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Ist die Evolution des Menschen abgeschlossen?
05.11.2012, 10:17
Beitrag: #81
RE: Ist die Evolution des Menschen abgeschlossen?
(05.11.2012 02:24)Arkona schrieb:  Im Gegenteil: Landwirtschaft erfordert Sesshaftigkeit und Vorratshaltung. Bei Missernten steht im Winterhalbjahr die Existenz der Gemeinschraft auf dem Spiel, man kann nicht einfach so weiterziehen, sondern muss erstmal wieder neu pflanzen und bis zur nächsten Ernte warten. Bis dahin kann es zu spät sein.

Wenn dem so ist, muss man sich ja ganz ernsthaft die Frage stellen, warum die Menschen überhaupt auf einen derartig dummen Gedanken kamen, lieber sesshaft werden zu wollen.

So ganz einleuchtend finde ich es irgendwie nicht.

(05.11.2012 02:24)Arkona schrieb:  Jäger sind da viel mobiler, sie folgen eventuell der Beute und im Winter bzw. in der Trockenzeit jagt es sich sogar noch besser..

Auch die Jäger haben nicht nur von Fleisch gelebt, Jäger und Sammler waren evolutionsbiologisch Allesesser, keine Fleischesser.
Im Winter fällt ein großer Teil der Nahrung weg.
Wieso jagt es sich im Winter besser? EiN Teil der Beutetiere hält Winterruhe, Winterschlaf, einem anderen macht das schwache Nahrungsangebot zu schaffen. Ob die Jagd in Schnee und Eis wirklich leicht ist, wage ich dann doch zu bezweifeln. Die Tiere sind besser zu sehen und leichter zu verfolgen- aber jeder, der schon mal eine längere Zeit durch den Schnee gestapft ist, weiß, daß das sehr viel mehr Kraft kostet als ein Spaziergang im Sommer...
Lediglich einen Vorteil hat der Winter, den der Sommer nicht hat- er wirkt konservierend. Das Fleisch war vermutlich länger haltbar. Das ist momentan der einzige Gedankengang, der einigermaßen überzeugt.


(05.11.2012 02:24)Arkona schrieb:  Die Gefahr des Hungertodes ist bei ihnen längst nicht so groß.

nein, das denke ich auch, der Hungertod war nicht so häufig. Aber Mangelzeiten müssen auch die Jäger und Sammler gekannt haben.
Auch den Jägern und Sammlern machten ungünstige Witterungseinfküsse wie zu trockene Sommer oder verregnete Sommer zu schaffen.
Ich glaube nicht, daß sie immer im Stande waren, weit genug zu ziehen, um gute Bedingungen vorzufinden. Oder sie hätten ihre Kinder zurücklassen müssen.
Ich weiß nicht, wie es hier aussieht, aber im Norden Schottlands wurden Spuren von Zelten aus der Jäger und Sammlerzeit gefunden, und tendenziell gehen die Archäologen dort oben davon aus, daß die Jäger und Sammler an einem festen Ort überwinterten....



(05.11.2012 02:24)Arkona schrieb:  Selbst die Khoisan in der kargen Kalahari brauchen im Schnitt nur 4-5 Stunden täglich zur Nahrungsbeschaffung (lt. Eibl-Eibesfeldt). Von solchen "Arbeitszeiten" kann ein heutiger Bürohengst und erst recht ein jungsteinzeitlicher Bauer nur träumen.

Das ist wohl wahr- und einer der Sachverhalte, die mir aus "Dino-Park" am meisten im Gedächtnis geblieben sind (neben Ian Malcolms Monolog über die Disziplin)

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05.11.2012, 12:04
Beitrag: #82
RE: Ist die Evolution des Menschen abgeschlossen?
OT vorab, die Diskussion zur Neolithisierung ist spannend. Denkt ihr, dass in jener Phase noch evolutionäre Veränderungen eine Rolle spielten?
Wenn nicht, könnte man diesen Abschnitt evtl. auslagern in http://www.forum-geschichte.at/Forum/for...php?fid=11

