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Im September 1914 schon verloren?
16.09.2013, 12:40
Beitrag: #1
Im September 1914 schon verloren?
Als die Marneschlacht verlorengegangen war, war die aus damaliger Sicht einzige Chance den Krieg zu gewinnen dahin.

Das will ich hier aber gar nicht diskutieren.
Es handelt sich dabei auch keineswegs um meine Einschätzung, sondern um die wirklich relevanter Entscheidungsträger in Deutschlands Wissenschaft, Forschung und Industrie im Jahre 1914.

Das waren aber Patrioten im besten Sinne, sehr entschiedene, die der Meinung waren:
es muss etwas geschehen!
Man trat an die Reichsleitung, das Kriegsministerium und die Marineleitung heran, und bot diesen diverse Projekte und Patente an, die schon angedacht und teilweise vorentwickelt waren.

Diese Umstände, die Projekte und deren Umsetzung oder auch nicht, würde ich hier gerne näher untersuchen.

Aber, alleine werde ich das nicht schaffen, ich bitte deshalb sehr um rege Mitarbeit.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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16.09.2013, 12:42
Beitrag: #2
RE: Im September 1914 schon verloren?
Hier hatte ich schon mal eines dieser Projekte vorgestellt:


(12.09.2013 12:30)Suebe schrieb:  In den letzten Wochen ist mal wieder ein Rüstungsskandal durch die Medien gegangen.
Die Drohnen, die wohl nicht wie gewünscht funktionieren...

(Fällt euch was auf? kein Mensch redet mehr davon, es werden längst andere Sauen durchs Dorf getrieben....Mediengesellschaft eben)

Die Drohne, wie sie unsere großer Verbündeter schon einige Zeit einsetzt, haben allerdings Vorläufer in der kaiserlich deutschen Marine ab 1914.
Mit Fernlenkbooten wurden in Flandern britische und französische Blockadeschiffe und auch Hafenanlagen angegriffen. Interessanterweise auch ein britischer "Monitor" in dem Fall flachgehende Schiffe die mit riesigen Geschütztürmen von ausgemusterten Schlachtschiffen armiert waren.

Im Herbst 1914 traten verschiedene deutsche Firmen an die Reichsleitung heran, um boten ihre Patente für diverse Projekte an.
aus wiki:
Zitat:Unmittelbar nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges traten u.a. die Firmen Siemens, With, Giesler und Goldbach an das deutsche Kriegsministerium sowie an das Reichsmarineamt heran, um ihre zahlreichen Patente und Vorplanungen der Kriegsführung zur Verfügung zu stellen. Nach Auswertung der Vorschläge, die unter der Leitung von Ferdinand Graf von Zeppelin standen, erhielten die Verkehrstechnische Kommission des Kriegsministeriums, die Technische Versuchskommission der Marine sowie das Torpedo-Versuchs-Kommando am 13. November 1914 den Auftrag, Fernlenkversuche mit Luftschiffen, Flugzeugen, Booten und Torpedos anzustellen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Fernlenkboot

man hielt dann die Fernlenkboote für rfolgversprechend und entwickelte, wobei die Empfangsanlage auf den Booten nicht unterzubringen war, und man deshlab auf Kabelfernsteuerung umstieg.

[Bild: 250px-Fernlenboot_der_kaiserlichen_Marine.jpg]

(12.09.2013 14:57)Suebe schrieb:  Es gibt wohl im Siemens Archiv, heute in München, ganze Stapel von Dokumenten zu diesen Fernlenkbooten, es scheint auch so zu sein, dass die Versuche keineswegs im Frühjahr 1918 abgebrochen wurden, wie es die deutsche Wikipedia schreibt.
Leider fehlen mir bis dato nähere Infos.
wobei ich doch annehme, dass es weitere Publikationen darüber gibt.

Hat einer der Mitstreiter hier nähere Infos zu den Fernlenkbooten?


