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Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
11.04.2014, 11:13
Beitrag: #21
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
(10.04.2014 20:00)Marek1964 schrieb:  
(10.04.2014 09:26)Renegat schrieb:  Und du meinst, fast die Hälfte der jüngeren Menschen in z.B. Spanien ist nicht an hartes Arbeiten gewöhnt und lernt nicht fleißig genug?

Habe ich so nicht behauptet - nur - wenn Wettbewerbsfähigkeit fehlt, ist man auch für die beiden anderen Tugenden schwer zu gewinnen. Will man fleissig lernen wenn man weiss, dass eh kein Job zu kriegen ist? Und hart arbeiten kann man auch nicht, wenn man keinen Job hat.

(10.04.2014 09:26)Renegat schrieb:  Die duale Ausbildung ist sicher ein positiver Punkt, funktioniert aber nur, wenn es Firmen gibt, die ausbilden.

Und ein Staat, der das sinnvoll unterstützt und Kosten mitträgt, und Schulen und Firmen zusammenarbeiten. Womit wir in gewisser Weise am Anfang dieses Threads uns wiederfinden.
So richtig steige ich durch deine Antworten noch nicht durch, Marek. Auch nicht durch die Antwort auf Bunburys Beitrag. Dabei fällt mir ein, dass auch in http://www.forum-geschichte.at/Forum/sho...8#pid34648 noch einige Fragen an dich offen sind.

ME macht man es sich zu einfach, wenn man nach dem Staat ruft, der steuernd und zahlend in die Wirtschaft eingreifen soll. Damit sind einzelne kleine Nationalstaaten nicht nur finanziell überfordert gegenüber den global agierenden Großkonzernen.
Die kleineren, mittelständischen, unternehmergeführten und regional verankerten Firmen investieren idR in die Nachwuchskräfte, schon aus Eigeninteresse.

Simples, nicht fiktives Beispiel: Durch die neuen Rentengesetze kann ein Bekannter, der in der kaufm. Auftragsbearbeitung tätig ist, in 3 Jahren in Rente gehen. Was tut sein Arbeitgeber (mittelständische Metallteileindustrie, ca 80 MA)? Er stellt ab Sommer einen Azubi ein, so dass der ausscheidende Kollege seinen Nachfolger selbst einarbeiten kann. Dieser Betrieb ist Zulieferer für europäische Möbelindustrie, letztere hat zunehmende Schwierigkeiten, weil Ikea, dänisches Bettenlager und die anderen globalen Billigheimer in China oder anderswo fertigen lassen.

Meinst du, dass jener Neuazubi ab Sommer einen sicheren Arbeitsplatz haben wird, auf der er seine Zukunft, eine Familie aufbauen kann? So wie sein Vorgänger das getan hat.
Und dass der Staat bei dem z.Zt. herrschenden neoliberalen Wirtschaftssystem realistische Einflussmöglichkeiten hat, ihn dabei zu unterstützen?
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11.04.2014, 14:45
Beitrag: #22
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
(10.04.2014 20:40)Marek1964 schrieb:  Ich kritisierte nicht die Leistungsbereitschaft, allenfalls die Leistungsfähigkeit (wobei auch das eine voreilige Interpretation Deinerseits wäre)

Zunächst mal zu den "voreiligen Interpretationen": Wer so sehr mit Schlagwörtern um sich wirft wie du und es dem Leser überläßt, sich schon das richtige rauszusuchen, muss sich nicht beschweren, wenn am Ende etwas verstanden wird, das der Schreiber nicht gemeint hat.Wink

(10.04.2014 20:40)Marek1964 schrieb:  - und das ist sowohl das Bildungssystem wie auch das Firmenumfeld und die Rahmenbedingungen verantwortlich.

Also: Inwieweit ist das Bildungssystem für die leistungsfähigkeit verantwortlich? Was ist mit "Firmenumfeld" gemeint und was siehst du als "Rahmenbedingungen" an?

(10.04.2014 20:40)Marek1964 schrieb:  
(10.04.2014 09:29)Bunbury schrieb:  Das alles will natürlich keiner hören. Da ist es einfacher zu sagen, die Jugendlichen wollen nicht.
Ist Deine linkspopulistische Interpretation meiner Forderung.

Ich schmeiß mich weg. S.O.


(10.04.2014 20:40)Marek1964 schrieb:  Meine Forderung, nüchtern interpretiert, nimmt eher den Staat und die Firmen in die Pflicht, dann vielleicht noch die Elterngeneration und allenfalls zu guter letzt auch die Jugend selbst. Die Jungen sind so gut, wie wir sie machen.

Nun aber mal Butter bei die Fische: Du redest von einer "Forderung", aber Forderung bedeutet so etwas wie "Maximal Klassengröße 20 zum leistungsgerechten Lernen". Das wäre dann eine konkrete Forderung.
Was du "forderst" erschließt sich mir nicht. Außer, daß Staat, Firmen und Eltern halt eben irgendwie alles besser machen sollen. Geht es vielleicht doch ein bißchen genauer?

(10.04.2014 20:40)Marek1964 schrieb:  Genau in diesem Sinne mein Post von vorher. All Deine Ausführungen zum Stukturwandel und zur gefährdeten Konkurrenzfähigkeit West- und Mitteleuropas bestätigen nur meine Forderung: Staat und Europa verbundene Firmen müssen Hand in Hand mit dem Rest der Gesellschaft für gemeinsame Perspektiven zusammenarbeiten.