(05.11.2012 02:24)Arkona schrieb:  Im Gegenteil: Landwirtschaft erfordert Sesshaftigkeit und Vorratshaltung. Bei Missernten steht im Winterhalbjahr die Existenz der Gemeinschraft auf dem Spiel, man kann nicht einfach so weiterziehen, sondern muss erstmal wieder neu pflanzen und bis zur nächsten Ernte warten. Bis dahin kann es zu spät sein.
Im Prinzip richtig, allerdings betrachtest du dabei das System Landwirtschaft in seiner Reinform. Gerade in frühen Phasen wurde nebenbei noch lange zusätzlich gejagt (z.B. Catalhöyük), gefischt und gesammelt, z.B. im Frühjahr frische Kräuter.
Das Frühjahr war lange die schwierigste Zeit für die Bauern in unseren Breiten, wenn das konservierte Fleisch von der Herbstschlachtung und das gelagerte Korn aufgebraucht war.
Meine persönliche Lieblingstheorie geht in die Richtung, dass unsere jahreszeitlichen Ernährungsschwerpunkte mit der Völlerei bis Weihnachten, Fastenzeit und Fischkonsum im Frühjahr, ein Nachhall dieser Phase sind. Auch die Fettpölsterchen, die wir uns dabei anschaffen, nur fehlt uns das karge Frühjahr, um diese wieder loszuwerden.Smile

(05.11.2012 02:24)Arkona schrieb:  Jäger sind da viel mobiler, sie folgen eventuell der Beute und im Winter bzw. in der Trockenzeit jagt es sich sogar noch besser. Die Gefahr des Hungertodes ist bei ihnen längst nicht so groß.
Dass Jäger/Sammler immer und überall dem Großwild hinterherzogen und daher wenig Mangel kannten, trifft aber nur auf bestimmte Jägergruppen zu, die sich auf eiszeitliches Großwild im nördlichen Eurasien spezialisiert hatten. Die mußten mobil sein, schon wegen der Klimaschwankungen und Herdenwanderungen.
Waren das aber die Gruppen, die zur Erhöhung der Bevölkerungsdichte beitrugen?

Die würde ich eher an den Küsten und Gewässern suchen, wo die Nahrungsgrundlage über das Jahr viel stabiler war, was teilweise zu einer gewissen Seßhaftigkeit mit Jagd- und Dauerlagern führte.
Und später natürlich bei den Bauern.

(05.11.2012 02:24)Arkona schrieb:  Selbst die Khoisan in der kargen Kalahari brauchen im Schnitt nur 4-5 Stunden täglich zur Nahrungsbeschaffung (lt. Eibl-Eibesfeldt). Von solchen "Arbeitszeiten" kann ein heutiger Bürohengst und erst recht ein jungsteinzeitlicher Bauer nur träumen.
Bei den San betrachten wir einen Spezialfall von Menschen, die sich in einer ökologischen Nische eingerichtet haben. Es mag noch ein paar andere geben, wobei die arktischen Robbenjäger inzwischen kaum noch so leben. Wie es bei den San heute genau ist, weiß ich nicht. Die müssen ganz schön oft von TV-Teams und anderen Neugierigen besucht werden, so oft wie sie als Beispiel benutzt werden.
Wie dem auch sei, sie waren ein Beispiel für Menschen, deren Besiedlungsdichte und Lebensstil sich an ihre Umwelt anpaßte und nicht umgekehrt.
Wo Mensch so lebt, paßt sich seine Vermehrungsrate an seine ökologische Nische an.
Vermehrt sich Mensch ungebremst, muß er seine Umwelt anpassen, die Einführung der Landwirtschaft war so gut wie weltwelt ein entscheidender Schritt dahin.
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05.11.2012, 12:10
Beitrag: #83
RE: Ist die Evolution des Menschen abgeschlossen?
(05.11.2012 10:17)Bunbury schrieb:  Ich weiß nicht, wie es hier aussieht, aber im Norden Schottlands wurden Spuren von Zelten aus der Jäger und Sammlerzeit gefunden, und tendenziell gehen die Archäologen dort oben davon aus, daß die Jäger und Sammler an einem festen Ort überwinterten....
Waren die J/S nicht eher Fischer, Strandsammler? Aus deinen Berichten von Schottland und diesen früh besiedelten kargen atlantischen Inseln hatte ich diesen Eindruck.
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05.11.2012, 12:33
Beitrag: #84
RE: Ist die Evolution des Menschen abgeschlossen?
(05.11.2012 12:10)Renegat schrieb:  
(05.11.2012 10:17)Bunbury schrieb:  Ich weiß nicht, wie es hier aussieht, aber im Norden Schottlands wurden Spuren von Zelten aus der Jäger und Sammlerzeit gefunden, und tendenziell gehen die Archäologen dort oben davon aus, daß die Jäger und Sammler an einem festen Ort überwinterten....
Waren die J/S nicht eher Fischer, Strandsammler? Aus deinen Berichten von Schottland und diesen früh besiedelten kargen atlantischen Inseln hatte ich diesen Eindruck.