OT: Was man immer wieder feststellen kann, zum WK2 ist jede Idee die ein deutscher Flugzeug- oder Schiffbauingenieur irgenwann zu Papier brachte breitest ausgetreten und diskutiert.
Der WK1 ist ziemlich vergessen. Zumindest in Deutschland.

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16.09.2013, 19:52
Beitrag: #3
RE: Im September 1914 schon verloren?
(16.09.2013 12:40)Suebe schrieb:  Als die Marneschlacht verlorengegangen war, war die aus damaliger Sicht einzige Chance den Krieg zu gewinnen dahin.

Das will ich hier aber gar nicht diskutieren.
[...]

Nichtsdestotrotz teile ich die Ansicht, dass mit dem "Wunder an der Marne" der Krieg verloren war, nicht.
Diese Ansicht ist m.E. auch keineswegs common sense. Die verlorene Marneschlacht war nur ein großer Puzzlestein für die deutsche Niederlage.

MfG, Titus Feuerfuchs
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16.09.2013, 20:01
Beitrag: #4
RE: Im September 1914 schon verloren?
(16.09.2013 19:52)Titus Feuerfuchs schrieb:  
(16.09.2013 12:40)Suebe schrieb:  Als die Marneschlacht verlorengegangen war, war die aus damaliger Sicht einzige Chance den Krieg zu gewinnen dahin.

Das will ich hier aber gar nicht diskutieren.
[...]

Nichtsdestotrotz teile ich die Ansicht, dass mit dem "Wunder an der Marne" der Krieg verloren war, nicht.
Diese Ansicht ist m.E. auch keineswegs common sense. Die verlorene Marneschlacht war nur ein großer Puzzlestein für die deutsche Niederlage.


Interessant, hier aber OT
Mach ein Thema dafür auf.

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17.09.2013, 13:00
Beitrag: #5
RE: Im September 1914 schon verloren?
Im September 1914 bekam Ernst Heinkel eine dringende Einladung zu dem Bosch-Direktor Klein nach Stuttgart, man kannte sich, Heinkel hat ihm zusammen mit Helmuth Hirth (dt. Flugpionier) 1913 ein Albatros Wasserflugzeug verkauft.
Mit dem Klein auf dem Bodensee Flüge machte.

Bei Klein wartete eine hochkarätige Gesellschaft, Robert Bosch, Albert Hirth Vater von Helmuth Hirth und Besitzer der SKF (Süddeutsche Kugellagerfabrik) Claudius Dornier,
und unter weiteren Graf Zeppelin.
Graf Zeppelin stellte seinen Plan vor, ein Großflugzeug zu bauen, das im Stande wäre eine sehr große Bombe zu transportieren, die über einem Hafen abgeworfen, sämtliche dort vor Anker liegenden Schiffe zerstören könnte.
Die grundsätzlich richtige Idee, abgesehen von der "Riesenbombe" wurde festgestellt.
Helmuth Hirth, zu der Zeit als Kriegsfreiwillger im "Felde", hatte die Herren überzeugt, dass ein solches Flugzeug nur mit dem Konstrukteur Heinkel zu realisieren wäre.
Heinkel widerum schlug Prof. Baumann von der TH Stgt., bei dem er studiert hatte, als Wissenschaftler für das Projekt vor.

Dies war die Geburtsstunde der VGO (Versuchsbau Gotha Ost) später nach Staaken verlegt.
Entwicklungs-Firma der deutschen Gothas- und Staaken-Riesenbomber

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17.09.2013, 17:48
Beitrag: #6
RE: Im September 1914 schon verloren?
(16.09.2013 19:52)Titus Feuerfuchs schrieb:  Nichtsdestotrotz teile ich die Ansicht, dass mit dem "Wunder an der Marne" der Krieg verloren war, nicht.
Diese Ansicht ist m.E. auch keineswegs common sense. Die verlorene Marneschlacht war nur ein großer Puzzlestein für die deutsche Niederlage.

