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Kolonien - Migrationen, Auswirkungen auf Mutterland
23.04.2014, 22:15
Beitrag: #21
RE: Kolonien - Migrationen, Auswirkungen auf Mutterland
(23.04.2014 21:33)Renegat schrieb:  Doch nur sehr vordergründig und oberflächlich. Nicht mal die Migranten der 1. Generation, also die, die selbst als junge Leute z.B. in den frühen 50ern migriert sind, ziehen es in Erwägung als Rentner zurückzukehren. Für deren Kinder sind die Wurzeln eine mow nachrichtliche Info.

Diese Tendenz muß früher im 18. und 19. Jhd. noch stärker gewesen sein, als es noch keine Billigflüge zu Verwandtenbesuchen in der alten Heimat gab.
Gab es eigentlich damals Migranten, die die arme zurückgebliebene Verwandschaft z.B. in Irland, Polen oder Deutschland unterstützt haben? Oder waren Überweisungen zu schwierig?

Nun ja, in Uromas besitz befand sich eine dicke Truhe, die angeblich schon mal in Amerika war. Meinem Vater haben in der urgroßväterlichen Biedermeierstube ausgehängte Fotos von entfernten Amerika-Verwandten in Kansas oder wo auch immer den Allerwertesten gerettet, weil er sich 13jährig in HJ-Uniform von Kanadiern in Wismar wenige Tage vorm "Endsieg" gefangen nehmen liess.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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23.04.2014, 23:59
Beitrag: #22
RE: Kolonien - Migrationen, Auswirkungen auf Mutterland
(22.04.2014 11:58)913Chris schrieb:  
(21.04.2014 16:08)Arkona schrieb:  So viele Engländer sind gar nicht nach Amerika ausgewandert, gleiches gilt eigentlich auch für Franzosen und Spanier. Die Masse der heutigen (weißen) US-Amerikaner hat eher deutsche, irische, italienische oder jüdisch-polnische Vorfahren.

Neueste Ausgabe der "G": 50 Millionen der 300 Millionen US-Amerikaner geben deutsche Vorfahren an. "Nur" ein Sechstel also.

Das Volkszählungsergebnis wird falsch wiedergegeben. 50 Millionen US Bürger geben an überwiegend von Deutschen abzustammen. Die meisten anderen haben zumindest auch deutsche Vorfahren.
Diese Zahl hatte zwischen den beiden letzten Volkszählungen frapierend um 6 Millionen zugenommen. Es kamen wohl 3 Effekte zusammen.:

-Es war wieder angesehen, von Deutschen abzustammen.
-Die Nachkommen der Deutschen leben sehr oft auf dem Land und gehören oft streng religiösen Religionsgemeinschaften, wie den Amish an und haben sich deshalb tatsächlich stärker vermehrt.
-Als Mehrheitsbevölkerung fallen die anderen Abstammungen noch schneller in die Minderheit.

viele Grüße

Paul

aus dem hessischen Tal der Loganaha (Lahn)
in der Nähe von Wetflaria (Wetzlar) und der ehemaligen Dünsbergstadt
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24.04.2014, 09:29
Beitrag: #23
RE: Kolonien - Migrationen, Auswirkungen auf Mutterland
(23.04.2014 21:33)Renegat schrieb:  Doch nur sehr vordergründig und oberflächlich. Nicht mal die Migranten der 1. Generation, also die, die selbst als junge Leute z.B. in den frühen 50ern migriert sind, ziehen es in Erwägung als Rentner zurückzukehren. Für deren Kinder sind die Wurzeln eine mow nachrichtliche Info.

Meine Schwester ist in den 50ern rüber. Sie starb letztes Jahr im August in Kentucky, und hatte ihr ganzes Leben heimweh.
Meine Nichte ist eine Deutsche, lebt längst wieder in Deutschland.
Mein Neffe ist ein 100% Ami, spricht gebrochen Schwäbisch, Standartdeutsch versteht er nicht.
Mein Schwager wurde Ende der 70er schwer Herzkrank, haben die beiden bis zu seinem Tod die Sommer in Deutschland, die Winter in USA verbracht.