Das hängt von der Region ab. Auf den Orkneys zum Beispiel war das Fischen sicher auch im Winter möglich, wenn auch wegen der Wintestürme sicher nicht ungefährlich.
Andere Stellen, wie der Ord Hill, auf dem man die Pfostenabdrücke eines Zeltes gefunden hat, liegen im Landesinnern. Der Loch Shinn, der zum Fuße des Ord Hill liegt, ist ein Stausee, der damals noch nicht in dieser Größe vorhanden war. Gleiches gilt für die Grampians.
Die Archäologen nehmen an, daß sich die Jäger und Sammler an Plätzen niederließen, an denen es reichlich Wild und Nüsse gab, vielleicht auch Beeren, die sich trocknen ließen, so daß sie für den Winter Vorratshaltung betreiben konnten...
Wenn sie aber recht haben, dann war auch für die Jäger und Sammler der nördlichen Länder eine Fähigkeit, von Fettreserven leben zu können, nötig...

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05.11.2012, 12:35
Beitrag: #85
RE: Ist die Evolution des Menschen abgeschlossen?
(05.11.2012 12:04)Renegat schrieb:  Vermehrt sich Mensch ungebremst, muß er seine Umwelt anpassen, die Einführung der Landwirtschaft war so gut wie weltwelt ein entscheidender Schritt dahin.

Vielleicht war es aber eher umgekehrt- die Bevölkerungsexplosion eine Folge der Landwirtschaft, weil Landwirtschaft letztendlich bedeutet, daß pro Kopf sehr viel weniger Land zur Ernährung benötigt wird...

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05.11.2012, 12:57
Beitrag: #86
RE: Ist die Evolution des Menschen abgeschlossen?
Die Landwirtschaft ermöglichte eine wesentlich höhere Bevölkerungsdichte und das gab langfristig wohl den Ausschlag. Jared Diamond schrieb einmal sinngemäß, in der direkten Konkurrenz werden 10 halbverhungerte Bauern mit einem gut genährten Jäger allemal noch fertig. Das Tempo, in dem die Landwirtschaft verbreitete, ist schon lächerlich niedrig. Es dauerte Jahrtausende der Ausbreitung, also viele viele Generationen. Freiwillig werden die alteingesessenen Mesolithiker das kaum über Nacht übernommen haben, warum auch angesichts der eindeutig sinkenden Lebensqualität, sprich körperlichen Plackerei. Zuletzt war das Ganze ein allmählicher Anpassungsprozess, denn wir modernen Europäer sind eher die Nachfahren der lokalen Jäger und nicht der bandkeramischen Bauern aus dem Südosten.
Mesolithiker waren zum Teil auch seßhaft (Küsten Westeuropas, Japan), aber das sind Ausnahmen wo das Meer für regelmäßige Nahrung sorgte. Ich denke da weniger an das Fischen, sondern an Muschelsammeln und Strandgut

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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05.11.2012, 13:00
Beitrag: #87
RE: Ist die Evolution des Menschen abgeschlossen?
Nun, ich habe da gerade ein interesantes Buch gelesen, von einem Evolutionswissenschaftler verfaßt, der die Meinung vertritt, am Anfang der Sessighaftigkeit habe das Bier gestanden.
Ich werde im entsprechenden Thread bestimmt noch mal darauf zurückkommen...