Im Nachinein, vor allem. Den Zeitgenossen wird es anders erschienen sein. Der Angriff auf Paris hatte sich aus dieser Sicht "nur" festgefahren, und man war auf den Abnutzungskrieg umgestiegen. Dabei blieb man dann im Wesentlichen den ganzen Krieg über. Dass das auf den Gesamtkrieg gesehen keine schlechte Strategie war, zeigt die Tatsache, dass v.a. die Franzosen ja tatsächlich einmal kurz davor waren, den Krieg wegen Meutereien zu verlieren. Allerdings war diese Taktik auch einigermaßen menschenverachtend, denn dadurch wurden die Soldaten zu "Abnutzungsmaterial" und den Deutschen musste klar sein, dass die Franzosen und Briten in ihrer kombinierten Rüstungskraft allemal den Deutschen überlegen sein würden, noch dazu, wo das Reich ja auch noch mit den Russen beschäftigt war.
Daher hofften die Deutschen auch so auf Seesiege, um die vorhersehbare Blockade durch die Navy aufzubrechen. Die Realität zeigte, dass das so nicht möglich war. Außerdem hatten die Alliierten ja immer noch ihre Kolonialreiche als Resourcenquelle.

Die Marneschlacht war also der entscheidende Wendepunkt. Die Reaktion auf diese Wende entschied letzten Endes den Krieg, das war den Zeitgenossen klar und das erwies sich auch im Nachhinein als korrekte Einschätzung.

VG
Christian
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17.09.2013, 18:34
Beitrag: #7
RE: Im September 1914 schon verloren?
(17.09.2013 17:48)913Chris schrieb:  
(16.09.2013 19:52)Titus Feuerfuchs schrieb:  Nichtsdestotrotz teile ich die Ansicht, dass mit dem "Wunder an der Marne" der Krieg verloren war, nicht.
Diese Ansicht ist m.E. auch keineswegs common sense. Die verlorene Marneschlacht war nur ein großer Puzzlestein für die deutsche Niederlage.

Im Nachinein, vor allem. Den Zeitgenossen wird es anders erschienen sein. Der Angriff auf Paris hatte sich aus dieser Sicht "nur" festgefahren, und man war auf den Abnutzungskrieg umgestiegen. Dabei blieb man dann im Wesentlichen den ganzen Krieg über. Dass das auf den Gesamtkrieg gesehen keine schlechte Strategie war, zeigt die Tatsache, dass v.a. die Franzosen ja tatsächlich einmal kurz davor waren, den Krieg wegen Meutereien zu verlieren. Allerdings war diese Taktik auch einigermaßen menschenverachtend, denn dadurch wurden die Soldaten zu "Abnutzungsmaterial" und den Deutschen musste klar sein, dass die Franzosen und Briten in ihrer kombinierten Rüstungskraft allemal den Deutschen überlegen sein würden, noch dazu, wo das Reich ja auch noch mit den Russen beschäftigt war.
Daher hofften die Deutschen auch so auf Seesiege, um die vorhersehbare Blockade durch die Navy aufzubrechen. Die Realität zeigte, dass das so nicht möglich war. Außerdem hatten die Alliierten ja immer noch ihre Kolonialreiche als Resourcenquelle.

Die Marneschlacht war also der entscheidende Wendepunkt. Die Reaktion auf diese Wende entschied letzten Endes den Krieg, das war den Zeitgenossen klar und das erwies sich auch im Nachhinein als korrekte Einschätzung.

VG
Christian

Hab einen neuen Thread dazu eröffnet:

http://www.forum-geschichte.at/Forum/sho...4#pid29494

MfG, Titus Feuerfuchs
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17.09.2013, 20:07
Beitrag: #8
RE: Im September 1914 schon verloren?
(17.09.2013 17:48)913Chris schrieb:  
(16.09.2013 19:52)Titus Feuerfuchs schrieb:  Nichtsdestotrotz teile ich die Ansicht, dass mit dem "Wunder an der Marne" der Krieg verloren war, nicht.
Diese Ansicht ist m.E. auch keineswegs common sense. Die verlorene Marneschlacht war nur ein großer Puzzlestein für die deutsche Niederlage.

