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Vereinigung KPD + SPD in der SBZ
23.04.2021, 17:16
Beitrag: #1
Vereinigung KPD + SPD in der SBZ
Vor 75 Jahren im April 1946
vereinigten sich die OST-SPD und die Ost-KPD unter sanftem Druck der Sowjetadministration in der Sowjettischen Besatzungszone.

SPON
https://www.spiegel.de/geschichte/spd-kp...e70c536d9c

In manchen Teilen der SPD konnte man dem Gedanken durchaus etwas abgewinnen.
Jedoch Kurt Schumacher war explizit dagegen.

OT: ca. 1970 hatte ich einen Gemeinschaftskundelehrer, damals Bildungsobmann der Kreis-SPD.
Dem war die Sache überaus peinlich, er erklärte uns wie sich die KPD mit Grotewohl einen typischen "Looser" ausgesucht hätte, der in einer Gesamtdeutschen SPD absolut keine Rolle hätte spielen können,
und so eine Chance sah ins "Licht" zu gelangen, eine große Nummer zu werden.

"Die Inflation muss als das hingestellt werden, was sie wirklich ist, nämlich als Betrug am Staatsbürger, der um einen Teil seines Einkommens, aber noch mehr um seine Ersparnisse gebracht wird.!" (Ludwig Erhard, Bundeskalnzler 1963 bis 1966)
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23.04.2021, 23:59
Beitrag: #2
RE: Vereinigung KPD + SPD in der SBZ
(23.04.2021 17:16)Suebe schrieb:  Vor 75 Jahren im April 1946
vereinigten sich die OST-SPD und die Ost-KPD unter sanftem Druck der Sowjetadministration in der Sowjettischen Besatzungszone.

SPON
https://www.spiegel.de/geschichte/spd-kp...e70c536d9c

In manchen Teilen der SPD konnte man dem Gedanken durchaus etwas abgewinnen.
Jedoch Kurt Schumacher war explizit dagegen.

OT: ca. 1970 hatte ich einen Gemeinschaftskundelehrer, damals Bildungsobmann der Kreis-SPD.
Dem war die Sache überaus peinlich, er erklärte uns wie sich die KPD mit Grotewohl einen typischen "Looser" ausgesucht hätte, der in einer Gesamtdeutschen SPD absolut keine Rolle hätte spielen können,
und so eine Chance sah ins "Licht" zu gelangen, eine große Nummer zu werden.


Interessantes Thema!
Grundsätzlich hat sich aber auch nicht die Westzone und die SPD dort Machtpolitisch überworfen bzw. in Szene gesetzt.
Da haben wohl die vorherrschenden Besatzungsmächte ihre Ideologien vollumfänglich umgesetzt ungeachtet der neuen Möglichkeiten für ein Gesamtdeutschland nach dem Krieg.
Oder warum wurde in der Westzone schon 1956 die KPD verboten? (Hinweis, McCarthy-Ära)

Nie darf man so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken....
Erich Kästner
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24.04.2021, 10:02
Beitrag: #3
RE: Vereinigung KPD + SPD in der SBZ
(23.04.2021 23:59)Flora_Sommerfeld schrieb:  [quote='Suebe' pid='71950' dateline='1619191010']
./.

Oder warum wurde in der Westzone schon 1956 die KPD verboten? (Hinweis, McCarthy-Ära)

Nicht schon Flora, erst!
Nachdem die KPD ja zweifellos Ziele verfolgte die so gar nicht auf dem Boden des Grundgesetzes standen.
Was anders lautende Lippenbekenntnisse wert waren, wurde in kurzen Abständen immer aufs neue klar gelegt, Prag, Warschau, Berlin, Budapest wurden zu den Beweisen.
Thumbs_down

"Die Inflation muss als das hingestellt werden, was sie wirklich ist, nämlich als Betrug am Staatsbürger, der um einen Teil seines Einkommens, aber noch mehr um seine Ersparnisse gebracht wird.!" (Ludwig Erhard, Bundeskalnzler 1963 bis 1966)
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24.04.2021, 12:07
Beitrag: #4
RE: Vereinigung KPD + SPD in der SBZ
Wolfang Leonhard "Die Revolution entlässt ihre Kinder" hat es gut beschrieben, er der mit Ulbricht gleich nach Kriegsende mit dem Flugzeug aus Moskau in Berlin landete.
Ullbricht : "es muß demokratisch aussehen, aber wir müssen die gesamte Kontrolle behalten".

