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Germanisch/deutsche Dialekte
20.03.2018, 15:08
Beitrag: #221
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
Witz und verkürzt itz z.B. Katowitz, welches auf polnisch Katowice genannt wird. kommt als Endung vom slawischen wice gleich Dorf. Die neue Form kommt von der Eindeutschung.
In und ig wird es auch im Westen geben. Beispiele müßte ich aber suchen. In hat alte indogermanische Wurzeln und ist auch bei Kelten häufig. Ig ist im Deutschen eine beliebte Endung z.B. Zeisig, fleisig. Ig ist eine Alternative zu ich als Endung.

viele Grüße

Paul

aus dem hessischen Tal der Loganaha (Lahn)
in der Nähe von Wetflaria (Wetzlar) und der ehemaligen Dünsbergstadt
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20.03.2018, 15:30
Beitrag: #222
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(20.03.2018 15:08)Paul schrieb:  Witz und verkürzt itz z.B. Katowitz, welches auf polnisch Katowice genannt wird. kommt als Endung vom slawischen wice gleich Dorf. Die neue Form kommt von der Eindeutschung.
In und ig wird es auch im Westen geben. Beispiele müßte ich aber suchen. In hat alte indogermanische Wurzeln und ist auch bei Kelten häufig. Ig ist im Deutschen eine beliebte Endung z.B. Zeisig, fleisig. Ig ist eine Alternative zu ich als Endung.

Zeisig kommt auch auch dem Slawischen, genau wie Stieglitz. Dann such mal weiter, ich lasse mich gern widerlegen

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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21.03.2018, 21:54
Beitrag: #223
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
In Norditalien gibt es das Veltlin Hochtal, vielleicht auch ein Gewässer. Das ist bestimmt ein keltischer Name. Die Endung in ist verbreitet.

https://www.welt.de/wirtschaft/article13...oehen.html

viele Grüße

Paul

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21.03.2018, 22:59
Beitrag: #224
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
Da hast du aber lange und weit gesucht. Sicher, dass da nicht vorgepreschte Slawen (Slowenen) dahinter stecken?

Aber egal, aus Deutschland hast du offenbar nix gefunden.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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21.03.2018, 23:53
Beitrag: #225
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
Namen wie Berlin und Stettin sind ja keine slawischen Namen, also warum ist die Endung in in den neuen Bundesländern häufig? Ich denke aber, es ist dieselbe Form wie das ing in Bayern, dort mit g ganz hinten.

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_..._in_Bayern

Auch die slawischen Vorbilder für die itz Endungen sind ja ganz anders. Das slawische Votwort für Stiglitz ist ja ein anderes Wort - szczygieł.

In der Schweiz finden wir den Tessin, welches aber die deutsche Bezeichnung ist.

viele Grüße

Paul

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22.03.2018, 10:05
Beitrag: #226
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(21.03.2018 21:54)Paul schrieb:  In Norditalien gibt es das Veltlin Hochtal, vielleicht auch ein Gewässer. Das ist bestimmt ein keltischer Name. Die Endung in ist verbreitet.

https://www.welt.de/wirtschaft/article13...oehen.html

Das Veltlin ist und war seit dem Mittelalter nur die deutsche Übersetzung von Valtellina. Der Fluss des Veltlins ist die Adda.

Der Name des Tals bezieht sich auf den Ort Teglio, val ist italienisch für "Tal" also ist das "Valtellina" das Tal von Teglio.
Teglio hiess in der Römerzeit Tellius, hat also keinen keltischen Ursprung.

Du kannst nicht die deutsche Übersetzung von andersprachigen Orts- und Flurnamen als Basis für Herkunfts-Thesen verwenden:
Teglio hiess im Mittelalter auf deutsch "Tell" und dennoch kam der Wilhelm Tell nicht von dort.
Im rätoromanischen Sprachraum gibt es die Ortschaft Savognin, die hiess im Mittelalter auf deutsch "Schweiningen" und so hiess sie nur, weil die Leute, die den Ortschaftsnamen ins Deutsche übersetzt haben, eben den alemannischen Dialekt sprachen - deshalb die "ingen" Endung.
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22.03.2018, 10:23
Beitrag: #227
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(21.03.2018 23:57)Flora_Sommerfeld schrieb:  
(21.03.2018 23:53)Paul schrieb:  Namen wie Berlin und Stettin sind ja keine slawischen Namen, also warum ist die Endung in in den neuen Bundesländern häufig? Ich denke aber, es ist dieselbe Form wie das ing in Bayern, dort mit g ganz hinten.