Im Nachinein, vor allem. Den Zeitgenossen wird es anders erschienen sein. Der Angriff auf Paris hatte sich aus dieser Sicht "nur" festgefahren, und man war auf den Abnutzungskrieg umgestiegen. Dabei blieb man dann im Wesentlichen den ganzen Krieg über. Dass das auf den Gesamtkrieg gesehen keine schlechte Strategie war, zeigt die Tatsache, dass v.a. die Franzosen ja tatsächlich einmal kurz davor waren, den Krieg wegen Meutereien zu verlieren. Allerdings war diese Taktik auch einigermaßen menschenverachtend, denn dadurch wurden die Soldaten zu "Abnutzungsmaterial" und den Deutschen musste klar sein, dass die Franzosen und Briten in ihrer kombinierten Rüstungskraft allemal den Deutschen überlegen sein würden, noch dazu, wo das Reich ja auch noch mit den Russen beschäftigt war.
Daher hofften die Deutschen auch so auf Seesiege, um die vorhersehbare Blockade durch die Navy aufzubrechen. Die Realität zeigte, dass das so nicht möglich war. Außerdem hatten die Alliierten ja immer noch ihre Kolonialreiche als Resourcenquelle.

Die Marneschlacht war also der entscheidende Wendepunkt. Die Reaktion auf diese Wende entschied letzten Endes den Krieg, das war den Zeitgenossen klar und das erwies sich auch im Nachhinein als korrekte Einschätzung.

VG
Christian

Das hast du sehr gut herausgearbeitet.

Wobei die Hoffnung auf Seesiege bestand eigentlich nicht. Dass die Briten zur Fernblockade greifen würden, war seit 1-2 Jahren bekannt. Und um die zu brechen, resp. um es zu versuchen, gab es zu wenig Kriegsschiffe mit der entsprechenden "Dampfstrecke". Für das Gros der Hochseeflotte war in der mittleren Nordsee schluss. Man konnte noch, sehr erfolgreich das Kattegatt für die Briten sperren, aber mehr ging nicht.
Wobei, das muss man halt auch klipp und klar schreiben, die Blockade war in der dann durchgeführten Form durch das Londoner (sic) Seerechtsabkommen verboten! Das die Briten initiiert, unterschrieben aber nicht ratifiziert hatten. Ein Verhalten das im nachhinein auch nur dem Sieger toleriert wird.

Auf alle Fälle, nach der Marneschlacht war der Krieg, wenn nicht grundlegende Dinge geschahen für das Deutsche Reich, für die Mittelmächte verloren.

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17.09.2013, 20:17
Beitrag: #9
RE: Im September 1914 schon verloren?
Selbstzitat
Zitat:Auf alle Fälle, nach der Marneschlacht war der Krieg, wenn nicht grundlegende Dinge geschahen für das Deutsche Reich, für die Mittelmächte verloren.

so sah es für die Wirtschaftsführer, Wissenschaftler, Techniker aus.
Das war die Ausgangssituation, die von diesen Herren, die ja den entsprechenden Weitblick hatten, klar erkannt wurde.

Diese Herren waren Patrioten.
Das Deutsche Reich des Jahres 1914 war im Besitz von hochgradigen Wissenschaftlern, Technikern, Schlüsseltechnologien und einer industriellen Kapazität die gerade noch von den USA übertroffen wurde.

Und diese Herren waren entschlossen grundlegende Dinge geschehen zu lassen.