Wie bitte soll denn eine gemeinsame Perspektive aussehen? Vielleicht wäre der erste Schritt einmal, eine gemeinsame Perspektive zu entwickeln, bevor man sich daran macht, darüber zu streiten, wie das damit verbundene Ziel erreicht werden kann.
Du verwendest wunderbare Schlagwörter, die du wunderbar ausformulierst- aber wenn man sich das alles mal ansieht- dann sagst du - nichts. Hast du schon mal darüber nachgedacht, in die Politik zu gehen?

(10.04.2014 20:40)Marek1964 schrieb:  Und schon wieder sind wir bei der Ausgangsfrage. Wenn sie nicht widersprochen wird, ja - dann haben wir die Erklärung. Wenn sich Politik wirklich zuwenig interessiert für die JAL*, dann macht sie was falsch.
Ja, sie interessiert sich zu wenig dafür.

(10.04.2014 20:40)Marek1964 schrieb:  Wobei ja die JAL* auch nur ein Folgeproblem ist.
Wovon?

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12.04.2014, 12:57
Beitrag: #23
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
Renegat, Bunbury,

diese Diskussionen hier wie im Thread Werteverfall sprengen wohl den Rahmen, den uns hier ein schriftliches, semi-duplexes Diskussionverfahren von Freizeitschreibern zulässt. Um diese Themenkreise seriös abzuarbeiten, bräuchte man eine Serie von Wocheendworkshops, professionell moderiert, mit dazwischen gelagerten Recherchearbeiten. Dann könnte man vielleicht sinnvolle Lösungen erarbeiten.

Aber vielleicht ist darin die Antwort auf die Threadfrage versteckt: Die JAL-Frage ist vielleicht deshalb nicht so interessant, weil sie komplex ist und Massnahmen erfordert, die nur sehr langfristig wirken, also auch keine kurzfristigen Erfolge bringen, die man als Stimmenmaximierer so dringend braucht, dies zumindest aus Sicht der Politik. Aus Sicht der Wirtschaft ist sie ein Kostenproblem (was Ausbildungsplätze anbelangt) und aus Sicht von vielen Bürgern wohl zu komplex.

Hier wird das so schwierig und zeitaufwendig. Was aber nicht heisst, dass in beiden Threads viel lesenswertes steht. Wenn ich mal mehr Zeit habe, werde ich vielleicht dann darauf eingehen, wobei ich mir bewusst bin: je mehr man schreibt, des grösser die Gefahr des Missverstehens. Je weniger, desto grösser die Gefahr, als Populist oder Vereinfacherer oder unkonkreter Schwätzer anzukommen.

Auf den Hinweis von Renegat, ich sei im Thread Werteverfall Antworten schuldig geblieben, verweise ich auf den dortigen Post von Titus:
http://www.forum-geschichte.at/Forum/sho...4#pid34644
den ich soweit für abschliessend und richtig halte.

Immerhin, einen konkreten positiven Fall habe ich erwähnt (DTIHK Initiative), und irgendwie baut das ja auch auf den zwei Jahre alten Post von Luki mit dem Foto auf. Ich denke, ich kann schon behaupten, etwas mehr als "nichts" zu sagen.

Ein Buch von den (linken!) Politikern, Rudolf Strahm und Simonetta Sommaruga, was zu tun ist, um ein Land wie die Schweiz konkurrenzfähig zu halten, kann ich hier empfehlen. Übrigens ist dort davon die Rede, dass für Lehrlinge der Berufseinstieg "hart" ist, im Gegensatz zu den Gymnasiasten, die ein dazu vergleichsweise lockeres Leben führen können und dies je nach Studienrichtung auch an der Uni weiterführen können.

http://www.hanser-literaturverlage.de/bu...12-00356-3

Abschliessend bitte ich um Verständnis, wenn ich nicht immer auf alles eingehen kann, auch wenn es interessant wäre. Denn wenn ich ja mit 422 Worten* nichts sage, wie Bunbury meint, dann kann ich ja mit keinen Worten nichts sagen und bin gleich unendlich effektiver!

__________
* Wordcount meiner bisherigen Posts in diesem Thread
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12.04.2014, 16:17
Beitrag: #24
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
Marek,

zunächst einmal ganz klar- ich habe an keiner Stelle behauptet, daß du generell nichts sagst, sondern habe konkrete Absätze und Sätze zitiert, in denen du eine Reihe von Begriffen verwendest, die nicht eindeutig belegt sind.
So stellst du irgendeine "Forderung" an Staat, Wirtschaft und Eltern, aber ich weiß immer noch nicht welche. Du redest von einer gemeinsamen "Perspektive", aber auch hier weiß ich nicht, was du eigentlich meinst.
Wie soll man über etwas diskutieren, wenn nicht einmal klar ist, was gemeint ist.

Du hast ein Beispiel gebracht. Gut. Aber was willst du damit sagen? Daß keiner einen Finger rührt, bevor er keine Nowtwendigkeit besteht? Daß man erst handelt, wenn es zu spät ist? Ich würde ja gerne darüber diskutieren, ob die von dir gezogenen Schlussfolgerungen die richtigen sind, aber die teilst du nicht mit.