Auch die slawischen Vorbilder für die itz Endungen sind ja ganz anders. Das slawische Votwort für Stiglitz ist ja ein anderes Wort.

In der Schweiz finden wir den Tessin, welches aber die deutsche Bezeichnung ist.

In der Schweiz gibt es auch ein Reutlingen!
Was willst du mit deiner Darstellung zur Ortsnamen herleiten?

Du kannst absout sicher sein dass Ortschaftsnamen, die auf ingen enden. alemannischen Ursprungs sind (deshalb gibt es die hauptsächlich in Baden-Württemberg und der Deutschschweiz).

Im vorliegenden Fall ist die Deutung auch sonst einfach: "Reutlingen" weist auf den mittelalterlichen Landesausbau hin - das Dorf entstand durch Rodung. Alle "Reuten", "Rüti", "Rütli", aber auch "Rath", "Reit" (Reit im Winkel) etc. beziehen sich auf Rodung.

Auch die "Schwanden" und "Schwendi" gehen auf mittelal. Landesausbau durch Rodung zurück (schwenden meint das Entfernen der Rinde von den Bäumen).

Die vielen "Ronco" in Norditalien haben denselben Ursprung. "Roncola" ist die Hippe, das Werkzeug, mit dem u.a. gerodet wird.
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22.03.2018, 11:34
Beitrag: #228
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
Ristorante Ticinese
und der zugehörige Fluss heißt Ticino

Fasst alle schwäbisch/allemannischen Ortsnamen gibt es mehrfach, wobei es unterschiedliche Erklärungen dafür gibt.

Auf der Alb bei Zwiefalten gibt es einen Ort Namens "Upflamör" Namensherkunft ganz klar koreanisch. Oder kanaanitisch?

Nö, ursprünglich hieß der Ort Oberpflummern. Dei einen sagen der wäre zu "Upflamör" verballhornt, andere schreiben von einem franz. Karthografen der schlecht verstand.
Vielleicht stimmt beides.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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23.03.2018, 11:02
Beitrag: #229
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(21.03.2018 23:53)Paul schrieb:  Namen wie Berlin und Stettin sind ja keine slawischen Namen...

Doch, genau das sind sie...
Es gibt noch Dutzende kleinerer Orte im Nordosten, die auf -in enden.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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23.03.2018, 12:02
Beitrag: #230
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
Ich habe nicht geschrieben, das es keinen Bezug dieser Namen zu slawischen Worten gibt, aber es gibt keinen slawischen Ortsnamen Berlin. Irgendwie soll aus dem Wort für trockne Erde im Sumpf Brl(den ich nicht kenne) der Name Berlin hergeleitet sein. Scheinbar werden bei solchen Eindeutschungen wie aus dem Italienischen gerne die Endungen in verwendet.

viele Grüße

Paul

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23.03.2018, 16:17
Beitrag: #231
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(23.03.2018 12:02)Paul schrieb:  Ich habe nicht geschrieben, das es keinen Bezug dieser Namen zu slawischen Worten gibt, aber es gibt keinen slawischen Ortsnamen Berlin. Irgendwie soll aus dem Wort für trockne Erde im Sumpf Brl(den ich nicht kenne) der Name Berlin hergeleitet sein. Scheinbar werden bei solchen Eindeutschungen wie aus dem Italienischen gerne die Endungen in verwendet.