Es gibt ein Lied aus den 60ern "I bin a Schwob aus Milwaukee, und Heimweh han i nie" um am Schluss in Tränen auszubrechen.

Soll heißen, die Menschen sind überaus verschieden.

Zitat:Diese Tendenz muß früher im 18. und 19. Jhd. noch stärker gewesen sein, als es noch keine Billigflüge zu Verwandtenbesuchen in der alten Heimat gab.
Gab es eigentlich damals Migranten, die die arme zurückgebliebene Verwandschaft z.B. in Irland, Polen oder Deutschland unterstützt haben? Oder waren Überweisungen zu schwierig?

Auch aus eigenem.
In den 1880er Jahren ist eine Schwester und ein Bruder meines Großvaters nacheinander in die USA ausgewandert, gelandet in einer der aufstrebendem Eisenbahnerstädte des Mittelwestens.
Ich denke mal, dss der später kommende "nachgeholt" wurde.
Eine Tochter mit Ehemann war 1955 auf Besuch im "Little Old Heimatort" und ermöglichte dann meiner Schwester mit Familie die Einwanderung in die USA. (Bürgschaft!)

Mein Urgroßvater, andere Linie, war in den 1870ern ein Jahr in den USA, die Zeit brauchte er, um das Geld für die Rückfahrt zu verdienen.

Ein Bürger meiner Geburtsstadt
http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt...e05d5.html
Ausriss:
Zitat:Das einschlägige Werk über Johann Ludwig Krimmel und seine Kunst heißt "John Lewis Krimmel", erschien 1994 und stammt von der Deutsch- Amerikanerin Anneliese Harding. Hardings Recherchen haben sie übrigens mehrmals nach Albstadt geführt, wo sie im Stadtarchiv nach Spuren Krimmels suchte und mit Hilfe von Stadtarchivar und -chronist Walter Stettner auch fündig wurde. Ein Exemplar ihres Buchs ist im Besitz des Stadtarchivs. (uns eines natürlich in meinem)
war der erste nennenswerte Landschaftsmaler der USA, er kam in den 1810ern zu einem zweijährigen Besuch. Überliefert ist von ihm die Aussage: "Wer hier nichts wird, aus dem wird auch in Amerika nichts"

Ich wage die These, dass die allgemeine Kenntnis über die Zustände und Verhältnisse in den USA im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert in der deutschen Bevölkerung deutlich intensiver und tiefgehender als heute waren.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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24.04.2014, 15:47
Beitrag: #24
RE: Kolonien - Migrationen, Auswirkungen auf Mutterland
Zitat renegat:
Zitat:Gab es eigentlich damals Migranten, die die arme zurückgebliebene Verwandschaft z.B. in Irland, Polen oder Deutschland unterstützt haben? Oder waren Überweisungen zu schwierig?

Die Hilfspakete die in den 40ern des letzten Jahrhunderts die amerikanische Verwandschaft schickte, muss manche Not gelindert haben. Und den Neid der anderen ausgelöst haben.
So hatte sich in schwäbischen bürgerlichen Kreisen das geflügelte Wort eingebürgert, das man leider keine Schlawiner in der Verwandschaft hätte, die einem jetzt Päckchen schicken könnten.

Disclaimer: Es gibt die Aussage, sie wird kaum zu widerlegen oder zu bestätigen sein, dass es bis zum 1. WK üblich war, wenn eine Familie ein "schwarzes Schaf" aufzuweisen hatte, dass man denjenigen mit einer Fahrkarte über den großen Teich ausstattete und so vordergründig das Problem aus der Welt schaffte.

