Antwort schreiben 
 
Themabewertung:
  • 0 Bewertungen - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Tyrannen der Weltgeschichte:
28.07.2013, 10:45
Beitrag: #1
Tyrannen der Weltgeschichte:
In der Geschichte gab und gibt es immer wieder besonders grausame Herrschergestallten. Mit diesem soll sich dieser Tread befassen. Hier soll Platz dafür sein über bekannte und weniger bekannte Tyrannen aus verschiedenen Zeitaltern der Menschheitsgeschichte zu diskutieren.

Hier ein paar Diskussionsansätze zu den jeweiligen Tyrannen:

-Was waren die Gräultaten des jeweiligen Tyrannen?
-Warum denkt ihr hat der jeweilge Tyrann so gehandelt?
-Ist derjenige überhaupt unter diese Kathegorie einzustufen (gibt ja auch Leute bei denen es nicht unumstritten ist, wie sie eingestuft werden)
-Wie hat sich die Terrorherrschaft auf das unterdrückte Volk und auch auf die Geschichte des jeweiligen Landes ausgewirkt.

Sind nur ein paar Ansätze.

Freue mich auf interessante Dikussionen.
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
29.07.2013, 01:38
Beitrag: #2
RE: Tyrannen der Weltgeschichte:
Iwan der Schreckliche (* 1530; † 1584 - Großfürst seit 1533, Zar seit 1547) erlebte als Kind in seiner Umgebung selbst viele Grausamkeiten, da verschiedene Adelsfraktionen um die Ausübung der Regentschaft mit allen Mitteln kämpften. So wurde Iwan mehrmals geraubt, wer ihn besaß, konnte die Macht ausüben. 1540/41 fielen Tataren in Moskau ein, die sich ebenfalls Iwan zur Legitimation ihrer Herrschaft bedienten. Nachdem Iwan selbstständig die Macht übernommen hatte, rächte er den Tod einiger ihm nahegestandener Bojaren mit gleicher Grausamkeit.

Es kann als gesichert gelten, dass Iwan bereits als junger Herrscher psychisch krank war. Da er nicht therapiert wurde und es niemanden gab, der ihm Einhalt gebot oder sich ihm widersetzte, entwickelte sich Iwan mit zunehmenden Alter zum soziopathischen, grausamen Tyrannen.

In seinen jungen Jahren war der Zar durchaus noch in der Lage, seine Gewalt- und Wutausbrüche zu kontrollieren. Seine Ehefrau Anastasia Romanowa konnte ihn beschwichtigen, er war zu vernünftigen Handlungen zu bewegen. Nachdem Anastasia 1560 verstarb, sie erlag während einer Reise im Winter dem Angriff eines Wolfsrudels, verdüsterte sich der Zustand Iwans völlig. Er vertraute nur noch seiner Leibwache, der Optritschniki, die das Land mit Terror überzog. Hauptsächlich richtete sich deren Terror gegen die Bojaren, gegen Handelsstädte wie Nowgorod oder Pskow, aber auch gegen Vertreter der orthodoxen Kirche. In den 1570-er Jahre empfand Iwan dann "Reue" für sein Handeln, vermutlich nach Beeinflussung durch die orthodoxe Kirche. Dies führte dann zu Terror gegen seine ehemaligen Vollstrecker, die Optrtschniki, die ihm wohl als Staat im Staate zu mächtig geworden sind. 1581 erschlug er seinen ältesten Sohn, möglicherweise verschuldete er auch den Tod seines 1582 geborenen jüngsten Sohnes Dmitri.

Auf alle Fälle musste der Moskauer Hof aufgeatmet haben, als Iwan 1584 verstarb. Die Herrschaft ging an seinen regierungsunfähigen Sohn Fjodor, die Regentschaft übernahm dessen Schwager Boris Godunow.

Was brachte Iwans Herrschaft für Russland. Auf dem ersten Blick erscheint seine politische Hinterlassenschaft positiv. Unter der Herrschaft Iwans erweiterte sich das Territorium Russlands enorm. Die tatarischen Khanate von Kasan und Astrachan wurden erobert, Jermak Timofejewitsch begann 1581 die Expansion nach Sibirien einzuleiten. Ebenso konnte Russland sich nach dem Livländischen Krieg (1558–1583) im Baltikum behaupten. Und seit den 1550-er Jahren wurden Handelsbeziehungen zu England gepflegt und in diesem Zusammenhang Hafen und Stadt Archangelsk gegründet. Der Holzhandel mit England war eine stetige Einnahme der russischen Zaren, später folgte auch der Export anderer Rohstoffe nach England.