Die Endung -in ist im Westslawischen sehr wohl verbreitet
Cammin, Wolin, usw usf

habe ich mal just for fun Wiki befragt, und da steht
Zitat:Der Name Berlin leitet sich vermutlich von dem slawischen Begriff br’lo bzw. berlo mit den Bedeutungen ‚Sumpf, Morast, feuchte Stelle‘[38] oder ‚trockene Stelle in einem Feuchtgebiet‘ sowie dem in slawischen Ortsnamen häufigen Suffix -in ab. Dafür spricht vor allem, dass der Name in Urkunden immer wieder mit Artikel auftaucht

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12.12.2019, 17:56
Beitrag: #232
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
In SPON wird bejammert/bejubelt, dass sich die Sprache immer mehr nivellieren würde.

https://www.spiegel.de/wissenschaft/mens...00797.html

"Dialekte würden unbeliebter...."

TongueTeethShade

also zumindest im Oberdeutschen Sprachraum stimmt das nun überhaupt nicht.
Da liebt man seine Sprache/Mundart/Dialekt Wilted_rose

Auf jeden Fall ist der Artikel-Schreiber auch kein echter Fachmann
er schreibt davon, dass sich die "Hochdeutschen" Formen immer mehr durchsetzen würden.
Von wegen "Hochdeutsch" er meint "Standard-Deutsch" oder "Schrift-Deutsch"
aus wiki
Zitat:Die hochdeutschen Dialekte befinden sich südlich der Benrather Linie (vereinzelt wird auch die Uerdinger Linie zur Trennung genommen) und zerfallen wiederum in mittel- und oberdeutsche Subdialekte. Sie umfassen regionale Sprachvarietäten der höher gelegenen Gebiete des deutschen Sprachraumes und weisen als gemeinsames Charakteristikum die vollständig oder teilweise durchgeführte zweite oder (alt)hochdeutsche Lautverschiebung auf.

Zitat:Die allgemein gebräuchliche Kurzbezeichnung „Hochdeutsch“ kann leicht missverstanden werden, da sie von den meisten Sprechern gleichbedeutend mit „Standarddeutsch“ bzw. „Schriftdeutsch“ gebraucht wird

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12.12.2019, 18:49
Beitrag: #233
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
Nun ist mir in dem Zusammenhang das "Muggaseggele" mal wider untergekommen.

Es ist inzwischen von einem Fachwissenschaftler vermessen:
Zitat:Mit dem Ausdruck ist aber mittlerweile der Aedeagus, das die Spermien übertragende Zeugungsglied der Stubenfliege, gemeint.[3] Diesen Körperteil der Stubenfliege hat ein Entomologe vom Stuttgarter Naturkundemuseum wissenschaftlich vermessen. Laut seiner Untersuchung liegt der Durchschnittswert bei 0,22 Millimetern.[4] Dies entspricht rund 1⁄115 Zoll.

das klingt nach recht wenig. Der Schwabe hat aber noch eine andere Definition, "auf alle Fälle etwas kleiner wie das Gegenstück"

nochmal aus wiki
Zitat:Der „Seckel“ ist eines der wenigen explizit sexuell konnotierten Schimpfwörter in der deutschen Sprache, in der sonst eher mit Ausdrücken der Fäkalsprache verunglimpft wird.[3] Hingegen wird die Bezeichnung Muggeseggele nicht als Schimpfwort verwendet und ist dementsprechend auch kindertauglich. So wird zum Beispiel in der in Fellbach nahe Stuttgart spielenden Kinder- und Jugendfernsehserie Ein Fall für B.A.R.Z. des Südwestrundfunks (SWR) die schwäbische Redewendung A muggeseggele Zeit hädde mer no! (hochdeutsch ‚Ein bisschen Zeit hätten wir noch!‘) verwendet

Ergo: Dialekt ist Sprache und Sprache lebt!

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24.12.2019, 11:57
Beitrag: #234
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(12.12.2019 17:56)Suebe schrieb:  In SPON wird bejammert/bejubelt, dass sich die Sprache immer mehr nivellieren würde.

https://www.spiegel.de/wissenschaft/mens...00797.html

"Dialekte würden unbeliebter...."