Und ja, stimmt, wie werden hier die komplexen gesellschaftlichen Probleme nicht lösen können. Das ist auch nicht unsere Aufgabe. Ich betreibe das ganze hier zur Meinungsbildung und schätze Gesprächspartner außerordentlich, die mir Denkanstößte liefern oder mir helfen, meine eigenen Standpunkte zu konkretisieren. Solange würde mir auch nicht in den Sinn kommen, das als Zeitverschwendung zu betrachten.

Aber du bist ja irgendwann mal mit dem Ziel gestartet, Diskussionen in Gang zu bringen. Und Diskussionen leben nun mal davon, Thesen vorzustellen, sie zu verteidigen und zu widerlegen. Und nicht davon, sich zurückzuziehen, wenn man aufgefordert wird, seine Meinung mal zu konkretisieren....

Und damit ziehe ich mich einstweilen zurück. Ich muss noch ein paar Liedertexte auswendig lernen, die darüber hinaus auch meiner Bildung dienen sollen...Wink

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04.05.2014, 13:08
Beitrag: #25
Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
So endlich komme ich mal dazu die Lage etwas zu analysieren, große Lösungen kann ich leider auch nicht bieten:

Ich denke die Lage ist schwierig. Die Frage ist „was kann die Politik tun“? Diejenigen die den Großteil der Arbeitsplätze schaffen sind die Unternehmen und nicht der Staat. Das ist wohl ein Faktum. Künstlich tausende Arbeitsplätze zu schaffen, dazu reicht wohl auch die Finanzkraft der europäischen Staaten nicht und hätte wohl auch kaum Zukunft. Die Betriebe sind gesamt an Gewinn und Wachstum interessiert nicht unbedingt in der Lösung des Arbeitslosenproblems.

Das ganze ist jedoch für die betroffenen ein gigantisches Problem. Hatte das Glück bisher in meinem Leben nur selten Arbeitssuchend zu sein. Doch ich weiß die paar Monate wo das so war, waren alles andere als schön. Oft beginnt man sehr idealistisch, verliert jedoch sehr schnell an Hoffnung. So sehr man sich als Arbeitnehmer oft auf Urlaub und Freizeit freut, man merkt schnell wie sehr einem das „Umfeld“ und die „Aufgabe“ Arbeit abgeht. Ganz zu schweigen von den finanziellen Belastungen die im Falle von Jugendarbeitslosigkeit wohl oft auf die Familien zurückfällt.
Nochmals kurz zurück auf die psychologische Ebene, wenn man lange Arbeitslos ist und das als Jugendlicher entmutigt das extrem, einen Teil seiner Identität zu finden fällt extrem schwer. Und desto länger diese Zeit dauert desto schwerer wird es für die betroffenen dann noch was zu finden.

Was man tun kann ist schwierig. Weiß nicht ob das Österreichische Modell der Dualen Ausbildung mit Lehre wirklich so einzigartig ist (bin hier kein Experte), aber für mich stellt sich so gelobt es auch wird schon eine Frage. Wer ist heute noch sein ganzes Leben lang in einem Beruf bzw. im Beruf den er gelernt hat? Ist dieses System nicht eher sogar veraltet? Ob es wirklich eine Lösung ist weiß ich nicht, nicht nur wegen der von mir gestellten Frage, sondern auch weil ich nicht weiß wie das ganze in anderen EU-Ländern aussieht.

Zwei weitere Lösungsansätze von denen man immer wieder hört: Wirtschaftswachstum und Bildung. Bildung ist der Schlüssel? Das Fragezeichen ist nicht irgendein versehen sondern Absicht. Keine Frage am ehesten hat Europas Wirtschaft Chancen am Hochqualitätsmarkt Arbeitsplätze zu schaffen und da braucht es Bildung. Die Chancen für jemanden mit entsprechendem Abschluss sind höher usw. Aber Bildung alleine schafft noch keine (oder kaum) Arbeitsplätze und nach einer langen Ausbildungslaufbahn ohne Arbeit dazustehen (oder eine machen zu müssen für die man mehr als überqualifiziert ist) ist wohl auch nicht gerade lustig. Bildung spielt also sicher eine Rolle, aber ob es die alleinige, allgemeine Lösung ist, bezweifle ich etwas.

Wachstum alles recht und schön, aber woher soll denn dieses gigantische Wachstum plötzlich kommen? Sicher gibt es Wachstumsbranchen, aber es gibt eben auch die Abwanderung in Billiglohnländer. Und ich persönlich bin mir nicht sicher ob diese blinde Vertrauen auf das „ewige Wachstum“ wirklich ein so gutes Gesamtkonzept für die Zukunft ist.

Ach ja, die Suche nach Arbeitsplätzen in anderen Bereichen Europas gibt’s ja auch noch. Alles recht und schön, aber um so viel Mobilität zu verlangen muss es wirklich ein Top-Job sein. Denn wer wandert schon aus und bricht die Kontakte zum gesamten bisherigen Umfeld ab, um dann irgendeinen „Niedriglohnjob“ zu bekommen. Geben tut es das sicher, aber als Förderlich erscheint mir diese Art der Mobilität nicht.
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05.05.2014, 19:30
Beitrag: #26
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
(09.04.2014 23:01)WDPG schrieb:  Eigentlich traurig, der Tread ist ca. 2 Jahre alt, die damals angesprochene Lage ist jedoch so mein Eindruck nicht besser, eher sogar schlechter geworden.

