erwerb von Kolonien entgegen zu kommen. Am 23. Juni 1939 fragte der britische Außenminister Lord Halifax in Moskau an, ob die Sowjetunion überhaupt Interesse an einem Bündnis mit Großbritannien und Frankreich habe. Wegen der Einbeziehung der baltischen Staaten in das vorgesehene Bündnissystem akzeptierte die Sowjetunion die britischen Verhandlungsvorschläge nicht. Am 1. Juli 1939 überreichten britische und französische Gesandte der sowjetischen Regierung neue Vorschläge für einen Beistandspakt. Am gleichen Tag informierte der französische Außenminister Bonnet den deutschen Gesandten in Paris, dass Frankreich und Großbritannien keine Änderungen des Status Quo für Danzig und für den polnischen Korridor akzeptieren werde.

Zwischen dem 3. und 5. Juli 1939 bekundeten die Niederlande, die Schweiz, Estland und Lettland ihre Neutralität.

Am 25. Juli 1939 schlug Mussolini eine Sechsmächte-Konferenz mit Großbritannien, Frankreich, Polen, Spanien, Italien und Deutschland vor. Während dieser Konferenz sollte u.a. auch die Danzig- und Korridorfrage geklärt werden. Hitler lehnte diesen Vorschlag "als Ausdruck von Schwäche" ab. 2 Tage später hielt sich Hitler bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth auf, wo er folgende Anweisungen gab: 1. Das OKW sollte die Besetzung Danzigs vorbereiten und 2. Der deutsche Botschafter in der Sowjetunion, Schulenburg, sollte Molotow signalisieren, dass Deutschland die sowjetischen Forderungen gegenüber Polen und dem Baltikum akzeptiere. Am 6. August 1939 erklärte sich Hitler bereit, Moskau in Finnland und im Baltikum freie Hand zu geben. Seit dem 9. August 1939 fanden britische See- und Luftmanöver im Mittelmeer und in der Nordsee statt.

Am 12. August 1939 begannen in Moskau erneute Bündnisverhandlungen zwischen Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion. Am 16. August 1939 schlug Molotow einen deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt vor. Hitler nahm das Angebot an und schlug Vehandlungen in Moskau vor. Bereits am 19. August schlossen Deutschland und die Sowjetunion ein Handels- und Kreditabkommen. Die Reichsregierung gewährte der Sowjetunion einen Warenkredit von 200 Mio. RM. Am 20. August 1939 schlug Hitler Stalin die Aufnahme politischer Verhandlungen für den 22. oder 23. August vor.

Am 19. August 1939 - dem Tag, an dem das deutsch-sowjetische Handelsabkommen unterzeichnet wurde - lehnte der polnische Außenminister Beck die sowjetische Forderung nach einem Durchmarschrecht durch Polen ab. Bereits am 13. August 1939 empfing Hitler in Berchtesgarten den Völkerbundskommissar von Danzig, Carl Jakob Burckhardt, dem er mitteilte, dass in Kürze in und um Danzig Krieg wäre. Einen Tag später erläuterte Hitler (noch in Berchtesgarden) den OKW seinen Angriffsplan gegen Polen. Der Angriff gegen Polen sollte am 26. August beginnen. Hitler rechnete damit, dass Polen nach sechs bis acht Wochen besiegt wäre. Am 17. August 1939 informierte der Chef der deutschen Abwehr, Admiral Canaris, den Chef des OKW, General Keitel, dass Italien den Krieg Deutschlands gegen Polen nicht unterstützen werden. Wahrscheinlich nahm Canaris über seine Verbindungen zum italienischen Militärattaché Roata Einfluss auf Mussolinis Entscheidung.

Am 21. August 1939 wurden die Befehlshaber der vier Luftflotten über den beabsichtigten Angriff auf Polen informiert. Am selben Tag traf in Berlin die Einladung Stalins zu einer Konferenz ein. Daraufhin flog der deutsche Außenminister Ribbentrop an nächsten Tag nach Moskau, wo er mit Molotow - Bei Anwesenheit Stalins - verhandelte. Am 23. August wurde von Ribbentrop und Molotow der nach ihnen benannte Vertrag unterzeichnet, in dessen Zusatzprotokoll die beidseitigen Interessensphären aufgelistet waren. Noch am Abend des 23. August tagte in Frankreich der Kriegsrat.