Ich habe mich vor Jahren mal mit der sogenannten Blutgruppendiät beschäftigt, die einen recht interessanten Gedankenansatz verfolgte.
Der "Erfinder" dieser Diät ordnete den Blutgruppen ein bestimmtes Lebensmuster zu.
Die Blutgruppe 0 stand für den Steinzeitmenschen, und Menschen mit der Blutgruppe 0 empfahl er dringend, sich in erster Linie von Fleisch und Früchten zu ernähren und die Finger von Getreide und Milch zu lassen.
Die Blutgruppe A ist demnach die Blutgruppe der Ackerbauen, die sollten weniger Fleisch, vor allem wenig rotes Fleisch essen,
Blutgruppe B ordnete er den Hirtennomaden zu, und riet auch ihnen von Getreide ab.
AB schließlich ist der moderne Mensch, der alles essen kann.

Ich weiß nicht, inwieweit das wissenschaftlich belegt ist, aber ich fand den gedanken ganz interessant. Da ich mich damit just zu der zeit beschäftigt habe, als mein älterer Sohn ernärungstechnisch auf Babybrei umgestellt wurde, habe ich ihn und seine Vorlieben mal beobachtet- wie auch die anderen Kinder aus dem Geburtsvorbereitungskurs.
Zumindest in diesem äußerst kleinen Kreis könnte was an der These dran sein- mein Filius, Blutgruppe A, mochte am liebsten den Obst-Getreidebrei, sein bis heute bester Kumpel, Blutgruppe 0, spuckte selbigen seiner Mutter mit Vorliebe ins Gesicht- dafür stürzte er sich aufs Mittagsmenü. Ein Junge, Blugruppe B, war dagegen kaum von der Milchflasche wegzukriegen, und ein anderes Kind, ebenfalls Blutgruppe 0, betrachtet bis heute Eier als Beilage zum Fleisch...
Interessant, aber natürlich keineswegs aussagefähig...

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05.11.2012, 13:10
Beitrag: #88
RE: Ist die Evolution des Menschen abgeschlossen?
(05.11.2012 12:35)Bunbury schrieb:  
(05.11.2012 12:04)Renegat schrieb:  Vermehrt sich Mensch ungebremst, muß er seine Umwelt anpassen, die Einführung der Landwirtschaft war so gut wie weltwelt ein entscheidender Schritt dahin.

Vielleicht war es aber eher umgekehrt- die Bevölkerungsexplosion eine Folge der Landwirtschaft, weil Landwirtschaft letztendlich bedeutet, daß pro Kopf sehr viel weniger Land zur Ernährung benötigt wird...
Ja, stimmt, die erhöhte Vermehrung ergab sich aus der Landwirtschaft.
Über deinem anderen Beitrag mit den Haselnuss- und anderen Wintervorräten könnten wir in einem passenden Thread weiterdiskutieren, das interessiert mich sehr, vielleicht http://www.forum-geschichte.at/Forum/sho...hp?tid=189
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05.11.2012, 13:13
Beitrag: #89
RE: Ist die Evolution des Menschen abgeschlossen?
Gerne. Ich bin ja immer noch ein bißchen am Recherchieren dazu...

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05.11.2012, 13:26
Beitrag: #90
RE: Ist die Evolution des Menschen abgeschlossen?
(05.11.2012 12:57)Arkona schrieb:  Die Landwirtschaft ermöglichte eine wesentlich höhere Bevölkerungsdichte und das gab langfristig wohl den Ausschlag. Jared Diamond schrieb einmal sinngemäß, in der direkten Konkurrenz werden 10 halbverhungerte Bauern mit einem gut genährten Jäger allemal noch fertig. Das Tempo, in dem die Landwirtschaft verbreitete, ist schon lächerlich niedrig. Es dauerte Jahrtausende der Ausbreitung, also viele viele Generationen. Freiwillig werden die alteingesessenen Mesolithiker das kaum über Nacht übernommen haben, warum auch angesichts der eindeutig sinkenden Lebensqualität, sprich körperlichen Plackerei.
Geschwindigkeit ist relativ. Das Tempo hing auch von den geographischen Voraussetzungen ab. Die in den fruchtbaren Flussauen ackernden Bandkeramiker breiteten sich ganz schön schnell aus.