Frage an das Forum: Was könnte die Politik Europas tun um die Lage der Jugend in Europa (in dieser Hinsicht) zu verbessern?
Die Frage ist meiner Meinung nach sehr schwer zu beantworten, da es verschiedene Ursachen für die hohe Jugendarbeitslosigkeit in den verschiedenen EU-Staaten gibt.
Spanien hat zum Beispiel das Problem, dass die Wirtschaft bis zur Lehman Pleite hauptsächlich auf dem Bausektor beruhte, der natürlich voll vor die Hunde ging.
Jetzt ist, wegen der hohen Verschuldung der Privathaushalte, Banken, Kommunen und CC.AAs kein Geld mehr zum investieren oder konsumieren da um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.
In dem Video hier wird das ganz gut erklärt:
http://www.youtube.com/watch?v=aAE1417VFeM
Ist zwar auf Spanisch, aber mit deutschen Untertiteln.

Im Gegensatz dazu hatte zum Beispiel Portugal schon immer eine eher schwache Wirtschaft und auch das Bildungssystem lässt zu wünschen übrig.
Auch sind in den letzten Jahre einige Stützen der portugisischen Wirtschaft weggebrochen, da in anderen Ländern billiger produziert werden kann.
Daher war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis Portugal (wieder) in eine Krise rutscht.

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05.05.2014, 20:05
Beitrag: #27
RE: Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
(04.05.2014 13:08)WDPG schrieb:  So endlich komme ich mal dazu die Lage etwas zu analysieren, große Lösungen kann ich leider auch nicht bieten:

Ich denke die Lage ist schwierig. Die Frage ist „was kann die Politik tun“? Diejenigen die den Großteil der Arbeitsplätze schaffen sind die Unternehmen und nicht der Staat. Das ist wohl ein Faktum. Künstlich tausende Arbeitsplätze zu schaffen, dazu reicht wohl auch die Finanzkraft der europäischen Staaten nicht und hätte wohl auch kaum Zukunft. Die Betriebe sind gesamt an Gewinn und Wachstum interessiert nicht unbedingt in der Lösung des Arbeitslosenproblems.
Stimmt.
Vielleicht hötte die europäische Politik die Banken nicht retten dürfen, wie es z.B. die Isländern getan haben.
Der isländische Präsident sieht darin einen der Hautpgründe für das schnelle erholen seines Landes von der Wirtschaftskrise.
http://heftig.co/olafur-grimsson/?ref=facebook

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-124276495.html
(04.05.2014 13:08)WDPG schrieb:  Zwei weitere Lösungsansätze von denen man immer wieder hört: Wirtschaftswachstum und Bildung. Bildung ist der Schlüssel? Das Fragezeichen ist nicht irgendein versehen sondern Absicht. Keine Frage am ehesten hat Europas Wirtschaft Chancen am Hochqualitätsmarkt Arbeitsplätze zu schaffen und da braucht es Bildung. Die Chancen für jemanden mit entsprechendem Abschluss sind höher usw. Aber Bildung alleine schafft noch keine (oder kaum) Arbeitsplätze und nach einer langen Ausbildungslaufbahn ohne Arbeit dazustehen (oder eine machen zu müssen für die man mehr als überqualifiziert ist) ist wohl auch nicht gerade lustig. Bildung spielt also sicher eine Rolle, aber ob es die alleinige, allgemeine Lösung ist, bezweifle ich etwas.
Die Frage würde ich ganz ehrlich gesagt mit nein beantworten, wenn ich z.B. an Spanien denke. Die jungen Leute dort sind sehr gut ausgebildet und qualifiziert. Trotzdem sind die meisten von ihnen Arbeitslos.
Bildung ist bestimmt ein wichtiger Faktor, um Wirtschaftswachstum zu generieren, jedoch nicht der einzige.
(04.05.2014 13:08)WDPG schrieb:  Wachstum alles recht und schön, aber woher soll denn dieses gigantische Wachstum plötzlich kommen? Sicher gibt es Wachstumsbranchen, aber es gibt eben auch die Abwanderung in Billiglohnländer. Und ich persönlich bin mir nicht sicher ob diese blinde Vertrauen auf das „ewige Wachstum“ wirklich ein so gutes Gesamtkonzept für die Zukunft ist.
Ist es auch nicht, nur können wir die Lösung dafür auf später verschieben. Wink Shade
(04.05.2014 13:08)WDPG schrieb:  Ach ja, die Suche nach Arbeitsplätzen in anderen Bereichen Europas gibt’s ja auch noch. Alles recht und schön, aber um so viel Mobilität zu verlangen muss es wirklich ein Top-Job sein. Denn wer wandert schon aus und bricht die Kontakte zum gesamten bisherigen Umfeld ab, um dann irgendeinen „Niedriglohnjob“ zu bekommen. Geben tut es das sicher, aber als Förderlich erscheint mir diese Art der Mobilität nicht.
Hier muss ich ganz klar sagen, dass das keine gute Idee, bzw. Lösung ist. Für die Migranten und die aufnehmenden EU-Länder ist das zwar von Vorteil, da die Migranten einen Job finden und die aufnehmenden Länder ihreren Fachkräftemangel ausgleichen können (z.B. Deutschland).
Für die "abgebenden" EU-Länder ist dies jedoch eine Katastrophe, da ihnen so qualifizierte Kräfte fehlen und sie so kaum aus der Rezession kommen werden.