Wer sich als Sozialdemokrat der Kontrolle entzog landete im KZ. Ja im KZ der Nazis die ja vom NKWD weiterbetrieben wurden in Mitteldeutschland.
Jeder normal denkender Sozialdemokrat hat nach dem Krieg gewußt was aus Stalins UdSSR in die Sowjetzone rüberschwappte. Jeder politische Führer der Sozialdemokratie der die Naziherrschaft überlebte, kannte über Verbindungen auch das was sich unter Stalin abspielte in den '30-'41 igern, als nicht konforme Kommunisten entweder liquidiert oder an die GESTAPO ausgeliefert wurden.
Der von der SED programmierte "Sozialismus" war nur eine Verschleierungstaktik. Schon in den frühen '50igern wurden Sozialdemokraten die vorher fast "gleichgestellt" an vermeintlichen Machtpositionen saßen, entfernt oder auf unbedeutende Posten abgeschoben.
Bestes Beispiel auch Erich Honeckers zweite Frau Edith Baumann (ehem.SPD) nach der Scheidung.
Das war nie auf Augenhöhe gedacht und schon gar nicht gemacht.
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24.04.2021, 14:38
Beitrag: #5
RE: Vereinigung KPD + SPD in der SBZ
Die Ostzone war von dem Sowjetischen Regime geprägt, ohne jeden Zweifel.
Dabei hat sich die DDR als Sozialistisch oder gar Kommunistisch dargestellt (analog dem großen Bruder)aber insgesamt wurde der politische Begriff missbraucht.
Die DDR war eine Militärdiktatur, nicht mehr aber auch nicht weniger. Unter welchen Mantel sich das Regime politisch versteckte, spielt letztlich keine Rolle, immerhin waren die Nazis ja auch sozialistisch, steht zumindest im Parteinamen.

Nie darf man so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken....
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24.04.2021, 14:53
Beitrag: #6
RE: Vereinigung KPD + SPD in der SBZ
(24.04.2021 10:02)Suebe schrieb:  
(23.04.2021 23:59)Flora_Sommerfeld schrieb:  [quote='Suebe' pid='71950' dateline='1619191010']
./.

Oder warum wurde in der Westzone schon 1956 die KPD verboten? (Hinweis, McCarthy-Ära)

Nicht schon Flora, erst!
Nachdem die KPD ja zweifellos Ziele verfolgte die so gar nicht auf dem Boden des Grundgesetzes standen.
Was anders lautende Lippenbekenntnisse wert waren, wurde in kurzen Abständen immer aufs neue klar gelegt, Prag, Warschau, Berlin, Budapest wurden zu den Beweisen.

Die Beweise kannst du nicht gegen die KPD verwenden, da hier nicht die politische Richtung maßgeblich war, sondern Regime die sich einem Machtanspruch sicherten, unter dem Mantel des Sozialismus.
Interessant ist dann die Linke Bewegung in der Westzone in den 68er Jahren, wo den Jungen Leuten aufgeht, wer eigentlich im ach so freien Westen noch die Fäden zog. Da wundert es mich auch nicht, daß ca.10 Jahre vorher ein politischer Gegner einfach eliminiert wurde aber solche Parteien wie die NPD neuen Fuß fassen konnten.
Und wenn wir schon dabei sind, wie die Besatzungsmächte ihre Doktrin auf ihre Gebiete in Deutschland einsetzten, war es eben bei dem Amies in den 50 der Kommunistenhass, der extrem Blühten trieb.

Nie darf man so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken....
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25.04.2021, 16:28
Beitrag: #7
RE: Vereinigung KPD + SPD in der SBZ
Wolfgang Leonhardt ("Die Revolution entlässt ihre Kinder") schilderte, wie er 1946 die Vereinigung in einem Kreisverband erlebte. Der sowjetische Stadtkommandant lud die jeweiligen örtlichen Parteivorsitzenden der KPD und SPD ein, eine reichhaltige Tafel (Nachkriegszeit!) lockte.
"Nun, setzen und essen".
...
"Nun trinken".
...
"Nun geben Hand".
?...?
Danach bekamen die Herren einen Bruderkuss und der Kommandant meldete die Vereinigung der beiden Ortsparteigruppen nach oben.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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26.04.2021, 09:13
Beitrag: #8
RE: Vereinigung KPD + SPD in der SBZ
(24.04.2021 14:38)Flora_Sommerfeld schrieb:  Die DDR war eine Militärdiktatur, nicht mehr aber auch nicht weniger.

Wenn die DDR eins sicher nicht war, dann war es eine Militärdiktatur, es war natürlich keine Militärdiktatur.
Militärdiktatur bedeutet verkürzt das Militärs das Gesamtgefüge eines Staates bestimmen.
In der DDR wie in allen anderen kommunistischen Ländern war nach Lenin die Partei der Schlüsselpunkt der Politik.
Die Partei der Arbeiterklasse nach Außen vertreten durch das Politbüro, das die Fäden in der DDR führte.
Als einziger General im Nationalen Verteidigungsrat im Politbüro war bis zu seinem Tode 1985 Heinz Hoffmann.
In seiner Stellung im Politbüro rangierte er weit unter Erich Mielcke (MfS) der sich und seine Organisation als Schild und Schwert der Partei verstand.
Eine Militärdiktatur allerdings sieht völlig anders aus.
Was in der DDR gerade zum Ende hin in der Gesellschaft passierte, war eine versuchte Militarisierung der Gesellschaft, der sich aber sehr viele entzogen.
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26.04.2021, 11:40
Beitrag: #9
RE: Vereinigung KPD + SPD in der SBZ
(24.04.2021 14:53)Flora_Sommerfeld schrieb:  
(24.04.2021 10:02)Suebe schrieb:  
(23.04.2021 23:59)Flora_Sommerfeld schrieb:  [quote='Suebe' pid='71950' dateline='1619191010']
./.