TongueTeethShade

also zumindest im Oberdeutschen Sprachraum stimmt das nun überhaupt nicht.
Da liebt man seine Sprache/Mundart/Dialekt Wilted_rose

Auf jeden Fall ist der Artikel-Schreiber auch kein echter Fachmann
er schreibt davon, dass sich die "Hochdeutschen" Formen immer mehr durchsetzen würden.
Von wegen "Hochdeutsch" er meint "Standard-Deutsch" oder "Schrift-Deutsch"
aus wiki
...

Fakt ist allerdings, dass Dialekt eigentlich nur mehr bei den älteren und "mittelalterlichen" Generationen geschätzt wird. Für die jetzige Generation sind gutes Aussehen und die Kenntnis (oder angebliche) Kenntnis vieler internationaler Sprachen das Qualitätsmerkmal, wobei jemand, der nicht wenigstens eine slawische Sprache beherrscht oder zu beherrschen vorgibt, in Österreich heute gar nicht mehr als Mensch gesehen wird, wie ich erst neulich selbst erlebt habe. In der Kärntner Straße gibt es inzwischen auch nur mehr Sahne, ich habe den Eindruck, dass die Cafés, Eissalons etc. inzwischen gar nicht mehr wissen, was Obers oder Schlagobers bedeutet.

Auf Wikipedia gibt es zwar Kategorien wie "österreichbezogen" etc., "dialektale" Ausdrücke sind jedoch von denen, die dort das Sagen haben, nicht erwünscht und werden, wo es nur geht, gleich ausgemerzt oder durch einwandfrei hochdeutsche Worte ersetzt, siehe zum Beispiel: Jänner.

Von der oberösterreichischen Landeshymne, die unter den Landeshymnen in Österreich eine Sonderstellung einnimmt, sie wurde zur Gänze im (Innviertler) Dialekt verfasst (zum Vergleich: der Text der Vorarlberger Landeshymne verwendet zwar die Bezeichnung Ländle, ist aber abgesehen von diesem Wort hochdeutsch), existiert inzwischen bereits eine Übersetzung ins Hochdeutsche beziehungsweise eine hochdeutsche Fassung.
-------------

Dass das Hochdeutsche als Sprache in den deutschsprachigen Ländern in Europa nicht ausreicht beziehungsweise in Wirklichkeit die eigentliche Fremdsprache ist, habe ich lebenslang beobachten dürfen. Zumindest in Österreich war das Hochdeutsche zu der Zeit, als ich aufgewachsen bin, die Fremdsprache, damals sprachen "richtige" Österreicherinnen und Österreicher gewöhnlich Dialekt (und nur in Ausnahmefällen wie bei einem Behördengang oder auf der Universität bei einem Vortrag wurde die Kenntnis der hochdeutschen Sprache positiv aufgenommen). Heute ist das nicht viel anders, nur dass der Dialekt inzwischen durch "Migrantensprachen" wie Serbokroatisch ersetzt wurde.

Wenn ich deutschsprachige Bücher lese, die vor 2000 geschrieben wurden, fällt mir immer wieder auf, was für eine schöne deutsche Sprache damals selbst in der Unterhaltungsliteratur und oft sogar in der Trivialliteratur zu finden war. Was die Bücher in deutscher Sprache betrifft, die nach 2000 geschrieben wurden, fällt dagegen auf, dass am ehesten Übersetzungen von fremdsprachigen Büchern diesen Standard haben. Ansonsten lässt die sprachliche Finesse selbst bei jenen deutschsprachigen Büchern sehr zu wünschen übrig, die ihren Autorinnen oder Autoren einen Preis (oder wenigstens eine Nominierung) eingebracht haben, oder die sogar durch Stipendien gefördert wurden.

Auffallend ist auch, dass zumindest in Österreich, das inzwischen keinen eigenständigen Buchmarkt mehr hat, auch eine gewisse eigenständige Note verloren geht, wie ich vor Monaten in einer Diskussion erlebt habe. Damals ging es um die Frage einer jungen Autorin, die ein Manuskript auf dem Markt bringen wollte, ob sie ihren Helden bei Hofer oder bei Aldi einkaufen lassen sollte. Ihr Literaturagent hatte ihr empfohlen, ihn unbedingt bei Aldi einkaufen zu lassen, weil das Buch sonst am deutschsprachigen Markt keine Chance haben würde.