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05.05.2014, 22:15
Beitrag: #28
RE: Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
(05.05.2014 20:05)Annatar schrieb:  Bildung ist bestimmt ein wichtiger Faktor, um Wirtschaftswachstum zu generieren, jedoch nicht der einzige.

Eigentlich steckt in diesem einzigen Satz schon der Kernpunkt des Problemes. Du sprichst davon "Wirtschaftswachstum zu generieren".
Genau das ist das Problem.
Wenn man so weit ist, daß Wachstum "generiert" werden muss, dann bedeutet es, daß das Wachstum schon künstlich ernährt und beatmet werden muss und aus sich selbst heraus schon längst nicht mehr wächst.

Genau das ist passiert. Unterm Strich betrachet wächst die Wirtschaft eben schon lange nicht mehr. Das einzige, was wir haben, ist eine Umverteilung. Arbeitnehmer werden durch Computerprogramme ersetzt (angeblich Wirtschaftswachstum, was die Umsätze anbetrifft), anstelle von Lohn gibt es Dividenden. Und unterm Strich bringen diese Dividenden dann doch weniger ein als die Löhne zuvor.
Es schaut nur leider keiner genau hin, weil jeder damit beschäftigt ist, "Quizduell" auf dem neuesten Smartphone zu spielen. Solange man sich das neueste technische Gerät leisten kann (und damit "Wachstum generiert") fällt halt auch keinem auf, daß er überall sonst weniger hat...

Wachstum generiert man nicht, in dem man in teure Ausbildung investiert...

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05.05.2014, 22:30
Beitrag: #29
RE: Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
(05.05.2014 22:15)Bunbury schrieb:  [
Wachstum generiert man nicht, in dem man in teure Ausbildung investiert...

Nicht unbedingt in teure, aber in eine effektive. Wachstum heisst ja nicht anderes als Wohlstandsvermehrung. Wir produzieren mit weniger mehr. Dafür muss man mehr drauf haben. Nicht nur mehr und teurer gelernt haben, aber das richtige und es dann auch richtig anwenden..
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05.05.2014, 22:36
Beitrag: #30
RE: Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
(05.05.2014 22:15)Bunbury schrieb:  
(05.05.2014 20:05)Annatar schrieb:  Bildung ist bestimmt ein wichtiger Faktor, um Wirtschaftswachstum zu generieren, jedoch nicht der einzige.

Eigentlich steckt in diesem einzigen Satz schon der Kernpunkt des Problemes. Du sprichst davon "Wirtschaftswachstum zu generieren".
Genau das ist das Problem.
Wenn man so weit ist, daß Wachstum "generiert" werden muss, dann bedeutet es, daß das Wachstum schon künstlich ernährt und beatmet werden muss und aus sich selbst heraus schon längst nicht mehr wächst.

Genau das ist passiert. Unterm Strich betrachet wächst die Wirtschaft eben schon lange nicht mehr. Das einzige, was wir haben, ist eine Umverteilung. Arbeitnehmer werden durch Computerprogramme ersetzt (angeblich Wirtschaftswachstum, was die Umsätze anbetrifft), anstelle von Lohn gibt es Dividenden. Und unterm Strich bringen diese Dividenden dann doch weniger ein als die Löhne zuvor.
Es schaut nur leider keiner genau hin, weil jeder damit beschäftigt ist, "Quizduell" auf dem neuesten Smartphone zu spielen. Solange man sich das neueste technische Gerät leisten kann (und damit "Wachstum generiert") fällt halt auch keinem auf, daß er überall sonst weniger hat...

Wachstum generiert man nicht, in dem man in teure Ausbildung investiert...
Doch, denn die gute (teure) Ausbildung sorgt letzten Endes auch für Wachstum. Allerdings erst in ein paar Jahren und nicht jetzt und sofort.

Da liegt meiner Meinung auch der Knackpunkt, denn es kommt eben darauf an, wie das Wirtschaftswachstum erzeugt wird.
Entsteht es durch neue Ideen, Technologien etc. oder dadurch, dass Firmen ihre Personalkosten senken, indem sie Leiharbeiter einstellen oder immer mehr Computer einsetzen und dadurch Personel entlassen. Was du eben beschreibst.
Da zweites kein richtiges Wirtschaftswachstum ist, hast du mit deiner Aussage recht.
Ich würde jedoch eher dazu tendieren zu sagen, dass das Wirtschaftswachstum sich von der Wohlstandsverteilung/-zunahme abgekoppelt hat. Denn während die Wirtschaft subjektiv gesehen wächst und dadurch machen Menschen immer reicher werden, stürzen immer mehr Menschen ins Elend.

O.T.: Du hast nicht zufälligerweise auch den Film "Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte" von Michel Moore gesehen oder??

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05.05.2014, 23:00
Beitrag: #31
RE: Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
(05.05.2014 22:36)Annatar schrieb:  Doch, denn die gute (teure) Ausbildung sorgt letzten Endes auch für Wachstum. Allerdings erst in ein paar Jahren und nicht jetzt und sofort.