Auf dem zweiten Blick muss man aber sehen, dass die russische Staatskrise, die Zeit der Wirren von 1605 bis 1612/13, eine Folge von Iwans Politik war. Der Livländische Krieg (oft auch als 1. Nordische Krieg) schuf Grundlagen, die zu weiteren Kriegen mit Schweden, Dänemark oder Polen führten und die schließlich nach dem Großen Nordischen Krieg von 1700 bis 1721 zur endgültigen Festsetzung Russlands im südöstlichen Ostseeraum führten.

In wieweit das russische Volk Iwans Herrschaft mehr ablehnte, als die Herrschaft anderer Zaren ist nicht ganz zu ermitteln. Fakt ist, dass sich Iwans Terror hauptsächlich gegen den Adel oder gegen die Kirche, aber auch gegen Handelsstädte der Hanse richtete. Die Optritschniki setzten sich zum Teil auch aus rekrutierten Bauernsöhne zusammen, von denen einige später die Stellung der von ihnen vernichteten Bojaren einnahmen. Dies geschah aber ohne Plan oder politisches Konzept, da Iwan hier sich oft von Launen treiben ließ und so auch mal einen Vagabunden zum Herren von tausend Bauern machte.

Wesentliche Änderungen zu der Herrschaft seiner Vorgänger waren, dass erstens Iwan als erster Zar autokratisch herrschte und damit eine bis in das heutige Russland wirkende Herrschaftform begründete. Zweitens vernichtete Iwan einen Teil des Adels, damit schuf er ein Vorbild für seine Nachfolger wie z.B. Peter den Großen, der die Strelizen vernichtete oder Stalin, der große Teile der Bolschewiki vernichtete. So ein Verhalten des Alleinherrschers errichtet natürlich ein Klima der Angst, aber auch der Speichelleckerei. Widerstand erforderte neben Mut auch Härte und Skrupellosigkeit. Vielleicht können die Gewaltexzesse russischer Bauern (Pugatschowaufstand) oder der Narodnaja Wolja u.a. daraus erklärt werden. Drittens, aufgrund der Gebietserweiterungen unter Iwan ergaben sich für die russischen Bauern (zumindest für die robustesten), Möglichkeiten der Leibeigenschaft zu entfliehen z.B. nach Sibirien oder in die ehemalige Khanate, das heutige Südrussland (Kosaken).

Abschließend stelle ich fest, dass die Herrschaft Iwans unterschiedlich bewertet wird. Sein russischer Beiname "Grosny" bedeutet eben nicht nur der Schreckliche, sondern er kann auch als der Strenge, sogar als der Gerechte übersetzt werden. Einstimmigkeit besteht darüber, dass seine Herrschaft ein bedeutender Einschnitt in der Geschichte Russlands war.

Sergej Eisenstein wollte/sollte in den 1940-er Jahren einen Dreiteiler über Iwan drehen. Im ersten Teil wurde Iwan als strenger, aber gerechter Zar dargestellt. Dies umfasste seine Herrschaft bis 1560, also bis zum Tod seiner Frau Anastasia. Dieser Teil wurde von Stalin hochgelobt und preisgekrönt. Im zweiten Teil wurde Iwan als schrecklicher Zar dargestellt, dies waren die Jahre des Krieges und der Opritschniki. Dieser Teil wurde von Stalin zerrisen und verboten und Eisenstein bekam Arbeitsverbot. Ein dritter Teil wurde nie gedreht.

Wer mehr über Iwan wissen will, dem empfehle ich nachfolgende zwei Bücher, in denen ich gerade "quer" gelesen habe:

* Francis Carr; Iwan der Schreckliche. Der erste Zar; Wilhelm Heyne Verlag München, Deutsche Erstausgabe 1990; ISBN 3-453-03794-4
* Nikita Romanow / Robert Payne; Iwan der Schreckliche; Magnus Verlag GmbH Essen/Berlin; ISBN 3-88400-001-2

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
29.07.2013, 19:59
Beitrag: #3
RE: Tyrannen der Weltgeschichte:
Möchte hier mal ein paar Namen zum Diskutieren einbringen. Bei diesen 3 stellt sich immer wieder die Frage waren sie so schreckliche Tyrannen oder verscherzen sie es sich nur mit dem Adel, der ja meist die Quellenschreiber stellte:

-Calligula
-Nero
-Phokas (Byzantinischer Kaiser)

Was ist eure Meinung zu diesen oft umstrittenen "Tyrannen"?
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
30.07.2013, 15:19
Beitrag: #4
RE: Tyrannen der Weltgeschichte:
Nero und Calligula sind geschichtlich sehr verzert,
z.B Nero wollte nie Kaiser werden sondern Künstler. Als Rom brannte, spiele er Harfe? dies war jedoch ein Trauerspiel. So kam der Künstler eben über diese Katastrophe hinweg.
Als Calligula ein Pferd zum Präfekten kürte, war das keine Verrücktheit sondern eine Machtdemonstaration.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
30.07.2013, 22:40
Beitrag: #5
RE: Tyrannen der Weltgeschichte:
Es ist m.E. nicht zu Unrecht geschehen, dass Caligula und Nero als grausame Tyrannen beschrieben worden. Ob sie schon zu Beginn ihrer Herrschaft psychisch krank waren, ist schwer zu sagen. Ich neige dazu, sie zumindest als verhaltensauffällig einzuschätzen. Und diese Verhaltensauffälligkeiten hatten ihre Ursachen im direkten Umfeld der Heranwachsenden.

Caligula verbrachte einen Teil seiner Kindheit in den römischen Feldlagern oder Städten in Germanien. Sein Vater war Germanicus, der ein Neffe von Tiberius war und der von seinen Soldaten als erfolgreicher General verehrt wurde. Diese Sympathie der Soldaten wurde auch auf die Kinder des Feldherrn übertragen. Verheiratet war Germanicus mit Aggrippina der Älteren, einer Enkelin von Augustus. Das Ehepaar hatte insgesamt acht Kinder, von denen bereits zwei Söhne zum Zeitpunkt von Caligulas Geburt (* 31. August 12 n. Chr.) verstorben waren. Ein tiefer Einschnitt in Caligulas Leben war der frühe Tod seines Vaters Germanicus im Jahr 19, der möglicherweise einen Giftanschlag zum Opfer fiel, als deren Drahtzieherin die Witwe Augustus' Livia vermutet wurde.

Zumindest glaubte dies Aggrippina, die mit ihren Kindern mehr oder weniger geduldet am Hofe Tiberius' lebte. In den Jahren 31 bis 33 wurden Aggrippina und ihre älteren Söhne Drusus und Nero bezichtigt, Mordanschläge gegen Tiberius geplant zu haben. Ihr Tod muss Caligula erschüttert haben. Er selbst lebte seit 30 in Capri am Hofe von Tiberius', der sich mehr und mehr aus den Staatsgeschäften zurückzog und in Capri ein tyrannischer Eigenbrötler war.

Caligula muss Tiberius als Verantwortlichen für den Tod seiner Mutter und seiner Brüder gehasst haben. Das freundliche Verhalten gegenüber Tiberius und Macros, dem Präfekten der Prätorianergarde, muss Heuchelei gewesen sein. Tiberius und Caligula misstrauten sich und Tiberius soll geäußert haben, dass er eine Viper fürs römische Volk großziehe. Dass Caligula in seiner Situation nur seinen drei jüngeren Schwestern vertraute, ist verständlich. Ob dieses Verhältnis nur sehr innig war oder gar inzestuös, muss eine offene Frage bleiben.

Fakt ist, dass Caligula zu seinem Herrschaftsantritt als junger, hypernervöser, launischer und brutaler Mann beschrieben wird. Trotzdem wurde die Thronbesteigung des Sohns von Germanicus vom römischen Volk, aber auch vom Senat begrüßt. Wahrscheinlich hatte man den eigenbröterlerischen, knauserigen Tiberius satt und setzte deswegen große Hoffnungen auf den jungen Kaiser. Ein Einschnitt im Leben des jungen Kaisers war, dass er noch im Jahr 37 einen epileptischen Anfall erlitt und danach lange krank war. Nachdem er genesen war, begann er Rivalen wie Gemellus oder Macros zu beseitigen. Da Caligula beim Tod seiner Mutter und Brüder keine Trauer zeigen durfte, inszenierte er aufwändige und teure Leichenspiele für seine im Juni 38 verstorbene Lieblingsschwester Drusilla, die er zur Göttin erhob. Seine im darauf folgenden Jahr geborene Tocher wurde ihr zu Ehren Julia Drusilla genannt.