Von Friedrich Gerstäcker (ua Flusspiraten des Mississippi) gibt es eine Reihe Briefe die Ausgewanderte an die zurückgebliebnen sandten mit Erfahrungsberichten und Verhaltenshinweisen für die ins Auge gefasste Auswanderung. Mag sein, dass diese fiktiv sind, bestätigen aber, dass diese Briefe in großer Zahl hin und her gingen.

Anmerkung am Rande: In den 1860ern wurde das 1. funktionierende unterseeische Kabel durch den Atlantik verlegt, der "Email"-Verkehr mittels Telegramm lief dann hervorragend.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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24.04.2014, 18:26
Beitrag: #25
RE: Kolonien - Migrationen, Auswirkungen auf Mutterland
Informationen wurden wohl von Anfang an rege ausgetauscht, u.a. mit der Folge der sog. "Kettenauswanderung". Aufgrund der Infos von einem Familienmitglied wanderten weitere Familienmitglieder oder Dorfmitglieder ebenfalls aus.
Finanzielle Zuwendungen oder Pakete scheinen mit eher eine Sache der Nachkriegszeit zu sein, Stichwort "Care"-Pakete, nur eben privat. Dass zuvor die armen Verwandten in "good old Germany" unterstützt wurden, ahb ich so noch nie gehört...

VG
Christian
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24.04.2014, 20:05
Beitrag: #26
RE: Kolonien - Migrationen, Auswirkungen auf Mutterland
(24.04.2014 18:26)913Chris schrieb:  ./..
Finanzielle Zuwendungen oder Pakete scheinen mit eher eine Sache der Nachkriegszeit zu sein, Stichwort "Care"-Pakete, nur eben privat.

VG
Christian

Das ist richtig.

Zitat:Dass zuvor die armen Verwandten in "good old Germany" unterstützt wurden, ahb ich so noch nie gehört...

Dazu kann ich nichts sagen, wird als privat auch kaum noch viel nachzuweisen sein.

Die Zuwendungen für den "little old Heimatort" dürften aber Legion sein.
Ich habe hier im Forum mal die Geschichte eines Deputas das die Witwe eines in New York reich geworden 48er fürdie Stadt Balingen aussetzte, mit dem Geld wurde eine Frauenarbeitsschule eingerichtet, die heute noch besteht. Das Geld hat bis in die 1960er gereicht.

Das "Irma West-Kinderfest" in Hechingen geht auf den gebürtigen Hechinger Fred West (eigentlich Wüst) zurück, der bei seinem Tod 1930 der Stadt Hechingen zweckgebunden für ein Kinderfest das den Namen seiner frühverstorbenen Tochter Irma tragen sollte.
http://www.irma-west-kinderfest.de/gesch...fotos.html

In winterlingen neben dem Rathaus gibt es einen Park, gestiftet von einem ausgewanderten Winterlinger usw. usf.

In Balingen-Heselwangen gab es eine Erbschaft zweckgebunden für einen Kirchenbau, der Erbfall war vor 1914, der Kirchenbau konnte erst nach dem 1.WK in Angriff genommen werden, die Erben wollten sich um die Auszahlung drücken, Zahlung an Kriegsfeinde und "Hunnen" wollten die nicht leisten. Fochten das Testament an. Natürlich vergeblich.
Aber es zeigt die Zäsur 1. Weltkrieg und 2. Generation im Verhältnis der Deutsch-Amerikaner zur alten Heimat sehr deutlich.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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24.04.2014, 22:06
Beitrag: #27
RE: Kolonien - Migrationen, Auswirkungen auf Mutterland
der "Glaube" eine Rolle, dass am Jüngsten Tag...
Das lässt sich auch an den dortigen ehemaligen Ortsnamen wie Gnadenthal, oder Hoffnungsthal ablesen.