Und warum sind dann so viele junge, gutausgebildete Menschen arbeitslos?

(05.05.2014 22:36)Annatar schrieb:  Da liegt meiner Meinung auch der Knackpunkt, denn es kommt eben darauf an, wie das Wirtschaftswachstum erzeugt wird.
Entsteht es durch neue Ideen, Technologien etc.

Ein Problem ist doch, daß, um neues Wachstum zu generieren, wie im Fieberrausch ständig neue Technologien in gnadenlosem Tempo "generiert" werden, denen der Durchschnittsmensch doch gar nicht mehr gewachsen ist. Alles änder sich so rasant schnell, daß man sich eigentlich gar nicht mehr die Mühe machen muss, den neuesten Technologiestandard mitzumachen- bis man sich das angeeigent hat, hat man den nächsten ja schon wieder fast verpaßt.
Mit "Wohlstand" hat das nichts mehr zu tun. Ressourcen werden verschwendet, um Wachstum zu erzeugen, das 90 % der Menschen nur Stress macht.

Welchen Sinn soll bitte so eine fortgeschrittene Technologie haben? Was wir brauchen ist nicht das quantitative Wachstum, sondern ein qualitatives Wachstum, das nicth auf die Erzielung von Gewinnen aus ist, sondern darauf, den Wohlstand der Menschen zu erhöhen.

(05.05.2014 22:36)Annatar schrieb:  O.T.: Du hast nicht zufälligerweise auch den Film "Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte" von Michel Moore gesehen oder??
Nee, habe ich nicht. ich habe zwar einige andere Filme von Moore gesehen (sehr gut gemacht, aber natürlich wahnsinnig populisitsch...), aber den kenne ich nicht...

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05.05.2014, 23:24
Beitrag: #32
RE: Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
(05.05.2014 23:00)Bunbury schrieb:  
(05.05.2014 22:36)Annatar schrieb:  Doch, denn die gute (teure) Ausbildung sorgt letzten Endes auch für Wachstum. Allerdings erst in ein paar Jahren und nicht jetzt und sofort.

Und warum sind dann so viele junge, gutausgebildete Menschen arbeitslos?
Weil sie was gelernt haben, wofür es kaum Arbeitsplätze gibt??
Weil die Betriebe lieder Leiharbeiter einstellen??
Weil ihr Heimatland in einer Wirtshcaftskrise steckt??
(05.05.2014 23:00)Bunbury schrieb:  
(05.05.2014 22:36)Annatar schrieb:  Da liegt meiner Meinung auch der Knackpunkt, denn es kommt eben darauf an, wie das Wirtschaftswachstum erzeugt wird.
Entsteht es durch neue Ideen, Technologien etc.

Ein Problem ist doch, daß, um neues Wachstum zu generieren, wie im Fieberrausch ständig neue Technologien in gnadenlosem Tempo "generiert" werden, denen der Durchschnittsmensch doch gar nicht mehr gewachsen ist. Alles änder sich so rasant schnell, daß man sich eigentlich gar nicht mehr die Mühe machen muss, den neuesten Technologiestandard mitzumachen- bis man sich das angeeigent hat, hat man den nächsten ja schon wieder fast verpaßt.
Mit "Wohlstand" hat das nichts mehr zu tun. Ressourcen werden verschwendet, um Wachstum zu erzeugen, das 90 % der Menschen nur Stress macht.

Welchen Sinn soll bitte so eine fortgeschrittene Technologie haben? Was wir brauchen ist nicht das quantitative Wachstum, sondern ein qualitatives Wachstum, das nicth auf die Erzielung von Gewinnen aus ist, sondern darauf, den Wohlstand der Menschen zu erhöhen.
Stimmt auch wieder.
(05.05.2014 23:00)Bunbury schrieb:  
(05.05.2014 22:36)Annatar schrieb:  O.T.: Du hast nicht zufälligerweise auch den Film "Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte" von Michel Moore gesehen oder??
Nee, habe ich nicht. ich habe zwar einige andere Filme von Moore gesehen (sehr gut gemacht, aber natürlich wahnsinnig populisitsch...), aber den kenne ich nicht...
Das ist sein neuster Film und behandelt die amerikanische Wirtschaftskrise.
Einige Aussagen darin erinneren mich an einige deiner Aussagen, deswegen dachte ich, du hättest den Film vllt. gesehen.
Ein Populist ist Michel Moore sicher, aber er zeigt auch sehr gut zusammenhänge auf, die man bei anderen Dokus vermisst.

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05.05.2014, 23:50
Beitrag: #33
RE: Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
(05.05.2014 22:15)Bunbury schrieb:  
(05.05.2014 20:05)Annatar schrieb:  Bildung ist bestimmt ein wichtiger Faktor, um Wirtschaftswachstum zu generieren, jedoch nicht der einzige.

Eigentlich steckt in diesem einzigen Satz schon der Kernpunkt des Problemes. Du sprichst davon "Wirtschaftswachstum zu generieren".
Genau das ist das Problem.
Wenn man so weit ist, daß Wachstum "generiert" werden muss, dann bedeutet es, daß das Wachstum schon künstlich ernährt und beatmet werden muss und aus sich selbst heraus schon längst nicht mehr wächst.

Genau das ist passiert........

Wachstum generiert man nicht, in dem man in teure Ausbildung investiert...