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17.09.2013, 20:24
Beitrag: #10
RE: Im September 1914 schon verloren?
(17.09.2013 19:15)Köbis17 schrieb:  Interessant mit den Fernlenkbooten, habe ich so noch nie gesehen im Zusammenhang mit der kaiserlichen Marine ... theoretisch kannst dann auch einen Torpedo verschiessen, der zwar eine kleinere Sprengladung besitzt, aber das Schiff unter der Wasserline trifft und under dem Panzergürtel.

Angedacht wurde auch dies.
Man hatte glaube ich, keine Hoffnung die Fernlenkung in einem Torpedo unterzubringen.

Der Siemens-Anteil an der Entwicklung hatte übrigens historische Wurzeln, einer der ersten großen Erfolge Werner von Siemens war die Verteidigung des Kieler Hafens mit ferngezündeten Seeminen. 1848

Zitat:Ich schau mal ob ich was zu den Fernlenkbooten finden kann.

Das wäre grosse Klasse.

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18.09.2013, 10:14
Beitrag: #11
RE: Im September 1914 schon verloren?
Im September 1914 war der Minimumfaktor Nummer 1 der

Salpeter

der bis dato per Flying-P-Liner aus Chile kam.

im alten G-G-Forum haben wir dies schon mal diskutiert.
http://www.g-geschichte.de/forum/1-weltk...these.html

im Nirwana habe ich mal diesen Beitrag zum Thema verfasst:
Zitat: Munition/Düngemittel: Das Manhattan-Projekt des 1. Weltkrieges
Ammoniak-Synthese 1914

Der 1. Weltkrieg war Weihnachten 1914 schon zu Ende.
Die Deutschen hatten nichts mehr zum Schießen.
Und im Jahr darauf mangels Dünger auch nichts mehr zu beißen.

Wenn das nicht gelungen wäre:
Zitat:
Von militärischer Bedeutung ist Ammoniumnitrat (Ammonsalpeter), ein Produkt aus Ammoniak und Salpetersäure, zur Herstellung von Sprengstoff, daher wurde die Weiterentwicklung des Verfahrens bis zur großindustriellen Anwendbarkeit 1914 auf Druck des deutschen Generalstabsschefs Erich von Falkenhayn forciert. Als das Deutsche Reich während des Ersten Weltkriegs durch die alliierte Seeblockade von natürlichen Stickstoffquellen (Chilesalpeter) abgeschnitten war, gelang es nur mit Hilfe des Haber-Bosch-Verfahrens, den schon Ende 1914 drohenden Zusammenbruch der deutschen Munitionsproduktion abzuwenden und auch die Düngemittelproduktion aufrecht zu erhalten.
Großanlagen wurden unter anderem in Ludwigshafen-Oppau, Leuna und Bitterfeld durch die BASF und nach Fusion im deutschen Großkonzern der I.G. Farben betrieben. Der erste zur Produktion eingesetzte Hochdruck-Reaktor ist heute noch im Original erhalten und kann im öffentlichen Park vor dem BASF-Kasino in Ludwigshafen besichtigt werden.
Die Verfügbarkeit großer Mengen an Stickstoffdünger gab Anlass für umfangreiche landwirtschaftliche Forschungen, in denen die verwendeten Düngermengen je nach Boden und Pflanzenart optimiert wurden (Minimum-Tonne). Durch großflächigen Düngemitteleinsatz konnte die weltweite landwirtschaftliche Produktion deutlich gesteigert werden.
aus Wiki

Der Punkt ist hier, Salpeter wird als Düngemittel und zur Munitionsherstellung explizit benötigt.
Und es gelang auch 39-45 nicht ausreichend für beide Verwendungszwecke zu produzieren. Die schlechten Ernten 45-46 sind dem geschuldet, dass ab 43 voll auf Munition gesetzt wurde

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18.09.2013, 15:16
Beitrag: #12
RE: Im September 1914 schon verloren?
(18.09.2013 10:14)Suebe schrieb:  Die schlechten Ernten 45-46 sind dem geschuldet, dass ab 43 voll auf Munition gesetzt wurde