Was die Auswanderungen von Deutschland in die USA betrifft, so gab es wohl unterschiedliche wellen mit völlig unterschiedlicher Charakteristik.
Die erste größere Welle,die zwischen1708/09 und 1775 kam bestand aus Protestanten, Herrenhuthern,Amish ,Tunker und Mennoniten ,die hauptsächlich aus der Pfalz kamen ,wohl als Folge der diversen Erbfolgekriege .Es sollen insgesamt rund 65.000 deutsche Auswanderer gewesen sein,die vorzugsweise in Pensylvania siedelten.Dieser Gruppe,die aus vielen religiösen Eiferern bestand wurde übrigens eine große Integrationsunwilligkeit und Bildung einer Parallelgesellschaft nachgesagt - das bis eute gesprochenen Pensylvanian Dutch ist ein Beleg dafür
Die nächste Welle bestand aus ein paar tausend Hessen,die nach ihrem Einsatz im Unabhängigkeitskrieg einfach da blieben.

Ganz anders waren die Auswanderer in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts in zwei Wellen nach 1830 und 1848 kamen politisch engagierte ,liberale anhänger der bürgerlichen Demokratie, die nach dem Hambacher Fest bzw, nach dem Fall von Rastatt fliehen mußten. Diese 30er und 48er gelangten auf Grund ihres Engagements zu hohen Ämtern in Staat und Militär und prägten das öffentliche Leben entscheidend mit.Herausragende Beispiele sind Carl Schurz Staatssekretär des Inneren , Franz Sigel,General der Unionsarmee und Gustav Körner Vizegouverneur von Illinois. Ein Mitglied unseres Familienclans war auch unter den 48ern, Der kämpfte 1849 an der Bergstrasse und bei Rastatt und setzte sich dann nach Chillicothe Ohio ab, wo er einen heute noch bestehenden Familienzweig gründete, gefallen ist er als Soldat der Company G: 1st Independent Company of Ohio Volunteer Sharpshooters des 66th Illinois Volunteer Infantry Regiment (Western Sharpshooters)[bei der Schlacht von Shilo.

In der Zweiten Hälfte des 19.Jhdts erfolgte die größte Welle, Großteils Wirtschaftsemigranten ,und die Rußlanddeutschen
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25.04.2014, 20:28
Beitrag: #28
RE: Kolonien - Migrationen, Auswirkungen auf Mutterland
(24.04.2014 22:06)zaphodB. schrieb:  der "Glaube" eine Rolle, dass am Jüngsten Tag...
Das lässt sich auch an den dortigen ehemaligen Ortsnamen wie Gnadenthal, oder Hoffnungsthal ablesen.

Was die Auswanderungen von Deutschland in die USA betrifft, so gab es wohl unterschiedliche wellen mit völlig unterschiedlicher Charakteristik.
Die erste größere Welle,die zwischen1708/09 und 1775 kam bestand aus Protestanten, Herrenhuthern,Amish ,Tunker und Mennoniten ,die hauptsächlich aus der Pfalz kamen ,wohl als Folge der diversen Erbfolgekriege .Es sollen insgesamt rund 65.000 deutsche Auswanderer gewesen sein,die vorzugsweise in Pensylvania siedelten.Dieser Gruppe,die aus vielen religiösen Eiferern bestand wurde übrigens eine große Integrationsunwilligkeit und Bildung einer Parallelgesellschaft nachgesagt - das bis eute gesprochenen Pensylvanian Dutch ist ein Beleg dafür
Die nächste Welle bestand aus ein paar tausend Hessen,die nach ihrem Einsatz im Unabhängigkeitskrieg einfach da blieben.

Ganz anders waren die Auswanderer in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts in zwei Wellen nach 1830 und 1848 kamen politisch engagierte ,liberale anhänger der bürgerlichen Demokratie, die nach dem Hambacher Fest bzw, nach dem Fall von Rastatt fliehen mußten. Diese 30er und 48er gelangten auf Grund ihres Engagements zu hohen Ämtern in Staat und Militär und prägten das öffentliche Leben entscheidend mit.Herausragende Beispiele sind Carl Schurz Staatssekretär des Inneren , Franz Sigel,General der Unionsarmee und Gustav Körner Vizegouverneur von Illinois. Ein Mitglied unseres Familienclans war auch unter den 48ern, Der kämpfte 1849 an der Bergstrasse und bei Rastatt und setzte sich dann nach Chillicothe Ohio ab, wo er einen heute noch bestehenden Familienzweig gründete, gefallen ist er als Soldat der Company G: 1st Independent Company of Ohio Volunteer Sharpshooters des 66th Illinois Volunteer Infantry Regiment (Western Sharpshooters)[bei der Schlacht von Shilo.