Finde ich gut analysiert, wohin soll man auch endlos wachsen? Man kann nicht immer mehr und mehr haben. Das Problem ist halt das man keine anderen Ideen und keine anderen Systeme hat. Aber es wird ja nicht nur gefordert weiter zu wachsen, nein es soll auch immer wieder neuer Rekordzahlen bei Veranstalltungen, noch höhere Umsätze als im Vorjahr in Geschäften usw. geben. Nur wie soll das ewig gehen?

Denke schon das da ein großes Problem liegt. Das dieses Wachstum um jeden Preis kommen muss, sieht man ohnehin in vielen Bereichen (leider).
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05.05.2014, 23:52
Beitrag: #34
RE: Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
(05.05.2014 22:30)Marek1964 schrieb:  
(05.05.2014 22:15)Bunbury schrieb:  [
Wachstum generiert man nicht, in dem man in teure Ausbildung investiert...

Nicht unbedingt in teure, aber in eine effektive. Wachstum heisst ja nicht anderes als Wohlstandsvermehrung. Wir produzieren mit weniger mehr. Dafür muss man mehr drauf haben. Nicht nur mehr und teurer gelernt haben, aber das richtige und es dann auch richtig anwenden..

Der Wohlstand wird vielleicht mehr, aber der Wohlstand von wen? Wirklich von der großen Mittelschicht also vom Durschnittsverdiener? Und heißt mehr finanzieller Wohlstand wirklich immer auch mehr Lebensqualität?

Und mit weniger mehr prduzieren, muss doch auch irgendwann mal an Grenzen stoßen.
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06.05.2014, 00:00
Beitrag: #35
RE: Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
(05.05.2014 22:36)Annatar schrieb:  Doch, denn die gute (teure) Ausbildung sorgt letzten Endes auch für Wachstum. Allerdings erst in ein paar Jahren und nicht jetzt und sofort.

Ja das stimmt schon, Bildung trägt sicher auch dazu bei die Arbeitslosigkeit der Jugend zu senken, aber das Wundermittel wie manche tun ist sie eben auch nicht.
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06.05.2014, 00:06
Beitrag: #36
RE: Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
(05.05.2014 23:00)Bunbury schrieb:  Was wir brauchen ist nicht das quantitative Wachstum, sondern ein qualitatives Wachstum, das nicth auf die Erzielung von Gewinnen aus ist, sondern darauf, den Wohlstand der Menschen zu erhöhen.

Bitte nicht falsch verstehen. Klingt gut, aber ist leider gar nicht so einfach zu realisieren. Nehmen wir eine Aktiengesellschaft, Gewinn ist für diese wichtig, damit die Aktien kräftig steigen. Wie soll der Boss dort, der ja auch nur ein sehr gut bezahlter Mitarbeiter der AG ist ernsthaft sagen "Nachhaltigkeit kommt bei uns vor Gewinn". Oder wie soll ein Staat sagen "uns ist es lieber nicht so zu wachsen, China und co. holen uns halt ein".

Wie gesagt bin absolut deiner Meinung, leider ist das ganze aber extremst schwierig zu verwirklichen. Denke aber man sollte sich zumindest (auch als Politik) bemühen wenigstens nicht nur das Wachstum als Ziel zu sehen, sonder auch anderes genauso in den Vordergrund zu stellen. Etwa Werte und Visionen, beides (und das kann man Parteiübergreifend und ich habe die Befürchtung auch Grenzübergreifend sagen) fehlen den Parteien und Politikern aber.
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06.05.2014, 00:11
Beitrag: #37
RE: Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
(05.05.2014 23:00)Bunbury schrieb:  Nee, habe ich nicht. ich habe zwar einige andere Filme von Moore gesehen (sehr gut gemacht, aber natürlich wahnsinnig populisitsch...), aber den kenne ich nicht...

Übrigens: Weiß nicht ob es Michael Moore oder der österreichische Filmemacher Erwin Wagenhofer war, aber einer von diesen wieß schon vor der spanischen Immobilienkrise darauf hin das es zu dieser kommen könne.

Was mich im Nachhinein dann doch sehr erstaunte.
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06.05.2014, 09:55
Beitrag: #38
RE: Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
(06.05.2014 00:06)WDPG schrieb:  
(05.05.2014 23:00)Bunbury schrieb:  Was wir brauchen ist nicht das quantitative Wachstum, sondern ein qualitatives Wachstum, das nicth auf die Erzielung von Gewinnen aus ist, sondern darauf, den Wohlstand der Menschen zu erhöhen.

Bitte nicht falsch verstehen. Klingt gut, aber ist leider gar nicht so einfach zu realisieren. Nehmen wir eine Aktiengesellschaft, Gewinn ist für diese wichtig, damit die Aktien kräftig steigen. Wie soll der Boss dort, der ja auch nur ein sehr gut bezahlter Mitarbeiter der AG ist ernsthaft sagen "Nachhaltigkeit kommt bei uns vor Gewinn". Oder wie soll ein Staat sagen "uns ist es lieber nicht so zu wachsen, China und co. holen uns halt ein".

Wie gesagt bin absolut deiner Meinung, leider ist das ganze aber extremst schwierig zu verwirklichen. Denke aber man sollte sich zumindest (auch als Politik) bemühen wenigstens nicht nur das Wachstum als Ziel zu sehen, sonder auch anderes genauso in den Vordergrund zu stellen. Etwa Werte und Visionen, beides (und das kann man Parteiübergreifend und ich habe die Befürchtung auch Grenzübergreifend sagen) fehlen den Parteien und Politikern aber.