Oder warum wurde in der Westzone schon 1956 die KPD verboten? (Hinweis, McCarthy-Ära)

Nicht schon Flora, erst!
Nachdem die KPD ja zweifellos Ziele verfolgte die so gar nicht auf dem Boden des Grundgesetzes standen.
Was anders lautende Lippenbekenntnisse wert waren, wurde in kurzen Abständen immer aufs neue klar gelegt, Prag, Warschau, Berlin, Budapest wurden zu den Beweisen.


Die Beweise kannst du nicht gegen die KPD verwenden, da hier nicht die politische Richtung maßgeblich war, sondern Regime die sich einem Machtanspruch sicherten, unter dem Mantel des Sozialismus.
Interessant ist dann die Linke Bewegung in der Westzone in den 68er Jahren, wo den Jungen Leuten aufgeht, wer eigentlich im ach so freien Westen noch die Fäden zog. Da wundert es mich auch nicht, daß ca.10 Jahre vorher ein politischer Gegner einfach eliminiert wurde aber solche Parteien wie die NPD neuen Fuß fassen konnten.
Und wenn wir schon dabei sind, wie die Besatzungsmächte ihre Doktrin auf ihre Gebiete in Deutschland einsetzten, war es eben bei dem Amies in den 50 der Kommunistenhass, der extrem Blühten trieb.


Die "Beweise" spielten beim Verbotsverfahren keine Rolle.
Man bezog sich überwiegend auf Erkenntnisse die noch in der Weimarer Republik beim damaligen Verbotsverfahren (das nicht beendet wurde) gesammelt worden waren.
Im übrigen, man hat angeboten, dass man eine kommunistische Partei sehr wohl tolerieren würde, sie aber nicht "KPD" heißen dürfe.
Nach einigen Jahren und Irrwegen, "DFU" war einer davon, wurde dann die DKP gegründet.
Ganz abgesehen von etlichen Splittergruppen die weniger mit der SED zu tun hatten/haben wie KBW oder KPD/ML

So wie du das darstellst haben Neonazis etcetera pp die BRD nun doch nicht beherrscht.
Dass etliche mit einst "braunem Mäntelchen" nun in anderen Reihen "marschiert" sind, hat die BRD wenig von der DDR unterschieden. Da haben zeitweilig auch mehr Volkskammermitglieder einst ein braunes Parteibuch gehabt, wie die ohne.

"Die Inflation muss als das hingestellt werden, was sie wirklich ist, nämlich als Betrug am Staatsbürger, der um einen Teil seines Einkommens, aber noch mehr um seine Ersparnisse gebracht wird.!" (Ludwig Erhard, Bundeskalnzler 1963 bis 1966)
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26.04.2021, 12:09
Beitrag: #10
RE: Vereinigung KPD + SPD in der SBZ
(25.04.2021 16:28)Arkona schrieb:  Wolfgang Leonhardt ("Die Revolution entlässt ihre Kinder") schilderte, wie er 1946 die Vereinigung in einem Kreisverband erlebte. Der sowjetische Stadtkommandant lud die jeweiligen örtlichen Parteivorsitzenden der KPD und SPD ein, eine reichhaltige Tafel (Nachkriegszeit!) lockte.
"Nun, setzen und essen".
...
"Nun trinken".
...
"Nun geben Hand".
?...?
Danach bekamen die Herren einen Bruderkuss und der Kommandant meldete die Vereinigung der beiden Ortsparteigruppen nach oben.


Das ist ein tiefschürfender Zeitzeugenbericht, der meines Wissens auch heute noch absolut den Stand der Wissenschaft darstellt.

"Die Inflation muss als das hingestellt werden, was sie wirklich ist, nämlich als Betrug am Staatsbürger, der um einen Teil seines Einkommens, aber noch mehr um seine Ersparnisse gebracht wird.!" (Ludwig Erhard, Bundeskalnzler 1963 bis 1966)
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26.04.2021, 23:12
Beitrag: #11
RE: Vereinigung KPD + SPD in der SBZ
(26.04.2021 12:09)Suebe schrieb:  Das ist tiefschürfender Zeitzeugenbericht, der meines Wissens auch heute noch absolut den Stand der Wissenschaft darstellt.