In der Zweiten Hälfte des 19.Jhdts erfolgte die größte Welle, Großteils Wirtschaftsemigranten ,und die Rußlanddeutschen


Mein Familienname, bei uns in der Gegend recht häufig, ansonsten eher selten in Deutschland,
dürfte heute mehr Namensträger in den USA als in Deutschland haben. Speziell die Gegenden zwischen Appalachen und Mississippi
"wimmeln" von ihnen.
Meine mittlere Tochter hatte zwischen 10 und 20 eine Brieffreundin in Evansville, die eine Mitschülerin mit meinem Familiennamen hatte.
Bei uns gab es immer wieder kleine bis mittlere Hungersnöte, in Glaubensdingen waren auch etliche gehörig verstrickt, und dann kam die Politik dazu.

Die erzwungenen Auswanderungen 1849-1852 haben Deutschland überaus geschadet, es waren keine Dummköpfe die da verjagt wurden, flohen oder freiwillig gingen.
Es ist durchaus vergleichbar mit den Zwangsemmigrationen der verfluchten 12 Jahre.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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26.04.2014, 10:12
Beitrag: #29
RE: Kolonien - Migrationen, Auswirkungen auf Mutterland
(25.04.2014 20:28)Suebe schrieb:  Die erzwungenen Auswanderungen 1849-1852 haben Deutschland überaus geschadet, es waren keine Dummköpfe die da verjagt wurden, flohen oder freiwillig gingen.
Es ist durchaus vergleichbar mit den Zwangsemmigrationen der verfluchten 12 Jahre.

Die DDR hatte ein ähnliches Problem und mauerte ihre Bevölkerung ein...das Problem scheinen alle Länder zu haben, die ihrer Bevölkerung keine ausreichenden Perspektiven bieten, abzulesen an der Einwanderungsstatistik der jeweiligen "goldenen Ziele": Im 19./frühen 20.Jh. waren das die USA, aber auch in Deutschland ist das bemerkbar: Wer von den Italienern, Türken, Jugoslawen, heute Rumänen, Bulgaren kommt denn? Doch nur die, die den Willen haben, sich zu verbessern und dafür ihre Heimat aufgeben wollen. Mithin: Die helleren und aktiveren Köpfe. Der Rest bleibt zurück und wurschtelt weiter...
Werden allerdings die Bedingungen daheim besser, zeigt sich, auch die "Zurückgebliebenen" haben Potential. Sichtbar z.B. am Aufschwung Deutschlands: Wären da tatsächlich nur die "Dummen" zurückgeblieben, wäre der Boom seit 1871 wohl kaum möglich gewesen...

VG
Christian
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26.04.2014, 15:54
Beitrag: #30
RE: Kolonien - Migrationen, Auswirkungen auf Mutterland
(26.04.2014 10:12)913Chris schrieb:  ./. Doch nur die, die den Willen haben, sich zu verbessern und dafür ihre Heimat aufgeben wollen. Mithin: Die helleren und aktiveren Köpfe.
./.
VG
Christian

1850 und 1938 waren aber die Rahmenbedingungen andere.
Die wurden gezwungen auszuwandern!
Nachdem man sie zuvor noch vollständig ausgeraubt hatte.
Für 1938 unterstelle ich die Umstände als bekannt,

1850 war es die "samtschuldnerische Haftung" indem man jeden Revolutionsteilnehmer für die gesamten dem Staat dadurch entstandenen Kosten haftbar machte.
Zuerst enteignet, dann gegen die Auflage der Auswanderung aus der Haft entlassen.