Caligula richtete eine Anzahl teurer Spiele aus, so dass das immense Vermögen, das Tiberius ihm hinterlassen hatte, bald aufgebraucht war. Er erhöhte die Steuern bzw. er erfand neue Steuern und er begann Senatoren zu enteignen, denen er Mitschuld an den Hinrichtungen unter Tiberius vorwarf. Das führte wiederum zu Verschwörungen der Senatsaristokratie, aber auch seine beiden Schwestern Aggrippina die Jüngere und Livilla rebellierten gegen seine Herrschaft. Meist wurden die Verschwörer hingerichtet, seine beiden Schwestern wurden auf die Pontischen Inseln verbannt.

Caligulas Vorhaben, Britannien zu erobern, scheiterte an der mangelnden Disziplin der Rheinarmee und der Inkompetenz des Kommandanten, den Caligula hinrichten ließ. Vieles, was der Kaiser versuchte umzusetzen versuchte, scheiterte und es wurden die tatsächlichen oder scheinbaren Verantwortlichen hingerichtet, so dass Senatsmitglieder, Hofbeamte, Offiziere oder Prätorianer damit rechnen mussen, selbst Opfer des Terrors zu werden. Von Caligula unbemerkt, er war damit beschäftigt, sich selbst zum Gott zu ernennen, formierte sich eine Opposition, die nach langer Planung am 24. Januar 41 den Mordanschlag auf Caligula ausführte.

Caligula wurde während seiner Herrschaft psychisch krank und er entwickelte sich zum grausamen Tyrannen. Dies ist zum Teil erblich bedingt oder aus seiner Biografie zu erklären. Ein großer Fehler Caligulas war aber, dass er nicht das System des Prinzipats erkannte und den Senat nicht an der Macht beteilgigte bzw. ihn davon ausschließen wollte. Er war halt kein Staatsmann, der das Format eines Augustus' hatte.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
30.07.2013, 23:51
Beitrag: #6
RE: Tyrannen der Weltgeschichte:
Nero wurde als Sohn von L. Domitius Ahenobarbus, einen Angehörigen der Senatsaristokratie, und der Aggrippina der Jüngeren, einer Tochter von Germanicus und somit Schwester von Caligula, am 15. Dezember 37 geboren. Sein Vater verstarb im Jahr 41, seine Mutter wurde im Jahr 39 von Caligula auf die Pontischen Inseln verbannt. Inwieweit er diese Jahre an der Seite seiner Mutter lebte, ist nicht ganz sicher. Fest steht, dass er seit 49 in Rom lebte, nachdem Kaiser Claudius seine Nichte Aggrippina die Jüngere geheiratet hatte, obwohl solche Verwandtenehen in der römischen Oberschicht unüblich waren.

Nero wurde bald von Claudius adoptiert und von dem Philosophen Seneca erzogen. Nach der Vergiftung von Claudius wurde Nero im Jahr 54 neuer Kaiser. Er ließ seinen Stiefbruder Britannicus im Jahr 55 und seine Mutter Aggrippina im Jahr 59 umbringen, da sie ihn immer noch bevormunden wollte. Sein Berater Burrus wurde im Jahr 62 hingerichtet, seinen Erzieher Seneca zwang er 65 zum Selbstmord. Ebenso hat Nero den Tod seiner Ehefrauen Octavia und Poppaea zu verantworten. Dagegen trifft ihn sicher keine Schuld am Brand von Rom im Jahr 64. Fakt ist, dass er Geld für den Wiederaufbau Roms zur Verfügung stellte und strenge Gesetze erließ, die eine Wiederholung eines Brandes vermeiden sollten. Dass er den Christen die Schuld am Brand anlastete, ist als Ablenkungsmanöver zu verstehen.

Jeglichen Realitätssinn hat wohl Nero im Jahr 67 verloren, als er Griechenland besuchte und dort sich als großen Künstler darstellte und an die eigens für ihn verschobenen Olympischen Spielen teilnahm, wo er alle Preise einheimste. Dabei bemerkte er nicht, dass der Statthalter von Hispania Tarraconensis gegen ihn zu rebellieren begann. Am 9. Juni 68 brachte sich Nero um.