Meinst du das ironisch? Noch eins drauf: Ein (entfernter) Verwandter, alter Sozi, wurde 1945 von den Engländern in Wismar zum Polizeichef ernannt. Später, als die Sowjets gemäß Jalta-Abkommen die Stadt übernahmen, wurde er sofort abgesägt und verschwand dann 1946 als Gegner der Zwangsvereinigung mit der KPD spurlos. Papa wählte später (ab 1990) immer SPD als Familientradition, zumal Ururopa schon zu Bebels Zeiten Sozi im Mecklenburger Landtag war. Für ihn war es eine "Besenwahl".

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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27.04.2021, 17:41
Beitrag: #12
RE: Vereinigung KPD + SPD in der SBZ
Nix Ironie, der Leonhardt als ehemaliger Insider hat knallharte Tatsachen geschildert.
Bis heute Stand der Wissenschaft.

Mein Großvater ist mit 16 in die SPD eingetreten, als Sproß einer stramm deutschnationalen Lehrer- und Pfarrer-Dynastie. (heute sind sie genauso stramm rot-grün Devil)
später eine gewisse regionale Größe in der SPD.
die persönlichen Anfeindungen durch USPD und KPD in den 20ern haben ihn noch Jahrzehnte später fürchterlich ergrimmt.
Einmal, wird so 1958 gewesen sein, kam er abends von irgendeiner Sitzung nach Hause und hat ständig mit der Faust auf den Tisch gehauen und fürchterlich geschimpft... einen "Arbeiterverräter" hatte man ihn genannt...

mit anderen Worten:
das Tischtuch zwischen KPD und SPD war schon sehr zerschnitten und nicht nur Schuhmacher wollte nichts von einer Vereinigung wissen.

"Die Inflation muss als das hingestellt werden, was sie wirklich ist, nämlich als Betrug am Staatsbürger, der um einen Teil seines Einkommens, aber noch mehr um seine Ersparnisse gebracht wird.!" (Ludwig Erhard, Bundeskalnzler 1963 bis 1966)
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27.04.2021, 18:46
Beitrag: #13
RE: Vereinigung KPD + SPD in der SBZ
(26.04.2021 09:13)solon schrieb:  
(24.04.2021 14:38)Flora_Sommerfeld schrieb:  Die DDR war eine Militärdiktatur, nicht mehr aber auch nicht weniger.

Wenn die DDR eins sicher nicht war, dann war es eine Militärdiktatur, es war natürlich keine Militärdiktatur.
Militärdiktatur bedeutet verkürzt das Militärs das Gesamtgefüge eines Staates bestimmen.
In der DDR wie in allen anderen kommunistischen Ländern war nach Lenin die Partei der Schlüsselpunkt der Politik.
Die Partei der Arbeiterklasse nach Außen vertreten durch das Politbüro, das die Fäden in der DDR führte.
Als einziger General im Nationalen Verteidigungsrat im Politbüro war bis zu seinem Tode 1985 Heinz Hoffmann.
In seiner Stellung im Politbüro rangierte er weit unter Erich Mielcke (MfS) der sich und seine Organisation als Schild und Schwert der Partei verstand.
Eine Militärdiktatur allerdings sieht völlig anders aus.
Was in der DDR gerade zum Ende hin in der Gesellschaft passierte, war eine versuchte Militarisierung der Gesellschaft, der sich aber sehr viele entzogen.

Okay, da geb ich dir recht, eine Militärdiktatur ist natürlich auch davon gekennzeichnet, daß die Regierungsgewalt direkt über das Militär erfolgt.
Was ich mit meiner Aussage mehr meinte war der Punkt, daß das SED-Regime und die Gesellschaft der DDR komplett durchmilitarisiert waren.
Das fing schon im Kindergarten an, daß das Militär einen zentralen Punkt in der Kindererziehung einnahm, dann über die Jugendorganisationen, die NVA selbst und später die paramilitärische Organisation der Betriebskampfgruppen usw.

Nie darf man so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken....
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28.04.2021, 07:45
Beitrag: #14
RE: Vereinigung KPD + SPD in der SBZ
(27.04.2021 18:46)Flora_Sommerfeld schrieb:  
(26.04.2021 09:13)solon schrieb:  
(24.04.2021 14:38)Flora_Sommerfeld schrieb:  Die DDR war eine Militärdiktatur, nicht mehr aber auch nicht weniger.

Wenn die DDR eins sicher nicht war, dann war es eine Militärdiktatur, es war natürlich keine Militärdiktatur.
Militärdiktatur bedeutet verkürzt das Militärs das Gesamtgefüge eines Staates bestimmen.
In der DDR wie in allen anderen kommunistischen Ländern war nach Lenin die Partei der Schlüsselpunkt der Politik.
Die Partei der Arbeiterklasse nach Außen vertreten durch das Politbüro, das die Fäden in der DDR führte.
Als einziger General im Nationalen Verteidigungsrat im Politbüro war bis zu seinem Tode 1985 Heinz Hoffmann.
In seiner Stellung im Politbüro rangierte er weit unter Erich Mielcke (MfS) der sich und seine Organisation als Schild und Schwert der Partei verstand.
Eine Militärdiktatur allerdings sieht völlig anders aus.
Was in der DDR gerade zum Ende hin in der Gesellschaft passierte, war eine versuchte Militarisierung der Gesellschaft, der sich aber sehr viele entzogen.