Unter anderem. Der Krieg als solcher hat auch die Ernte beeinträchtigt, etwa dadurch, dass (männliche) Arbeitskräfte fehlten, oder dass die Ernte nicht eingebracht werden konnte (besonders 45 und im Osten Deutschlands auch schon 44).
Aber auch das Wetter spielte eine große Rolle.
Hier (http://www.luise-berlin.de/bms/bmstxt00/0009gesd.htm) kann man z.B. nachlesen, dass der Sommer 44 ein sehr heißer Sommer war, gefolgt von einem Winter, der zu mild war. Da auch der Winter 43/44 schon zu mild gewesen war, überlebten viele Schädlinge den Winter und beeinträchtigten die Ernte, außerdem gab es Überschwemmungen, z.B. an der Mosel (auch 1946 war dort ein Überschwemmungsjahr).
DEr Sommer 45 war geprägt vom Ende des Krieges, eine geregelte Ernte konnte fast nirgendwo eingefahren werden.
Vom 14.Dezember 45 bis 31. Januar 46 gab es fast nur Temperaturen von unter -10°C, und auch der Februar war im Vergleich zu den anderen Wintern des Jahrhunderts zu kalt. Insgesamt war der Winter 45/46 der drittkälteste des Jahrhunderts (in Berlin zumindest).

Insgesamt waren also durch Wetter und Krieg die Ernten der Jahre 1944, 1945 und auch noch 1946 schlechte Ernten, was die Not in Deutschland - die auch "nur" durch den Krieg schon schlimm genug gewesen wäre - so steigerte, dass die Alliierten (m.W. auch die Russen) regelrechte Hilfsprogramme starten mussten, wollten sie sich von den Deutschen nicht nachsagen lassen, sie hätten für ihre Besatzungszonen nicht gesorgt.

VG
Christian
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18.09.2013, 16:42
Beitrag: #13
RE: Im September 1914 schon verloren?
1944/45 war übrigens das Jahr, als der Kartoffelkäfer erstmals in Deutschland flächendeckend zuschlug. Das hat erheblich zum Hunger in der Nachkriegszeit beigetragen. Es ist immer wieder von den Nazis und später den Kommunisten behauptet worden, dass die USA bei der Verbreitung ein bisschen nachgeholfen haben. Das gilt als unbewiesen, obwohl die zeitliche und geographische Abfolge der Kalamität ab 1942 gut dazu passen würde.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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18.09.2013, 20:24
Beitrag: #14
RE: Im September 1914 schon verloren?
Die Sommer in Deutschland von 45-53 waren die wärmsten die man jemals offziell gemessen und registriert hat.
ABER: das will soviel auch nicht heißen, denn das macht man gerade mal seit den 1880er Jahren.

OK, ich hatte mich oben mißverständlich ausgedrückt. Mit ein Grund.

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18.09.2013, 20:29
Beitrag: #15
RE: Im September 1914 schon verloren?
Aber kommen wir doch auf den 1. WK zurück.

Was in dem Zusammenhang beachtet gehört,
die Entente hat die Blockadebestimmungen ja im Laufe des Krieges immer mehr verschärft, und auch Lebensmittel "blockiert".
Klarer Völkerrechtsverstoss.
ABER: Im Umkehrschluss wird es klar, mehr Lebensmitteleinfuhr könnte zumindest zu weniger Dünger dafür mehr Munition führen.

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19.09.2013, 12:33
Beitrag: #16
RE: Im September 1914 schon verloren?
(17.09.2013 13:00)Suebe schrieb:  ./.
und unter weiteren Graf Zeppelin.
Graf Zeppelin stellte seinen Plan vor, ein Großflugzeug zu bauen, das im Stande wäre eine sehr große Bombe zu transportieren, die über einem Hafen abgeworfen, sämtliche dort vor Anker liegenden Schiffe zerstören könnte.
Die grundsätzlich richtige Idee, abgesehen von der "Riesenbombe" wurde festgestellt.
./.