OT:
Die deutschen Fürsten des 19. Jahrhunderts waren schon überaus "bemerkenswerte" Gestalten.
Als sich im Kaiserreich dann eine Verwaltung mit dem "deutschen" Beamten etablierte, geordnet, gesetzmäßig, ohne willkühr, war das in den früheren Kleinstaaten so ein bißchen ein Kulturschock. Mit der Folge, dass nach 30-40 Jahren das Vertrauen in "den Staat" fast grenzenlos war.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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26.04.2014, 16:57
Beitrag: #31
RE: Kolonien - Migrationen, Auswirkungen auf Mutterland
(26.04.2014 15:54)Suebe schrieb:  
(26.04.2014 10:12)913Chris schrieb:  ./. Doch nur die, die den Willen haben, sich zu verbessern und dafür ihre Heimat aufgeben wollen. Mithin: Die helleren und aktiveren Köpfe.
./.
VG
Christian

1850 und 1938 waren aber die Rahmenbedingungen andere.
Die wurden gezwungen auszuwandern!

Richtig. Aber eben nur die Rahmenbedingungen.
Es haben sich 1848/49 auch nur die an der Revolution beteiligt, die die deutsche Staatenwelt von unten nach oben kehren wollten. Es ist was anderes als das was ich zuvor gesagt habe, das ist richtig, aber im Endeffekt traf es auch hier wieder diejenigen, die das Wissen und den Willen hatten und sich darüberhinaus noch aufgerafft hatten, das - ihnen wohlbekannte - Risiko einzugehen, sich gegen "den Staat" aufzulehnen.

VG
Christian
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26.04.2014, 18:09
Beitrag: #32
RE: Kolonien - Migrationen, Auswirkungen auf Mutterland
(26.04.2014 16:57)913Chris schrieb:  
(26.04.2014 15:54)Suebe schrieb:  1850 und 1938 waren aber die Rahmenbedingungen andere.
Die wurden gezwungen auszuwandern!

Richtig. Aber eben nur die Rahmenbedingungen.
Es haben sich 1848/49 auch nur die an der Revolution beteiligt, die die deutsche Staatenwelt von unten nach oben kehren wollten. Es ist was anderes als das was ich zuvor gesagt habe, das ist richtig, aber im Endeffekt traf es auch hier wieder diejenigen, die das Wissen und den Willen hatten und sich darüberhinaus noch aufgerafft hatten, das - ihnen wohlbekannte - Risiko einzugehen, sich gegen "den Staat" aufzulehnen.

VG
Christian


20 Jahre früher Friedrich List.
Es ist mir völlig unverständlich warum er schließlich zur Auswanderung gezwungen wurde. Dasselbe las ich in einer Publikation des Jahres 1880. Reine Fürstenwillkür.

Wobei wir übrigens wieder beim Thema wären. Wink
Friedrich List, der USA-Heimkehrer ist in seiner Wirkung auf den Zollverein und insbesondere das neue Verkehrsmittel Eisenbahn eigentlich ga nicht zu überschätzen

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26.04.2014, 19:39
Beitrag: #33
RE: Kolonien - Migrationen, Auswirkungen auf Mutterland
(26.04.2014 18:09)Suebe schrieb:  Wobei wir übrigens wieder beim Thema wären. Wink

Ich glaub, da waren wir die ganze Zeit... Wink

(26.04.2014 18:09)Suebe schrieb:  Friedrich List, der USA-Heimkehrer ist in seiner Wirkung auf den Zollverein und insbesondere das neue Verkehrsmittel Eisenbahn eigentlich ga nicht zu überschätzen

Tscha. Da haben die Herren Fürsten wohl andere Prioritäten gesetzt...List wollte ja ein "demokratisches" Verkehrsmittel!