Okay, da geb ich dir recht, eine Militärdiktatur ist natürlich auch davon gekennzeichnet, daß die Regierungsgewalt direkt über das Militär erfolgt.
Was ich mit meiner Aussage mehr meinte war der Punkt, daß das SED-Regime und die Gesellschaft der DDR komplett durchmilitarisiert waren.
Das fing schon im Kindergarten an, daß das Militär einen zentralen Punkt in der Kindererziehung einnahm, dann über die Jugendorganisationen, die NVA selbst und später die paramilitärische Organisation der Betriebskampfgruppen usw.


Genau , das habe ich ja dann auch bestätigt.
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02.05.2021, 23:56
Beitrag: #15
RE: Vereinigung KPD + SPD in der SBZ
Die Jahre von 1945 bis 1949, eigentlich noch bis 1953 sind als Jahre Konsolidierung der Macht der Kommunisten in der Sowjetischen Besatzungszone bzw. in der DDR zu betrachten. Bis 1949 erfolgte die schrittweise Festigung der politischen Macht, in der Zeit bis 1953 wurden die entsprechenden organisatorischen Strukturen aufgebaut. Als Schnittstelle könnten sowohl die 2. Parteikonferenz der SED vom 23. Juli 1952 als auch der 17. Juni 1953 gesehen werden. Die 2. Parteikonferenz führte zur Abschaffung der Länder und zur Gliederung der DDR in Bezirke, d.h. die DDR wurde ein Zentralstaat.

Nach 1945 verfolgte die aus der Sowjetunion zurückgekehrten Kommunisten – die Gruppe Ackermann – eine Politik, die heute als Regime der Stellvertreter bezeichnet wird. Das heißt, wichtige politische Funktionen wie Ministerpräsident eines Landes oder Oberbürgermeister bzw. Bürgermeister einer Stadt wurden Nicht-Kommunisten überlassen, oft ehemaligen SPD-Mitgliedern oder liberal-bürgerlichen Politikern, die vor 1933 in Parteien wie der DDP oder dem Zentrum tätig waren und nach 1945 in die Blockparteien LDPD oder CDU eintraten. Die Innen- und Justizministerien oder auch die Funktionen des Polizeipräsidenten einer Stadt wurden von Kommunisten aus der Gruppe Ackermann besetzt oder ehemaligen vor 1933 tätigen KPD-Funktionären, die zum Teil während der NS-Diktatur viele Jahre in Konzentrationslagern inhaftiert waren.

Nachfolgend stelle ich einige Kurzbiografien von Funktionsträgern der Jahre 1945 bis 1952 in den Ländern Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt vor, deren Lebenswege stellvertretend für Landespolitiker in der sowjetischen Besatzungszone stehen.

Sachsen

In Sachsen fungierte von 1945 bis 1947 der Sozialdemokrat Rudolf Friedrichs (1892–1947) als Ministerpräsident. Er war er Rechtswissenschaftler und Volkswirt und vor 1933 vor allem im sächsischen Innenministerium als Regierungsassessor/-rat bzw. auf kommunalpolitischer Ebene in Dresden tätig. Er wurde 1945 von den Sowjets, m.E. sogar von Konew, zum Präsidenten der Regierung in Sachsen bestimmt. Sein Stellvertreter und Innenminister wurde der Kommunist Kurt Fischer (1900–1950), der seit 1921 meistens in der Sowjetunion lebte und dort verschiedene Funktionen wahrnahm. Mitte der 1930er Jahre wurde er als Berater Mao Zedongs eingesetzt, Ende der 1930er Jahre arbeitete er für das NKWD in der Roten Armee und seit 1943 war er im NKFD tätig.

Die Zusammenarbeit der beiden unterschiedlichen Männer funktionierte nicht. Der Machtkampf eskalierte 1947 und endete nur infolge des bis heute nicht eindeutig geklärten Todes von Friedrichs. Nachfolger Friedrichs wurde der ehemalige Sozialdemokrat Max Seydewitz (1892–1987). Max Seydewitz gehörte während der Weimarer Republik dem linken Flügel der SPD an, er war vor allem journalistisch tätig und ab 1924 Reichstagsabgeordneter. 1930/31 wurde er aus der Partei ausgeschlossen, Grund war seine Nähe zur KPD. Er trat dann der SAPD bei. Seit 1933 lebt er im Exil, 1934 wurde er ausgebürgert. Seydewitz‘s Rolle in den 1930er Jahren ist umstritten, er näherte sich der KPD an und wurde verdächtigt, als deren Spitzel in linkssozialistischen Gruppen zu wirken. Begründet wurde dies, weil er die stalinistischen Moskauer Prozesse verteidigt hatte. Hier spielten sicher nicht nur Überzeugungen eine Rolle, sondern auch, dass Seydewitz‘s Söhne in einem GULAG einsaßen, aus dem sie erst 1948 entlassen wurde. Seydewitz amtierte jedenfalls von 1947 bis 1952 als Ministerpräsident von Sachsen. Nach der Auflösung des Landes Sachsen war er bis zu seinem Tod im Jahr 1987 Mitglied der Volkskammer. Außerdem arbeitete er noch bis Ende der 1960er-Jahre als Chef der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden.