Vielleicht noch hier die Fussnote, dass Graf Zeppelin offensichtlich zu diesem Zeitpunkt bereits erkannt hatte, dass dem Flugzeug zumindest akls Kriegsgerät die Zukunft gehören würde, nicht dem Luftschiff!

wobei,
dass die Hochseeflotte am Skagerak entkommen konnte, ist nicht zuletzt der überlegenen deutschen Luftaufklärung dank Zeppelinen zu verdanken.

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04.10.2013, 18:55
Beitrag: #17
RE: Im September 1914 schon verloren?
(16.09.2013 12:40)Suebe schrieb:  Als die Marneschlacht verlorengegangen war, war die aus damaliger Sicht einzige Chance den Krieg zu gewinnen dahin.

Das will ich hier aber gar nicht diskutieren.
Es handelt sich dabei auch keineswegs um meine Einschätzung, sondern um die wirklich relevanter Entscheidungsträger in Deutschlands Wissenschaft, Forschung und Industrie im Jahre 1914.

Das waren aber Patrioten im besten Sinne, sehr entschiedene, die der Meinung waren:
es muss etwas geschehen!
Man trat an die Reichsleitung, das Kriegsministerium und die Marineleitung heran, und bot diesen diverse Projekte und Patente an, die schon angedacht und teilweise vorentwickelt waren.

Diese Umstände, die Projekte und deren Umsetzung oder auch nicht, würde ich hier gerne näher untersuchen.


Die Einschätzung dieser Koryphäen wurde allerdings keineswegs überall geteilt.
So wurden die militärischen Forschungseinrichtungen in diesen Wochen aller Orten im Deutschen Reich geschlossen.

Man ging nach wie vor von einem kurzen Krieg aus,
hat den Forschern, Ingenieuren und Technikern den Stellungsbefehl zur Infanterie geschickt, ihnen ein Gewehr 98 umgehängt und sie bei Langemarck ins MG-Feuer laufen lassen.

Ein Umdenken setzte erst mit der Jahreswende 14-15 ein, aber es war halt bereits viel Zeit verloren.

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04.10.2013, 20:02
Beitrag: #18
RE: Im September 1914 schon verloren?
Man möge mir noch ein Selbstzitat verzeihen:

Zitat:Aber, alleine werde ich das nicht schaffen, ich bitte deshalb sehr um rege Mitarbeit.

Was ich hier noch weiter diskutieren möchte, mal eine kurze Auflistung:

Die "Gaswaffe"
Luftrüstung überhaupt
-Beispiele MG-Synchronisation
Die Funkpeilung
- Beispiel Brummer-Bremse
- Strasser
Der Granatwerfer
Funkaufklärung
Magdeburg - Zimmermanntelegramm

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05.10.2013, 09:02
Beitrag: #19
RE: Im September 1914 schon verloren?
(04.10.2013 18:55)Suebe schrieb:  
(16.09.2013 12:40)Suebe schrieb:  Als die Marneschlacht verlorengegangen war, war die aus damaliger Sicht einzige Chance den Krieg zu gewinnen dahin.

Das will ich hier aber gar nicht diskutieren.
Es handelt sich dabei auch keineswegs um meine Einschätzung, sondern um die wirklich relevanter Entscheidungsträger in Deutschlands Wissenschaft, Forschung und Industrie im Jahre 1914.

Das waren aber Patrioten im besten Sinne, sehr entschiedene, die der Meinung waren:
es muss etwas geschehen!
Man trat an die Reichsleitung, das Kriegsministerium und die Marineleitung heran, und bot diesen diverse Projekte und Patente an, die schon angedacht und teilweise vorentwickelt waren.

Diese Umstände, die Projekte und deren Umsetzung oder auch nicht, würde ich hier gerne näher untersuchen.