(05.11.2012 12:57)Arkona schrieb:  Zuletzt war das Ganze ein allmählicher Anpassungsprozess, denn wir modernen Europäer sind eher die Nachfahren der lokalen Jäger und nicht der bandkeramischen Bauern aus dem Südosten.
Ich weiß nicht, ob mein Stand noch aktuell ist. Danach stammt die Mehrheit der heutigen Europäer weder von den Bandkeramikern noch von den Mesolithikern ab, obwohl beide Gruppen bei den Haplotypen vorkommen.
Der Grund für diese Verschiebung muß nicht unbedingt sehr weit zurückliegen, falls jetzt auf die Indoeuropäer getippt wird. Es könnte auch an den großen Seuchenzügen liegen, dass sich die Abstammungshäufigkeiten verschoben haben.


(05.11.2012 12:57)Arkona schrieb:  Mesolithiker waren zum Teil auch seßhaft (Küsten Westeuropas, Japan), aber das sind Ausnahmen wo das Meer für regelmäßige Nahrung sorgte. Ich denke da weniger an das Fischen, sondern an Muschelsammeln und Strandgut
Wieso sind das Ausnahmen, ich denke an die südlichen Küsten um den indischen Ozean oder die frühe Ausbreitung bis Australien und an der amerikanischen Küste. Könnte man vielleicht sagen, dass Küsten und Gewässer eine dichtere Besiedlung ermöglichten?
Wo mehr Menschen wohnen, gibt es mehr Nachkommen und die ganze Entwicklung beschleunigt sich.
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05.11.2012, 15:20
Beitrag: #91
RE: Ist die Evolution des Menschen abgeschlossen?
(05.11.2012 13:00)Bunbury schrieb:  Nun, ich habe da gerade ein interesantes Buch gelesen, von einem Evolutionswissenschaftler verfaßt, der die Meinung vertritt, am Anfang der Sessighaftigkeit habe das Bier gestanden.
Ich werde im entsprechenden Thread bestimmt noch mal darauf zurückkommen...
Sag mal den Autor, ich glaube, das habe ich auch gelesen, ist schon ´ne Weile her.
Mein Eindruck war, dass er nichts direkt falsches aber auch nichts neues geschrieben hat. Der Hauptteil des Buches handelte nicht von seiner Bierhypothese sondern allgemein von der Neolithisierung in Nahost. Die Biergeschichte war ein bißchen aufgepfropft, so ein Titel fördert ja auch den Verkauf eines populärwissenschaftlichen Buches.
Dein Eindruck ist aber sicher frischer, deshalb würde es mich freuen, wenn du darüber berichtest, Bunbury. Vielleicht lese ich es dann noch mal. Smile

(05.11.2012 13:00)Bunbury schrieb:  Ich habe mich vor Jahren mal mit der sogenannten Blutgruppendiät beschäftigt, die einen recht interessanten Gedankenansatz verfolgte.
Der "Erfinder" dieser Diät ordnete den Blutgruppen ein bestimmtes Lebensmuster zu.
Die Blutgruppe 0 stand für den Steinzeitmenschen, und Menschen mit der Blutgruppe 0 empfahl er dringend, sich in erster Linie von Fleisch und Früchten zu ernähren und die Finger von Getreide und Milch zu lassen.
Die Blutgruppe A ist demnach die Blutgruppe der Ackerbauen, die sollten weniger Fleisch, vor allem wenig rotes Fleisch essen,
Blutgruppe B ordnete er den Hirtennomaden zu, und riet auch ihnen von Getreide ab.
AB schließlich ist der moderne Mensch, der alles essen kann.