VG
Christian
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27.04.2014, 10:14
Beitrag: #34
RE: Kolonien - Migrationen, Auswirkungen auf Mutterland
(26.04.2014 19:39)913Chris schrieb:  ./.

Tscha. Da haben die Herren Fürsten wohl andere Prioritäten gesetzt...List wollte ja ein "demokratisches" Verkehrsmittel!

VG
Christian

Das
Zitat:„Ein oberflächlicher Blick schon auf die inneren Verhältnisse Württembergs muß den unbefangenen Beobachter überzeugen, daß die Gesetzgebung und die Verwaltung unseres Vaterlandes an Grundgebrechen leidet, welche das Mark des Landes verzehren und die bürgerliche Freiheit vernichten.“[12] Die Hauptkritik galt der zunehmenden Bürokratisierung. Die „Schreiberherrschaft“ sei eine „vom Volk ausgeschiedene, über das ganze Land ausgegossene und in den Ministerien konzentrierende Beamtenwelt, unbekannt mit den Bedürfnissen des Volkes und den Verhältnissen des bürgerlichen Lebens, … jeder Einwirkung des Bürgers, gleich als wäre sie staatsgefährlich, entgegenkämpfend.“
*
äußerte List als württ. Landtagsabgeordneter.
Der König vergatterte den Landtag zur Aufhebung der Immunität, verpasste List 10 Monate Hohenasperg, und begnadigte ihn nach 5 Monaten zur Auswanderung.

Ein Beispiel für den Aderlass, den die Potentaten dem Kulturkreis verpassten.
Was leider mehr oder weniger nicht mehr den Weg in die öffentliche Wahrnehmung findet. Denn die Leibdragoner-Historiker des ausgehenden 19. Jahrhunderts schrieben solchen Saich über die "guten Könige" die von ihrem Volk ja sooooo geliebt wurden, dass die historische Wahrheit dahinter sehr vernebelt wird.



*aus Wiki

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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27.04.2014, 16:19
Beitrag: #35
RE: Kolonien - Migrationen, Auswirkungen auf Mutterland
Da Friedrich List hier erwähnt wurde, möchte ich hier kurz auf das Wirken der aus Westfalen stammenden Brüder Harkort hinweisen:

Friedrich Harkort (1793-1880), "Vater des Ruhrgebietes"

Gustav Harkort (1795–1865), Unternehmer, Bankier und Eisenbahnpionier in Sachsen

Eduard Harkort (1797–1836), Bergbauingenieur in Texas

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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30.04.2014, 14:58
Beitrag: #36
RE: Kolonien - Migrationen, Auswirkungen auf Mutterland
Ich las von der großen Bedeutung, die Deutsche für die Besiedlung und Entwicklung von Texas hatten. In den Westernromanen, die man früher verschlungen hat, kommen Deutsche überhaupt nicht vor.
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30.04.2014, 16:38
Beitrag: #37
RE: Kolonien - Migrationen, Auswirkungen auf Mutterland
(30.04.2014 14:58)Harald schrieb:  Ich las von der großen Bedeutung, die Deutsche für die Besiedlung und Entwicklung von Texas hatten. In den Westernromanen, die man früher verschlungen hat, kommen Deutsche überhaupt nicht vor.

Nie Karl May gelesen?!? Big Grin

Abgesehen davon geben überraschend viele US-Amerikaner noch heute an, von deutschen Vorfahren abzustammen. (vgl. http://upload.wikimedia.org/wikipedia/co...ounty.jpg)

VG
Christian
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01.05.2014, 18:03
Beitrag: #38
RE: Kolonien - Migrationen, Auswirkungen auf Mutterland
Karl May-Romane betrachte ich nicht als typische Westernromane.
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01.05.2014, 20:30
Beitrag: #39
RE: Kolonien - Migrationen, Auswirkungen auf Mutterland
Besonders nicht "Durch die Wüste" oder "Der blaurote Methusalem":D Big Grin
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