Nero wurde von der Oberschicht gehasst, vor allem wegen seiner öffentlichen Auftritte, seiner Liebe zur Kultur und seinen Ausschweifungen. Dagegen war Nero beim römischen Volk populär. Im Jahre 79 konnte sich ein Rebell kurzzeitig als "falscher Nero" behaupten.

Ob Nero verrückt (im Sinne von Schrullen) war oder nicht, ist nicht unbedingt die Frage. Er war m. E. ein Soziopath, der keine Empathie für sein persönliches Umfeld empfand und der oft nicht die Konsequenzen seines skrupellosen Tuns einschätzen konnte. Woran das lag? Sicher auch an der Erziehung seiner Mutter, die ihren Nero lehrte, mit allen Mitteln seine persönlichen und politischen Interessen durchzusetzen. Sicher war auch ein Teil erblich bedingt, er war ja der Neffe Caligulas. Neros Scheitern lag einfach daran, dass er sich in seinem Privatleben nicht so verhielt, wie es von der Senatsaristokratie erwartet wurde. Er war eben auch kein Staatsmann, der das Format Augustus' hatte.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
31.07.2013, 02:23
Beitrag: #7
RE: Tyrannen der Weltgeschichte:
Zu Phokas: Man kann es drehen und wenden, wie man will, er bleibt ein grausames Ungeheuer. Auch wenn versucht wird, die Herrschaft seines Nachfolgers Herakleios negativer zu beschreiben, als sie war und zu Ungunsten von Herakleios, Phokas aufzuwerten.

Phokas war ein Tyrann für das gesamte Volk, Byzanz während seiner Herrschaft ein außenpolitischer Ausfall. Der Sassanide Chosrau II. griff als angeblicher Rächer des gestürzten Maurikios' das Reich an, die Langobarden expandierten in den Süden Italiens, die Landnahme der Slawen auf dem Balkan setzte sich fort, ebenso die der Awaren. In Konstantinopel kam es zu Unruhen, ebenso in den östlichen Provinzen. Phokas kannte nur Gewalt, egal ob es gegen die Familie seines Vorgängers, gegen seinen Feldherren Narses oder gegen Teile der Bevölkerung, wie z.B. Juden, die sich der Zwangskonvertierung verweigerten und sich dann mit Terror gegen die christliche Bevölkerung wehrten. Das Reich wäre sicher in Anarchie versunken, wäre Phokas nicht 610 gestürzt worden.

Über die Gründe seiner Grausamkeit lässt sich nur spekulieren. Ein Grund dafür wäre sicher, dass ihm als Usurpator die Legitimation zur Machtausübung fehlte und Phokas davon ausging, sich nur mit Terror an der Macht zu halten können. Den Überlieferungen muss er ein verrohter Soziopath gewesen sein. Dies war sicher auch eine Folge seiner Karriere vom einfachen Soldaten zum Kaiser oder umgedreht, hätte Phokas Eigenschaften wie Mitgefühl usw. gehabt, gar Verständnis für die unterschiedlichen Kriegsgegner gehabt, hätte er seinen Aufstieg in der Armee nicht geschafft. Er war der Mann fürs Grobe, der am Ende nicht mehr kontrollierbar war und sich 602 selbst an die Spitze des Staates stellte.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
31.07.2013, 06:20
Beitrag: #8
RE: Tyrannen der Weltgeschichte:
In die Reihe gehört Timur Lenk. Er verwüstete alles weit um Samarkand und Buchara (das baute er auf), Verwaltung eroberter Gebiete waren ihm nicht so wichtig. Er schlug überall zu, ob in Anatolien, Indien oder der ukrainischen Steppe. Er starb, als er China angehen wollte - das wäre spannend geworden.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
31.07.2013, 11:20
Beitrag: #9
RE: Tyrannen der Weltgeschichte:
(31.07.2013 06:20)Arkona schrieb:  In die Reihe gehört Timur Lenk. Er verwüstete alles weit um Samarkand und Buchara (das baute er auf), Verwaltung eroberter Gebiete waren ihm nicht so wichtig. Er schlug überall zu, ob in Anatolien, Indien oder der ukrainischen Steppe. Er starb, als er China angehen wollte - das wäre spannend geworden.

Denke er wäre dort auch nur verwüstend eingefallen und dann wohl wieder abgezogen, ohne das er die Ming-Dynastie stürzen hätte können, obwohl man schon sagen muss eine aufstrebende Macht wie die Osmanen zu besiegen ist wohl auch alles andere als selbstverständlich.