Ich weiß nicht, inwieweit das wissenschaftlich belegt ist, aber ich fand den gedanken ganz interessant. Da ich mich damit just zu der zeit beschäftigt habe, als mein älterer Sohn ernärungstechnisch auf Babybrei umgestellt wurde, habe ich ihn und seine Vorlieben mal beobachtet- wie auch die anderen Kinder aus dem Geburtsvorbereitungskurs.
Zumindest in diesem äußerst kleinen Kreis könnte was an der These dran sein- mein Filius, Blutgruppe A, mochte am liebsten den Obst-Getreidebrei, sein bis heute bester Kumpel, Blutgruppe 0, spuckte selbigen seiner Mutter mit Vorliebe ins Gesicht- dafür stürzte er sich aufs Mittagsmenü. Ein Junge, Blugruppe B, war dagegen kaum von der Milchflasche wegzukriegen, und ein anderes Kind, ebenfalls Blutgruppe 0, betrachtet bis heute Eier als Beilage zum Fleisch...
Interessant, aber natürlich keineswegs aussagefähig...
Achja, davon habe ich auch gehört, muß in den 90ern gewesen sein und zwar von einem vegetarischen Kollegen. Die Tatsache, das meine Blutgruppe 0 ist, hat mich dann vor seinen Missionierungsattacken geschützt. Leider weiß ich nicht mehr, welche Blutgruppe er hatte, wahrscheinlich A.
Was du über die Babyvorlieben schreibst, ist interessant. Leider habe ich damit keine vergleichenden Erfahrungen, weil in meiner Familie alle Gruppe 0 haben und Bekannte frage ich selten nach ihrer Blutgruppe.
Ob es dazu vergleichende Untersuchungen gibt, weiß ich nicht.
Wir könnten ja hier eine nicht repräsentative Umfrage dazu machen - Korrelation Blutgruppe und Nahrungsvorlieben.
Ich bin kein großer Brot- und Müsliesser, habe seit einem 1/2 Jahr meine alte Vorliebe für geräucherten Fisch wiederentdeckt, Makrelen, Sprotten usw., aber auch Früchte und Gemüse. Das muß aber nichts heißen, denn wenn ich wirklich Hunger hätte, würde ich trockenes Brot auch nicht liegenlassen.

Das Thema Ernährung gefällt mir sehr, eine weitere Theorie von mir ist die starke Prägung der Ernährungsgewohnheiten in der Kindheit. An unseren Lieblingsessen aus dieser Zeit halten wir fest und geben Vorlieben und Abneigungen in die nächste Generation weiter. Das hat aber was mit kultureller Entwicklung und wenig mit Evolution zu tun.
OT: Ich werde nie vergessen, wie ich in meine jetzige Heimatstadt gezogen bin und durch Studienkollegen von der Nordseeküste deren Nationalgericht "Grünkohl und Bregenwurst" kennenlernte. Das war damals für die so essentiell, dass die als Vorrat für einen Campingurlaub am Mittelmeer unbedingt einige Dosen Grünkohl und eingeschweißte Würste + Räucherspeck mitnehmen mußten. Grünkohlessen an der Ägäis, das hatte was.Big Grin
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05.11.2012, 16:45
Beitrag: #92
RE: Ist die Evolution des Menschen abgeschlossen?
(05.11.2012 13:26)Renegat schrieb:  Wieso sind das Ausnahmen, ich denke an die südlichen Küsten um den indischen Ozean oder die frühe Ausbreitung bis Australien und an der amerikanischen Küste. Könnte man vielleicht sagen, dass Küsten und Gewässer eine dichtere Besiedlung ermöglichten?
Wo mehr Menschen wohnen, gibt es mehr Nachkommen und die ganze Entwicklung beschleunigt sich.

Die frühen Out-of-Afrikaner waren quasi an Strände gebunden, aber nicht sesshaft. Das kam erst später.

Der Autor mit dem Bier ist Josef Reichholf.

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06.11.2012, 19:19
Beitrag: #93
RE: Ist die Evolution des Menschen abgeschlossen?
(05.11.2012 16:45)Arkona schrieb:  Der Autor mit dem Bier ist Josef Reichholf.

Stimmt. Das Buch heißt "Warum die Menschen sesshaft wurden."
Aber darüber diskutieren wir dann lieber im entsürechenden Thread... (wenn die Kinder wieder gesund sind und ich ein bißen mehr Zeit habe...)