Am 24. August 1939 übermittelte Lord Halifax eine Botschaft des britischen Premiers Chamberlain an Hitler. Diese beinhaltete, dass Großbritannien Polen in einem deutsch-polnischen Krieg unterstützen werde. Papst Pius XII. verkündete über den Rundfunk einen "Friedensappell für die ganze Welt".

Am 25. August 1939 empfing Hitler in Berlin den britischen und den französischen Botschafter. Er schlug den Briten eine Garantie des britischen Weltreichs durch Deutschland vor. Als Gegenleistung erwartete er die Rückgabe deutscher Kolonien und die Lösung des Konflikts mit Polen nach seinen Vorstellungen. Großbritannien schloss stattdessen einen auf 5 Jahre befristeten Bündnisvertrag mit Polen ab. Der US-Präsident Roosevelt appellierte an Deutschland und Polen, feindliche Maßnahmen zu unterlassen und Verhandlungen zu führen. Das Kriegs-/Schulschiff "Schleswig-Holstein" lief in die Danziger Bucht ein. (Es wird am 1. September 1939 mit seinen Schüssen auf die Danziger Westernplatte den Krieg beginnen.)

Am 26. August 1939 versuchte der französische Ministerpräsident Daladier vom Krieg gegen Polen abzubringen. Daladier informierte Hitler, dass im Falle eines Krieges, Frankreich Polen unterstützen werde. Hitler antwortete Daladier, dass er den Konflikt mit Polen "so oder so" lösen werde. Gleichzeitig versicherte er den Niederlande, Belgien und Luxemburg im Kriegsfall ihre Neutralität zu achten.

Am 27. August 1939 übermittelte Hitler dem schwedischen Industriellen Birger Dahlerus, einem Bekannten Hermann Görings, Vorschläge für eine deutsch-britische Verständigung. Der Schwede war bereits während des Jahres 1939 von Göring beauftragt wurden, geheime Verhandlungen mit britschen Politikern zu führen. Hitler schlug einen deutsch-britischen Pakt vor, vorausgesetzt die Briten ließen ihn in Polen freie Hand. Churchill riet Lord Halifax, die Teilmobilmachung der britischen Flotte anzuordnen und eine ablehnende Note an Hitler zu schicken. Am 29. August forderte Hitler Chamberlain auf, dafür zu sorgen, dass am nächsten Tag ein Bevollmächtigter des polnischen Sejm in Berlin erscheint. Polen verweigerte sich diesem Ansinnen.

Chamberlain setzte noch am 29. August die Streitkräfte in Alarmbereitschaft. Am 30. August 1939 übermittelte Ribbentrop dem britischen Botschafter in Berlin, Henderson, 16 Vorschläge zur Beilegung der internationalen Krise um Danzig und dem polnischen Korridor. Am 31. August 1939 erhielt die deutsche Luftwaffe ihren Einsatzbefehl für den nächsten Tag.

In der Sowjetunion verteidigte am 31. August 1939 Molotow den "Ribbentrop-Molotow-Vertrag" vor dem Obersten Sowjet. Er behauptete, dass der Vertrag nichts mit dem inneren Regime eines faschistischen Staates zu tun habe. (vgl. 30. Mai 1939 - Gespräche zwischen Astachow und Weizsäcker). Die in der Sowjetunion lebenden Mitglieder der KPD konnten diese Wende in der sowjetischen Außenpolitik nicht begreifen. Der im schwedischen Exil lebende Thomas Mann schrieb am selben Tag in sein Tagebuch: "Nicht ersichtlich, wie man dem Krieg noch ausweichen will. Voll-Mobilisation überall."

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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RE: Wer hat den 2. Weltkrieg begonnen? - Sansavoir - 04.10.2018 22:07

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