Das man ihn unter die Kategorie Tyrann geben kann, da hast du absolut recht. Timur Lenk baute außerhalb von Samarkand und Buchara nirgends eine funktionierende Verwaltung auf - er beschränkte sich mit dem grausamen Niederschlagen von Aufständen, man könnte sagen er herrschte mit Angst und Terror über sein Volk - also ein Tyrann.
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
31.07.2013, 11:30
Beitrag: #10
RE: Tyrannen der Weltgeschichte:
(30.07.2013 22:40)Sansavoir schrieb:  Caligula wurde während seiner Herrschaft psychisch krank und er entwickelte sich zum grausamen Tyrannen. Dies ist zum Teil erblich bedingt oder aus seiner Biografie zu erklären. Ein großer Fehler Caligulas war aber, dass er nicht das System des Prinzipats erkannte und den Senat nicht an der Macht beteilgigte bzw. ihn davon ausschließen wollte. Er war halt kein Staatsmann, der das Format eines Augustus' hatte.

Was auch nicht ganz zu vergessen ist, ist die Geschichte mit dem Epi-Anfall, was ich so gehört und gelesen habe kann einem so etwas schon verändern.
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
31.07.2013, 11:52
Beitrag: #11
RE: Tyrannen der Weltgeschichte:
(31.07.2013 02:23)Sansavoir schrieb:  Zu Phokas: Man kann es drehen und wenden, wie man will, er bleibt ein grausames Ungeheuer. Auch wenn versucht wird, die Herrschaft seines Nachfolgers Herakleios negativer zu beschreiben, als sie war und zu Ungunsten von Herakleios, Phokas aufzuwerten.

Phokas war ein Tyrann für das gesamte Volk, Byzanz während seiner Herrschaft ein außenpolitischer Ausfall......

Zwei mildernde Dinge möchte ich noch erwähnen: Erstens: Was man schon beachten sollte, aufgrund seiner Karriere mochte ihn der Adel der ja die Quellen meist schreibt nicht besonders, was manches wohl noch extremer aussehen lässt. Zweitens: An der Krise des Reichs zu seiner Zeit trifft Phokas keinesfalls alleine die Schuld. Justinian I hatte versucht Rom wiederherzustellen, doch schon bald musst man erkennen das, diese Politik die Ressourcen von Byzanz bei weitem übersteigt – die Folge war eine Abstiegsspirale, in die auch die Zeit von Phokas fiel – nun war man ganz unten. Geld war kaum mehr Vorhanden, Soldaten dadurch auch nicht, die Gegner warteten schon usw.

Aber das soll jetzt nicht heißen das Phokas kein Tyrann und extrem unfähiger Staatsmann war, er war halt noch zusätzlich zur falschen Zeit am Thron. Finde er hat mit seiner Politik die Krise zwar nicht ausgelöst, aber enorm verstärkt. Mit seiner Karriere lässt sich viel erklären, ihm fehlte scheinbar jeglicher Weitblick und er hatte keine Legitimation, musste ständig Angst haben, den Thron bald wieder zu verlieren.

Wo ich dir etwas wiederspreche: Ich denke nicht das, wenn Phokas an der Macht geblieben wäre, das Reich in Anarchie und Chaos versunken wäre – nein – es wäre wohl untergegangen. Das dieser Untergang nicht stattfand war eine enorme Leistung von Kaiser Heraklaios und auch ein bisschen den Mauern Konstantinopels zu verdanken.

Die Sassaniden haben etliche der wichtigsten Reichsprovinzen an sich gerissen und waren in Kleinasien vorgedrungen, ein Phokas hätte ein in Besitznahme wohl nicht verhindern können. Die Awaren und Slawen belagerten mit den Sassaniden gemeinsam die Stadt, wer weiß ob sich da nicht auch noch der eine oder andere Aufständische Verräter gefunden hätte, der ihnen Zugang zu dieser verschafft hätte, hätte Phokas weiter machen können. Andererseits: Wie bei vielen Tyrannen war es nur eine Frage der Zeit bis er irgendwann gestürzt wurde, zum Glück von Byzanz von einem weit fähigerem Herrscher.
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
31.07.2013, 16:16
Beitrag: #12
RE: Tyrannen der Weltgeschichte:
Ich möchte mal Heinrich VIII. in die Runde werfen. Er war nicht nur ein Haustyrann, sondern er zwang seinem Volk auch gleich noch einen Glauben auf, mit dem "das Volk" erst mal nicht so recht zufrieden war - zu katholisch angehaucht - und der einzig dem Zweck diente, seine Geldbörse zu füllen und sich als Haustyrann durchzusetzen.
Noch dazu scheint Heinrich VIII. zeitweise auch ein Pantoffelheld gewesen zu sein...