Kurt Fischer blieb vorerst unter Seydewitz sächsischer Innenminister. Er wechselte 1948 in die von den Sowjets geschaffene „Deutsche Verwaltung des Innern“ und 1949 wurde er Chef der Deutschen Volkspolizei. 1950 starb er während einer Kur in Bad Colberg. Das Sanatorium in Bad Colberg liegt im damaligen innerdeutschen Grenzgebiet (Raum Hildburghausen/Coburg), in DDR-Zeiten war es nur für Partei- und Staatsfunktionäre besuchbar. Es trug sogar den Namen „Dr. Kurt Fischer“. Dass Fischer alkoholkrank war, so Gerüchte, kann ich nicht belegen.

Fischers Nachfolger wurde Wilhelm Zaisser (1893–1958). Er war KPD-Mitglied, 1920 kämpfte er in der Roten Ruhrarmee gegen die Kapp-Putschisten. Er arbeitete ab Mitte der 1920er Jahre für die Komintern, unter anderen war Militärberater der Kuomintang! 1932 wurde er Mitglied der KPdSU, 1936 bis 1938 kämpfte er im Thälmann-Bataillon im Spanischen Bürgerkrieg, danach war er in Moskau als Übersetzer tätig. 1945 kehrte er nach Deutschland zurück und übernahm verschiedene Funktionen, z.B. die des Polizeipräsidenten von Halle/Saale. 1948/49 führte er das Sächsische Innenministerium, danach wurde er zu Aufgaben zum Aufbau des Ministeriums für Staatssicherheit beauftragt, als dessen erster Chef er von 1950 bis 1953 fungierte. Seine Frau Elisabeth führte übrigens von 1950 bis 1954 das Ministerium für Staatssicherheit.

Nach dem 17. Juni 1953 forderte Zaisser (gemeinsam mit Rudolf Herrnstadt) die Absetzung Ulbrichts als 1. Sekretär der SED. In diesem Machtkampf scheiterte Zaisser, da der ihn unterstützende Beria in der Sowjetunion entmachtet wurde und Chruschtschow an Ulbricht festhielt. Diese Niederlage führte zur Absetzung Zaissers als Minister für Staatssicherheit, ebenso musste seine Frau ihre Funktion als Ministerin für Volksbildung aufgeben. 1954 wurde Zaisser aus der SED ausgeschlossen. Seine letzten vier Lebensjahre arbeitete er als Übersetzer.

Der letzte sächsischen Innenminister war Artur Hoffmann (1907–1987) – nicht zu verwechseln mit dem kommunistischen Widerstandskämpfer Arthur Hoffmann (1900–1945). Er war seit 1931 KPD-Mitglied und lebte seit 1933 in der Sowjetunion, seit 1943 wirkte er im NKFD. 1945 kehrte er mit der Gruppe Ackermann nach Deutschland zurück. Er wurde noch im gleichen Jahr Leiter der Volkspolizei des Landes Sachsen, ehe er 1949 sächsischer Innenminister wurde. Nach 1952 wirkte er im Rat des Bezirkes Dresden und als Hauptabteilungsleiter im Ministerium für Staatssicherheit.

Thüringen

Nach dem 2. Weltkrieg wurde von den US-Amerikanern als erster Thüringer Ministerpräsident der Sozialdemokrat Hermann Brill (1895–1959) eingesetzt. Nach dem Abzug der Amerikaner aus Thüringen, über Brill die Leitung der Staatskanzlei in Hessen. Sein Lebensweg wird deswegen nicht weiter untersucht, da er nicht in Thüringen als Teil der sowjetischen Besatzungszone regierte.

Als sein Nachfolger setzten die sowjetischen Machthaber Rudolf Paul (1893–1978) ein. Rudolf Paul war während der Weimarer Republik Mitglied der DDP, nach dem 2. Weltkrieg trat er aber nicht in die Blockpartei LDPD, sondern in die SED ein. Er hatte ein Studium der Rechtswissenschaften absolviert und war seit etwa 1920 in der Justiz tätig. Als Staatsanwalt von Gera forderte er 1924 die Ausweisung von Adolf Hitler als unerwünschten Ausländer. Der Reichspräsident Ebert lehnte dieses Ansinnen ab, Paul kündigte daraufhin seine Tätigkeit als Staatsanwalt und arbeitete danach als Rechtsanwalt und Notar. 1934 entzogen ihm die Nazis die Zulassung als Rechtsanwalt zu arbeiten. Paul arbeitete daraufhin als Landwirt. 1938 ließ er sich von seiner jüdischen Ehefrau scheiden, sie starb kurz vor Kriegsende im KZ Stutthof.