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03.12.2012, 16:13
Beitrag: #94
RE: Ist die Evolution des Menschen abgeschlossen?
(05.11.2012 13:00)Bunbury schrieb:  Nun, ich habe da gerade ein interesantes Buch gelesen, von einem Evolutionswissenschaftler verfaßt, der die Meinung vertritt, am Anfang der Sessighaftigkeit habe das Bier gestanden.
Ich werde im entsprechenden Thread bestimmt noch mal darauf zurückkommen...
Nur eine kurze Frage. Gibt es diesen 3D schon? Für mich kam es irgendwie so rüber, habe aber auf die Schnelle nichts gefunden.
Denn die These von Josef Reichholf hat etwas, sie entbehrt auch nicht der Logik - im Gegenteil. Von daher sicher einen eigenen Thread wert.

Und du warst schön. In deinem Auge schien
sich Nacht und Sonne sieghaft zu versöhnen.
...
So kam dich meine Liebe krönen.
Und meine nächteblasse Sehnsucht stand,
weißbindig wie der Vesta Priesterin,
an deines Seelentempels Säulenrand
und streute lächelnd weiße Blüten hin.

(Rainer Maria Rilke)
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03.12.2012, 16:30
Beitrag: #95
RE: Ist die Evolution des Menschen abgeschlossen?
(05.11.2012 13:00)Bunbury schrieb:  AB schließlich ist der moderne Mensch, der alles essen kann.


Ich bin AB negativ.
Bedeutet dies, dass ich 1. alles essen, und 2. alles trinken kann? Insbesondere bessere Sachen?

Spass beiseite.
Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich diese Bier-These auch gelesen habe.
Es ist auf den 1. Blick durchaus folgerichtig.
Auf den 2. Blick würde ich aber eher sagen: Huhn und Ei. Wann hat ein Nomade Zeit Bier zu brauen?
Umgekehrt ist es genauso folgerichtig. Und zumindest für mich nachvollziehbarer.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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03.12.2012, 19:10
Beitrag: #96
RE: Ist die Evolution des Menschen abgeschlossen?
(03.12.2012 16:13)Wallenstein schrieb:  
(05.11.2012 13:00)Bunbury schrieb:  Nun, ich habe da gerade ein interesantes Buch gelesen, von einem Evolutionswissenschaftler verfaßt, der die Meinung vertritt, am Anfang der Sessighaftigkeit habe das Bier gestanden.
Ich werde im entsprechenden Thread bestimmt noch mal darauf zurückkommen...
Nur eine kurze Frage. Gibt es diesen 3D schon? Für mich kam es irgendwie so rüber, habe aber auf die Schnelle nichts gefunden.
Denn die These von Josef Reichholf hat etwas, sie entbehrt auch nicht der Logik - im Gegenteil. Von daher sicher einen eigenen Thread wert.

Nein, gibt es noch nicht. Asche über mein Haupt.Ich habe momentan einfach zu viele Dinge parallel laufen und bin jetzt auch schon im Weihnachtsstress... Außerdem ärgert mich mein neues Fotoprogramm, mit dem ich immer noch nicht zurechtkomme, weswegen ich mit meiner Orkneyserie auch nicht richtig weiter komme.

Erinnere mich aber gelegenlich daran.

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03.12.2012, 19:13
Beitrag: #97
RE: Ist die Evolution des Menschen abgeschlossen?
(03.12.2012 16:30)Suebe schrieb:  
(05.11.2012 13:00)Bunbury schrieb:  AB schließlich ist der moderne Mensch, der alles essen kann.


Ich bin AB negativ.
Bedeutet dies, dass ich 1. alles essen, und 2. alles trinken kann? Insbesondere bessere Sachen?

Nach der Blutgruppentheorie schon...

(03.12.2012 16:30)Suebe schrieb:  Spass beiseite.
Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich diese Bier-These auch gelesen habe.
Es ist auf den 1. Blick durchaus folgerichtig.
Auf den 2. Blick würde ich aber eher sagen: Huhn und Ei. Wann hat ein Nomade Zeit Bier zu brauen?
Umgekehrt ist es genauso folgerichtig. Und zumindest für mich nachvollziehbarer.