Ich weiß, daß das sehr idealistisch gedacht ist. Aber ich bin darüber hinaus davon überzeugt, daß wir umdenken müssen, was das anbetrifft, weil es ansonsten ein böses Erwachen gibt. Wir haben viel zu lange auf die Formel "Wachstum schafft Wohlstand" gesetzt. Man muss aber absolut blind sein, wenn man diese Formel immer noch herunterbetet. Wir haben quantitaives Wachstum, aber der Wohlstand ist eben nicht gewachsen. Immer mehr Bezieher kleiner Einkommen können ihre Stromrechnungen nicht zahlen. Immer mehr Leute müssen Gelder vom Staat beantragen, obwohl sie vollzeit arbeiten. Junge Menschen verharren jahrelang in Praktikantenstellen. Immer weniger junge Menschen können es sich leisten, eine Familie zu gründen, weil sie immer nur befristete Arbeitsplätze bekommen.
Und das in einem Land, in dem das Wirtschaftswachstum weit über dem europäischen Durchschnitt ist.
Damit ist die Formel "Wachstum schafft Wohlstand" ad absurdum geführt.
Volkswirtschaftlicher "Wohlstand" bedeutet ja letztendlich, das sich das Gesamtniveau der Lebensbedingungen einer Volkswirtschaft bessert. Das haben wir defintiv nicht....

Auf dem Grabstein dess Kapitalismus wird stehen: "Zuviel war nicht genug"
Volker Pispers
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06.05.2014, 12:51
Beitrag: #39
RE: Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
(06.05.2014 09:55)Bunbury schrieb:  Ich weiß, daß das sehr idealistisch gedacht ist. Aber ich bin darüber hinaus davon überzeugt, daß wir umdenken müssen, was das anbetrifft, weil es ansonsten ein böses Erwachen gibt. Wir haben viel zu lange auf die Formel "Wachstum schafft Wohlstand" gesetzt. Man muss aber absolut blind sein, wenn man diese Formel immer noch herunterbetet. ....

Leider sind dann die meisten Politker (Parteiübergreifend und auch Grenzübergreiffend, denn den Satz hört man in Österreich genauso wie in Deutschland und auch von EU-Politikern oft) blind.

Bin mir gar nicht sicher ob der Wohlstand nicht schon insgesamt gewachsen ist, selbst von Armut betroffene Leute können sich heute Dinge wie ein Handy leisten. Arm sein heißt nicht verhungern müssen und Kinder des Mittelstandes haben heute wohl wesentlich mehr Spielsachen usw. zur Verfügung als früher (behauptet zumindest immer die Generation meiner Eltern und Großeltern).
Die Frage ist nur wo ist der Preis des Wohlstandes? Ein Handy haben wenn man sichs eigentlich nicht leisten kann, weil man muss (auch um eine Jobaussicht zu haben) ist schön und gut, aber wie bezahlen. Mehr Spielzeug ersetzt auch nicht den Freiraum der überall zerstört wird und nicht den familäre Kontakt der immer kleiner wird, weil keiner mehr Zeit hat.

Was ich damit sagen möchte: Der Wohlstand ist bei einigen mehr gestiegen als bei anderen. Bei den anderen ist er vielleicht sogar auch gestiegen, aber wie gesagt der Preis ist hoch.

Oder eine überspitzes Beispiel: So viel Arbeit und so hohen Druck, das man dann die absolute Entspannung in einem extrem teuren Wellnessbetrieb suchen kann - für den man dann wieder mehr Arbeiten muss um sich den leisten zu können.

Wie gesagt wir liegen da auf der gleichen Wellenlänge - auch ich denke es muss ein Umdenken geben - bin aber nicht so optimistisch wie du. Einfach deshalb weil ich egal ob Rot, Schwarz, Blau oder Grün noch immer die oben zitierte Wachstumsparole höre und nicht das Gefühl habe das sich allzuviele in der Realpolitik oder Realwirtschaft Gedanken darüber machen wie der Weg sonst gehen könnte (OK, es gibt schon Denker, Philosophen usw. die sich laut über neue Modelle äußern, diese wie die totale Abschaffung des Geldes usw. erscheinen mir dann aber wieder nicht wirklich realisierbar).
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06.05.2014, 19:27
Beitrag: #40
RE: Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
(06.05.2014 00:00)WDPG schrieb:  
(05.05.2014 22:36)Annatar schrieb:  Doch, denn die gute (teure) Ausbildung sorgt letzten Endes auch für Wachstum. Allerdings erst in ein paar Jahren und nicht jetzt und sofort.

Ja das stimmt schon, Bildung trägt sicher auch dazu bei die Arbeitslosigkeit der Jugend zu senken, aber das Wundermittel wie manche tun ist sie eben auch nicht.
Jep. Außerdem führt die Austeritätspolitik der Euro-Staaten gerade dazu, dass in vielen Staaten bei der Bildung gespart wird, was dem Ziel einer guten Bildung entgegensteht.

"Auflehnung ist das heiligste aller Rechte und die notwendigste aller Pflichten."
Marquis de La Fayette
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