VG
Christian
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
31.07.2013, 16:18
Beitrag: #13
RE: Tyrannen der Weltgeschichte:
Noch ein Gedanke:
Könnte es sein, dass fast alle Inka-, Maya- und Aztekenherrscher in die Kategorie "Tyrann" nach unseren heutigen Definitionen fallen?
Könnte es also weiterhin sein, dass die Beurteilung eines Herrschers als Tyrann oder nicht Tyrann von der jeweiligen Kultur und Geisteshaltung des Beurteilers abhängt?

VG
Christian
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
31.07.2013, 16:32
Beitrag: #14
RE: Tyrannen der Weltgeschichte:
Auf Sizilien und vor allem in Syrakus gab es besonders viele und berühmte Tyrannen.
Gelon, der erste der Tyrannen von Syrakus, war noch eine wohlgelittener "Alleinherrscher" (ursprüngliche Bedeutung des Begriffs), aber schon sein Nachfolger Hieron I. wurde zum Despoten. Die Reihe der syrakusanischen Tyrannen geht weiter mit Dionysios I. (Trasybulos überspringen wir mal mit seinem einem Jährchen Regierungszeit), das kurzlebige Trio Dion, Hipparinos und Nysaios, dann Dionysios II., womit Geolns Dynstie endete. Später gab es noch Agathokles und wieder später Hieron II., mit dem dann die eigenständige Rolle von Syrakus endet und die römische Zeit beginnt.

War es die Größe und der Reichtum von Syrakus, der diese "Flut" von Tyrannen hervorbrachte? Oder war es die Ferne zu Griechenland, wo es zwar auch Tyrannen gab, aber nicht solche regelrechten Tyrannendynastien? Oder war es die Auseinandersetzung mit dne Karthagern, die die Machtergreifung und -erhaltung dieser "starken Männer" hervorbrachte?

VG
Christian
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
31.07.2013, 16:51
Beitrag: #15
RE: Tyrannen der Weltgeschichte:
(31.07.2013 16:32)913Chris schrieb:  Auf Sizilien und vor allem in Syrakus gab es besonders viele und berühmte Tyrannen.
Gelon, der erste der Tyrannen von Syrakus, war noch eine wohlgelittener "Alleinherrscher" (ursprüngliche Bedeutung des Begriffs), aber schon sein Nachfolger Hieron I. wurde zum Despoten. Die Reihe der syrakusanischen Tyrannen geht weiter mit Dionysios I. (Trasybulos überspringen wir mal mit seinem einem Jährchen Regierungszeit), das kurzlebige Trio Dion, Hipparinos und Nysaios, dann Dionysios II., womit Geolns Dynstie endete. Später gab es noch Agathokles und wieder später Hieron II., mit dem dann die eigenständige Rolle von Syrakus endet und die römische Zeit beginnt.

War es die Größe und der Reichtum von Syrakus, der diese "Flut" von Tyrannen hervorbrachte? Oder war es die Ferne zu Griechenland, wo es zwar auch Tyrannen gab, aber nicht solche regelrechten Tyrannendynastien? Oder war es die Auseinandersetzung mit dne Karthagern, die die Machtergreifung und -erhaltung dieser "starken Männer" hervorbrachte?

VG
Christian


Da hast du den Tyrann als solchen genannt:
und es klingt mir aus fernen Schulzeiten ins Ohr:

"Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich
Damon, den Dolch im Gewande:
Ihn schlugen die Häscher in Bande,
"Was wolltest du mit dem Dolche? sprich!"
Entgegnet ihm finster der Wüterich.
"Die Stadt vom Tyrannen befreien!"
"Das sollst du am Kreuze bereuen."

um zu enden:

"ich sei - gewährt mir die Bitte,
in Euerm Bunde der Dritte"

(Gedächnis-Zitat)

"in Tyrranos" überschrieb Schiller seine Räuber.