Abgesehen davon, dass es jedenfalls erschütternd ist, wenn es tatsächlich von solchen Kleinigkeiten abhängt, ob das Buch Publikationschancen hat, hätte ich die Entscheidung selbst nach folgendem Kriterium getroffen: nach dem Schauplatz. Wenn das Buch in einer österreichischen Stadt spielt, hätte ich ihn zu Hofer geschickt, wenn die Handlung beziehungsweise dieser Handlungsteil in Deutschland spielt, hätte ich ihn zu Aldi geschickt. Und wenn der Held eine Österreicher in Deutschland ist oder ein Deutscher in Österreich hätte ich vielleicht noch eine Anspielung darauf eingebaut, dass er die Handelskette zu Hause unter einem anderen Namen kennt. Die Autorin löste ihr Problem übrigens, in dem sie den Helden in einen namenlosen Disconter einkaufen schickte.

So wie es aussieht, werden deutschsprachige Dialekte und deutsche Sprachen bald nur mehr ein Thema für exotische Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftler sein.

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Nur die Geschichtenschreiber erzählen uns, was die Leute dachten.
Wissenschaftliche Forscher halten sich streng an das, was sie taten.

Josephine Tey, Alibi für einen König
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24.12.2019, 14:07
Beitrag: #235
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
Ich kann Teresa zustimmen. Die sächsischen Dialekte haben einen schlechten Leumund (aufgrund der Wiedergabe im TV) und deswegen versuchen vor allem junge Menschen hochdeutsch zu reden. Das Verwenden des Hochdeutschen wird oft auch als soziale Abgrenzung verwendet. Es soll die Zugehörigkeit zu einer weltoffenen, gebildeteten und urbanen Mittelschicht anzeigen. Das Sächsische wird mit der Zugehörigkeit zur bildungsfernen, provinziellen Unterschicht verbunden. Das ist sehr schade. Kabarettisten bzw. Schauspieler wie die Dresdner Tom Pauls und Wolfgang Stumph oder ihre Leipziger Kollegen Bernd-Lutz Lange und Gunter Böhmke versuchen die sächsische Mundarten am Leben zu erhalten und ihre Präsenz als kulturelles Erbe zu erhalten, aber ihr Publikum ist jenseits der 40 oder 50.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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24.12.2019, 16:33
Beitrag: #236
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(24.12.2019 14:07)Sansavoir schrieb:  Ich kann Teresa zustimmen. Die sächsischen Dialekte haben einen schlechten Leumund (aufgrund der Wiedergabe im TV) und deswegen versuchen vor allem junge Menschen hochdeutsch zu reden. Das Verwenden des Hochdeutschen wird oft auch als soziale Abgrenzung verwendet. Es soll die Zugehörigkeit zu einer weltoffenen, gebildeteten und urbanen Mittelschicht anzeigen. Das Sächsische wird mit der Zugehörigkeit zur bildungsfernen, provinziellen Unterschicht verbunden. Das ist sehr schade. Kabarettisten bzw. Schauspieler wie die Dresdner Tom Pauls und Wolfgang Stumph oder ihre Leipziger Kollegen Bernd-Lutz Lange und Gunter Böhmke versuchen die sächsische Mundarten am Leben zu erhalten und ihre Präsenz als kulturelles Erbe zu erhalten, aber ihr Publikum ist jenseits der 40 oder 50.
heute
Nun ja, man hört trotzdem fast immer heraus, wo der betreffende Sprecher sozialisiert wurde. Frau Merkel kann bis ihre uckermärkischen Wurzeln nicht verleugnen und auch bei TV-Sprechern erkennt man sofort ihre jeweilige schwäbische, bayerische oder sächsische Herkunft. Einigermaßen immun dagegen sind höchstens Leute aus der Gegend von Hannover. Ich kenne keinen Österreicher, der wirklich unauffälliges Hochdeutsch spricht.
Es sind in der Regel schwer beschreibliche Nuancen, wie die Klangfarbe.