Rudolf Paul arbeitete nach 1945 mit den sowjetischen Machthaber zusammen, da er die Umsetzung der Bodenreform befürwortete. 1947 wurde ihm als Stellvertreter und Innenminister der Kommunist Werner Eggerath aufgebürdet. Paul sah wohl seine Entmachtung voraus, er flüchtete im September 1947 nach West-Berlin, von dort aus nach Frankfurt am Main, wo er noch 30 Jahre als Rechtsanwalt arbeitete.

Sein Nachfolger wurde der bisherige Stellvertreter und Innenminister Werner Eggerath (1900–1977). Eggerath war seit 1919 Mitglied der KPD und kämpfte 1920 in der Roten Ruhrarmee. In den 1920er-Jahren war er als hauptamtlicher KPD-Funktionär tätig, 1935 verurteilten ihm die Nazis zu 15 Jahre Zuchthaus. Nach 1945 übernahm er verschiedene Funktionen, so war er Chef der KPD Thüringen, später der SED in Thüringen. 1947 wurde er, wie bereits geschrieben, Stellvertretender Ministerpräsident und Innenminister. Nach 1952 übernahm Eggerath verschiedene Funktionen, so die des Staatssekretärs des Ministerpräsidenten der DDR, des Botschafters in Rumänien und des Staatssekretärs für kirchliche Fragen. Seit 1961 war Eggerath als freischaffender Schriftsteller tätig.

Der erste Innenminister und Stellvertreter des Ministerpräsidenten war der Kommunist Ernst Busse (1897–1952). Er war bereits seit 1919 Mitglied der KPD und wirkte vor allem in kommunistischen bzw. den Kommunisten nahestehenden Gewerkschaften, so um 1930 in der Revolutionären Gewerkschaftsorganisation RGO. 1933 ging er in die Illegalität, 1934 wurde er verhaftet und zu Lagerhaft verurteilt, seit 1937 war er Funktionshäftling im KZ Buchenwald. 1942 war er Kapo im Häftlingskrankenhaus. 1945 wurde er von den Sowjets als Innenminister eingesetzt. Bereits 1946 warfen ihm ehemalige KZ-Häftlinge vor, als Kapo mit der SS zu eng zusammen gearbeitet zu haben. Diese Vorwürfe führten 1947 zu Busses Absetzung, ihm wurden danach nur noch unbedeutende Aufgaben übertragen. 1950 ließen ihn sowjetische Behörden verhaften und in die Sowjetunion deportieren. Dort wurde er zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt, da er sich angeblich nicht genügend für die sowjetischen Kriegsgefangen einsetzte. 1952 starb er in Workuta.

Busses Nachfolger als Innenminister wurde Eggerath, der einige Monate später Thüringer Ministerpräsident wurde. Das Amt des Innenministers wurde Willy Gebhardt (1901–1973) übertragen. Nach dem 1. Weltkrieg wurde er Mitglied der SPD, 1923 wechselte er in die KPD. Er arbeitete als Schlosser und als Redakteur, politisch war er nur auf lokaler Ebene, z.B. in Suhl tätig. 1933/34 war er im KZ Bad Sulza inhaftiert, danach stand er unter polizeilicher Beobachtung, seinen Lebensunterhalt verdiente er sich als Bau- und Hilfsarbeiter. Nach dem 20. Juli 1944 wurde Gebhardt ins KZ Buchenwald gebracht. Nach 1945 übernahm er verschiedene Parteifunktionen, z.B. als KPD- bzw. SED-Chef von Jena. 1947 wurde er der letzte Innenminister des Landes Thüringens. Sein Wirken als Innenminister war vor allem durch die Zwangsumsiedlungen aus den Grenzgebieten geprägt. Nach der Auflösung des Landes Thüringen war Gebhardt als Vorsitzender des Rates des Bezirkes Erfurt und seit 1961 als Vorsitzender der Gesellschaft der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft (DSF) in Erfurt tätig.

Sachsen-Anhalt

Der erste Ministerpräsident nach 1945 war in Sachsen-Anhalt Erhard Hübener (1881–1958). Hübener war im 1. Weltkrieg Offizier und wurde in den Anfangsjahren der Weimarer Republik Mitglied der DDP. Von 1922 bis 1933 amtierte er als Landeshauptmann der preußischen Provinz Sachsen. In den Jahren 1933 bis 1945 war Hübener nicht politisch tätig, er übernahm wissenschaftliche Aufgaben und lebte von seinen Veröffentlichungen, die er unter Pseudonym publizierte. 1945 ernannten die Amerikaner zum Landeshauptmann der Provinz Sachsen, die Sowjets bestätigten ihn in dieser Funktion bzw. als Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Er gehörte zu den Mitbegründern der Liberaldemokratischen Partei Deutschlands (LDPD). 1949 trat er vom Amt des Ministerpräsident zurück, da er die Teilung Deutschlands nicht akzeptieren wollte. Im Gegensatz zu vielen anderen Liberalen ging er nicht in den Westen, stattdessen übernahm er eine Professur an der Universität in Halle.