Ich würde das einfach mal (vielleicht nach Weihnachten) mit dem einen oder anderen durchdiskutieren... Immerhin kan ja nur ein Mann auf den gedanken kommen, daß am Anfang der Landwirtschaft das Bier stand Wink

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03.12.2012, 20:59
Beitrag: #98
RE: Ist die Evolution des Menschen abgeschlossen?
(03.12.2012 19:13)Bunbury schrieb:  Ich würde das einfach mal (vielleicht nach Weihnachten) mit dem einen oder anderen durchdiskutieren... Immerhin kan ja nur ein Mann auf den gedanken kommen, daß am Anfang der Landwirtschaft das Bier stand Wink

Nicht unbedingt. Es gibt ja alte Inventarlisten auf Tontafeln, worauf verzeichnet wurde, wieviel von dem damaligen Gesöff wem detailliert pro Tag zustand. Danach müssen die Altvorderen im Orient alle im kollektiven Dauer-Rausch gewesen sein, vom Herrscher und seinem Hofstaat (auch die Frauen und Prinzessinnen!!!) bis zum letzten Sklaven. Immerhin war das damals im dem Klima die einzige Methode, Wasser halbwegs trinkbar zu machen.

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03.12.2012, 21:02
Beitrag: #99
RE: Ist die Evolution des Menschen abgeschlossen?
(03.12.2012 20:59)Arkona schrieb:  
(03.12.2012 19:13)Bunbury schrieb:  Ich würde das einfach mal (vielleicht nach Weihnachten) mit dem einen oder anderen durchdiskutieren... Immerhin kan ja nur ein Mann auf den gedanken kommen, daß am Anfang der Landwirtschaft das Bier stand Wink

Nicht unbedingt. Es gibt ja alte Inventarlisten auf Tontafeln, worauf verzeichnet wurde, wieviel von dem damaligen Gesöff wem detailliert pro Tag zustand. Danach müssen die Altvorderen im Orient alle im kollektiven Dauer-Rausch gewesen sein, vom Herrscher und seinem Hofstaat (auch die Frauen und Prinzessinnen!!!) bis zum letzten Sklaven. Immerhin war das damals im dem Klima die einzige Methode, Wasser halbwegs trinkbar zu machen.
Richtig, und deshalb werden wir auch diesen Bier3D eröffnen.

Und du warst schön. In deinem Auge schien
sich Nacht und Sonne sieghaft zu versöhnen.
...
So kam dich meine Liebe krönen.
Und meine nächteblasse Sehnsucht stand,
weißbindig wie der Vesta Priesterin,
an deines Seelentempels Säulenrand
und streute lächelnd weiße Blüten hin.

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03.12.2012, 21:09
Beitrag: #100
RE: Ist die Evolution des Menschen abgeschlossen?
(03.12.2012 20:59)Arkona schrieb:  
(03.12.2012 19:13)Bunbury schrieb:  Ich würde das einfach mal (vielleicht nach Weihnachten) mit dem einen oder anderen durchdiskutieren... Immerhin kan ja nur ein Mann auf den gedanken kommen, daß am Anfang der Landwirtschaft das Bier stand Wink

Nicht unbedingt. Es gibt ja alte Inventarlisten auf Tontafeln, worauf verzeichnet wurde, wieviel von dem damaligen Gesöff wem detailliert pro Tag zustand. Danach müssen die Altvorderen im Orient alle im kollektiven Dauer-Rausch gewesen sein, vom Herrscher und seinem Hofstaat (auch die Frauen und Prinzessinnen!!!) bis zum letzten Sklaven. Immerhin war das damals im dem Klima die einzige Methode, Wasser halbwegs trinkbar zu machen.


Dass die aber auch bei uns früher viel mehr gepichelt haben, weißt du?

Mir hat mal ein "Biergrossist", hat sein ganzes Leben lang Bier gehandelt, er war auch Aktionär diverser Brauereien,
erzählt:
Die hätten heute (ca. 1975) einen Vogel. Das Bier wäre zu stark. Wenn er früher mit seinen Kameraden Sonntags unterwegs gewesen wäre, da hätte jeder von der Kirche bis am Abend um 8, gut und gerne 50 Glas Bier getrunken. Ein Glas Bier hatte bei uns 0,3 ltr..
Ergo: Die Herren haben ca. 15 Liter Bier durch die Nieren laufen lassen.

Der Mann war noch Kriegsteilnehmer von 14-18, das muss also ca. 1920 gewesen sein.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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