Die Einschätzung dieser Koryphäen wurde allerdings keineswegs überall geteilt.
So wurden die militärischen Forschungseinrichtungen in diesen Wochen aller Orten im Deutschen Reich geschlossen.

Man ging nach wie vor von einem kurzen Krieg aus,
hat den Forschern, Ingenieuren und Technikern den Stellungsbefehl zur Infanterie geschickt, ihnen ein Gewehr 98 umgehängt und sie bei Langemarck ins MG-Feuer laufen lassen.

Ein Umdenken setzte erst mit der Jahreswende 14-15 ein, aber es war halt bereits viel Zeit verloren.

Im Januar 1915 wurde zB die Torpedoversuchsanstalt in Eckernförde personell wieder auf den Vorkriegsstand gebracht.
Im März 15 wurden dann noch zusätzlich 2 Hilfsarbeiter eingestellt. Der unvoreingenommene Leser stellt sich da 2 Männer vor, die per Handkarren Vesper und Bier besorgen, aber, man beachte wir haben es mit den kaiserlichen Marineonkels zu tun, zumindest einer der beiden "Hilfsarbeiter" war Professor.
Es ist hier zweifellos OT, wirft aber ein Schlaglicht auf die Borniertheit dieser ganzen Mischpoke, die haben im August 17 (Köbis, Reichpietsch) im November 18 und beim Kapp-Putsch das Reich fast in den Abgrund gerissen.
Wissenschaftler, dringend benötigte, als Hilfsarbeiter zu bezeichnen!
Keine! Marineoffiziere! das können ja höchstens Hilfsarbeiter sein....

(04.10.2013 20:02)Suebe schrieb:  Man möge mir noch ein Selbstzitat verzeihen:

Zitat:Aber, alleine werde ich das nicht schaffen, ich bitte deshalb sehr um rege Mitarbeit.

Was ich hier noch weiter diskutieren möchte, mal eine kurze Auflistung:

Die "Gaswaffe"
Luftrüstung überhaupt
-Beispiele MG-Synchronisation
Die Funkpeilung
- Beispiel Brummer-Bremse
- Strasser
Der Granatwerfer
Funkaufklärung
Magdeburg - Zimmermanntelegramm

Die Handgranate war auch neu.
Flammenwerfer

Außer den genannten Fernlenkbooten hat sich Siemens den ganzen Krieg über mit intensiv mit ferngelenkten "Luft-Torpedos" beschäftigt.
Abgeworfen von Zeppelinen oder Flugzeugen als Gleiter oder auch mit eigenem Antrieb.
Gesteuert über Draht, aber auch bereits per Funk!

Die Bezeichnung "Luft-Torpedo" führt hier etwas in die Irre. Die Entwicklung ging in Richtung "Marschflugkörper" wie die "Gleitbomben" des 2. WK.

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26.11.2013, 21:05
Beitrag: #20
Rathenau und die Kriegsrohstoffbehörde
Um diesen 3nd mal wiederzubeleben. Lol

Am 8. August 1914, sieben Tage nach Kriegsbeginn! wandte sich Rathenau an das preußische Kriegsministerium und wies auf die ernste Rohstofflage, insbesondere beim Schießpulver hin.
Er schlug vor ein Rationalisierungs. und Verteilungssystem für alle von der britischen Seeblockade betroffenen Rohstoffe einzurichten.
Was per Ministererlass auch sofort geschah, und Rathenau wurde zum Chef dieser Behörde ernannt.
Wobei er zusätzlich Überlegungen über Erforschung und Produktion kriegswichtiger Güter auf synthetischem Weg entwickelte.

Ende 1915 bewertete Rathenau seine Arbeit in einem Vortrag:
".... dass es sich um Fragen handelt, von den Krieg und Frieden, Sieg und Nierderlage abhöngen, war niemandem geläufig, und ist es bis heute nicht allen"

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