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27.12.2019, 18:09
Beitrag: #237
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
Nun ja,
Fakt ist aber, dass Dialektsprecher lebenslang Vorteile haben.
Die Zweisprachigkeit ab Geburt dient ganz zweifellos der Gehirnbildung.

TT
Die Mundart, der Dialekt unterliegt einem ständigen Wandel. Ich denke man kann keineswegs von einem "Verschwinden" reden. Angleichen, abschleifen OK,
andererseits entstehen aber laufend neue Formen.

Eine mMn ganz dramatische Entwicklung ist der derzeitige Wegfall der Artikel in Wort und Schrift
das betrifft aber die Standartsprache, keineswegs den Dialekt.

NS: Die Merkel ist aus der Uckermark!,
wisst ihr, wie sie in der Uckermark zur Kartoffel sagen?
Nudel!
auf Ehre und Gewissen

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28.12.2019, 13:30
Beitrag: #238
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
Dann möchte ich noch darauf hinweisen, dass in der Schweiz seit gut 20 Jahren die gegenteilige Entwicklung wie ihr sie oben beschrieben habt, abläuft.
Es kommen immer mehr Fernseh- und Rundfunksendungen auf Schwyzerdütsch, was nichts anderes als Alemannisch ist.
Auch Nachrichtensendungen, die früher grundsätzlich auf Standartdeutsch gesendet wurden, sind inzwischen überwiegend Dialekt.

Natürlich beherrschen die Schweizer das Standarddeutsch, und wenn sie "dir" etwas verkaufen wollen, benutzen sie es auch, aber keine Chance wenn der Standarddeutschsprecher von ihnen etwas will, was sie nicht wollen.
Die verstehen ihn einfach nicht.DevilAngelBatIdea

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01.01.2020, 13:35
Beitrag: #239
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(28.12.2019 13:30)Suebe schrieb:  Dann möchte ich noch darauf hinweisen, dass in der Schweiz seit gut 20 Jahren die gegenteilige Entwicklung wie ihr sie oben beschrieben habt, abläuft.
Es kommen immer mehr Fernseh- und Rundfunksendungen auf Schwyzerdütsch, was nichts anderes als Alemannisch ist.
Auch Nachrichtensendungen, die früher grundsätzlich auf Standartdeutsch gesendet wurden, sind inzwischen überwiegend Dialekt.

Natürlich beherrschen die Schweizer das Standarddeutsch, und wenn sie "dir" etwas verkaufen wollen, benutzen sie es auch, aber keine Chance wenn der Standarddeutschsprecher von ihnen etwas will, was sie nicht wollen.
Die verstehen ihn einfach nicht.DevilAngelBatIdea

Ich vwemute mal, das es auch in der Deutschschweiz so ist wie in anderen deutschen Regionen, das die überregionalen Dialekte sich auch dem Hochdeutschen nähern. In Zürich wird wohl sowieso hochdeutsch gesprochen.

viele Grüße

Paul

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02.01.2020, 16:02
Beitrag: #240
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
zitat paul
Zitat:Ich vermute mal, das es auch in der Deutschschweiz so ist wie in anderen deutschen Regionen, das die überregionalen Dialekte sich auch dem Hochdeutschen nähern. In Zürich wird wohl sowieso hochdeutsch gesprochen.

natürlich wird in Zürich "Hochdeutsch" gesprochen, das Alemannische ist ein Hochdeutscher Dialekt, das Zürichdeutsch ist ein Hochalemannischer Dialekt weiter südlich und dem Himmel noch näher, im Wallis, spricht man dann Höchstalemannisch.
Was du meinst ist Standartdeutsch.

Geschrieben wird in der Schweiz, in Zürich natürlich auch, Standartdeutsch, klar.
Aber gesprochen alemannisch, Zürichdeutsch, auch klar. Weit überwiegend.

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