Sorry für den OT-Ausflug.
Ach ja, Schiller hatte eine Professur als Historiker.

"Die Inflation muss als das hingestellt werden, was sie wirklich ist, nämlich als Betrug am Staatsbürger, der um einen Teil seines Einkommens, aber noch mehr um seine Ersparnisse gebracht wird.!" (Ludwig Erhard, Bundeskalnzler 1963 bis 1966)
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
03.08.2013, 11:14
Beitrag: #16
RE: Tyrannen der Weltgeschichte:
Ein Kontinent der im vorhergehenden Jahrhundert zahlreiche Tyrannen hervorbrachte ist Afrika.

Welche haltet ihr für die schlimmsten? Warum und was waren die Gründe für ihr Verhalten?
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
03.08.2013, 16:02
Beitrag: #17
RE: Tyrannen der Weltgeschichte:
Shaka Zulu würde ich mit zur ersten Reihe afrikanischer Tyrannen dazu zählen, aber ich denke, du meinst eher Idi Amin, Bokassa, Mengistu, Mobutu...Es sind alles Leute, die sich an die Spitze der ungefestigten ehemaligen Kolonien setzten und mit den Mitteln der Kolonialisten deren Herrschaft unter einheimischen Vorzeichen fortsetzten.
In der Zeit des Kalten Krieges reichte es, sich für den Osten oder für den Westen zu erklären und schon hatte man eine Supermacht im Rücken, die einen stärkte.

Interessanter fände ich es, mal zu schauen, wer von den mittelalterlichen afrikanischen Herrschern oder gar von den antiken afrikanischen Herrschern als Tyrann auch nach den Maßstäben des eigenen Landes durchgehen würde. Wer wird von den arabischen Historiographen schon als Tyrann bezeichnet?

VG
Christian
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
03.08.2013, 17:57
Beitrag: #18
RE: Tyrannen der Weltgeschichte:
(03.08.2013 16:02)913Chris schrieb:  ./.
Interessanter fände ich es, mal zu schauen, wer von den mittelalterlichen afrikanischen Herrschern oder gar von den antiken afrikanischen Herrschern als Tyrann auch nach den Maßstäben des eigenen Landes durchgehen würde. Wer wird von den arabischen Historiographen schon als Tyrann bezeichnet?

VG
Christian

Tyrannen auf dem Boden Afrikas.

Vorschläge für das 19. Jahrhundert:
Tibbu Tip, der Mahdi, Carl Peters, Busheri

"Die Inflation muss als das hingestellt werden, was sie wirklich ist, nämlich als Betrug am Staatsbürger, der um einen Teil seines Einkommens, aber noch mehr um seine Ersparnisse gebracht wird.!" (Ludwig Erhard, Bundeskalnzler 1963 bis 1966)
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
03.08.2013, 20:53
Beitrag: #19
RE: Tyrannen der Weltgeschichte:
(03.08.2013 17:57)Suebe schrieb:  Tyrannen auf dem Boden Afrikas.

Vorschläge für das 19. Jahrhundert:
Tibbu Tip, der Mahdi, Carl Peters, Busheri

Cecil Rhodes und auch Leopold II. von Belgien würde ich ebenfalls dazu zählen.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
04.08.2013, 11:26
Beitrag: #20
RE: Tyrannen der Weltgeschichte:
(03.08.2013 17:57)Suebe schrieb:  Vorschläge für das 19. Jahrhundert:
(...)der Mahdi(...)
Warum nicht auch Muhammad Ali? (den ägyptisch-osmanischen Vizekönig)?

VG
Christian
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Antwort schreiben 


Möglicherweise verwandte Themen...
Thema: Verfasser Antworten: Ansichten: Letzter Beitrag
  Grösste Flotten der Weltgeschichte Hallo 15 33.948 23.01.2016 21:29
Letzter Beitrag: Köbis17
  Wetter und Weltgeschichte Maxdorfer 14 30.598 30.12.2014 09:47
Letzter Beitrag: liberace
  Die 10 bedeutendsten Personen der Weltgeschichte Maxdorfer 79 142.070 01.07.2013 09:02
Letzter Beitrag: Maxdorfer
  Revolutionen der Weltgeschichte Maxdorfer 75 145.552 02.08.2012 12:23
Letzter Beitrag: Annatar

Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen:

Kontakt    |     Startseite    |     Nach oben    |     Zum Inhalt    |     SiteMap    |     RSS-Feeds