Sein Nachfolger wurde Werner Bruschke (1898–1995), der bis 1952 amtierte. Bruschke war SPD-Mitglied, im 1. Weltkrieg Soldat und während der der Weimarer Republik arbeitete er zuerst als Schlosser, später war er als hauptamtlicher SPD-Politiker tätig und 1930 wurde er Mitglied des Provinziallandtages der preußischen Provinz Sachsen. Nach dem 2. Weltkrieg wurden verschiedene Funktionen übertragen, u.a. die des Finanzministers von Sachsen-Anhalt und des SED-Landesvorsitzenden. Nach 1952 hatte er noch verschiedene Funktionen im Rat des Bezirkes inne. Er fiel Ende der 1950er-Jahre in Ungnade, da er einen Besuch seiner Frau in den Westen duldete und nicht meldete.

Das Innenministerium von Sachsen-Anhalt wurde von 1945 bis 1950 von Robert Siewert (1887–1973) geleitet. Siewert war Maurer, wurde 1906 SPD-Mitglied und lernte als Wanderarbeiter in der Schweiz Lenin und Hermann Brandler kennen. Im 1. Weltkrieg war er Soldat an der Ostfront, wo er im Sinne des Spartakusbundes wirkte. 1918 war er im Soldatenrat, seit 1919 wirkte er in der KPD, u.a. war er von 1920 bis 1929 für die KPD als Abgeordneter im Sächsischen Landtag tätig. 1929 wurde er infolge der zunehmenden Stalinisierung der KPD als Anhänger Brandlers aus der Partei ausgeschlossen. Bis 1933 betätigte sich Siewert als hauptberuflicher Funktionär der KPO (Kommunistische Partei Opposition). 1935 wurde Siewert verhaften, er blieb bis 1945 in verschiedenen Konzentrationslagern inhaftiert – seit 1938 im KZ Buchenwald. Dort war er von 1938 bis 1944 als Kapo tätig. Siewert setzte sich vor allem für jüdische, sowjetische und polnische Gefangene ein. Er ist das Vorbild der Figur des „Walter Krämer“ in dem Buch „Nackt unter Wölfen“ von Bruno Apitz.

Da er im August 1944 eine Gedenkfeier für den in Buchenwald ermordeten Ernst Thälmann hielt, war er stärkeren Repressalien der SS ausgesetzt.

1945 wurde Siewert Innenminister des Landes Sachsen-Anhalt. Seine Freundschaft zu Brandler und seine Mitgliedschaft in der KPO wurde als Anlass genommen, Siewert 1950 als Innenminister abzusetzen und ihn auf einen relativ unbedeutenden Posten im Bauministerium abzuschieben. 1958 wurde er rehabilitiert. Siewert arbeitete noch bis 1967 im Bauministerium, in der DDR-Öffentlichkeit ist er vor allem aufgrund seines Wirkens im Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer präsent gewesen.

Sein Nachfolger als Innenminister wurde der Sudetendeutsche Josef Hegen (1907–1969), der seit 1924 Mitglied der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei war und verschiedene Funktionen in Böhmen wahrnahm. Da er den Wehrdienst verweigerte, musste er 1934 eine etwa einjährige Haftstrafe absitzen, danach wurde er bis 1938 an der Lenin-Schule in Moskau geschult. Nach seiner Rückkehr in die Tschechoslowakei wurde er wieder verhaftet, nach der Besetzung der Tschechoslowakei emigrierte er in die UdSSR, wo er seit 1942 auf Partisaneneinsätze vorbereitet wurde. Bei einen dieser Einsätze wurde Hegen 1943 von der Gestapo verhaftet. Bis 1945 blieb er im KZ Mauthausen inhaftiert. Nach Kriegsende kehrte er nach Karlovy Vary (Karlsbad) zurück, wo er 1946 die Übersiedlung bzw. Vertreibung von Deutschen in die sowjetische Besatzungszone leitete.

Noch im Jahr 1946 trat Hegen in die SED ein. Er war dann etwa ein bis zwei Jahre im Raum Zwickau als SED-Funktionär tätig, bevor er 1948 Chef der Landespolizei in Sachsen-Anhalt wurde. 1950 wurde er Innenminister. Nach 1952 war er Vorsitzender der Rates des Bezirkes Magdeburg, seit Juli 1953 war er im Innenministerium der DDR tätig. Von 1957 bis 1961 amtierte er als DDR-Botschafter in Polen und bis 1964 in China, ehe er von 1964 bis zu seinem Tod der Stellvertretende Außenminister der DDR war.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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